hallo,
ich habe es "ausitzen" genannt, aber ich komme gerade drauf, dass war genau das, was in der Vergangenheit nicht sooo gut funktioniert hat.
Ich habe beim "aussitzen" immer gelitten, aber ich hatte damals auch die falsche Einstellung zur Abstinenz. Damals habe ich es für meinen damaligen Freund getan, ich war nicht selbst überzeugt davon dass ich je ohne ALkohol leben kann und nützte ja auch jede Gelegenheit, ein paar mal im Jahr, wenn er nicht da war, um zu trinken.
In der ZWischenzeit, wenn wir zusammen waren (wir wohnten auch zusammen) ging ich mit dem Saufdruck eben mit "aussitzen" um.
Jetzt wo ich so mit euch schreibe merke ich aber, das ist nicht mehr mein Weg. @ Berthold, das was du sagst stimmt glaube ich auch für mich. Es kostete in der Vergangenheit immer viel viel Kraft, sich zu wehren.
Der Gedanke der inneren Einkehr oder Sammlung, so wie du es schreibst,
@ Blue Cloud, der gefällt mir sehr gut. Das werde ich in meinen "Koffer" packen.
Meine alte Strategie "stark sein und ignorieren" ist nicht mehr das Richtige, das kam auch in der Therapie jetzt heraus. Wir haben besprochen, es wäre dann gut das Thema dann in dem Moment zu fokussieren und sich bewusst zu machen: warum möchte ich jetzt trinken, was wäre wenn ich es tue, was folgt dann. Sich sozusagen klar machen, wenn ich dem Gefühl jetzt nachgebe, bin ich am Ende wieder da wo ich nicht hinwollte, ist es das wert? Der Ansatz gefällt mir ganz gut.
Aber ich mache auch Fehler. Gestern war ich nach einigen Wochen in der "freien Wildbahn". Die letzten Wochen war ich ja permanent zu Hause, ging nur raus zur Therapie, zum Arzt und zum Einkaufen.
GEstern musste ich aber raus, Bücher abholen von der Uni.
AUf dem Weg rief mich eine Freundin an, sie sei auch gerade am Weg zu Uni, und ob wir uns da treffen um was zu Essen.
Ich sagte ja ok, es war gestern ein sooo wunderschöner Sonnentag, man konte ohne Jacke sitzen und es war wirklich der allerschönste Frühlingstag.
Bis wir dann essen waren.
Ich könnte mich jetzt noch dafür ohrfeigen, dass ich mich auf die Terasse des Lokals gesetzt habe um dort zu essen.
Denn es kam nach einer Weile eine Gruppe junger Leute, die sich daneben hinsetzten und sich Bier bestellten (ich war hauptsächlich Bietrinkerin!!). Dann sah ich weiter weg, dass 2 Leute Wein tranken. es war 14h am Nachmittag.
Ich wurde nervös, und versuchte es zu ignorieren. Nur weil ich schon Essen bestellt hatte, blieb ich und hielt es aus. Oder eben nicht.
Nach dem Essen gingen wir und ich sagte meiner Freundin, das mache ich nicht mehr, es geht einfach nicht, ich kann nicht.
Die Reaktion meiner Freundin war irgendwie zwiespältig. Sie meinte, na geh auch nicht ins XXX (Restaurant, wo wir immer zusammen gegessen haben, auch mit Garten). Sie wirkte sehr enttäuscht.
Wie auch immer. Ich habe mich selber in Gefahr begeben und die Rechnung präsentiert bekommen. Offenbar fällt es mir schwer mich von dem Gastgartenambiente zu trennen, denn ich liebe eigentlich schöne Gärten, wenn dann noch irgendwo ein Brunnen in der Mitte plätschert ... es hat einfach was.
Aber das Risiko ist mir echt zu groß.
Das wollte ich euch noch erzählen. Aus Fehlern lernt frau.
Ich war dann gestern noch im Kino mit einer anderen Freundin, und das war wunderbar. Der letzte Kinobesuch ist sicher schon 1 Jahr her.
Heute ist wieder sooo ein wunderbarer Tag und ich werde dann raus gehen und ein wenig einkaufen. Später besucht mich meine Schwester und hilft mir dann, die schweren Einkäufe zu besorgen (kann nicht viel tragen wegen Zervikals.) Darauf freue ich mich schon. Es wird ein schöner Tag, das weiß ich jetzt schon, denn jeder nüchterner Tag ist mittlerweile ein schöner - auch wenn ich Durchhänger habe fühle ich mich damit nüchtern immer noch huntertmal besser als besoffen oder verkatert!!!
Heute ist Tag 11 und ich bin nüchtern und dankbar.
Ich hoffe euer Tag wird auch ein wunderschöner!!!!
lg
beagle