Hilfe im Umgang mit trinkender Schwester

  • Hallo ich denke du bist hier richtig um wichtige Tipps zu bekommen.
    An deiner Stelle würde ich versuchen die Verantwortung in Amtliche Hände abzugeben und erstmal tief Luft holen!
    Sonst zieht sie dich so runter da du zuerst restlos fertig bist.
    Wem soll das was nützen?
    Versuch mit dem Arzt zu reden und vielleicht kannst du eine Kur oder sowas für Dich bekommen denn du scheinst auch ziemlich am Ende zu sein?
    Lass sie los ,das mußt du tun um nicht selbst kaputt zu gehen.

    Ich wünsche dir viel Kraft
    R..

  • Hallo Meerjungfrau
    Ich kenne dieses Gefühl ,wenn man glaubt sich vor anderen erklären/rechtfertigen zu müssen.
    Zu absonderlich sind die Verhaltensweisen von Alkoholikern.
    Man versucht zu erklären was nicht zu erklären ist ausser jemand kennt sich mit der Materie aus (Ärtze,Betroffe etc.)
    Ansonsten wenn man versucht das mit sich selbst auszumachen,kann es passieren das man an sich selbst und seinen Wahrnehmungen zweifelt,ja soweit können Alks einen bringen.
    Sie können SEHR überzeugend sein,entweder glauben sie selbst was sie tun und reden oder sie sind sehr kaputt.(oder beides)

    Mein Arzt sagte ,einen anderen Fall betreffend,,letztes Jahr zu mir
    Zitat:
    ,,stellen Sie sich vor ,sie gehen durch ihre Einkaufsstrasse und es schießt ihnen jemand ins Knie,überlegen Sie warum er das macht?,,

    Wenn man die Sache so sieht ,kommt man schnell darauf ,,Grenzen,, zu setzen,sich zu schützen.
    Tu es bitte für Dich!!!
    Sonst verlierst du dich wie ein Spiegelei in der Pfanne wo man den Dotter aufsticht,du zerläufst förmlich und wer soll dich dann retten?
    LG R...

  • Ich habe selbst auch ein Problem mit dem Abgrenzen gehabt, Stück für Stück ist es besser geworden, ich weiß allerdings nicht, was der drohende Tod mit mir machen würde.

    Ich habe schon ein paar wichtige Sätze hier in diesem Forum gelesen, vielleicht helfen sie dir auch:
    Niemand wird gezwungen zu trinken - wer den ärztlichen Rat bei einer schweren Erkrankung nicht befolgt, muss mit den entsprechenden Folgen rechnen.
    Saufen ist nicht strafbar. Jeder darf sich totsaufen, wenn er/sie will.

    Du kannst sie nicht retten.
    Alkoholismus ist eine Krankheit. Was wäre, wenn deine Schwester unheilbar an Krebs erkrankt wäre? Würdest du dich auch verantwortlich für ihre Genesung fühlen?
    Die Trauer wäre sicher die gleiche, aber deine innere Haltung wäre anders - denke ich mal.
    Du würdest sie besuchen, ihr Beistand geben, um sie trauern. Aber du würdest dich nicht selbst aufreiben, um sie zu retten, denn du wüsstest, dass nichts, was du tust, den Krebs besiegen könnte.

    Was mir auch mit meinem alkoholkranken Partner sehr schwer fällt, ist, den Alkoholismus als KRankheit zu akzeptieren, denn für mich spielt schon der Wille, zu trinken oder es eben zu lassen, eine wichtige Rolle. Wenn ich "nein" zu Alkohol sagen kann, warum kann er es nicht auch?
    Aber so einfach ist es nicht, denke ich.

    Ich wünsche dir viel Kraft, auch, deine eigene Hilflosigkeit zu akzeptieren. Vielleicht hilft der Vergleich mit der Krebserkrankung.

    If you know where you stand
    then you know where to land ...

  • Ich stehe in der selben Situation wie du. Jedoch ist es nicht meine Schwester/mein Bruder, sondern meine Mutter, die sich zu Tode trinkt. Korsakow vermute ich auch schon und der Wasserbauch ist auch nicht mehr zu übersehen. Bei dem warmen Wetter nun habe ich auch überall blutige bzw verkrustete Stellen auf ihrer Haut gesehen- an Armen und Beinen.
    Nunja, ich habe im letzten Jahr sehr an mir gearbeitet, weil ich nach ein paar Gesprächen mit Ärzten und meinem Coach eingesehen habe, dass der Zug nun abgefahren ist und sie - es ist nur eine Frage der Zeit- sterben wird.

    Meine Erkenntnis:

    - Ich versuchte, für sie einzuspringen, weil ich merkte, dass sie für sich nicht kämpft. Den Kampf und die Erkenntis kann ich ihr jedoch nicht abnehmen. Ebenso wenig wie einen Entzug, den kann nur sie machen und ich nicht stellvertretend.
    - Eigentlich weiß sie auch um ihren Zustand. Aber sie hat sich bei der Entscheidung "kämpfen und vielleicht überleben oder weitertrinken und dann definitv sterben" für letzteres entschieden.
    - Diese Entscheidung ist ihr freier Wille und sie hat ein Recht darauf. Aber sie darf mich nicht zwingen, ihr bei dem Selbstmord auf Raten zuzugucken.

    Ich würde an deiner Stelle die Vorsorgevollmacht abgeben, da es dich zu sehr belastet. Angehörige haben da zu wenig emotionale Distanz und setzt keine Grenzen- eine externe Person könnte da viel eher durchgreifen. Außerdem ist es ja auch so, dass deine Schwester von ihrem Zustand ablenkt, indem sie so tut, als wäre sie noch ganz auf der Höhe. Alkoholiker sind da sehr einfallsreich, was Strategien und Manipulation betrifft. Meine Mutter bspw. kann sich nicht mehr richtig artikulieren. Wenn ihr irgendwas nicht mehr gefällt, bezeichnet sie es als "schei*e" oder "beschi**en". Wenn Ärzte nur solche Alkoholiker gewöhnt sind, ist klar, dass deine Schwester durch das Raster fällt, wenn sie bewusst eine gute Artikulation benutzt. Und wenn du ihre Rechnungen zahlst oder dich dafür einsetzt, dass ihr der Strom nicht abgedreht wird, ist klar, dass es nicht auffällt, dass sie so nicht mehr klar kommt. Ich schätze auch, dass die Ärzte diese Schilderungen von einem neutralen, distanzierteren Externen mehr Bedeutung zuweisen, als von einem Angehörigen, der schnell als zu fürsorglich und übertreibend bewertet werden kann, weil er sich natürlich mehr Sorgen macht.. Weil eben die emotionale Distanz fehlt.

    Denk mal an dich! Wir Angehörige neigen sehr schnell dazu, die Fürsorgerolle des Kranken zu übernehmen, wenn wir merken, dass er sich um sich selbst nicht mehr kümmert. Dabei vergessen wir uns selbst immer mehr. Irgendwann dreht sich alles um den Kranken, aber wir verlieren uns mehr.
    Was sind deine Ziele für dich selbst in der nächsten Zeit?
    Hast du Hobbies oder einen Urlaub geplant?

  • Hallo meerjungfrau,
    das klingt alles sehr nach einer Wernicke-Enzephalopathie. Typisch ist dabei der weitgehende Untergang des Neugedächtnisses. Die Schwester gibt es dann eigentlich schon nicht mehr, es ist nur noch der Alkohol, an dem der Rest von ihr wie eine Marionette hängt. Sowas kann man natürlich testen, bei einer fortgeschrittenen Zirrhose hat das aber eigentlich keinen Sinn. Vitamin B1 Substitution bringt dann auch nichts mehr. Es gibt Bilder dazu -wie die Marionettenkarikatur, die einem die Machtverhältnisse verdeutlichen. Ich habe solch ein Bild in der Suchtberatungsstelle gesehen. Wo man noch den geliebten Menschen vermutet ist nur noch der Alkohol. Die Ohnmacht zu fühlen ist heilsam, dann beginnt man sich zu schützen und springt nicht mehr auf dieses Karussell auf. Es ist aber auch schmerzhaft. Vielleicht ist dieser Schmerz der Preis für die Wahrheit, für unsere persönliche Wahrheit. Ich habe angefangen mich mit diesem Schritt freier zu fühlen. Was wir nicht einsehen und begreifen wollen ist der Unsinn der Sucht, deshalb rücken wir an und wollen alles richten. Ich wünsche Dir die Kraft aus der ersten Reihe zurückzutreten und die Trauer über das Unabänderliche auszuhalten.
    LG Hiob

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