Beiträge von inbetween

    Liebe Miriel,

    drehe das Szenario doch einmal um.
    Was wäre, wenn du ihn anrufen und vier Tage lang nicht erreichen würdest? Du würdest dir große Sorgen machen – an Rückfall, Krankenhaus, ... oder noch Schlimmeres denken.
    Ja, und dann? Deine Gedanken würden um ihn kreisen. Aber: was könntest du tun, selbst wenn er besoffen unter der Brücke oder im Koma im Krankenhaus liegt? Nichts.
    Du möchtest die Kontrolle nicht verlieren – du möchtest informiert sein. Und dieses Gefühl – so denke ich – machst du gerade zu seinem, indem du dich fragst, ob du ihn informieren solltest.
    Aus meiner Sicht: nein, du musst ihn nicht informieren. Er wird es überleben, wenn er dich nicht erreicht. Ganz sicher. Ich würde dir sogar raten, lass dein Handy zuhause.

    „kontrollierter Kontakt“:
    Auch da habe ich den Eindruck, du weißt die Antwort eigentlich selbst. Ich hatte schon vor Eurem letzten Kontakt am WE das Gefühl, dass du dich mit dem Anruf bei ihm belohnt hast. Zum einen für deine Standfestigkeit unter der Woche, zum anderen dafür, dass du dich um dich selbst gekümmert und gearbeitet hast.
    Ich hatte selbst ähnliche Gefühle nach dem letzten Wochenende. – Ich habe mir bewiesen, dass ich durchhalte, also kann ich es ja mal wieder versuchen. Ich hab’s gelassen, aber die Versuchung war da.
    Von daher: ja, Abstände ausdehnen. Kein Belohnungssystem einführen.

    „normale Reaktion“:
    er gönnt dir deinen Urlaub, das ist doch schön. Er überlegt sich, selbst in Urlaub zu fahren.
    Frage: löst es bei dir Ängste aus, wenn er selbst seine Fühler nach neuen Dingen ausstreckt?
    Frage: möchtest du als Indiz für seine beginnende Genesung sehen? Wenn ja, warum?
    Frage: willst du ihm insgeheim vorleben, wie „es“ geht, unabhängig vom anderen Dinge zu unternehmen?

    Das sind meine Gedanken dazu.

    Ganz lieber Gruß von
    Lea

    Lieber Hiob,

    willkommen hier im Forum. Ich hoffe nicht, dass Nomen bei dir Omen ist oder sein wird – aber ich höre aus deinem Eintrag sehr stark heraus, dass du große Angst hast, alles zu verlieren und dich mit der Situation im Moment, wo alles in der Schwebe ist, einfach überfordert fühlst. –
    Auch wenn es dir gerade im Augenblick nicht so scheint – es gibt für fast jedes Problem eine tragbare Lösung. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das Festhalten an Gedanken wie „es hätte doch so schön sein können“ manchmal dazu führt, dass man Lösungen nicht sofort sieht.
    Du hast ja schon sehr viel organisiert und sehr viele Dinge in die Wege geleitet. Was du von der Beziehung zu deiner Frau schreibst, klingt für mich klar und gefestigt, deine Entscheidungen scheinen gefallen und dein Entschluss dich definitiv zu trennen, fest. Bleiben die Probleme mit Haus, Kindern, Arbeitspensum und psychischer Belastbarkeit.
    Du schreibst, das Bauernhaus ist teilsaniert.
    Besteht die Möglichkeit, dass du einen Teil vermieten kannst bzw. wäre das für dich eine Option? Eine weitere spontane Idee von mir wäre (wenn du dir so etwas vorstellen kannst), dass du ein WG-Angebot inserierst, vielleicht gerichtet an jemanden, der alleinerziehend ist.
    Das sind mal nur so ganz spontane Gedanken, die vielleicht nicht unbedingt die besten sein müssen. Einfach um dir ein bisschen Mut zu machen, dir Lösungen zu überlegen.
    Wie ist es: wird/will deine Frau ausziehen, habt Ihr darüber gesprochen?

    Schreib einfach auf, welche Art Hilfe du möchtest.
    Ganz liebe Grüße
    Lea

    Oh liebe Miriel,

    das klingt schlimm, was du von der Persönlichkeitswandlung deines XY unter Alkoholeinfluss erzählst.
    Bei meinem Freund kam auch manchmal so etwas zum Vorschein, allerdings nicht so regelmäßig und absehbar, wie du das beschreibst. Aber es stimmt: das ist kein Leben, das ist ein Horrortrip, auch wenn alles andere noch so schön war. Der Preis wäre zu hoch.
    Und die Dinge, die du beschrieben hast und in seiner Gegenwart „sein konntest“ – das BIST alles du. Nach wie vor. Und vielleicht wird es einmal wieder jemanden geben, der dich auch so lassen kann, wie du bist – und der nicht trinkt.
    Oder noch besser: du fängst an, dich immer und überall selbst so zu lassen, wie du bist – und lässt nur für dich bzw. deine kleinen Spinnereien die Leute Leute sein und hast Freude an dir selbst, wohin der Moment dich eben gerade trägt.

    Ganz liebe Grüße von
    Lea

    Liebes Forum,

    mal wieder ein kleines Lebenszeichen. Ich habe ein schwieriges Wochenende hinter mir, ein sehr stilles – die Minuten haben sich gezogen wie Kleister. Aber ich wollte mich dem diesmal ohne Ablenkung stellen. An diesem Wochenende hätten wir uns ursprünglich sehen wollen. Die Funkstille besteht weiterhin, und ich bin froh darüber. So hat der Verstand Zeit, das Herz zu beruhigen, wenn es mal wieder die Fühler ausstrecken will. Aber dieses Wochenende hat mir auch gezeigt, wie viel von alldem im Kopf und ausschließlich im Kopf stattfindet. Hätte ich nicht gewusst, welches Datum ist, welcher Wochentag, es hätte mir viel weniger ausgemacht. Ich denke, es gibt noch viele kleine Dinge zu Grabe zu tragen, bevor mich wirklich nichts mehr erschüttern kann.

    Eine nachdenkliche aber schon etwas zuversichtlichere
    Lea

    Liebe Herze,

    ich kann eigentlich nichts schreiben, was die anderen nicht schon geschrieben hätten:
    versuche erst einmal, wieder zu dir zu kommen. In dem Chaos, in dem du gerade steckst, ist es einfach schwer, einen klaren Gedanken zu fassen.
    Aber im Prinzip ist es völlig egal, was er mit wem wann warum macht.
    Was wäre, wenn der schlimmste Fall zuträfe? Er ist bei einer anderen Frau? Du hast es selbst ja schon geschrieben – dein Selbstwertgefühl wäre dahin, weil du es in der Beziehung zu diesem Mann gesucht hast. Genau da musst du ansetzen. Warum bist du dir selbst so wenig wert?
    Was wäre, wenn sich alles aufklärt, und keine andere Frau damit etwas zu tun hat? Du würdest dich wieder schuldig fühlen, weil du ihn falsch verdächtigt hast, oder du wärest überglücklich, weil deine Befürchtung nicht eingetreten ist.
    So oder so hängt dein Wohl und Wehe von diesem Menschen ab. Das ist Co-Abhängigkeit.
    Und du wirst dir damit selbst immer und immer wieder weh tun.
    Lass’ es nicht zu. Sei dir etwas wert! Du hast alles Gute verdient, was diese Welt zu geben hat. Das hier ist nicht gut. :(

    Mit vielen lieben Grüßen
    Lea

    Oh je, das kann ich mir vorstellen, dass dir das wie ein Riesenberg vorkommt. Ich hatte so eine Aufschieb-/Verdräng-Phase ganz kurz vor meiner mündlichen Abschlussprüfung (vorher nicht), mit der das Studium dann tatsächlich komplett zu Ende ging. Ich habe dann letztlich doch alles gut über die Bühne gebracht und die Kurve gekriegt. Im Nachhinein betrachtet, glaube ich, wollte ich das Ende einfach ein bisschen weiter hinauszögern und hatte auch etwas Angst vor dem, was nach dem Studium kommen würde. Es war dann alles halb so wild und hat sich prima gefügt.
    Weißt du denn schon genau, was du nach dem Studium machen willst oder hast du schon Aussicht auf einen Arbeitsplatz?
    Vielleicht könnte es dir helfen und etwas die Anspannung nehmen, wenn du dich mit der Zeit nach dem Studium intensiv beschäftigst? Damit, was dann sein soll und was realistisch umsetzbar ist?
    Was mir auch in die Richtung gehen zu scheint, ist, dass du mal erzählt hast, dein Freund und du, ihr hättet auch gemeinsame berufliche Zukunftspläne gehabt. Die sind ja dann auch erst mal passé ... könntest du diese Pläne auch ohne ihn umsetzen?
    Ich glaube einfach, ein konkreter Plan für die Zeit nach dem Studium erhöht die Motivation, es zu Ende zu bringen (ist ja nun auch einfach eine schöne Zeit) und die letzten Hürden zu nehmen.

    Hmm – manchmal habe ich solche Phasen auch, die du da beschreibst. Bei mir liegt es dann meistens tatsächlich daran, dass ich an irgend etwas herumknabbere, ohne mir dessen wirklich bewusst zu sein. Wenn ich mir dann etwas Ruhe gönne, dann kommt es meistens auch an die Oberfläche, dann kann ich mich damit auseinandersetzen und dann ist es auch wieder gut.
    Du schreibst, du müsstest eigentlich andere Dinge tun – wie wichtig sind die denn? Hast du dich selbst/ein Prüfungsergebnis oder etwas anderes Wichtiges schon einmal durch so eine Phase des Aufschiebens gefährdet? Wenn nicht, dann würde ich mir da keinen so großen Kopf drum machen.
    Klar kann man immer irgend etwas „Nützliches“ tun – aber man muss nicht. Finde ich. :wink::wink:

    Huhu Miriel,

    so dünnhäutige Tage, an denen ich am liebsten die Decke über den Kopf ziehen würde, die habe ich auch immer wieder.
    Ich glaube, man hat sie mit oder ohne Partnerschaft oder Trennung. – Mich begleiten sie jedenfalls schon sehr lange.
    Vielleicht sind es aber auch Tage, an denen unterschwellig etwas in einem passiert, das jetzt noch nicht an die Oberfläche kann, so eine Art Verpuppung, aus der man anders hervorgeht.
    So eine verpuppte Raupe tut auch nichts außer rumhängen. Aber irgendwann ist sie dann ein schöner Schmetterling. – Manches passiert im Stillen.

    Ich finde, sich ab und an mal hängen lassen ist in Ordnung.
    Viele Liebe Grüße!
    Lea

    Liebe Marion,

    schön, dich zu lesen!
    Und gutes Handy, das du da hast ... !!

    Beim Lesen deines Beitrags ist mir ein Spruch eingefallen, den ich mir vor ein paar Jahren mal aus einem Buch abgeschrieben habe.

    „The bond that links your true family is not one of blood, but of joy and respect in each other’s life – rarely do members of one family grow up under the same roof.“

    (Das Band, das deine wahre Familie verbindet, besteht nicht aus Blut, sondern aus dem Respekt, den man einander entgegenbringt und der Freude, die man aneinander hat. Selten wachsen die Mitglieder einer „Familie“ unter dem gleichen Dach auf.)

    Lieber Gruß!
    Lea

    Liebe Herze,

    mache dir erst einmal keine Vorwürfe. Du bist enttäuscht, das ist verständlich. Du bist in das alte Muster zurückgefallen, das ist verständlich.
    Die Co-Abhängigkeit ist ein zähes Biest, und so leicht gibt sie den Kampf um das Vertraute nicht auf.
    Wichtig ist, dass du jetzt erst mal wieder zu dir selbst kommst. Wichtig wäre aus meiner Sicht auch, dass du dir tatsächlich so schnell wie möglich eine eigene Wohnung suchst oder deinen Partner wirklich – so wie du es angekündigt hast – zum 1. September vor die Tür setzt.
    Besser wäre es allerdings, du gehst selbst.
    Das alles kannst du nach wie vor tun, es ist durch deinen „Rückfall“ nichts verloren, außer etwas von deiner Selbstachtung. – Aber die kommt zurück, wenn du sie lässt!

    Nicht aufgeben!
    Lea

    Liebe TT,

    hier schreibt dir auch eine „Rückzugstante“ – und ich möchte dir einfach kurz mitteilen, dass du nicht allein bist mit deinem Gefühl. Auch ich habe für mich erkannt, dass ich größere Rückzugsräume brauche als andere Menschen. Früher dachte ich auch immer, das ist nicht „normal“ dass mich die Gesellschaft anderer so anstrengt – auch die von Menschen, die ich mag (manchmal wurde mir das auch mitgeteilt, dass es als nicht „normal“ empfunden wurde, dass mir bestimmte Dinge – großer Rummel, Smalltalk usw. – keine Freude machen). Inzwischen habe ich mich damit abgefunden und weiß, dass ich diese Rückzugsräume wirklich brauche, damit es mir gut geht, und sehe das – jedenfalls für mich – nicht (mehr) als Defizit, sondern eben einfach als Teil meiner Persönlichkeit an, den ich respektieren und auf den ich Rücksicht nehmen muss, wenn ich mich nicht selbst überfordern will (wie du es z.B. von deinem Arbeitsplatz beschreibst).

    Wenn ich es richtig verstanden habe, leidest du zum einen an den äußeren Umständen (Arbeitsplatz passt nicht) und zum anderen daran, dass du meinst, andere würden Erwartungen an dich stellen (regelmäßig melden usw. ...), die du nicht erfüllen kannst, weswegen sie sich dann zurückziehen.
    Du hast auch geschrieben, in deiner Studienzeit sei dir das alles leichter gefallen, und du hättest die Balance besser finden können. Wenn du irgendwie die Möglichkeit dazu hast und die finanziellen Einbußen erträglich sind, dann schaffe dir diese Freiräume wieder. Sie sind mehr wert als Gold und Geld. Das ist meine Erfahrung.
    Und – hast du mit den Menschen in deiner Umgebung, die dir wichtig sind, schon einmal darüber gesprochen, wie du „tickst“? Dass sie es dir nicht übel nehmen sollen, wenn du mal auf Tauchstation gehst, weil du das einfach manchmal brauchst? (Also quasi ihnen das gesagt, was du hier geschrieben hast)?
    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich durchaus auf Verständnis stoße, wenn ich das mitteile – und dass ich viel weniger als „Zumutung“ wahrgenommen werde, als ich mir selbst das manchmal einbilde. Das hat sehr viel Druck von mir genommen.

    Und traue es den anderen ruhig zu, dass sie dir sagen können, ob du sie tatsächlich in irgendeiner Form belastest (z.B. wenn du ihnen sagst, dass es dir nicht gut geht). Das auszusprechen, dafür sind sie selbst verantwortlich, du musst das nicht aus Angst vorwegnehmen oder sie in der Form schützen, dass du lieber gar nichts sagst. Denn damit geht es dir selbst auch nicht gut.
    Und genauso ist auch jeder Mensch selbst dafür verantwortlich (denke ich), zu formulieren, wenn er/sie Hilfe braucht und was für Unterstützung er/sie genau möchte. Wenn ich nicht sicher bin, ob jemand meine Hilfe möchte oder wie ich helfen kann (manche Menschen bitten ja nur sehr indirekt um Hilfe und erwarten tatsächlich, dass man selbst darauf kommt), dann frage ich inzwischen einfach nach. Damit geht es mir viel besser, und ich mache mir nicht mehr so viele Gedanken.

    Viele liebe Grüße von
    Lea

    Ich habe gerade mal in meine schlauen Bücher geschaut und in einem Yoga-Buch die Reinigungsatmung (Kapalabhati) gefunden – kannst du bestimmt auch im Internet googeln.
    Dafür brauchst du gar nicht viel Zeit – vielleicht wäre das ja ein erster Schritt. Mir hat sie gerade sehr gut getan!

    Lieber Gruß!

    Zitat von TimeIsAHealer

    Und wenn man es ganz hart sieht..

    Wenn er mein Suchtmittel ist, sowie der Alkohol seins, dann bedeute das ja fuer die Zukunft, dass ich fuer immer die Finger davon lassen muss, um nicht wieder rueckfaellig zu werden.

    Hm – das weiß ich nicht so genau. Ich finde es ganz passend, was Frozen Tears geschrieben hat: es geht darum, sich von der eigenen Sucht und von der Sucht des Partners zu lösen.
    Auch ich denke, Freundschaft wäre sehr schwierig. Andererseits habe ich schon manchmal bei dem Gedanken beobachtet, dass viele Erwartungen meinerseits ganz anders (nämlich viel weniger extrem) wären, wenn es sich klar nur um Freundschaft handeln würde.
    Ob das umsetzbar wäre? Kann ich nicht sagen. Im Moment auf keinen Fall.
    Aber es gibt mir doch zu denken.

    Huhu,

    doch, ich finde schon, körperliche Aktivität bringt auch Entspannung. Und wenn der Körper erst mal müde ist, dann kann der Geist vielleicht auch ein bisschen besser zur Ruhe kommen.
    Kickboxen ist bestimmt auch ganz gut gegen die Aggros. :D :D
    Hast du, wenn du so angespannt oder traurig bist, schon mal auf deine Atmung geachtet? Ich merke bei mir dann ganz oft, dass ich fast ein bisschen die Luft anhalte oder nur ganz flach atme.
    Da hilft es dann manchmal schon, wenn ich einfach gezielt Bauchatmung mache, selbst das entspannt schon ein bisschen.

    Ganz lieber Gruß
    Lea

    Liebe Herze,

    in meiner ersten Zeit nach dem Entschluss zur Trennung war es jeden Tag eine riesige Kraftanstrengung, nicht wieder in die alten Muster zu fallen.
    Und auch das Bedürfnis, dem Partner erklären zu wollen, warum man nicht mehr kann und zu hoffen, dass er dann alles einsehen wird – es wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht passieren.
    Es gibt leider keine schnelle Lösung, für deine Situation nicht, und für seine auch nicht.
    Vielleicht hilft es dir, erst einmal aufzuschreiben, was dir im Kopf herumgeht – nicht nur hier, sondern auch z.B. in Form eines Briefes an deinen Freund. – Warum du dich trennst, wie es dir geht, was dir fehlt usw. Du brauchst ihm diesen Brief auch gar nicht zu geben. Aber vielleicht kann er dir mehr Klarheit bringen.
    Ansonsten finde ich es prima, dass du dich auf die Suche nach einer eigenen Wohnung machst.

    Der Weg ist das Ziel, auch wenn’s ein Cliché ist.
    Mit ganz lieben Grüßen
    Lea

    Liebe Miriel,

    ja, das Auf und Ab ist schwer zu ertragen.
    Frozen Tears hat so Recht – es ist wie ein Entzug, und am Anfang ist man froh, wenn man nur jeden einzelnen Tag ohne Rückfall hinter sich gebracht hat.
    Du hast ja mal geschrieben, dass es dir schwer fällt, zu entspannen. Vielleicht könntest du da mal ansetzen? Etwas Neues ausprobieren und schauen, ob es hilft?
    Mir hilft Entspannung ganz gut dabei, aus diesen Gedankenkreiseln auszusteigen.

    Bleib stark und lass dich nicht beirren!
    Und ein lieber Gruß von
    Lea

    Guten Morgen Marion,

    traurig zu hören, dass du in deiner engsten Familie keine Unterstützung findest. :(:( Bei meinem Freund war es auch so – das grenzte schon fast an Sadismus, wie konsequent das Weinglas beim Essen neben den Platz gestellt und oft auch eingeschenkt wurde (jeden Tag, wenn wir da waren!) und dann fast beleidigt wieder weggeräumt, nachdem er fünf mal sagen musste, nein, er möchte wirklich nichts trinken. Manche Menschen kapiert man einfach nicht. Und ich glaube, es nützt auch nicht wirklich, sich Gedanken zu machen, was in ihnen vorgeht – einfach Abstand halten.
    Aber wenn es die eigene Mutter ist, dann ist es umso schwerer. Bleib stark und lass dich nicht beirren!
    Und sei lieb gegrüßt von
    Lea

    Liebe, liebe Marion,

    ich fühle mich gerade selbst so hilflos, als ich deine Zeilen lese, und weiß nicht, was ich dir zum Trost schreiben kann, denn es tut wirklich einfach sehr, sehr weh jemanden loszulassen, mit dem man sich so verbunden gefühlt hat – trotz allem, was vielleicht nicht gestimmt hat. Und wenn man so viel Kraft aufbringen muss, um jeden einzelnen Tag zu überstehen, weil man weiß, dass ein Zurück ebenso schmerzhaft wäre, dann kommt irgendwann der Punkt, an dem die Nerven wirklich nicht mehr mitmachen. Gerade dann, wenn man ein bisschen zur Ruhe kommt und sich selbst deutlicher spürt als in der Alltagshektik.
    Ich sage es mir selbst auch immer wieder vor und versuche, mich an die besseren Tage zu erinnern, an denen es sich richtig anfühlt, die Entscheidung zur Trennung getroffen zu haben – der Schmerz wird nachlassen. In manchen Situationen wird er ab und zu noch einmal ganz arg sein. Aber es wird nicht mehr so eine Anstrengung sein, jeden einzelnen Tag hinter sich zu bringen. Darauf hoffe ich auch.

    Ich drücke dich ganz fest!
    Lea