Guten Morgen liebes Forum,
ich muß einfach ein bißchen schreiben.
Bin grad vom Doc zurück. Ewig gewartet, dann rein zum Blutabnehmen. Als die Arzthelferin kurz raus war, hab ich auf den Monitor des Rechners geschielt und las ganz kurz Leber/Verdacht auf Diabetis. Da gings wohl darum, warum das Blutbild gemacht werden soll. Da habe ich gedacht: so, so... fühle mich körperlich soweit recht gesund, aber ich weiß ja (auch durch dieses Forum) wo die Reise hingeht.
Die Nacht war wieder merkwürdig. Kaum geschalfen, dann wirre Träume- tatsächlich von Alkohol! Ich sollte eine absurd riesige Bowle zusammenkippen aus hunderten von Hartstoffflaschen. Es war ein Alptraum und ich bin sehr zerschossen aufgewacht.
Jetzt fühle ich mich aber doch glücklich, trotz allem, denn ich habe eine Entscheidung getroffen. Und egal welche Schwierigkeiten kommen- der Alkohol hat sie bisher immer verschärft. Wie mein Leben dann, bis auf den Umstand, nicht zu trinken, aussehen wird, weiß ich nicht.
(Ich merke grad- das wird ein langer Text
)
Ich weiß genau, dass meine Trinkerei auch etwas mit meinen inneren Ängsten zu tun hat. Zu oft denke ich daran, was andere von mir denken, ob sie mich mögen, etc.
Ich neige einfach dazu, mich selber zurückzunehmen, charmant und einnehmend zu sein, selbst wenn mir eine Situation nicht paßt und ich es auch sagen sollte. Oft bin ich auch von anderen menschen sehr eingeschüchtert. Dadurch entsteht bei mir innerer Druck. Alles soll glatt laufen, bitte keine Probleme.
Mit dieser Einstellung bin ich, begleitet vom Alkohol, in meine Isolation und Arbeitslosigkeit geraten. Innerlich habe ich aber ein ganz anderes Bild von mir, möchte stark sein, ein "normales" Leben führen. Und wenn dieser Zwiespalt zu groß wird: schwupp! Besäufnis.
Anlässe gabs dann genug und es ist auch nicht so, dass ich wirklich spürbaren Kummer haben mußte. Es reichte dann einfach die Gelegenheit: Feste, Freunde treffen (ihre Freunde, alle weg), die Freundin hat gerade ne Kiste besten Wein geliefert bekommen... Wir hielten die Trinkerei ja auch für so eine Art von Lebensstil. Boheme und so. Die besten Künstler haben gesoffen, bla, bla...
Die ersten Gläser dann gemütlich, ab einem bestimmten Pegel aber bis nichts mehr geht, bis ich eingepennt bin. Nach zwei Gläsern hab ich immer einen unglaublichen Zug gespürt, so ein Zerren am Körper, gleich nachzuschenken. Dieser Zeitraum, bis ich einfach nicht mehr konnte und geschlafen habe, wurde mit der Zeit immer länger. In den letzten 1,5 Jahren dann auch schon mal fast 2 Tage.
Da dies aber nicht jeden Tag vorkam, war der Gedanke, Alkoholiker zu sein für mich sehr abwägig.
Dazu dann noch eine zweifelhafte Beziehung zu einer Frau, an die ich mich sehr gehängt habe, die aber selber voller Probleme steckt. Dann Krise, ewiges hin und her. Ich habe einen Horror vor Trennungen (Scheidungskind) und ich habe alles getan, damit es irgendwie weiter geht. Die Versöhnungen wurden dann mit Wein und Wodka "gefeiert".
Dann wieder Trennung (im Suff), die Alkoholmenge wurde bedenklich mehr, vor 10 Tagen Totalabsturz. Sonntag Nacht um 3 Uhr aufgewacht, in Klamotten, keine Ahnung was passiert ist.
Da habe ich einen Film gesehen:"Heute habe ich nicht getrunken". Mitten in der Nacht, total am Ende und habe geweint und geweint. Das Trinkverhalten war ja nicht meins, aber im Verlauf der Geschichte wurde gezeigt, dass es nicht so sein muß. Dass es Lösungen gibt.
Eine Selbsthilfegruppe wird gezeigt, die Gespräche, die Beschäftigung und da hat sich was getan. Dann bin ich schnell auf dieses Forum gestoßen, habe gelesen, mich gewehrt, um jetzt doch zu sagen: Ich bin Alkoholiker. Das ist doch schon mal was. Ich habe ein Problem. All dies Destruktive soll aus meinem Leben verschwinden. In meinem Leben ist noch Potential, es ist noch nicht zu ende, wie ich oft gedacht habe.
Obwohl viel in mir gährt, genieße ich trotzdem die Nüchternheit und überlege viel, was ich nun tun will. Die Probleme verschwinden ja nicht von alleine (Arbeitslosigkeit, Ängste, Sehnsucht nach Nähe und doch auch wieder Scheu vor ihr).
Ich lese und lese hier, will lernen und freue mich über mich selber, da ich nun weiß, was los ist. Ist es normal, so durcheinander zu sein?
Naja, ich schreibs mir von der Seele

Was ich heute Gutes tue: Ein Geschenk verschicken, Spaziergang mit Fotoapparat, etwas Gutes kochen, nachdenken, sortieren und ruhig werden.
Danke fürs Lesen und einen lieben Gruß,
klabund