Beiträge von Immergrün

    Hallo Chaosbloeb,

    Ich kann dich sehr gut verstehen. Für mich ist es schwer vorstellbar, dass irgendjemand verstehen kann, wie es ist in einer Familie mit einem Suchtkranken aufzuwachsen. Mir ist erst in den letzten Wochen klargeworden, wie der Alkohol meines Vaters die ganze Familie beeinflusst. Ich versteh es ja selbst noch nicht ganz, wie sollen es dann meine Freunde verstehen.

    Eins kann ich dir nur raten, hör auf dein Gefühl. Wenn du deine Mutter nicht sehen willst, dann musst du sie nicht sehen. Manchmal frage ich mich, würden das einen die Freunde auch raten, wenn man wirklich geschlagen worden wäre? Aber was gibt es schlimmeres, als wenn die eigene Mutter sagt, wenn du das oder das machst, bring ich mich um. Für mich gibt es nichts Schlimmeres. Egal was man selber im Leben erlebt hat, man darf seinem Kind das nicht antun. Ich habe es selber in der Familie erlebt, dass jemand seinem Kind mit Selbstmord droht. Und nun wundern sich alle, dass das Kind nichts auf die Reihe bekommt. Ich finde es traurig, dass die Zusammenhänge nicht gesehen werden.

    Ich habe sowas nicht erlebt. Mein Vater war selten da, er hat uns mit Schweigen bestraft und uns ständig das Gefühl gegeben, wir seien nicht gut genug. Dadurch hat er es geschafft, dass wir alles daran gesetzt haben, ihm zu gefallen. Ich habe das Leben gelebt, wie er es wollte. Wir alle arbeiten im Familienbetrieb, ich versuche gerade eine neue Arbeit zu finden (was er nicht weiß)... Aber dadurch das er selten da war, ist mir erst sehr spät aufgefallen, dass er Alkoholiker ist. Nun gibt es Leute, die mir versuchen zu erklären, das mein Leben doch gar nicht so schlimm verlaufen ist, und das ist es doch nicht ändern muss. Ich hatte eigentlich gehofft, dass meine Mutter mich verstehen würde – aber sie ist dazu auch nicht in der Lage. Sie ist immer noch so in ihrem Co-Verhalten, und es ihm und allen anderen Recht machen, obwohl sie sich getrennt hat. Ich versuche auf mich zu hören. Ich sage mir, was passiert ist, ist passiert, ich kann es nicht mehr ändern. Meine Vergangenheit gehört zu mir, sie hat mich zu dem Menschen gemacht der ich heute bin. Und ich weiß auch endlich, warum ich so bin. Nur es tut weh, zu erkennen, dass die eigenen Eltern einen nicht gefördert haben, sondern geformt zu dem Mensch, den sie wollen.

    liebe grüße, laura

    hallo chaosbloeb,

    es ist schwer, von dingen loszulassen, die man über jahre hinweg gehört hat. aber es ist nicht deine schuld, dass deine mutter trinkt. jeder mensch ist für sich selbst verantwortlich und einem kind die verantwortung geben zu wollen, ist feige. das ist meine ansicht. vor allem fällt es mir so leichter, mich von meinem vater abzugrenzen.

    ich musste mir die letzten monate erstmal klar werden, was ein kind ist, und was die eltern für aufgaben haben. dadurch bin ich erstmal wütend geworden, weil meine eltern mich nicht zu einem selbstbewussten, gesunden menschen erzogen haben. die wut kommt nun immer seltener. nun verändere ich mein leben schritt für schritt.

    es ist schwer. besonders wenn man keine unterstützung von den eltern bekommt, sondern einem gesagt wird, dass man es sowieso nicht schafft.

    mit meinem vater rede ich aber kaum noch, weil es ist so als ob man sich im kreis dreht, immer wieder die gleichen sachen. aber ich war schon enttäuscht, dass er mich nach vier wochen nicht mal gefragt hat, wie mein urlaub war. das hat mir gezeigt, dass ich noch meine zeit brauche. damit er mich mit seinem verhalten nicht mehr verletzten kann.

    ein satz habe ich hier im forum gelesen, der mir sehr geholfen hat. ich weiß nicht mehr genau wie er war, aber es ging darum, dass man nicht für immer das kind der eltern ist. ich bin mehr als das. und du auch.

    liebe grüße, laura

    hallo ballerina,

    so richtig kenne ich das gefühl nicht. wobei ich ein paar mal das gefühl hatte, keine luft zu bekommen und deshalb auch nicht schlafen konnte. ich weiß aber wirklich warum ich so gefühlt habe. es ist wirklich schwer, eine familie zu haben.

    ich habe selber von mir und anderen sachen erwartet und vorrausgesetzt, die die anderen aus meine familie nicht erfüllen konnten oder wollten. ich habe mich so vor dem kopf gestoßen gefühlt, das ich erschrocken festgestellt habe, dass ich mein glück noch immer von anderen abhängig gemacht habe. zwar nicht von meinem vater, aber von anderen aus meiner familie.

    ich nehme nun erstmal keine rücksicht mehr, deshalb ist nun alles anders. und wie es aussieht, muss ich mein ganzes leben ändern. auf lange sicht machbar, aber ich hätte es gern sofort. aber das ist gerade nicht möglich. also unternehme ich gerade einen schritt nach dem anderen.

    viele grüße, laura

    hallo sally,

    die sucht zu akzeptieren ist schwer, wenn man sie ständig sehen muss.

    bis vor 3 monaten habe ich meinen vater täglich gesehen und dachte, ich könnte die situation nicht ändern. er ist dann für 2 wochen verschwunden und ich hatte zeit für mich. dadurch ist mir klar geworden, dass ich den abstand brauche. ich kann ihm nicht mehr dabei zusehen, wenn er trinkt.

    bei uns war alles wie eine lawine, viele sachen sind innerhalb von 3 monaten passiert. aber er hat nun sein neues leben und trinkt glücklich weiter. wenn er betrunken ankommt, dann sage ich ihm, es ist dein recht zu trinken und ich habe das recht, zu gehen. sein glück, dass er das akzeptiert, sonst würde ich den kontakt abbrechen.

    hast du denn eine möglichkeit dich zurückzuziehen?

    liebe grüße, laura

    Ich bin manchmal noch wütend auf meinen Vater. Besonders da er ständig wiederholt, dass er ein guter Vater ist. Aber ich hatte in der letzten Zeit viele Gespräche mit ihm. Weil er sich ungeliebt fühlt und ständig den Kontakt gesucht hat. Dadurch hatte ich die Möglichkeit ihm viele Sachen zu sagen und er hat versucht zu zuhören. Es fällt ihm schwer. Aber viel wichtiger ist, er versteht es nicht.

    Es war also nicht wichtig, ob ich mit ihm geredet habe oder nicht. Er lebt in einer vollkommen anderen Welt als ich. Meine Vorstellungen passen gar nicht mit seinen überein. Ich wollte immer von ihm verstanden werden. Aber er kann mich gar nicht verstehen, auch wenn er es versucht.

    Durch diese Erkenntnis wird die Wut weniger. Ich würde ihn auch gerne aus meinem Leben streichen, weil es in seinem Kopf immer nur um die gleichen Dinge geht, und deshalb ist für mich alles zwischen uns gesagt. Er sieht es nicht so, aber wenn er mit Dingen anfängt, die ich nicht hören will, geh ich.

    Ich habe einfach angefangen, mir sein Verhalten nicht mehr gefallen zu lassen. Das habe ich ihm gesagt, und nun versucht er damit klarzukommen bzw. mich umzustimmen. Aber wie gesagt, darüber rede ich mit ihm nicht mehr. Ich habe für mich Grenzen gezogen, die ich ihm immer wieder zeige, z.B. rede ich mit ihm überhaupt nicht mehr über meine Geschwister. Sicher hat er es in der ersten Zeit noch versucht, aber er merkt, dass ich es durchziehe...

    liebe Grüße
    Laura

    Hallo Mischl,
    Willkommen im Forum.
    Ja es tut gut zu merken, dass man nicht alleine ist. Wobei noch schöner ist doch zu wissen, wo das Problem liegt. Nur so kann man versuchen, daran zu arbeiten. Ich habe ja auch immer versucht mich zu ändern, aber ich bin immer wieder am gleichen Punkt angekommen. Ich habe mich immer gefragt, was ist bei mir falsch. Ich habe es einfach nicht verstanden, warum ich nicht so reagiere wie andere. Jetzt wo mir klar geworden ist, dass das an der Sucht meines Vaters liegt, kann ich damit besser umgehen. Ich versuche kleine Sachen zu ändern. Ich fange an, mich selber ernst zu nehmen. Vorher stand immer die Familie an erster Stelle und so viel es mir schwer, frei zu entscheiden. Ich habe eine Reihe von Entscheidungen treffen müssen, die ich nur zum Wohle der Familie dienten. Aber es ist mein Leben und ich kann es aktiv beeinflussen und muss es nicht von meinen Eltern steuern lassen. Ich hoffe, dass ich durch diese Erkenntnis wirklich schaffe, mich ernst zu nehmen. Jedenfalls fühlt es sich so an, als ob ich auf dem richtigen Weg bin.
    viele Grüße, Laura

    Hallo Ballerina,

    ja es ist schon irgendwie komisch, sich von seinen Eltern komplett zu lösen. Und ich stehe ja wirklich erst am Anfang. Aber in anderen Familien ist es normal, dass Kinder irgendwann ihren eigenen Weg gehen. Sicher man hat auch weiterhin Kontakt, aber es wird akzeptiert, dass jeder sein Leben hat.

    Ich habe nun seit zwei Monaten sporadischen Kontakt zu meinem Vater, vorher haben wir uns täglich gesehen. Aber diese zwei Monate waren sehr heilsam für mich. Ich bin mir grad sicher, dass ich auch in Zukunft sehr wenig Kontakt zu ihm haben will. Er ist zu vereinnahmend und würde mir wieder seinen Weg aufdrücken wollen. Und mit diesem Wissen, dass er mich so wie ich bin nicht akzeptiert, kann ich gut damit leben, dass unser Verhältnis nur oberflächlich ist. So schütze ich mich vor ihm, ich höre mir nur noch alle zwei, drei Wochen an, was ich wie machen muss und nicht mehr täglich. Wobei er versucht sich zurückzuhalten mit seinen Ratschlägen. Ich muss mal sehen, wie das erste Weihnachten nach unserer Auseinandersetzung wird. Aber ich hatte schon immer das Gefühl, mein Leben wäre stressfreier ohne meinen Vater. Und es ist wirklich so, ich fühle mich befreiter.
    LG, Laura

    Hallo Ballerina,

    Das ist ja echt hart, was deine Mutter zu dir gesagt hat. Was würdest du machen, wenn sie einfach nur eine Freundin wäre, würdest du dann weiterhin den Kontakt suchen?

    Ich habe eine ältere Schwester, die keinen Kontakt zu mir haben will. Daran hatte ich einige Jahre zu knabbern, weil ich es nicht verstanden habe. Sie hat schon immer eine Vorstellung von mir, die mir nicht entspricht. Eine Zeitlang hatten wir fast denselben Arbeitsweg, und bei ihr war keine Regung im Gesicht, wenn sie mich gesehen hat. Wir sind uns alle zwei, drei Wochen begegnet. Sie sieht nicht gut aus, und ich würde ihr gerne helfen, weil ich doch genau weiß, wie es ist, unseren Vater zu haben. Aber sie will nicht, sie trinkt nun auch jeden Tag... Und ich lasse sie.

    viele Grüße, Laura

    Hallo PrilBlume,

    ich würde jetzt so gern sagen, so kann ein Anstoß aussehe, damit deine Eltern merken, dass sie zu viel trinken. Aber ich habe es meinem Vater in kürzester Zeit öfters gesagt, weil ich es nicht mehr aushielt, was ich über seinen Alkoholkonsum denke. Aber er hat nichts geändert, obwohl es ihm die ganze Familie gesagt hat. Warum sollte er auch? Sein Leben funktioniert mit Alkohol, er hat alles was er sich gewünscht hat. Es stört ihn auch nicht, dass ich den Kontakt zu ihn verringert habe, da er der Meinung ist, das er so ist wie er ist und auch so akzeptiert werden muss. Ich habe ihm Recht gegeben und gesagt, ja es ist dein Leben – aber wenn du Zeit mit mir verbringen möchtest, solltest du nüchtern sein. Ich kann das natürlich machen, weil ich nicht mehr zu Hause wohne. Aber ich war bis vor 2 Monaten täglich bei meinen Eltern, weil sie dann besser miteinander klar kamen. Das würde ich nie wieder machen. Ich habe ihr Leben wichtiger genommen als meins.

    Sprich das ruhig in der Therapie an, es belastet dich doch. Mir geht es besser, seit ich es ausgesprochen habe. Vielleicht überlegst du mal, ob nicht ausziehen eine Alternative ist. Seit ich meinen Vater nicht jeden Tag sehen muss, kann ich es besser akzeptieren, dass er trinkt. Er hat sein Leben, ich habe meins.
    viele Grüße, Laura

    Hallo Kämpferherz,
    Ich kenn das auch, dass man ständig funktionieren muss. Aber ich musste erkennen, dass es mir nicht gut tut. Deshalb versuche ich anders zu denken. Ich bin ein Mensch, der Gefühle und Stimmungen hat. Ich bin keine Maschine, die funktionieren muss. Sicher habe ich auch Schuldgefühle, weil ich von mir selber mehr erwarte als von jeden anderen. Andere dürfen Fehler machen, ich nicht – aber das stimmt nicht. Also gestehe ich mir meine Fehler ein.

    Du muss wirklich kein schlechtes Gewissen haben, dass dein Freund arbeitet und du nicht. Du hast doch geschrieben, dass ihr beide das Baby wolltet. Es ist doch in den meisten Partnerschaften so, dass wenn ein Baby kommt, erstmal ein Partner zu Hause bleibt. Ein Baby ist auch Arbeit, natürlich nicht nur. Und du hast dir doch schon viel vorgenommen, du willst dein Studium weiter machen. Ich habe einige Bekannte, die auch während ihres Studiums Kinder bekommen haben, sie haben ein Jahr Pause gemacht, als sie merkten, dass Kind und Studium nicht passt. Weil für den Moment war das Baby das wichtigste, der eine hat das Baby versorgt, und der andere hat versucht beruflich weiter zu kommen. Bitte rede dir nicht ein, dass du schuld bist, falls dein Partner unglücklich wird. Weil du kannst es doch gar nicht wissen, was in der Zukunft passiert.
    viele Grüße, Laura

    hallo marthe,
    2-3 kaffee ist aber ganz schön viel. aber ich muss auch aufpassen, dass ich nicht zu viel kaffee trinke. ich bin da sehr anfällig, weil mir dann auch schnell komisch im kopf wird.

    ich kenn das auch, man steht auf, ist voller engerie. und wenn man auf den weg zur arbeit ist, beruhigt sich der körper wieder und wird müde. wenn ein kaffee nicht reicht um wieder wach zu werden, trinke ich tee oder wasser und esse etwas. damit mein körper wieder energie bekommt. es gab bei mir zeiten, da habe ich das essen schlichtweg vergessen. aber dadurch das meine schwester eine essstörung hatte, hat sie mir erklärt, wie wichtig das essen für den körper ist.

    seit einige zeit, setzte ich mich nicht mehr unter druck, abzunehmen zu müssen. dazu habe ich gerade gar keine kraft. aber ich habe mir vorgenommen mich gesund zu ernähren, damit mein körper mehr energie bekommt - klappt schon gut. heißt aber nicht, dass ich nicht auch mal meine schokolade esse, wenn mir danach ist.

    ich kann dir nicht wirklich raten, wie du deine kraft wieder bekommst. aber ich habe für mich selbst festgestellt, das ich mir zu viel vorgenommen hatte. ich will immer noch alles, aber ich lasse mir da mehr zeit. zudem gibt es doch auch immer sachen, die einem belasten und kraft rauben. wenn mich eine sache zu sehr belastet und ich aber abwarten muss, weil ich es nicht beeinflussen kann. dann nehme ich mir eine auszeit und gehe spazieren, und überlege in ruhe, was wirklich dringend ist und was ein paar wochen liegen bleiben kann. so mach ich dann wenigstens was dringend ist und es bleibt nicht alles liegen. und ich fühle mich gut, dass ich was geschafft habe.

    viele grüße, laura

    liebe anima,

    du fängst doch langsam an, dich selbst zu finden. und all die gefühle gehören zu dir, die wirst du auch nicht verstecken können, irgendwann werden sie wieder da sein. also solltest du versuchen, du selbst zu sein. klar wirst du dich in den nächsten jahren weiterentwickeln. aber heute gehören auch traurige gefühle zu dir und du versuchst das für dich zu akzeptieren, und wenn jemand mit dir zusammen sein will, wird er es auch akzeptieren. du besteht ja aus mehr als traurigen gefühlen, oder? du bist ein toller mensch, und es ist doch klar, dass das auch andere menschen erkennen.

    es ist natürlich schwer, wenn man immer nur schreckliche und traurige erlebnisse hat, etwas gutes zuzulassen. vorsichtig sein kannst du natürlich trotzdem, daran ist nichts falsches - du passt einfach auf dich auf. aber gibt es denn anlass ihn mit deinem vater zu vergleichen? zum glück gibt es doch unterschiedliche menschen.

    viele grüße, laura

    Hallo anima,
    Ja aber es ist immer einfacher, wenn man mehr Abstand hat. Man hat es nicht ständig vor den Augen und kann sich mit anderem beschäftigen. Ich merke das auch seit mein Vater weg ist. Besonders froh bin ich, dass ich wieder meine Arbeit schaffe – die Gelähmtheit ist weg. Es war schon ätzend, auf Arbeit zu sitzen und nichts zu schaffen – einfach nur Schade um die verlorene Zeit.

    Ich wünsche dir Kraft, die Grenzen zu setzen, wenn du bei deinen Eltern bist. Ich habe ja das letzte Jahr fast täglich Zeit mit meinen Eltern verbracht, aber ich kann das mit meinem Vater nicht mehr. Wobei ich habe es gestern nach fast fünf Wochen geschafft, wieder normal mit meinem Vater umzugehen. Das zeigt mir, dass Zeit doch sehr wichtig ist.
    viele Grüße, Laura

    Hallo unwissend,

    also ich tu mich gerade schwer zu antworten. Es gibt halt keine Anleitung, wie man jemandem helfen kann. Zudem bin ich an einen Punkt gekommen, wo ich verstanden habe, dass man niemandem helfen kann, der gar keine Hilfe haben möchte. Es ist sein Leben, er ist erwachsen und du willst ihm doch sicher nicht vorschreiben, wie er sich zu verhalten hat. Zudem was ist richtiges Verhalten und was falsches?

    Unglückliches Elternhaus, so sehe ich es nicht. Ich komme aus einem kaputten Elternhaus, ach ich habe jetzt gelernt, dass man sowas dysfunktionale Familie nennt. Ich betone das nur, weil meine Kindheit nicht unbedingt unglücklich war. Dennoch hatte ich nicht die Möglichkeit mich frei zu entwickeln. Aber das ist bei jedem anders, manche entwickeln sich vollkommen „normal“, obwohl sie ein suchtkrankes Elternteil haben. Es gibt eine Broschüre von der BKK – ich glaube: Kindern von suchtkranken Eltern Halt geben. Das Lesen hat mir sehr geholfen, obwohl ich kein Kind mehr bin…

    Aber im Endeffekt kannst du deinen Partner nicht ändern. Ich kann und will nicht beurteilen, wie sehr sein Verhalten eure Beziehung belastet. Aber ich habe gesehen, wie Menschen sich selbst aufgeben, um ihren Suchtkranken Partner oder ihrem Partner mit Depressionen beizustehen und ihm zu helfen, weil man sowas doch in der Partnerschaft macht. Bis zu einem gewissen Punkt ist das ok, aber man darf sich selber nicht vergessen. Was ich damit sagen wollte, pass auf, wie weit du gehst.

    viele Grüße, Laura

    Hallo anima,
    wie geht es dir? Bist du immer noch so bedrückt? Fühlst du dich auch so, wenn du nicht bei deinen Eltern bist? Ich glaube, dass man sich Zeit lassen muss. Immerhin hat man sein ganzes Leben nach einer bestimmen Art und Weise gelebt, und sowas kann man nicht von heute auf morgen ändern. Besonders wenn man das Problem erkannt hat, kann einen das ganz schön umwerfen. Also ich meine, wenn man verstanden hat, wo die Ursachen liegen, kann man versuchen, einen Weg zu finden, damit umzugehen.
    Viele Grüße, Laura

    Hallo, hab gerade meinen Eintrag gelesen. Ist eigentlich erst ein Monat her, aber kommt mir dennoch länger vor. Tja ich musste nicht mehr ausziehen. Mein Vater ist gegangen. Von heute auf morgen. Ich versuche es zu akzeptieren, aber dennoch bin ich wütend. Ich versuche zu akzeptieren, dass ich ihn nicht wachrütteln kann. Ich versuche es zu akzeptieren, dass er alle seine Kinder in einen Topf steckt und uns nie als die Menschen wahrnehmen wird, die wir sind. Ich versuche die Dinge zu akzeptieren, die ich nicht ändern kann. Aber was viel schwerer ist, die Kraft zu haben, die Dinge die ich ändern könnte, zu ändern. Ich weiß immer noch nicht, wer ich bin. Mir ist aber klar geworden, dass ich in ständiger Angst lebe. Wenn ich mich frage, wovor ich eigentlich Angst habe, fällt mir keine Antwort ein. Aber sie geht nicht. Also versuche ich mich nicht unter Druck zu setzen, setzte mir kleine Ziele. Leider verfalle ich immer wieder in mein altes Muster… Aber was ist schon ein Monat? :roll:

    Mein Vater hat schon eine Neue. Nun geht mir dauern die Frage durch den Kopf, was mach ich, wenn ich sie treffe? Sag ich ihr, dass er nicht wegen der Trennung trinkt, sondern dass er ein Alkoholiker ist. Aber ich sehe ihn ja nicht, wie sollte ich sie treffen? Ich habe mich entschieden, dass er nicht mehr zu meinen Leben gehört. Sicher ihm gehört noch der Betrieb, und im weitesten Sinne arbeite ich für ihn. Aber er hat sich nun endgültig zurückgezogen, er mischt sich nicht mehr ein. Daran kann man nichts mehr ändern.

    Ich habe mich freier gefühlt, keine Gedanken mehr an ihn. Ich konnte die letzten 10 Tage genießen, ich hatte ja auch Urlaub. Es ist so, als sei er nicht mehr mein Vater. Ich dachte wirklich, ich hätte keine Verbindung mehr zu ihm. Und dann erfahre ich, dass er eine neue Frau hat. Nun zieht er sie mit rein. Mach ich mir nun wieder Gedanken um ihn? Oder tut mir nur die Frau leid, dass sie in seine Falle getappt ist?

    Eins muss man ihn lassen. Er schafft es innerhalb von einem Monat ein neues Leben zuhaben. Warum fällt es mir so schwer, alles hinter mir zu lassen? Ist mir meine Familie wichtiger?

    Viele Grüße, Laura

    Hallo Luna,

    ich arbeite auch in unserem Familienbetrieb und mein Vater trinkt. Eigentlich ist er in Rente und wollte sich zurückziehen, aber loslassen fällt schwer. Meine Mutter ist dadurch zu einer Übermutter geworden, da sie uns wohl schützen wollte. Sie muss alles wissen, regeln, kontrollieren und bestimmen, sie hört nicht zu.

    Ich hatte einige Gefühlsausbrüche in den letzten Jahren, aber keiner hat es mitbekommen. Nachdem letzten im Februar/März, habe ich mir gesagt, ich mach so nicht mehr weiter. Ich habe losgelassen von dem Gedanken "ich muss weiterarbeiten". Ich habe mich noch nicht entschieden, was ich machen könnte, habe aber einige Ideen. Dieses Denken hat mir geholfen, das es noch einen anderen Weg gibt.

    Das habe ich meiner Familie mitgeteilt, dass ich nicht mehr klarkomme und mit dem Gedanken spiele, was Neues anzufangen. Ich weiß nicht, ob ich gehe. Weil so einfach ist es halt doch nicht, aber ich stelle nun mehr in Frage. Ich versuche, zu erst an mich zudenken und dann an die anderen.

    Ich weiß nicht, ob ein kompletter Bruch hilft. Aber gerade kommt es mir so vor, als hätte ich mit meinem Vater gebrochen. Und ich bin grad sehr froh darüber, da er mir aus dem Weg geht. So kann ich in Ruhe überlegen was ich mache, da ich Abstand von ihm habe.

    Ich sage nun auch öfter meiner Mutter, dass ich von den Problemen zwischen ihr und meinem Vater nichts wissen will. Das hilft auch Abstand zu gewinnen, meine Schwester sagt immer: man muss sich abgrenzen, wenn schon nicht räumlich, dann gedanklich.

    Liebe Grüße, Laura

    Hallo Melanie,
    ja das habe ich schon verstanden. Eigentlich...

    Ich versuche meine Gefühle und meine Einstellung zu ändern. Ich denke da bin ich auf einen guten Weg. Aber um richtig Abstand zu bekommen, müsste ich eigentlich umziehen und mir eine neue Arbeit suchen. Das dachte ich bisher, ob es so ist, weiß ich nicht mehr. Und das meine ich, ich müsste mein ganzes Leben neugestalten, weil mein Vater Alkoholiker ist! Und da bin ich unsicher, würde ich es wegen ihm oder wegen mir machen...

    Wobei gerade scheinen mir die Probleme mit ihm sehr weit weg, da er auch nicht da ist. Früher hätte ich mir Sorgen gemacht und wäre wütend gewesen, nun kann ich das akzeptieren. Ich habe mein Leben und ich konzentriere mich darauf.

    liebe Grüße, Laura

    Liebe anima,

    ich denke auch immer, warum soll ich mein Leben ändern, wenn mein Vater trinkt. Ich finde das unfair. Aber ich bemerke dann, dass ich wieder im Selbstmitleid versinke. Dann mach ich mein Bad oder so was sauber, weil dann habe ich was geschafft, was ich sehe. Natürlich habe ich laut Musik an, damit ich nicht denken muss.

    Bei den Freunden kann ich dir nicht wirklich was raten, ich habe mich von allen meinen Freunden zurückgezogen. Ich konnte die ständigen Fragen wie geht es dir und was machst du so, nicht mehr ertragen. Zudem habe ich auch nicht in der Lage gesehen, Freundschaften aufrecht zu halten. Sie mussten nur einen Fehler machen, schon war ich enttäuscht.

    Für mich sind grad meine Geschwister eine große Stütze, besonders meine Schwester, sie ist schon immer meine beste Freundin gewesen. Aber sie hat natürlich die gleichen Probleme wie ich, aber wir sind verschiedene Menschen und gehen damit anders um. Deshalb will ich auch unbedingt eine Therapie, damit ich einfach noch jemanden zum Reden habe. Ihr hat es damals sehr gut getan. Aber ich habe bisher auch noch keinen Termin. Ich ringe mich durch und ruf an, geht keiner ran. Das ist entmutigen, aber ich erzähle es dann meiner Schwester und die sagt dann: Kein Problem, Therapeuten gibt es viele – trau dich und ruf den nächsten an. (Ich habe es noch nicht gemacht, ich weiß, ich mach es bald. :oops: ) Sowas können natürlich Freunde auch machen, dich unterstützen und dir Mut machen, aber dir die Wege nicht abnehmen. Weil letztendlich geht es um dich, und nur du kannst dich beeinflussen.

    Also wenn meine Stimme im Kopf zu mir sagt, du bekommst das nicht hin, dann kann meine Schwester mir noch so gut zureden. Und das mit nichts auf die Reihe kriegen, kenne ich. Ich habe im Moment einen riesen Berg vor mir, meine to-do-Liste ist so lang, dass ich nicht weiß, wo ich anfangen soll. Darum habe ich dann meistens doch nichts gemacht, also ich der Berg noch größer geworden. Jetzt wo ich den Mut hatte, auszusprechen, dass mein Vater ein Alkoholiker ist, kommt es mir vor, als ob der Berg kleiner wird. (Dabei stand das gar nicht auf der Liste! :wink: ) Ich mache nun eine Sache nach der anderen, und wenn ich nur eine statt zwei schaff, bin ich froh, dass ich die eine geschafft habe. Sicher gibt es noch Abende, wo ich nichts gemacht hat. Aber ich zwinge mich dann, mich nicht runterzuziehen. Es ist schwer, jede Woche komme ich ein, zwei mal an einen Punkt, wo ich nicht mehr kann. Dann weine ich und danach geht es mir besser. Aber ich habe auch wundervolle Hunde, und kann lange durch den Wald gehen, das baut mich auf.

    Es hört sich an, als ob du deine Mutter nahe stehst. Das tue ich auch und ich habe ihr erklärt wie ich mich fühle, wie ich denke, was ich will. Sicher bin ich von ihrer Reaktion enttäuscht, dabei hat sie super reagiert. Aber statt mich zu unterstützen, will sie die Probleme für mich lösen. Aber ich habe ihr nun gesagt, dass sie nicht ständig von meinem Vater reden soll. Sowas seiner Mutter zu sagen ist nicht einfach. Aber ich will nicht mehr ihr Mülleimer sein. Das klingt hart, aber ich habe mein Leben. Und das habe ich endlich erkannt. Und versuche es täglich umzusetzen. Aber natürlich in kleinen Schritten, wenn die Schritte zu groß sind, schaff ich das nicht und verfalle wieder ins alte Muster! Erwarte auch nicht zu viel von dir.

    Was ich damit sagen will, rede mit deiner Mutter. Reden tut so gut! Ich will natürlich jetzt immer noch meiner Mutter nicht alles sagen, weil ich Angst habe, ihr damit weh zu tun. Aber letztendlich muss ich an mich denken, und kann nicht immer Rücksicht nehmen.

    Du bist nicht alleine mit deinen Problemen, andere kennen sie auch und irgendwann wird es leichter. (Daran glaube ich!) :D
    liebe Grüße, Laura

    Liebe Riona,

    ist es wichtig wie viel er trinkt? Vermutlich nicht. Mein Vater hat auch Phasen in denen er kein Alkohol trinkt, das kann auch mal bis zu einem Jahr sein. Und dann konnte er auch mal ein Glas Wein trinken. Ich vermute, dass er weiß, dass er irgendwann wieder an trinken kann, deshalb schafft er es zwischenzeitlich nicht zu trinken. Er macht halt nur eine Pause.

    Ich habe aber nun die Trink- und Pausenphasen jahrelang mitgemacht. Habe es toleriert, wenn er getrunken hat und hatte Mitleid mit ihm. Er tat mir leid, aber er hat nicht mal dran gedacht, dass ich vor den gleichen Problemen stehen könnte. Mit Mitleid bin ich nicht weitergekommen, ich habe versucht ihm Dinge abzunehmen und ihm Sachen zu erklären, die er falsch verstanden hat. Aber er trinkt. Ich habe verstanden, dass immer irgendjemand Schuld hat nur nicht er selber. Die Liste ist lang von den Menschen, die Schuld hatten und aus unserem Leben verschwunden sind. Grad ist meine Mutter wieder die Schuldige. Und ich, weil ich ihm ins Gesicht gesagt habe, dass er ein Alkoholiker ist. Das sieht er natürlich nicht ein, und nun redet er nicht mehr mit mir und wenn doch, nur wenn er sich Mut angetrunken hat.

    In den letzten Wochen hatte ich kein Mitleid mehr mit ihm. Ich halte mir immer vor Augen, was meine Eltern mit mir gemacht haben. Warum mach ich mir Sorgen, ob sie miteinander klar kommen. Ich kann ihnen da nicht helfen. Sie sind doch erwachsen. Und ich kann nicht entscheiden, ob sie ihre Ehe weiterführen oder nicht, das können nur sie. So fällt mir die Sache leichter. Das gibt mir Kraft, ihn trinken so lassen und an mich so denken. Vielleicht solltest du es lassen, deinem Stiefvater zu erklären warum sich deine Mutter so verhält. Sie sind doch auch erwachsen und leben miteinander, sie müssen das doch selber klären.

    Liebe Grüße, Laura