Am Beginn eines langen Weges

  • Zitat von garcia

    @ Lütze: Besser, einfacher und sicherer ist es sich einen Lehrer zu suchen. Es ist beispielsweise einfach schwierig, die eigene Sitzhaltung selbst auf ihre Korrektheit hin zu überprüfen, und Fehlhaltungen können durchaus körperliche Probleme mit sich bringen. Je tiefer man ins Sitzen einsteigt (und je mehr man aus einer im engeren Sinne religiösen Motivation heraus sitzt und nicht „nur“ aus Entspannungsgründen, desto wichtiger wird eine gute Führung. Dazu kommt, daß Meditation die Eigenart hat, Inhalte des Unbewußten, Abgespaltenes, Verdrängtes sozusagen „hochzuschwemmen“. Das kann eine Zeitlang ziemlich unangenehm sein. Ich selbst bspw. hatte in 1998 (Winter 1997 hatte ich angefangen) monatelang Angst, ohne zu wissen wovor. Es hat gedauert bis mir klar wurde, daß das alte Dinge aus sehr frühen Phasen meines Lebens waren, die da wieder lebendig wurden. Da kann das gut sein jemanden zu haben, mit dem man so etwas besprechen kann und der/die diese Dinge aus eigener Erfahrung kennt...


    Darf ich?


    Ich habe lange Jahre den Tibetischen Buddhismus praktiziert (ohne Dogma, ich bin und bleibe Freigeist), "Zuflucht genommen und dabei vieles verinnerlicht (im Moment bin ich eher dabei etwas gesunden Egoismus zu entwickeln:) ).

    In den Buddhistischen Meditationen geht es um die
    - Konzentration auf den Atem,- die Entwicklung von erleuchteten Qualitäten im Geist und um die -Erkenntnis der Natur des Geistes.
    Es wird auf Buddhaformen meditiert um die jeweiligen Fähigkeiten zu "wecken" (das mag am Anfang etwas verwirrend sein).

    Auch gibt es ganz spezielle Reinigungsmeditationen (es werden die gespeicherten Eindrücke "gereinigt"), die man aber wirklich besser mit einem Lehrer und etwas Übung macht....

    Die Diamantwegbuddhisten haben mittlerweile viele Zentren in Deutschland und laden gerne zur Hauptmeditaion (die auf den 16. Karmapa) ein (und die Internetseite ist sehr informativ)

    Alles Gute von
    Nynana

    Jedes Anlehnen, an wen oder was auch immer, führt zu nichts.
    Wichtig ist die eigene, persönliche Intuition, die Arbeit an sich selbst.

    Chögyam Trungpa

  • Hallo lieber Frank, hallo zusammen,

    danke für deine Verklausulierung ;)
    Ich werde diese gleich mal umsetzen, und mir mit nach Hause nehmen.

    Akzeptanz, Leben im Jetzt, Annahme was ist,...

    Ich übe mich auch schon eine zeitlang darin, ebenso wie im Buddhismus.
    Der Empfehlung von correns möchte ich ohne Einschränkung zustimmen.
    E.Tolle ist in dieser Hinsicht eine wahre Bereicherung und Hilfestellung.
    Sowohl zu lesen, zu hören, oder auf DVD.

    E.Tolle hat schon recht wenn er sagt, dass wir nur das Jetzt wirklich haben. Alles andere sind reine Gedankenformen, sonst nichts.
    Vergangenheit und Zukunft existieren nur als Gedankenform in uns.
    Bewusst das Jetzt wahrnehmen bedeutet über den eigenen Gedanken stehen, und den Geist beruhigen indem man ihn fokusiert.

    Früher benebelte ich mich wenn ich mir der Realität auch nur annähernd bewusst wurde.
    Heute nehme ich bewusst und klar, das Jetzt wahr.
    Und ich erkannte, dass die Realität so schlimm nun auch wieder nicht ist wie ich früher immer dachte.

    Alles Liebe

    Lito :wink:

  • Hallo Samsara, Nyana, Lito, hallo Forum!

    Ich find ja spannend daß sich hier so ein reger Austausch über das Thema Meditation entwickelt hat. Es gibt viele Wege mit den Suchtanteilen der eigenen Persönlichkeit umzugehen, natürlich auch viele andere, aber daß dieser Weg – dem ich nun einmal sehr zuneige – von so vielen (und netten!) Leuten hier geteilt wird, das freut mich sehr.

    Samsara : daß ich mich nun gar so gut „schützen und auf meine Bedürfnisse achten“ kann, nun ja... vor einem Jahr etwa konnte ich das noch überhaupt nicht was diese komplizierte Beziehung anging. In der LZT von Februar bis Mai habe ich meine Meditationspraxis, die vorher zwei Jahre brach lag (wegen des Trinkens, aber auch wegen der zahlreichen Belastungen in dieser Zeit), wieder aufgenommen. Ich hatte ein Einzelzimmer, und während einer LZT gibt es viel leere Zeit; ich war schnell bei anderthalb, zwei Stunden Sitzen am Tag und hatte dazu viele buddhistische Texte dabei. Im Nachhinein war dieser Raum zum Sitzen für mich das Wertvollste in der LZT überhaupt, wertvoller als die täglichen Gruppensitzungen. Meine Therapeutin meinte auch, daß dieser Weg (den sie ungewöhnlich aber spannend fand) für mich wohl sehr gut sei. Nach der Therapie hatte ich eine Rücken-OP, hab aber eine Woche danach wieder auf dem Kissen gesessen und dies bis heute beibehalten. Das ist wohl der Grund dafür, daß ich mit dem destruktiven Hin und Her aus Nähe und Distanz (unter dem die Frau vielleicht mehr leidet als ich selbst) einigermaßen umgehen kann – aber ich muß mich sehr anstrengen und habe natürlich meine Tiefs damit. Na... auch Tiefs sind dazu da durchlebt zu werden... gehört ja zu diesem Thema des Akzeptierens, das mir vielleicht nicht nur deswegen nah ist weil es zu meiner Übungspraxis gehört sondern auch weil es in meinem Leben gerade sehr aktuell ist.

    Über den geschlossenen Bereich habe ich auch nachgedacht, hätte mich auch beinahe angemeldet (akuter Geldmangel hats erstmal verhindert), aber da ich keinen Computer habe sondern alles mit dem Handy machen muß... ich weiß nicht. Dieser Bereich ist sehr erfüllend für mich. Ich komm ja hier schon kaum hinterher  und meine Anonymität ist mir egal, ich bin eben Alkoholiker, das weiß eh jeder der mich kennt; ich schütze nur mir nahestehende Personen.

    Nyana : Der Weg innerhalb der buddhistischen Traditionen, dem ich mich verbunden fühle und den ich - so gut ich es eben hinbekomme - praktiziere, ist der des Zen-Buddhismus. Damit will ich gegen keine andere Schule was gesagt haben  aber vom tibetischen Buddhismus verstehe ich eben nicht so viel und seine Lehren kommen mir sehr komplex vor... was ich an dieser Richtung allerdings sehr mag ist die große Ausrichtung auf ethische Werte, die explizite Betonung des Bodhisvattaideals, die Entwicklung von Mitgefühl als sehr eigenständiger Teil der Praxis: da ergänzen die Texte die ich kenne das Zen sehr gut.

    Was allerdings die eigentliche Meditationspraxis angeht steht mir Zen näher – einfach sitzen, in der besten Haltung die mir persönlich möglich ist, nichts anstreben und das Sitzen als Vergegenwärtigung der Buddhanatur begreifen. Einfach. Schlicht. Schmucklos. Das liegt mir einfach mehr (aber das soll keine Wertung sein). Wenn ich das, was mir vom tibetischen Buddhismus bekannt ist, richtig interpretiere, ist die Beziehung zum Lama für den Schüler von entscheidender Bedeutung, das kann man nicht allein machen glaub ich (ich werde mir nach Ende meiner Nachsorge aber auch eine (Zen-)Gruppe mit Lehrer suchen, allein wird es irgendwann zu schwierig (und ich möchte ja meine Zufluchtnahmen alle drei ernstnehmen und leben: Buddha, Dharma UND Sangha...)) ---- Aber wenn man einfach meditieren möchte nicht um einer religiösen Tradition zu folgen, sondern um sich etwas Gutes zu tun, dann tuns erstmal auch Bücher. Wenn es die richtigen sind; daher meine Antwort an Lütze so wie sie ausfiel

    @Lito
    Lito! Ich freu mich immer wenn du hier schreibst und lese dich immer. -- Ich kenne E.Tolle nicht, aber wenn er schreibt (zitiert nach dir) „E.Tolle hat schon recht wenn er sagt, dass wir nur das Jetzt wirklich haben. Alles andere sind reine Gedankenformen, sonst nichts. Vergangenheit und Zukunft existieren nur als Gedankenform in uns.“, ja, das ist es. Nur daß diese Gedankenformen die Kraft haben uns endlos herunterzuziehen weil wir ihnen eine Realität zubilligen die sie nicht haben...

    Du schreibst, die Realität habe sich als gar nicht so schlimm herausgestellt... ich würde sogar noch weiter gehen – sie ist das Einzige was wir überhaupt haben. Verpassen wir sie leben wir nicht. Also sollten wir versuchen sie möglichst wertzuschätzen – zu genießen wo sie sich gut anfühlt, an ihr zu wachsen wo sie sich schlecht anfühlt, sich in ihr auszuruhen wo sie sich neutral oder „langweilig“ anfühlt.

    Manchmal gelingt mir das, oft garnicht gut  aber die Momente in denen das klappt sind mir das Salz in der Suppe...

    Euch allen einen schönen Herbstabend! LG Frank

  • Mein lieber Frank,

    das beruht auf Gegenseitigkeit.
    Ich schätze deine Texte und respektvollen Umgang sehr.

    Du hast vollkommen recht, wenn du diese Meinung über unsere Gedanken hast.

    Mal ist der Gedanke in der Zukunft, dann wieder in der Vergangenheit, jedoch der Körper bleibt immer im Jetzt.
    Er ist nicht so flexibel wie unsere Gedanken.
    Deshalb entstehen auch ganz gerne Spannungen in einem selbst.
    Körper und Geist sind ohne bewusstes im "Jetzt" sein getrennt, und deshalb auf Spannung. Manchmal dauerhaft auf Spannung.
    Dass das nicht gutgehen kann ist offensichtlich.

    Lieber Frank, mach einfach weiter so.
    Du bist wirklich schwer in Ordnung.

    Lito :wink:

  • Hallo Frank,

    bei mir war es so, dass einfach immer und immer wieder durchlitten werden musste, bis das Leiden ( fast ) "ausgedient" hatte.

    Zu was es mir dient(e) ?

    Ich denke, um von mir selbst abzulenken aber auch um mir klar zu machen, dass mein Leben jederzeit endlich ist ( ich weiss der direkte Zusammenhand ist nicht gleich zu sehen ) und ich dadurch viel bewusster mit meiner Lebenszeit umgehe.

    Das heisst nicht, dass ich viel mehr "mache" aber dass ich ( fast ) immer so lebe, dass ich guten Gewissens gehen kann.

    Ich bin mir sicher, dass dir jetzt schon oder irgendwann viele Dinge einfallen werden für die dir diese Beziehung dienen oder dienten.

    Trotzdem bleibt natürlich der akute Schmerz und darum will ich dir, wieder glücklich und zufrieden ( nach "kleiner" Krise ), ganz viel Kraft schicken !!

    Du bist ein toller Mensch !

    Und es ist schön, dass es dich gibt.

    Marion

  • Hallo Frank,

    Dein letzter sehr tiefgründiger Beitrag hat mich beeindruckt - da konnte ich wegen einiger Parallelen zu meinem Weg, viel für mich mitnehmen, DANKE!

    Zitat

    Im Nachhinein war dieser Raum zum Sitzen für mich das Wertvollste in der LZT überhaupt,

    Ich freu mich, dass Du die *leere* Zeit in der Therapie (insofern war sie ja mit Sitzen sehr angefüllt) für Dich in dieser Weise genutzt hast und dies auch weiter fortsetzt. Ich wünsche Dir, dass Du in der Nähe eine Sangha findest, die Dich bei der Praxis unterstützt.

    Mein Weg hat mich zum Zen-Tentrum Eisenbuch geführt, ist leider nicht gerade um die Ecke, aber ich fühle mich dort gut aufgehoben.

    Sei achtsam mit Dir selbst und gib Dir das, was Du gerade brauchst.

    Gassho,
    Samsara

    Das Beste geschieht JETZT!

  • Der ganze Zweck der Lehre Buddhas liegt darin, unsere Buddha-Natur zu erkennen, diesen noch unentdeckten Schatz zu heben, seinen Reichtum zu genießen und ihn mit allen anderen zu teilen.

    Mitgefühl entwickelt sich dabei wie von selbst.

    Die buddhistische Erkenntnislehre untersucht die Beziehung zwischen dem wahrgenommenen Objekt und dem wahrnehmenden Subjekt. Denn Erleber und Erlebnis sind immer abhängig voneinander. Der Buddhismus erklärt, wie man die fehlerhafte Wahrnehmung beseitigen kann.

    Dabei habe ich viel gelernt(und ja, die Verbindung zum Lama ist dabei sehr wichtig), gerade das Nichtwerten, das Sein im Hier und Jetzt.
    Die wichtigste Lektion war aber der Umgang mit Gefühlen...zu erkennen, daß sie wandelbar sind, das es nicht lohnt daran lange festzuhalten (für mich sind sie Merker-um darauf zu achten wos "langgeht").

    Mich bereichert der Buddhismus- er paßt zu mir und meiner humanistischen Lebenseinstellung, er ergänzt mich sozusagen.

    Das finde ich das Wichtigste bei der individuellen Suche nach dem Weg- er sollte "komplettieren", sozusagen Wegweiser bei der individuellen Entwicklung sein. Das Reflektieren und die intellektuelle Auseinandersetzung ersetzen sollte/kann er nicht.

    Ich lese übrigens gerade die "alten" Philosophen, spanndend-sehr spannend (die Auseinandersetzung mit dem "Gottesgedanken")

    Mir geht es in umgekehrter Weise wie Dir Frank, ich kenne den Zen-Buddhismus zu wenig (ich weiss nur, dass der Zen und der Diamantweg in Teilaspekten gleich sind???)- und würde mich sehr darüber freuen mehr von Dir (und Samsara) zu lesen.

    Namaste

    Jedes Anlehnen, an wen oder was auch immer, führt zu nichts.
    Wichtig ist die eigene, persönliche Intuition, die Arbeit an sich selbst.

    Chögyam Trungpa

  • Hallo Marion, Samsara, Nyana, hallo Forum.

    Gestern abend war ich mit meiner Tochter im Kino und hab – ein bißchen später als geplant – den “Cloud Atlas” gesehen, ein Film der uns beide sehr beeindruckt hat und den ich sicherlich nicht zum letzten Mal gesehen habe. Heute ist ein Tag für mich und meinen Jüngsten, mein anderer Sohn ist krank und zog es vor den Tag zuhause im Bett zu verbringen. Ruhige schöne Tage, die verwirrende Situation um meine „Freundin“ (wenn ich das so nennen kann, eine wirkliche Beziehung ist das so ja nicht) blende ich ein bißchen aus und stelle mich und mein Leben in den Mittelpunkt. Sie hat sich nach wie vor nicht gemeldet – wenn sie das so braucht ist das ok so, ich lasse ihr den Abstand den sie zu brauchen scheint; das hab ich ihr kurz via sms mitgeteilt.

    Nyana : Ich denke, in ein paar hundert Jahren wird es so etwas wie einen westlichen Buddhismus geben; wie der aussehen könnte ist heute noch völlig offen. Diese Religion trifft ja hier auf eine Kultur, in denen die Individualität seit der Aufklärung sehr auf die Spitze getrieben wurde und in der eine wissenschaftliche, dualistische Rationalität dominiert – beides Ausrichtungen die mit den buddhistischen Grundauffassungen kaum übereinzubringen sind. Für mich persönlich ist es auch so, daß diese Religion rationales Denken zwar nicht ersetzen kann und sollte, dem Denken aber eine andere Grundlage gibt, ein Gefühl für die Relativität jedweder Aussage vermittelt. Aber für wirkliche Aussagen auf diesen Gebieten fühle ich mich – als der Anfänger in dieser Praxis als der ich mich sehe – nicht berufen...

    Zen, tibetischer Buddhismus, Theravada... da es keinen gewachsenen westlichen Buddhismus gibt (wir sollten ja nicht vergessen daß es buddhistische Praxis im Westen erst seit 50, 60 Jahren gibt) halten wir uns eben an Traditionen, die mehr oder weniger importiert sind. Das halte ich auch für erstmal richtig, da es sich um sehr alte und erprobte Erfahrungslinien handelt. Daß mir da Zen naheliegt hat vielleicht einfach nur ästhetische Gründe (die Schlichtheit, der Verzicht auf philosophische Spekulationen, das Sitzen als Kernpraxis). Wirklich grundlegend für jede buddhistische Strömung ist in meinen Augen die Lehre von den vier Wahrheiten, sowie – als vierte davon – der achtfache Pfad. Daran versuche ich mich zu halten.

    Marion : Oh ja, mir fällt auf jeden Fall EINE Sache ein für diese Beziehung wertvoll war, so schmerzhaft all dies Hin und Her auch war; ich habe gesehen daß ich Alkoholiker bin, mit allen Konsequenzen. Da diese Frau auch trinkt war es als ob ich in einen Spiegel geschaut hätte. Was ich da sah war erschreckend genug daß ich mich auf meinen Weg in die Trockenheit gemacht habe...

    Samsara : Eisenbuch ist bei München nicht? Nein, für mich ist das nicht zu machen... ich bin ja durch die Unterhaltszahlungen materiell arm, allein die Fahrtkosten sind untragbar für mich. Aber ich werde schon eine Gruppe hier in Hamburg finden, da mache ich mir keine Sorgen 

    LG an alle, ich werd jetzt ein bißchen was kochen für uns

  • Hallo Forum,

    heut bin ich ich einer gemischten Stimmung. Eigentlich hatte ich einen schönen Tag. Nen schönen Vormittag mit meinem Jüngsten, dann kam noch ein Kumpel von ihm zum gemei samen Gitarreüben (die haben kommenden Sonntag einen Auftritt in der Jugendmusikschule). Dann war ich viel im Forum hier und hatte "frei". Aber so richtig loskommen von meinen Themen mal, das gelang mir nicht recht... war alles bloß übertüncht. Irgendwie bin ich seit dem späteren Nachmittag traurig. Naja hat ja seinen Grund... nun paddle ich in einer diffus-traurigen Stimmung dem S chlaf entgegen. Und denk daß ja morgen ein neuer Tag ist...

    LG an dies wunderbare Forum

  • Hallo Frank,

    ich hoffe du hast trotz deiner Traurigkeit gut geschlafen und hattest einen munteren Start in den Tag.

    Wenn ich an meine 3 1/2 jährige Beziehung zurück denke, dann kann ich wohl auf die 20-30 Kontaktsperren oder Versuche der Trennung zurückblicken.

    Das macht mich nicht stolz, im Gegenteil, es hat mich jedes Mal selbst extrem zermürbt, so lange bis ich wieder nach gegeben habe ( mir selbst) und den Kontakt wieder suchte.

    Ich hatte zwar beim Alkohol keine Rückfälle bis jetzt und ich hoffe das bleibt auch so, aber wohl bei meiner anderen Krankheit.

    Ich brauchte die Rückfälle so lange bis ich am Punkt war, an dem ich vor mir selbst kapitulierte und mir klar war, dass ich diesen Mensch nur so annehmen kann wie er ist.

    Ohne wenn und aber.

    Und dass es so wie er ist, es keine Liebesbeziehung für mich sein kann.

    Das war mir zwar schon vorher klar, intellektuell, aber es war nicht in meinem Herz angekommen.

    Durch die Konfrontation mit ihm, und das reflektieren darüber auch hier im Forum und nicht durch die Kontaktsperren, kam ich schließlich zu dem Punkt, an dem ich kapitulierte und meine Sehnsucht und Liebe verlor.

    Vielleicht ist es bei dir ähnlich und es wird irgendwann der Moment kommen an dem es dir nicht gleichgültig sein wird was mit ihr ist, an dem du aber nicht mehr traurig darüber sein wirst, dass sich die Beziehung nicht so gestaltet wie du sie dir wünschst.

    Ich wünsche mir für deine "Freundin" und natürlich für dich, dass sie es wenigstens ein Stück weit schafft deine Liebe anzunehmen.

    Sie hat eine große Chance geliebt zu werden, so wie sie ist.
    Wer möchte und braucht das nicht ?
    Egal ob es sich nun um eine Partnerschaft, Familie oder Freundschaft handelt.

    Du hast sehr viel zu geben und du gibst es gerne.

    Nimm deine Trauer an und fühle sie ( doch das tust du ja schon ), sie wird sich irgendwann in etwas Gutes umwandeln.

    Marion

  • Hi lieber Frank,

    mir fehlen jetzt zwar die richtigen Worte die dir auf die Beine helfen, aber du darfst glauben, dass ich es mitfühlen kann.

    Warum fehlen mir die Worte ?
    Weil es bei mir ganz lapidar die Annahme der Situation, und die Zeit war die alles wieder gerade bog.
    Die Blätter fallen, und kurz darauf entsteht ein wunderbar blühender Baum.

    Sei lieb gegrüßt vom
    Lito

  • Lieber Frank,

    ich kann deine Traurigkeit sehr gut verstehen. Ich habe mich im letzten Jahr nach 10 Jahren von meinem Partner getrennt- dafür habe ich sehr lange gebraucht (ca. 2-3 Jahre). Er war meine große Liebe, in diesen Jahren ist sehr viel passiert- viele Verletzungen, Trennungen, üble Auseinandersetzungen, Vertrauensbrüche...- vor allem auch durch unseren regelmäßigen und übermäßigen Alkoholkonsum.

    Irgendwann habe ich es für mich zulassen können, zu akzeptieren, das er mir nicht das geben kann, was ich brauche, das ich mit ihm nicht glücklich werden kann. Trotzdem empfinde ich (ich glaube auch jetzt noch), eine tiefe Liebe zu ihm. Und auch, wenn ich mich mittlerweile manchmal nach einem neuen Partner sehne, merke ich, das ich innerlich noch nicht wirklich bereit dazu bin. Die Trennung ist für mich endgültig- es gibt wird kein zurück geben.

    Jedoch gebe ich mir auch die Zeit, die es braucht, um mich zu verabschieden. Ich hatte auch sehr lange (ca. 10 Monate) keinen Kontakt zu ihm- ich brauchte diesen Abstand, um ganz bei mir zu sein zu können. Mittlerweile haben wir wieder unregelmäßigen Kontakt und darüber bin ich sehr froh. Ich wünsche mir für die Zukunft, das wir weiterhin am Leben des anderen teil haben und wir vielleicht wirklich Freunde werden können- doch da sind wir noch lange nicht. Ich denke, das braucht viel Zeit und Geduld.

    Auch mich macht es immer noch manchmal unheimlich traurig- es ist nicht leicht- ich versuche es so anzunehmen und zuzulassen- das gelingt mal besser, mal schlechter....

    Ich kann dir keine konkreten Tipps geben, ich möchte dir einfach einmal sagen, das ich dich als unheimlich wertvollen, empfindsamen und sehr ehrlichen Menschen hier kennenlernen durfte- danke dafür!

    Fühl dich ganz dolle gedrückt!!

    Mit ganz lieben Grüßen von Lena

  • Zitat

    diffus-traurigen Stimmung

    Lieber Frank,

    weisst Du durch die Trockenheit gehen wir auch durch Seelenprozesse, (wenn wir bereit sind uns auf das Abenteuer unserer Seele einzulassen), die sich oft-nachteilig als-dünne Haut und übergrosse Sensiblität zeigt, aber im Gegenteil auch in einer hohen Reaktibilität, um sich auf andere, veränderte Lebensumstände einzulassen.

    Glaub mir: Wunden sind durch Wunder zu heilen.

    Da wartet noch viel auf Dich!
    Herzliche Grüsse,

    Nyana

    Jedes Anlehnen, an wen oder was auch immer, führt zu nichts.
    Wichtig ist die eigene, persönliche Intuition, die Arbeit an sich selbst.

    Chögyam Trungpa

  • Hallo Lena, hallo Nyana!

    Eure Worte haben mir sehr gutgetan, ich weiß garnicht wie ich mich bedanken soll...

    Die "diffuse" Traurigkeit ist heute, nach einem langen Schlaf, nicht mehr diffus. Sie lag einfach daran daß mir innerlich klar wurde daß ich die Beziehung beenden muß - ein Schritt auf den ich mich monatelang zubewegt habe um ihn im entscheidenden Moment immer wieder zu umkreisen und zu vermeiden.

    Jetzt ist er nicht nur im Kopf sondern im Bauch angekommen. Ganz abgesehen von der eh schon zerstörerischen Nähe-Distanz-Konfusion und den Ängsten, an denen diese Frau leidet und an denen ich nichts werde ändern können, bin ich auch ziemlich sicher daß sie nach wie vor trinkt.

    Schritte wie Suchtberatung o.ä. lehnt sie ab. Ich habe mich heute einmal wieder durch die Frühstadien der Threads von Silberkralle und Bernd gelesen. Auch da ging es um Lieben zu Frauen die tranken.

    Diese Frau wäre immer mein Rückfallrisiko Nummer 1. Schon deswegen muß ich es loslassen. Liebe hin Liebe her.

    Vor ganz kurzer Zeit ging es hier viel um "akzeptieren was ist"; jetzt ist es für mich soweit daß ich dies leben muß - akzeptieren daß Liebe eben nicht alles heilen kann, und mich auf mich zurückziehen um meinen Weg des Heilwerdens weiter gehen zu können.

    Lena, Nyana, dabei habt ibr mich sehr unterstützt.
    Es geht mir jetzt besser als gestern; Klarheit hilft.

    LG Frank

  • Hallo Frank,

    ich freu mich, dass diese diffuse Traurigkeit einer gewissen Klarheit gewichen ist.

    Zitat

    Diese Frau wäre immer mein Rückfallrisiko Nummer 1. Schon deswegen muß ich es loslassen. Liebe hin Liebe her.

    Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich über Deine schwierige Beziehung las. Ich habe es nicht geschrieben, ich tu mich leichter, solche Bedenken in einem persönlichen Gespräch, denn in einem Beitrag hier mitzuteilen. In einem Gespräch könnte ich auch auf die darauffolgende Reaktion besser eingehen.

    Ich beschäftige mich auch gerade mit Veränderungen - Überlegungen dazu kannst Du bei Interesse bei mir nachlesen..

    Achja: Eisenbuch ist in der Nähe von Neu-Ötting, etwa 120 km von München entfernt. Es liegt auch nicht gerade um die Ecke von Köln :(

    Herzliche Grüße,
    Samsara

    Das Beste geschieht JETZT!

  • Auch dir danke Samsara.

    Ich hab deine Überlegungen gelesen bevor ich hier gepostet hab und ich werde was dazu schreiben - aber ich brauch etwas Zeit, das sollte mir eine gute Antwort wert sein. Vorläufig: ich kann viel damit anfangen was du schriebst.

    Danke und LG

  • Marion, Lito, auch bei euch will ich mich natürlich ganz ganz herzlich bedanken für euren Zuspruch. Daß ich das verspätet gesehn hab liegt an meinem so begrenztem Handyzugang (macbt mich halbblind), der dafür sorgt daß ich "ältere" Beiträge (auch wenn sie erst Stunden zurückliegen) erstmal nicht sehen kann... Technik kann dumm sein .Aber nicht ihr. Nein Ihr nicht!

    Dank euch beiden und LG

    ...und Samsara auch dir danke für Deine Worte

  • Hey Frank,

    und ich danke dir vor allem für den einen Satz mit dem du
    wesentlich zum Ende meiner Co-Beziehung beigetragen hast.

    Dass wir jetzt "ziemlich beste Freunde" sind, er und ich,
    dafür sind wir beide selbst verantwortlich.

    Und das gibt mir ein gutes und friedliches Gefühl.

    Ich wünsche dir nur das Allerbeste !

    Du bist ein wahrlich toleranter Mensch und ich respektiere dich sehr.

    Liebe Grüße von Marion :)

  • Guten Morgen, lieber Frank

    herzlichen Dank für Deine Fragen und Denkanstöße in Deinem gestrigen Beitrag bei mir.

    Sie werden mich wohl noch eine Weile beschäftigen und ich lasse mir die Zeit für diese wichtigen Prozesse.

    Es war ein guter Entschluss, mich hier im offenen Bereich wieder mehr einzubringen, denn ich nehme viel Wertvolles für mich mit.

    Dir einen zufriedenen Tag,

    Samsara

    Das Beste geschieht JETZT!

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