Hallo Andreas,
ja, das finde ich auch eine spannende Frage - und es ist eine, mit der ich mich lange beschäftigt habe.
Ich finde, "Egoismus" und Empathie sind dann keine Gegensätze, wenn Egoismus die Fähigkeit zur Abgrenzung und Empathie nicht symbiotisches Erleben meint, sondern eines, das zwischen "ich" und "du" unterscheiden kann.
Weil mich die Beziehung zu meinem letzten XY in dieser Hinsicht sehr an die Grenze geführt hat, möchte ich kurz ein Beispiel nennen, das haarscharf auf dieser Grenze ist, wenn ich so im Nachhinein darüber nachdenke.
Meine Empathie und mein "gesunder Egoismus" haben mich in dieser Beziehung dazu veranlasst, Selbstverteidigungstechniken zu erlernen, denn leider sind ja Handgreiflichkeiten unter Alkoholeinfluss nicht gerade selten. Und so schrecklich es klingt: ich habe diese Technik nicht nur einmal anwenden müssen.
Dass auf dieser Basis keine Beziehung möglich ist, ist wohl sonnenklar. Aber es war aus damaliger Sicht für mich die einzige Möglichkeit, mein Gefühl der Empathie, also das Nachfühlen seiner Situation und der damit einhergehenden Begleiterscheinungen mit meinem "gesunden" Selbsterhaltungsbedürfnis zu kombinieren.
Ich habe mich nicht als Opfer in dieser Beziehung gesehen habe - sondern ich habe auch da für mich gesorgt, was jedoch bei Licht betrachtet sehr bizarre Formen angenommen hat.
Aber das war meine Entscheidung damals. - Abzuwarten, ob eine Änderung möglich ist, mich aber gleichzeitig bestmöglich zu schützen.
Ich würde das weitgehend als "gesunden" Egoismus bezeichnen, wenngleich ich ganz ehrlich keinen Wert darauf lege, diese Extremform noch einmal zu leben - ich würde heute dem Menschen gegenüber die gleich Empathie empfinden, aber ich würde mir erlauben, das aus der Ferne zu tun und mich nicht mehr daneben zu stellen.
Keine Ahnung, ob klar ist, wie ich das alles gemeint habe?
Viele Grüße
Lea