Hallo Chaosbloeb,
Ich kann dich sehr gut verstehen. Für mich ist es schwer vorstellbar, dass irgendjemand verstehen kann, wie es ist in einer Familie mit einem Suchtkranken aufzuwachsen. Mir ist erst in den letzten Wochen klargeworden, wie der Alkohol meines Vaters die ganze Familie beeinflusst. Ich versteh es ja selbst noch nicht ganz, wie sollen es dann meine Freunde verstehen.
Eins kann ich dir nur raten, hör auf dein Gefühl. Wenn du deine Mutter nicht sehen willst, dann musst du sie nicht sehen. Manchmal frage ich mich, würden das einen die Freunde auch raten, wenn man wirklich geschlagen worden wäre? Aber was gibt es schlimmeres, als wenn die eigene Mutter sagt, wenn du das oder das machst, bring ich mich um. Für mich gibt es nichts Schlimmeres. Egal was man selber im Leben erlebt hat, man darf seinem Kind das nicht antun. Ich habe es selber in der Familie erlebt, dass jemand seinem Kind mit Selbstmord droht. Und nun wundern sich alle, dass das Kind nichts auf die Reihe bekommt. Ich finde es traurig, dass die Zusammenhänge nicht gesehen werden.
Ich habe sowas nicht erlebt. Mein Vater war selten da, er hat uns mit Schweigen bestraft und uns ständig das Gefühl gegeben, wir seien nicht gut genug. Dadurch hat er es geschafft, dass wir alles daran gesetzt haben, ihm zu gefallen. Ich habe das Leben gelebt, wie er es wollte. Wir alle arbeiten im Familienbetrieb, ich versuche gerade eine neue Arbeit zu finden (was er nicht weiß)... Aber dadurch das er selten da war, ist mir erst sehr spät aufgefallen, dass er Alkoholiker ist. Nun gibt es Leute, die mir versuchen zu erklären, das mein Leben doch gar nicht so schlimm verlaufen ist, und das ist es doch nicht ändern muss. Ich hatte eigentlich gehofft, dass meine Mutter mich verstehen würde – aber sie ist dazu auch nicht in der Lage. Sie ist immer noch so in ihrem Co-Verhalten, und es ihm und allen anderen Recht machen, obwohl sie sich getrennt hat. Ich versuche auf mich zu hören. Ich sage mir, was passiert ist, ist passiert, ich kann es nicht mehr ändern. Meine Vergangenheit gehört zu mir, sie hat mich zu dem Menschen gemacht der ich heute bin. Und ich weiß auch endlich, warum ich so bin. Nur es tut weh, zu erkennen, dass die eigenen Eltern einen nicht gefördert haben, sondern geformt zu dem Mensch, den sie wollen.
liebe grüße, laura