Hallo liebe Leute,
jetzt musste ich gerade schmunzeln, als ich meinen Brief an den Alkohol vom September letzten Jahres las. "Ganz schön theatralisch" dachte ich.
Aber er spiegelt wohl immerhin meine emotionale und geistige Entschlossenheit wider, die ich hatte, als ich mich auf den Weg meiner Trockenheit begab.
Heute vor einem Jahr am 18.07.06 wurde ich Mitglied hier im Forum. Zu diesem Zeitpunkt war ich seit 6 Wochen ohne Alkohol, wollte nie wieder trinken müssen und hatte keine Ahnung davon, wie groß der Unterschied ist zwischen einer Trinkpause - unabhängig von ihrer Länge - und dem Prozess des Trockenwerdens.
In diesem Brief an den Alkohol, den ich dann einige Wochen später absendete, hatte ich geschrieben, dass ich den Alkohol studiert habe, um ihm begegnen zu können.
Ja, das habe ich wohl, habe mich viel mit ihm beschäftigt, in dem ich hier im Forum den großen Pool des zusammengetragenen Wissens über ihn und den Alkoholismus anzapfte und mich mit euch austauschte.
Ich hätte vor einem Jahr wohl kaum vermutet, auf welche Weise ich mich heute immer noch damit auseinandersetzen würde und das ich davon ausgehen würde, dass ich das für eine erfolgreiche Trockenheit mein Leben lang tun würde.
Jetzt bin ich in einem Stadium des Trockenwerdens, wo es gilt, das Erlernte immer wieder umzusetzen und im Alltag zu verankern und nicht müde zu werden, weiter an diesem Prozess des unbetäubten Lebens, der meine Lebensphilosophie geworden ist, zu arbeiten.
Diese "Arbeit" ist nicht so, wie ich das früher gedacht habe. Ich dachte, dass würde eine ganz unangenehme, anstrengende, lästige und humorlose Angelegeheit sein, die man lieber schnell hinter sich bringen möchte.
Aber dem ist nicht so. Ich genieße diesen Prozess über alle Maßen und habe nicht vor, ihn jemals anhalten zu lassen. Meine tief empfundenen Veränderungen, die wirklich ins Innere vordringen, beginnen glaube ich erst langsam einzusetzen und ich freue mich zu jeder Zeit seit ich ohne Alkohol lebe, dass ich diese Schritte gehe, obwohl nicht immer alles gut war in dieser Zeit ... aber ich habe immer eine nüchterne Antwort auf alle Herrausforderungen gefunden, was mein Vertrauen - nicht zuletzt in mich selbst - und meine Zuversicht sehr gestärkt hat.
Das Forum ist/ihr seid meine Selbsthilfegruppe, durch die ich gelernt habe, wie ich ohne Alkohol glücklich und zufrieden leben kann. Ich bin täglich froh, nicht mehr trinken zu müssen und vermisse nicht nur nichts, sondern erfahre das Trockenwerden als imense Bereicherung.
Als lernte ich erst jetzt zu leben ...
Herzliche Grüße vom Micha