Beiträge von Dante

    Das Weinregal, liebe Annika,

    ist im Gegenteil gut gefüllt, & zwar mit guten bis sehr guten Weinen. Meine Ideen, ihn loszuwerden haben bisher nicht gegriffen. Aber ich bleibe da am Ball, das Zeug muss weg.
    Sich mit der Entfernung des Weines aus dem Keller einer erhöhten Rückfallgefahr zu entledigen ist allerdings illusiorisch: Die nächste Hauptstraße hat genug Versorgungsmöglichkeiten, & die meisten davon haben rund um die Uhr geöffnet.

    Gestern hatte ich einen ganz üblen "Durchhänger". Ich habe mir die aufgetretenen Schwierigkeiten noch eimal vor Augen geführt und habe die möglichen Folgen im Kopf interpoliert, & heraus kam ein regelrechtes Schreckensszenario. Im übelsten Fall (& ich neige immer dazu, diesen als den eintretenen anzunehmen) würde sich der Therapieantritt bis weit ins nächste Jahr verschieben, so er überhaupt bewilligt wird. Eigentlich bin ich schon in einer Art Therapie: trocken den Bearbeitungsstress überwinden. Das kommt einer Art Abstinenz-Survivaltraining gleich, finde ich.
    Ich fasste zusammen:
    -rückfallfördernde Antragssituation
    -rückfallfördernde Arbeitszeit
    Entweder stehe ich das trocken durch, wozu dann noch Therapie? Oder ich halte nicht durch & fühle mich als Versager; wozu dann überhaupt die Mühe wenn man diesen Weg doch durch jeden Supermarkt abkürzen kann?
    Ich schrieb meinen Frust letztlich in einer E-Mail & stellte sie der Aufnahmetherapeutin des Tannenhof zu, in der Hoffnung, sie würde schon die Notleine ziehen, sollte ich akut rückfallgefährdet sein. (Was sie auch gemacht hätte, wie ich heute im Telefonat mit ihr erfuhr. Ich brauche mir keine Sorgen zu machen, ich werde bald aufgenommen, im Zweifelsfall haben sie sogar einen Arzt in petto.)
    Was mir das brachte? Ich verschickte die selbe E-Mail an meine Chatfrau & wir hatten ein über einstündiges Telefonat letzte Nacht, wo wir uns unseren Kummer austauschten. Danach war der freie Fall meiner Stimmung beendet & ich konnte wieder ziemlich froh & ausgeglichen ins Bett gehen.

    Wieder ist eine Woche um, Sozialpädagogin am Mo, Vorbereitungsgruppe am Di....
    Leider war die Woche für mich nicht erfolgreich, vor allem wegen der extrem ungünstigen Schichtlage. Das bischen planbare Freizeit ist missglückt, so dass ich an betreffendem Abend vorzeitig zu Hause war & den Rest des Tages abgammelte. Früher hätte ich mir eine solche Situation mit einer besonders guten Flasche Rotwein "verschönt", diesmal fiel mir diese alte Verhaltensweise beim Anblick des Weinregals schmunzelnd ein & als ich den Keller abschloss, hatte ich die Sache sogar schon vergessen. Das starke Verlangen nach Alkohol ist also zur Zeit bei mir nicht mehr vorhanden & ich geniesse es.
    Mit einem schnellen Beginn der Therapie ist es auch erst 1 x vorbei. Meine Rentenkasse hat Ungereimtheiten festgestellt, die erst einmal beseitigt werden müssen, das dauert etwa 2 - 3 Wochen, dann noch mal die Eilbearbeitung (nochmal 2 - 3 Wochen), so dass es Mitte Oktober vielleicht etwas wird.
    Die SHG habe ich nicht mehr besucht, allerdings die Fühler nach den Guttemplern ausgestreckt, wo ich letzte Woche ein anregendes Gespräch hatte. Aber auch dort macht mir mein Dienstplan zur Zeit jede Menge Striche durch die Rechnung.
    Bleibt also abwarten & nicht übermütig werden (siehe 1. Absatz).

    Moin H D,

    wenn du wieder anfängst zu trinken, passiert zweierlei. Erstens bist du dem Druck dann noch weniger gewachsen (du betäubst dich bloß) & zweitens arbeitest du den Entscheidungsträgern für die Massenarbeitslosigkeit, die gleichzeitig die von dir aufgezählten Ressentiments hüten lassen in die Hände, indem du das Klischee der Versoffenheit in ihrem Sinne bedienst. Beides willst du nicht.
    Um dem aufkommenden Saufdruck zu begegnen solltest du ebenso schnell wie dringend Kontakt zu einer SHG aufnehmen. Wichtig ist jetzt für dich, dass du dich wieder verstärkt mit Menschen austauschst, die das gleiche Problem haben.
    Zusätzlich bietet sich hier ein Schnack mit den Nutzern dieser Seite an. Wenn du Lust & Zeit hast, guck doch einfach mal Abends in den Chat. :wink:
    Habe ich was vergessen? Ja! :oops:
    Willkommen hier im Forum! :lol:

    Hallo sterifips,

    die große Menge an Alkohol, die du zu dir zu nehmen pflegst, lässt es gar nicht zu, dass nicht oder wenig trinkende Menschen davon nichts spitz kriegen. Vermutlich ist dein ganzes Umfeld mit ähnlichen Trinkgewohnheiten behaftet. Schlimmer noch, die Roheit gegenüber deiner Freundin lässt den Schluss zu, dass eine solche Umgangsform in deinem Bekanntenkreis gar nicht so selten ist.
    Nicht nur deiner Freundin zuliebe solltest du dringend einen Schlussstrich ziehen. Letztlich ist dein Verhalten Ausdruck gewaltiger Unzufriedenheit.
    Das kriegst du alles noch während der Entgiftung in groben Zügen vermittelt. Ich gratuliere dich ausdrücklich zu deinem Entschluss, den Entzug jetzt anzugehen. Eigentlich bist du ein regelrechter Notfall. Das beste wäre es, wenn deine Freundin während deiner Entziehungskur eure Sachen zusammen packt & ihr diesen trostlosen Ort verlasst. Sucht euch einen Platz weit weg von den alten Bekannten, dort, wo ihr mehr & vor allem andere Menschen kennen lernen könnt.
    Wenn allerdings deine Freundin nicht mitmachen will, kann keiner ihr das verübeln. Warum, kannst du dir hoffentlich denken.

    Hallo Freundin,

    SIE sollte ernst machen, was nicht anderes heißen soll als Trennung, wenn er weiter trinkt.
    Ihr Freund redet sich und andere ein, kontrolliert trinken zu können. Diesbezüglich schafft er sich Freiräume, welche die Beziehung auf Dauer eh zersetzen.
    Sie oder der Suff: Er muss sich entscheiden. In der Position zu fordern ist der Herr nämlich nicht.

    "(...) will ich die Sache diesmal in Eigenregie durchführen, was ja auch schon ein paar mal geklappt hat (...)"
    Dein Beitrag liest sich wie der Witz mit dem Arzt, der den Patienten die Angst vor der schwierigen Operation nehmen will: "Ich habe diesen Eingriff schon viele Dutzend mal gemacht. Einmal muss es ja klappen."


    Wie wäre es damit, den letzten Willen schriftlich niederzulegen? Wenn deine Bauchspeicheldrüse solche Beschwerden macht & du kein Einsehen in die Notwendigkeit eines sofortigen Krankenhausaufenthaltes hast, scheint mir das der vernünftigste Vorschlag zu sein, den man dir machen kann.
    & sag bitte nicht, ICH sei makaber. :wink:

    Das mit der Überflüssigkeit im Profil will mir nicht einleuchten. Allerdings habe ich mich gerade ein wenig umgeschaut & festgestellt, das die Ausführlichkeit in meinem Profil eher eine Ausnahme ist. Vor allem die Frauen halten sich da sehr zurück. :D

    Hallo Steffen,

    leider war ich zu müde, das angestrebte Treffen wahrzunehmen. Jedoch werde ich weiter am Ball bleiben, zumal die Treffen wöchentlich stattfinden & in Berlin mehr als 50 Guttemplergruppen aktiv sind. Die Gruppen arbeiten wohl weitgehend autonom, wie ich in Erfahrung bringen konnte, und wirken nur nach außen etwas verstaubt, was wohl auf die ungewöhnliche Begriffswahl zurückzuführen ist. Was vor 150 Jahren erhaben & würdig wirkte (damals sperrte man Trinker ins "Irrenheim") erweckt heutzutage den Eindruck einer Mischung aus Freimaurerloge & Ku-Klux-Klan. Aber dieser Eindruck täuscht, wie man mir glaubhaft versichern konnte. Die Guttempler sind auch nicht christlich ausgerichtet, wie man aus dem Namen vermuten könnte. Das ist für mich als erklärten Unchristen sehr wichtig. :wink:

    Gestern war wieder Vorbereitungstreffen im Tannenhof & mein gutes Gefühl von letzter Woche hat sich nochmals bestätigt. Anschließend besuchte ich das Guttemplerhaus & hatte dort ein recht anregendes Gespräch. Heute Abend werde ich wohl eine Gruppe besuchen. Das hängt ganz von meinem Befinden ab.
    Meine Vorgesetzten halten es nämlich nicht für nötig, auf die Termine der Vorbereitung Rücksicht zu nehmen. Und so hänge ich hier mit zwei durchgemachten Nächten & kaum Schlaf zwischendurch völlig erschöpft & zugleich aufgedreht am Rechner. :evil:
    Ob ich die dritte Nachtschicht noch packe? :roll:

    Mir fehlt es ja an Erfahrung in diesem Forum, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass eine Häufung von weniger angenehmen Neulingen nicht zum ersten Mal aufgetreten ist.
    Der Weiteren sollten wir berücksichtigen, dass Menschen eben auf Ratschläge, die ihnen missfallen, unterschiedlich reagieren. Es gibt auch nicht therapierbare Menschen.
    Zum Schluss sei daran erinnert, was dieses Forum NICHT kann: nämlich Therapien oder Therapeuten ersetzen. Die hier abzuschöpfende Hilfe beschränkt sich nur auf die Erfahrungswerte Betroffener.
    Darum denke ich, Sophia, solltest du dir den zu diesem Zeitpunkt geballten Unwillen nicht zu Herzen nehmen.

    Kipp doch erst einmal das Glas Wein weg (natürlich nicht durch den Hals).

    & dann schließt du die Bude ab & gehst zu einem guten Freund, der nicht trinkt, dein Alkoholproblem kennt & schüttest ihm dein Herz aus.

    Hallo Steffen,

    Dass du erst einmal eine Woche Auszeit nehmen willst, finde ich sehr richtig. Du solltest allerdings deinem Hausarzt klar sagen, was Sache ist. Er kann dir dann auch die nächsten Hilfsschritte erklären & dich "einwinken".
    Über deinen Arbeitgeber mach dir jetzt keine Gedanken. Auch ich bin in einer sehr verantwortungsvollen Tätigkeit & nie erwischt worden. Ich habe aber trotzdem durchblicken lassen, was mit mir los ist. Der Arbeitgeber hat auch eine sog. Fürsorgepflicht, d.h. er muss dir die Möglichkeit einräumen, gegen deine Krankheit etwas zu unternehmen & hat deinen Arbeitsplatz für die Dauer freizuhalten.
    Aber, wie gesagt, schütte deinem Hausarzt dein Herz aus, damit er dir die nächsten Schritte erklärt.
    Es findet sich alles. :wink:

    Na, Teufelchen,
    es ist immerhin tröstlich, dass es nicht um meine Befindlichkeiten ging. :lol:

    Ich hab mir gestern vorgenommen, das ganze sacken zu lassen & eine Nacht zu überschlafen. Und schon das ging nicht so recht. Als ich hundemüde das Licht ausschaltete & mir die Sache wieder einfiel, wurde ich nämlich sehr böse, was mich 1 1/2 Stunden Schlaf gekostet hat.
    Diese Typen haben mir erzählt, dass ich 1. unglaubwürdig bin & nicht mit dem trinken aufhören will oder mich in irgendwelche Therapien aus Angst vor berufliche Schwierigkeiten flüchten will, dass ich 2. nichts, auf was sie sagen, Erklärungen abgeben brauche, weil sie schon so viele in ihrem Laden haben durchgehen sehen & sowieso von dem, was sie denken, nicht abrücken würden und 3. das ich das Ergebnis ja erleben werde.

    Wenn nun die SHG ihre Gruppenabende aus einer Kette von Monologen gestaltet, wo jeder für sich etwas einbringt & keiner auf den anderen eingeht, was will ich denn da für Fragen stellen?

    Schlimmer noch, wenn das in der SHG genauso los geht wie in der Salus-Klinik, wo ich mich als unmündig & gewissermaßen halbkriminell behandelt fühlte, bin ich, der ich mir so etwas nicht gefallen lasse, nicht therapieunfähig? Lohnt sich da überhaupt noch der Antrittsbesuch beim Tannenhof?

    Mit solch einer Stimmung stand ich früh auf & ging zu meiner Sozialpädagogin. Ein Spitzengefühl, mit einem zur Faust geballten Gesicht zu denen zu gehen, von denen man sich helfen lassen will.

    Sie konnte mich allerdings doch ziemlich schnell beruhigen & hat mir das Konzept, das dahinter steckt, auch erläutert. Sie sagte, wenn ich zur Vorbereitungsgruppe gehe, ist es nicht so dringend, eine SHG zu besuchen.

    Im Tannenhof war mein erstes Vorbereitungstreffen sehr gut! Als ich mich vorstellte, habe ich mein Abenteuer auch erzählt & im Ergebnis sagte die Psychotherapeutin, sie möchte, dass ich dort nicht mehr hingehe, sollte das nochmal passieren. Nach dem Treffen gab sie mir einen Stapel Broschüren von anderen SHGen.

    Die Vorbereitungungsrunde hat mir sehr gut gefallen. Wenn das als allgemeiner Trend für die Therapie gelten kann, bin ich sehr zuversichtlich.

    Heute (eigentlich schon gestern) war mein zweiter Besuch bei der SHG. Ich habe auch etwas gesagt & es war natürlich grundfalsch. Meine Gründe, mit dem Alkohol Schluss zu machen kommen den anderen wohl irgendwie unlauter vor. "Ich lieg falsch & werde sehen, was ich davon habe", so kamen die Antworten bei mir an. Naja, was das wohl noch wird?
    Wenn das so ist, stellt sich mir natürlich die Frage nach dem Sinn meiner Bemühungen. :(
    Ich werde trotzdem am nächsten Dienstag hingehen. Morgen ist wieder meine Sozialpädagogin & erstmals das Vorbereitungstreffen im Tannenhof auf meinem Kalender.

    Das Problem sitzt tiefer. Wenn du von einem zufriedenen Arbeitstag nach Hause kommst & eine Flasche Wein öffnest, womit dann der Abend gelaufen ist, frage ich mir, was deinen zufriedenen Arbeitstag eigentlich ausmacht. Die perfekte Hausfrau & Mutter, der erfolgreiche Geschäftsmann, sie alle haben zwei Dinge gemein:
    - Der Schein des zufriedenen Daseins, welcher eigentlich den allgemeinen Vorstellungen entspricht & die man unkritisch übernimmt.
    - Der mangelhafte Ausgleich zum Tagewerk.

    Beides gibt es natürlich auch & gerade in Kombination und in vielen individuellen Einzelheiten. All das ergibt ein individuelles Trinkmuster, welches aber in den seltensten Fällen von der betroffenen Person alleine entknotet werden kann. Dieses ist aber Voraussetzung für die Schaffung einer zufriedenen Abstinenz.
    Dieses individuelle Trinkmuster zu entknoten, deutlich zu machen & eine ebenso individuelle Strategie für eine zufriedene Abstinenz zu entwickeln ist, so verstehe ich das, Ziel einer Therapie. (Man korrigiere mich, wenn ich da falsch liege.)