Vielen Dank Frozen Tears und Paddy
Ja, gestern Abend war es fuer mich eine regelrechte Leere.
Ich dachte, ok, was soll ich tun, wenn mir doch abedr das Gespraech hier so viel bringt, muss ich mir auch das verbieten, da ich dann die eine durch die andere Sucht ersetze?
Vielleicht sicherlich gibt es Anzeichen dafuer, dass man Suechte ersetzt. Aber ehrlich gesagt, warum darf ich nicht?
Die letzten 2 tage waren extrem.
Ich kann garnicht so richtig klare Gedanken fassen grade.
Frozen Tears
Ja, er sagt, dass er nicht mehr trinken will. Aber schon in dem Moment denke ich "Ja, vielleicht meint er das auch grade so, in der Trauer um die Trennung, aber letztendlich muss er es wollen, weil ER so nicht mehr kann, nicht um mich zurueckzubekommen"
Ich weiss das und auch das habe ich ihm klar gesagt.
Er hatte sich auch sehr drauf versteift, zu mir zu kommen, mich zu sehen.
Am Ende habe ich klar gesagt, dass ich nicht moechte dass er kommt. Das war sehr schwer, klar sind da meine Gedanken, dass es ihm helfen koennte, mal ganz abgesehen davon dass auch ich ihn gerne in den Arm nehmen wuerde.
Neben all meiner Kuehlheit gegenueber ihm (die ich wirklich wahre) habe ich ja auch meine Emotionen dazu. Trotz emotionaler Distanz, die ich mir aufbaue, habe ich ja auch viele Gefuehle, mit denen ich umgehen muss.
Ich bin sehr kalt.
Er weint nur, und ich sage, dass es nichts zu reden gibt.
Er sagt, er kann nicht mehr so weitermachen und schluchzt. Ich sage, dann tu was und hoer auf drueber zu reden.
Er sagt, es zerreisst ihn, dass er mich durch die Trinkerei verloren hat.
Ich sage, schau nicht in die Vergangenheit, was passiert ist, ist passiert, lerne draus und mache es im JETZT und HIER so, dass es sich fuer dich gut anfuehlt.
Er sagt, dass er mich braucht, ich sage dass er einen Therapeuten braucht.
Ich weine nicht, obwohl es mir auch zum Weinen ist, ich sage nicht, dass ich ihn vermisse, ich sage auch nicht, dass auch ich ihn gerne sehen wuerde.
Er sagte, er hat Angst, dass er es nicht schafft.
Ich sagte, dass Angst haben in Ordnung ist, dass es nur nicht in Ordnung ist, deswegen nichts zu tun und jeden Tag erneut die Entscheidung zu treffen, in dem alten Kreis zu bleiben.
Ja, ich weiss, diese Gespraeche sind wieder Therapiegespraeche.
Er ist voll auf mich fixiert und darauf, dass er vl was "retten" kann, denke ich. Und ich weiss, dass das eine falsche Motivation ist. Ich weiss das.
Er sagt zwar, dass er fuer sich das aendern muss, dass er seinen Koerper und seine Psyche retten muss, die er sich seit Jahren versaeuft, aber ob er das wirklich so sieht, ist eben letztendlich nicht klar.
Ich habe ihm gesagt, ich warte nicht mehr auf ihn, er ist frei, er kann was machen, oder eben nicht.
Ich habe ihm gesagt, dass ICH jedenfalls frei sein will und dafuer was tue.
(auch wenn ich gestern nicht frei war, aber auch das will ich nicht bereuen.)
Du hast Recht, die Sucht ist durchtrieben und ich weiss, dass er Trinken "muss" und ich weiss, dass es nichts bringt, wenn er zum Arzt geht, weil man ihn draengt. Aber ich weiss auch, dass er so nicht leben will, wie er jetzt lebt.
Aber dennoch macht er es immer wieder von der Beziehung mit mir abhaengig.
Er ist im Grunde grade genauso abhaengig von mir wie vom Alkohol, genauso wie ich abhaengig war (und es teilweise noch bin) von ihm und von seiner Trinkerei.
Ich weiss, dass ich jetzt konsequent sein muss. Auch fuer mich. Und ich merke auch, dass die letzten 2 tage nicht gut fuer mich waren.
Aber es bringt auch fuer mich nichts mich daran aufzuhalten, was jetzt eben so war.
Ich muss weiterarbeiten, dann eben heute, und morgen und so weiter...
Denn genau das ist es ja, ich will garnicht erst so denken "ach, jetzt bin ich doch rueckfaellig geworden, dann kann ich ihn ja heut auch nochmal anrufen und fragen, wie es ihm geht"
NEIN
Es geht weiter, trotz Versuchung, der ich vielleicht jetzt nicht standhielt.
Die Hintertuer, die du ansprichst.
Es kann sein, dass ich hoffe, dass sich was aendert, aber ich muss sagen, ich hoffe im Grunde nur, dass er den Schritt macht, was zu aendern und ich weiss im Grunde, wenn er wirklich den Schritt macht und sich aus seiner Gefangenschaft befreit, dass er dann auch mich anders sehen wird. Darauf hoffe ich.
Dass er dann automatisch erkennen wird, dass ich garnicht so wichtig bin, wie er glaubt.
Der Schritt aus seiner Alkoholsucht waere auch der Schritt aus seiner Miriel-Sucht.
Das wuensche ich ihm.
Paddy
Ja, der Zugang zu meinen eigenen Gefuehlen.
Ich habe ein paar Monate mit ihm gelebt, das war genug um zu erkennen, dass ich das nicht kann und nicht will, genug um das Gefuehl zu bekommen, dass ich an Realitaetsverlust leide, dass ich meiner Wahrnehmung ueberhaupt nicht mehr traute und das gefuehl hatte voellig den Boden unter den Fuessen zu verlieren. Und auch die Zeit, in der wir nicht zusammenlebten, hat mich trotz raeumlicher Distanz voellig mitgerissen.
Ich weiss nicht mehr richtig, WAS ich fuehle.
Traurigkeit sicher.
Angst auch.
Fuer diesen Menschen empfinde ich sicherlich etwas. Was es ist, ist nicht so wichtig.
Ich will es nicht definieren muessen.
Aus der Beziehung habe ich mich befreit. Und ich will nicht traurig sein, dass sie vorbei ist.
Ich bin froh, dass es so ist, ich bin dankbar fuer die schoenen Momente und ich bin dankbar, dass ich heute so weit bin, wie ich bin, was ich ohne all das vielleicht nie waere.
Von daher ist es vielleicht genauso gut, wie es ist.
Und deshalb moechte ich auch nicht zurueckblicken.
Das Leben ist so lang. Zeit rennt zwar, aber ist dennoch so "fuellbar"
Man muss es nur wollen.
Ich will, ich tue das, was ich kann, fuer mich. Ich arbeite daran, jeden Tag.
Ich versuche, mich selbst wieder zu spueren, was ich jahrelang glaube ich nicht gemacht habe. Ganz einfach, zu fuehlen, was ich wirklich empfinde, und danach zu handeln.
Hoert sich einfach an, ist aber unglaublich schwierig.
Wisst ihr sicher alle 
Ich danke euch sehr fuer eure Beitraege.
Mir bringt es sehr viel, das Schreiben, da es fuer mich so zum Einen realer wird, was ich tue und zum Anderen kann ich so nochmals besser reflektieren, was sicher hilfreich ist.
Alle zwei Wochen 50 Minuten zur Beratung. Da ist es unmoeglich ueberhaupt irgendetwas wirklich zu besprechen, was nicht sowieso schon passiert ist, es ist einfach nicht wirklich moeglich, richtig zu arbeiten. Das muss ich selbst, jeden Tag. Und dabei helft ihr mir einfach unglaublich.
Und allein nur das Schreiben und Lesen hilft.
Natuerlich koennte ich auch ein Buch schreiben anstatt dessen.
Waere sicher auch hilfreich.
Aber da waere ich dennoch im Grunde wieder allein mit meinem ganzen Gedankenchaos.
Ihr helft mir, zu ordnen. Und ich glaube, das ist das, was ich am meisten brauche.
Danke