Glückauf, SK!
Mit Aurora bin ich ich seit dem September 2008 liiert. Voraus gegangen sind gemeinsame Opern- & Ballettbesuche, später auch nur einfache Spaziergänge über Weihnachtsmarkt oder durch die Innenstadt. (Dem lag wiederum die Empfehlung meiner Therapeuten zugrunde, mein Freizeitverhalten zu verbessern. Ich meldete mich also bei einer Kulturlosbude an, wo ich öfter diverse Eintrittskarten zu Musik- oder Theaterveranstaltungen gewann, zu deren Besuch ich Aurora dann einlud.)
Nun, die Kulturlosbude habe ich nicht mehr. In die Oper oder ins Ballett gehen wir allerdings noch immer recht gern. Aus dem anvisierten verbesserten Freizeitverhalten ist eine solide Partnerschaft herausgekommen. Plötzlich habe ich Familie (vorher nur drei einzelne Verwandte), bin Opa (
), habe nur recht selten Zeit für Muße & lebe ein rundum solides & zufriedenes, bilderbuchbiederes Leben. Ich weiß nicht, wie mir das trockene Leben in meiner damalilgen Britzer Bude auf Dauer bekommen wäre. Einerseits war ich rundum sorglos & alles andere als überlastet. Andererseits hätte da die Langeweile stets im Hintergrund gelauert, & ich weiß nicht, wie ich die kompensiert hätte...
Außerdem stellt das Zusammenleben mit Aurora Anforderungen an mich, die ich als Single nie erfahren hätte. Ich muss auf ihre Bedürfnisse & Ängste eingehen können, ich muss mich ggf. in einzelnen Sachen durchsetzen können ohne zu kränken ... kurzum; ich hatte & habe sehr viel Gelegenheiten, eben nicht der Umempath zu sein, für den man mich (& ich mich selbst) gehalten hat. Ich bin mit der Beziehung gewachsen; ich habe meine Persönlichkeit weiterentwickelt.
Tja, all das ist die unmittelbare Folge meiner Trockenheit. Ich trinke nicht, also habe ich einen unvernebelten Blick auf meine eigentlichen Bedürfnisse.
Diese auch angstfrei wahrzunehemn, ohne die Bedürfnisse oder Gefühle anderer in den Dreck zu treten, also einen "gesunden Egoismus" zu entwickeln ist dann der zweite Schritt auf dem Weg in eine zufriedene Abstinenz. Das Rüstzeug für diesen zweiten Schritt erlernte ich in der Therapie.
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Die Wahl der richtigen SHG halte ich für außerordentlich wichtig! Allerdings gibt es nicht DIE perfekte SHG. Jeder Mensch hat andere Bedürfnisse, andere Schwerpunkte & eine andere Art & Weise, mit seinem Umfeld zu kommunizieren. Ich möchte die Form der Monolgfolge dieser damals von mir besuchten SHG, die ja auch bei den AA üblich ist, nicht pauschal verwerfen.
Hauptproblem für mich war die dort praktizierte Methode, mit Menschen umzugehen, die am Anfang ihrer Trockenheit stehen - nämlich platt & klein machen, wo es nur irgendetwas plattzumachen geht. Als arroganter Arsch betitelt zu werden, ohne mich (wg. der erwähnten Monologfolgekommunikation) wehren zu können, den Protest dagegen als Beleg für fehlenden Willen zur Trockenheit zu bewerten, all das hat mich recht schnell von dieser SHG weggetrieben.
Aber ich möchte vor vorschneller Aburteilung warnen. Diese von mir Guantanamo-Methode getaufte Art & Weise kann nämlich ist bei so manchen Alkoholikern sehr erfolgreich sein , (z.B. bei unserem Karsten!).
Es gibt also nicht DIE Selbsthilfegruppe, genausowenig wie DIE Therapieform schlechthin - Erfolg oder Nichterfolg in der Abstinenz ist auch von der Persönlichkeitsstruktur des Klienten abhängig. So verschieden die Menschen, so vierschieden die Ansätze zur (Selbst-)Hilfe. 