Hallo Forum,
ich freu mich mal daß dieser Thread so viele Reaktionen ausgelöst hat!
Plejaden : Dr. Strange & Mr. Norrell hat mir seinerzeit auch ganz hervorragend gefallen, und Bulgakovs „Meister und Margaritha“ ist schon viel zu lange an mir vorbeigegangen. Den hab ich jetzt mal wieder mehr im Hinterkopf.
schnuffig : Danke für den Tipp, Japan geht bei mir immer
Groß war die Versuchung, nach dem neuen Murakami mal wieder in die älteren Bücher reinzulesen, aber das geht nicht, denn die „Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ war selbser nur eine Unterbrechung eines anderen, größeren Leseprojektes, das mich seit fünf, sechs Wochen beschäftigt und zu dem ich nun wieder zurückgekommen bin, um nicht alle Fäden zu verlieren.
Dabei handelt es sich in so ziemlich jeder Hinsicht um ein monströses Buch, nämlich „Unendlicher Spaß“ von David Foster Wallace. Unendlich lange Satzbauten. Viele viele Worte, von denen weder ich noch Google je gehört haben. Hunderte von Anmerkungen, Dutzende von Personen, 1550 Seiten alles in allem.
Manchmal brauch ich den Versuch literarischer Bergbesteigungen, ebenso wie es manchmal auch simple Krimis tun. Deswegen stehen auch diverse angelesene Buchleichen in meinen Regalen, Sachen die ich angefangen aber nie beendet hab (Pynchton, Joyce, Musil z.B.). Bei diesem Buch ist das aber anders. Ein bißchen mußte ich mich reinlesen, dann nahm die Lektüre Fahrt auf, und obwohl es immer wieder auch einmal sehr dichte und anstrengende Passagen gab reißt mich das Buch mit. Es spielt in einer nahen, vollkommen durchkommerzialisierten Zukunft, in der selbst die Jahresbezeichnungen an Konzerne vermietet werden (daher gibt es Absonderlichkeiten wie das „Jahr der Inkontinenzunterwäsche“ oder das „Jahr der Milchprodukte aus dem Herzen Amerikas“), es handelt von Drogen, Sucht und Rausch in jedweder Form (ohne da irgendetwas zu beschönigen oder zu romantisieren), von Profitennis (einer der Hauptschauplätze ist eine Tennisakademie für talentierte Jungspieler), es handelt von einer Gesellschaft, in der Kicks und Spaß alles sind was noch zählt, während tiefere Werte vollkommen untergegangen zu sein scheinen. Obwohl das Buch eine Menge teils absurden Humor enthält liegt darunter doch auch eine tiefe Melancholie.
Nicht unbedingt was für Leseanfänger. Ich hab mich vor Beginn der Lektüre durch die entsprechenden Wikiartikel gelesen, um wenigstens einen roten Faden in der Hand zu haben. Und das hat sich gelohnt. Auf ein solches Leseerlebnis wird ich wohl eine ganze Zeit warten müssen wenn das vorbei ist… aber noch bin ich ja bei Seite 820, das dauert noch…
LG Frank