Beiträge von Gela10

    Hallo BC,

    Zitat

    was ich an dieser Stelle einmal hervorheben möchte: ich finde es toll, dass auch konträre Meinungen so sachlich ausgetauscht werden können, ohne dass es in wüsten Beschimpfungen ausartet.

    Vielen Dank dafür. Ist ein echt toller Thread!

    dafür sind wir doch hier, oder? :D Wenn ich nen Erfahrungsaustausch möchte, dann interessieren mich speziell andere Meinungen als meine, denn mit meiner eigenen komm ich ja grad im Moment nicht weiter...

    Ich stimm Dir jedenfalls zu. Finde diesen Thread auch toll, hab in den zwei Tagen viele Dinge gelernt, die mir auf jeden Fall weiter helfen werden und es hat so einige Denkanstöße gegeben.

    Danke dafür

    Gruß Gela

    Hallo BC,

    Zitat von BlueCloud

    Wenn man eine Beziehung eingeht - gibt es immer ein Risiko, welches man nicht berechnen oder sich vor schützen kann. Es gibt eben keine Garantie und mit einer Erwartungshaltung mache ich mir selber doch soviel kaputt. Meine Sorgen und meine Ängste übertrage ich doch automatisch auf den Anderen, der dann in die Lage versetzt wird, mir irgendwie diese Ängste nehmen zu müssen. Und das ist unheimlich schwer. Diese Erwartung schwebt doch wie ein Damokles-Schwert über einem. Wenn ich also eine traumatisches Erlebnis als Co. mit einem Alkoholiker hatte, dann liegt es doch bei mir als Co., dieses Erlebnis zu verarbeiten und nicht den Anderen dafür sorgen zu lassen, dass es mir nie wieder passiert. Ich selber bin diejenige, die lernen muß sich abzugrenzen und Dinge, die man nicht ändern kann, hinzunehmen und auch die Konsequenzen daraus zu tragen.

    das stimmt.

    Das fatale an Alkoholsucht ist, was sie aus dem Menschen macht. Bei meiner Mutter hat sich das immer angefühlt, als hätte ich zwei verschiedene Menschen vor der Nase. War sie nüchtern ein ein toller Mensch, so wurde sie zum Biest, wenn sie getrunken hatte.
    Ist sicherlich auch nicht bei jedem so, aber ein verändertes Verhalten ist doch eigentlich immer dabei, oder? In einer Beziehung stell ich mir das nun noch schlimmer vor, weil ich im Extremfall das Gefühl habe, mit einem völlig anderen Menschen zusammen zu sein, als den, für den ich mich mal bewusst entschieden habe...Dass da eine gewisse Erwartungshaltung an die Trockenheit entsteht, wenn sich beide für ein weiteres Zusammenleben entschieden haben, mag unangebracht sein, aber ich finde es mehr als menschlich und verständlich...und das hat nix mit Co zu tun.
    Wie soll ich als Angehöriger damit umgehen? Alles der Alkoholsucht zuschreiben und nicht dem Menschen und es ignorieren?

    Gruß Gela

    Hallöle,

    Zitat von Melinak

    sicher hat das sich solche partner zu suchen was mit dem co verhalten zu tun.

    Ja das hat es wohl. Als ich zu Hause raus war, suchte ich mir prompt einen Partner, der zwar keinen Alkohol trank, aber dennoch vollkommen in der Opferrolle steckte. Entsprechend beherrschte er es wunderbar, meine Knöpfe zu drücken. Und für mich wars ja viel einfacher, mich mit seinen Problemen zu beschäftigen, als mit mit den eigenen. Denn das hatte ich wesentlich besser gelernt. Gut, diese Beziehung hab ich wohl auch noch gebraucht, um es endlich zu kapieren. Danach bin ich bewusst ne Weile allein geblieben und mein jetziger Partner hat mit all dem nichts mehr zu tun. Nun kann ich mich aber plötzlich mit mir befassen und da tauchen Dinge auf, die andere wohl schon längst für sich geklärt haben...das hol ich nun eben nach.
    Der damit verbundene "Rollenwechsel" war anfangs allerdings gewöhnungsbedürftig.
    Übrigens ist dieses mich mit Problemen anderer befassen heute für mich zum Warnsignal geworden. Wenn ich anfange, das Problem eines anderen zu meinem zu machen, dann stell ich mir im nächsten Moment selbst die Frage von welchem eigenen Problem ich mich gerade ablenken will...

    Dieses beim anderen sehr stark wahrnehmen, wie es ihm geht und mich emotional zu beteiligen, wenn es demjenigen schlecht geht. Das war mein Automatismus und der hatte mich von mir weg gebracht. Die Anlage dafür ist nach wie vor da, aber ich habe gelernt, damit besser umzugehen. Manchmal fällt es mir allerdings heute noch schwer, mich da abzugrenzen. Arbeite also weiter dran, diesen Automatismus unter meine Kontrolle zu bringen und bei mir zu bleiben.

    Gruß Gela

    Hallo Doro,

    Zitat von Doro


    Nach der Definion, die du bringst, war ich übrigens nie co-abhängig. Ich hatte immer mein eigenes Leben. Ich habe mich nie über ihn definiert. Aber die Sucht hat mein Leben einfach sehr beeinträchtigt - Aggressionen, Unzuverlässigkeiten, usw.
    Und ich hatte das Gefühl, irgendwie für sein Schicksal große Verantwortung zu tragen. Diese gefühlsmäßige Verstrickung nenne ich co-abhängig.

    Das kommt mir bekannt vor, wenn auch in der Mutter-Tochter-Beziehung. Ich hatte auch mein eigenes Leben, Schule etc. Hab meinen Abschluss gemacht, doch ich machte alles irgendwie nebenbei und immer nur das nötigste, um nicht aufzufallen, denn im Hinterkopf kreiste immer ein: Wie kommt sie da raus? Nicht, weil ich toll und selbstlos war, sondern, weil ich selbst wollte, dass der Stress endlich aufhört und weil ich mich schuldig und verantwortlich fühlte. Aber darum gehts nicht.
    Wo ist die Grenze zur Sucht? Ist es Sucht, erst wenn mein eigenes Leben zusammenbricht, weil ich alles vernachlässige und mich mit mir selbst gar nicht mehr befassen kann? Oder ist es schon Sucht, wenn ich zwar meine eigenen Dinge noch geregelt kriege, um nicht aufzufallen, mich selbst aber nicht mehr weiter entwickle, weil ich ausschließlich mit dem anderen beschäftigt bin? Wahrscheinlich gibts die Antwort im Thread schon tausendfach, ich hab sie aber noch nicht gefunden.

    Hallo BC,

    Sorry, fürs Missbrauchen deines Threads, denn eigentlich passt das hier nicht mehr so rein.


    Zu dem, was Du geschrieben hattest: Richtig, wenn das Objekt der Sucht nicht vorhanden ist, lebe ich sie auch nicht aus. Aus reinem Selbstschutz würde ich deshalb den Rückzug antreten. Das heißt natürlich nicht, dass ich mich mit dem Thema deshalb nicht befassen muss. Ich kann ganz gut einfühlen, aber sehr schlecht abgrenzen. Dieses Abgrenzen gilt es weiter zu lernen.

    Was Erwartungen angeht, so bin ich weiterhin der Meinung, dass man diese nicht abstellen kann und deshalb verstehe ich den Sinn der Frage danach, ob das angebracht oder unangebracht ist, nach wie vor nicht. Ich kann nur mein eigenes Handeln, Denken, Verhalten ändern. Nicht das der anderen.

    Dennoch finde ich den Thread sehr interessant und hilfreich. :D

    Gruß Gela

    Hallöle,

    Zitat von Doro

    Deshalb glaube ich auch:
    Co-Abhängigkeit entsteht fast automatisch, wenn jemand längere Zeit mit einem nassen Alkoholiker liiert ist. Insofern ist es oft sozusagen eine sekundäre Geschichte, die eben als Folge der Sucht des Partners entsteht. Oft, nicht immer.

    Da wiedersprech ich jetzt mal. Meine Mutter hatte ne ungefähr 10-jährige nasse Phase. Das ist jetzt 10 Jahre her, sie leben heut noch zusammen, mein Vater ist aber auch nie co-abhängig gewesen. Mag rührend klingen, aber das war es nicht. Die zwei haben sich das Leben zur Hölle gemacht, weil die gegenseitigen Erwartungen, die nun einmal in einer Beziehung vorhanden sind, beidseitig nicht erfüllt wurden. Meine Mutter wollte Unterstützung, mein Vater lediglich, dass sie mit der Trinkerei aufhört...
    Irgendwie hat sie dann den Absprung geschafft.

    Die Tendenz zur Coabhängigkeit hatte eher ich. Bei der "Anlage, aber keine Sucht" würde ich mich selbst auch einordnen. Genau deshalb hab ich noch in der nassen Phase meiner Mutter die Kurve gekratzt. Sonst wär ich wohl in die Sucht reingeschliddert, vielleicht wars auch schon eine. Sie wollte die ganze Zeit da raus und ich hatte versucht, sie zu unterstützen, doch das hat nicht funktioniert. War ein Wechsel zwischen miteinander reden und sich gegenseitig Vorwürfe machen, weil ja nun mal auch Erwartungen im Spiel waren.
    Als ich dann weg war, hat sie es geschafft...Brauchte sie bezüglich mir nun kein schlechtes Gewissen mehr zu haben? Keine Ahnung, hab es auch nie hinterfragt.

    Denke jedenfalls, dass Co-Abhängigkeit, wenn sie zur Sucht wird, und Alkoholsucht zwei Dinge sind, die sich gegenseitig fördern und dass sich dann beide einen Gefallen tun, wenn sie Abstand voneinander nehmen, damit jeder das für sich selbst aufarbeiten kann. Ob man das dann später, wenn man genügend Abstand vom ganzen hat und auch mit den Schuldgefühlen, die entstehen müssen, zurecht kommt, noch einmal gemeinsam angeht, das kann wohl nur jeder selbst wissen. Da gehört aber wohl einiges an Stabilität dazu.

    Jedenfalls kenne ich mich und meine Tendenz, Anlage oder wie auch immer man das nennen mag, gut genug, um mich auf derartiges nicht noch einmal einzulassen.

    Gruß Gela


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    Hallo BC,

    Zitat


    Wenn Du einen Partner hast, der im Rollstuhl sitzt, dann wirst Du ja auch nicht erwarten, dass er wieder läuft - der Rollstuhl ist Teil seiner Erkrankung - genauso, wie der Rückfall Teil meiner Erkrankung ist.

    dieser Vergleich passt nicht, denn ein Rollstuhl wirkt unterstützend bei einer Erkrankung, der Rückfall wirkt zerstörerisch und das wollte ich mir nicht angucken.

    Ich vermute, dass Du folgendes noch einmal bildlich darstellen wolltest?:

    Zitat von BlueCloud


    Ich bekomme diese Erwartungshaltung ja life mit: zum Beispiel in der SHG, wo auch die Co´s mitreden. Dort wird seitens der Co´s viel von Erwartung gesprochen, immer und immer wieder die alten Geschichten aufgewärmt, obwohl der Partner jetzt schon 5 Jahre trocken ist. Der trockene Alk. sitzt meist sehr devot daneben und starrt auf den Fußboden.

    Damit kann ich eher was anfangen. Mich überrascht, dass trockene Alkoholiker und Co´s in einer Selbsthilfegruppe gemeinsam aufarbeiten?
    Kann mir da eigentlich kein Urteil erlauben, frage mich aber, wie das überhaupt funktionieren soll? Können nicht beide nur das Thema für sich aufarbeiten? Unabhängig voneinander? Um genau solche Situationen eben zu vermeiden???

    Im übrigen gehts mir wie Melinak. Ich hab die ganze Zeit das Gefühl, dass Deiner Meinung nach Angehörige ihre Erwartungen abstellen sollen. Ich hätte das auch nicht gekonnt. Aber das schrieb ich bereits.

    Gruß Gela

    Hallo BC,

    Zitat von BlueCloud

    Genauso sehe ich es auch: bei sich bleiben und sich gut um sich selber kümmern, im Hinterkopf haben, dass man sich mit einem chronisch kranken Menschen eingelassen hat, wo die Symptome jederzeit wieder ausbrechen können. Man muß keine Erwartungen haben, wenn man sich gut um sich selber kümmert. Dann braucht man nämlich auch nicht beim Anderen auf etwas zu warten, sondern gibt es sich selber.

    Wenn ich das nicht kann, dann sollte ich mir überlegen, ob ich überhaupt in der emotionalen Lage bin, eine Beziehung mit einem chronisch kranken Menschen einzugehen.

    Du äußerst hier nun Deine Erwartungen an einen Angehörigen. Und ich frage nicht, ob diese angebracht sind, denn sie sind nun mal schlicht und einfach da.
    Wenn jemand mir gegenüber diese Erwartungen äußern würde - und ich wollte, dass er das tut, weil es nichts bringt, sich oder dem anderen was vorzumachen - dann würde ich sagen, dass ich diese Erwartungen nicht erfüllen kann, denn was Du beschreibst, hieße für mich, meine Gefühle bezüglich meines Partners auszuschalten. Wozu habe ich aber einen Partner, wenn der mir egal ist? Dann kann ich auch allein bleiben.
    Ich würde mich also daraufhin zurückziehen...

    Will nur damit sagen, dass es die Frage, ob eine Erwartung angebracht ist oder nicht, meiner Meinung nach nicht geben kann. Es gibt nur die Frage, ob Erwartungen zusammen passen und wenn sie das nicht tun, dann passt man mit dem Partner auch nicht zusammen. Um das rauszukriegen, sollte man diese Erwartungen aber äußern.

    So, ich hab mich jetzt glaub ich ganz schön oft wiederholt. :oops:

    Gruß Gela

    Hallo Gipfel,

    Zitat von gipfel


    "Nassen Rückfällen" gehen sehr oft Verhaltensrückfälle voraus, und einer dieser Verhaltensrückfälle wäre für mich, daß ich irgendeiner Erwartung gerecht werden sollte.

    Hm, und wie machst Du das so mit den Mitmenschen in Deinem Umfeld? Wir leben doch in einer sozialen Gesellschaft und da hat man doch Erwartungen aneinander. Wie gehst Du mit anderen Erwartungen (die nix mit Alkohol zu tun haben) um, die Deine Mitmenschen an Dich haben?

    Gruß Gela

    Hallo BC,

    Nun würde mich mal sehr interessieren, wie sich Deiner Meinung nach ein Angehöriger verhalten sollte? (Hier fehlt jetzt sehr der Ton, denn die Frage kommt sicherlich herausfordernd rüber, aber so meine ich sie nicht, sondern ich meine das schlicht neutral. Es interessiert mich wirklich.)

    Gruß Gela

    Hallo Gipfel,

    Zitat


    Es gibt doch keine "Verpflichtung" dabei zuzuschauen.
    Jeder kann mit seinem Leben machen was er will - auch ein Alkoholiker.
    Wenn er saufen will, dann laß ihn saufen. Ändern kannst Du das ohnehin nicht.

    wir sind uns da einig. So bin ich in der Vergangenheit vorgegangen und so würde ich das auch wieder tun. Da ich das vorher schon mal dargestellt hatte, schrieb ich nicht noch einmal, dass meine Konsequenz beim Rückfall sofort mein persönlicher Rückzug wäre. Hätte ich dann wohl noch einmal tun sollen.

    Zitat


    Deshalb meine Erwartung.
    Ob diese Erwartung angebracht ist, ist da wohl die falsche Frage, denn ich als Angehörige stehe in dem Moment genauso mit dem Rücken zur Wand, wie der Betroffene selbst.

    Bin sowieso der Meinung, dass ich als Angehörige nicht wirklich helfen kann, weil ich emotional viel zu sehr verstrickt bin, viel zu tief drin stecke. Weil ich selbst auch Erwartungen und Bedürfnisse habe und diese nicht einfach ausschalten kann, denn ich bin auch nur ein Mensch.

    Deshalb meine Konsequenzen bei einem Rückfall.

    Da hier Angehörige gefragt waren, wollt ich nur noch mal zeigen, dass es Gründe für diese Erwartungen gibt, und auch wenn sie als unangebracht empfunden werden, wird es deshalb diese Erwartungen wohl immer geben und weil das so ist, finde ich es auch wichtig und richtig, dass offen drüber gesprochen wird, denn nur dann wissen beide Seiten, woran sie sind und ob sie sich drauf einlassen wollen/können oder nicht.

    Gruß Gela

    Hallo BC,

    möchte als Angehörige noch einmal drauf antworten.

    Zitat

    Eigentlich geht es mir gar nicht darum, was ein trockener Alk. bei der Erwartungshaltung denkt oder fühlt - es geht mehr um das Außen, was andere von einem trockenen Alkoholiker erwarten und ob es bei einer Krankheit angebracht ist, eine Erwartungshaltung zu haben.

    So wie Karsten jetzt geschrieben hat:

    Zitat:
    In der Praxis sieht es nun mal so aus, dass eben meine Mutter und auch meine anderen Familienangehörigen das erwarten.
    Nicht jeder setzt sich mit dem Thema so auseinander und denkt eben praktisch.


    Dies war eigentlich meine Kernfrage - ist so eine Erwartungshaltung angebracht?

    Meine Wahrnehmung von aussen ist: Ich kann es nicht ertragen, zuzuschauen, wie sich ein Mensch, den ich liebe, selbst zerstört.

    Deshalb meine Erwartung.
    Ob diese Erwartung angebracht ist, ist da wohl die falsche Frage, denn ich als Angehörige stehe in dem Moment genauso mit dem Rücken zur Wand, wie der Betroffene selbst.

    Bin sowieso der Meinung, dass ich als Angehörige nicht wirklich helfen kann, weil ich emotional viel zu sehr verstrickt bin, viel zu tief drin stecke. Weil ich selbst auch Erwartungen und Bedürfnisse habe und diese nicht einfach ausschalten kann, denn ich bin auch nur ein Mensch.

    Deshalb meine Konsequenzen bei einem Rückfall.

    Gruß Gela

    Nochmal hallo BC,

    mein letzter Text bezog sich auf das Kind als Alkoholiker...dazu kann ich also nichts sagen.

    Wenn meine Mutter rückfällig würde: würde ich mich genauso distanzieren, wie ich das damals auch getan habe. Aus der 1. Hilfe gilt: Eigensicherheit geht vor! Damals hat mich ihre Alkoholsucht fast zerstört und ich könnte heute genausowenig damit umgehen. Und genau deshalb würde ich den Kontakt runterfahren bis abbrechen. Je nach Situation.

    Gruß Gela

    Hallo BC,

    es gibt Situationen, bei denen man erst weiss, wie man reagiert, wenn sie eintreten. Die von Dir beschriebene gehört für mich dazu, deshalb bringt's jetzt nichts, hier nett über die Theorie zu plaudern. Denke das würde dem Thema nicht gerecht werden und könnte mir vorstellen, dass das hier einigen nicht gefällt, die sich mit dieser Situation tatsächlich auseinander setzen müssen. Berichtigt mich, wenn ich mich irre.

    Gruss Gela

    Hallo BinIchMachtlos,
    Kann Deine Traurigkeit verstehen. Allein mich an dieses Gefühl des Alleinseins zu erinnern, nimmt mir manchmal heut noch die Luft. Heute weiss ich aber, dass meine Schwester nicht für mich verantwortlich war und genauso überfordert war, wie ich. Und allein bin ich auch nicht mehr. Und wenn ich es mal bin, ist's auch OK, aber ich nicht mehr isoliert.

    Grundsätzlich denke ich, das hat auch was mit den unterschiedlichen Rollen zu tun, die jeder einzelne in der Familie übernommen hat. Die Rollen, die Kinder in einer Alkfamilie kriegen, die überfordern sie meistens. Und aus Überforderung entstehen dann üble Dinge. Das ist so meine Theorie. Sich hinterher mit der Zeit zu beschäftigen, ist nicht einfach, denn dann muss man sich mit Dingen auseinandersetzen, auf die man selbst auch nicht stolz ist. Bei mir selbst gibt's da auch einige auch wenn ich heute weiss, warum das so passiert ist und es akzeptiere. Das schafft aber auch nicht jeder...Und solang man mit sich selbst nicht im reinen ist und dem anderen gegenüber auch noch ein schlechtes Gewissen hat, solange wird das mit gemeinsam aufarbeiten wohl auch nichts.

    Fleur : und wie war das bei euch? War das immer so oder habt ihr euch irgendwann mal ausgesprochen oder war das nie notwendig?

    Gruss Gela

    Hallo Melinak,

    seh ich genauso wie du. Ich kann und muss nichts erzwingen und ich muss mich nicht quälen. habe mit dem Thema auch halbwegs abgeschlossen. Noch nicht ganz, weil ich z.B. meine Nichte und meinen Neffen sehr gerne öfter sehen würde, denn die zwei sind absolut goldig.

    Gut aber das ist nun mal so. Ja, cih konzentriere mich auch eher auf Freunde, die ich mir ausgesucht habe und meine Schwester tut das genauso.

    Ab und zu denk ich mir allerdings: he, sie hat damals genauso ne Sch...Zeit gehabt, wie ich. Ich hatte noch Glück, weil ich mir halbwegs ne Ersatzfamilie gesucht habe (insofern kann ich dir nur umso mehr recht geben) und dort vieles gelernt habe, was sie nicht lernen konnte. Z.B. miteinander zu reden und sich nicht nur anzugiften. Das zieht sich jetzt durch ihre Familie durch und ich würde ihr wünschen, dass das anders ist. Unterm Strich weiß ich, dass ich nix dran ändern kann und hake auch das immer mehr ab. So ganz bin ich damit noch nicht durch, aber das kommt auch noch.

    Gruß Gela

    Hallo BC,

    So geht wohl jeder anders damit um.

    da ich selbst erlebt habe, wie wachsweich dieses "sofort etwas unternehmen" werden kann, und da ich immer für offene Kommunikation bin, würde ich durchaus sagen, dass ich mit einem Rückfall nicht umgehen könnte und dann auf jeden Fall sofort die Konsequenzen ziehen würde.
    Sicherlich würde daraufhin von vornherein keine Partnerschaft zustande kommen, weil sich mein Gegenüber eben unter Druck gesetzt fühlen würde, aber das ist dann nun mal so. Wenigstens weiß dann jeder, woran er ist.

    Gruß Gela

    Hallo BinIchMachtlos,

    gute Frage an ein EKA. ;) Also´s gibt ja genug Geschwister, die sich nicht verstehen. Aber gibts auch EKA-Geschwister, die sich verstehen? Kennengelernt hab ich noch keines, aber vielleicht ist ja hier jemand unterwegs, der/die das von sich behaupten kann?

    Was meine Schwester und mich betrifft: Mir gehts da ähnlcih wie Dir. Ich hab mich schon soooo oft gefragt, wieso ich gerade mit ihr nicht zurecht komme. Ich habe früher häufiger versucht, den Stress von damals anzusprechen und bin an Wände geraten. Dann hab ich ne Weile mit ner guten Freundin von ihr in einer WG gewohnt. Die Freundin sagte mir dann, dass meine Schwester sich früher Vorwürfe gemacht hätte, weil ich noch zu Hause war (sie ist 6 Jahre älter) und in dem ganzen Mist drin hing und sie nicht. Fühlte sich also für die kleine Schwester verantwortlich, obwohl sie das natürlich überhaupt nicht war. Vielleicht hängt das nach wie vor an ihr. Ich weiß es nciht. Gleichzeitig hat sie aber auch ein paar Ansichten, die mich einfach nerven und die bringt sie in einer Art und Weise rüber, die mich noch mehr nervt. Sie macht sich über die Leute lustig, die das anders sehen als sie. Eine Eigenschaft, die ich überhaupt nicht mag. Zum Beispiel hat sie noch nie verstanden, dass sich jemand für ein Ziel, dass er sich gesetzt hat, so richtig ins Zeug legt. Ehrgeiz ist ihr fremd. Sie lebt nach dem Minimalprinzip. Möglichst wenig Aufwand und damit ein akzeptables Ziel erreichen. Das ist ok, wenn das für sie ok ist. Aber es ist nicht in Ordnung, sich über jeden lustig zu machen, der das anders angeht...Naja, ich sagte ja schon. Wir sind sehr verschieden... (Gerade auf Abwertung und Respektlosigkeit reagiere ich sehr extrem) Insgesamt denk ich, dass eine Auseinandersetzung miteinander erst dann funktioniert, wenn man das Kapitel für sich selbst wirklich abhaken kann. Wenn man genug Abstand von allem hat, stabil genug ist, um auch mal ne sachliche Aussage nicht direkt persönlich zu nehmen. Da ich nicht den Eindruck habe, dass meine Schwester sich mit dem Thema überhaupt weiter auseinandergesetzt hat, sprech ich sie darauf auch nicht an.

    Gruß Gela

    Hallo Gipfel,

    verstehe, was Du meinst und kann den Druck auch ansatzweise nachvollziehen (soweit das eben ein Nicht-Alkoholiker nachvollziehen kann).

    Was ist aber nun die Konsequenz daraus? Dass ich diese Erwartung einem Alkoholiker gegenüber nicht äußern darf?

    Gruß Gela

    Hallo BinIchMachtlos,

    Meine Schwester und ich sind nett zueinander und wenn einer wirklich ernsthaft Hilfe braucht, ist der andere auch da. Aber ansonsten leben wir auf verschiedenen Sternen, obwohl nur 20 Autominuten voneinander entfernt. Ich behaupte von mir, einiges an Einfühlungsvermögen zu haben, aber gerade meine Schwester ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Ich verstehe nicht, wie sie tickt. Sie hat so´ne Art an sich, mit der ich auch schlecht umgehen kann. So unkompliziert für mich der Umgang mit vielen Menschen ist, mit ihr wird es sehr schnell sehr kompliziert. Das liegt sicherlich nicht ausschließlich an ihr, sondern durchaus an uns beiden, aber ich weiß auch nicht, wie ich das ändern soll. Sie wohl auch nicht und so haben wir uns in stillschweigendem gegenseitigen Einvernehmen voneinander zurückgezogen. Jeder lebt sein Leben, zu den Geburtstagen treffen wir uns mal, oder auch nicht, alle paar Monate wird telefoniert und damit ists gut.
    Über die Zeit zu Hause wird grundsätzlich nicht geredet. Meine Familie ist im Reden generell nicht die beste (um es mal harmlos zu formulieren).

    Ja, so ungefähr läuft das. Manchmal finde ich das sehr schade und denk mir: he, ich versuch es doch mal wieder und wir machen mal was zusammen. Aber dann ärgere ich mich gleich wieder über irgendwas oder irgendwas stört mich und dann denk ich mir: wenn es mich stresst, bringts ja auch nichts...Naja, wir sind halt beide, wie wir sind...sehr sehr verschieden.

    Gruß Gela

    Hallöle,

    Also ich ziehe vor jedem den Hut, der sich die Mühe macht, seine eigenen Erfahrungen weiter zu geben, um anderen eventuell ihren Weg zu erleichtern. Erwarten kann man das von niemandem, denke ich. Das muss freiwillig bleiben.
    Und erwarten kann man auch von niemandem, der diese angebotene Hilfe in Anspruch nimmt, dass er dann auch was draus macht. Das muss derjenige auch wieder selbst wissen/entscheiden.

    Gruß Gela