Beiträge von Just

    Zitat von Linde66

    Ich habe meine Kindheit wohl nur deshalb überstanden, weil sich mein Denken und Fühlen wie abgestellt hat. Ich war dabei und doch nicht, so eine Art standby-Betrieb des Systems.

    Wenn ich heute Kinder sehe, dann erschreckt es mich, WIE klein und zart die sind. Ich war ja auch mal so, da holen mich manchmal die alten Gefühle von Angst, Überforderung, Hilflosigkeit usw. ein. Wenn ich glückliche Kinder sehe, wie sie spielen, ihre Umgebung erobern, mit Freunden zusammen sind, da findet innendrin wie ein Abgleich statt. Und da liegen Welten dazwischen..., das tut weh. Heute kann ich darüber trauern, damals ging es ums Überleben, da war für Gefühle kein Platz.

    Grüße, Linde

    Ich glaube, dass das ganz wichtig ist, die Gefühle, die man damals nicht hatte nun zu spüren und zu durchleben.

    Zitat von Linde66

    Hallo Just,

    wie geht es dir jetzt?

    Lieber Gruß, Linde

    Gefühlsneutral ...wenn ich mir aber meinen Sohn ansehe, mit seinen fünf Jahren und wenn ich dann daran denke, wie man mit mir damals wohl umgegangen ist, dann tut es mir weh, daran zu denken. Wenn Du verstehst, was ich meine ...

    Heute habe ich meiner Mutter gesagt, dass sie mich damals, mit 18 Jahren, einfach im Stich gelassen hat. Sie ist von zuhause ausgezogen und hat mich mit meinem Vater und seinem Suff einfach alleinge gelassen...sie ist davon ausgegangen, dass ich mit ihr mitziehen würde ...in eine andere Stadt, zu ihrem neuen Lebensgefährten etc ...sie hat mich damals genauso im Stich gelassen, wie mein Vater ...

    Hallo Akasha,

    eine schlimme Situation für Dich. Auch wenn es weh tut: Du kannst nichts machen, Du kannst mit ihr keine Gespräche führen, Du kannst keine "Flaschen" suchen, Du kannst Dich nicht um sie kümmern ...weil: es wird sich nix ändern. Du gehst dran kaputt aber Deine Mutter wird weiter trinken ...es hört sich hart an, sorry aber es ist so. Deine Mutter muss ganz unten sein - dann kann sich was ändern. Sie muss es wollen, nicht Du. Erst wenn der Leidensdruck so stark wird, dass sie nicht mehr kann, gibt es vielleicht einen Chance ...bei meinem Vater waren es 15l Bauchwasser und die Aussage der Ärzte im KH, dass er sterben wird, wenn er so weiter macht ...danach hat es "Klick" gemacht ...sorry wegen der drastischen Worte aber es ist leider so.

    So, ein paar Tage sind ins Land gezogen und ich habe mir so meine Gedanken gemacht ...mein Vater ist trocken, seit ein paar Jahren. Ich besuche ihn ab und an, wir telefonieren aber warum mache ich das? Auch jetzt geht es ihm eigentlich immer nur um ihn ...er fragt nie mal, wie es mir geht, was er mal für mich als Vater tun könnte etc.
    Genau so bei meiner Oma ...sie hat mich in der Zeit der Scheidung tracktiert ...bei meinem Arbeitgeber angerufen und mich schlecht gemacht etc. Jetzt, sie ist alt, hat sich der Kontakt wieder ergeben ...über meinem Vater ...ich frage mich nur, warum gehe ich da hin? Warum halte ich den Kontakt, nachdem, was vorgefallen ist vor Jahren ...es kam von ihr nie ein Wort der Entschuldigung ...man tut so, als ob es die scheiss (Sorry) Jahre gar nicht gegeben hat ...

    Zitat von Chamäleon

    Hallo!

    Nicht nur das, aber vor allem das, hat mich wohl sehr geprägt, auf allen Ebenen. Ich habe viele Ängste, leider unter starker Aufschieberitis und Ablenkerei, die mich (neben den Ängsten) praktisch alle (theoretischen) „Karrierechancen“ gekostet hat, was auch immer das sein mag. Ich kenne meine Wünsche und Bedürfnisse kaum, bin sehr stark von der Reaktion „der anderen“ abhängig; das Ausmaß dieser im weiten Sinne Co-Abhängigkeit wird mir immer klarer: Ein Lächeln einer Frau kann mich für Stunden großartig fühlen lassen, einen Tag später sterbe ich schier vor Verlassenheit und Angst vor Einsamkeit. Und so weiter. Nichts hält, alles rieselt durch mich durch. Was ist das Meine, was ist meine Identität, wer bin ich? Was fühle ich denn da überhaupt, wenn es mir wieder die Kehle zuschnürt oder den Brustkorb abklemmt? Ich VERMUTE Verlassenheit, Einsamkeit etc. Aber WISSEN tue ich es nicht. Differenziertere Gefühle habe ich nicht oder kann sie nicht erkennen/benennen.

    Interessant, wie sich die Symptome gleichen ...wie empfindest Du diesen Identitätsverlust?

    LG

    Hallo Gela,

    mein Vater ist auch seit ca fünf Jahren trocken. Meine Therapeultin meint, es wäre ganz gut, nochmal die Wut zu durchleben und Wut auch zu zeigen. Mich kotzt das einfach an, dass mein Vater dieses Verantwortungsgefühl mir gegenüber einfach so "wegschiebt" mit nem Spruch: mir ging es damals auch schlecht ...klar aber ich bin das Kind von ihm und habe mir damals Halt und Kraft von ihm gewünscht ...nix...es ging darum, dass es IHM auch nicht gut ging ...immer er ...verstehst Du, was ich meine?

    Mal zurück zum Thema: hatte gestern Abend ein Telefonat mit meinem Vater. Ich habe ihm gesagt, wie schlimm es damals für mich gewesen ist, dass er mich auch im Stich gelassen hat. Mutter ist ausgezogen, Vater hat nur noch gesoffen und ich stand da mit 19 Jahren ...er verstand es überhaupt nicht, jaja, war keine schöne Zeit für Dich aber mir ging es auch schlecht etc. Ich habe ihm dann gesagt, dass ich ihn damals wohl als Vater gebraucht hätte, er aber nur an sich und den Alk gedacht hätte ...als ich dann dieses " Deine Mutter war schuld" wieder gehört habe, kam die Wut in mir hoch ...

    Nachdem meine Fingernägel besser geworden sind, wird auch meine Nase besser. Ich hatte immer Probleme mir Entzündungen der Nasen ...nix hat geholfen. Weiter nehme ich zZ ohne Probleme ab ...ich brauch irgendwie diese Schokolade und Fette zZ nicht ...schon komisch. Dafür habe ich zZ leichte Magenschmerzen ...irgendwie ändert sich alles.

    Zitat von Ganymed28

    Wenn du es nicht in deiner Wohnung darfst, wo sonst? Das muss dir nicht peinlich sein.

    Sagen wir es mal so ...ich fand es für mich total ungewöhnlich. Es war anders, als ob es nicht zu mir "passen" würde. Es tat aber auch gut.

    Kennt eigentlich einer von Euch dieses Schamgefühl, vor der Mutter, die nicht getrunken hat, Zärtlichkeiten mit der eigenen Frau zu zeigen?
    Gestern ist es mir wieder aufgefallen. Wir sind mit Kind, Frau und Mutter + Ehemann spazieren gegangen. Die Hand von meiner Frau konnte ich da nicht nehmen ...es war mir irgendwie peinlich. Auch Merkmal eines EKA?

    Mein Vater ist seit fünf Jahren "trocken" und irgendwie hat sich das Verhältnis neutralisiert. Ich habe aber das Gefühl, dass ich da mit ihm noch was aufzuarbeiten habe. Er hat mir nie gesagt, dass das Mist war, was er gemacht hat, nie gesagt, dass es ihm leid tut, dass ich darunter gelitten hätte, dass ich das Studium nicht beendet habe etc ...es ging irgendwie einfach so weiter ...

    Eins noch: meine Fingernägel entwickeln sich zum Guten :) Seit meiner Kindheit sehen meine Finger ganz schlimm aus. Ich habe immer die Nägel malträtiert (abgerissen). Seitdem ich mich mit der Thematik auseinander setze, sehen sie ohne zutun besser aus. Heisst, ich reiss da wohl nicht mehr unbewusst dran rum ...kann aber auch Zufall sein.

    Zitat von Linde66

    Hallo Just,

    wie geht es dir inzwischen?

    LG, Linde

    Hallo Linde,

    danke der Nachfrage ...ich beschäftige mich intensiv mit dem Thema, hatte gestern Therapiestunde und bin wohl auf dem "richtigen" Weg. Symptome der Entfremdung versuche ich zu verdrängen durchs Lernen für die Uni. Habe ja das Buch Familienkrankheit Alkoholismus im Bearbeitung ...ersten Teil habe ich durch ...zweiter Teil liegt hier noch auf dem Schreibtisch.