Beiträge von Dante

    "Der gute Dante" liest sich nett, danke schön. :)

    & ja, es stimmt. Jeder erfolgreich überwundene Suchtdruck oder Trigger stärkt die Abstinenz, wie jeder Rückfall,
    der ja nicht zwangsläufig in komplett altes Trinkverhalten enden muss sondern in sog. Ausrutscher, das Abstinenzvorhaben schwächt.

    & du tust gut daran, dem Frieden nicht zu trauen. Aus Erfahrung weiß ich, dass innerhalb kürzester Zeit die Stimmung von euphorisch auf extrem missmutig kippen kann, erst recht, wenn man mit seiner Trockenheit ganz am Anfang steht. Der Hormonhaushalt ist eben krumm gesoffen.
    Im von Carl Friedrich angeführten Buck "Alk" von Simon Borowiak ist das sehr gut & recht humorvoll erklärt.

    Eine Schlechte Gefühlslage ist der größte Gefahrenpunkt & der häufigste Rückfallgrund.

    Nasse Verhaltensmuster sind persönliche Verhaltensmuster, die das eigene Trinkverhalten begünstigen können.
    Zum Beispiel sich über irgend etwas aufregen & das zum Anlass nehmen, sich einen Schluck zu gönnen. Oder in die Kneipe gehen & dort Mineralwasser trinken, nur um bei seinen alten Tresenfreunden zu sein, mit denen man vorher Bier trank. Oder zu Hause ein bestimmtes ritual durchziehen, an dem eine gut in Erinnerung gebliebene Trinkgewohnheit inne steckt.

    Die 17 Jahre werden schon vergehen.

    Ich bin jetzt 13einhalb Jahre trocken, & noch immer falle ich in alte "nasse" Verhaltensmuster zurück.
    Diese erkennen & dagegen halten mache ich schon reflexartig.
    & trotzdem gibt es immer wieder Situationen, wo mich meine Frau auf den Teppich bringen muss, so verbohrt bin ich in manchen Situationen.

    & die Zeit, welche bisher durch die Sauferei belegt war, lässt sich anderweitig füllen. Bei mir ist's das Eheleben. Ich war ja bis nach der Therapie stets Single gewesen. Aber man kann auch belangloses bei Facebook schreiben, wenn man nichts anders zu tun hat. Oder lesen. Oder Musik hören.

    Hallo Carmen & Willkommen im Forum! :D

    Ich schreib es mal ganz nüchtern: Abstinenz unter Aufsicht ist keine.

    Wenn sich bei deinem jetzigen Anlauf keine Euphorie einstellen will, liegt das vor allem daran, dass dir klar geworden ist, du hast dir bei den bisherigen Versuchen etwas vor gemacht. Einfach aufhören funktioniert in den meisten Fällen eben nicht.

    Der unangenehme Gefühlscocktail, den du zur Zeit durchmachst, ist bei frisch trockenen Menschen alles andere als untypisch. Ich beschreibe das immer mit: Den Hormonhaushalt krumm gesoffen.

    Bis sich das wieder reguliert, vergeht viel Zeit. Manche sagen, etwa so viel Zeit wie der Missbrauch andauerte.

    Was ich dir als erstes empfehlen möchte: Aller Suff muss aus dem Haus. Dein Partner ist ja nicht betroffen, dem wird das demzufolge nichts ausmachen. Kein Alk im Haus - kein schneller Rückfall.

    Dann hilft bei Suchtdruckschüben, viel Wasser zu trinken. Ein voller Bauch signalisiert keinen Flüssigkeitsbedarf.

    Außerdem hilft es, Dialoge zu führen. Über alles mögliche, Papstbesuch, Parkplatznot, Sonnenflecken - nur nicht über Alk. Indem du den Alkohol aus dem Kopf kegelst, kann er punktaktuell keinen Platz in deinen Gedanken besetzen.

    Etwas geht aus deinem kurzen Text hervor, was ganz wichtig ist: Du wirst eh gegen den Alkohol verlieren. Also trete gar nicht erst gegen ihn an, lass ihn vor der Tür deiner Welt, sonst macht er dich kaputt. ;)

    Hallo Peter & Willkommen im Forum! :D

    Eine Therapie ist anstrengend. Über mehrere Monate ist man nur mit sich, seiner Sucht & seinem Suchtstoff beschäftigt. Wenn man dann aber einiges aus dieser Zeit in den Alltag mit nehmen kann, ist man gut gerüstet für das Leben danach.

    Ohne Therapie sieht das natürlich erst 1x lockerer aus, du hast es ja bei dir beschrieben. Die "alkoholischen Fallen" , die dir der Alltag bieten wird, musst du dann über einen langen Zeitraum selbst lernen zu erkennen, & zwar möglichst ohne in sie zu tappen.
    Das kann unter Umständen auf lange Sicht der beschwerlichere Weg sein. Viele schaffen es ohne Therapie, ohne Zweifel. Mit Therapie läuft es im Gesamtbild aber besser, glaube ich.

    Ähnlich verhält es sich mit dem Besuch einer Selbsthilfegruppe. Sie bestärkt das abstinente Verhalten in den Kleinfragen das Alltags, ist gewissermaßen ständige trockene Begleitung im Leben.

    Selbsthilfegruppen & Therapieeinrichtungen stehen nicht in Konkurrenz zueinander sondern ergänzen sich.

    Für beides gilt: Es muss zu einem passen. Nicht jede Therapie, nicht jede Therapieform, nicht jede SHG ist die richtige. Da kann dann eine Beratungsstelle bei der Orientierung helfen, jedoch muss man stets auf sein Gefühl achten.
    Eine SHG, die nicht zu einem passt, erkennt man ganz schnell. Bei den Therapien hingegen ist das wesentlich schwieriger, weil sie ja intensiv in die eigene Person hinein wirken soll.

    Für den Anfang gilt es also, die Antennen stets ausgefahren zu lassen & auf das kleinste Unbehagen zu achten.

    Alles ruhig.
    Über der Stadt liegt eine gewisse & für Berlin ganz untypische Gelassenheit. Fast alles ist längst nicht so hektisch wie gewohnt, nur in den Supermärkten scheint die Stimmung noch gereizter zu sein, & mir kommt es eher voller als sonst vor.

    Ich selbst verspüre kaum Unruhe. Schön, die Oper fällt aus, da muss ich mich noch um die Kartenrückgabe kümmern. Die Urlaubsreisen sind z.T. rückabgewickelt. Aurora erhält ihre Zahlung für die Ferienwohnung auf Sylt zurück abzüglich einer Bearbeitungsgebühr. Unser Büsum-Urlaub wird auch, so bald man etwas verbindliches zusagen kann, von der Vermittlungsagentur umgebucht.

    Meine einzige Sorge ist die um Klopapier, aber das würde erst in drei Woche akut. Außerdem vermisse ich es, mit Sohn Fußball zu gucken & dabei ne Zigarre zu schmauchen.

    In zwei Wochen habe ich Urlaub, & die werden wohl sehr sehr ruhig werden. 8)

    & Alkohol? Keine Thema, noch nicht 1x ein Gedanke daran. Wozu auch?

    Vorwürfe sind ein guter Vorwand, den Alkoholkonsum zu begründen. Aber im Kern ist das schnuppe:
    Ein Alkoholiker nimmt alles zum Vorwand, um sein trinken zu rechtfertigen. Zu warm, zu kalt, schön warm, schön kalt...
    Aber im Kern steckt nur ein Grund dahinter.
    Der Alkoholiker WILL trinken. Das ist Grund genug.

    Nein, das ist nicht normal. So krass habe ich das noch nie gehört oder gelesen, erst recht nicht selber erlebt.
    Als akutmaßnahme hilft erst 1x, viel Wasser zu trinken. Dann, sich mit jemanden auszutauschen & über alles mögliche zu quatschen außer Suchtstoffe.

    Ihn vom Bierkauf abzuhalten geht auch gar nicht. Wenn er wirklich will, findet er auch Wege, sich welches zu beschaffen.
    & du willst ihn ja nicht einschließen.

    Mir persönlich kommt es so vor, als habe dein Mann kein rechtes Zutrauen in seine eigenen Fähigkeiten in dieser Sache.
    Das ist einerseits verständlich, weil völliges Neuland für ihn. Den Saufdruck scheint er jedenfalls gut zu können.
    Andererseits muss er eben lernen, so etwas eigenständig anzugehen.
    (Wie war das eigentlich mit der Kneipe? Ist die Geschäftsaufgabe seine Idee gewesen oder hast du ihm dazu geraten?)

    Du kannst ihm am besten dadurch helfen, dass du ihm gar nicht hilfst. Das ist sein Weg.

    Ich weiß ja nicht, ob ihr in einer Großstadt oder zumindest in der Nähe einer solchen lebt. In einer SHG bekäme er jedenfalls schnell die richtige Orientierung, wenn es denn in der ausgewählten SHG stimmig ist.

    Hallo Vollzeitmami & Willkommen im Forum! :D

    Zu dem von dir Aufgeführten fällt mir einiges ein. Ich halte das mal stichpunktartig fest, weil in deinem Text sehr viel steht & vieles davon einer gründlicheren Betrachtung bedarf.

    Zuallererst: Dein Mann war beim Arzt & hat selbst das Wort Alkoholiker in den Mund genommen. Das finde ich sehr wichtig, zeigt es doch auf, dass bei ihm ein gewisser Veränderungswunsch besteht.
    Daraus folgt nun aber keineswegs, & das wird gerne von Alkoholikern missverstanden, dass du oder ein jemand anderes diesen Veränderungswunsch umzusetzen hat.

    Die Idee mit der "maximal achtwöchigen Therapie" ist im Grundsatz nicht schlecht, aber erst 1x nur so in den Raum gestellt. Eine Therapie braucht nämlich eine Vorbereitung, einfach so in die Klinik gehen & los legen wie bei einer Blinddarm-OP ist wenig sinnvoll.

    Dass die Blutwerte okay sind, belegt nur, dass der Körper noch nicht so kräftig angegriffen ist. Meine Blutwerte waren auch immer im Bereich des akzeptablen, trotzdem war (& bin) ich Alkoholiker.

    Für dich ist wichtig, dass du dich zuallererst um dich kümmerst. Du kannst für ihn nicht trocken werden. Formuliere ganz konkret deine Bedürfnisse, auch ihm gegenüber.

    Wenn der Partner in einer Beziehung trocken wird, ändert sich auch die Beziehung. Das kann sehr anstrengend werden.

    Deinem Partner würde ich den regelmäßigen Besuch einer Selbsthilfegruppe anraten, die natürlich hier nicht sein kann. Das ist nämlich jetzt deine SHG. Ihr braucht getrennte Räume.

    O doch.

    Selbstzerfleischung ist niemals gut.
    Im konkreten Fall kam bei mir die Angst hoch, zum zweiten Mal ( & in Folge ) ein teures Fahrrad gekauft & dabei eine Fehlinvestition getätigt zu haben. Aber das passiert mir auch bei weitaus geringeren Anlässen.
    Jedenfalls erleichtert mich so ein Zustand nicht sondern laugt mich im Gegenteil mental extrem aus.
    Aber komme mal aus alten eingefahrenen Bahnen heraus!
    Das mag gehen, aber sehr schnell gerät man auch in sie wieder hinein.

    Gibt es eigentlich auch negative Verhaltensweisen, die sich auch nach langjähriger Abstinenz nicht ändern, schlechtes Verhalten, dass man nie so richtig ablegen kann?

    Heute hatte ich massiv Ärger mit meinem neuen (& recht teurem Fahrrad), & wieder war ich drauf & dran, in eine Art Selbstzerfleischungsmühle zu geraten.
    Erstaunlicherweise (& Eheröschen sei Dank 8) ) habe gerade noch den Absprung von diesem Karussell geschafft.

    Meine nächste Frage wäre dann, ob deine Anwesenheit verhindern kann, was zu Hause so los zu sein scheint.

    Die Angehörigen können die Sauferei des Alkoholikers nicht verhindern. Die mühen darum sind nervenaufreibend & wenig erfolgreich.

    Heute war ich zum ersten Male seit langer Zeit in Sachen Suchtkrankenhilfe unterwegs. Genauer, es ging um die Vorstellung der Tätigkeit eines Suchtkrankenhelfers bei Auszubildenden von DB Services im Rahmen eines Workshops.

    Was soll ich schreiben? Es hat mir sehr gut getan, wieder Seminarluft geschnuppert & das Thema "pur" behandelt zu haben.
    So etwas erlebte ich in den letzten Jahren kaum.

    Die Fragen de jungen Leute richteten sich aber nicht an der Tätigkeit des Suchtkrankenhelfers aus, sondern waren persönlicher Natur.
    Es war also Gelegenheit für mich zu reflektieren, & ich habe festgestellt, wie weit der Alkohol von mir doch weg ist.