Beiträge von sue05

    Für mich ist das Verharmlosung / Verniedlichung. Derjenige hat getrunken, hat Alkohol zu sich genommen - das ist für mich ein Rückfall und alles andere als harmlos.

    Da war ja dann schon länger irgendwas am Brodeln, so ein Rückfall kommt ja nicht „ganz plötzlich“. Da war derjenige in meinen Augen nicht wirklich trocken, also nicht vom Kopf her.

    Ich sehe Risikominimierung als wichtig(st)en Punkt meines Trockenseins. Das heißt nicht, dass ich mich zu Hause einschließe 😉

    Ich sehe grundsätzlich jede Art von Konfrontation mit Alkohol als ein potentielles Risiko. Also die Weinregale im Supermarkt, Alkoholgeschenke, Alkohol in Lebensmitteln, Essengehen in Restaurants, Urlaubsreisen in Hotels, Veranstaltungen, bei denen es auch Alkohol gibt, etc.


    Damit meine ich nicht, dass ich „Angst“ habe. Für mich ist mir einfach wichtig, dass ich mir des Risikos bewusst bin. Nach mittlerweile über 13 Jahren Abstinenz habe ich ein recht gutes Gespür entwickelt, welche Risiken ich (persönlich) eingehe und welche nicht. Dass auch so ein eingegangenes Risiko nach hinten losgehen kann - auch dessen bin ich mir bewusst.

    Daher ist dieses Forum auch der Grundpfeiler meiner Trockenheitsarbeit. Ich bleibe am Thema und kann mir zusätzlich auch sicher sein, dass ich von den Mitgliedern hier darauf hingewiesen werde, wenn jemandem etwas auffällt…

    Herzlichen Glückwunsch, Forum 💐

    Seit 13 Jahren und 4 Monaten darf ich Teil von Dir sein. Ich kann es kurz fassen: ohne Dich wäre ich heute sicher nicht so zufrieden und stabil trocken. Hier habe ich alles gelernt, was ich für meine Trockenheit brauche.
    Und mittlerweile ist das Forum so etwas wie eine Familie für mich - ich hoffe, dass Du noch lange bestehen bleibst!

    Interessante Diskussion. Ich erinnere mich, dass ich sehr oft aufhören wollte. Also ich wollte es wirklich, war verzweifelt, wollte unbedingt da raus. Und die Sucht hat mir immer einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich habe es einfach nicht geschafft.

    Keine Ahnung, was dann den Ausschlag gab, dass ich es letztendlich doch geschafft habe. Dass ich meinen persönlichen Tiefpunkt hatte vielleicht? Das Lesen im Forum, was dazu geführt hat, dass es „Klick“ gemacht hat? Was genau war dieses „Klick“? War das die endgültige Erkenntnis, dass ich suchtkrank bin und keine Chance gegen die Sucht habe? Und dann „kapituliert“ habe?

    Ich kann es gar nicht genau sagen. Heute würde ich sagen, es ist die Mischung aus Wille und Erkenntnis (was Sucht/Abhängigkeit bedeutet). Und daraus folgend die Kapitulation.

    Am Anfang steht die Sucht. Und irgendwann kommt der Moment: Ich will da raus. Wie man dahin kommt, ist unterschiedlich , ob durch einen Tiefpunkt, eine Laune oder einfach, weil klar wird: Wenn ich so weitermache, verrecke ich

    Bei mir war es „ich will da raus“, konnte mich selbst nicht mehr ertragen und wusste, wenn ich jetzt nicht daraus komme, war es das.

    Dann kommt der Stopp. Entgiftung. Und das trockene Leben beginnt. Erst Euphorie, alles neu, alles besser. Aber dann knallt die Erwartungshaltung gegen die Realität .„Jetzt müsste doch was passieren!“ Nur kommt da nichts Magisches. Da ist plötzlich Alltag. Da ist nüchtern

    Da kann ich mich - obwohl das schon 13 Jahre her ist - noch gut erinnern. Diese Euphorie, das Überschwängliche,.. Und dann war sie plötzlich weg. Da dachte ich zuerst „Und was jetzt?“, „Was kommt da noch, oder war das alles?“

    War irgendwie sehr ernüchternd. Da war ich teilweise auch irgendwie etwas enttäuscht. Hatte wohl auch gedacht oder gehofft, dass da irgendwas Besonderes in meinem Leben kommen muss. Kam aber nicht. Sondern es kam der Alltag, der irgendwie halt auch nur Alltag war. Die wieder aufgelebten Hobbys oder Interessen waren auch nur vorübergehend interessant.

    Genau da meldet sich die Sucht zurück: „War doch früher auch nicht besse .“ Sie bietet sich wieder an

    Das blieb bei mir im Großen und Ganzen zum Glück aus. Durch das Lesen hier habe ich erfahren, dass bei vielen der länger Trockenen auch „einfach nur“ der Alltag kam. Aber viel wichtiger: mit dem (nüchternen!) Alltag kam dann auch eine Zufriedenheit, die es eben vorher nicht gab.

    Gar nix Spektakuläres, aber genau darum geht es meiner Meinung auch: nicht die „Jagd“ nach dem Außergewöhnlichen, sondern das Außergewöhnliche im Gewöhnlichen zu entdecken und wahrzunehmen.

    Das ist mir dann auch sehr schnell gelungen.

    Und jetzt, 13 Jahre später, kann ich rückblickend sagen: irgendwie hat sich doch einfach Alles geändert. Still und leise. Mein Leben ist ein völlig anderes (passenden „“Topfdeckel“ gefunden 😍, neuer Job, neuer Wohnort).

    Ich kann allen „Neulingen“ nur wünschen, keine Erwartungshaltung zu haben 😉

    Sich einfach auf die Trockenheit zu konzentrieren und ihr die oberste Priorität einzuräumen.