Kazik - Back to life

  • Servus Kazik

    komme mal zu dir.

    . Den dieses selbstschädigende Verhalten macht Sie nicht weil sie will sondern weil Sie muß

    Unabhängig von Ferndiagnosen oder Verallgemeinerungen möchte ich fragen: War es bei dir auch so? Sind das deine eigenen Erfahrungen? Hattest du ähnliche Erlebnisse?

    In den letzten 18 Jahren habe ich immer wieder mit diesem Thema beschäftigt . Die Tatsache, dass ich saufen musste, war der Sucht geschuldet – sonst wäre es keine Sucht . Als ich erkannt habe, dass ich süchtig war, lag es allein an mir zu entscheiden, ob ich so weitermachen wollte oder ob ich etwas dagegen unternehmen würde.

    Ich blieb nicht aus Unwissenheit oder fehlender Erkenntnis in der Sucht gefangen, denn sonst hätte ich keine Trinkpausen gestartet. Diese Pausen waren jedoch nichts anderes als Selbsttäuschung, um weiter zu trinken.

    Ein Leben ohne Alkohol konnte ich mir auch schon damals nicht vorstellen, selbst als Nicht-Süchtiger. Das war mir sozusagen schon früh in die Wiege gelegt, bevor ich überhaupt zum Trinken gefunden hatte.

    Ich habe jedoch nie Alkohol versteckt. Ich stand auch offen dazu. Wenn ich gefragt wurde, warum ich so viel trinke, ging ich in die Offensive und habe direkt mit einem breiten Grinsen und Augenzwinkern gesagt,"weil ich Alkoholiker bin", sodass es als Scherz aufgenommen werden konnte.

    Wenn ich mich bewusst abgeschossen hatte, war ich meist zu Hause, die Rollläden geschlossen, und habe schon mal eine Woche lang durchgesoffen.

    Feiern, Feste oder Saufgelage außerhalb brauchte ich nicht zu vermeiden, da ich in einer Gruppe war, die alle tranken. Ich konnte auch ein Stiefel vertragen, ohne viele merkliche Ausfallerscheinungen, sodass es ehr zu Erstaunen kam, nicht um eine Anklage als Alkoholiker zu sein.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Unabhängig von Ferndiagnosen oder Verallgemeinerungen möchte ich fragen: War es bei dir auch so? Sind das deine eigenen Erfahrungen? Hattest du ähnliche Erlebnisse?


    Hi Hartmut,

    nein bei mir war es nicht bei der Partnerin in dem zitierten Faden. Und es war in gewisser Weise auch nicht so wie Bei Dir.

    Ich blieb nicht aus Unwissenheit oder fehlender Erkenntnis in der Sucht gefangen, denn sonst hätte ich keine Trinkpausen gestartet. Diese Pausen waren jedoch nichts anderes als Selbsttäuschung, um weiter zu trinken.

    Ich habe mit Ende Vierzig angefangen ernsthaft angefangen zu saufen. Das Saufen war der untaugliche Versuch meine Depressionen weg zu saufen. Und ich wusste das dieser Versuch absolut untauglich war.

    Meine Dosis und die Häufigkeit des Saufens hat sich in diesen Jahren nicht verändert. Höchstens an den sehr raren Malen wo ich ausgegangen bin. Ansonsten habe ich alleine zu Hause gesoffen. Allerdings habe ich dafür nicht die Rolladen runtergezogen. Das war nicht notwendig. Mir war es egal. Seit fünf Jahren wohne ich in einer Hausgemeinschaft die sehr verbunden mit einander ist. Eine Gemeinsamkeit in dieser Hausgemeinschaft ist das es keinen oder einen wenig stigmatisierenden Blick auf Sucht gibt. Da ich alleine in meiner Wohnung gesoffen wusste niemand um meinen Konsum. Und ich habe heimlich gesoffen weil ich nicht wollte das es jemand mit bekam. Allerdings wusste ich auch das ich hier im Haus nicht verurteilt werde. Und genau hat sich nach meinem Outing ja auch herausgestellt.

    Wäre ich hier im Haus oder vorher auf meinen Konsum angesprochen worden, hätte ich die Person entweder abgewimmelt oder freundlich aber bestimmt darauf hingewiesen sich um Ihre eigenen Angelegenheiten zu kümmern.

    Ich wusste als ich ernsthaft mit dem saufen begonnen habe das ich davon eher früher als später süchtig werde. Und ich wusste das Sucht heißt das ich keine Kontrolle darüber haben werde das ich saufe. Und ich trage die volle Verantwortung für meine Sauferei.

    In den neun Jahren habe ich vor ca. zweieinhalb Jahren eine Trinkpause von drei Monaten gemacht. Ich wollte testen ob ich aufhören kann. Nun es ging und es ging mir in dieser Zeit auch ganz gut. Aber dann "beschloss" ich weiter zu saufen.

    Ansonsten war die Zeit meiner Sauferei völlig unspektakulär. Zunehmende körperliche und seelische Schäden durch den Konsum und durch meine Taktung. Denn die Tatsache das Alkohol so giftig ist, ist mir tatsächlich erst hier so klar geworden. Darüber hinaus kein selbst- oder fremdschädigendes Verhalten.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Feiern, Feste oder Saufgelage außerhalb brauchte ich nicht zu vermeiden, da ich in einer Gruppe war, die alle tranken

    Bei mir genauso. Ich hatte schon Ausfälle und war extrem auffällig, aber das wurde alles in ‚witzige‘ Anekdoten verpackt und damit die Scham überspielt.
    Außer meiner Tochter hat wirklich nie jemand was dazu gesagt. Eher nach dem Motto ‚na du hast es ja krachen lassen!‘ Das war aber fast schon anerkennend.

    Da gebe ich aber niemandem Schuld. Gesoffen hab ich ganz selbst und genau wie du sagst, haben meine Trinkpausen und vergebliche Versuche weniger zu trinken, schon ganz klar gezeigt, dass ich unterbewusst schon ne ganze Weile spürte, dass ich süchtig bin und da gar nix mehr ‚im Griff‘ hatte.

  • Hallo Ihr,

    mein Leben lebe ich gerade so vor mich hin. So weit, so gut und angenehmerweise relativ unspektakulär. Ich merke immer mehr, dass in den letzten Jahren meines Lebens aus saufen und funktionieren, alles was anstrengend war, richtig anstrengend wurde und alles was belastend war, richtig belastend wurde. Nun ist jetzt nicht alles plötzlich total super. Aber ich merke, dass mir das Leben leichter fällt. Das ist gut. Ich vermisse die Sauferei nicht und die Vorstellung, dass es mir so wie die letzten Jahre, eigentlich fast die gesamten Jahre der Sauferei gegangen ist, ist für mich inzwischen ein No-Go. Denn warum sollte ich etwas tun, mit dem es mir nur bescheiden geht? Ich wusste zu Beginn meiner ernsthaften Sauferei, dass der Versuch meine Depressionen wegzusaufen scheitern wird. Jetzt weiß ich wirklich absolut sicher, dass er gescheitert ist. Zeit für was Neues.

    Etwas was mich in den letzten Tagen beschäftigt, ist, dass ich durch meine Trockenheit innerlich etwas einsam bin. Weil es in meiner ganzen Welt jetzt unendlich viele Bezüge zu meiner Alkoholsucht oder zu Alkohol generell gibt. Ich habe keinen Saufdruck oder ein Verzichtsgefühl. Aber trotzdem mache ich mir Gedanken, wie meine jetzt trockene Welt kurz, mittel und langfristig aussehen wird. Denn ich habe nicht vor als Eremit zu leben. Und gleichzeitig kann und will ich auch nicht alles so weiter machen wie bisher. Das wäre mir auch zu anstrengend, weil ich dann immer innerlich im „Achtungsmodus“ sein müsste. Und so möchte ich nicht leben. Das Gute ist, dass ich mein Leben bisher, so gut ich konnte gelebt habe. Es gibt nüchtern betrachtet somit nichts, auf das ich verzichte. Aber Bewusstsein und Unterbewusstsein sind sich darüber trotzdem nicht ganz einig.;)

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Hallo Kazik,

    ich kann deine Gedanken voll und ganz nachvollziehen. Auch ich habe ab und an solche Gedanken.
    Aus vielen Sachen, Erlebnissen, Feiern oder Events habe ich mich aus Rücksicht auf mich selbst rausgenommen. Ich brauche auf keinen Junggesellenabschied mehr gehen oder zum Stammtisch in die Kneipe – da passe ich einfach nicht mehr hin. Aber das ist auch okay, denn mir ist klar geworden, dass ich das gar nicht mehr möchte. Das bin ich nicht mehr.

    Mit der Zeit haben sich neue Beschäftigungen ergeben, nicht weil ich danach gesucht habe, sondern weil sie sich einfach ergeben haben. Weil ich lebe und am Leben teilhaben möchte.

    So gut es geht, mache ich neben meinen ganzen Verpflichtungen das, worauf ich Lust habe und was mir Spaß macht. Alte Leidenschaften sind auch wieder hochgekommen. Ich bastle wieder viel an irgendwelchen Holzprojekten, sei es für die Kids oder ein neues Vogelhäuschen. Ich habe wieder mit Kampfsport angefangen, fahre viel Rad, mache viel im Garten, lese viel oder höre Hörbücher, Ich bekomme gar nicht alles unter einen Hut, was ich gerne schaffen und machen würde.

    Und meistens bin ich damit zufrieden. Und wenn ich es mal nicht bin, ist das auch okay. Denn ich weiß: Wenn morgen die Sonne scheint, sieht’s schon wieder anders aus.

    „Ein klarer Geist ist wie ein stiller See – jeder Tropfen hinterlässt Wellen, aber die Ruhe kehrt immer zurück.“

  • Hallo Kazik,

    Du bist jetzt ca. 3 Monate abstinent (wenn ich das richtig nachgelesen habe?). Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass dieses Gefühl von Einsamkeit oder Leere irgendwann bei vielen Alkoholikern aufkommt.

    Als ich getrunken habe, hatte ich ja alle Gefühle weggesoffen - das empfand ich damals „besser“ (oder einfacher), als die Gefühle zu fühlen und mich damit auseinandersetzen zu müssen.

    Als der Alkohol dann weg war, kamen nach und nach verschiedene Gefühle an die Oberfläche. Dazu kam dann auch die neue Situation - was „kann“ ich denn jetzt noch machen ohne Alkohol? Am Anfang habe ich alles gemieden, was auch nur im entferntesten mit Alkohol zu tun hatte oder wo das Risiko bestand, dass Alkohol zu sehr im Vordergrund steht (das mache ich übrigens auch heute noch).

    Und dann kam auch oft das Gefühl von Einsamkeit hoch.
    Das Gute daran ist: Du bist ja jetzt nüchtern, hast einen klaren Kopf, kannst jetzt mit dieser Situation umgehen. Kannst Dich auch fragen, woher genau dieses Gefühl kommt. Und was Du eventuell ändern kannst, damit dieses Gefühl nicht mehr da ist.

    Und es gibt so viel, was Du ohne Alkohol machen kannst. Kannst neue Hobbies entdecken (oder alte Hobbies, die wegen dem Alkohol zu kurz kamen, wieder herauskramen), lernst irgendwann automatisch neue Menschen kennen, die auch keinen oder wenig Alkohol trinken, kannst in aller Ruhe nachdenken, wie Du Dein neues Leben gestalten möchtest.

    Am Anfang ist das erst einmal alles ungewohnt, alte Gewohnheiten müssen mit neuen überschrieben werden. Es stehen viele Veränderungen an.

    Gib Dir Zeit, das ändert sich nicht von heute auf morgen.

    VG Sue

    You will bloom if you take the time to water yourself 🌷

  • Hallo Kazik, das mit den Depressionen ging bei mir schon in frühester Jugend los. So mit 13/14. Mein Vater meinte zu mir dann, also ich solle mich zusammenreißen und es gäbe ja im Garten und am Haus genug zutun um mich abzulenken, Das Übliche halt.Diese Generation wuste es ja nicht besser.Mein Vater lebt seit 20 Jahren nicht mehr und ich habe meinen Frieden mit ihm gemacht! Also stand ich als Jugendicher allein mit meinem Problem da! Auf dem Dorf aufgewachsen und durch die Dorfjugend sehr zeitig mit Alkohol in Berührung gekommen! Damals merkte ich dann sehr schnell, daß ich mit Alkohol ganz gut meine Depressionen bekämpfen konnte.(Selbstmedikation).Also waren die Depressionen zuerst da und dann der Alkohol. Zu den Depressionen gibt es eine genetische Disposition in unserer Familie.Allerdings bin ich der Einzige, der dann Alkoholauffällig geworden ist! Ich hatte dann in den ganzen Jahren, bei schweren Depressionen, keinen Appetit auf Alkohol.Eher dann,wenn die Episoden nach Wochen oder Monaten wieder weggingen! Das war dann insofern ein Entlastungstrinken, diese schlimme Zeit wieder überstanden zu haben!! Ich sehe schon einen Vorteil darin Quartalstrinker zu sein,da ich nie körperlich abhängig war und bin!Deswegen bin ich kein besserer Alkoholiker als Alpha,Beta,Gamma und.s.w.Ich trinke nur anders! Dennoch haben mich die Alkoholabstürze in gefährliche Situationen gebracht! Da ich jetzt nichts mehr trinke und das bis zu meinem Ende auch nicht mehr tun werde (Depressionen,sind durch meine Ärzte gut im Griff )bin ich mit mir im Reinen.Eine bewusste Entscheidung! Mir fehlt nichts und ich glaube Alkohol hat mir in Form von Bier,Wein, Cocktail u.s.w. nie geschmeckt. Es ging einzig und allein um die Wirkung! Wenn mich ein Bekannter von früher fragt, warum ich nicht mehr trinke, sage ich.Ich vertrage keinen Alkohol und so ist es ja auch. Bisher haben das alle akzeptiert.Das habe ich auch so erwartet.Das zeigt mir dann doch,daß wir uns einen sehr guten kleinen Freundeskreis aufgebaut haben. Ausnahmen bestätigen die Regel.Sollte jemand damit nicht klarkommen, dann kann ich es nicht ändern.Sein Problem!

    Natürlich muss ich aufpassen.Ich darf nicht leichtsinnig werden! Deswegen hat mich dein Satz, jetzt kommt was Neues angeregt, diese Zeilen zu schreiben.So sehe ich das auch! Ich möchte auf alle Fälle kein verbitterter trockener Alkoholiker werden,dem man sein liebstes Spielzeug weggenommen hat!Das Leben hat soviel zu bieten, gerade wenn man nüchtern ist! Ich kann auch ohne Alkohol Spaß haben! Das ist mir in den letzten Monaten bewußt gewordene!..... Ein paar Gedanken von mir zum Them Depressionen und Alkohol Gruß Bono

  • Ich habe das große Glück in einem alkoholfreien Umfeld zu leben. Auch ist es normal geworden, dass bei mir zu Feiern kein Alk angeboten wird. Ich war die, die immer getrunken hat. Nun bin ich die, die nichts mehr trinkt. Vom Umfeld hat sich bei mir nicht viel geändert, aber in meinem Inneren.

    Alles nüchtern zu erleben ist eine andere Nummer, alle Gefühle und Emotionen bewusst wahrzunehmen und zuzulassen. Ich habe mich in den letzten Monaten viel mit mir selbst auseinandergesetzt. Bin auch auf einem guten Weg mit mir ins Reine zu kommen.

    Die Zeit, in der ich getrunken hatte, hat sich von selbst gefüllt, mit Dingen die ich früher gerne tun wollte, aber durch die Trinkerei hat mir die Zeit dazu gefehlt.

    Habe erst kürzlich eindeckt, dass ich Spaß am Gärtnern habe. Und ich habe noch zwei weitere Ideen was mir als Hobby gefallen könnte. Werde ich nach und nach ausprobieren.

    Zeit für was Neues.

    Etwas was mich in den letzten Tagen beschäftigt, ist, dass ich durch meine Trockenheit innerlich etwas einsam bin.

    Vielleicht fallen dir ja auch Ideen ein, was du schon immer gerne mal machen wolltest, warum nicht jetzt? In einem Verein oder einer Interessengemeinschaft lernt man ja auch neue Leute kennen und Kontakte ergeben sich. Nüchtern und mit klarem Kopf ist doch alles möglich.

    Kazik, einfach was Neues wagen und ausprobieren. So bleibt das Leben spannend 🙋‍♀️

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Hi Kazik,

    ist das innere Ensamkeit oder äussere? Je nach dem ist es völlig unterschiedlich, wie Du das angehen kannst.
    Bei der inneren Einsamkeit fehlt die Verbindung zu sich selbst. Vermutlich weisst Du das.

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Guten Morgen Kazik,

    ich als auch noch Abstinenzneuling weiss auch noch nicht wo der neue Weg hinführen wird / soll. Ich denke da wird sich mit der Zeit vieles von alleine fügen. Wir müssen da einfach nur geduldig sein, vertrauen und stets Augen und Ohren offen halten. Liebe Grüße Blendi

  • Hallo Ihr,

    danke für Eure Antworten, damit fühle ich mich hier schon einmal nicht mehr alleine. Und das ist für mich auch das Tolle an dieser SHG, das ich mich jederzeit hinsetzen kann und etwas schreiben kann, das finde ich sehr wertvoll.

    Kurswechsel Ich werde dieses Jahr 59 und ich habe wie geschrieben mein Leben bis hier her so gut ich konnte gelebt. Das heißt, dass ich viele Dinge schon „erlebt“ habe. Mit den Guten und schlechten Seiten.;) und Ich hätte mir vielleicht die eine oder andere Sache ersparen können, aber ich bereue nichts. Ich habe keinen Nachholbedarf und mir geht es ähnlich wie Dir, das bin ich nicht mehr. Und das meine ich im Guten. Ich kann mir gut vorstellen und wünsche mir das mein weiterer Weg so wie bei Dir verläuft. Ich habe viele Interessen und auch Projekte, die ich Stück für Stück umsetzen möchte. Und auch wenn das widersprüchlich klingen mag, ich möchte diese Projekte im Kern für mich alleine umsetzen. Denn jetzt trocken möchte ich auch einen für mich gesunden Egoismus entwickeln. Denn ich selbst komme gerne mal zu kurz.;)

    sue05 Du hast recht, das Saufen war mein untauglicher Versuch meine Depressionen und meine vorwiegend negativen Gefühle wegzusaufen. Und dass dieser Versuch untauglich war mir vorher sonnenklar.:xDenn, obwohl Alkohol eine starke Droge ist, war das Maximum, was ich mit der Droge erreichen konnte, dass meine Gefühle etwas gedämpft wurden. Das war auch der Grund, warum ich meine Trinkmenge über die ganze Zeit nicht verändert habe. Es gab nur ganz seltene Ausnahmen und auch bei denen habe ich mich nicht komplett abgeschossen. In den letzten Jahre meiner Sauferei war die dämpfende Wirkung fast nicht mehr vorhanden und es ging mir besoffen beschissen. Und nüchtern ging es mir noch beschissener, weil ja jedes Mal die Entzugssymptome hinzukamen, dadurch, dass ich nicht täglich gesoffen habe. Aber das ist jetzt Geschichte und eine Geschichte, die ich nicht wiederholen will.

    Und ja, ich habe vor, geduldig zu sein. Ich bin zwar gerne mal ungeduldig, aber ich kann auch geduldig und beharrlich sein.

    Bono59 Nun bei mir ging es mit den schweren Depressionen "erst" gegen Ende zwanzig los. Meine persönliche Erklärung dafür ist, dass meine persönliche Widerstandskraft eben bis zu diesem Zeitraum reichte. Meine Depressionen sind Anlassbezogen, wobei die Anlässe bis auf einen in meiner Kindheit und Jugend lagen. Ich habe tatsächlich von Anfang an die Erfahrung gemacht, dass die Droge Alkohol nicht annähernd wirksam genug. Da hätte ich schon andere Drogen nehmen müssen. Und ich habe dann auch schnell gelernt, dass die hochwirksamen Medikamente gegen schwere Depressionen eben auch Drogen sind, die ein hohes Abhängigkeitspotential haben. Und dass selbst die erfahrensten Ärzte da einen sehr, sehr schmalen Grat gehen. Ich persönlich lasse mir nur sehr, sehr selten ein solches Medikament geben. In den letzten zwanzig Jahren fast nie. Und jetzt wo ich nüchtern bin, werde ich noch vorsichtiger sein, weil ich über keinen Bock darauf habe in die nächste Abhängigkeit zu rauschen. Ich habe inzwischen auch genügend Erfahrung, um eine Depression auszuhalten und wenn es zu schwierig wird, gehe ich in ein Krankenhaus. Ich habe die gleiche Erfahrung wie Du das, wenn eine Depression bei mir in full swing ist, das ich überhaupt keinen Bock auf Alkohol habe und auch teils ein Jahr und mehr keinen Tropfen getrunken habe.

    KaDett Nun unsere beiden Fäden zeigen ja das wir uns mit uns auseinandersetzen. Und es ist nicht so, dass ich nichts mit mir alleine anzufangen weiß. Das muss sich einfach noch ein wenig einspielen. By the way ich finde es sehr Schade das Du Deinen Faden im offenen Bereich geschlossen hast.

    Lebenskuenstler Die Antwort auf Deine Frage, ob meine Einsamkeit innerlich oder äußerlich ist, es ist beides.

    Äußerlich wie beschrieben das meine ganze Welt in irgendeiner Weise einen Bezug zu meiner Alkoholsucht oder zu Alkohol an sich hat. Und da ich meine Alkoholsucht jetzt gestoppt habe und keinen Alkohol mehr trinken will. Will ich mir jetzt eine Welt schaffen, in der ich beides tun kann, mit dem Aufwand, der nötig ist, aber eben auch nicht mehr.

    Innerlich, weil ich nicht immer in einem guten Kontakt mit mir bin. Da werde ich jetzt mal drüber nachdenken und dem nachspüren. Ein Grund ist auf jeden Fall, dass ich, wenn ich depressiv bin, den Kontakt manchmal bewusst abbreche, weil ich dann handlungsfähig werde. Die Depression versucht, Handlungsfähigkeit bei mir zu verhindern. Aber das ist dann auch immer ein schmaler Grat, denn, wenn ich zu viel handele, kann das auch schnell zu einem Bumerang werden. Und ein zweiter Grund warum ich manchmal aus dem Kontakt mit mir selbst gehe ist das es dort eben auch sehr schmerzhafte Dinge gibt, an denen ich nichts ändern kann. Aber auch hier ist das immer ein sehr schmaler Grat.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Hallo Ihr,

    noch ein kleiner Funfact, ich hatte am Diensttag einen Termin bei meiner Suchtberaterin und hatte Ihr dort erzählt, dass ich die Stadt jetzt mit anderen Augen betrachte und nach Orten schaue, für mich oder generell nicht mit Alkohol besetzt sind. Darauf hin meinte sie, dass die Orte, die Ihr spontan einfallen würden, entweder Spielplätze oder Friedhöfe sind.:shock:

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Hi Kazik,

    bei Deiner inneren Einsamkeit halte ich mich mal raus.
    Ich kenne das Gefühl innerer Einsamkeit, aber da musste ich in mir selbst nachspüren.
    Ich musste da meine tieferen Bedürfnisse entdecken und versuchen, mehr danach zu leben. Und weniger nach dem, was von mir erwartet wurde und was ich selbst von mir erwartet habe. Mir war das ja auch antrainiert, immer der Beste sein zu müssen. Und das beinhaltete auch die Wunschvorstellung, die meine Eltern und Schule mit ihrer Erziehung von mir gezeichnet hatten, also die Rolle, in die ich reingewachsen war, die aber nicht mein Selbst ist. Und so was kann ziemlich tief verborgen sein.

    Ich bin dann dem mal nachgegangen, was ich als Kind für Träume hatte, bevor man mir die ausgetrieben hatte, weil man damit kein Geld verdienen konnte, brotlose Kunst und nutzlose Tändelei. So was in der Richtung. Ich habe mich dann getraut, das angeblich Unmögliche wirklich zu durchleben.
    Das sind aber ziemlich persönliche Sachen und vieles davon ist nonverbal, kann man kaum rational und analytisch angehen. Ich habe eine Technik gelernt, Bilder in mir aufsteigen zu lassen und zu spüren, was mir gefällt und was wirklich wichtig für mich ist. Liebe gehört jedenfalls auch dazu..

    Zum äusseren: ich bin mehrmals in meinem Leben über größere Stecken umgezogen, so dass ich jedesmal auch mit dem Bekanntenkreis neu anfangen musste. Beim Studium war das noch relativ einfach, dann waren es die Arbeitskollegen. Beim letzten Umzug, als ich noch getrunken habe, war ich mehrere Jahre Fernpendler und habe an diesem Wohnort dann gar nichts mehr gemacht ausser ab und an in die Dorfkneipe. Das war menschlich unbefriedigend und meistens habe ich alleine zu Hause gesoffen. Als ich aufgehört habe, hat mich das feuchtfröhliche Vereinsleben dort auch nicht interessiert.

    Ich habe aber aus den Träumen, von denen ich gerade geschrieben habe, und meinen beruflichen Kenntnissen ein Geschäftsmodell gemacht und dann dort über Jahre aus dem Homeoffice gearbeitet. Und das war ja dann auch gleichzeitig mein Hobby und dafür habe ich in einer benachbarten Großstadt Leute mit ähnlichen Interessen gesucht. Das lief auch, war aber mehr auf Vereinsbasis. Freunde im engeren Sinn hatte ich da keine, aber ich war auch nicht isoliert. Und daneben habe ich mir ganz banal einen regionalen Alkoholiker-Selbsthilfeverein gesucht, wo sie froh waren, dass ein damals schon relativ lange Trockener ab und an vorbeiguckte. Ich konnte mich dort nützlich machen, ähnlich wie hier ein Moderator. Es war auch interessant da, einige Leute kennengelernt, mit denen ich bis heute Kontakt habe.

    Vor 7 Jahren bin ich nochmal umgezogen und da bin ich das ganz gezielt angegangen. Ich wusste, ich habe bestimmte Interessen und ich möchte ein paar wirkliche Freunde finden, wo das natürlich auch mit meiner Nüchternheit klappt. Ich habe in der Zeitung, im lokalen Kommunalblatt, im Internet geguckt, was es hier überhaupt gibt. Zuerst habe ich zu viel angefangen, aber dann habe ich wieder weggelassen, was nicht so gut lief, Anderes lief dafür besser.
    Bis jemand Freund ist, dauert das bei mir ein wenig, aber zum Unterhalten hatte ich bald Leute. Und inzwischen habe ich auch Freunde hier. Alle wissen, dass ich nicht trinke, stören tut es keinen. In meinem Besein trinkt keiner, weil sie sowieso alle kaum trinken und und genau wissen, dass ich mich lieber mit Nüchternen unterhalte. Andere kommen mir nicht nahe genug, dass es mich tangiert. Und ausserdem leite ich hier einen Arbeitskreis, das ist aber auch Hobby und menschlich geht da auch Einiges. Da kommen alle nüchtern, da wird nicht getrunken und ich bin derjenige, der sagt, wann wir uns treffen. Die verlassen sich da absolut auf mich und hören auf meine Wünsche, keiner sagt mir, was ich tun soll, und es ist immer schön.

    Vielleicht ist ja was für Dich dabei.

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
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    Einmal editiert, zuletzt von Lebenskuenstler (20. März 2025 um 16:31)

  • Und ich habe dann auch schnell gelernt, dass die hochwirksamen Medikamente gegen schwere Depressionen eben auch Drogen sind, die ein hohes Abhängigkeitspotential haben. Und dass selbst die erfahrensten Ärzte da einen sehr, sehr schmalen Grat gehen. Ich

    Welche Wirkstoffe (nicht Medikamentennamen) meinst Du damit? "Normale "Antidepressiva, z. B. Serotoninwiederaufnahmehemmer, machen nicht süchtig, das ist erwiesen.

    Dazu sage ich immer aus eigener Erfahrung: Wenn die Menschen doch nur halb so viel Angst vor Alkohol hätten wie vor Antidepressiva...

  • Hallo Rennschnecke und auch Alle,

    bevor hier irgendwelche Missverständnisse aufkommen, ich meinte mit hochwirksamen Medikamenten gegen Depressionen Beruhigungsmittel. Und diese Medikamente sind nicht nur hochwirksam, sondern notwendig, weil ich selbst die Erfahrung gemacht habe, dass beispielsweise die innere Unruhe sehr, sehr schwer auszuhalten ist und ich, selbst wenn ich nicht mehr konnte, ein Beruhigungsmittel angenommen habe. Wie geschrieben, ich halte diese Medikamente für absolut notwendig. Aber sie haben ein Abhängigkeitspotential, dessen sind sich Ärzte bewusst und mir als aufgeklärten Patienten ist das auch bewusst.

    Ich selbst nehme seit Jahrzehnten Antidepressiva. Diese Mittel machen nicht abhängig, wie Rennschnecke richtig schreibt. Dies ist nicht nur hinreichend nachgewiesen, sondern es gibt auch keinen mir bekannten Fall, wo Menschen von Antidepressiva abhängig geworden sind. Antidepressiva sind aber auch keine hochwirksamen Medikamente und auch das ist mir als aufgeklärten Patienten bekannt. Genauso wie ich meine Medikamente selbstverständlich von meiner Ärztin verschrieben bekomme und diese gemäß Ihrer Verordnung einnehme.

    Ich hoffe, das war jetzt klar.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Danke für die Klarstellung, Kazik, das halte ich für sehr wichtig, das es da noch viel zu viele Vorbehalte gibt.

    Antidepressiva sind aber auch keine hochwirksamen Medikamente und auch das ist mir als aufgeklärten Patienten bekannt.

    Hmmh, sagt mir nichts....inwiefern hochwirksam?

    Ich weiß nur, dass ärztlich unbegleitetes, plötzliches Absetzen von Antidepressiva die Suizidgefahr massiv erhöhen kann und außerdem dazu führt, dass eine später neu gestartete Behandlung nicht mehr so wirkungsvoll ist. (Letzteres erlebt gerade ein Bekannter mit bipolarer Störung (früher: manisch-depressiv genannt).

  • Hi Rennschnecke ,

    ich meinte nicht hochwirksam im Vergleich beispielsweise zu einem Beruhigungsmittel. Ich bin kein Arzt deshalb gebe ich nur das wieder, was meine Therapeutin zu mir gesagt hat: Antidepressiva bereiten den Boden vor das ich entweder von einer Therapie profitiere oder wenn die Depression anfängt ab zu klingen mir wieder besser helfen kann.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Danke für die Klarstellung, Kazik, das halte ich für sehr wichtig, das es da noch viel zu viele Vorbehalte gibt.

    Hmmh, sagt mir nichts....inwiefern hochwirksam?

    Ich weiß nur, dass ärztlich unbegleitetes, plötzliches Absetzen von Antidepressiva die Suizidgefahr massiv erhöhen kann und außerdem dazu führt, dass eine später neu gestartete Behandlung nicht mehr so wirkungsvoll ist. (Letzteres erlebt gerade ein Bekannter mit bipolarer Störung (früher: manisch-depressiv genannt).

    Also ich kenne mich ganz gut.aus.Ich gebe dir recht Rennschnecke.Es ist meiner Meinung nach nicht einfach, mit diesen Medikamenten umzugehen und es ist auch wichtig ,gerade bei Bipolaren, die richtige Medikation zu finden. Natürlich sollte das mit dem Arzt immer genaustens abgestimmt werden Das bipolare Krankheitsbild wird meist spät entdeckt und vorher "nur " als Depression behandelt. So wie ich weiß, müssen sie ihr ganzes Leben Medikamente nehmen um bei richtiger Medikation ein relativ normales Leben führen zu können.Auch bei schweren Depressionen geht es auch

    nicht ohne Medikamente! Allerdings ist es meist die einzige Möglichkeit, das Leiden erträglich zu machen. Deswegen sollten die Betroffenen Respekt vor diesen Medikamenten haben, aber keine Angst.Es wabern da auch viele Mythen durch die Welt.Bei den verschienenen Betroffenen, wirken die Medikamente natürlich auch nicht gleich.Ich bin kein Arzt! Das ist nur das, was ich darüber weiß.

  • Moin, ist ja eine recht lange Disskusion über Depressionen (Bipolarität)geworden. Ich stimme euch in den meisten Punkten zu.Zeigt es mir doch wieder, das es sehr oft einen unseligen Zusammenhang zwischen Depression und Sucht gibt.(als ob eine stiegmatisierte schlimme Krankheit nicht reicht!!!)Allerdings haben alle Betroffenen eigene Erfahrungen und Glaubenssätze,was auch ganz normal ist.Ich werde mich jetzt erstmal rausnehmen aus dem Thema.IEs ist nachwievor ein interessantes Thema.Allerdings kann es passieren, (ich bin kein Arzt!),das dann irgendwann gefährliches Halbwissen kommuniziert wird. Also,wie Hartmut mal so schön geschrieben hat. Schuster bleib bei deinen Leisten. Schönen nüchternen Tag. Gruß BO

    Einmal editiert, zuletzt von Bono59 (21. März 2025 um 09:44)

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