Beiträge von Hiob

    Hallo ReateO,

    klingt vielleicht blöd, aber an Deiner realen Mutter wirst Du nichts ändern können. Entscheidend ist die von Dir verinnerlichte Mutter, mit der Du unvermeidlich identifiziert bist. Wer immer hört, dass er nichts wert ist, der glaubt das irgendwann auch mit einem Teil von sich. Die kindliche Ohnmacht und Liebe fordert geradezu, dass wir uns identifizieren. Wir sprechen mit einer inneren Stimme so zu uns, wie das die Eltern damals getan haben.
    Wenn Du das durcharbeitest, und damit lernst eine liebevolle Mutter für Dich selbst zu werden, geht es Dir schon besser.
    Die Allgegenwart ist natürlich schwierig. Sieh mal auf Deine Stärken, wo Du anders bist als Sie. Dieser eigenen, individuellen Seite Raum zu geben finde ich ganz wichtig. Dann ist das eigene dünne Stimmlein irgendwann so kräftig, das die selbstentwertenden Stimmen verstummen.
    Hiob

    Liebe Zimttee,

    Du hast sehr offen, mutig und mit großer Klarheit geschrieben. Wenn Ihr die Zeit nach der Schule am PC verbracht habt, dann musst Du noch recht jung sein. PC´s gibt es ja noch nicht sehr lange.
    Das sind gute Voraussetzungen. Ganz wichtig finde ich die Wahrheit, Deine Wahrheit, die Du aussprichst. Damit hast Du schon mal mit der Familientradition gebrochen. Du hast Dir offenbar auch keinen süchtigen Partner gesucht.
    Das muss sich doch eigentlich schon mal gut anfühlen?
    Der Rest findet sich...
    Deine Worte stimmen mich wirklich zuversichtlich.
    Die allerbesten Wünsche schickt Dir
    HIOB

    Liebe Mitstreiter/innen!
    Bisher habe ich eigentlich wenig über meine Trinkgewohnheiten nachgedacht. Passt einfach nicht glatt zusammen, Lust und Vernunft. Ich habe abends öfter mal eine Flasche Rotwein getrunken, kann es aber auch gut sein lassen. Beim großen Kochen frage ich mich (zu) natürlich: "Welcher Wein passt dazu?" Wenn nichts im Haus ist, ist es auch gut. Durch die Abhängigkeit meiner NochFrau bin ich jetzt mit mir im Unreinen. Ich trinke kaum noch Alkohol, was allerdings auch meiner Figur zugute kommt. Ich möchte auch nicht dass die Kinder den Eindruck gewinnen, dass ich jetzt auch abrutschen könnte. Andererseits möchte ich nicht völlig auf Alkohol verzichten. Einmal die Woche etwas trinken oder wenn mal besonderer, seltener Besuch kommt, fände ich schon okay. Wie geht ihr damit um?
    Hiob

    Zitat von inbetween

    Was ich extrem spannend finde, ist die Verbindung zum Ausdruckstanz – spielt der in der Therapie auch eine Rolle?


    Liebe Lea, die Therapie ist aus dem Tanz entstanden. Albert Pesso und seine Frau Diane Boyden haben bei der Ausbildung von Profitänzern bemerkt, dass sich bei emotionale Blockaden nichts mehr bewegt, das es stockt. Sie haben den blockierten Tänzer/innen ein Gegenüber gegeben und an den Blockaden gearbeitet. (Form/ Gegenform: shape /countershape) Die Passung ist erhalten geblieben und eine unglaublich feinsinnige Körperbeobachtung, das "microtracking" ist weiterentwickelt worden. Getanzt wird dagegen eigentlich nicht in der Therapie, es sei denn es gehört zur Szene des Protagonisten.
    In Deutschland gibt es ein paar Nester: Osnabrück, München, Berlin? und Hamburg ist auf dem Weg, glaube ich. In Holland zahlt sogar die Kasse, aber nur ein paar Behandlungsstunden. - edit, bitte hier keine Therapeuten namentlich aufführen, danke, Linde - . Unter "Pesso Therapie" wirst Du im Netz fündig. Es gibt auch ein ein Taschenbuch von Tilman Moser: Strukturen des Unbewussten (Amazon)

    Liebe RenateO,
    das ist eine schwierige Frage. Einer meiner Lehrer hat einmal gesagt dass das, was Menschen anderen Menschen antun können häufig schlimmer ist, als das, was andere Menschen zu heilen vermögen. Aber auch Entbehrungen, die vor der Einführung von Sprache liegen, können behandelt werden. Ich war einmal dabei, als eine Szene im Brutkasten von einer Patientin bearbeitet wurde. Es war faszinierend und ich werde es nie vergessen. Das setzt natürlich eine gefestigte therapeutische Beziehung und Zeit voraus. Bei einem Wochenend-workshop geht so etwas nicht. Freud hat das Dilemma der Therapiezeit einmal mit dem Titel: Die endliche und die unendliche Analyse behandelt. Fertig damit wird man nie. Allerdings dauern manche Veränderungen lange und manches gelingt auch erst bei einem späteren Anlauf. Vor allem gibt es keine Erfolgsgarantie. Ich habe schon Menschen erlebt, die in sehr viel höherem Alter erfolgreich behandelt wurden. Wichtig wäre, wenn Du es versuchst, dass das Therapieverfahren auch für Deine "Störung" passt. Vielleicht etwas auch körperlich haltendes, wo Du ein Gefühl für eine Dich liebevoll haltende Mutter bekommen kannst. Wenn das Ersehnte plötzlich kommt, tut das auch sehr weh. Der seelische Schmerz kommt dann aus einer unerwarteten Ecke.
    Orthodoxe Therapeuten raufen sich wahrscheinlich die Haare bei dem, was ich hier schreibe. Die klassischen Methoden sind aber bei bestimmten Konstellationen retraumatisierend und damit schädlich. Andere sind zu oberflächlich, bleiben bei einem "Reden über". Schließlich haben manche Therapeuten auch zu viel Angst vor diesen seelischen Abgründen. Manchmal hilft auch eine stationäre Gruppentherapie in einer Klinik mehr als ambulante Versuche. Es gibt Häuser die psychodynamisch und körperorientiert arbeiten. Du könntest auch einen Psychotherapeuten (Tiefenpsychologie) aufsuchen und ein paar probatorische Sitzungen machen (5 zahlt die Kasse). Dann hättest Du eine Einschätzung und vielleicht eine Therapieempfehlung. Schließlich bliebe noch: Du weißt um Deine Wunden, gehst achtsam mit Dir um und verzichtest ganz bewußt auf Therapie. Horch mal in Dich, was der beste Weg für Dich wäre...
    Viel Glück auf Deinem Weg
    wünscht HIOB

    Lea (inbetween) hat mich gebeten in diesem Thread etwas beizutragen. Ich möchte deshalb einen Ansatz zum Verständnis von Co-Abhängigkeit aufzeigen, den ich sehr hilfreich finde.
    Damit hier keine Verwirrung aufkommt lüfte ich erstmal etwas mein Hemdchen. Ich habe selbst einmal erfolgreich Psychologie studiert, bin aber kein Psychotherapeut geworden. Etwas zwischen den Stühlen beobachte ich die Therapieszene kritisch und habe sicherlich das eine oder andere zu sagen. Betroffener bin ich hier durch die Alkoholabhängigkeit meiner Frau.

    Zum Thema: Beziehungsmuster in der Kindheit und Co-Abhängigkeit beziehe ich mich gedanklich auf Albert Pesso´s PBSP, eine Therapieform, die sich aus dem Ausdruckstanz entwickelt hat und die sehr szenisch und körperorientiert ist. Ein Kind ist auf die passende Erfüllung seiner Grundbedürfnisse durch bedeutsame Personen angewiesen. Wenn das oft in der Kindheit nicht passt, man also nichts, zu wenig, zu viel oder das Falsche bekommt, entwickeln sich fortdauernde Spannungen im Kind. Das hat ungünstige Folgen für die Entwicklung und die Selbstwertregulation.
    Wenn das Kind nun spürt, das einer bedeutsamen Person (einem Elternteil) etwas Wesentliches gefehlt hat, will es aus einem natürlichen Gerechtigkeitsempfinden heraus helfen. Es versucht diesen Elternteil zu trösten und den Mangel auszugleichen. Es bemuttert beispielsweise die Mutter und ist nur noch darauf bedacht keinen Ärger zu machen, Harmonie herzustellen. Es versucht ein Loch aufzufüllen, das eine Generation früher oder noch davor entstanden ist. Dabei verliert sich das Kind und verstrickt sich, im ungünstigsten Fall bis zum Tod, in eine lebenslange unlösbare Aufgabe. Es entsteht in einem kleinen Wesen, das selbst noch nicht satt geworden ist, ein unwiederstehlicher Drang zu helfen: Das Helfersyndrom. Damit nicht genug, das vertraute Muster wird auch bei Beziehungen im Erwachsenenalter aktiviert. Bedürftigen will man sofort helfen, die Selbstfürsorge verkümmert dagegen. Aus der Notfallreaktion, man möchte doch nur eine glückliche Mama / einen glücklichen Papa haben, wird eine psychische Struktur. Das sogenannte Falsche Selbst.
    Die Szenen, in denen sich solche Strukturen herstellen, sind dem Bewusstsein üblicherweise nicht (voll) zugänglich. Man merkt es nur, dass man z.B. nicht gut "nein" sagen kann. Wenn dann ein Partner mit einer latenten Suchtstruktur kommt, ist das vertraut - ist das wie ein Zuhause. Die ganzen sehnsuchtsvollen Kindergefühle warten jetzt auf Erfüllung, endlich wird alles richtig schön. Ein gesunder Partner ist dagegen eher uninteressant, weil die fixierten Gefühle nicht berührt werden. Außerdem hat man es sich ja schon zeitig abgewöhnt, mit sich selbst was anfangen zu können. Die Mischung von tiefer Sehnsucht und unbedingter Hilfsbereitschaft, gepaart mit fehlendem Überblick - wird dann zur Einbahnstraße Co-Abhängigkeit. Die Psychoanalyse nennt diese Bereitschaften Wiederholungszwänge.
    Wenn man nun an die Fixierungsstellen kommt, in die Szenen, in denen der Schalter umgelegt wurde, ist ein tiefgreifender Neuanfang möglich. Da wo wir früher überfordert (traumatisiert) wurden, stagniert das Wachstum der Persönlichkeit. Wenn das berührt wird, auch wenn wir schon Vierzig sind, fühlen wir uns wieder wie Fünfjährige, oder wir haben das Gefühl die Beine reichen nicht vom Stuhl bis zum Boden oder die Stimme bleibt weg. Wir wollen nun aber erwachsen werden, auch und besonders an den verletzten Stellen. In der Aktualisierung im Erwachsenenalter geraten wir in der Beziehung zum Süchtigen leicht in diese infantile Ohnmacht.
    Der "Trick" bei Pesso ist nun, das gute Erinnerungen gemacht werden, neurobiologisch. Man weiß natürlich trotzdem danach noch was im Leben schlimm gewesen ist. Ein Beispiel: X hat immer für seine depressive Mutter gesorgt, bis zur Selbstverleugnung. (Die reale Mutter ist egal, sie ist ein inneres Objekt geworden das X jetzt lenkt). Im Psychodrama, einer vom Patienten gestalteten Szene mit Gruppenmitgliedern wird das Geschehen von einst in Szene gesetzt und die Erinnerung komplettiert. Dann kann X formulieren, welchen Mangel die Mutter mit sich herumschleppte. In einer einfühlsamen Moderation kann X eine Lösung für die Mutter finden. Sie bekommt in der "ersehnten Szene" das, was sie gebraucht hätte. Aber, und das ist wichtig, diesmal nicht von X , sondern von Gruppenmitgliedern, die "ideale Eltern" für die Mutter sind. X kann aufatmen, er kann die Rolle verlassen und sich endlich um sich selbst kümmern, die Mutter ist ja jetzt gut versorgt. Das Besondere hier ist das Zusammenspiel von verinnerlichten Objekten, Körper, Szene, Projektion nach außen, Lösung und Rückwirkung auf den Protagonisten = Heilung. Das Ganze braucht natürlich sehr erfahrene Therapeuten und einen unbedingt geschützten Rahmen. Mein Anliegen ist es hier nicht, Werbung für eine bestimmte Therapieform zu machen, sondern die fortdauernden Wirkungen des infantilen im Erwachsenen aufzuzeigen und die Verstrickungen ohne einen autoritären Zeigefinger aufzuzeigen. Ein Verstehen kann schon manchmal etwas entlasten oder weiterhelfen. Die Therapieform ist übrigens leider (noch?) keine Kassenleistung und es gibt nur wenige Orte in Deutschland, wo sie verfügbar ist.
    Ich hoffe, der Zusammenhang von Beziehungsmustern in der Kindheit und unserem Thema wird für einige von Euch etwas durch meinen Beitrag erhellt. Therapeutisch führen viele Wege zum Ziel. Für meinen Zweck hier ist das Pesso Boyden System Psychomotor besonders geeignet.
    Ich wünsche Euch, dass ihr nicht zu streng mit Euch seid. Wer sich besser versteht, hat es vermutlich auch leichter sich mit seinen problematischen Seiten zu lieben.
    Viel Erfolg beim Abenteuer der Selbstentdeckung wünscht
    HIOB

    Liebe Lea,
    ich schreibe lieber neu, was ich dazu sagen kann. Nachdem ein Zitat berechtigterweise gelöscht wurde fehlt etwas essentielles. Außerdem möchte ich niemandem den Mund nach einem Verfahren wässrig machen, für das er kein Geld hat. Die Grundgedanken will ich aber gern in den Thread stellen. Wenn Tamara das möchte kann mein Beitrag hier auch entfernt werden.
    Ich mach mich also an die Arbeit...
    Hiob

    Lea, ich drück Dir alle Daumen dass es klappt. Den Herbst habe ich auch sehr gern, besonders, wenn der Ofen brennt und sich diese wohlige Wärme ausbreitet. Wenn dann noch ein leckeres Herbstgericht auf dem Herd schmurgelt (Provencalische Beinscheiben oder was mit Pfifferlingen) dann geht es mir richtig gut.
    LG Hiob

    Hallo Antigone,
    wir werden ja ein richtiges Pärchen. Was meinst Du? Dass ich ihr internistische Komplikationen wünsche?
    Ich wünsche ihr das, damit sie eine Chance hat auszusteigen, bevor das Hirn äthyltoxisch zerfällt. Ich weiß nicht ob Du diese Bilder kennst, die als Wernicke-Enzephalopathie oder als Korsakow-Wernicke Syndrom bezeichnet werden. Ich kenne das sehr gut. Hast Du schon mal ein Delir mit angesehen? Kannst Du Dir vorstellen, wie es Kindern geht, die das bei der Mutter erleben müssen?
    Manch Dinge sind für einen Erwachsenen schon unerträglich zu sehen.
    Vielleicht schreibst Du mal, was Dir über die Leber läuft, dann könnte ich auch darauf eingehen.
    Hiob

    Liebe Frau (seltsame Anrede),

    sie wohnt jetzt im Wohnzimmer. Das ist so groß wie bei anderen Leuten die Wohnung (Feudalismus von 1790). Was sie nicht ausstehen kann: Wenn ich Leute zu Besuch habe. Ich habe schon gedacht mal meinen ganzen Motorradclub von früher für ein paar Tage einzuladen...
    Kürzlich hatte sie enorme Beklemmumgen im Brustbereich. Ich sollte auf keinen Fall weggehen. Ich habe mir (für sie) einen internistischen Notfall gewünscht, Pankreatitis, Magendurchbruch oder Herzinfarkt. Leider war es nichts ernstes, ich glaube auf solche Zwischenfälle kann ich nicht setzen.
    Ein "Aufräumkomitee" (meine Familie, Schwester, ihre Mutter), das sich dem Haus widmet, wäre die Hölle für sie.
    Du merkst, ich bin mit der Frage etwas hilflos. Meinen Vorschlag, eine Wohnung für sie im Ort anzumieten, hat sie abgelehnt. Sie würde lieber wieder nach X (Kreisstadt) gehen. Das sehe ich noch nicht.
    Das mit der Scheidung erreicht sie allmählich. Ich hoffe, es ist wie beim Lotto. Wenn ihr klar wird, das es überhaupt nichts mehr zu gewinnen gibt, hört sie vielleicht auf zu spielen.
    Ich mache es ihr auch ungemütlich. Internet und Computer habe ich passwortgeschützt. Extras bekommt sie nicht mehr, nur Essen und Trinken -keinen Alkohol- und 200,-€ Taschengeld im Monat. Vielleicht sollte ich das Telefon noch unbrauchbar machen??? Das würde sie empfindlich treffen. Zur Not habe ich ein Handy.
    Sonst könnte ich die Situation noch eskalieren lassen und einen Notarzt zur Einweisung rufen oder sie rausklagen.
    Ich fürchte, dass es ein wenig länger dauern wird.
    Völlig pervers, irgendwelche Blödmänner im Dorf haben mich beim Tierschutz angezeigt, weil meine "Tierhaltung nicht in Ordnung sei". (Pony hatte kein frisches Wasser, bekommt aber täglich genügend) Jetzt kommt Morgen der Amtstierarzt zur Kontrolle. Zum Schutz der Kinder gibt es dagegen kein Amt. Deutsch Vaterland...
    Ich gebe zu dass ich im Moment nicht alles schaffe. Am liebsten würde ich alle Tiere abschaffen, ich will aber nicht, dass die Kinder das auch noch verlieren. Insoweit bin ich jetzt etwas unglücklich.
    Hiob
    der eigentlich ein Noah ist und sich zu viel ins Boot geholt hat.

    Liebe Herzeloyde,

    (wenn Dein nick Herzeleid bedeutet wundert mich Dein Festhalten nicht, sonst würde der Name ja nicht mehr stimmen wenn sich was ändert).

    Ich habe ein bischen zurückgeblättert. Das mit der Hoffnung kenne ich auch. Wenn er Wäsche abnimmt, wenn meine Frau dem Hund eine Zecke entfernt hat oder wenn die Küche mal schön aussieht.
    Das sind aber alles ganz normale Sachen, wenn wir so etwas Feiern zeigt das nur, an welche schäbigen Verhältnisse wir uns schon gewöhnt haben.
    Zur Attraktion: Klaus Kinski ist für mich so ein Prototyp. Langweilig ist das nie. Man muss aber damit rechnen erschlagen, gedemütigt und entwertet zu werden. Mit dem könnte ich nicht mal eine halbe Stunde zusammenleben. Roman Herzog hat das im Film "Geliebter Feind" ja schön gezeichnet.
    Zum Auszug: Du bist Vermieterin. Wenn ein Mieter nicht geht, bekommt er normalerweise eine Räumungsklage. Näheres zu dem Stichwort im Netz.
    Ich habe mal gelernt, das "sadomasochistische Objektbeziehungen" am stabilsten sind. Perverserweise scheint da was dran zu sein. Ich wurde in einer Hansestadt mal Zeuge, wie ein Drogenabhängiger hinter seiner Freundin herging und ihr unablässig und sehr schlimm in den Hintern trat. Ich bin dazwischengegangen, obwohl ich Angst vor Bissen und Infektionen hatte. Im Handumdrehen ging das Paar gemeinsam auf mich los und ich wurde mit den übelsten Anreden bedacht.
    Du hast die Wahl eine Herzefroide zu werden oder auf dem Karussel sitzen zu bleiben.
    Hiob

    Lieber Antigone,

    meine Wünsche löschen lassen, das werde ich sicher nicht. Ich will sie Dir aber gerne erläutern, vielleicht rückt das Einiges gerade:

    1. Hingabefähig heißt für mich: Die Kontrolle auch einmal aufgeben zu können, Vertrauen haben, auch mal vor Glück weinen zu können oder in einen Zustand zu geraten der die Grenzen mal kurz aufhebt. Ozeanische Gefühle... naja, Sprache hat eben Grenzen.
    2. Schön ist für mich nicht hohl wie Claudia Sch... . Beruflich habe ich manchmals mit Greisen zu tun, auch die können schön sein. Schön in meinem Sinn sind vielleicht Mahatma Gandhi, Hilde Knef, Armin Müller-Stahl, Hanneöore Elstner und der Dalai Lama. Ich möchte, in diesem Sinne einen schönen Menschen lieben. Wir haben ja auch einiges zu bieten. Meine Töchter sind wunderschön.
    3. etwas Geld haben: Ich bin eigentlich ein sehr großzügiger Mensch und materielle Dinge sind mir sicher nicht besonders wichtig. Was ich in der letzten Zeit erleben musste verdeutlicht vielleicht was ich meine. Meine NochEhefrau hat das gesamte Kindergeld über Monate ausschließlich zum Saufen verwendet. Sie hat unseren Töchtern sogar das Geld aus den Spardosen genommen. Ich wünsche mir deshalb eine Frau die finanziell unabhängig ist. Sie soll nicht an meinem Tropf hängen und ihren Anteil beitragen können. Mehr nicht.
    Jetzt mal Klugscheißmodus an: "Ich verstehe Deinen Beitrag auch als in der unbewussten Dynamik dieses threads verhaftet. Es geht schließlich darum wie man sein darf. Da kommt dann schnell der Wunsch nach Zensur, Selbstbeschränkung, wenn man bei sich ist. Der inhärente Widerspruch des Themas eben" Klugescheißmodus aus.
    Dass Du meine Beiträge sonst gern liest, freut mich allerdings. Ich weiß oft nicht, ob die Leute hier mit meinen Gedankengängen und Zitaten viel anfangen könen. Manches sieht vielleicht angelesen aus.
    Schließen möchte ich diesen Beitrag mit einem Gedicht von Hermann Hesse:

    edit Martin:keine fremden Gedichte einstellen, danke

    Wenn dies nun auch wieder nicht erlaubt ist und hier nur ein "edit" steht, bemüht bitte die Suchmaschinen zu: Hesse Eigensinn...
    die Lektüre lohnt sich.
    Hiob
    (der immer schöner wird, sich gleich zwei Bleche Knäckebrot bäckt und dann auf einen Kunsthandwerkermarkt fährt)

    Liebe Melanie,
    Deine Zweifel kann ich gut nachempfinden. Ein altes französisches Sprichwort heißt: Die Liebe ist das Kind der Freiheit. Es gibt sogar ein gleichnamiges Buch von einem Psychoanalytiker. Schwierig ist es ja wohl grundsätzlich, in Verbindung zu sein und sich selbst treu zu bleiben.
    Darüber hinaus riecht irgendetwas aus Deiner neuen Beziehung nach mehr, als nach der allgemeinen, grundsätzlichen Schwierigkeit. Wenn ein/e Kandidat/in nicht alleine sein kann oder wenn die Sehnsucht nach Gemeinsamkeit sehr groß ist (...ich brauche Dich zum Leben...) dann sollten die Alarmglocken schon läuten. Die Gefahr, dass man als Plombe für eine alte Verletzung gebraucht wird, ist sehr groß. Die alten Wunden oder gestörten Strukturen kann man als Partner/in aber nicht heilen! Wenn ich hier Beiträge lese, zeigen sie die süchtigen Partner oft sehr gespalten: Einerseits gesellig, charmant, eloquent und manche sogar faszinierend, andererseits bedürftig, ignorant, berechnend, erpresserisch und völlig skrupellos. Wenn sie ihr Ziel erreicht haben offenbaren sie sich erst. Mir fällt das Bild eines Seesterns ein, der auf einer Muschel hockt. Wenn sie atmet nutzt er jede Lücke bis er mit den Saugnäpfen an das leckere Fleisch kommt... Wachsamkeit kann also nicht schaden.

    Wenn ich mich auf eine neue Partnerin einlasse, müsste sie: Alleinsein können, genussfähig sein, in sich ruhen, Freundinnen haben, humorvoll und begeisterungsfähig sein, gut riechen, sich selbst mögen und warten können. Wenn sie dann noch hingabefähig und schön wäre und vielleicht etwas Geld hätte; natürlich müsste sie auch mein Töchter akzeptieren- könnte ich mir das vorstellen. Jetzt sagt nicht sowas gibt´s nicht. Im Ernst, ich hatte solche Freundinnen. Leider war ich damals so blöd und musste immer weiterziehen.
    Du bist attraktiv und hast die Wahl, wenn er eine frühe Störung hat oder wenn er eine Mama sucht, lass ihn laufen. Schau Dir auch seine Freunde an. Wie geht er mit unbelebten Objekten um, hat er Pflanzen. Wie sieht sein Garten aus, seine Bücher, sein Kofferraum.

    Ich bin sehr gespannt wie es weitergeht!
    Hiob

    Zitat von teddamitzu


    Das Schlimmste (mit Schlimmste) sind die Annäherungsversuche. Augen zu und durch, denke ich mir dann. Und bin in einer anderen Welt. Lehne ich ab, ist ein riesengroßes Theater da. Solange bis ich mir denke, ok.....du schaffst auch das.....lass' ihn einfach das benutzen, das bist nicht du, das ist nur dein körper. Dazu muss ich sagen, das ich als Kind von meinem "Onkel".....daher kenne ich das Gefühl.Mitzu


    Liebe Mitzu, das ist wirklich schlimm. Mutig ist, dass Du darüber schreiben kannst. Durch Missbrauch gerät beim Opfer leider einiges durcheinander. Bspw. entwickeln viele die Tendenz sich selbst eine Mitschuld zu geben. Das Körperschema gerät ja sowieso durcheinander und die "Beschmutzung" führt paradoxerweise zur Selbstverachtung. Bei Gewalt kommt es in der Not zu merkwürdigen Identifizierungen mit den Tätern. Manche Geiseln verlieben sich sogar in ihre Entführer. Anna Freud hat als erste diesen Abwehrmechanismus entdeckt und Identifizierung mit dem Angreifer genannt. Je kleiner das Opfer ist und je ungünstiger die Umstände zur Verarbeitung sind, um so gravierender sind die Langzeitfolgen. Deine Depersonalisierung "das bist nicht du, das ist nur dein körper" zeigt ja die andauernden Folgen. Eigentlich solltest Du das sortieren lernen, am besten in einer guten Klink in einer Gruppe. Die Spaltung die Du beschreibst ist ein absoluter Notfallmechanismus, auf keinen Fall dafür geeignet einen unerträglichen Alltag erträglich zu machen. Ich hoffe, ich schwatze hier nicht zu klug, manchmal fällt mir aber ein was ich gelernt habe.
    Hiob

    Zitat von teddamitzu


    Versteht Ihr, was ich sagen will? Ich komme mir vor wie in einer Wäscheschleuder, mal links, mal rechts rum, mal quer durcheinander. Aber welche Richtung jetzt gerade dran ist, weiß nur er. Ich frage mich oft, ob ich ihn einfach falsch verstehe, ob ich so dumm bin, den Kontext zu erkennen. Wenn ich nachfrage, habe ich Bildzeitungs-Niveau.MItzu


    Mitzu, was Du erlebst ist Gehirnwäsche. Die Folterknechte totalitärer Staaten wenden ähnliche Strategien an, um politische Gegner zu zerbrechen. Erde Dich mit Wahrnehmung, wie Du schon begonnen hast. (Riechen, Hinsehen, Fühlen)
    Schütze Euch vor Übergriffen, wie Broti schon schrieb. Du musst das nicht aushalten!
    Hiob

    Zitat von Irini

    (
    Ich glaube nicht, dass ich in Zukunft Wut auf ihn bekomme, dass ich ihn dafuer beschuldigen werde, er habe mein Leben ruiniert. Eine solche Phase kann ich zwar nicht ausschliessen aber ich weiss, sie wird voruebergehend sein.


    Liebe Irini, eine Weile hatte ich Wut, fühlte mich verraten und allein gelassen. Das ist jetzt vorbei. Geholfen hat mir die Vorstellung, dass Alkoholkranke nur noch eine Möglichkeit nutzen können um Ruhe ins Hirn zu bekommen: Saufen.
    Das "hilft" immer. Wegen der Entzugserscheinungen geht es auch garnicht mehr anders. Unser Gerede, Gezeter, Empfehlungen und Apelle bleiben dagegen äußerlich. Ein kräftiger Schluck - und schon ist alles andere bedeutungslos. Wir haben nur einen winzigen Berührungspunkt mit dem Kranken. Das Suchtmittel dagegen ist überall, es ist die Generalantwort auf alle Widrigkeiten des Lebens geworden.
    Ich hatte mit meiner Frau über unsere Töchter gesprochen und war sehr traurig und besorgt dabei. Wegen Bemerkungen zum Zeugnis der Kleinen, über das Frauen- und Mutterbild, das in diesen noch kleinen Mädchen entsteht, das sie kein weibliches Vorbild mehr haben an das sie sich halten können... Über die Reizbarkeit und Aggressivität und Ungerechtigkeit. Alles wichtige Themen.
    Sie, eine studierte Frau, grinst nur blöde und versenkt dann alles im Nebel von Prosecco und - edit - Sekt.
    Da habe ich schmerzlich begriffen wie bedeutungslos wir alle für sie geworden sind.
    Eigentlich kann man das ja garnicht kapieren, das die bunte Vielfalt des Lebens und auch der Problemlösungen durch C2H6O (chemische Formel für Alkohol) vollständig verdrängt und ersetzt werden können. Armselig ist das. Vielleicht helfen diese Gedanken dem Einen oder der Anderen, die sich Illusionen über die Veränderbarkeit von Trinkern machen.
    (Ich krieg jetzt bestimmt wieder was auf die Mütze, weil ich hier Markennamen von Alkohol nenne. Ich finde aber, wer Werbung dafür macht sollte auch damit leben können.)
    Schönen Tag für Euch
    Hiob

    Liebe Lea,
    im Laufe meines Lebens habe ich eine Menge kennengelernt: Bioenergetik, Psychodrama, Psychoanalyse, Analytische Einzel- und Gruppentherapie, Imagination, Familientherapie, Konzentrative Bewegungstherapie usw...
    Viele wertvolle Dinge sind im Machtgerangel um das Psychotherapeutengesetz auf der Strecke geblieben und sterben aus.
    Das besondere an Psychodrama, Familienaufstellungen und Pesso-Therapie ist, dass die verinnerlichten Objekte nach draußen kommen. Man kann sie betrachten, hören, ihnen widersprechen.
    Die Regression ist nötig, damit wir das traumatisierte Kind in uns abholen. Ein "Reden über", das am schmerzhaften Erleben vorbei geht, ist nicht heilsam. Es bleibt gewissermaßen äußerlich. An den Fixierungsstellen, also da wo wir früher überfordert (traumatisiert) wurden, stagniert das Wachstum der Persönlichkeit. Wenn das berührt wird, auch wenn wir schon Vierzig sind, fühlen wir uns wieder wie Fünfjährige, oder wir haben das Gefühl die Beine reichen nicht vom Stuhl bis zum Boden oder die Stimme bleibt weg. Wir wollen nun aber erwachsen werden, auch und besonders an den verletzten Stellen.
    Der "Trick" bei Pesso ist nun, das gute Erinnerungen gemacht werden, neurobiologisch. Man weiß natürlich trotzdem noch was im Leben schlimm gewesen ist, die vom Kind ersehnte Szene wird aber einfühlsam exploriert und dann erfüllt. Man bekommt also genau das, was man so schmerzhaft vermisst hat. Der erwachsene Patient wird in der Arbeit (Struktur) immer wieder befragt. Es wird ihm auch erklärt was passiert, damit er das intensive Erleben auch integrieren kann. Mit Verhaltenstherapie kann ich persönlich nicht viel anfangen. Vielleicht liegt das aber auch teilweise an den Therapeuten, die ich kenne.
    Alles ist relativ, da kennt einer so viele Therapieformen und heiratet trotzdem eine Süchtige...
    Mir ging es nicht darum Werbung für eine bestimmte Therapie zu machen, sondern ich finde schön, wie menschlich und annehmbar die Co-Abhängigkeit aus dieser Perspektive beschrieben wird. Wer privilegiert ist kann alles ausprobieren, für die anderen gilt: Die Kassen zahlen leider nur noch VT und Tiefenpsychologie / Psychoanalyse. Mehr schreibe ich jetzt nicht dazu, probier ob es Dir liegt. Bitte nicht verwechseln, zwischen Hellinger (Familienaufstellungen) und Pesso liegen Welten, auch wenn ähnliche Techniken eingesetzt werden. Es wäre viel einfacher zu sprechen als dieses unsägliche Getippe, aber so ist es nun mal in Foren.
    Schöne Träume.
    Hiob

    Zitat von teddamitzu


    Er stößt mich mit seinem beleidigendem und kränkenden Verhalten in tiefste Tiefen, straft mich mit Schweigen, vermeidet Körperkontakt, als hätte ich die Krätze.


    Liebe Mitzu,
    Du schreibst wieviel er konsumiert und deutest an wie er aussieht, verhärmt, abgemagert. Bei den Alkoholmengen kollabiert auch der Stoffwechsel. Es riecht muffig, säuerlich oder nach Azeton. Jedenfalls nicht nach menschlicher Wärme, Frische oder Verführung. Dann schreibst Du: "Er vermeidet Körperkontakt als hätte ich die Krätze." Tatsächlich hat er die Krätze. Deine Krätzemetapher beinhaltet aber noch etwas anderes, eine Verletzung der Körpergrenze durch Parasiten.
    Als ich mit dem Rauchen aufgehört habe hatte ich ein Döschen mit Zigarettenkippen. Wenn mich Rückfallgelüste quälten habe ich den Deckel aufgemacht, daran gerochen und mich gefragt: "Willst Du dir das jetzt wirklich einverleiben, hast Du danach Sehnsucht?" Ich habe dadurch nie wieder geraucht.
    Wenn Du es Dir innerlich leisten kannst Deinen Sinnen zu vertrauen und hinzuriechen, frage Dich mal: Will ich seinen Atem einatmen, will ich ihn in mir haben, macht mich diese Nähe glücklich???
    Bei Dir ist wohl gerade einiges sehr verdreht. Wenn meine NochEhefrau mir zu nahe kommt sehe ich erst mal ihr struppiges, talgiges Haar. Sie dünstet das Gift mit den Poren aus, obwohl sie "nur" 3 bis 4 Flaschen Wein/Sekt am Tag trinkt. Zusätzlich schleppt einen Nikotinschleier mit sich herum. Ich gehe dann auf Distanz, Nähewünsche kommen da überhaupt nicht auf.
    Wieso also hast Du die Krätze? Ich wünsche Dir ein paar Tage am Meer, damit sich Deine Sinne regenerieren. Ich wünsche Dir, dass Du Dich selbst wieder liebenswert finden kannst und dass Du lernst eine liebevolle Mutter für Dich selbst zu sein. Viel Kraft für Dich!
    Hiob

    Hallo Lindi,
    mir fällt zu dem, was Du schreibst etwas anderes ein. Lass uns einen Schritt zurücktreten, aus der Entfernung sieht man manches deutlicher: Eine herzensgute Bekannte (sicher auch aggressionsgehemmt) hat bis vor kurzem allein ihre Demenzkranke Mutter gepflegt. Bis zum Tod. Es kamen noch einige Probeme dazu und ein frisch verlassener Nachbar hat "ihr sehr geholfen". Sie hat sich gefreut, aber gleich gewusst dass die Wellenlänge zu diesem Mann nicht stimmt. Nonverbal hat sich dann wohl einiges vermengt und jetzt wird sie krank unter der Beziehung.
    Eigentlich ist das unsere (Selbst)verantwortung, dass wir nett sein, Hilfe bekommen, Gesellschaft in schweren Stunden usw. nicht zu verwechseln mit Liebe und langfristiger gemeinsamer Perspektive und dies auch deutlich machen.
    Nun haben wir aber nicht immer einen Supervisor an der Seite, der uns vor Frühgestörten und den Verwicklungen mit ihnen warnt. Wenn unsere Kräfte nicht mehr reichen, dann freuen wir uns erst einmal, wenn überhaupt jemand da ist- auch wenn sich das später als falsch erweisen sollte. Es wäre besser gewesen, wenn Du dein Revier deutlich abgesteckt hättest. Trotzdem bist Du nicht verantwortlich für die eigentlich autonomen Aufgaben des Ex. Bei sehr bedürftigen Menschen geraten wir leicht in Rollen, die auch uns nicht gut tun.
    Die "Opfer Umkehr" Theorie bei Dir finde ich etwas hergeholt. Die Lebenssituation war ja wohl mehr als schwierig. Beim Wiederholungszwang und bei der Übertragung geht es "um einen Irrtum in der Zeit". Objekte der Gegenwart werden wie solche der Vergangenheit erlebt und behandelt. Das reicht oft auch in die Partner und Berufswahl. Mit diesem Problem kämpfen mehr oder weniger alle. Auch gute Psychotherapeuten müssen sich in langen Selbsterfahrungen ihren Helfermotiven stellen und verstehen lernen, welches unbewusste Leiden sie in den Beruf führt.
    Ich muss jetzt leider aufstehen. Überdenk mal Dein "Beuteschema". Wenn es immer nach der selben Melodie klingt solltest Du mehr verstehen lernen. Sei aber bitte nicht so streng mit Dir!
    Hiob

    Liebe Tamara,
    Du schreibst von co-abhängigen Beziehungen in den letzten Jahren, Deinem ständigen Einsatz für andere und von einem -nennen wir es Leeregefühl- obwohl es Dir nach den Umständen gut gehen müsste. Ich habe über die Jahre einige Erfahrungen gemacht, und was Du schreibst erinnert mich sehr an holes in roles (Löcher in Rollen). Es ist ein Konzept aus der Therapie von Albert Pesso. Hier ein kleiner Ausschnitt:

    - edit, bitte keine fremden Texte einkopieren wg. Urheberrecht, danke, Linde -
    Das Schöne an dem Ansatz ist, dass er nicht pathologisiert, sondern die aufrechten Wünsche und Gefühle des Kindes aufgreift und die langfristige Wirkung im Erwachsenen verstehbar macht. Im Extremfall ist man so lange fürsorglich (treu) bis das Leben vorbei ist. Die Therapie greift die verschütteten Szenen auf und die Eltern bekommen im Psychodrama das, was sie gebraucht hätten. Aber nicht vom Kind, sondern- und das ist entscheidend, von anderen. Wenn das Kind (der Patient) erlebt, dass die Löcher bei den Eltern verschlossen werden kann es endlich unbeschwert Kind sein und sich um seine Interessen kümmern.
    Du hast ja bereits eingangs von der Unmöglichkeit geschrieben: "gibt es Hilfe im anonymen - oder auch etwas nebulösem?" in Foren anonym hilfreiche Beziehungen einzugehen. Trotzdem möchte ich Dir einen Vorschlag machen, weil ich nicht weiß, wie tief Deine Therapie gereicht hat. Versuch einmal Kontakt dazu zu bekommen, welche unausgesprochene Not Deine Eltern als Kinder erlitten haben. Stell Dir dann bildlich (als Szene) vor, was sie gebraucht hätten. Wenn Dich das tief berührt ist es wahrscheinlich, das in der Mehrgenerationenebene noch einiges wirksam ist. Vielleicht ist es aber wirklich nur ein Durchhänger bei Dir. Es geht übrigens nicht darum Schuld und Fehler der Eltern zu entschuldigen oder zu verleugnen. Nur ist unser Seelenleben so kompliziert, das wir uns unbewusst sogar mit dem Opfer im Täter identifizieren und ihm helfen wollen, gerade wenn wir noch klein sind.
    Mir ist dieses gängige Co-Abhängigkeitsmodell oft zu mechanistisch. Wer seine Motive versteht kann auch mit dieser Seite von sich Verständnis- und liebevoller umgehen. Ich hoffe, es ist trotz des seltsamen Internetkontakts verstehbar, was ich meine.
    Ganz herzliche Grüße
    Hiob

    Hallo Lindi,
    Danke für den Beitrag. Aktenkundig ist nicht viel, nur eine Einweisung für stationäre psychiatrische Behandlung. Die Diagnose ist allerdings etwas unspezifisch. Nach Augenschein braucht es aber auch keine dicken Akten. Meine NochEhefrau (blödes Wort, gibt es ein besseres?) sieht ziemlich bedauernswert aus, wie eine ausgezehrte Trinkerin eben. Außerdem hat sie jetzt einen Erlebenshunger und würde sich bestimmt durch die Kinder gebremst fühlen.
    Die Kinder sagen ganz eindeutig dass sie bei mir bleiben wollen. Deshalb mache ich mir keine allzu großen Sorgen. Wenn sich Munition findet werde ich sie auch einsammeln. Ich könnte das Jugendamt ja noch einmal anrufen und um Moderation bitten. Dann gibt es immerhin eine Akte.
    Nächste Woche kommt eine alte Freundin und frühere Liebe von mir auf der Durchreise für 2 bis 3 Tage vorbei. Ich will ihr mal zeigen wo ich hier in Ostdeutschland gelandet bin. Vielleicht leihe ich uns Pedelecs aus und wir können dann ein paar Ausflüge machen. Ich freue mich jedenfalls darauf. Auf die Stimmung hier ist sie vorbereitet und in der Nähe gibt es ein Hotel, falls es zu angespannt sein wird. Einen Urlaub, den ich mit den Kindern im Herbst auf La Gomera machen wollte, werde ich streichen. Einmal wegen der verheerenden Waldbrände, vor allem aber auch weil das Geld sicher sehr knapp wird. Alternativ machen wir Ferien am Wattenmeer, dort haben wir Freunde und die Mädels waren noch nie an der Nordsee. Gleich werde ich noch einen Passwortschutz für mein Notebook eintragen, damit Bank und Mailzugriff geschützt sind. Auch der Internetverlauf sollte jetzt besser geheim bleiben. Gerade habe ich gesehen dass es auch ein Scheidungsforum gibt. Das überlass ich aber meinem Anwalt. Die Psychotherapiestunde heute war übrigens gut. Es ging u. a. um Übertragung und Gefühle im Umgang mit Süchtigen. Genauer, dass sie ihre erlebte Wertlosigkeit im anderen unterbringen wollen und deshalb öfter versuchen gewalttätige Reaktionen zu provozieren. Meine NE hat schon oft gebrüllt: "Dann verklopp mich doch!" Oder: "Dann bring mich doch um!" Selbst wenn ich nur gebeten hatte das schmutzige Geschirr wegzuräumen oder eine Anfrage von einer Behörde zu beantworten. Diese "induzierte Wut" habe ich schon häufiger gespürt. Zum Glück kann ich mich bremsen. Sich so verraten und mit allem allein gelassen zu fühlen macht natürlich auch wütend. Ich ahne jetzt, was alleinerziehende Frauen so alles durchmachen, die noch viel schlechter dastehen als ich und vielleicht noch in Schichten arbeiten gehen müssen.
    Jetzt geht ein guter Tag zu Ende. Keine Tränen, keine Wut, ein gemähter Rasen (naja, eine Wildkräuterwiese) und die Aussicht auf eine schöne freie Woche.
    Hiob