Hallo Miriel,
mir war klar, dass du auch Lehrerin wirst
Man erkennt sich einfach in den Texten wieder.
Darf ich fragen, welche Fächer du studierst?
Ich habe richtig Lust auf das Ref, wirklich. Endlich komme ich weiter, in ein geregelteres Leben, mit einem etwas höheren Lohn. Wobei der "Lohn" ein Witz ist, dafür, dass wir ein Studium abgeschlossen haben und 1,5 Jahre lang auf Freizeit verzichten.
Nunja. Ich habe mich so darauf gefreut.
Und nun dahin. Ich habe nun 2 Tage nachgedacht. JA, es fühlt sich nun an wie ein Rückschritt, da hast du Recht. Genau das dachte ich gestern auch. Ich wollte in die Stadt, weiter weg, Distanz einbringen.
Und nun? 25 Autominuten Entfernung.
Als ich vor ein paar Tagen bei meinem Eltern war und die ganzen Papiere dorthin mitgeschleppt und sortiert hatte (ich musste drei Briefe verschicken), hat mein Vater einfach so die Sachen durchwühlt und durchgeguckt. Normalerweise betrifft das immer das, was offen rumliegt- aber dieses Mal muss er sogar die Briefe herausgenommen haben. Tja, er hat den Seminarort entdeckt und fing dann schon an zu planen, dass ich dann ja wieder zu Hause einziehe.
Als ich "nein" sagte, war er todesbeleidigt. Was glaubt er denn? Ich war so wütend.. Geht das, was ich ihm seit Jahren sage, links rein, rechts raus?
Nunja. Erläuterungen erspare ich mir nun.
Also, nun weiß ich, dass mein Ausbildungsort 25Minuten von zu Hause entfernt liegt.
Dokumente werde ich nicht mehr mit nach Hause nehmen, und meine Eltern darüber nicht in Kenntnis setzen. Ich arbeite jetzt am Abschluss- vielleicht klappt es, dass ich mich rechtzeitig rückmelden kann. Wenn nicht, bin ich nicht traurig drum, dann beginne ich erst in 6 Monaten. Sollte es klappen, werde ich in dem einen Monat, den ich vorher frei habe, nach Wohnungen suchen und meine Eltern vor vollendete Tatsachen stellen.
Zu dem Seminarort: Ja, ich durfte wählen. Ich habe vier Regierungsbezirke ausgewählt, die allesamt NICHT in der Gegend meiner Eltern sind. Zugewiesen wurde ich dem Regierungsbezirk meiner Eltern, wie alle, die in meiner Gegend geboren sind und auch nicht dorthin zurück wollten.
Dann konnte ich mich auf einen Ausbildungsort bewerben- den Kreis meiner Eltern habe ich wieder nicht angegeben, sondern Orte, die 60km entfernt sind. Jetzt bekam ich einen Anruf, dass sie das trotz meiner Begründung nicht annehmen können. Aber- man hätte gelesen, wo ich geboren sei; in dem Ort gäbe es auch eine Schule. Ob ich die wolle? NEIN! Ich habs begründet, die Sachbearbeiterin Verständnis und hat eben den anderen Ort vorgeschlagen. Immerhin etwas. So hat sich die Distanz noch verdoppelt.
Puh, hab ich Schwein gehabt, dass sie mich noch anrief.. Und mich nicht einfach dorthin setzte.
Nunja.. Jetzt kann ich daraus nur das beste machen.
In mir keimt der Wunsch auf, die Nachreichfrist verstreichen zu lassen, was theoretisch ginge, da ich noch Zeugnisse etc nachreichen muss. Gesperrt würde ich dann nicht. Aber es wäre schade, dass ich so nicht mit zwei Freundinnen beginnen könnte, von denen eine genau die selben Fächer hat.
Ich fürchte, dass ich mich nur mit der Distanz gescheit von zu Hause abgrenzen kann. Meine Eltern setzen momentan alles daran, mich wieder einzulullen; drücken sämtliche Knöpfe. Es wäre eine unnötige Belastung, wenn ich dort landen würde. Andererseits verliere ich sonst ein halbes Jahr und es dauert uU noch länger, bis mein Freund und ich zusammenziehen können. Das wird wohl erst in 1,5 Jahren passen, wenn ich mit dem Ref fertig bin. Derzeit wohnt er über 200km entfernt.
Liebe Grüße,
Natalie