Beiträge von sue05

    Hallo Sam,

    ohne Dir zu nahe treten zu wollen: für mich liest sich das, als siehst Du unser Forum als eine Art Eheberatung?
    Es dreht sich für Dich scheinbar alles darum, wie Du Deine Frau „besänftigen“ und Eure Ehe retten kannst, fragst, wie Du Dich ihr gegenüber verhalten sollst, fragst, ob es eine gute Idee ist ihr das Haus zu überschreiben, etc

    Hier geht es um Alkoholsucht und darum, wie man als Alkoholiker ein trockenes Leben aufbauen und eine stabile Trockenheit erreichen kann.

    Im Moment kann ich aus Deinen Beiträgen nicht erkennen, dass es Dir darum geht? Es erscheint für mich eher so, als wäre es von Dir ein verzweifelter Abstinenz- Versuch um die Ehe zu retten. Dass die „Eherettung“ die Motivation für Deinen Aufhör-Versuch ist?

    Was wäre denn, wenn Deine Frau keine Chance mehr für Euch sieht? Welchen Stellenwert hätte die Abstinenz dann noch für Dich?

    Mich macht es fast ein bißchen euphorisch. Ich fühle mich unbesiegbar.

    Wie meinst Du das? 🤔Was macht Dich an dieser Situation euphorisch? Und unbesiegbar? Dass Du einen Rückfall hattest und nach einem Abend wieder aufgehört hast? Also ich persönlich wäre am Boden zerstört und würde mich alles andere als unbesiegbar fühlen - schließlich hatte ich einen Rückfall und würde wieder von vorne anfangen..

    Für mich passt das absolut nicht zusammen - Rückfall und Euphorie/Unbesiegbarkeit


    Oder ist da im Hinterkopf bei Dir der Gedanke „Super - hat ja jetzt ein Mal geklappt, dann wird das ja zukünftig vielleicht doch was mit „kontrolliertem Trinken“?

    Hallo Maeron,

    Aber eine Verpflichtung nicht trinken zu dürfen, wegen der Reha, die wegfällt

    Vielleicht liegt hier der Knackpunkt? Dass es für Dich eine „Verpflichtung“ war nicht trinken zu dürfen (wohlgemerkt: zu dürfen!)?
    Bei einer zufriedenen Abstinenz ist es - so meine Erfahrung - so, dass das „dürfen“ durch „wollen“ ersetzt wird.

    Wenn Du schreibst, nicht trinken zu dürfen und dass dann noch als Verpflichtung wahrnimmst, dann klingt das für mich nicht nach zufriedener Abstinenz. Ist das so?

    VG Sue

    Hallo Kazik,

    Du bist jetzt ca. 3 Monate abstinent (wenn ich das richtig nachgelesen habe?). Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass dieses Gefühl von Einsamkeit oder Leere irgendwann bei vielen Alkoholikern aufkommt.

    Als ich getrunken habe, hatte ich ja alle Gefühle weggesoffen - das empfand ich damals „besser“ (oder einfacher), als die Gefühle zu fühlen und mich damit auseinandersetzen zu müssen.

    Als der Alkohol dann weg war, kamen nach und nach verschiedene Gefühle an die Oberfläche. Dazu kam dann auch die neue Situation - was „kann“ ich denn jetzt noch machen ohne Alkohol? Am Anfang habe ich alles gemieden, was auch nur im entferntesten mit Alkohol zu tun hatte oder wo das Risiko bestand, dass Alkohol zu sehr im Vordergrund steht (das mache ich übrigens auch heute noch).

    Und dann kam auch oft das Gefühl von Einsamkeit hoch.
    Das Gute daran ist: Du bist ja jetzt nüchtern, hast einen klaren Kopf, kannst jetzt mit dieser Situation umgehen. Kannst Dich auch fragen, woher genau dieses Gefühl kommt. Und was Du eventuell ändern kannst, damit dieses Gefühl nicht mehr da ist.

    Und es gibt so viel, was Du ohne Alkohol machen kannst. Kannst neue Hobbies entdecken (oder alte Hobbies, die wegen dem Alkohol zu kurz kamen, wieder herauskramen), lernst irgendwann automatisch neue Menschen kennen, die auch keinen oder wenig Alkohol trinken, kannst in aller Ruhe nachdenken, wie Du Dein neues Leben gestalten möchtest.

    Am Anfang ist das erst einmal alles ungewohnt, alte Gewohnheiten müssen mit neuen überschrieben werden. Es stehen viele Veränderungen an.

    Gib Dir Zeit, das ändert sich nicht von heute auf morgen.

    VG Sue

    Nein, bis auf gelegentliche kurze Suchtgedanken nicht. Mein "Problem" ist ja, dass mir der Alk noch bis kurz vor der Abstinenzentscheidung geschmeckt hat und ich keine schlimmen Abstürze oder andere Erfahrungen hatte, die abschreckend wirken könnten. Da kann das Suchthirn wohl gut andocken ...

    St ja gut, dass es „nur“ die Suchtstimme ist, die sich da mal zu Wort gemeldet hat. Solange Du für Dich die Abstinenz nicht mehr als Kampf oder Verzicht, sondern als Gewinn siehst, ist alles in Ordnung.
    Bei mir war es auch so, dass mir „mein“ Alkohol (also das Getränk, das ich immer getrunken habe) auch bis zum Schluss noch geschmeckt hat (zumindest die ersten Gläser…). Und auch heute nach über 12 Jahren, meldet sich die Suchtstimme gelegentlich immer mal noch. Das sind dann immer „schöne“ Situationen, wo in meinem Kopf dann kurz der Gedanke auftaucht, dass „jetzt so ein Glas“ ja doch „ganz schön“ wäre.

    Nehme ich dann als kleinen Gruß vom Suchthirn wahr und damit ist es dann auch erledigt.

    Und ansonsten, Fruchtsaft hat bis 0,6 prozent, trinke ich ja auch. Kann ich mir ausrechnen, Liter Apfelschorle 50

    Du vergleichst jetzt nicht ernsthaft Apfelsaftschorle mit alkoholischen Getränken, „alkoholfreiem“ Bier, Tiramisu oder Weinbrandpralinen??

    Der Rückfall beginnt im Kopf. Wenn ich denke, dass die „Dosis“ im Tiramisu oder der Schnapspraline nix ausmacht, bin ich auf direktem Weg in den Rückfall. Bzw bin nicht trocken, da das nasses Denken ist, wie es im Buche steht.

    So etwas hier in einem Forum für (bewusst) Alkoholabhängige zu schreiben, finde ich unmöglich und fahrlässig, könnte es doch diejenigen, die vielleicht noch am Anfang unsicher und nicht gefestigt sind, dazu verleiten, das auch „auszuprobieren“.

    Für mich kommt das kontrolliertem Trinken gleich - und das ist eben für Alkoholiker nicht möglich.