Hallo Brummbär,
die Gedanken, die du nun hast, hatte ich auch.
Aber das Problem bei Suchtkranken ist, dass man dazu neigt, sie wie Krebskranke (als Beispiel) zu behandeln. Krebskranken würd es sicher helfen, wenn man sie unterstützt und ihnen hilft, gesund zu werden.
Das große Problem ist, dass man den Leidensweg von Alkoholikern durch Hilfe nur verlängert. Der Alkoholkranke würd gerne weitertrinken- er ist schließlich süchtig und macht sich so lange, wie du dabei bist, alles noch läuft, etwas vor.. Nämlich, dass sein Verhalten so okay ist, es alles weiterhin funktioniert und er ja eigentlich keinen Grund hat, aufzuhören. Der Alkoholiker braucht seinen Tiefpunkt, der ihn zum Umdenken zwingt.
Daher das "in Liebe fallen lassen". Nur so zeigst du auf, dass es so nicht mehr weitergeht.
Ich dachte auch immer, es müsse doch in Mutters Sinne sein, aufzuhören. Es ist eine Sucht, die einschränkt- da sagt mir doch mein Verstand, dass man davon loskommen muss? Ich dachte, dass das Problem bestimmt "nur" ist, dass sie sich der Sucht nicht bewusst ist und ich ihr zeigen müsse, dass sie ein Problem hat.
Falsch gedacht!
Sie weiß es- aber sie duldet ihren Verfall.
Und je mehr ich ihr zeigte, dass es so nicht geht, desto mehr geht sie auf Abstand, wird böse und gemein. Wie deine Mutter. Du weißt doch, was sie davon hält? Sie sagte, dass es dich nichts angehe.
Im Prinzip hat sie recht- ein Recht zu trinken, ein Recht sich damit auf Dauer umzubringen.. Sie ist erwachsen und kann über ihren Körper selbst entscheiden.
Auch sie sieht an ihrem Kontostand, dass da was falsch läuft. Sie ist sich dessen, was du ihr sagen willst, bewusst. Aber sie schickt dich weg, weil sie das nicht hören will. Denn sie hat sich fürs Trinken entschieden.
Jetzt ist es bei dir, zu überlegen, was du willst.
So wie früher wird es wohl vorerst nicht mehr.. Setzt du dich zu ihr ins sinkende Boot oder gehst du ans rettende Land?
Momentan sitzt du noch im Boot.
Du kannst ihr leider nicht helfen. So lange du bei ihr bleibst und damit ihren Konsum duldest, trinkt sie weiter.
Du kannst nur auf dich aufpassen.
Die härteste Art "Stopp- so gehts nicht weiter" zu sagen, ist, sie erstmal fallenzulassen. Mehr kannst du nicht tun. Und es muss auch nicht sein, dass es sie wachrüttelt. Aber es ist das wirksamste, das es gibt.
Warum sie das macht.. Gute Frage. Ich weiß nicht, ob es einen einzigen Grund gibt. Ich frage mich auch immer, warum meine Mutter das macht. Bisher habe ich keinen Grund gefunden und es ist mühselig, das rauszufinden.
Lies mal die Geschichten hier im Forum. Viele Alkoholiker machen sich was vor und schieben anderen Menschen die Schuld zu. Meine Mutter gibt meinem Vater die Schuld daran. Er sei ja so schlimm. Jetzt vor kurzem habe ich erfahren, dass sie schon vorher grenzwertig getrunken hat, bevor sie ihn kennenlernte.
Es ist das einfachste zu sagen, dass andere Menschen Schuld an irgendwas sind. Schwieriger wäre es zuzugeben, dass einem manche Dinge über den Kopf gewachsen sind, dass es nicht DEN Auslöser gab, sondern man begann zu trinken, weil es sich gut anfühlte.
Stress auf der Arbeit hatte ich auch schon so oft deswegen. Da gab es so viele Dinge, auch gesundheitlich, die mir aufgezeigt haben, dass ich langsam an mich selbst denken muss und nun Schluss damit ist, zu ihr zu halten- weil es eh nichts bringt, sondern mich nur Belastung aussetzt.
Ich bin ein paar Jahre älter als du, aber sie trinkt schon, seitdem ich 3 oder 4 war.
Ich dachte immer so, wie du. Irgendwann hab ich gemerkt, dass sie es sich immer schön bequem macht und trank, während ich beschäftigt war, mir Gedanken zu machen.
Die Anstrengung war also der Mühe nicht wert. Sie trinkt immer noch; laut meinem Arzt ist es nun auch zu spät zum Aufhören. Ich denke oft darüber nach, was passiert wäre, hätte Papa mal wirklich durchgegriffen und sie vor die Tür gesetzt.. Aber jetzt ist es zu spät.
Zu Hause schlafe ich auch nicht mehr gut, aber ich bin dann auch mit Anfang 20 ausgezogen, weil ich merkte, dass es keinen Zweck mehr hat. Seitdem geht es mir besser. Sie trinkt immer noch, aber das würde sie auch, wenn ich da geblieben werde. Mitlerweile bin ich ernsthaft dadurch krank geworden und habe die ärztliche Anweisung, dass ich mich nicht mehr damit auseinander setzen sollte. Meine Krankheit ist seitdem nicht mehr fortgeschritten; ich hoffe, dass es so auch bleibt.
Ich war neulich bei einer Suchtberatungsstelle, die haben mir sehr geholfen. Vielleicht würde es dir auch helfen, dort mal unverfänglich hinzugehen?
In Charlottenburg gibts einige Angebote. Die können dich über deine Möglichkeiten aufklären bzw dir Tipps geben, wie du Gespräche mit deiner Mutter am besten führen kannst.
Wenn du sonst Fragen hast, kannst du sie hier stellen.
Alles Liebe,
Natalie