Beiträge von Marie04

    Mich beschäftigt auch, warum der Blick nicht stärker auf das eigene Verhalten und die eigenen Muster gerichtet wird. Warum tauscht man sich darüber nicht offener aus, statt immer wieder zu erklären, was „die anderen“ tun oder lassen?

    Das ist es ja, ich habe mein eigenes Verhalten ihn vom Trinken abzuhalten als gut und richtig gefunden. Ich war der Meinung wenn ich lange genug auf ihn einwirke hört er damit auf, ich fühlte mich für ihn verantwortlich. So bin ich erzogen worden, ich bin für das Wohl und Wehe meiner Familie verantwortlich. Er hat nie gesagt daß es ihm auf die Nerven geht wenn ich ihn deswegen belabere, mehr getrunken hat er deswegen meines Wissens auch nicht.

    Und warum ist es so wichtig, im Austausch ständig die Auswirkungen des Alkoholikers zu benennen – was der eine oder andere gemacht hat oder nicht gemacht hat? Hält das nicht auch im eigenen Erleben fest, statt Bewegung hineinzubringen?

    Für mich war es Problem Nr. 1 daß er getrunken hat, es erleichtert ja auch darüber zu reden. Aber davon abgesehen warum erzählen die trockenen Alkoholiker auch von ihren Sauferlebnissen, wäre es nicht besser sie würden sich auf die Gegenwart konzentrieren? Wenn Co-Abhängige hier aufschlagen können sie bestimmt nicht innerhalb Wochen ihr ganzes Leben umkrempeln, sie müssen ja erst diese Dynamik durchschauen, daß es falsch ist wie sie handeln.

    Ich habe mich getrennt weil ich die Nase voll hatte, daß ich co-abhängig war habe ich erst hier gelernt. Für mich einfach der Punkt gekommen an dem es mir reichte. Später habe ich natürlich auch durch viel lesen hier erkannt was Sache war.

    Ist da nie der Gedanke, ihn durch dieses Verhalten in der Sucht festzuhalten und sich dabei selbst aufzugeben?

    Nein im Gegenteil ich dachte je mehr ich rede umso eher hört er auf. Ob er dadurch in der Sucht festgehalten wird bezweifle ich, ich war nicht schuld daß er trinkt, seine Sucht pflegte er schon selber. Für mich hört es sich an als ob er wegen mir gesoffen hätte, der Anfang der Geschichte ist doch der daß er trinkt und dadurch diese Dynamik entsteht.

    Ich kann ja nun auch nicht dafür daß ich co-abhängige Züge hatte und es lange nicht erkannt habe. Jetzt bin ich natürlich viel schlauer.

    Beim Alk sehe ich persönlich das sehr ähnlich. Eine(r) will trinken und der/die andere will einen Partner, der nicht trinkt. Wozu diese ganzen Kämpfe?

    Der der trinken will verschweigt oft dem anderen daß er solche Probleme hat, bzw. er erkennt sein Problem nicht. Ich hatte keine Ahnung daß mein Ehemann Quartalssäufer war. Ich hätte ja nichts dagegen gehabt wenn er in Maßen Alkohol getrunken hätte so wie ich es früher auch gemacht habe.

    Ich habe ihn erst sturzbetrunken erlebt als wir bereits verheiratet waren. Er hatte mir sogar erzählt daß er in der Jugend viel getrunken hätte aber diese Phase schon lang vorbei wäre. Am Anfang hat er mir ja immer versprochen sich nie wieder so zu besaufen. Ich habe ihm geglaubt, warum auch nicht? Ich war jung und naiv und hatte von Alkoholismus keine Ahnung. Es lagen auch oft Monate dazwischen.

    Im Laufe der Jahre habe ich mich öfters mit Scheidung gedroht wenn er wieder so besoffen war. Ich bin aber immer davor zurückgeschreckt, wir hatten 2 Kinder, Haus gebaut und es ging uns ansonsten gut. Die Männer im Bekanntenkreis haben sich auch desöfteren betrunken, mir wurde eingeredet daß es normal ist daß Männer ab und zu sich betrinken. Er hat mir ja auch immer versprochen nie mehr oder nur in Maßen zu trinken.

    Ja ich weiß daß ich ab einem bestimmten Zeitpunkt unglücklich war, ich war aber noch mit alten Werten erzogen worden war, ich hielt Haus und Hof zusammen und war verantwortlich für alles Mögliche. Irgendwann fing er an täglich zu trinken da hat es mir dann gereicht. Natürlich tut es mir im Nachhinein leid daß ich nicht viel früher gegangen bin, aber was nützt es sich darüber den Kopf zu zerbrechen?

    Ich bin schon lange weg und habe mir mit Mitte 50 ein neues Leben aufgebaut. Natürlich würde ich vieles anders machen wenn ich nochmal jung wäre, aber ich bin meistens im "Heute" und das ist schön.

    warum können es Coabhängige nicht einfach so sehen, dass da zwei Leute völlig unterschiedliche Interessen und Wertvorstellungen haben.

    Das hatten wir überhaupt nicht, woher sollte ich wissen daß er Quartalssäufer ist, er hat es mir nie erzählt. Wir hatten einige gemeinsame Interessen und wollten im Leben alles Mögliche erreichen und waren durchaus auf einer Wellenlänge.

    Ich selbst stelle mir folgende Frage:

    Wenn ich das Trinken meines Mannes ignoriere, mich selbst weiter in den Mittelpunkt stelle, nicht diskutiere, nicht aktiv versuche Einfluss zu nehmen, nichts entschuldige...bin ich dann nicht Co, obwohl ich mit ihm zusammen lebe? So war es bei mir ja viele Jahre.

    Meine Frage dazu, wer schafft es jahrelang das Trinken des Partners zu ignorieren ohne daß es Spuren in der Seele hinterlässt? Wenn mir etwas an meinem Partner liegt ist es mir noch lange nicht egal was er macht. Ich konnte nie darüber hinwegsehen wenn er mal wieder richtig betrunken war. Es hat zumindest Ärger in mir hervorgerufen.

    Schon sein Anblick hat mir gereicht um viele Emotionen in mir hochkochen zu lassen, Wut, Ekel, Resignation um nur einige zu nennen. Co-abhängig würde ich mich deshalb bezeichnen weil ich mir das viele Jahre gefallen ließ. Auf der anderen Seite hatte ich immer auch ein eigenes Leben mit vielen Interessen und einem eigenen Bekanntenkreis aber die Sehnsucht nach Gemeinsamkeiten war ständig in mir.

    Aber wo liegt der Sinn einer Partnerschaft wenn fast nichts Gemeinsames passiert weil der Partner wieder mal betrunken ist.

    Ich mag den Begriff "Co-abhängig" nicht so aber verhalte ich mich normal wenn ich so meine Grenzen überschreiten lasse und das oft jahrelang passiert?

    maibisjuni

    Jump! wollte neu anfangen vielleicht ist das besser sonst wird Altes wieder aufgewärmt und hat einen schalen Beigeschmack. Ihr könnt ja in groben Zügen eine Zusammenfassung schreiben. Warum dieser Thread eröffnet wurde usw. man kann von Anfang an dann besser diskutieren.

    Marie04
    3. Januar 2026 um 16:26

    Hier ist der neue Thread ich habe ihn oben angepinnt so ist er besser zu finden

    Hallo an alle selbst von Co-Abhängigkeit Betroffenen,

    in diesem Thread geht es um allgemeine Fragen, was co-abhängiges Verhalten eigentlich ist, wo Co-Abhängigkeit beginnt und endet, ob sie suchtähnliche Züge haben kann und wie Angehörige trocken werdende Alkoholiker sinnvoll unterstützen können – ohne sich selbst dabei zu verlieren. (Alkoholfreies Zuhause, ...)

    Bitte achte beim Austausch darauf, dass Selbsterkenntnis ein Hauptmerkmal der Selbsthilfe ist. Daher sind hier ausschließlich eigene Erfahrungen erwünscht, aber keine Diskussionen über Studien, Fachartikel u. ä.

    Wir wünschen einen guten Austausch,

    euer Forenteam.

    Marie04 ich will jetzt keine Unruhe stiften. Mir ist nur nicht klar weshalb das hier nicht weiter diskutiert werden darf?

    Ich verstehe jetzt nicht warum es nicht im anderen Thread diskutiert werden soll, der wird genauso gelesen, ich habe euch ja den Link dazu geschickt.

    Du hast ja 2 Threads mit fast gleichem Titel, das hat schon zu Verwirrungen geführt. Der andere Thread ist auch von allen einsehbar und kann nicht verwechselt werden.

    Hartmut
    15. Januar 2018 um 23:18

    maibisjuni hier geht es weiter.

    Ich finde Sonnenschein CoA s Beitrag gehört schon hier hin. Ich verstehe auch was gemeint ist.

    Der soll ja auch stehen bleiben ich schrieb von der Zukunft! Irgendwann ist alles ausdiskutiert, falls jemand noch Fragen hat - dafür ist der andere Thread ja da. Es ist ein sehr sensibles Thema und könnte bis ans Ende aller Tage diskutiert werden.

    Danke Alexa das du dich abmeldest.

    Hallo Sonnenschein CoA und alle die noch Fragen zu dem Thema haben:

    Hartmut
    15. Januar 2018 um 23:18

    Hier ist ein Thread in dem man Fragen an die Alkoholiker stellen kann. Bitte dort schreiben sonst geht es hier im Thread immer weiter.

    Es ist ja der Thread von Jump! und deswegen soll er wieder ihr gehören.

    Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, Gitti.

    Und Du kannst überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich. (Erkennbar an den orangeroten Namen)

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    Wenn du mit dem Smartphone unterwegs bist ist es etwas anders. Bei mir klicke ich oben rechts auf das mittlere Symbol. Es öffnet sich eine neue Leiste und ganz rechts sind 2 Sprechblasen. Darauf klicken und dann auf das + klicken und es öffnet sich ein Feld zum Reinschreiben.

    Vielleicht klappt es jetzt sonst melde dich einfach nochmal.

    Ich glaub ich habs selber gefunden. Es.ist sicher die email Adresse, die im Menü Punkt "team"steht.

    Nein in der rechten oberen Leiste findest du 2 Sprechblasen, die mußt du anklicken dann öffnet sich ein Feld zu Ausfüllen. Versuchs doch mal, du kannst gerne mich anschreiben um zu sehen ob es funktioniert.

    Doch. Ich glaube die Co- Verhaltensweisen gehen weg, wenn ich mich trenne oder sie abstelle.

    Sich trennen und etwas abstellen sind für mich 2 verschiedene Dinge. Wenn ich die Kraft und die Einsicht besitzen würde würde ich mir wahrscheinlich erst gar keinen süchtigen Partner aussuchen. Ich würde mich auch anders verhalten wenn ich einen süchtigen Partner hätte, bestimmt nicht so geduldig und immer weiter im Hamsterrad drehend.

    Ich müsste vor allen Dingen begreifen daß ich mich falsch verhalte wenn ich mich persönlich so einschränke nur um es dem Partner Recht zu machen. Um mich zu ändern müsste ich erstmal verstehen warum ich mich so verhalte. Als ich mich getrennt habe hatte ich weiterhin Kontakt zu ihm. Anfangs bin ich weiterhin zu ihm hingefahren wenn mich seine Nachbarn angerufen haben daß es ihm schlecht geht. Mit viel Wut im Bauch habe ich dafür gesorgt daß er zur Entgiftung geht, ich war total sauer auf ihn und konnte trotzdem nicht "Nein" sagen. Später habe ich es nach und nach geschafft mich zu distanzieren. Mitnichten hat meine Co-Abhängigkeit mit der Trennung einfach so aufgehört.

    Das halte ich für ein absolutes Vorurteil. Das hält sich aber wacker, obwohl es überhaupt nicht belegt ist. Ärgert mich auch, wenn das immer wieder unterstellt wird.

    Ich unterstelle nichts ich habe es während meiner beruflichen Tätigkeit immer wieder erlebt. Die Verhaltensweise sitzt oft so tief daß es ohne fremde Hilfe nicht möglich ist sich daraus zu befreien.

    Aber wenn ich deine Beiträge lese empfinde ich daß du deine eigene Meinung über alles stellst und gar nicht bereit bist andere Sichtweisen zuzulassen. Ich habe ja in der "Ich-Form" geschrieben also so wie ich es erlebt habe. Das ist mein eigenes Erleben und ist weder pauschalisierend noch habe ich etwas unterstellt. Es ist mir durchaus klar daß es nicht auf alle Co-Abhängigen zutrifft.