Beiträge von Zimttee

    Hallo Nancy,

    wie alt ist deine Tochter denn? Ich fürchte, sie muss ihre eigenen Erfahrungen machen. Sie muss auch lernen, mit Alkohol umzugehen, seine Wirkung zu erkennen. Ab einem gewissen Alter ist das okay.
    Ich bin nun fast 30 und mein Vater verlangt für jede Weinflasche in meiner Wohnung, sei sie noch so alt oder von irgendeiner Feier übrig geblieben, eine Rechtfertigung. Als ich 15, 16 Jahre alt war, war es nicht anders. Wenn ich nun rückblicke, war ich frustriert, dass er mir kein normales Leben ermöglichte. Ich hatte schon genug mit den Folgen der Sucht meiner Mutter zu kämpfen- und dann durfte ich auch nicht mit anderen Freundinnen normal leben. Auch wegen ihr, weil Vater Angst hatte, ich werde genau so und enttäuscht war, dass ich Alkohol nicht ablehne. Es war ätzend, die Folgen der Sucht in allen Lebensbereichen zu erkennen- selbst in denen, die meine Eltern nichts angingen. Und ich war traurig, dass sie mir nicht zutrauten, selbst entscheiden zu können.
    Geschadet hat es mir nicht. Ich weiß, wie ich mich unter Alkoholeinfluss fühle und habe gemerkt, dass es mir nichts bringt. Ich habe damals nichts verpasst und komme nun auch wunderbar daohne aus.

    Freu dich auf deinen Urlaub!

    Liebe Grüße,
    Natalie

    Liebe Natalie!

    Ich schiele grad aus der EKA-Ecke zu dir rüber. Es gab eine Zeit, in der habe ich normal Alkohol getrunken. Aus Krankheitsgründen und wg einer Ernährungsumstellung hab ich es auch nahezu auf Null reduziert, auch auf Feiern. Man wird schief angeguckt. Und am meisten von denen, die selbst ein Problem im Umgang mit Alkohol haben. Die fassen sich nämlich nicht an die eigene Nase und denken "Ja, guck, die macht es richtig.. Sollte ich auch mal", sondern sie schieben dir ein Fehlverhalten zu, damit sie sich eben nicht kritisch mit sich selbst auseinander setzen müssen.
    Sei froh, dass du das geschafft hast; sei stolz auf deinen Weg, dass du dich aus deiner Sucht befreit hast. Das ist wahnsinnig harte Arbeit. Aber riskiere das nicht für Menschen, denen du nicht wichtig bist.
    Wärest du denen wichtig, würden sie Rücksicht auf dich nehmen. Ihnen geht es nur um sich selbst. Die wollen dir nichts Gutes.
    Schau, du machst dir Gedanken, wie du auf sie wirkst. Du willst vermeintlich Rücksicht nehmen- auf deine eigenen Kosten. Daran, dass du mit deinem Leben spielst, wenn du dich der Feier aussetzt, verschwenden diese Menschen keinen Gedanken. Ist es das also wert? Nein! Lass es.
    Das sind keine Freunde, sondern Menschen, die deine Person für ihre eigene Legitimation missbrauchen.
    Nimm dich selbst wichtig!

    Liebe Grüße
    Natalie
    (Wärest du meine Mutter, wäre ich unendlich dankbar für deine Einsicht; ich muss spontan an ein kleines Pflänzchen denken, was beginnt zu sprießen. Das pflege ich doch auch erstmal separat im Gewächshaus und setze es nicht direkt in den ersten Schneesturm. Würden solche Töne wie "elitäres Verhalten" von meinem Vater kommen, dann müsste ich mit dem alten Herrn ein paar Takte sprechen. Das geht gar nicht! Aber es wäre wahrscheinlich auch typisch für ihn- bloß nicht von der Masse abheben. Setz dich durch, nur du hast die Verantwortung für dich selbst!)

    Es kam mir so vor; wenn ich dich da missverstanden habe, tut's mir leid.

    Auch hier kann ich nur nicken- so ists bei meinen Eltern auch. Ich habe meinen Vater noch nie (!) putzen sehen. Niemals. Meine Mutter arbeitet auch und wuppt alles alleine. Sämtliche Zeilen könnten also auch aus meiner Familie stammen. Je mehr man darüber nachdenkt, desto weniger wundern einen diese Zustände. Nunja. Da bedingt das eine das andere.
    Mein Vater wird auch zwei Mal gucken, wenn Mutter dann tot ist.

    Ich denke, dieses Liter-Zählen ist typisch. An sowas erinnere ich mich als Kind auch, als ich mit der Sucht meiner Mutter konfrontiert wurde. Durch diese Zahlen beginnt man erst zu begreifen, was da los ist- es ist ja nicht bloß eine Flasche, sondern eben literweise Alkohol vorhanden.
    Und eine Horde von Flaschen zu finden, ist schon ziemlich schockierend und unfassbar- auch das liest man hier.

    Soweit ich weiß, gibt es Wodka in Literflaschen, oder? Von daher ist es durchaus glaubwürdig, dass er 28 dieser Flaschen aus den Schränken gezogen hat- 0,02l Flaschen sind da zu vernachlässigen. Die hätte ich auch nicht mitgezählt.

    Von daher fand ich deinen Beitrag etwas unangemessen. Du versuchst eine emotionale und aufwühlende Situation rational nachzuvollziehen und dem TE so Unglaubwürdigkeit zu unterstellen- in solchen Situationen, in denen das ganze Leben den Bach runtergeht, nehmen sich die wenigsten Menschen einen Rechner und addieren Milliliter, sondern sie geben die Situation, die sie überwältigt, ebenso wieder, wie sie sie wahrnehmen.

    Viele Grüße,
    Natalie

    Lieber Himmel, Renate!!!

    Es tut mir leid, dass dein Vater gestorben ist :( Mein herzliches Beileid. Schade, dass er seinen Tod nicht anders geregelt hat. Du hast zumindest einen Anspruch auf einen Pflichtteil, oder?

    Alles Liebe,
    Natalie

    @ Miriel:
    Ich habe mich vorher schon intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und Literatur gesammelt. Geschrieben habe ich nur 3 Wochen an 70 Seiten :( Tu dir den Stress nicht an, sondern arbeite gleichmäßiger. Das erspart viel Stress- von Anfang an planen, was man wann erledigen möchte.
    Letztendlich fehlte mir ein Tag, um wirklich nochmal mit freiem Kopf drüberzugucken. Aber nungut, abwarten, was dabei rumkommt. Der Prüfer ist sehr anspruchsvoll und verteilt selten sehr gute Noten. Aber das Thema war echt interessant.

    Mein Schulstandort ist nicht wesentlich weiter von meinen Eltern entfernt, jedoch noch ländlicher und somit schlechter zu erreichen und auch teurer. Ich bin grad dabei, zu sammeln, wie ich das alles bezahlen kann. Es wird schwierig, ich werde wohl einen weiteren Job brauchen. Weißt du, ob wir Wohngeld bekommen würden als Beamte? Das würd es etwas erleichtern; laut Rechner könnte ich knapp 200Euro bekommen.

    Wie ist deine Staatsarbeitsplanung für die kommenden Wochen?

    Viele Grüße,
    Natalie!

    Hallo Stefan!

    Tja, was sagt man dazu? Für manche Außenstehenden klingt es ziemlich unglaubwürdig; aber in Beziehungen mit Alkoholikern gibt es Dinge, die man sonst nicht so einfach glauben würde.
    Wenn ich drüber nachdenke, wie sehr meine Mutter meinem Vater in der eigenen Wohnung auf der Nase rumtanzt, und das seit fast 25 (!) -fünfundzwanzig- Jahren.. Gehört beides in die gleiche Kategorie.

    Und nein, Wodka riecht man nicht. Wein, Bier etc schon- aber Wodka no way. Nicht, wenn man naiv und ungläubig nichts böses vermutet. Wer tut das schon grundlos?
    Naja, also das, was du gemacht hast, war das beste, was du hättest machen können. Du hast ihr direkt gezeigt, was du weißt, ohne irgendwelche Hintertürchen offen zu halten oder den Teppich anzuheben.
    Dass sie dennoch mit Ausreden kommt, ist unglaublich- aber für sie sicher einen Versuch wert. Kann sich ja lohnen, wenn sie so durchkäme.
    Bei uns zu Hause wurde der Alk dann zum Essen kochen verwendet oder "ist verdampft"- logisch, wenn die geschlossene Flasche so lange im Schrank steht, oder? ^^ Echt lachhaft, aber mein Vater wollte es glauben; lässt sich jetzt seit 25 Jahren mit so einem Mist hinhalten. Neulich hat er sie mal auf ihren Wasserbauch angesprochen- na den haben doch alle Frauen in ihrem Alter? Wenn du einmal einknickst, wird das schamlos ausgenutzt.
    So schluckt er eine Ausrede nach der nächsten und die Geschichte nimmt kein Ende. Klar, es ist seine Verantwortung. Die Geschichte soll dir aufzeigen, wie es enden kann, wenn du keine Grenzen setzt.

    Ja, es hätte alles schön werden können- wird es aber so nicht. Irgendwann fliegt dir alles um die Ohren. Und ehrlich- heiraten und Kinder kriegen mit einer Frau, die in einem Jahr 50-60 Flaschen anhäuft? Diese Kinder werden kein lebenswertes Leben haben, schon alleine wg der Schäden in der Schwangerschaft.

    Also, lieber alles auf 0 zurücksetzen und eine andere Frau kennenlernen- als Mann tickt die biologische Uhr nicht so schnell.
    Hätte deiner Freundin der heilsame Schock gut getan, würde sie nun nicht mit der Weinflasche demonstrativ auf der Couch sitzen. Es scheint, als würden die Hemmungen grad massiv sinken.

    Ich wünsche dir starke Nerven- aber ein Verweis aus der Wohnung ist das wirksamste, was du nun noch bringen kannst. Entweder, es ist für sie der Sprung ins kalte Wasser und sie kommt zur Vernunft, oder eben sie macht weiter wie bisher. Dann wäre es aber auch nicht von alleine besser geworden und ihre Reaktion zeigt dir, dass dir so vieles erspart blieb.

    Alles Gute,
    Natalie

    Dankeschön, Renate!

    Mit meinen Berechnungen bin ich schon ein Stück weiter. Derzeit hab ich erkannt, dass mir, wenn alle Kosten für Wohnung, Auto und Versicherung von meinem Gehalt runter sind, mir noch 200 Euro monatlich für Essen, Kleidung, Materialien für die Ausbildung etc bleiben. Jedes Lehrbuch kostet schon 25 Euro und der Besitz der Bücher wird vorausgesetzt.
    Mir ist ein Rätsel, wie ich das alles so bezahlen soll. Ich bin noch nie feiern gegangen- aber auch daohne wirds knapp. Die Therapie, die ich beginnen wollte, kann ich so knicken.

    Das ist ziemlich ernüchternd- da hat man schon studiert, wird irgendwo zum zweiten Teil der Ausbildung in die Pampa gesetzt und kann von seinem Hungerlohn den Alltag alleine nicht bezahlen.

    Ratlose Grüße,
    Natalie

    Ich habs geschafft!!! =)
    Arbeit ist abgegeben. Es war eine Qual, aber: Der Drops ist gelutscht; nun bin ich aufs Ergebnis gespannt. Und wenn ich mal über die Wochen nachdenke- in der Zeit habe ich mich nicht bei den Eltern gemeldet und war gedanklich ganz bei mir und dem Projekt, konnte mich sehr gut konzentrieren. Das tat so gut =) Nur die Arbeit, der Fortschritt und ich.

    Ich habe sogar weiter mein Gewicht reduzieren können und habe nun eine Zahl sehen dürfen, mit der ich zur Zeit, als ich meine Ernährung umstellte, niemals gerechnet habe.
    Nunja =)
    Was die Schule betrifft, wurde mir nun doch eine andere zugewiesen. Zwar auch in der Gegend meiner Eltern, aber schwerer zu erreichen. Zumindest in diesem Punkt hat es mich besser getroffen als erwartet.
    Nunja. Momentan sortiere ich mich, plane die Finanzen und rechne, ob ich das so finanziell stemmen kann.

    Viele Grüße,
    Natalie

    Was willst du denn nun machen?
    Soll alles bleiben, wie es ist und du brauchst nur eine Ecke zum Ausheulen, oder willst du "anpacken"?

    Zitat von Angy38


    er hat nur noch seine mutter und seinen bruder..

    Eine Mutter reicht. Er hat seine und deine Kinder brauchen ihre, die den Fokus wiederum auf sie richtet. So sollte die Aufteilung sein. Es geht ja nicht nur darum, dass sie erleben, wie er sich verhält.. Sondern auch darum, dass sie darunter leiden, wenn du nur um den XY kreist, auch wenn er nicht da ist. Und dann eben nicht gedanklich bei ihnen bist.

    Ich habe die Staatsarbeit gestern abgegeben =) Bin total stolz, dass ich es relativ mit dem Zeitmanagement geschafft und am Tag vor der Abgabe um 23 Uhr ins Bett konnte =)
    Ein geniales Gefühl.
    Den genauen Seminarort hab ich nun, doch ein anderer, als vorher mit der Sachbearbeiterin abgesprochen. Aber ungünstiger gelegen.


    Viele Grüße,
    Natalie

    Ich habe die Staatsarbeit gestern abgegeben =) Bin total stolz, dass ich es relativ mit dem Zeitmanagement geschafft und am Tag vor der Abgabe um 23 Uhr ins Bett konnte =)
    Ein geniales Gefühl.
    Den genauen Seminarort hab ich nun, doch ein anderer, als vorher mit der Sachbearbeiterin abgesprochen. Aber ungünstiger gelegen.


    Viele Grüße,
    Natalie

    Hallo Oldie,
    Kurze Antwort via Handy: Wir haben natürlich über das Problem gesprochen und das war seine Antwort. Daher dann auch meine Frage, ob andere dieses Problem kennen. Mir ist bewusst geworden, dass ich, so sehr man das nicht will, dennoch die Muster meiner Familie mit mir trage. Und wohl auch in meine Beziehung bringe. Ein Grund, eine Therapie anzustreben. Nun merke ich, dass sie gewiss nicht umsonst sein wird.

    Natalie

    [/quote]

    Hallo Oldie!

    Wenn ich mich nochmal bewerben würde, dann würde ich wahrscheinlich nicht wieder im selben Regierungsbezirk landen, da die für gewöhnlich nur ein Mal pro Jahr einstellen. Ich würde dann versuchen, mehr Sozialpunkte durch ehrenamtliche Tätigkeiten und meinen Freund zu bekommen, um dann bei ihm in der Nähe zu landen.

    Ich muss einfach abwarten.. Momentan sitze ich noch an der Arbeit und schreibe. Hab noch eine Woche Zeit und werde hoffentlich zum kommenden Wochenende fertig.
    Mir macht es etwas zu schaffen, da ich diesen Druck nicht gut ertragen kann. Momentan denke ich gar nicht daran, dass ich meine Staatsarbeit schreibe, sondern nur an die Seiten, die ich pro Tag schaffen möchte. Mit meinen Eltern habe ich quasi eine Kontaktsperre.
    Mutter rief neulich an und suchte jemanden zum Angst abladen- eine Person aus dem Bekanntenkreis ist aktuell gestorben (was sie mir aufs Brot schmieren musste) und sie war sehr aufgebracht deswegen. Mir klang es so, als ob sie mal wieder mit ihrem eigenen Lebensstil konfrontiert wird; denn die Person hat auch recht ungesund gelebt. Ich wollte das nicht hören, woraufhin sie recht pampig reagierte und meinte, sie rufe nun nicht mehr an- ich solle mich dann halt melden. Ja! Seitdem hab ich nichts mehr von ihr gehört. Ist auch besser so.

    Ansonsten stelle ich fest, dass ich keine guten Kommunikationsfähigkeiten habe. In meiner Familie gibt es keine Kommunikation und auch kein wirkliches Interesse. Meine Eltern erkundigen sich wenn nur oberflächlich; Mutter wusste auch die ersten Semester gar nicht, was genau ich studiere. Sie wurd mal gefragt, was ich studiere und hat dann wahllos Fächer aufgezählt. Sie fand es lustig, so taff reagiert zu haben- ich fands eher traurig, dass sie sich 2-3 Fächer nicht merken kann. Nunja- es wird nie gefragt, was ich mache, wie ich mich fühle oder was in mir vorgeht. Nichts. Dahingehend war meine Sozialisation also mies.

    Nun ist es so, dass mein Freund seit ein paar Wochen umgezogen ist und wir uns nur am WE sehen, dafür täglich mehrmals telefonieren.
    Momentan funktioniert unsere Kommunikation nicht. :( Ich rutsche ins Verhalten meiner Eltern, Kommunikation ist zwar bei uns vorhanden, aber mir fehlen diese "Gesprächsskills". Ich stelle Fragen. Aber es klappt nicht wirklich, ich kanns nicht beschreiben. Es interessiert mich, was er macht, ich beschäftige mich auch tagsber mit ihm, überlege, was er wohl macht. ABER ich kann es nicht umsetzen. Er ist frustriert und fühlt sich, als ob ich mich nicht für ihn interessiere. Und ich habe ehrlich gesagt keine Idee, wie ich meine Gedanken an ihn umsetzen kann. Ich denke viel darüber nach, aber behalte dies dann für mich.
    Anscheinend ist mein Problem, dass ich bisher immer gewöhnt war, Dinge, die meine Eltern wissen sollten, zu sagen. Ich wurde nie gefragt, sondern hab immer gesprochen. meistens gabs dann keine gescheite Reaktion, oder nur ein "aha". Seine Eltern sind das komplette Gegenteil- zu jeder Situation fallen ihnen bestimmt 4-5 Fragen ein, was ich persönlich gut finde, aber, weil ichs nicht gewöhnt bin, auch anstrengend. Aber nicht im negativen Sinne. Naja- er ist also aufs Fragenbeantworten gepolt, ich aufs ungefragt losreden. Und da müssen wir einen gemeinsamen Nenner finden. Sonst klappt das nicht auf Distanz :/

    Kennt ihr das auch?
    Ich hab echt Panik davor, dass wir uns auf Dauer auseinanderleben könnten.

    Natalie

    Zitat von schmerzhafte_Erkenntnis

    Ich bin dann aber auch nicht in der Lage etwas zu sagen, weil ich Angst habe, völlig auszuflippen. Sie merkt dann auch, dass etwas nicht stimmt, fragt sogar nach, was los ist. Ich kann dann aber einfach nichts sagen. Ich frage mich nur, ob ihr in diesen Momenten klar ist, dass ich sie ertappt habe.

    So schaffen es meine Eltern seit über 20 Jahren "wunderbar", ihre Beziehung am Leben und Probleme unterm Teppich zu belassen.
    Fakt ist: Wenn du den Mund nicht aufmachst, wird sich nichts ändern. Deiner Partnerin ist es sogar ganz lieb, wenn du nix sagst- sie will ja ebenso wenig ändern. Also ergänzt ihr euch perfekt und konserviert die Probleme für die Ewigkeit.

    Und nebenbei ist mir noch aufgefallen: Das Wort "ertappen". Hm. Das ist doch kein Versteckspiel, bei dem der eine den anderen triumphierend im Versteck überführt. Das hier ist tödlicher Ernst. Mein Vater machte da auch immer ein Spielchen raus, der Pokal waren dann Alkflaschen, die er überall hervorzog. Aber das ändert nichts. Es ist doch egal, ob sie das ahnt oder nicht- sie trinkt dennoch heimlich weiter und sieht es als heimliche Legitimation, dass es möglicherweise weißt und nichts sagst.

    Nur dem sprechenden kann geholfen werden.

    Liebe Grüße,
    Natalie

    Zitat von Lindi

    Oh, Mist, Zimmtee ...
    habs grad gelesen, mit den Dokumenten ....das ist ja Hammerhart ....
    sonst haette ich naemlich vorgeschlagen den "Referatsort" einfach zu verschweigen/einen Anderen zu nennen und nur ne Handy-Nummer zu hinterlassen..."Luegen" taet ich sowas in dem Fall dann mal nicht nennen, eher *hm* eine Selbst-Schutzmassnahme.....

    Ueberlegs Dir gut...Du hast ja gesagt, dass Du eh etwas laenger gebraucht hast fuer alles ... und nun noch ein halbes Jahr verlieren, und wer weiss, wo sie Dich DANN hinschicken, evtl noch naeher....

    Und auch 25 km koennen ziemlich viel sein, wenn man einfach kein Auto hat 8) ...... falls Du wirklich eine Wohnung in der Naehe findest, waer das ja sogar glaubhaft.

    Ohmann, das ist nicht einfach.....
    Lindi

    Hallo Lindi,

    ja, das ist mein Gedanke. Es soll nun endlich weitergehen, ich will fertig werden und endlich was neues beginnen. In ein unabhängiges Leben gehen. Ich möchte nach der Schule in meine Wohnung kommen; dort soll es warm sein, freundliche Atmosphäre. Vielleicht kommt mir eine Katze entgegen, mein Partner wartet oder kommt später heim. Ich hab meine eigene Waschmaschine und will mich nicht mehr mit dem Gedanken rumquälen, wann meine Nerven einen Besuch bei meinen Eltern am besten ertragen. Wenn ich sie mal besuche, will ich mit meinem Auto hinfahren und ein paar Stunden später auch wieder zurück.
    Ich möchte mein Leben haben- geordnet, angenehm und nicht frembestimmt.
    Ich bin Mitte 20- langsam möchte ich in den Beruf und dann irgendwann denkt man natürlich auch an eine Familie.
    Würde ich nun den Absprung nicht schaffen, dann müsste ich mich ein weiteres halbes Jahr mit dem kleinen Gehalt, was ich habe, behelfen und jeden Monat überlegen, ob ich am Ende noch genug für die Telefonrechnung habe.

    Die 20km sind leider kein Argument, dank guter Zugverbindung wäre ich in 20Minuten dort. Würde ich bei meinem Freund wohnen, würd ich sogar 60km mit guter Verbindung pendeln, das machen viele. Aber so geht es nicht. Ich habe mir in den letzten Jahren so viel erkämpft; Freiheit, etwas mehr Unabhängigkeit, habe 20kg Gewicht verloren. Mir geht es psychisch einigermaßen- zu Hause würd ichs nicht aushalten, ich würde direkt wieder zulegen. Das alles werde ich nicht aufs Spiel setzen, auch wenn für die Wohnung 1/3 meines Gehalts draufgehen würde. Aber das ists mir wert.
    Ich bin es einfach nur leid, meine erlangte Freiheit, und dass es mir einigermaßen gut geht, verteidigen zu müssen. Ich bin es leid, mich wieder und wieder erklären zu sollen, obwohl ich es schon seit Jahren tue und dann merke, dass keines meiner Worte richtig gehört wurde.

    Die nächsten Wochen werde ich nichts zu meinen Plänen und den Erkenntnissen sagen. Ich werd in Ruhe meinen Abschluss machen und dann warten, wie das mit der Rückmeldung klappt.
    Ansonsten wird eines eine gute Gesprächsführung sein, mich auf keine Diskussionen einzulassen. Ich bin erwachsen, treffe meine Entscheidung und die wird nicht diskutiert. Wenn ich mich verteidige, rutsche ich nur in die Defensive und werde angreifbar.

    Ja, das mit den Dokumenten ist ein starkes Stück. Zu Hause würde ich wie im Gefängnis leben, nur einsamer. Es würde darauf geachtet, was ich koche, damit es nicht riecht. Was ich mache, wo ich bin, immer abmelden, wenn ich gehe, nicht zu viel telefonieren, da es die Leitungen blockiert. Genug Zeit zu Hause verbringen- die Zeit dann im Zimmer absitzen, weil es sonst niemanden interessiert, was ich zu Hause mache. Etc.
    Mich gruselt es, wenn ich daran denke.

    Oldie, dir antworte ich später. Jetzt muss ich an der Arbeit weiterschreiben.

    Viele Grüße,
    Natalie

    Nanu, wo ist denn mein Beitrag hin? Ich hatte gestern in epischer Breite geantwortet.
    Nun gut =) Dann werd ich später heute Abend nochmal antworten. Jetzt muss ich erst noch an der Arbeit schreiben.

    Hallo Miriel,

    mir war klar, dass du auch Lehrerin wirst :D Man erkennt sich einfach in den Texten wieder.
    Darf ich fragen, welche Fächer du studierst?

    Ich habe richtig Lust auf das Ref, wirklich. Endlich komme ich weiter, in ein geregelteres Leben, mit einem etwas höheren Lohn. Wobei der "Lohn" ein Witz ist, dafür, dass wir ein Studium abgeschlossen haben und 1,5 Jahre lang auf Freizeit verzichten.
    Nunja. Ich habe mich so darauf gefreut.
    Und nun dahin. Ich habe nun 2 Tage nachgedacht. JA, es fühlt sich nun an wie ein Rückschritt, da hast du Recht. Genau das dachte ich gestern auch. Ich wollte in die Stadt, weiter weg, Distanz einbringen.

    Und nun? 25 Autominuten Entfernung.
    Als ich vor ein paar Tagen bei meinem Eltern war und die ganzen Papiere dorthin mitgeschleppt und sortiert hatte (ich musste drei Briefe verschicken), hat mein Vater einfach so die Sachen durchwühlt und durchgeguckt. Normalerweise betrifft das immer das, was offen rumliegt- aber dieses Mal muss er sogar die Briefe herausgenommen haben. Tja, er hat den Seminarort entdeckt und fing dann schon an zu planen, dass ich dann ja wieder zu Hause einziehe.
    Als ich "nein" sagte, war er todesbeleidigt. Was glaubt er denn? Ich war so wütend.. Geht das, was ich ihm seit Jahren sage, links rein, rechts raus?

    Nunja. Erläuterungen erspare ich mir nun.
    Also, nun weiß ich, dass mein Ausbildungsort 25Minuten von zu Hause entfernt liegt.
    Dokumente werde ich nicht mehr mit nach Hause nehmen, und meine Eltern darüber nicht in Kenntnis setzen. Ich arbeite jetzt am Abschluss- vielleicht klappt es, dass ich mich rechtzeitig rückmelden kann. Wenn nicht, bin ich nicht traurig drum, dann beginne ich erst in 6 Monaten. Sollte es klappen, werde ich in dem einen Monat, den ich vorher frei habe, nach Wohnungen suchen und meine Eltern vor vollendete Tatsachen stellen.

    Zu dem Seminarort: Ja, ich durfte wählen. Ich habe vier Regierungsbezirke ausgewählt, die allesamt NICHT in der Gegend meiner Eltern sind. Zugewiesen wurde ich dem Regierungsbezirk meiner Eltern, wie alle, die in meiner Gegend geboren sind und auch nicht dorthin zurück wollten.
    Dann konnte ich mich auf einen Ausbildungsort bewerben- den Kreis meiner Eltern habe ich wieder nicht angegeben, sondern Orte, die 60km entfernt sind. Jetzt bekam ich einen Anruf, dass sie das trotz meiner Begründung nicht annehmen können. Aber- man hätte gelesen, wo ich geboren sei; in dem Ort gäbe es auch eine Schule. Ob ich die wolle? NEIN! Ich habs begründet, die Sachbearbeiterin Verständnis und hat eben den anderen Ort vorgeschlagen. Immerhin etwas. So hat sich die Distanz noch verdoppelt.
    Puh, hab ich Schwein gehabt, dass sie mich noch anrief.. Und mich nicht einfach dorthin setzte.

    Nunja.. Jetzt kann ich daraus nur das beste machen.
    In mir keimt der Wunsch auf, die Nachreichfrist verstreichen zu lassen, was theoretisch ginge, da ich noch Zeugnisse etc nachreichen muss. Gesperrt würde ich dann nicht. Aber es wäre schade, dass ich so nicht mit zwei Freundinnen beginnen könnte, von denen eine genau die selben Fächer hat.

    Ich fürchte, dass ich mich nur mit der Distanz gescheit von zu Hause abgrenzen kann. Meine Eltern setzen momentan alles daran, mich wieder einzulullen; drücken sämtliche Knöpfe. Es wäre eine unnötige Belastung, wenn ich dort landen würde. Andererseits verliere ich sonst ein halbes Jahr und es dauert uU noch länger, bis mein Freund und ich zusammenziehen können. Das wird wohl erst in 1,5 Jahren passen, wenn ich mit dem Ref fertig bin. Derzeit wohnt er über 200km entfernt.

    Liebe Grüße,
    Natalie

    Hallo Lindi,

    mal wieder sprichst/schreibst du mir aus dem Herzen!
    Bei mir steckt da eine ganz große Versagensangst hinter.

    Mein derzeitiges Problem: In 2 Wochen muss die Examensarbeit fertig sein, wenn mein Plan funktioniert, habe ich nach diesem WE die Hälfte an Text fertig.
    Ich habe quasi 2 Monate vergeudet, in denen ich nicht geschrieben habe. Die Zeit ist mir durchgeflutscht- erst das Praktikum, dann Weihnachten, dann musste ich noch einen Praktikumsbericht über 30 Seiten schreiben, dann noch eine Hausarbeit über 11 Seiten.
    Dann wurde ich krank. Zack.
    Naja, jetzt schreibe ich an der Arbeit und ich hab mal wieder die Zeit im Nacken. Jedes Mal das Gleiche. Es ärgert mich, dass es immer darauf hinausläuft.

    Und während ich schreibe, kommt das Kopfkino:
    - Du hast es jetzt nicht verdient, eine gute Note zu bekommen.
    - Gute Noten kommen bei solchen Aktionen nicht bei rum.
    - Du wirst sicher Schwächen in der Arbeit haben.
    - Am Ende stellst du fest, dass dir noch Literatur fehlt.
    - Hinterher ist der Abgabetag und dir fehlen noch 10 Seiten.. Etc.

    Ich ahne langsam, dass diese Gedanken auch ihren Ursprung in der Kindheit haben. Meine Eltern sind beide ähnlich. Meine Mutter sprang schon in der Schulzeit um mich herum und redete mir vergleichbare Dinge ein; ich hatte das Gefühl, dass sie es nicht ertragen konnte, wenn ich vollkommen ruhig an etwas saß. Ich sollte mir mehr Stress machen, sonst wäre ich zu nachlässig. Mein Vater ist sowieso Pessimist in Person und erwartet immer nur das schlimmste.

    Tja, diese innere Disziplin fehlt auch mir. Ihc habe hohe Erwartungen an mich, will möglichst alles tadellos erledigen.. Aber habe eben Angst, zu scheitern. Wenn ich für Klausuren nicht lerne, denke ich, dass ich verdient durchfalle.. Das ist erträglicher als viel zu lernen und dann durchzufallen.
    Naja.

    Coachings hatte ich schon zu dem Thema; ohne Erfolg.
    Ich werde im Ref eine Therapie machen; finanziell ists jetzt noch nicht drin.. und diese Probleme dann mit ansprechen.

    Natalie