Beiträge von Hiob

    ich habe jetzt die Scheidung eingreicht. Sie hat das Trennungsjahr bestätigt, so dass einer baldigen Scheidung nicht mehr viel entgegensteht. Obwohl ich au pair toll finde, wegen der kulturellen Anregungen und weil ich gern auch jüngere Menschen um mich habe, will ich doch etwas anderes versuchen. Eine "Kindergartentante" meiner Mädels ist in Vorruhestand gegangen. Vielleicht kann ich sie dafür gewinnen morgens zum Wecken und Verabschieden und am Nachmittag für ein paar Stunden da zu sein. Vermutlich ist das auch bezahlbar und eine gestandene Frau hat den möglichen Attacken meiner Noch-Ehefrau mehr entgegenzusetzen als ein au pair.
    Ich heiz mir jetzt den Grill an und mach mit dem Nachbarn ein paar Spieße.
    Bis demnächst.
    Hiob

    Hallo meerjungfrau,
    das klingt alles sehr nach einer Wernicke-Enzephalopathie. Typisch ist dabei der weitgehende Untergang des Neugedächtnisses. Die Schwester gibt es dann eigentlich schon nicht mehr, es ist nur noch der Alkohol, an dem der Rest von ihr wie eine Marionette hängt. Sowas kann man natürlich testen, bei einer fortgeschrittenen Zirrhose hat das aber eigentlich keinen Sinn. Vitamin B1 Substitution bringt dann auch nichts mehr. Es gibt Bilder dazu -wie die Marionettenkarikatur, die einem die Machtverhältnisse verdeutlichen. Ich habe solch ein Bild in der Suchtberatungsstelle gesehen. Wo man noch den geliebten Menschen vermutet ist nur noch der Alkohol. Die Ohnmacht zu fühlen ist heilsam, dann beginnt man sich zu schützen und springt nicht mehr auf dieses Karussell auf. Es ist aber auch schmerzhaft. Vielleicht ist dieser Schmerz der Preis für die Wahrheit, für unsere persönliche Wahrheit. Ich habe angefangen mich mit diesem Schritt freier zu fühlen. Was wir nicht einsehen und begreifen wollen ist der Unsinn der Sucht, deshalb rücken wir an und wollen alles richten. Ich wünsche Dir die Kraft aus der ersten Reihe zurückzutreten und die Trauer über das Unabänderliche auszuhalten.
    LG Hiob

    Ich habe nochmal nachgelesen was es mit HIOB auf sich hat. Er wird durch den Teufel geprüft, verliert alles, bleibt aber schließlich standhaft und erhält schließlich das Doppelte... und neue Kinder, weil die alten leider geopfert werden mussten. :cry: Das will ich natürlich nicht, meine Mädels sind mir lieb und teuer. Der Nick fiel mir ein, weil ich in ungeheurer Dichte eine Hiobsbotschaft nach der anderen verkraften musste, im Nachhinein wäre weniger dramatisch auch gut gewesen.
    Sie hat heute die Küche aufgeräumt und ich Narr freue mich darüber. Wahrscheinlich spürt sie, dass es nun ernst wird. Danach wollte sie dass ich ihr Geld gebe und jetzt droht sie, dass ich in der Bildzeitung von ihr lesen werde.
    Linde, dass ich das Elend meiner Frau nachempfinde heißt nicht, dass sie hier weitermachen kann. Es ist aber gut, dass Du den Finger in die Wunde legst. Das Wechselbad der Gefühle ist eben auch sehr anstrengend. Dieses Forum ist vor allem so wertvoll für mich, weil ich hier erwachsene Gegenüber habe, die mich aus den spiralförmigen tristen Gedanken holen. Ein Kollege empfahl mir heute einen gemeinsamen Rechtsanwalt, weil das die Kosten enorm senkt. Um Güter wird es keine wirkliche Auseinandersetzung geben. Auf das Sorgerecht verzichtet sie bestimmt auch. Jetzt kommt diese Buchhalterarbeit auf mich zu die ich hasse: Eheliche Kosten zusammenstellen, Gehaltsabrechnungen sortieren, Hausfinanzierung und Kredite offenlegen. Einigung beim Trennungsjahr kann die Scheidung enorm beschleunigen, mein Anwalt schrieb mir: Kannst Du veranlassen, dass sie dir den Trennungszeitpunkt schriftlich bestätigt? Vorteil wäre kein Trennungsjahr und kein Trennungsunterhalt, sofortige Scheidung kann beantragt werden. Das hat nur Vorteile für Dich und Deine bravourösen Töchter. Ich werde ihn gleich nochmal anrufen. Zu au pair habe ich mich etwas eingelesen. Es klingt ermutigend und ist bezahlbar.
    Nebenher tauchen Szenen aus meiner Kindheit in mir auf, Bilder mit meinem betrunkenen Vater der uns demütigte und beschämte. Alles hämmert gleichzeitig auf mich ein, Kindheit, Arbeit, Kinder, Anwalt, Frau... Das viel zu lange Wachbleiben Gestern war aber gut. Ich bin noch seelischen Schmerz losgeworden und habe geschluchzt und geweint. Aufgewacht bin ich zu spät aber ausgeruht. Ernst Bloch fällt mir ein: "Ich bin. Aber ich habe mich nicht. Darum werden wir erst." So long.

    Zitat von inbetween


    Wie ist es: wird/will deine Frau ausziehen, habt Ihr darüber gesprochen?


    Liebe Lea, meine Frau schwankt da sehr. Einerseits bietet sie Unterhaltsverzicht an (was nicht geht, weil nicht absehbar ist das sie jemals wieder ein eigenes Einkommen erzielen kann), andererseits droht sie mir mit Frauenanwälten und Frauenhaus und will gleichzeitig auch hierbleiben. Im Moment sieht sie auch wirklich recht geschunden aus, sie hat eine lesbische Freundin und die beiden richten sich übel zu. Mir ist das aber egal. Was mir nahegeht: Meine Frau ist als Säugling in ein DDR Wochenheim gekommen. Die Babies wurden dort Montags abgegeben und Freitags wieder abgeholt. Noch bevor sie einen Zeitbegriff oder Sprache hatten oder sich trösten konnten wurden sie regelmäßig so traktiert. Die Mutterbeziehung war zusätzlich noch vergiftet, der Vater lebte seine Affären aus. Sie kann bis heute nichts richtig liebevoll besetzen. Ihr Fahrrad steht bei Schnee und Regen draußen, Blumenkästen lässt sie vertrocknen, ihr Zimmer hat sie niemals schön für sich gemacht. Ich glaube diese Bindungsstörung macht es, dass sie nicht gehen und auch nicht (nach Entgiftung) bleiben kann. Es rührt mich oft an, wenn ich die Verzweiflung hinter der Aggression spüre. Benedetti schrieb einmal von "Todeslandschaften der Seele", das passt irgendwie. Indessen, ich kann diese frühen Löcher nicht füllen, ich bin nicht ihr Therapeut. Das Leid spüre ich trotzdem. Das mit dem Raussetzen ist wohl auch juristisch nicht so einfach. Zusätzlich reißt diese Ambivalenz manchmal in mir, dass es mir vorkommt, als würde ich das Mädchen aus dem Sterntaler-Märchen im Hemdchen im Schnee aussetzen... Das tut weh. Sie ertränkt den alten Schmerz mit Sekt und Wein und Wut. Diese Ohnmacht zu akzeptieren ist schwer. Ich werde aber nicht zusehen wie sie sich totsäuft und auch unsere Töchter davor bewahren. Leider gibt es kein wirklich hilfreiches Gesetz, bis vor ein paar Tagen habe ich auf eine Lösung mit dem Kinder- und JugendhilfeGesetz gehofft. Eine gütliche Regelung ist mit der Unberechenbarkeit meiner Frau nur schwer vorstellbar.
    Warum habe ich das nur alles geschrieben - um es später zu verdauen. Es bleibt ja hier, unter Zeugen und verliert damit seine Flüchtigkeit.

    Marylou / alle
    au pair ist eine gute Idee. Die Kinder waren in den Ferien mit meiner Mutter in Frankreich und kommen in einigen Tagen zurück. Sie hatten eine unbeschwerte Zeit. Mit Mama sprechen wollten sie nicht, wenn wir telefoniert haben. Die Kleine wird aber sehr leiden. Andererseits hat sie gesagt dass sie auch für eine Trennung wäre. Mama würde das ganze schöne "Geburtstagszimmer" einsauen. Sie wünscht sich eine heilere Welt. Das Ferienende setzt mich zusätzlich unter Druck. Für den Anfang wollen die Großmütter den Hort spendieren. Meine Frau ist oft so böse dass ich die Kinder möglichst nicht mit ihr allein lassen möchte. Die wirren Ideen und abrupten Stimmungsschwankungen machen sogar Erwachsenen Angst. Wie sollen sich da erst die Kinder fühlen. Für PsychKG reicht die Gefährdung leider nicht aus. Ich selbst habe manchmal eine Riesenwut, dass ich sie im Auto fesseln und irgendwo weit weg (im nichteuropäischen Ausland) aussetzen könnte. Vielleicht sollte ich mich selbst nachts auch einschließen, wenn sie mal delirant wird und ich dann gerade schlafe. Schlösser müsste ich aber erst überarbeiten. Jetzt muss ich aber herunterkommen, die Nacht ist kurz, salut!

    Ich danke Euch für die schnellen Antworten. Eins meiner Probleme ist, das ich (noch) ziemlich verspielt bin. Manchmal interessiere ich mich für Schnitzen, dann für Backen oder Schweißen oder Lehmbau, für Persische Küche, Fahrräder, Lederarbeiten, Hochbeete oder Alternative Stromerzeugung. Das war bisher mein Lebenselixier: Pläne machen und etwas bauen, einen Schwimmteich anlegen wäre wunderbar. Dieses verplant sein für den ganzen Tag macht mich krank. So habe ich auch 20 Semester studiert, statt vielleicht 12, die nötig gewesen wären. Die letzten Monate habe ich allerdings auch schon fast alles hier allein gemacht.
    Eine Wohngemeinschaft wäre an sich schön, ich muss aber erst mal umschalten von Familie auf etwas neues. Zum Vermieten ist das Haus ungeeignet obwohl es tolle Möglichkeiten bietet, z. B. eine Backstube mit einem Holzbackofen.
    Zusätzlich bedroht mich meine noch im Haus lebende Frau täglich mit etwas Neuem oder versucht mich zu verführen. Bisher habe ich auch selbst gern mal ab und zu eine Flasche Rotwein getrunken, jetzt bin ich unsicher ob ich das noch weiterhin tun kann. Auf jeden Fall werde ich mal eine längere Pause einlegen und sehen ob ich damit noch etwas schlanker werde. Seit unserer offenen Krise habe ich durch Fahrradfahren (30km täglich) schon fast 6kg geschafft. Toll wären noch 10kg weniger
    :) Ihr regt mich zum Nachdenken an. Psychologisch lähmt mich wohl am meisten die Angst vor zu wenig Spielraum, konkret und finanziell. Früher waren wir auch ein sehr offenes und gastfreundliches Haus. Durch meine morbide und übellaunige Frau mochte ich niemanden mehr einladen, schon gar keine Kollegen. Wenn hier alles wieder einigermaßen hergerichtet ist werde ich einiges nachholen. Donnerstag kommt mein Psychotherapeut aus dem Urlaub, dann kann ich mich auch dort wieder sortieren - ich mag ihn gern! Euch brauche ich um nicht zu sentimental zu werden und damit ich strukturiert bleibe. Meine Frau weiß ja auch wie ich bin und nutzt jedes laissez faire schamlos aus. Krieg ich mal deine Geldkarte, holst Du mir Zigaretten... Es fällt mir schon immer schwer konsequent zu sein. Dann brauche ich Euch noch um aus meinen trüben Gedanken auszusteigen um nicht immer das selbe durchzurühren.
    DANKE-

    Liebe Mitstreiter/innen,
    gerade verstehe ich meine Co-Abhängigkeit, schon gerät alles in einen Strudel der mich lähmt und mir Angst macht. Ich habe die Sucht meiner Frau lange übersehen, für üble Nachrede gehalten und als Depression und Essstörung entschuldigt. Sie hatte wirklich eine üble frühe Kindheit... Unsere beiden Töchter (beide noch Grundschule) haben es ein Jahr vor mir bemerkt, aber nichts gesagt, damit es keinen Ärger gibt. Sie haben sogar sauber gemacht und versucht die Stimmung damit zu retten. Ich bin unendlich traurig wenn ich daran denke.
    Jetzt war ich beim Jugendamt, in der Hoffnung meine Frau könnte zum Schutz der Kinder eine Wohnungszuweisung bekommen, Fehlanzeige. Auch Kosten für eine Haushaltshilfe werden nicht übernommen. Familienhilfe gibt es nur, wenn alle Beteiligten dies wollen- meine Frau lehnt dies ab. Entgiftung macht sie auch keine sondern schwafelt nur: Lass mir noch den Juli, nächsten Freitag, usw.. Schließlich war ich bei der Suchtberatung, beim Psychiater mit ihr und beim Psychotherapeuten für mich und aktuell beim Rechtsanwalt. Nebenbei arbeite ich auch Vollzeit und bräuchte eigentlich auch noch eine Angehörigengruppe. Was mir so Angst macht: Das alles nicht zu schaffen. Wir haben ein großes unverkäufliches Bauernhaus, teilsaniert und noch abzuzahlen. Dazu gibt es nur Ofen- und Elektroheizung. Meine Familie lebt weit weg, sie können mal kommen aber mir dauerhaft nichts abnehmen. Dinge wie Kinder wecken und verabschieden, Brote machen, Arbeiten, das Haus in Schuss zu halten, Einkaufen, Kochen, Waschen etc. überrollen mich gerade innerlich. Ich kann all diese Sachen machen aber in der Summe und allein macht mir das eine Riesenangst. Manchmal kommt es mir vor wie ein Alptraum. Ich habe jetzt aber Schritte in Richtung Scheidung eingeleitet. Leider werde ich auch noch Unterhalt für meine Frau zahlen müssen. Wenn ich reich wäre wär mir das egal, wir sind es aber nicht. Die Kinder wollen bei mir bleiben und das ist auch gut so. Manchmal macht es mich so traurig dass es doch so schön hier hätte werden können und das wir gescheitert sind. Mir fehlen auch erwachsene Gesprächspartner. Mein Chef und ein paar Kolleg/inn/en wissen Bescheid. Vermutlich werde ich jetzt auch öfter mal ausfallen. In meinem Beruf ist es wichtig dass ich innerlich einigermaßen aufgeräumt bin. Ich hoffe hier den fehlenden Austausch zu finden und Zuspruch auf einem einsamen Weg. Schon jetzt, nach ein paar Wochen mitlesen verdanke ich diesem Forum ein besseres Verständnis meiner Verstrickungen. Obwohl ich schon über 50 bin habe ich mich noch nie in meinem Leben so unfertig gefühlt.
    Danke für´s Lesen
    Hiob