Beiträge von inbetween

    Ja, es ist verdammt nicht einfach :(
    Was mich immer etwas über Wasser gehalten hat, war die Vorstellung: alle Erfahrungen sind zu etwas nütze. Und wenn es manchmal etwas länger dauert, die Konsequenzen zu ziehen, dann hat auch das (vielleicht/hoffentlich?) einen Sinn.
    Es ist bestimmt kein Zufall, dass wir uns unsere Partner "ausgesucht" haben - denn gezwungen hat uns niemand (höchstens die Abhängigkeit - und das zu erkennen, ist ja auch schon viel!).

    Trotzdem: manchmal frage ich mich auch, warum das Lernen nicht auch mit ein bisschen weniger Schmerz stattfinden kann.

    Mit dem Problem des Zusammenziehens während eines "Rückfalls" hast du sicher recht.
    Fatal ist, dass er lange Trockenpausen einlegen und durchalten kann und das auch weiß (ein Punkt, der es mir z.B. sehr schwer macht, sein Trinken als Krankheit zu sehen). Ich bin mir sicher, er wird eine Trockenpause einlegen können, wenn wir zusammenziehen - ob das als "Sprungbrett" reicht, ist die andere Frage.

    Es stimmt auch, dass er sich selbst ernst nehmen muss. Sein Selbstwertgefühl kann nicht von außen kommen. Aber ich trage wohl manchmal auch dazu bei, dass er sich schlecht fühlt. Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, dann reagiere ich auf sein Trinken fast reflexartig mit Abwertung. Das gefällt mir nicht an mir.

    Mein größtes Problem ist wohl, dass ich noch nicht am Tiefpunkt angelangt bin. Und ich weiß, dass ich mich wahrscheinlich mein halbes Leben lang fragen würde, ob es nicht doch besser gewesen wäre, die Probe auf's Exempel zu machen (und eben das Zusammenziehen zu wagen). -
    Ich hänge im Moment einfach in einer Schleife fest, aus der ich nicht wirklich herauskomme :(

    Ups, ich habe ja ganz viele Fragen nicht beantwortet: wie geht es mir? Im Moment nicht so gut - ich grüble viel, wäge ab, fühle mich manchmal schlecht, weil ich das Gefühl habe, ich nehme ihn nicht mehr ernst in seinem Wunsch, wirklich ein trockenes Leben zu führen.
    Ich kriege es nicht wirklich hin, Alkoholismus als Krankheit anzusehen, sondern mache ihm - leider - ganz oft Vorwürfe. Oft fehlt mir auch der Respekt für ihn, weil er nicht einfach "nein" sagen kann, nicht nur in Bezug auf den Alkohol und Situationen entstehen, deren (unerfreulichen) Ausgang man lange vorher hätte absehen können.
    Die Fernbeziehung hat vieles leichter gemacht, was die Abgrenzung angeht - ich habe ein bisschen Angst, dass das beim Zusammenziehen schwieriger werden könnte.

    Und ich stimme dir zu: Probleme lösen sich nicht einfach durch einen Umgebungswechsel.
    Andererseits (nach dem, was ich gelesen habe), könnte ein Umgebungswechsel verschiedene Dinge erleichtern.
    Ach, ich fühle mich im Moment einfach überfordert ...

    Liebe Miriel,

    vielen Dank für deine Antwort - wir sind schon sehr lange zusammen, über sechs Jahre. Die Geschichte gleicht der von vielen anderen hier sehr. Es wurde schleichend immer schlimmer, Beleidigungen, Drohungen usw. waren irgendwann an der Tagesordnung, kombiniert mit Versuchen, mir wegen alles und dem ein schlechtes Gewissen zu machen, Verständnis für seine eigene Situation einzufordern (meine aber aus meiner Sicht komplett zu missachten ...) usw.
    Was ich in dieser sehr schwierigen Zeit allerdings gelernt habe, ist, mich abzugrenzen - in gewissen Punkten jedenfalls, bei weitem nicht in allen. Ich habe z.B. nie für ihn gelogen - weder bei seinem Chef angerufen noch Menschen in meiner Umgebung, die mir wichtig sind, verschwiegen, was es zwischen uns für Probleme gab (und gibt).
    Trotzdem habe ich noch einige Züge der Co-Abhängigkeit, die ich ganz schwer ablegen kann, z.B. der Kontrollzwang. Ich weiß (trotz Fernbeziehung) immer sofort, wenn es wieder schlimmer wird. Und mein Hauptproblem ist, ich beiße mich dann fest, ich will alles (wider besseres Wissen) "klären", weise ihn auf das Problem hin (was in der akuten Situation natürlich nichts bringt ... usw.

    Manchmal denke ich, es wäre am besten, wenn wir nicht zusammenziehen würden, sondern weiterhin getrennte Wohnungen hätte, und dann warten wir ab, was passiert ...

    Vielen Dank, Karsten, für's Freischalten, hier ist mein Text aus dem Vorstellungsbereich (ich weiß nicht genau, wer den lesen konnte).
    Auch allen anderen: vielen Dank für's Lesen und Antworten.

    Liebes Forum,

    der Titel meines Threads trifft in mehr als einer Beziehung zu: Ich habe in den letzten Wochen sehr viel in diesem Forum gelesen, weil ich deutlich fühle, dass ich mich beruflich und privat in einer Umbruchsituation befinde und hier Antworten auf verschiedene Fragen gesucht habe, die mich stark beschäftigen.
    Ich bin seit mehreren Jahren mit meinem Freund zusammen, der - häufig - klar erkennen kann, dass er ein Alkoholproblem hat, der auch einen stationären Entzug hinter sich hat mit anschließender Therapie (auf diese Weise war er ein Jahr lang trocken), der beruflich sehr viel mit Alkohol in Kontakt kommt und jetzt seit zwei Jahren wieder zunehmend trinkt.
    Wir leben nicht zusammen und führen seit einem Jahr eine Fernbeziehung, das Zusammenziehen ist aber seit langem geplant.
    Es gab viele unschöne Vorkommnisse -, viel Peinliches, aber auch viel Unwissenheit meinerseits.

    Das Lesen der Beiträge in den verschiedenen Foren hat bei mir sehr unterschiedliche Gefühle ausgelöst. Einerseits geben mir die Threads der zufrieden trocken gewordenen Alkoholiker Hoffnung, dass auch mein Freund es schaffen kann.
    Andererseits sehe ich vor meinem geistigen Auge schon die Warnungen im Bereich der Co-Abhängigen, dass ich meinem Freund schnellstens den Laufpass geben sollte.
    Dann wiederum denke ich: wenn ich Alkoholismus wirklich als Krankheit akzeptieren könnte (was ich bisher noch nicht wirklich gut kann) - dann würde das für mich bedeuten, dass ich ihm und mir diese Chance gerne noch geben würde.

    Für ihn wäre das Zusammenziehen mit einem Umgebungswechsel verbunden - kompletter Cut mit seinem bisherigen Umfeld.
    Darauf gründet er seine Hoffnung, dass er es schaffen kann.
    Beruflich ist der Alkohol allerdings weiterhin quasi vorprogrammiert.
    Was bei mir die Hoffnung, ehrlich gesagt, schwinden lässt, denn so stark erlebe ich ihn nicht, dass er in einer trinklustigen Runde den Alkohol ablehnen könnte.

    Mir fällt die Entscheidung einfach unendlich schwer und ich bin mir sehr klar darüber, dass sie mir auch hier keiner abnehmen kann.

    Ich erhoffe mir von diesem Forum vor allem schonungslose Rückmeldungen (wenn ich mir selbst etwas vormacht) und Begleitung auf dem Weg, in welche Richtung er auch gehen wird.