Beiträge von Leonia

    Zitat von Sonnenblümchen

    Ich habe da mal ne Fraaaaaaaage...

    Wenn wir die Alkoholsucht und die Co-Abhängigkeit mal insoweit gleichsetzen, als daß die eine stofflich gebunden ist und die andere nicht...

    ...entspricht die Trennung dann in etwa dem körperlichen Entzug?

    Und um dem Rückfall (im Falle der Cos also eine neue Beziehung nach Schema F) vorzubeugen, kommt sozusagen die "eigentliche" Arbeit?

    ja, genauso sehe ich das auch. Wenn man sich um die eigentliche Arbeit rumdrückt, ist man in Gefahr, das Muster zu wiederholen.

    Meistens merkt man`s ja auch nicht gleich, wenn man wiederholt, das ist das tückische dran. Man sucht sich z.B.: einen Mann, der garantiert nicht säuft, dafür aber psychische Probleme oder anderweitige probs, hat, die einer gesunden Beziehung auf Augenhöhe im Wege stehen.

    Ist jedenfalls meine Meinung und meine Erfahrung.
    Natürlich gibt`s auch Leute, die beziehungstechnisch nicht immer wieder in eine neue Co-Falle tappen, aber die haben vorher oft innerlich gründlich aufgeräumt.

    LG Leonia

    Hallo Hartmut,

    eigene Erfahrungen? Ich hatte hilfebedürftige Partner in Folge, fast ausschließlich. Immer, wenn`s mit dem einen nicht mehr weiterging, weil ich zu ausgelaugt und desillusioniert war, habe ich eine kürzere oder längere Pause eingelegt und mir daraufhin einen ähnlich gestrickten Mann gesucht.

    Meine Chance, aus der Co-Abhängigkeit rauszukommen ist also nicht die Trennung vom trockenen Partner, sondern eher der Versuch, mit einem trockenen Partner zu leben.
    Denn, mein Freund xxx, wird als trockener Alkoholiker aller Voraussicht nach wesentlich stärker, eigenständiger und fitter als als nasser sein. Zumal er bereits nass viel auf die Reihe gekriegt hat.

    Darin sehe ich die Chance auf eine echte Partnerschaft auf Augenhöhe.

    Würde ich xxx hingegen verlassen, und z.B.: meinen Interessenten als Partner nehmen, der zwar kein Alkoholiker ist, aber dafür andere deutliche Probleme hat, dann würde ich mich in meinem Co-Hamster-Rad nur wieder ein bißchen weiter drehen, denke ich.

    Ich für mich sehe die Chance, meine Co-Abhängigkeit zu bearbeiten, darin, daß ich auf Ursachensuche gehe. Was in meiner Herkuftsfamilie hat mich dazu gebracht, was hat diese Entwicklung bedingt? Wieso möchte ich einen gewissen part in einer Beziehung einnehmen, wieso ziehe ich hilfebedürftige Männer an?
    Dazu habe ich mir bereits Anlaufstellen gesucht und hoffe auch, hier im Forum weiterhin Anregungen und Gedanken dazu zu bekommen.

    Herzliche Grüße
    Leonia

    edit summerdream: bitte keine realen Namen von Dritten thx

    Hallo Nordlicht,

    Zitat von Nordlicht

    auch mich hat dieser Begriff "mein Alki" abgestoßen,
    zeigt er mich doch wie sehr Du mit deinen Gedanken,
    deinem Handeln nicht bei dir bist.
    Deine Angelegenheiten, deine Abhänigkeiten sollten hier Thema
    sein, und nicht irgendwelche Besitzansprüche an andere Menschen.

    hast Du nicht gelesen, daß ich mich bei Linde für ihren Hinweis auf das Gefahrenpotenzial, das die Verwendung dieses Ausdrucks beinhaltet, bedankt habe? Konnte ich damit nicht klar machen, dass ich das reflektiert habe?

    Ganz ehrlich, ich finde, dass hier im Forum manchmal zu hart mit Co-Abhängigen umgegangen wird. Und außerdem etwas einseitig. Denn das hier oft propagierte Allheilmittel scheint die Trennung vom Alkoholiker zu sein, obwohl dieses Mittel ja in der Realität oft nicht greift, da das Muster der Co-Abhängigkeit in der Regel tiefer sitzt, was sich spätestens dann zeigt, wenn der ehemalige Co die nächste Beziehung mit einem hilfebdürftigen Partner eingeht.

    Für mich ist also das Mittel Trennung keine Lösung, zumal ich es in der Vergangenheit bei einem anderen hilfebedürftigen Partner mit dem ich zusammen war, bereits ausprobiert habe und damit nicht erfolgreich war.

    Liebes Sonnenblümchen,

    Zitat

    Ich möchte Dich an dieser Stelle bitten, Dich einmal selbst zu fragen: Willst Du wirklich Dein Leben mit ihm teilen, liebst Du ihn als Menschen oder ist es auch wieder so ein Machtgefälle nach dem Motto: Wenn er schön brav (in diesem Fall trocken) ist, bekommt er die Liebe, die ich geben kann?

    ja, ich möchte wirklich mit ihm weiterhin leben, wenn er trocken bleibt. Ich liebe ihn als Menschen, seinen Humor, seine Wärme, sein Wesen. Ich muß immer viel mit ihm lachen, auch jetzt inzwischen wieder, wo er auch als Trockener seinen Humor wieder findet, und ich fühle mich fast immer sehr wohl mit ihm.

    Herzliche Grüße
    Leonia

    Hallo Spedi,

    Zitat von Spedi

    so, nun mal Butter bei die Fische:

    Wo willst Du hin? Freiheit oder Abhängigkeit?
    ....Fang doch erst mal mit dem Grundlegenden an und entscheide Dich für eine der beiden Lösungen.

    Welche?

    Freiheit oder Abhängigkeit, meinst Du damit "Gehen oder Bleiben"?

    Falls Du das meinst, kann ich Dir ganz klar antworten: Nein, ich habe nicht vor, mich von meinem Partner zu trennen, der nun endlich den Schritt gemacht hat und trocken ist und das auch bleiben möchte.

    Nicht, solange er trocken bleibt. Sollte er rückfällig werden, sieht die Sache natürlich anders aus.

    Und klar möchte ich an meiner Co-Abhängigkeit arbeiten, die Ursachen dafür finden und, wenn irgend möglich, abbauen.
    Das geht aber nun leider nicht in sechs Tagen, ich habe nämlich diesen strang erst vor sechs Tagen eröffnet.

    LG Leonia

    Hallo Linde,

    Zitat

    Und den "eigenen" Alki gibt es nicht. Dir gehört niemand, du kannst niemanden besitzen. Er ist auch nicht dein Patient. Niemand hier hat einen eigenen Alki. Das hört sich an, wie den "eigenen" Hund oder Kanarienvogel. Es handelt sich doch um einen erwachsenen Menschen.

    danke für diesen Hinweis. Bin schon mal vor vielen Jahren in einem ganz anderen Kontext darauf hingewiesen worden, daß die Bezeichnung "Alki" eine Verharmlosung und Verniedlichung beinhaltet.

    Liebes Sonnenblümchen,

    Du hast vorher mal hier in einem anderen strang was geschrieben, was ich sehr wichtig und für mich zutreffend fand: Es ging darum, wie sehr Dein Partner mit seiner Hilflosigkeit an Deinen Beschützerinstinkt appelliert, wie lieb und süß Du ihn dabei findest.
    Puuuh, da habe ich mich sehr gut wiedererkannt. Denn genau das sind die beiden, sich ergänzenden parts, die der Alkoholiker und sein Co spielen: Mutter und Kind, Oben und Unten, Stärkere und Schwächere oder wie man es auch nennen mag, jedenfalls keine gleichberechtigte Beziehung.

    Gerade wenn man das durchblickt hat, ist es schon wichtig, so denke ich, auf den eigenen Sprachgebrauch zu achten. Denn wenn man den Partner als "meinen Alki" bezeichnet, impliziert man damit automatisch was Kleines, Niedlich, Kindliches und schwupps ist man gedanklich schon wieder in der Co-Falle gelandet. :cry:

    @all,

    bei der Lektüre eines Buches zum Thema Alkohol habe ich eben noch was gefunden, was ich sehr wichtig finde. Der Autor des Buches unterscheidet nämlich die Co`s in zwei Gruppen: In "Opfer" und "Kriegsgewinnler". "Opfer" sind diejenigen, die überwiegend leiden, die "Kriegsgewinnler "hingegen genießen eher das Gefühl der Macht, die sie scheinbar über einen anderen Menschen, nämlich den Alkoholiker haben.
    Ich kann mich eher der zweiten Gruppe zuordnen, was aber die Sachlage insgesamt natürlich nicht besser macht. :wink:

    Herzliche Grüße
    Leonia

    Hallo Eklisee,

    ich persönlich denke, daß es richtig schwer für Co´s sein kann, wenn der nasse Alkoholiker trocken wird. Denn da gibt es einige Belastungsfaktoren, von denen auch ich, als Partnerin eines seit einigen Wochen trockenen Mannes, einige kennengelernt habe, z.B.:

    - das Mißtrauen. Man wurde, gerade wenn man Partnerin eines ehemaligen Spiegeltrinkers war, zu oft bzgl. des Alkoholtrinkens getäuscht. Gerade der Spiegeltrinker trinkt oft heimlich, man merkt`s ihm kaum oder stundenweise auch gar nicht an. Woher soll man nun als Angehörige die Sicherheit nehmen, dass er nun wirklich gar nix mehr trinkt?
    - die Angst, daß er wieder umkippt und das ganze Elend wieder von vorne anfängt.
    - der Umgang mit dem Perspektivenwechsel, den der nasse Alkoholiker eingenommen hat. Jahrelang hat man sich Entschuldigungs- und Rechtfertigungserklärungen bzgl. des Trinkens angehört und teilweise auch geglaubt. Nun plötzlich soll alles anders sein, sich die Denkstrukturen geändert haben. Irgendwie zweifelt man nun auch dran, ob man den trockenen Alkoholiker überhaupt noch ernst nehmen kann.
    - die Rollenveränderung. Als Partnerin eines nassen Alkoholikers übernimmt man im Laufe der Zeit immer mehr Verantwortung. Man wird automatisch der Macher, der Aktivere, vielleicht auch der Stärkere in der Beziehung. Der trockene Alkoholiker will sich nun aber seine Fähigkeiten, sein Terrain zurückerobern. Das zuzulassen, fällt oft schwer.
    - der Zeitfaktor: Oft hört der Alkoholiker ausgerechnet zu dem Zeitpunkt mit dem Trinken auf, an dem sowohl er als auch seine Partnerin am absoluten Tiefpunkt angekommen sind. So wie es auch bei Dir war. Nichts ging mehr. Du warst völlig ausgelaugt, wolltest Dich trennen, da ist Dein Partner aufgewacht. Nur: Erschöpft bist Du vermutlich immer noch und angespannt ihm gegenüber und mißtrauisch
    - Der Umgang/die Aufarbeitung der während der nassen Zeit erlittenen Verletzungen der Partnerin. Dein Mann hat Dich in seiner nassen Zeit sicher oft ungewollt massiv verbal verletzt. Nun ist er plötzlich als Trockener ganz anders, aber Dein Schmerz über das was war, Dein Groll ist damit natürlich nicht verschwunden. Eigentlich müsste die Vergangenheit behutsam und gründlich, am Besten mit professioneller Hilfe, aufgearbeitet werden.

    Fazit: Wenn ein Alkoholiker trocken wird, mit dem man jahrelang gelebt hat, als er noch nass war, ist das ein irrer Umbruch für die Partnerin und auch eine echte Belastungssituation, anfangs für einige schwieriger auszuhalten, da neu und ungewohnt, als die vorhergegangene Trinkerei des Partners.

    Nicht umsonst trennen sich viele Partner von Alkoholikern erst dann, wenn der Alkoholiker trocken geworden ist. Weil diese Veränderung des Partners einfach alles auf den Kopf stellt und außerdem noch ganz anders abläuft, als man es sich zu den nassen Zeiten des Alkoholikers romantisch vorgestellt hat. :wink:

    Ich denke, da ist der Erfahrungsaustausch mit anderen Leuten, die Ähnliches erlebt haben, ganz wichtig. Die können Dir dann vielleicht erzählen, daß es ihnen genauso erging wie Dir und Dir sagen, welche Wege sie zur Lösung dieser Probleme beschritten haben.

    Nun wünsche ich Dir aber erstmal einen guten Tag und eine gute Zeit. :)

    Herzliche Grüße
    Leonia

    Liebes Sonnenblümchen,

    Zitat von Sonnenblümchen


    Auch ich belüge mich. Und das fällt mir jetzt schwer, zuzugeben. Wie oft habe ich, nicht nur in der Beziehung mit meinem Alki, schon gesagt: Nein, ich bin nicht sauer. Nein, ich bin nicht traurig. Nein, ich bin nicht dies und das, obwohl ich vor Wut gekocht oder mir die Tränen runtergekämpft habe. Wie oft habe ich mich schnell zurückgezogen, nur um nicht öffentlich zu weinen, ich war ja nicht verletzt. Paßt ja auch ganz gut zum Helfersyndrom, denn ein wahrer Helfer will ja nur Gutes für seinen "Schützling". Die eigenen Gefühle ignorieren, und dem Wunsch nach Liebe und Zuneigung alles unterordnen, kennt Ihr das auch?

    man kann`s auch so machen, wie ich es gemacht habe und versuchen, die ganze Alkohol-Problematik mehr oder weniger zu ignorieren bzw. versuchen, damit klar zu kommen. Wenn, so wie es bei mir war, der Alkoholiker einigermaßen unauffällig vor sich hintrinkt, ist das, zumindest eine Zeit lang, schon möglich.
    Aber dann passiert halt trotzdem irgendwann genau das, was Du in einem Deiner anderen Beiträge so treffend beschrieben hast:

    Zitat

    Liebe ist etwas Wunderschönes, doch wenn sich Dämon Alkohol einmischt, kann aus Liebe pure Angst werden, nicht, weil er Dich schlägt oder mißhandelt (hat meiner NIE getan), sondern weil Du einen geliebten Menschen sterben siehst, jeden Tag ein Stückchen mehr. Und, so wahr es leider ist, Du kannst nicht helfen. So gerne Du möchtest, so weh es tut, Du kannst nicht.

    Boah, das hast Du soo treffend beschrieben, DANKE dafür.

    LG Leonia

    Zitat von Sonnenblümchen


    meine Gedanken kreisen darum, ihn anzurufen, ihn zu fragen, wie es ihm geht...und NEIN, genau das werde ich jetzt nicht tun. Ich gehe jetzt in mein supersauberes ;) Bad und stelle mich mindestens eine halbe Stunde unter die Dusche. Meld mich aber bestimmt später nochmal.

    Ja, mach`das und genieße es. :)
    Es ist ja auch immer wichtig und das wird uns hier auch oft genug gesagt bzw. geschrieben, sich zwischendrin auch mal selbst was Gutes zu tun und nicht nur dem eigenen Alki.

    Herzliche Grüße, Leonia

    Hallo Sonnenblümchen,

    Zitat von Sonnenblümchen

    Mein aktueller Gedankengang ist Deinem ähnlich. Ich glaube, mir mit dieser Helferei Liebe "kaufen" zu können, mich damit unersetzbar zu machen. Mir die Liebe und Zuneigung damit zu "verdienen". Weil ICH ja an sich nicht liebenswert bin. Ich kann nicht einfach so geliebt werden, ich muß etwas dafür tun.

    Vom Kopf her weiß ich, daß das natürlich absoluter Unsinn ist. Vom Kopf her weiß ich auch, daß ich Grenzen setzen soll und muß. Und dann flüstert sie wieder, die kleine Stimme: Sei nicht so böse.

    Ich bin also wertlos. Und die anderen Menschen ertragen mich. Also muß ich etwas dafür tun, um ertragen zu werden. Der Umkehrschluß lautet entsprechend: Ertrage das, was von außen auf Dich einwirkt.

    ja genau, so ähnlich scheint es zu funktionieren. Man hat verinnerlicht: "Ich muß was leisten, mir Liebe verdienen".

    Aber ich glaube auch, daß das was Grazia geschrieben hat, ganz wichtig ist: Die Probleme, die ein anderer hat, lenken so herrlich von den eigenen ab. Es fühlt sich so klasse an, im Leben eines anderen scheinbar aufräumen zu können (und in dem eines Alkoholikers gibt`s ja mehr als genug aufzuräumen!), und es lenkt sooo schön davon ab, sich mit sich selbst und den eigenen erlittenen Verletzungen beschäftigen zu müssen. Vielleicht auch mit der Leere in sich, dem Gefühl von Mangel, das man manchmal spürt.

    Außerdem steht man natürlich immer als der offensichtlich fittere part in der Beziehung da, sowohl vor den anderen, als auch vor sich selbst.

    Herzliche Grüße, Leonia

    Hallo Eklisee,

    obwohl ich noch nicht lange im Forum bin, wage ich mal, unter Vorbehalt, was zu Deiner Frage zu schreiben, weil ich denke, zumindest im Ansatz ähnliches wie Du erlebt zu haben.
    Du schreibst, daß Du 10 Jahre lang mit Deinem Mann, einem nassen Alkoholiker zusammenwarst und dann nach 9 Jahren dieses Leben kaum mehr ertragen konntest.

    Zitat

    Vor ca. einem Jahr hörte das auf. Ich hatte es zunehmend schwerer, meinen Tag zu bewältigen, die Kraft reichte gerade so für meine Arbeit oder für schöne Unternehmungen, wo ich von zu Hause weg konnte. Zu Hause bekam ich wenig auf die Reihe und war nur noch depri.

    Ich denke, Du bist zu dieser Zeit einfach an den Punkt gekommen, wo Du völlig ausgelaugt warst, wo Du einfach nicht mehr konntest. Alle Kräfte völlig erschöpft. Das ist bei Deiner Geschichte, nach 9 Jahren Ehe mit einem nassen Alkoholiker, nur zu verständlich.

    Davon hast Du Dich ganz bestimmt noch nicht erholt.

    Nun ist Dein Mann also seit 2 Monaten trocken und Du vermutlich noch immer erschöpft und zudem auch mißtrauisch. Du fragst Dich wahrscheinlich, ob er es schafft, trocken zu bleiben.

    Zudem kam da vermutlich ein anderer nach Hause, als der den Du kennst. Er will nun vielleicht mehr Verantwortung übernehmen, läßt sich nicht mehr alles einfach so von Dir sagen und vorschreiben. Eigentlich müßtet Ihr, Dein Mann und Du, Euere altgewohnten Rollen, die Ihr in der Ehe gespielt habt, aufgeben und neue finden. Das ist gar nicht so leicht für ein Paar, dieser Umbruch.

    Hilfreich dabei könnten Gespräche sein. Vielleicht mit einem Sucht- oder Paartherapeuten, vielleicht auch in einer Gruppe von trockenen Alkoholikern und deren Angehörigen.
    Gibt es diesbezüglich Ansprechpartner, an die Du Dich wenden könntest?

    Herzliche Grüße
    Leonia

    Hallo Sonnenblümchen,

    fühl`Dich herzlich willkommen hier. Solange Du, wie ich der spannenden Frage nachgehen möchtest: "Wo kommt mein Wunsch, auf Teufel komm raus einem anderen helfen zu wollen, her?" kannst Du meinen strang sicher nicht zerschiessen, sondern nur bereichern. :) Von daher freue ich mich sehr, daß Du hier so offen schreibst.

    Vielen Dank, Grazia und Melanie für Euere posts. Ich denke auch, daß man als Kind geprägt wurde und gewisse Leitsätze, die im Elternhaus galten, verinnerlicht hat. Vielleicht z.B.: den, daß man es verdient hat, schlecht behandelt zu werden oder den, daß man nur, wenn man was leistet, wenn man hilft, wertvoll ist.
    Ich komme übrigends aus einer Familie von Berufshelfern, meine Eltern üben das Helfen also beruflich aus, es steht ganz oben auf ihrer Rangliste. Die sagen dann auch einfach so Sätze wie: "Es gibt doch nichts Schöneres, als helfen zu können!".

    Aber ich denke, dieser Erklärungsansatz für mein Helfersyndrom reicht nicht aus. Da war sicher noch mehr, dem will ich nachgehen. Habe, wie gesagt, auch diese Woche einen Termin dazu und bin schon super gespannt darauf.

    Grazia hat da noch was sehr wichtiges geschrieben, finde ich. [/quote]Es ist einfacher anderen zu helfen, bei sich selbst nachzuschauen tut weh. Hast Du Angst davor?

    Zitat

    Meine ehrliche Antwort darauf ist: Ja, da habe ich erstmal Angst davor. Ich kann mir schon vorstellen, daß eine Vergangenheitsbeschau für mich mit Schmerzen verbunden sein könnte. Aber ich denke, das wird unumgänglich und sicherlich später dann auch sehr heilsam sein.

    Herzlichen Dank jetzt mal zwischendurch an alle, die sich hier in meinem strang so engagiert beteiligen. :)

    LG Leonia

    Liebe Melanie,

    Zitat von Melinak


    das wichtigste am co ist, das sich endlich selbst wahrnehmen, sich selbst schätzen und lieben zu lernen und auch die eigenen bedürfnisse die da sind leben zu können. den blick immer nach innen zu richten, was mach ich jetzt egal wie von aussen auf mich einströhmt, ich bin wichtig, es ist mein leben,ich darf für mich einstehen und dafür sorgen das es mir gut geht.selbst wenn von aussen kommende anforderungen und erwartungen nicht mit dem übereistimmen darf ich nein sagen, ich mach da so nicht weiter.alles andere ist ein nach gründe suchen dem anderen es recht zu machen und damit mache ich mich von aussen wieder abhängig.

    das sind wirklich gute Anregungen. In Zeiten, wo meine Unterstützung nicht so sehr gefragt und nötig ist, kriege ich das auch gut hin.
    Haariger wird es dann allerdings, wenn ich, so wie momentan, beim Hilfebedürftigen einen großen Hilfebedarf sehe.

    Lieber Spedi, liebes Klärchen,

    vielen Dank für Euere Schreiben. Ich muß das alles noch ein bißchen sacken lassen, kann grad noch nicht genau drauf antworten.

    Eins ist mir aber schon klar: Menschen, die innerlich aufgeräumt sind, ziehen, so glaube ich zumindest, nicht diese Sorte hilfebedürftige Leute an, wie ich, sondern eher stärkere, gesündere Menschen als Partner.

    Von daher denke ich, daß ich, wenn es mir gelingen könnte, mit therapeutischer Hilfe innerlich heiler zu werden, auch eher von meinem permanenten Drang danach, helfen zu wollen, Abschied nehmen könnte.

    Herzliche Grüße
    Leonia

    Liebe Linde,

    Zitat von Linde66

    Könntest du dir vorstellen, erst einmal alleine zu leben? Für Co's wäre das ein Stück weit Risikominimierung. Und wenn man sich stabilisiert hat steht ja einer neuen Beziehung nichts mehr im Wege.

    das habe ich in der Vergangenheit auch schon probiert, hat leider nix genützt. Selbst jahrelange Abstinenz vom Suchtmittel "hilfebedürftiger Mann" hat nur zum Ergebnis geführt, daß der erste Mann nach dieser Phase wieder genauso war.

    Habe übrigends grad dazu Tagebuch geschrieben und da ist mir noch so ein Muster aufgefallen. Es läuft eigentlich immer ähnlich ab.

    Schritt 1: Ich lerne hilfebedürftigen Mann kennen, seine Problematiken sind deutlich.
    Schritt 2: Ich rege ihn dazu an, seine Probleme zu lösen. Das kriegt er anfangs auch gut hin, Erfolge zeigen sich, ich und Mann sind happy.
    Schritt 3: Irgendwann zeigt sich, daß Mann sich permanent überfordert und nicht mehr kann. Es kommt, ähnlich wie jetzt bei Leo, zu einem Zusammenbruch.
    Schritt 4: Bei mir macht sich Enttäuschung breit, innerlich wende ich mich ab.
    Schritt 5: Eigentlich halte ich heimlich schon Ausschau nach dem nächsten "Opfer", dem nächsten hilfebedürftigen Mann.

    Uff, heftiges Muster, kann ich aber auch gut bei anderen Frauen mit Helfersyndrom beobachten, die ich kenne.

    Herzliche Grüße
    Leonia

    ...und irgendwann schwinden die eigenen Kräfte, das merke ich gerade sehr deutlich.
    Dieses tägliche Gemisch aus Angst und Sorgen um Leo`s Leben und Wohl, das ich seit Wochen spüre, laugt mich einfach aus.

    Ich merke daran, wie erschöpft ich bin, daß ich einen anderen Mann, der schon seit Monaten an mir ein gewisses Interesse zeigt, plötzlich attraktiv finde. Abends stehen wir zusammen und reden und ich denke mir: Da ist sie, direkt vor meiner Nase, die perfekte Tür zum Ausstieg aus dem Alptraum. :)

    Aber ich würde mir Leo und meinen eigenen Idealen gegenüber soooo grottenschlecht vorkommen.
    Dabei bin ich kein besonders moralischer Mensch und habe Beziehungen früher immer mit leichter Hand beendet. Allerdings habe ich auch einmal danach festgestellt, daß der neue Partner noch größere Macken und Probleme hatte als der alte.
    Damals habe ich mir vorgenommen, die Flinte bei der nächsten Beziehung nicht wieder leichtfertig ins Korn zu werfen.

    Dann frage ich mich wieder, ist das nun co-alkoholiker Denken oder nicht? Zumal zwei Aspekte hinzu gekommen sind:

    - Leo ist immer noch trocken und
    - es kann sein (wird noch untersucht), daß seine massive Organschädigung angeboren und nicht durch Alkoholmißbrauch erworben ist.

    Macht das Letztere einen Unterschied für mich aus? Denn ich begreife Alkoholismus als Krankheit, so wie auch die WHO das festgelegt hat und unter diesem Aspekt betrachtet, wäre ja dann die Organschädigung, falls sie doch durch Leo`s Alkoholmißbrauch verursacht worden wäre, eine Folgeerkrankung der Krankheit Alkoholismus.

    Abgesehen davon: Ich hatte gute Zeiten mit Leo, wir haben wirklich gut zusammengelebt, bevor die organische Krankheit sich bemerkbar gemacht hat. Jetzt, wo das Damoklesschwert "Er muß trocken bleiben, sonst stirbt er" über mir schwebt, spüre ich einfach so viel Angst. Das schnürt mir richtig die Kehle zu. Die Leichtigkeit, die Unbeschwertheit ist einfach weg. Ich hoffe nur, sie kommt irgendwann wieder.

    Nun wäre es theoretisch leicht zu sagen "okay, ich trenne mich von Leo und löse mich damit von meiner Co-Abhängigkeit". Aber dazu kenne ich mich leider gut genug, um zu wissen, daß das nicht funktioniert.
    Denn sowas Ähnliches habe ich früher schon ausprobiert, mit dem Ergebnis, nach einer gewissen Erholungsphase die nächste Beziehung mit einem auf irgendeine Art und Weise hilfebedürftigen Mann einzugehen.

    Neee, meine Co-Abhängigkeit oder anders ausgedrückt, mein Helfersyndrom sitzt viel tiefer. Es geht irgendwie auch darum, daß ich immer wieder Beziehungskonstellationen anstrebe, in denen ich die Stärkere bin und mein Partner der Schwächere ist.

    Auch darum, daß mir das "Helfen-können" so ne tiefe innere Befriedigung verschafft.
    Hilfebedürftige Menschen gibt es viele. Wenn ich z.B.: meinen derzeitigen Interessenten als Partner nehmen würde, hätte der zwar kein Alkoholproblem, aber dafür andere Probleme. Wieder wäre ich, das ist mir klar, die Stärkere in der Beziehung, diejenige, die alles gedeichselt kriegt, die ihm Anregungen und Hilfestellungen gibt.

    Wie kommt man bitte da raus? Von diesem Muster los? Über Trennung vom Alkoholiker kriege ich das nicht hin, das weiß ich haargenau aus Erfahrung. Denn da ziehe ich sofort den nächsten hilfebedürftigen Partner an Land.
    Geht`s vielleicht nur über Therapie und die Arbeit mit dem inneren Kind? Daß man mit therapeutischer Hilfe nachschaut, was da in der Herkunftsfamilie gelaufen ist, wieso man darauf konditioniert worden ist, im Helfen so große Befriedigung zu erleben?

    Kann mir da bitte jemand noch was dazu schreiben? Für mich ist die Beantwortung dieser Frage sehr wichtig, denn letzendlich gibt`s von der Logik her für mich nur zwei Möglichkeiten:

    - Entweder Leo bleibt trocken und wird auch innerlich der starke Mann, der er vorher nur äußerlich war, dann muß ich aus meiner Helfer-Rolle sowieso raus, oder
    -ich trenne mich aus irgendeinem Grund von ihm, vielleicht sogar, weil ich den Sprung vom Helfer zum Partner nicht schaffe oder auch weil er rückfällig wird und um nicht in der nächsten Partnerschaft dasselbe Muster zu fahren "Ich Helfer/scheinbar stark, innerlich aber schwach- der Partner Hilfebedürftig und scheinbar schwach", muß und will ich versuchen, für mich dieses Muster aufzulösen.

    Uff, sorry, das war nun ein bißchen wirr, aber trotzdem möchte ich zu gerne wissen: Wie kommt man davon los, unbewußt die Co-Rolle für sich anzustreben und in einer Partnerschaft leben zu wollen?

    Verwirrte Grüße
    Leonia

    Man könnte die Frage, die mich bewegt, auch ein bißchen neutraler stellen:

    Wie kann man effizient gegen die eigene Co-Abhängigkeit angehen, wenn man sich aus humanitären oder moralischen Gründen dazu verpflichtet fühlt, mit einem nassen Alkoholiker zusammen zu leben?

    Herzliche Grüße
    Leonia

    Hallo Spedi,

    Zitat von Spedi

    Das hat jetzt weder etwas damit zu tun, sich zwingend vom Partner zu trennen, noch damit, einen nassen Alkoholiker ins Heim abzuschieben.
    i

    ich schätze Deine Beiträge sehr, darum traue ich mich auch zu fragen: Was schlägst Du nun Emma in ihrer konkreten Situation vor? Ihr Mann schafft es anscheinend nicht, ganz trocken zu leben und er ist schwer krank und hat anscheinend keine hohe Lebenserwartung mehr.

    Er bekommt auch bei seinem Krankheitsbild keine Entwöhnungsbehandlung mehr bezahlt. Was soll Emma nun tun, sich von ihm trennen oder ihn weiterhin pflegen bzw. betreuen?

    Ich frage deshalb so genau nach, weil sich diese Situation auch für mich ergeben könnte. Auch mein Partner ist sehr krank und könnte auch schwerkrank sein, die Untersuchungen dazu dauern noch an und ich weiß noch nicht, ob er es auch zukünftig schaffen wird, trocken zu leben.

    Ich bin mir im Klaren darüber, daß ich, sollte er rückfällig werden, ihn klar in Richtung Trockenwerden motivieren werde.

    Aber, was wäre, wenn er das nicht schaffen würde? Ist es moralisch vertretbar bzw. wäre es für mich mit meinem Gewissen vereinbar, einen totkranken Menschen in eine eigene Wohnung oder in ein Pflegeheim zu schicken?
    Klar kann ich diese Frage nur für mich lösen, so wie eben jeder diese Frage nur für sich lösen kann, aber sie treibt mich trotzdem um.

    Ich weiß nicht, ob ich, wenn ich in die Situation kommen würde, nicht auch den Weg wählen würde, den Emma geht, meinen Mann zuhause zu versorgen, auch dann, wenn er ab und zu Alkohol trinkt.

    Herzliche Grüße
    Leonia