Beiträge von sue05

    Ich erinnere mich noch gut an meine Anfänge hier. Damals gab es auch andere Nutzer, die etwa zeitgleich abstinent wurden. Ich empfand das schon hilfreich, weil speziell eine Neue genau auf dem gleichen „Stand“ war wie ich und daher zeitgleich die vielen Alltagssituationen neu erleben durfte/musste, lernen musste, wie ich mich in verschiedenen Situationen verhalte. Und jemanden hier zu haben, der das grad auch so erlebt, war einfach eine für mich sehr motivierende Unterstützung. Ich hab mich damit nicht so „allein“ gefühlt, denn die Forenmitglieder, die schon länger dabei waren, waren halt einfach schon weiter, waren mir (so empfand ich das damals) „überlegen“. Da kam ich mir teilweise schon etwas „klein“ vor.

    Für mich waren es aber genau diese beiden Säulen - die Neue, bei der ich mich wiederfinden konnte, und die alten Hasen, die schon dort angekommen waren, wo ich ja so gerne hin wollte: zur zufriedenen Nüchternheit. Und mir war klar, dass es letztendlich die Erfahrungen der alten Hasen waren, die definitiv die für mich hilfreicheren waren.

    Die andere „Neue“ hatte dann auch einen Rückfall (hatte dann aber wieder die Kurve bekommen), was für mich schon ziemlich schockierend war. Gefährdet, dadurch selbst einem Rückfall näher zu kommen, fühlte ich mich aber zu keiner Zeit. Denn da waren ja noch die Erfahrungen der alten Hasen…

    Also um es kurz zu machen 😅: Einen „Anfänger-Mitstreiter“ fand ich persönlich motivierend, letztendlich aber orientiert hatte ich mich an den Erfahrungen der Langzeittrockenen.

    Interessante Diskussion - das Thema flammt ja immer mal wieder auf.

    Ich bin Alkoholikerin und jetzt über 10 1/2 Jahre trocken mit Hilfe dieses Forums. Die Erkenntnis Alkoholikerin zu sein, war bei mir, als ich hier im Forum ankam, schon vorhanden. Aber das auch anderen Personen gegenüber auszusprechen (bzw hier eben „auszuschreiben“) war für mich persönlich noch mal eine ganz andere Hausnummer. Durch das Aussprechen wurde es für mich einfach nochmal realer. Ich hatte den Tatsachen ins Auge geblickt und mir eben nicht mehr - wie all die Jahre vorher - etwas vorgemacht. Es dann auch wirklich auszusprechen (z.B. beim Arztbesuch oder in diversen SHGs, die ich dann auch immer mal wieder besucht hatte), hat mich am Anfang schon Überwindung gekostet. Aber ich empfand es (und tue das immer noch) auch als große Erleichterung, denn nur so konnte ich mich ernsthaft „auf den Weg machen“ in mein trockenes Leben.

    Die Erkenntnis Alkoholikerin zu sein, ist seither da und immer noch genau so wichtig wie am Anfang. Ich gehe damit nicht hausieren und überlege mir schon gut, wem gegenüber ich das mitteile und wem nicht. Nicht, weil ich mit der Erkenntnis hadere, sondern, weil Alkoholiker in unserer Gesellschaft (leider) immer noch oft negativ behaftet sind, man oft in eine Klischee-Schublade gesteckt wird, etc. Bei engeren Kontakten oder wenn ich das Gefühl habe, da „passt“ es, spreche ich es dann aber aus.

    Wenn ich um die Tatsache Alkoholikerin zu sein so rumgeeiert wäre wie es hier im Forum (bei den neu angekommenen selbst Betroffenen oder Cos) immer wieder zu lesen ist, wäre ich immer noch nass…

    Ich denke (und spreche aus eigener Erfahrung), wer diese Erkenntnis nicht hat und sich an der Begrifflichkeit aufhängt, ist einfach noch nicht so weit. Dann ist aber dieses Forum auch nicht das Richtige, denn hier tauschen sich eben bekennende Alkoholiker aus!

    LG Sue

    Ich kann Dir Zentangle empfehlen - das ist so eine Art meditatives Zeichnen. Kann jeder, man muss also nicht künstlerisch begabt sein 🙂 Einfach mal im Internet eingeben, da findet man viele Tutorials dazu.

    LG Sue

    Obwohl ich es schon irgendwie geahnt hatte, hat mich die Nachricht doch schockiert. Sunshine war für mich am „direktesten“ hier im Forum. Oft empfand ich ihre Worte auch als zu direkt, zu hart, manchmal hab ich mich darüber aufgeregt. Und doch waren ihre Worte immer auch hilfreich, sie hat sich immer viel Mühe gemacht und Zeit genommen für ihre Beiträge bei anderen Mitgliedern. Und letztendlich hatte sie natürlich sehr viel Erfahrung in Bezug auf die Alkoholsucht und das Trockenwerden und Trockensein, was für alle hier (denke ich) eine große Hilfe und Unterstützung war. Ich habe sie sehr dafür bewundert, dass sie trotz der schweren Krankheit und Schmerzen, die sie zuletzt hatte, immer noch so engagiert hier im Forum war. Sie wird hier eine Lücke hinterlassen.

    Ich denke, dass das gerade am Anfang des Nüchternwerdens vielen ein Bedürfnis ist zu begreifen, aus welchem Grund man getrunken hat. Zumindest war es bei mir so und ich lese das hier auch bei vielen.

    Und dazu wird eben in der Vergangenheit gebuddelt.

    Mich persönlich hat das nicht in die Opferrolle geführt, sondern das Gegenteil. Ich habe erkannt, dass ich mich immer als Opfer gesehen hatte und das aber gar nicht gestimmt hat.

    Inzwischen habe ich für mich erkannt, dass es ja keine „Gründe“ waren, die zum Trinken geführt haben, sondern die Sucht.

    Irgendwann war ich dann an dem Punkt, dass mir das Gebuddel in der Vergangenheit nichts (mehr) bringt, sondern mich eher hemmt in meiner Weiterentwicklung. Aber das zu erkennen, hat bei mir tatsächlich viele Jahre gedauert…

    LG Sue

    Ah, alles klar. Danke für die Erklärung, Cadda

    Ja, ich denke auch, dass sich durch die Trockenheit ein anderes Bewusstsein entwickelt. Ich merke bei mir, dass ich mit Situationen heute anders umgehe, gelernt habe mich zu reflektieren, Lösungen suche (und da ist Alkohol definitiv keine, denn das war er noch nie). So gesehen, hat mir das Trockenwerden gleichzeitig ermöglicht, mich (auf sehr positive Weise) weiter zu entwickeln. Ich denke sogar ganz oft, dass ich dankbar für meine Alkoholabhängigkeit bin (auch wenn das schräg klingt). Denn das Trockenwerden hat mein ganzes Leben umgekrempelt und in wirklich jeder Hinsicht verbessert!

    Dass die Sucht „einfach so vom Himmel gefallen“ ist? (Sorry, zitieren vom Tablet klappt irgendwie nicht).

    Ich denke, die Sucht entwickelt sich automatisch, wenn sich eine Regelmäßigkeit beim Alkoholkonsum einstellt. Das geht ja schleichend, irgendwann ist sie dann „einfach“ da.

    Hallo Hartmut,

    ja genau, so sehe ich das mittlerweile auch.

    Mich würde hierzu noch Cadda ‘s Meinung zu lesen, da sie ja vom Wesen als Erklärung geschrieben hatte. Oder anders gefragt, Cadda : Du schreibst ja, dass es für Dich heute keinen einzigen Grund mehr zum Trinken gibt. Hat sich Dein Wesen verändert? Weil das ja, so wie Du geschrieben hast, früher die Erklärung war, wieso Du getrunken hast?

    LG Sue

    Darüber hab ich mir auch schon Gedanken gemacht: Wenn die Ursache oder Erklärung, weswegen ich angefangen habe zu trinken, mein Wesen (z.B. zu geringes Selbstwertgefühl) ist, dann müsste ich ja im Prinzip mit großer Wahrscheinlichkeit rückfällig werden? Denn das Wesen wäre ja auch noch dasselbe?

    Wäre das dann nicht auch wieder eine Hintertür?

    LG Sue

    Das ist ein sehr interessantes Thema!

    Warum bin ich in die Sucht gerutscht? War ich Opfer?

    Ich habe mich lange damit beschäftigt, was die Gründe dafür waren, dass ich abhängig wurde. Sicher sind viele Dinge in meiner Kindheit und Jugend nicht gut gelaufen und lange habe ich mich tatsächlich als Opfer gesehen. Quasi „das Universum hat was gegen mich“. Selbstmitleid hat lange eine ziemlich große Rolle in meinem Leben gespielt. Und ich weiß auf jeden Fall, dass ich dann irgendwann (mit)getrunken habe um die Situation zu Hause ertragen zu können. Bzw., als ich dann älter und in meiner Sturm-und Drangphase war, jedes Wochenende und oft auch noch unter der Woche feiern gegangen bin mit unglaublich viel Alkohol um zu vergessen oder zu verdrängen. Also damals war es weniger so, dass ich mir eingeredet habe, dass ich aufgrund der „schlimmen Situation / meiner Mutter / den vermeintlichen Ungerechtigkeiten in meinem Leben etc. trinken muss, sondern ich habe einfach gemerkt, dass ich, wenn ich angetrunken oder betrunken war, für kurze Zeit die Sorgen weggeschoben bekommen habe. Natürlich hat das nicht längerfristig gehalten, aber das war mir damals egal. Und dann war es halt irgendwann so, dass ich abhängig war und trinken MUSSTE. Da hat es dann eigentlich angefangen, dass ich Gründe oder Rechtfertigungen (mir selbst gegenüber) gesucht habe um zu trinken. Das, was wir alle kennen - weil der Tag so blöd, toll, anstrengend, entspannend, etc. etc war. Und je tiefer ich in der Sucht gesteckt bin, desto größer wurde dann auch das Selbstmitleid.

    Auch als ich dann endlich aufhören konnte zu trinken, hab ich mich ziemlich oft im Selbstmitleid gesuhlt. Und ich habe angefangen nach der Ursache für die Sucht zu suchen. Weil ich einerseits einfach dachte, das „macht man so“, andererseits aber auch, weil ich schon der Meinung war (und teilweise das auch noch für sinnvoll erachte), dass es wichtig sein kann, bestimmte Traumata aus der Vergangenheit aufzuarbeiten, damit man in Zukunft andere Strategien entwickeln kann damit umzugehen als den (in meinem Fall) „Verdrängen-Wollen“- Modus.

    Zum Glück hat sich in den letzten Jahren sehr viel verändern dürfen in meinem Leben. Meine Denkweise und Einstellung zum Leben hat sich sehr verändert. Ich sehe mich nicht mehr als „Opfer“. Es war halt das Leben mit seinen Hochs und (durchaus vielen) Tiefs. Und es macht für mich keinen Sinn, verstehen zu wollen, wieso „schlechte Dinge“ passiert sind. Denn dafür gibt es wohl einfach keine Erklärung.

    Ich habe sehr lange gebraucht um zu verstehen, dass es sich bei der Alkoholabhängigkeit um Sucht handelt. Also zu begreifen, dass ich für Sucht keine Begründung oder Erklärung finde. Dass die Ursache für das Trinken nicht in irgendwelchen fadenscheinigen Gründen lag, sondern dass es die Sucht war. Also muss ich jetzt auch nicht mehr irgendwelche vermeintliche Gründe oder Ursachen erforschen und analysieren oder aufarbeiten. Ich bin suchtkrank, das reicht mir inzwischen. Und ich weiß, dass ich die Krankheit nur stoppen, aber nicht heilen kann. Und mir aus diesem Grund immer des Risikos bewusst bin, rückfällig werden zu können. Deshalb passe ich auf mich auf. Jeden Tag.

    Und „nebenbei“ freue ich mich, dass ich mein Leben inzwischen selbst gestalten kann und mir alle Möglichkeiten offen stehen. Denn ich bin kein Opfer (mehr). Und ich sie aber nur nutzen kann, wenn ich trocken bleibe.

    LG Sue

    Hallo LoA,

    herzlichen Glückwunsch zu 100 Tagen! Toll, mach weiter so!

    Du sagst, dass es sich für viele hier nicht lange anhören würde. Also dem kann ich widersprechen. Zumindest für alle Alkoholiker hier hört es sich sicher nicht nach 'wenig' an, denn wir alle waren auch mal an diesem Punkt und wissen, dass es nicht leicht ist, die 100 Tage ueberhaupt zu schaffen! Gerade die erste Zeit ist ja oft die schwierigste und das zu schaffen ist eine tolle Leistung in meinen Augen!

    Also freu Dich über diese ersten 100 Tage!

    LG Sue

    Ich hab seit dieser „Umstellung“ immer wieder Probleme, das Forum lässt sich dann nicht aufrufen. Am Handy geht es überhaupt nicht (hab es über verschiedene Browser versucht) und hier am Tablet geht es nur immer mal ganz kurz, dann kommt wieder die Fehlermeldung, dass gerade eine Wartung durchgeführt wird. Ist das nur bei mir so? Woran könnte das liegen?

    Viele Grüße Sue