Hallo Forum, hallo Lena und Samsara und sternenhimmel,
mir geht es im Moment eigentlich richtig gut – vielleicht besser als seit langer Zeit. (Nervig war nur daß mein Handy rumspinnt, dadurch konnte ich hier länger nicht schreiben als es mir lieb war… jetzt sitze ich auf der Arbeit, das Haus ist ruhig und ich habe einen Computer).
@ Lena: ich merke daß ich richtig losgelassen habe, und das fühlt sich wie eine Befreiung an; vor allem beschäftigt mich all das nur noch manchmal, und ich habe auf einmal viel mehr Zeit und Kraft und Muße mich mit Dingen zu beschäftigen, die mir Spaß machen und guttun. Das ist ein klein wenig ähnlich wie das Gefühl vor bald anderthalb Jahren, trocken zu werden; ein Zuwachs an Kraft und Zeit, ein Gefühl als falle ein dunkler Schatten von mir ab.
Samsara : Du hast recht – ich habe lange gebraucht um gefühlsmäßig loszulassen, so lange, daß ich auf der einen Seite schon ganz gut wußte, daß das gefühlsmäßige Festhalten etwas stark destruktives an sich hatte, ohne es doch loslassen zu können. Daß ich das nun doch konnte hat, glaube ich, viel mit einem Coaching zu tun, das mir meine Firma „spendiert“ hat (da sollte es um berufliche Perspektiven für mich gehen, aber die Coacherin und ich haben eben dieses Problem zum Thema gemacht weil es einfach dran war), und diese drei Stunden haben viel in mir in Gang gesetzt.
@ sternenhimmel:
Oh viele Fragen… der Kontakt im letzten halben Jahr war keine Beziehung mehr, es war irgendetwas undeutliches, diffuses, immer wieder zwischen Nähe und Distanz wechselndes – eben das, was diese Frau eben nur zu leben in der Lage ist (was sie ja auch selbst weiß und sagt), und das hatte etwas Quälendes.
Tja, Co-Abhängigkeit und Beziehungssucht… das ist eine interessante Frage. Darüber habe ich viel nachgedacht, es war Teil meines inneren Lösungsprozesses. Ich kann und möchte das nur für mich persönlich beantworten, keinesfalls für Andere. Ich mißtraue dem Begriff der Co-Abhängigkeit etwas, mit „Beziehungssucht“ kann ich mehr anfangen. Das darum, weil eine Selbsteinschätzung als co-abhängig immer das Grundübel – die Sucht – allein beim Gegenüber verortet, und man selbst ist immer nur sozusagen mitbetroffen aber irgendwie doch nicht wirklich verantwortlich: das ist dann der Alkohol, oder der Trinker (die Trinkerin)…
Ich glaube, dass sehr sehr viele als Co-abhängige geltende oder sich sehende Menschen wirklich im Grunde unter einer Beziehungssucht leiden, die oft nicht wirklich eingestanden ist, sondern hinter der Alkoholsucht des Partners im Verborgenen sitzt. Es ist ja immer verführerisch und leicht, bei einer eigenen Suchtproblematik nicht so genau hinzusehen. Der Begriff „Co-abhängig“ kann ein solches Wegschauen erleichtern. In meinem Fall war es egal dass die Frau (wie ich ja auch) getrunken hat. Ich hätte mich nicht groß anders verhalten, wenn die Beziehung ebenso destruktiv gewesen wäre nur eben ohne Alkohol.
Am Ende geht es ja darum, sich aus destruktiven Beziehungen lösen und auf eigenen Beinen stehen zu können; und das Destruktive kann zwar eine Sucht sein, es kann aber auch in Gewalt, Untreue, Lügen, Kälte, mangelndem Respekt oder sonstwas bestehen.
Ich will damit nicht sagen dass es Co-abhängigkeit nicht gibt; aber ich glaube, man sollte sie immer in einem größeren Rahmen sehen, im Rahmen dessen dass man in etwas bleibt, das einem nicht guttut, und dann gucken was einen am Gehen eigentlich hindert. Und das liegt in einem selbst, nicht in der Sucht des Gegenübers.
Du fragst auch: „Bist du denn in der Lage auch glücklich und zufrieden alleine leben zu können? Oder kannst du dir das für die Zukunft überhaupt nicht vorstellen?“ --- Im Moment kann ich mir eigentlich NUR vorstellen, allein zu leben, da ich so tief in meinen inneren Themen stecke – und das meine ich positiv -, dass ich mich gar nicht groß auf eine andere Welt einlassen möchte oder könnte. Und jemand, der von Beziehung zu Beziehung springt war ich eh nie. Das kann ich jetzt so sagen, für mich; wie das alles in einigen Jahren aussehen wird das werd ich ja sehen, das weiß ich jetzt natürlich nicht.
Immerhin ist das Leben wieder offen, und das freut mich sehr; ich hab doch sehr festgehangen.
LG Frank