Hallo Samsara, Nyana, Lito, hallo Forum!
Ich find ja spannend daß sich hier so ein reger Austausch über das Thema Meditation entwickelt hat. Es gibt viele Wege mit den Suchtanteilen der eigenen Persönlichkeit umzugehen, natürlich auch viele andere, aber daß dieser Weg – dem ich nun einmal sehr zuneige – von so vielen (und netten!) Leuten hier geteilt wird, das freut mich sehr.
Samsara : daß ich mich nun gar so gut „schützen und auf meine Bedürfnisse achten“ kann, nun ja... vor einem Jahr etwa konnte ich das noch überhaupt nicht was diese komplizierte Beziehung anging. In der LZT von Februar bis Mai habe ich meine Meditationspraxis, die vorher zwei Jahre brach lag (wegen des Trinkens, aber auch wegen der zahlreichen Belastungen in dieser Zeit), wieder aufgenommen. Ich hatte ein Einzelzimmer, und während einer LZT gibt es viel leere Zeit; ich war schnell bei anderthalb, zwei Stunden Sitzen am Tag und hatte dazu viele buddhistische Texte dabei. Im Nachhinein war dieser Raum zum Sitzen für mich das Wertvollste in der LZT überhaupt, wertvoller als die täglichen Gruppensitzungen. Meine Therapeutin meinte auch, daß dieser Weg (den sie ungewöhnlich aber spannend fand) für mich wohl sehr gut sei. Nach der Therapie hatte ich eine Rücken-OP, hab aber eine Woche danach wieder auf dem Kissen gesessen und dies bis heute beibehalten. Das ist wohl der Grund dafür, daß ich mit dem destruktiven Hin und Her aus Nähe und Distanz (unter dem die Frau vielleicht mehr leidet als ich selbst) einigermaßen umgehen kann – aber ich muß mich sehr anstrengen und habe natürlich meine Tiefs damit. Na... auch Tiefs sind dazu da durchlebt zu werden... gehört ja zu diesem Thema des Akzeptierens, das mir vielleicht nicht nur deswegen nah ist weil es zu meiner Übungspraxis gehört sondern auch weil es in meinem Leben gerade sehr aktuell ist.
Über den geschlossenen Bereich habe ich auch nachgedacht, hätte mich auch beinahe angemeldet (akuter Geldmangel hats erstmal verhindert), aber da ich keinen Computer habe sondern alles mit dem Handy machen muß... ich weiß nicht. Dieser Bereich ist sehr erfüllend für mich. Ich komm ja hier schon kaum hinterher und meine Anonymität ist mir egal, ich bin eben Alkoholiker, das weiß eh jeder der mich kennt; ich schütze nur mir nahestehende Personen.
Nyana : Der Weg innerhalb der buddhistischen Traditionen, dem ich mich verbunden fühle und den ich - so gut ich es eben hinbekomme - praktiziere, ist der des Zen-Buddhismus. Damit will ich gegen keine andere Schule was gesagt haben aber vom tibetischen Buddhismus verstehe ich eben nicht so viel und seine Lehren kommen mir sehr komplex vor... was ich an dieser Richtung allerdings sehr mag ist die große Ausrichtung auf ethische Werte, die explizite Betonung des Bodhisvattaideals, die Entwicklung von Mitgefühl als sehr eigenständiger Teil der Praxis: da ergänzen die Texte die ich kenne das Zen sehr gut.
Was allerdings die eigentliche Meditationspraxis angeht steht mir Zen näher – einfach sitzen, in der besten Haltung die mir persönlich möglich ist, nichts anstreben und das Sitzen als Vergegenwärtigung der Buddhanatur begreifen. Einfach. Schlicht. Schmucklos. Das liegt mir einfach mehr (aber das soll keine Wertung sein). Wenn ich das, was mir vom tibetischen Buddhismus bekannt ist, richtig interpretiere, ist die Beziehung zum Lama für den Schüler von entscheidender Bedeutung, das kann man nicht allein machen glaub ich (ich werde mir nach Ende meiner Nachsorge aber auch eine (Zen-)Gruppe mit Lehrer suchen, allein wird es irgendwann zu schwierig (und ich möchte ja meine Zufluchtnahmen alle drei ernstnehmen und leben: Buddha, Dharma UND Sangha...)) ---- Aber wenn man einfach meditieren möchte nicht um einer religiösen Tradition zu folgen, sondern um sich etwas Gutes zu tun, dann tuns erstmal auch Bücher. Wenn es die richtigen sind; daher meine Antwort an Lütze so wie sie ausfiel
@Lito
Lito! Ich freu mich immer wenn du hier schreibst und lese dich immer. -- Ich kenne E.Tolle nicht, aber wenn er schreibt (zitiert nach dir) „E.Tolle hat schon recht wenn er sagt, dass wir nur das Jetzt wirklich haben. Alles andere sind reine Gedankenformen, sonst nichts. Vergangenheit und Zukunft existieren nur als Gedankenform in uns.“, ja, das ist es. Nur daß diese Gedankenformen die Kraft haben uns endlos herunterzuziehen weil wir ihnen eine Realität zubilligen die sie nicht haben...
Du schreibst, die Realität habe sich als gar nicht so schlimm herausgestellt... ich würde sogar noch weiter gehen – sie ist das Einzige was wir überhaupt haben. Verpassen wir sie leben wir nicht. Also sollten wir versuchen sie möglichst wertzuschätzen – zu genießen wo sie sich gut anfühlt, an ihr zu wachsen wo sie sich schlecht anfühlt, sich in ihr auszuruhen wo sie sich neutral oder „langweilig“ anfühlt.
Manchmal gelingt mir das, oft garnicht gut aber die Momente in denen das klappt sind mir das Salz in der Suppe...
Euch allen einen schönen Herbstabend! LG Frank