Beiträge von jamor

    Hallo Zusammen

    Wenn ich einige Posts in diesem Forum Lese, Lese ich bei vielen Texten einen gewissen Frust heraus. Ich denke so ein Forum soll auch dienen die positiven Seiten vom Trockensein, von der Lebensveränderung aufzuzeigen.

    Es gibt doch nicht schöneres Gesund zu sein und auch dem Teufel der Sucht rechtzeitig von der Schippe gesprungen zu sein.

    Heute morgen als ich von der Dusche rauskam und mich in den Spiegel geschaut habe..habe ich mir gesagt

    ..junge du siehst heute verdammt gut aus :)
    ..die welt gehört dir :)

    ..ich spüre meinen körper..ich noch voll im saft.. :)
    ..der sex ist besser :)
    ..ich kann mich jederzeit an alles was ich am vorderabend gemacht habe erinnern :)
    ..bei den mädels kommts erst noch besser an, wenn man nüchtern ist :)

    also..ich möchte euch animieren hier zu schreiben, was alles besser ist..seit ihr trocken seid :)

    happy day..have a wonderful day
    ihr heut besonders gut gelaunter
    Jamor

    Hallo Zusammen

    Ich habe auch den Artikel gelesen.

    Meine Frage:
    Was würde in meiner Einstellung zu meiner Nüchternheit ändern, wenn sich herausstellen würde ein Glas Wein am Tag ist Gesund?

    Gar nichts !

    Mein Problem ist nicht das sogenannte gesunde Glas am Tag...sondern mein Kontrollverlust beim Alkohol..und dadurch meine Alkoholkrankheit.

    Daher würde ich meinen, dass solche Studien ob so oder andersrum für uns Alkoholiker nicht relevant sind.

    Gruss
    Jamor

    Hallo Zusammen

    Ich versteh die Antworten und meine Aussage birgt sicher eine grosse Portion Ironie.

    Wäre sicher besser gewesen, ich hätte mein Leben auch ohne diese Diagnose im Griff gehabt. War bei mir nicht der Fall..und ich brauchte diesen Tiefschlag um zu kapieren, dass ich mein Leben grundsätzlich ändern muss.

    Ich sehe viele welche ohne erhebliche Probleme mit ihrem Alkoholismus durchs Leben durchwursteln und sich daher auch nicht genötigt fühlen etwas zu ändern.

    Ich dagegen bin sehr tief gefallen und habe die Chance gepackt mein Leben neu zu packen und bin sogar in der Lage zu sagen, dass ich zufriedener bin..sogar zufriedener als vor meinem Alkoholproblem..ich sehe mein Leben weniger verbissen und lockerer..schätze das was ich jetzt habe mehr und nehme das was ich habe nicht als selbstverständlich an..ich habe dafür auch sehr hart gearbeitet um mich aus dem Sumpf rauszubringen..

    Das Leben könnte für mich nicht schöner sein..
    Wenn's mir mal schlecht geht versuche ich auch nicht zu jammern..sondern versuch es zu ändern :)

    Liebe Grüsse
    Jamor

    ich bin froh alkoholiker zu sein...WIEEE BITTEEE????

    ein kollege sagte mir nachdem er einen herzinfarkt gehabt hatte..das sei das beste was ihm passieren konnte..seit dem tag hat er ein neues leben begonnen, er achtet auf seine gesundheit, er lebt jeden tag intensiver..und gesünder...wäre dieser herzinfarkt nicht gewesen hätte er sich weiter durch das leben gewurstet.

    und ähnlich sehe ich es mit der diagnose alkoholiker..seit ich mich mit diesem thema befasse..habe ich sehr vieles in meinem leben zu meinem positiven geändert und vorallem habe ich mich selber viel besser kennen gelernt und geniesse das leben mit vollen zügen.

    auch die feedbacks die ich erhalte sind durchwegs positiv..ich habe mich als mensch und in meinem leben zum besseren gewendet.

    wie siehts bei euch aus?

    Hallo Gela

    Ich war "Täter" und auch schon "Opfer".

    Zu dieser Zeit als "Täter" hatte ich eine Arbeit die mir sehr gefallen hat. Ich war im Qualitätscontrolling Management angestellt. Zu der Zeit wollte ich noch eine Sportkarriere anvisieren. So hatte ich im Beruf die Möglichkeit durch überstunden meine Urlaubstage vorzuarbeiten und somit konnte ich an den. Trainingscamps teilnehmen. Die Arbeit machte mir grossen Spass und mir machte es nichts aus am Tag 12 bis manchmal 15 std zu arbeiten. Merklich, aber für mich zu dieser Zeit nicht spürbar, hatte ich mich verändert. Ich wollte das beste aus mir herausholen und auch aus den anderen und ging dabei sehr forsch heran.

    Als ich es merkte und ich auch darauf hingewiesen worden bin..wars auch nicht einfach runter zu schrauben.. da dies von einigen als Motivationsrückgang aufgefasst worden ist.

    Aber da musste ich durch..und bin dann auch durchgekommen.

    Zu einem späterem Zeitpunkt habe ich mich selber mobben lassen..und jetzt Jahre später bin ich mit dieser Person sehr gut befreundet..

    Was ich mit meiner Erfahrung sagen will, ist, dass wir oft in "GUT" und "Böse" katalogisieren und dahinter eine emotionalität aufbauen welche wir negativ auf uns ummüntzen.

    Meistens wird niemand süchtig um jemand anders oder sich zu schaden..es ist ein schleichender Prozess..und das Hauptproblem hat der Betroffene selber und nicht die Mitleidtragenden.

    Zum Thema "Kücken"..Reife hat nichts mit dem Alter oder Erfahrung zu tun..sondern was man mit dem Alter und der Erfahrung macht..

    Gibt manche/r der/die reifer mit 30 ist als viele mit über 80 ;)

    Gruss
    Jamor

    Hallo Gella

    Aus deinem Bericht kann ich nicht eruiren, ob deine Vorgesetzte auch eine Vorgesetzte Stelle hatte oder sie in der Geschäftsstruktur an oberster Stelle stand.

    Aus meiner eigenen Erfahrung sind Vorgesetzte in Sandwich-Stellung (z.Bsp. Teamleader) eher gefährder in eine Arbeitssucht zu rutschen. Von unten sehen sie die Gefahr, dass sich Mitarbeiter nach oben arbeiten können und von oben nach unten erhalten sie selber von den Vorgesetzten die Vorgaben.

    Wenn wegen dem Vorgesetzten die Mitarbeiter sich häufiger krankschreiben, ist dies nicht nur für den einzelnen Mitarbeiter tragisch, sondern auch ein Problem für die Firma. In unseren Arbeitswelt werden Gefühle oft nicht wahrgenommen, trotzdem spielt die Arbeitsmoral des einzelnen auf seine Leistung eine grosse Leistung.

    Da würde ich auf jedenfall, das Gespräch mit dem Vorgesetzten suchen und wenns nicht fruchtet direkt eine Stufe höher gehen und da ist es wichtig mit Facts zu argumentieren.

    Und glaubt mir..keine Firma kann es sich leisten einen Störenfried zu halten auch wenn er ein Arbeitstier ist und dieser gleichzeitig im Team Krankheitsfälle generiert..ein Arbeitssüchtiger kann vielleicht für 2 arbeiten..aber kann sicher kein Team ersetzen welches sich wegen ihm krankmeldet.

    Ich kann nur sagen..ich bin mein eigener Krieger :)

    Liebe Grüsse
    jamor

    Hallo Zusammen

    Ich möchte da auch einen Denkanstoss geben.

    .. nicht jeder welcher um einen Arbeitssüchtigen arbeitet wird Krank.

    .. nicht jeder welche um einen Mobber arbeitet lässt sich mobben.

    Wenn ich um einen Arbeitssüchtigen arbeite, hat er das Problem und nicht ich. Sein Problem lass ich nicht zu meinem Problem werden. Er ist in der schwachen Position und nicht ich und wenn ich das weiss handle ich nachdem.

    Ähnlich wie bei einem nassem Alkoholiker versucht der Arbeitssüchtige seine Schwäche, seine Verunsicherung auf uns die anderen zu wenden. Zudem handelt es sich hier auch um eine Krankheit, welche er nur behandeln kann, wenn die Einsicht über ihn kommt.

    Solange ich weiss, dass ich auf der Arbeit gute Arbeit leiste kann um mich die Welt wie verrückt rotieren..kann mir egal sein..ich weiss was ich kann, weiss wer ich bin..

    Liebe Grüsse
    jamor

    Hallo Erik

    Mit Craving beschreibt man den Suchtdruck den man aufgrund eines Auslösers erlebt.

    Meistens ist es ein relativ kurzes Gefühl eines unbändigen Verlangen nach Alkohol.

    Ich finde deinen Input sehr gut und möchte somit auch einen Erfahrungsaustausch betreffend erfolgreichen Strategien mit dem Suchtdruck anregen.

    Was mir auch wirklich ist, die Fachbegriffe kommen aus der Forschung..nun ist es so, dass die Forschung betreffend Süchte noch in den Kinderschuhen steckt und viele Begriffe nicht wirklich die Gefühlslage des einzelnen beschreibt und die Cravings wirklich bei jedem anders ausgelöst werden können.

    Hierzu möchte ich eine lustige Geschichte erzählen..wir hatten im Gruppentherapie Raum ein farbiges Bild an der Wand..und die vorwiegende Farbe kam der Farbe einer schweizer Biermarke ihrer Bierbüchsen sehr nahe..dieses Bild hing über eine sehr lange Zeit an der Wand..bis ein Patient sagte, dass er jedesmal ein Verlangen spüre wegen diesem Bild..und wir habens dann entfernt..bis zu dieser Patient uns dies sagte, war das uns nie aufgefallen und hätten dieses Bild nie mit Alkohol in Verbindung gesetzt..

    Wie oben beschrieben jeder tickt anders..

    ich zum Beispiel lege sehr viel Wert auf meine Pflege, aufs Essen, auf ein ordentlich aufgeräumtes Zuhause.. da ich genau dies während meiner schlimmsten Phase nicht gemacht habe..

    liebe gruss
    jamor

    Hallo Hartmut

    Ich habe für mich diesen Weg gewählt.
    Mir ist bewusst, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss und mein Weg nicht für jeden richtig sein muss.

    Ich sehe es mehr so..dass dieses Forum wie ein Baukasten ist und von diesem Baukasten kann ich mir nehmen was für mich passt und was nicht lass ich stehen. Mit meinem Beitrag stelle ich einen möglichen Weg dar.. der bis jetzt für mich stimmt. Aber würde niemandem vorschreiben oder sagen das wäre der einzig wahre Weg.

    Solange dieser Weg für mich stimmt..lege ich nicht allzu grossen Wert was die anderen von mir denken.

    Schussendlich lebt jeder sein Leben und muss jeder mit seinem Tun im Reinen sein.

    Ich habe das nur betont..da ich auch schon erlebt habe, dass Leute mit der Thematik Suchtverlagerung geantwortet habe und ich hier keine solche Antwort Lawine auslösen wollte ;)

    Liebe Gruss
    Jamor

    Hallo Speranza

    Ich gehe mit deiner Aussage voll und ganz einig.

    Zitat von Speranza


    Co-Abhängigkeit ist mehr als eine Beziehungssucht, sie beinhaltet noch ganz andere Störungen besonders ein mangelndes Selbstwertgefühl.

    Das kann sich aus verschiedenen Gründen entwickeln und hat mit Alkohol nichts zu tun denn es ist meistens schon vorher da.

    Ich stosse mich nicht, wenn jemand in meiner betrinkt. Wenn mich die Annäherungsversuche, der Lärmpegel..die Gespräche oder sonst was stört..lass ich ihn stehen und gehe meinen Weg.

    Wenn man in einer Beziehung mit jemandem steht..als Lebenspartner/in / Mutter / Vater / Sohn usw. steht wirds schwieriger..

    Da die Reissleine frühzeitig zu ziehen wird schwieriger..oft weiss ja der Co-Abhängige ja selber..es wäre besser den Partner zu verlassen oder stehen zu lassen..den Kontakt abzubrechen. Noch schwieriger wirds bei mangeldem Selbstwertgefühl.

    Ich persönlich denke, diese CO-Abhängikeit muss zum Teil ausserhalb des direktem Alkoholproblem betreut werden.

    Gruss
    Jamor

    Hallo OF

    Für mich liegt der Schlüssel des Glücks in der Ausgewogenheit. Ich Lebe nicht für die Arbeit sondern Arbeite um zu Leben. Trotzdem finde ich es angenehm einer Arbeit nachgehen zu können die mir Spass macht.

    Bei mir gibt es auch Tage welche ich länger Arbeite, da versuche ich so schnell wie möglich die Überstunden zusätzlichen Frei Tage abzubauen. Die Arbeit lasse ich am Arbeitsplatz stehen und nehme sie nicht mit Nachhause.

    Auch das Ellbogen denken mag ich nicht..meine Ziele setze ich mir persönlich und messe sie nicht an den Andern. Ich kann mich erfreuen, wenn die Andern etwas erreichen und denke nicht dabei..wieso habe ich das erreicht.

    Wenn ich mir etwas Materielles leiste (z.Bsp. Auto, schöne Ferien usw.), mache ich das für mich und nicht um mich zu profilieren. Ich denke das Leben wäre viel schöner, wenn man zuerst auf sich acht gibt und nicht links und rechts schaut was die anderen machen, was die anderen sich leisten, was die anderen richtig oder falsch machen. Aber eben ich kenn dies auch..ich glaub in jedem Betrieb gibts den einen oder anderen Querschläger, der die Stimmung auf den Nullpunkt zu drücken versucht..das sind meistens die welche ihren persönlichen Frust oder eigenen Komplexe versuchen zu übertuschen.. lass dich einfach nicht runterkriegen.. du bist dein eigener Krieger ;)

    Liebe Gruess
    Jamor

    Hallo Zusammen

    Die Therapiekonzepte die ich kenne spielt der Selbsthilfegedanke einen grossen Faktor. In der Kurz-, Mittel- und Langzeittherapie werden mehrmals begleitete sowie unbegleitete Gruppengespräche geführt. Bei den begleiteten Gruppengespräche leitet der Therapeut die Gespräche als Moderator. Die Themenauswahl und der Erfahrungsaustausch folgt durch die Patienten.

    Ein bis zwei Mal in der Woche hat man ein 1std Gespräch mit dem Therapeut, die dienen vorallem zur Zielterminierung und da werden auch Paar und Verwandtengespräche angeboten.

    Der Grund wieso ich dieses Online-Forum gegenüber einer konventionellen Selbsthilfegruppe vorziehe, ist, dass hier der Teilnehmerkreis grösser ist und die vorhandene Themenpalette viel grösser ist. Zudem ist sie nicht an gewisse festgelegten Zeiten gebunden..ich kann mich jederzeit hier einlinken und die Posts nachlesen.

    Hallo Hartmut

    Ja, ich kann hier meinen eigenen umgang mit meinen Schlüsselreizen angeben.

    Ich setze grossen Wert auf meine Ernährung..aber eben ich möchte damit nicht wieder einen grossen Aufschrei hier auslösen..

    Ich verzichte generell auf Lebensmittel mit Alkoholdeklaration und auch auf solche welche als entalkoholisiert gelten. Zudem verzichte ich bewusst auf Fastfood (Dönner, Kebap, Hamburgerbude usw.) Dies weil ich mich in meiner schlimmsten Alkoholiker Phase nur noch fastfoodmässig ernährt habe und ich dieses Fastfood mit diesem Zeitabschnitt in verbindung setze. Tönt vielleicht etwas blöde und schrullig..ist bei mir aber soo.

    Zudem mache ich sehr viel Sport..nicht gleich an Suchtverlagerung denken..aber mein Körper ist der Tempel meines Geistes und wenn ich den Pflege und Hege..dann will ich ihn nicht durch einen ungesunden Lebenswandel zerstören.

    Ein Grund warum ich dazumal die Notbremse gezogen habe..war als ich zu der Zeit eine TV-Sendung gesehen habe, wo über trockene Alkoholiker berichtet worden ist..und einige von denen waren für immer vom Alkohol gezeichnet..auch nach langer abstinenz..bei mir sah man es zum glück noch nicht an und ich wollte auch nicht so enden. Für mich ist mein Erscheinungsbild sehr wichtig.. vor meiner schlimmen Phase ging ich ein oder zwei Mal in der Woche zum Friseur zum Haare schneiden oder angleichen..in meiner schlimmsten Phase habe ich mich gehen lassen und mich zum Teil nur noch einmal in der Woche rasiert und alle 1 bis 2 Monate die Haare geschnitten. Daher lege ich seit meiner Abstinenz wieder sehr viel Wert auf mein äusseres.

    Auch ich habe in der einen oder anderen Situation ein sogenanntes Craving erlebt..ein kurzes deftiges Reissen nach Alkohol. Wenn mich dieses Gefühl zuhause übermannt hat, dann habe ich einem gutem Freund angerufen und mit ihm darüber gesprochen. Wenn's nicht möglich war mit jemanden zu Reden, dann habe ich mich versucht anders abzulenken wie zum Beispiel mit einer Runde gehen. Die ersten paar Male war es hart..aber danach wusste ich, dass sich dieses Gefühl sehr schnell wieder legt und hat mich dann auch nicht mehr so verunsichert. Mit der Zeit sind die Cravings immer wie seltener gekommen und zur Zeit ist es auch schon eine Weile her.

    Liebe Gruss
    Jamor

    Hallo Liebe Moderatoren

    AIch habe bei meinem Text keine Urheberrechte verletzt, den Text habe ich selber verfasst.

    Das Wissen habe ich mir nicht nur angelesen, sondern ich habe dies auch studiert. Aber dies ist beim Wissen auch nicht wichtig. Wichtig ist die zusammenhänge zu verstehen.

    Wichtig ist zu wissen..wieso entalkohilisierte Getränke gefährlich sein können. Ich kenn viele die zum Beispiel vom Alkoholfreien Bier auf normales Bier umgestiegen sind. Sie dachten sie machen sich einen gefallen in dem sie so nicht auf ihr geliebtes Pils verzichten müssen und sind genau wegen dem wieder ins alte Muster zurückgefallen.

    Gewisse Zusammenhänge helfen zu verstehen wieso vom einen oder anderem abgeraten wird. Und zeigt auf, dass es keine Willkür ist.

    Ich glaube, dass es in unserem Sinne ist.

    Gruss
    Jamor

    Im Zusammenhang mit der Alkoholsucht werden oft auf benutzt. Viele Begriffe sind auf Englisch und auf den ersten Blick auch unverständlich. Hier ist es nicht nur wichtig den Begriff zu Verstehen, sondern den Zusammenhang mit der Sucht.

    Hier möchte ich auf zwei oft benutzte Begriffe näher eingehen:

    Trigger

    „Trigger“ bedeutet Schlüsselreiz. In unserem Fall einen Schlüsselreiz welcher für einen Rückfall sorgen kann.

    Hier ist wichtig zu verstehen wie unser Hirn funktioniert und wie Informationen abgespeichert werden. Unsere Sinnesorgane (Augen, Nase, Ohren, Zunge, Haut) liefern uns mit den Wahrnehmungen des Sehen, Riechen, Hören, Schmecken, Tasten usw. Die Sinnesorgane ermöglichen uns unsere Umwelt wahrzunehmen. Innerhalb eines Sinnes können wir fast unendlich verschiedene Nuancen wahrnehmen. Wir können nicht nur einen Duft riechen sondern x-Beliebige Düfte unterscheiden, das gleiche gilt für die anderen Sinnesorgane.

    Unser Hirn speichert die bereits bekannten Sinneseindrücke mit den uns bekannten Informationen ab. Als Beispiel könnte da ein frisch gebackenes Brot dienen. Irgendwann haben wir das erste Mal ein frischgebackenes Brot gesehen, gerochen und geschmeckt. Jetzt reicht nur der Duft aus, ohne das wir das Brot sehen, um zu wissen, dass das was wir riechen ein frischgebackenes Brot ist. Wenn wir gerne frischgebackenes Brot essen, dann wird dies eventuell ein Hungergefühl auslösen was in Verbindung mit erhöhtem Speichelfluss einhergeht. Dieser Vorgang geschieht innerhalb einer Konditionierung edit keine fremde Links einsetzen danke hartmut . Vereinfacht gesagt bedeutet dies, dass auf einen Reiz (der Duft von frischem Brot) eine Reaktion (Hunger, Speichelfluss) erfolgt.

    Während dem Alkoholkonsum hat unser Hirn auch verschiedene Sinneseindrücke mit der Information Alkohol abgespeichert. Wenn wir jetzt auf einen bereits mit der Information Alkohol abgespeicherten Sinneseindruck treffen, kann dieser Reiz die Reaktion erhöhtes Verlangen nach Alkohol auslösen.

    Der Schlüsselreiz muss nicht unbedingt den Botenstoff Alkohol enthalten. Bei entalkoholisierte Getränke wie alkoholfreies Bier liegt der Hauptschlüsselreiz nicht beim enthaltenen Restalkohol sondern beim Geschmackseindruck und der Geruchswahrnehmung. Dies hat zwei Gründe. Die Reize Geschmack und Geruch von Bier (bei einem Biertrinker) sind in unserem Hirn mit der Information Alkohol abgespeichert. Der meist enthaltene Restalkohol ist meistens in der menge zu klein um eine Reaktion auszulösen. Unser Körper produziert selber auch Alkohol, der durchschnittliche Blutalkoholspiegel liegt bei einer Person welche keinen Alkohol konsumiert bei 0.03 Promille.

    Daher wir einem trockenen Alkoholiker auch von alkoholfreien Bieren, Weine, Sekte usw. abgeraten. Dabei spielt für die Empfehlung keine Rolle ob die Getränke einen Restalkohol enthalten oder nicht.

    Craving

    Umgangssprachlich wird das Craving oft mit einem unbändigem Reissen nach Alkohol beschrieben. Das Craving beschreibt die ausgelöste Reaktion auf den Schlüsselreiz (Trigger).

    Dabei ist wichtig zu sagen, dass das Craving oft ohne Vorzeichen kommen kann und dies kein Dauerzustand ist. Bei den meisten Alkoholkranken dauert ein Craving maximal zwischen 10 bis 20 Minuten an. Das Craving wird oft genannt, aber muss bei richtigem Umgang mit dem Gefühl nicht zu einem Rückfall führen. Auch bei einem Craving bleibt der betroffene Handlungsfähig. Jeder welcher erfolgreich ein Craving ohne Rückfall überstanden hat, kann über seine Strategien berichten und die können im Einzelfall sehr unterschiedlich aussehen.

    hallo convaincu

    es freut mich auch, dass du dich akademisch weiterentwickelt hast.

    das schöne an meiner profession ist, dass ich nicht nur meine eigene erfahrung weitergeben kann, sondern auch tagtäglich für mich neue inputs aufnehmen kann.

    zudem fällt dem einen oder anderen betroffenen leichter seine sorgen mit mir als selbstbetroffenen zu teilen.

    lieben gruss
    jamor

    hallo hartmut

    es geht in die richtung welche melanie in ihrem post erwähnt. sicher kann jeder für sich sprechen. es liegt oft an der wertung.

    also du hast mich in einem vorherigen post gefragt was ich für eine qualifikation habe.

    ähnlich wie du, habe ich aus meinem teil der krankheit meinen beruf gemacht. ich bin ausgebildeter agogiker mit schwerpunkt suchtberatung.

    in unserer institution gibts einen teil die freiwillig zu uns kommen und andere welche mit auflage der versicherung, gemeinde oder anderen abdeckenden institutionen zu uns eingewiesen werden.

    und wir machen häufig die erfahrung, dass viele patienten sehr viel zeit brauchen um sich zu öffnen und dies auch zu einem grossen teil, weil sie schon im vorfeld negativ beeinflusst werden. die erfahrung zeigt, dass die negativ berichte verstärkt aufgenommen werden, da diese oft mehr ausgesprochen werden, als die positiven. dies weil die meisten welche ein therapie erfolgreich gemacht haben, sich nicht so äussern, da die meisten die vergangenheit auch nicht so publik machen. dies kann verschiedene gründe haben.

    ich habe mich hier als betroffener angemeldet, aber nichts desto trotz kann ich viele der inputs die ich hier kriege in meiner arbeit einfliessen lassen.

    gruss jamor

    hallo der Teddy

    Vielen dank für deinen letzten Post.
    Mir ist auch wichtig zu sagen, dass ich mit dieser Diskussion keine neue "Welle" für Rituale bewegen wollte.

    Für mich war es eine Hilfestellung.. wem es nichts bringt, soll es lassen. Wir Menschen ticken alle etwas anders und was für mich gut ist, muss für den andern nicht unbedingt gut sein.

    silberkralle
    Du sprichst etwas sehr wichtiges an.. das ganze darf nicht zu einer Floskel werden, wo der Sinn dabei verloren geht. Im gegenteil.

    Liebe Grüsse
    Jamor

    Ps. Ich möchte auch hier dafür plädieren, dass wir alle nur aus unserer sicht sprechen. was für den einzelnen gut war oder ist muss nicht zwangsweise gut für jeden sein. aber auch umgekehrt, was für einem nicht gut war oder ist muss auch nicht unbedingt schlecht für jeden sein.

    Hier möchte ich nochmals das Thema Therapie und Therapeuten ansprechen..klar einige haben schlechte Erfahrungen gemacht..aber durch seine Erfahrungen andere dann negativ zu beeinflussen ist nicht fair..

    Es hat sicher auch den einen oder anderen welche dieses Forum nichts gebracht hat..aber daraus zu schliessen, dass ein solches Forum schlecht ist, wäre genauso dumm und unüberlegt.

    Der Erfolg liegt oft in der inneren Haltung. Wer schon von Anfang an negativ eingestellt ist, wirds schwerer haben.