Beiträge von garcia

    Hallo Lito, du schreibst: " Ich meine, dass meinem Denken und Fühlen, lange bevor !!! mich das erste Glas runterzieht wie eine Lawine, größte Beachtung geschenkt werden muss."

    Ja. Das war es was ich meinte, als ich irgendwo anders hier im Forum - ich glaube bei Jonas - schrieb, der Suchtdruck sei einem Eisberg vergleichbar, von dem neun Zehntel unsichtbar unter Wasser liegen; sichtet man das Hindernis kann es schon zu spät zum Bremsen sein.

    Darum horche ich immer mal wieder in mich hinein ob es da versteckte, halbbewußte, unklare Probleme, Denkweisen oder Stimmungslagen gibt. Wirkliche Probleme und Sorgen sind ja ok, aber ich will sie sehen.

    Früher hab ich solche "Erforschungen" nicht gemacht. Wenns mir gut ging hab ich es eben genossen; und wenn nicht -- war ich wehrlos und trank diese Wehrlosigkeit unter den Tisch... es kam dann immer zuviel auf einmal hoch. Eben die unerkannten neun Zehntel.

    Einen schönen Sonntag auch Dir, LG Frank

    Hallo Marion, "Cloud Atlas" war wunderbar. Den versteht man auch ohne das Buch zu kennen - frag meine Tochter, 15, die will jetzt das Buch ausleihen... wir haben ihn gestern gesehen :) Ein Film wie eine Achterbahnfahrt, viel zum Nachdenken aber auch ein tiefes emotionales Erlebnis. Wenn ich irgendwas von dir aus dem ganzen Austausch hier begriffen hab ---- müßtest du sehr mögen...

    Viel Spaß! Frank <<<nicht ohne LG

    Hallo deliaaurora,

    ich freu mich sehr daß du dich scheints erstmal gefangen hast und dich aus dem emotionalen Loch ein Stückchen hast rausbuddeln können. Daß du das geschafft hast hat bestimmt auch damit zu tun daß du ja schon eine Zeitlang nüchtern warst vor dem Rückfall, da gibt es Fundamente auf did du bauen kannst.

    Zur Ruhe kommen und einen Plan machen, das klingt sehr gut. Nimm dir alle Zeit dafür die du brauchst! Und daß du immer gern Sport gemacht hast ist auch sehr wertvoll, da kannst du vielleicht anknüpfen - das ist gut für die Seele und für den Körper, gerade auch in Hinblick auf COPD.

    Viel Ruhe und Klarheit wünsche ich dir! LG Frank

    Hallo Marion, Samsara, Nyana, hallo Forum.

    Gestern abend war ich mit meiner Tochter im Kino und hab – ein bißchen später als geplant – den “Cloud Atlas” gesehen, ein Film der uns beide sehr beeindruckt hat und den ich sicherlich nicht zum letzten Mal gesehen habe. Heute ist ein Tag für mich und meinen Jüngsten, mein anderer Sohn ist krank und zog es vor den Tag zuhause im Bett zu verbringen. Ruhige schöne Tage, die verwirrende Situation um meine „Freundin“ (wenn ich das so nennen kann, eine wirkliche Beziehung ist das so ja nicht) blende ich ein bißchen aus und stelle mich und mein Leben in den Mittelpunkt. Sie hat sich nach wie vor nicht gemeldet – wenn sie das so braucht ist das ok so, ich lasse ihr den Abstand den sie zu brauchen scheint; das hab ich ihr kurz via sms mitgeteilt.

    Nyana : Ich denke, in ein paar hundert Jahren wird es so etwas wie einen westlichen Buddhismus geben; wie der aussehen könnte ist heute noch völlig offen. Diese Religion trifft ja hier auf eine Kultur, in denen die Individualität seit der Aufklärung sehr auf die Spitze getrieben wurde und in der eine wissenschaftliche, dualistische Rationalität dominiert – beides Ausrichtungen die mit den buddhistischen Grundauffassungen kaum übereinzubringen sind. Für mich persönlich ist es auch so, daß diese Religion rationales Denken zwar nicht ersetzen kann und sollte, dem Denken aber eine andere Grundlage gibt, ein Gefühl für die Relativität jedweder Aussage vermittelt. Aber für wirkliche Aussagen auf diesen Gebieten fühle ich mich – als der Anfänger in dieser Praxis als der ich mich sehe – nicht berufen...

    Zen, tibetischer Buddhismus, Theravada... da es keinen gewachsenen westlichen Buddhismus gibt (wir sollten ja nicht vergessen daß es buddhistische Praxis im Westen erst seit 50, 60 Jahren gibt) halten wir uns eben an Traditionen, die mehr oder weniger importiert sind. Das halte ich auch für erstmal richtig, da es sich um sehr alte und erprobte Erfahrungslinien handelt. Daß mir da Zen naheliegt hat vielleicht einfach nur ästhetische Gründe (die Schlichtheit, der Verzicht auf philosophische Spekulationen, das Sitzen als Kernpraxis). Wirklich grundlegend für jede buddhistische Strömung ist in meinen Augen die Lehre von den vier Wahrheiten, sowie – als vierte davon – der achtfache Pfad. Daran versuche ich mich zu halten.

    Marion : Oh ja, mir fällt auf jeden Fall EINE Sache ein für diese Beziehung wertvoll war, so schmerzhaft all dies Hin und Her auch war; ich habe gesehen daß ich Alkoholiker bin, mit allen Konsequenzen. Da diese Frau auch trinkt war es als ob ich in einen Spiegel geschaut hätte. Was ich da sah war erschreckend genug daß ich mich auf meinen Weg in die Trockenheit gemacht habe...

    Samsara : Eisenbuch ist bei München nicht? Nein, für mich ist das nicht zu machen... ich bin ja durch die Unterhaltszahlungen materiell arm, allein die Fahrtkosten sind untragbar für mich. Aber ich werde schon eine Gruppe hier in Hamburg finden, da mache ich mir keine Sorgen 

    LG an alle, ich werd jetzt ein bißchen was kochen für uns

    Guten Tag Lena,

    ja, das Zulassen von Gefühlen – besonders wenn man (wie auch ich und vermutlich viele Menschen) große Übung darin hat, dies zu umgehen -, das ist schwer. Auf der anderen Seite lohnt jeder Schritt in die Richtung, und irgendwann merkt man dann, daß Gefühle an und für sich nicht beißen; aber sie können das Leben mit einem Grauschleier überziehen wenn man versucht ihnen auszuweichen... ich finde deinen Weg, dies in einer Therapie anzugehen, sehr gut. Du machst den Eindruck auf mich, daß du sehr klar siehst in welche Richtung du gehen solltest (auch wenn das Angst macht) und daß du dich auf diesen Weg sehr gründlich vorbereitet hast und ihn sehr achtsam in Angriff nimmst. Und das finde ich toll.

    Weihnachten... das letzte Weihnachten war ich im dreiwöchigen qualifizierten Entzug, am Heiligabend saß ich auf meinem Zimmer und schrieb meinen Lebenslauf für die Rentenversicherung, damit die LZT beantragt werden konnte. Ich bin kein großer Weihnachtsmensch, in der Regel arbeite ich und am 2. Feiertag kommen meine Kinder, und mir kommt aber auch keine einzige Tannennadel ins Haus  --- aber egal wie das läuft die Tage, es wird besser sein als vergangenes Jahr. Horch in dich hinein wie du diese Zeit gern verbringen würdest und mach es dann wahr (vielleicht mal ganz anders als üblich? Oder du holst dir tatsächlich ein paar dvd´s, n gutes Buch und Pizzas und verbringst das Fest im Bett? Warum denn nicht? Ist doch dein Weihnachten – hauptsache du stehst dazu... und hast es schön.)

    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende und send dir ganz herzliche Grüße, Frank

    Hallo deliaaurora, mir ging es am Ende so vor einem Jahr ebenso. Ich mußte nur noch funktionieren und war ausgebrannt ohne Ende. Das war einer der Gründe warum ich dann viele Monate krankgeschrieben war - eine lange Auszeit ohne die ich nicht hätte trocken werde können.

    Gib jetzt nicht auf. Schaff dir den Raum und laß dich krankschreiben, mit der Alkoholdiagnose ist das kein Problem, auch nicht über längere Zeit. Schreib hier mehr und geh in eine Suchtberatungsstelle, lote aus welche Hilfen du bekommen kannst.

    Du schaffst das. Rückfälle sind bei dieser Krankheit immer möglich, aber dann muß man so schnell wie möglich wieder aufstehen und gucken über was man gestolpert ist...

    Ganz lieben Gruß von Frank der morgen von dir lesen möchte!

    Hallo kleinerkolibri, das alles klingt für mich nach einer fantastischen Lösung. Und wenn bei einigen keine rechte Partystimmung aufkam weil nicht ALLE mitsaufen dann ist das doch nur noch krank... du aber bist gesund. Mach dir keinen Kopf. Was wäre denn die Alternative? Daß du wieder in die Sucht mit all ihren Dunkelheiten abrutscht damit ein paar saufende Texaner nen schönen Abend haben? Nee nee...

    Ich gratuliere dir und beglückwünsche dich dazu daß du einen so tollen Partner hast. Liest Ron hier mit? Wenn ja:

    Congratulations to you, Ron. You're a very very good guy... Respect

    LG aus Nebelhamburg, Frank

    Hallo deliaaurora, wie geht es dir? Was macht der Versuch nicht zu rauchen, die Gesundheit allgemein, die Seele? Ich würd mich sehr freuen öfter was von dir zu hören, gerade wenn es nicht gut aussieht - dafür gibts das Forum hier ja...

    Lieben Gruß von Frank

    Hallo Samsara, Nyana, Lito, hallo Forum!

    Ich find ja spannend daß sich hier so ein reger Austausch über das Thema Meditation entwickelt hat. Es gibt viele Wege mit den Suchtanteilen der eigenen Persönlichkeit umzugehen, natürlich auch viele andere, aber daß dieser Weg – dem ich nun einmal sehr zuneige – von so vielen (und netten!) Leuten hier geteilt wird, das freut mich sehr.

    Samsara : daß ich mich nun gar so gut „schützen und auf meine Bedürfnisse achten“ kann, nun ja... vor einem Jahr etwa konnte ich das noch überhaupt nicht was diese komplizierte Beziehung anging. In der LZT von Februar bis Mai habe ich meine Meditationspraxis, die vorher zwei Jahre brach lag (wegen des Trinkens, aber auch wegen der zahlreichen Belastungen in dieser Zeit), wieder aufgenommen. Ich hatte ein Einzelzimmer, und während einer LZT gibt es viel leere Zeit; ich war schnell bei anderthalb, zwei Stunden Sitzen am Tag und hatte dazu viele buddhistische Texte dabei. Im Nachhinein war dieser Raum zum Sitzen für mich das Wertvollste in der LZT überhaupt, wertvoller als die täglichen Gruppensitzungen. Meine Therapeutin meinte auch, daß dieser Weg (den sie ungewöhnlich aber spannend fand) für mich wohl sehr gut sei. Nach der Therapie hatte ich eine Rücken-OP, hab aber eine Woche danach wieder auf dem Kissen gesessen und dies bis heute beibehalten. Das ist wohl der Grund dafür, daß ich mit dem destruktiven Hin und Her aus Nähe und Distanz (unter dem die Frau vielleicht mehr leidet als ich selbst) einigermaßen umgehen kann – aber ich muß mich sehr anstrengen und habe natürlich meine Tiefs damit. Na... auch Tiefs sind dazu da durchlebt zu werden... gehört ja zu diesem Thema des Akzeptierens, das mir vielleicht nicht nur deswegen nah ist weil es zu meiner Übungspraxis gehört sondern auch weil es in meinem Leben gerade sehr aktuell ist.

    Über den geschlossenen Bereich habe ich auch nachgedacht, hätte mich auch beinahe angemeldet (akuter Geldmangel hats erstmal verhindert), aber da ich keinen Computer habe sondern alles mit dem Handy machen muß... ich weiß nicht. Dieser Bereich ist sehr erfüllend für mich. Ich komm ja hier schon kaum hinterher  und meine Anonymität ist mir egal, ich bin eben Alkoholiker, das weiß eh jeder der mich kennt; ich schütze nur mir nahestehende Personen.

    Nyana : Der Weg innerhalb der buddhistischen Traditionen, dem ich mich verbunden fühle und den ich - so gut ich es eben hinbekomme - praktiziere, ist der des Zen-Buddhismus. Damit will ich gegen keine andere Schule was gesagt haben  aber vom tibetischen Buddhismus verstehe ich eben nicht so viel und seine Lehren kommen mir sehr komplex vor... was ich an dieser Richtung allerdings sehr mag ist die große Ausrichtung auf ethische Werte, die explizite Betonung des Bodhisvattaideals, die Entwicklung von Mitgefühl als sehr eigenständiger Teil der Praxis: da ergänzen die Texte die ich kenne das Zen sehr gut.

    Was allerdings die eigentliche Meditationspraxis angeht steht mir Zen näher – einfach sitzen, in der besten Haltung die mir persönlich möglich ist, nichts anstreben und das Sitzen als Vergegenwärtigung der Buddhanatur begreifen. Einfach. Schlicht. Schmucklos. Das liegt mir einfach mehr (aber das soll keine Wertung sein). Wenn ich das, was mir vom tibetischen Buddhismus bekannt ist, richtig interpretiere, ist die Beziehung zum Lama für den Schüler von entscheidender Bedeutung, das kann man nicht allein machen glaub ich (ich werde mir nach Ende meiner Nachsorge aber auch eine (Zen-)Gruppe mit Lehrer suchen, allein wird es irgendwann zu schwierig (und ich möchte ja meine Zufluchtnahmen alle drei ernstnehmen und leben: Buddha, Dharma UND Sangha...)) ---- Aber wenn man einfach meditieren möchte nicht um einer religiösen Tradition zu folgen, sondern um sich etwas Gutes zu tun, dann tuns erstmal auch Bücher. Wenn es die richtigen sind; daher meine Antwort an Lütze so wie sie ausfiel

    @Lito
    Lito! Ich freu mich immer wenn du hier schreibst und lese dich immer. -- Ich kenne E.Tolle nicht, aber wenn er schreibt (zitiert nach dir) „E.Tolle hat schon recht wenn er sagt, dass wir nur das Jetzt wirklich haben. Alles andere sind reine Gedankenformen, sonst nichts. Vergangenheit und Zukunft existieren nur als Gedankenform in uns.“, ja, das ist es. Nur daß diese Gedankenformen die Kraft haben uns endlos herunterzuziehen weil wir ihnen eine Realität zubilligen die sie nicht haben...

    Du schreibst, die Realität habe sich als gar nicht so schlimm herausgestellt... ich würde sogar noch weiter gehen – sie ist das Einzige was wir überhaupt haben. Verpassen wir sie leben wir nicht. Also sollten wir versuchen sie möglichst wertzuschätzen – zu genießen wo sie sich gut anfühlt, an ihr zu wachsen wo sie sich schlecht anfühlt, sich in ihr auszuruhen wo sie sich neutral oder „langweilig“ anfühlt.

    Manchmal gelingt mir das, oft garnicht gut  aber die Momente in denen das klappt sind mir das Salz in der Suppe...

    Euch allen einen schönen Herbstabend! LG Frank

    Hallo Marion,

    das Thema „Menschen loslassen“ beschäftigt mich ja auch wieder einmal sehr in meinem Leben (wobei es da auch ein bißchen darum geht ob ich loslassen sollte weil es für den Gegenüber besser wäre)...

    Für mich persönlich ist das ganze auch eng damit verknüpft, in welchem Maße ich schlechte Gefühle zulassen und leben kann, Trauer, Schmerz, Hilflosigkeit, diese Dinge. Früher konnte ich das gar nicht, heute hat sich da viel getan, aber wie es weitergeht... Keine Ahnung wie sich dies alles entwickelt. Es gibt Dinge im Leben, die bleiben wohl schwer. Bleibt der Trost daß das ja möglicherweise die Dinge sind an denen wir am meisten wachsen können...

    Und Antworten hab ich auch keine, jeder Mensch ist da sehr individuell. Aber Dir für all das mal das herüberschicken, was der Matthias immer so unnachahmlich ein „Kraftpäckel“ nennt, das kann ich, das möchte ich und das tu ich hiermit 

    Laß es dir gutgehen!

    LG Frank

    Ich weiß nicht, ob die Idee, das Suchtgedächtnis mittels Medikamenten auszuschalten, Science Fiction bleiben wird oder nicht – wenn so etwas Realität werden würde wäre es aber doch ein Segen, denn es ist ein Hauptgrund für die hohen Rückfallquoten...

    Poster : Ich teile deine Einschätzung prinzipiell. Bloß mit der Einschränkung, daß jahrelanger Alkoholmißbrauch bei vielen Trinkern eben die Funktionsweisen des Gehirns und des Denkens tief beeinflusst und durcheinandergebracht hat. Ich für meinen Teil mißtraue auch heute, nach bald einem Jahr Trockenheit, meinem Denken immer noch soweit daß ich es gerade was Alkohol angeht immer wieder daraufhin überprüfe ob es mir irgendetwas vorgaukeln möchte. Beim Trockenwerden habe ich mich primär auf mein HANDELN verlassen – im Sinne von Risikominimierung und im Sinne der Grundbausteine -, aber eben NICHT primär auf mein Denken. Solange ich das versucht hatte (und als eher intellektueller Mensch lag mir das immer nah) blieb es bei mal längeren, meist kürzeren Trinkpausen mit den entsprechenden Rückfällen.

    Maria : Von „hoch die Tassen“ hat Jonas kein Wort geschrieben, weder direkt noch unterschwellig. Es geht um das genaue Gegenteil: eben darum daß dies „hoch die Tassen“ als das Zerstörerische erkannt werden kann das es ist – das Suchtgedächtnis behauptet das Gegenteil.
    --- Ich stimme dir zu daß es in dieser unserer Welt ausschließlich um Profit geht. Wäre ein derartiges Medikament tatsächlich möglich und marktreif wäre es eine gigantische Geldgrube – für die Konzerne, die es produzieren ohnehin, für die Kostenträger, die gewaltige Summen in die Therapie alkoholkranker Menschen stecken und für die Gesellschaft allgemein angesichts der enormen Kosten, die Alkohol verursacht (Ausfallzeiten, Produktivitätsausfälle, Unfallkosten etc.pp.). An der Manipulierbarkeit der Menschen verdient die Werbeindustrie. Trockene Leute haben in der Regel mehr Kaufkraft. Natürlich würde so etwas nicht umgesetzt werden aus Menschenfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft den armen Alkis gegenüber – sondern weil es sich auszahlt...

    Spannendes Thema. LG Frank

    Samsara : Ja, das Gefühl daß wir da ähnliche Wege gehen habe ich auch. Ich mag Deinen Thread und habe begonnen ihn von Anfang an zu lesen. Bis ich damit durch bin wird es eine Weile dauern, aber ich bin gespannt darauf und freue mich auch auf einen guten Austausch mit Dir 

    @ Margit: Danke für die Blumen, ich freue mich daß Du damit etwas anfangen konntest. Mir ist dieses heimtückisch sich unter der Oberfläche verbergende des Saufdruckes zuerst aufgefallen als ich vergangenen Winter in der Entgiftung war und zum ersten Mal den ganzen Tag in einem geschützten Raum über meine Sucht nachdenken konnte. Anfangs dachte ich ich sei einfach zu unachtsam, aber dann stellte sich nach und nach heraus daß es sehr Vielen dort so ging. Die ersten Anzeichen dafür, daß sich Saufdruck anbahnt, können fast unmerklich sein und müssen mit dem Thema Trinken inhaltlich garnichts zu tun haben; wenn die ersten kurzen „Blitze“ durch den Kopf schießen, in denen es bspw. um ein „leckeres“ alkoholisches Getränk geht, ist oft schon eine gewaltige innere Schieflage entstanden... zumindest ist das meine Erfahrung. Wir können eigentlich gar nicht sensibel genug sein, wenn es darum geht, in uns hineinzuhorchen; aber wir sollten dies nicht ängstlich oder überbesorgt tun, sondern mit einer gesunden Neugier für das was sich in uns abspielt und, vor allem, auch in guten Zeiten. Ist Übungssache, wird aber immer leichter 

    Was das Verhältnis zu der Frau angeht von der ich schon so oft schrieb hier – es war heute Thema meines Einzelgespräches. Nach ein paar schönen Treffen ist sie jetzt wieder auf Tauchstation und meldet sich nicht, die alte Angst vor Nähe, Bindung, es steckt tief in ihrer Geschichte und ich werde es nicht ändern können, das könnte nur sie selbst... Meine Therapeutin meinte dazu daß es denkbar sei, daß diese Rückzüge für sie ein notwendiger Selbstschutz seien und daß es für mich wichtig sei, sehr bei mir zu bleiben und mich auf mich selbst zu konzentrieren, um in den Nähe-Distanz-Wirrnissen nicht zum Blatt im Wind zu werden. Ich sehe das genauso.

    Was ich allerdings bemerke ist, daß ich meinen Schwerpunkt sehr stark in mir selbst habe. Ich kann ihre Distanzbedürfnisse – da schließt sich der Kreis – „akzeptieren als das, was nun einmal ist“. Vor einem Jahr hat mir das alles sehr sehr wehgetan, auch weil ich es nicht verstanden habe. Jetzt macht es mich schon traurig, weil ich weiß daß es ihr nicht gut geht damit. Aber ich kann dafür sorgen daß es MIR gutgeht. Ich hätte gern jetzt, da ich Urlaub habe, mehr Zeit mit ihr verbracht. Aber das scheint nicht zu gehen. Also nutze ich die Zeit und tu mir etwas Gutes, bin viel draußen in den matten Farben die ich so liebe, lese viel (Davis Mitchell, „Chaos“, und mein geliebter Charles Dickens), beschäftige mich mit Musik, treff Freitag meine Tochter, koche, meditiere, ruhe oder tu mal garnix (da bin ich gut drin).

    Ich wünsche allen im Forum einen schönen, angenehmen und trockenen Abend!

    LG Frank

    Hallo Forum,

    heute war ein recht intensiver Tag, da ich am Vormittag Einzelgespräch und am Abend Gruppe hatte, beides – vor allem das Einzel – sehr „dicht“ und wertvoll für mich. Aber darüber später. Erstmal möchte ich mich bei Correns, Samsara, Lütze und wacholderfrau für ihre netten Einträge hier bedanken und auf die ein bißchen eingehen.

    @Correns: „Akzeptieren was ist“, das ist natürlich ein verdammt großes Wort. Ich kann das natürlich ebenso wenig wirklich und in jeder Situation umsetzen wie irgendein anderer Mensch (es mag seltene und wertvolle Ausnahmen geben, einige Zenmeister, einige sehr fromme Menschen, vielleicht einige sehr alte Menschen, die mit großer Zufriedenheit und Akzeptanz auf ihr Leben zurückblicken können), aber im Allgemeinen ist das eher ein Ideal als ein Ziel; und das bedeutet ja daß es etwas ist, dem man sich annähern sollte ohne den Anspruch haben zu müssen, es immer und unter allen Umständen zu erreichen. Außerdem ist „akzeptieren“ nicht gleichzusetzen damit, alles einfach nur hinzunehmen, oder alles unterschiedslos zu bejahen. Sondern es bedeutet (für mich zumindestens), über ein rein emotionales Ablehnen hinausblicken zu können. Wenn ich etwas einfach nur ablehne nehme ich es gar nicht wirklich wahr, ich wende mich innerlich sofort reflexartig ab anstatt genau hinzusehen; damit beraube ich mich aber eines Teils meiner Möglichkeiten, etwas zu verändern. Da kommt der alte gute Satz wieder ins Spiel, es komme darauf an, zu ändern was man ändern kann, hinzunehmen was man nicht ändern kann und auf die Klugheit, das eine vom anderen unterscheiden zu können. Fast alles hat viele Facetten. Und meist nicht nur negative... – Dein „Akzeptieren, nicht alles akzeptieren zu können“ gefällt mir in diesem Licht sehr gut.

    @ Lütze: Ich habe Meditation ohne Lehrer gelernt und mich dabei an die zahlreichen Erfahrungen und Anweisungen aus zahlreichen Büchern gehalten, meine eigenen Erfahrungen gemacht (manchmal waren die schmerzhaft) und meinen „Stil“ immer wieder ein bißchen modifiziert und angepaßt. Ich denke schon, daß das prinzipiell geht (zumindest auf den ersten, oberflächlicheren Stufen der Meditation), aber – je nachdem aus welcher Motivation heraus man meditieren möchte und mit welchen Zielen -, ideal ist das wohl nicht. Besser, einfacher und sicherer ist es sich einen Lehrer zu suchen. Es ist beispielsweise einfach schwierig, die eigene Sitzhaltung selbst auf ihre Korrektheit hin zu überprüfen, und Fehlhaltungen können durchaus körperliche Probleme mit sich bringen. Je tiefer man ins Sitzen einsteigt (und je mehr man aus einer im engeren Sinne religiösen Motivation heraus sitzt und nicht „nur“ aus Entspannungsgründen, desto wichtiger wird eine gute Führung. Dazu kommt, daß Meditation die Eigenart hat, Inhalte des Unbewußten, Abgespaltenes, Verdrängtes sozusagen „hochzuschwemmen“. Das kann eine Zeitlang ziemlich unangenehm sein. Ich selbst bspw. hatte in 1998 (Winter 1997 hatte ich angefangen) monatelang Angst, ohne zu wissen wovor. Es hat gedauert bis mir klar wurde, daß das alte Dinge aus sehr frühen Phasen meines Lebens waren, die da wieder lebendig wurden. Da kann das gut sein jemanden zu haben, mit dem man so etwas besprechen kann und der/die diese Dinge aus eigener Erfahrung kennt...

    Ich schick das jetzt mal ab bevor es verloren geht  , geht dann gleich weiter

    Hallo,

    ich glaube er hat dich wohl verstanden. Man kann das leicht unterschätzen was noch ankommt ----

    alles alles Gute und nochmal Kraft; du wirst egal was es dich jetzt kostet wissen daß es sich gelohnt hat sie jetzt aufgebracht zu haben, ganz sicher.

    LG

    Hallo silberkralle vielen lieben Dank für dein Kraftpäckel, ich werde es nutzen um achtsam zu bleiben --- kannst dich darauf verlassen.

    Hallo Forum,
    Ich wollte gern mal einen Tip loswerden bin aber nicht sicher ob die Forumsregeln dies direkt so gestatten. Also verklausuliere icb es etwas: Hab mir heute eine Sonderausgabe DER bekanntesten Zeitschrift für Psychologie geholt (hängt n "heute" dran und ist sie oft recht oberflächlich ok jaja), ihre Sonderausgaben nennen die "Compact" und das Thema ist diesmal der Umgang mit Krisen. Drum hab ich sie mir mal geleistet... geht mich ja ne Menge an.

    Und da findet sich auf S. 36 ein Artikel mit der Überschrift "Akzeptieren was ist", und den find ich sehr gut. (das ganze Heft lohnt).

    Was ich gern loswerden wollte -- ich hoffe daß dies mir unter Respektierung der Regeln des Forums gelungen ist...

    LG an alle hier. Frank

    Hallo c2h5oh,

    mir ist es ein Bedürfnis dir einmal - so zwischendurch - zu schreiben daß ich hoffe, daß es dir inmitten deiner Routinen und Interessen gut geht.

    Aber eine Ergänzung zu den Leitsymptomen fällt mir ein, einerseits ganz subjektiv aus meiner Erfahrung, aber ich habe Entsprechendes auch in der Entgiftung und in der Langzeittherapie von Anderen gehört.

    Es scheint so zu sein, daß sich "Saufdruck" meistens auf eine langsame und heimtückische Art dergestalt aufbaut, daß er, wenn er sicb auf einer bewußten Ebene zeigt, bereits ein massives Fundament im Unbewußten gebildet hat. Wie bei einem Schiff das auf einen Eisberg aufläuft: das Sichtbare ist nur ein kleiner Teil, der Löwenanteil der Gefahr liegt unsichtbar unter Wasser.

    Wenn der Matrose im Mastkorb seine Warnung schreit kann es also zum Ausweichen schon zu spät sein. Kleine, unscheinbare emotionale "Unpäßli hkeiten" können frühe Warnungen sein daß etwas nicht stimmt... wenn etwas nicht stimmt ist unserereins aber darauf konditioniert diese Unstimmigkeit auf die "altbewährte" aber destruktive Weise zu lösen...

    Saufdru k baut sich also im Unbewußten auf und wird dort stärker (tiefenpsychologische Sichtweise), die Reaktions(fehl)weise des Kapitäns ist dann auf fatale Weise durch selbstdestruktive Vorerfahrungen vorstrukturiert (verhaltenstheoretische Sichtweise).

    Diese Gedanken kamen wir als ich über Teile unseres Dialoges noch einmal nachdachte. Ich fand ich sollte sie mit dir teilen.

    Ich wünsche dir einen schönen Abend!

    PS wenn ich Anfang Dezember endlich wieder einmal ein normales Gehalt bekomme werde ich mir die Matthäuspassion zulegen. Ich bin zwar musikalisch zu ungebildet um Interpretationsunterschiede wirklich nachvollziehen zu können, wäre dir aber trotzdem für einen Tip für eine gute Interpretation dankbar. Ob auf Originalinstrumenten oder nicht ist mir bei Vokalmusik zweitrangig, wichtiger dann - wenn ich mich schon mal drauf einlasse - die gesanglichen Qualitäten (bei instrumentaler Barockmusik nehm ich immer Originalinstrumente)

    ...aber nun wirklich einen guten Abend, Jonas!

    LG Frank

    Hallo Samsara,

    du schreibst: " Mein Glück und mein Frieden hängen nicht davon ab, was der Andere tut oder nicht tut, sondern davon, wie ich selbst auf äußere Umstände reagiere und wie ich diese bewerte. Ich kann dies positiv oder negativ tun, oder die Dinge einfach mal so sein lassen, wie sie gerade sind". - Ich kann damit viel anfangen; vor allem mit der Haltung, die Dinge einfach mal so seinzulassen wie sie sind.

    Wenn dies auch, meiner Erfahrung nach, viel Übung erfordert, ist doch jeder Schritt auf diesem Weg ein kleiner Schritt in Richtung einer Art "Entkrampfung", die ein gutes Stück Rückfallvorbeugung in sich trägt (aber ihren Wert vor allem in sich selbst hat).

    Auch deine Gedanken zur "Langeweile" haben mich sehr angesprochen. Danke dafür.

    Ich wünsche dir einen schönen Tag! LG Frank