Beiträge von sue05

    Hallo Kazik,

    Du bist jetzt ca. 3 Monate abstinent (wenn ich das richtig nachgelesen habe?). Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass dieses Gefühl von Einsamkeit oder Leere irgendwann bei vielen Alkoholikern aufkommt.

    Als ich getrunken habe, hatte ich ja alle Gefühle weggesoffen - das empfand ich damals „besser“ (oder einfacher), als die Gefühle zu fühlen und mich damit auseinandersetzen zu müssen.

    Als der Alkohol dann weg war, kamen nach und nach verschiedene Gefühle an die Oberfläche. Dazu kam dann auch die neue Situation - was „kann“ ich denn jetzt noch machen ohne Alkohol? Am Anfang habe ich alles gemieden, was auch nur im entferntesten mit Alkohol zu tun hatte oder wo das Risiko bestand, dass Alkohol zu sehr im Vordergrund steht (das mache ich übrigens auch heute noch).

    Und dann kam auch oft das Gefühl von Einsamkeit hoch.
    Das Gute daran ist: Du bist ja jetzt nüchtern, hast einen klaren Kopf, kannst jetzt mit dieser Situation umgehen. Kannst Dich auch fragen, woher genau dieses Gefühl kommt. Und was Du eventuell ändern kannst, damit dieses Gefühl nicht mehr da ist.

    Und es gibt so viel, was Du ohne Alkohol machen kannst. Kannst neue Hobbies entdecken (oder alte Hobbies, die wegen dem Alkohol zu kurz kamen, wieder herauskramen), lernst irgendwann automatisch neue Menschen kennen, die auch keinen oder wenig Alkohol trinken, kannst in aller Ruhe nachdenken, wie Du Dein neues Leben gestalten möchtest.

    Am Anfang ist das erst einmal alles ungewohnt, alte Gewohnheiten müssen mit neuen überschrieben werden. Es stehen viele Veränderungen an.

    Gib Dir Zeit, das ändert sich nicht von heute auf morgen.

    VG Sue

    Nein, bis auf gelegentliche kurze Suchtgedanken nicht. Mein "Problem" ist ja, dass mir der Alk noch bis kurz vor der Abstinenzentscheidung geschmeckt hat und ich keine schlimmen Abstürze oder andere Erfahrungen hatte, die abschreckend wirken könnten. Da kann das Suchthirn wohl gut andocken ...

    St ja gut, dass es „nur“ die Suchtstimme ist, die sich da mal zu Wort gemeldet hat. Solange Du für Dich die Abstinenz nicht mehr als Kampf oder Verzicht, sondern als Gewinn siehst, ist alles in Ordnung.
    Bei mir war es auch so, dass mir „mein“ Alkohol (also das Getränk, das ich immer getrunken habe) auch bis zum Schluss noch geschmeckt hat (zumindest die ersten Gläser…). Und auch heute nach über 12 Jahren, meldet sich die Suchtstimme gelegentlich immer mal noch. Das sind dann immer „schöne“ Situationen, wo in meinem Kopf dann kurz der Gedanke auftaucht, dass „jetzt so ein Glas“ ja doch „ganz schön“ wäre.

    Nehme ich dann als kleinen Gruß vom Suchthirn wahr und damit ist es dann auch erledigt.

    Und ansonsten, Fruchtsaft hat bis 0,6 prozent, trinke ich ja auch. Kann ich mir ausrechnen, Liter Apfelschorle 50

    Du vergleichst jetzt nicht ernsthaft Apfelsaftschorle mit alkoholischen Getränken, „alkoholfreiem“ Bier, Tiramisu oder Weinbrandpralinen??

    Der Rückfall beginnt im Kopf. Wenn ich denke, dass die „Dosis“ im Tiramisu oder der Schnapspraline nix ausmacht, bin ich auf direktem Weg in den Rückfall. Bzw bin nicht trocken, da das nasses Denken ist, wie es im Buche steht.

    So etwas hier in einem Forum für (bewusst) Alkoholabhängige zu schreiben, finde ich unmöglich und fahrlässig, könnte es doch diejenigen, die vielleicht noch am Anfang unsicher und nicht gefestigt sind, dazu verleiten, das auch „auszuprobieren“.

    Für mich kommt das kontrolliertem Trinken gleich - und das ist eben für Alkoholiker nicht möglich.

    Ich hab es so gehandhabt, dass ich von Anfang an abgewogen habe, wem ich von meiner Sucht erzähle und wem nicht.
    Der Arztbesuch war, nachdem ich hier die entsprechende „liebevolle Aufforderung“ dazu erhalten hatte 😅, obligatorisch und im Nachhinein ein für mich ganz wichtiger Schritt.


    Meine engste Familie (das sind bei mir nur meine Geschwister) habe ich von Anfang an informiert, das war mir wichtig. Bei meiner damaligen Arbeitsstelle wurde oft Alkohol getrunken, daher habe ich damals direkt meiner engsten Kollegin Bescheid gesagt, die dann dafür gesorgt hat, dass es diese regelmäßigen Alkohol-Umtrunks (Umtrunke?) nicht mehr gab.

    Wir waren dort ein sehr kleines Team von Kollegen, da wäre es nicht möglich gewesen, unbemerkt diesen Umtrunken fernzubleiben. Daher lieber in die Offensive gehen.

    Ich habe vielleicht den „Vorteil“, dass ich (auch bedingt durch die Sauferei) keinen Freundeskreis hatte, daher stand das „Outing“ für mich nicht zur Diskussion.

    Ein paar wenigen Kontakten / Freundschaften, die ich seit damals geschlossen hatte, hatte ich von Anfang an Bescheid gesagt.

    Wo ich mich zurückhalte, ist mein jetziger Arbeitsplatz. Es sind sehr viele Mitarbeiter und leider gibt es auch viel Getratsche und das Bekanntgeben meiner Alkoholabhängigkeit hätte unter Umständen negative Auswirkungen auf meine Position. Spielt hier aber auch keine Rolle, da dort überhaupt kein Alkohol konsumiert wird. Daher auch für mich keine Veranlassung das jemandem zu erzählen. Es sind auch nur berufliche Kontakte - wäre ich mit jemandem dort enger befreundet, würde ich von meiner Sucht erzählen.

    Ich mache es also davon abhängig, ob es für meine Trockenheit wichtig ist. Sicher spielt da auch eine Rolle, dass ich mittlerweile eine sehr stabile Trockenheit erlangt habe und ich in den seltenen Situationen, in denen es irgendwo Alkohol gibt, mit “Ich trinke keinen Alkohol“ keine Probleme habe.

    Grüße Sue

    Hallo Paul,

    das leben neu erobern. das heißt: ich versuche immer mehr bereiche trocken zu besetzen. gestern habe ich zum ersten mal wieder fußball in kleiner runde geschaut. weil ich das eben gerne mache. es hat problemlos funktioniert, auch wenn die anderen bier und wein getrunken haben. solche

    Was genau ist dabei Dein Ziel? Ich frage, da es für mich so ein bisschen danach klingt, dass Du im Prinzip das Leben von früher wieder leben möchtest, nur eben ohne Alkohol. Ist das so?

    Manche Dinge, die ich früher gerne gemacht habe, mache ich auch heute, nach über 12 trockenen Jahren, immer noch nicht (und habe nicht vor, das zu ändern). Einfach deshalb, weil dabei zu viel Alkohol im Umfeld im Spiel ist. Das passt für mich nicht mehr zu meinem trockenen Leben. Und es wäre mir auch zu riskant, selbst wenn ich mich als stabil trocken bezeichne.

    Das ging mir nur beim Lesen Deiner Fußball-Schilderung durch den Kopf, da Fußball ja schon mit ziemlich viel Alkohol verbunden ist.

    Viele Grüße
    Sue

    Ich habe mich auch oft geschämt und selbst verurteilt. Sowohl als ich noch getrunken hatte (und mir durchaus schon bewusst war, dass ich Alkoholikerin bin), als auch nachdem ich aufgehört hatte.

    Eine Zeitlang hatte mir das auch ziemlich zu schaffen gemacht. Im Laufe der Jahre ist das ganz verschwunden. Mittlerweile sehe ich es einfach als Teil von mir, ein Teil, der in der Vergangenheit liegt (also meine nasse Zeit liegt in der Vergangenheit - nicht mein Alkoholismus, denn Alkoholikerin bin ich natürlich immer noch).

    Also vertraue darauf, dass sich diese Gefühle verändern können und werden. Das mit dem Brief finde ich eine gute Idee. Gerade am Anfang, wenn diese Gefühle noch so präsent sind.

    VG Sue

    Bei mir war es auch so, dass ich mich überhaupt nicht für diese Alkoholiker-Typen interessiert hatte. Ich wusste ganz lange überhaupt nicht, dass es das gibt.

    Für mich war nur wichtig, dass ich abhängig war. Dass ich Alkoholikerin bin. Und dass ich die Sucht stoppen wollte.

    Vielleicht ist es einfacher für Dich, wenn Du Dich nicht so sehr mit irgendwelchen Studien oder Typisierungen auseinander setzt? Oder würde es irgendetwas bei Dir ändern, wenn Du Dich jetzt konkret einem Typ zuordnen könntest?

    VG Sue

    Hallo Seb,


    ich bin auch EKA (und Alkoholikerin), meine Mutter lebt seit mittlerweile 18 Jahren nicht mehr. Die Erfahrungen, die man als Kind eines Alkoholiker-Elternteils macht, sind natürlich unterschiedlich. Aber es ist möglich, irgendwann zu verzeihen und seinen eigenen Frieden damit zu schließen. So ist es zumindest bei mir. Aber es hat Zeit gebraucht.

    Heute habe ich fast ausschließlich Erinnerungen an die tollen Seiten meiner Mutter. Manchmal bin ich immer noch traurig, dass ich diesen Menschen so früh an die Sucht verloren habe. Aber Wut oder Enttäuschung ist keine mehr da.

    Die Auseinandersetzung mit Deiner Vergangenheit scheint für Dich ein guter Weg zu sein, soweit ich das herauslese. Bleib dran!

    VG Sue

    Hallo KaDett,


    von den sogenannten „alkoholfreien“ Varianten raten wir dringend ab. Zum einen, weil oft tatsächlich doch eine geringe Menge Alkohol enthalten ist und zum anderen, weil es eben stark an Alkoholgetränke erinnert - schon der Name (Bier, Secco, Wein…), die Form der Flaschen, etc.

    Ich konsumiere nichts, was aussieht, heißt, riecht, schmeckt wie oder auch nur erinnert an Alkohol!

    Wenn Du so ein Getränk zu Dir nimmst, springen im Gehirn ja gleich Verknüpfungen zu Deinen vorherigen Trink- Gewohnheiten an. Du verhältst Dich dann quasi immer noch so wie vorher, nur in der (oft nicht mal) alkoholfreien Variante…

    Um dauerhaft zufrieden trocken/abstinent zu sein, reicht es nicht, „nur“ nicht zu trinken.

    Da müssen die Verknüpfungen zum Alkohol gekappt werden… Da sind unsere Grundbausteine eine tolle Unterstützung. Hast Du sie schon gelesen?

    Viele Früße Sue

    Hallo Stef,


    für mich persönlich (und meinem Suchthirn) haben solche gedanklichen Spielereien keinerlei Bedeutung.

    Mir war auch während der Jahre, in denen ich getrunken habe, bewusst, wie gesundheitsschädlich es ist und wie viel Geld es mich kostet (war ja nicht zu übersehen). Aber ich wollte und musste ja (da süchtig) trinken, da war mit gesundem Menschenverstand nix auszurichten… 🤷‍♀️

    Auch jetzt würden mir diese Gedanken nicht helfen in meiner Abstinenz. Die absolute Kapitulation war das Ausschlaggebende. Das Anerkennen meiner Abhängigkeit. Und dann das Handeln, also der Gang zum Arzt, die Grundbausteine, die Risikominimierung, die Trockenheitsarbeit.

    VG Sue