Beiträge von inbetween

    Zitat von Carpenter


    Klar, es ist immer bequemer, die Schuld bei anderen zu suchen. Und wenn man lange genug in der eigenen Vergangenheit gräbt, werden sich immer wieder Ereignisse finden lassen, die einen negativ beeinflußt haben.

    Da stimme ich dir zu, das hat mit Verantwortung für sich selbst übernehmen nichts zu tun. Aber ich denke auch, es kann hilfreich sein, das eigene Verhalten zu ändern, wenn man ein Muster erkennt und evtl. die Ursache dazu weiß.

    Zitat von Clärchen

    Warum ich mir als Kind eines Alkis, einen Alki als Mann suchte?????? Ich hätte das nie bewußt getan, aber es ist passiert, und ich bin bei weitem kein Einzelfall.
    Und wir haben genug Frauen hier die wiederholt mit Alkoholikern Beziehungen eingehen, auch gruselig, oder?

    Kein Einzelfall und nicht gruselig. Küchenpsychologisch lässt sich diese Art von "Wiederholungszwang" damit erklären, dass in der Wiederholung der Versuch unternommen wird, "diesmal" die negativen Aspekte, Gefühle, Verläufe aus der vorherigen Beziehung (Elter-Kind) ins Positive zu wenden.
    Deshalb auch so viele EKAs, die in Beziehungen zu Alkoholikern landen.

    "Hiob" hat es in einem Thread noch einmal aus einer anderen Perspektive, aber ähnlich verständnisvoll erklärt, warum negative Beziehungsstrukturen (aus der Kindheit) immer wieder neu inszeniert werden müssen.

    Liebe Mäuki,

    für mich liegt zurückblickend genau darin die Schnittmenge der beiden Süchte/bzw. Abhängigkeiten - der Alkoholabhängigkeit und der Co-Abhängigkeit - in dem Wunsch nach einer Liebe, die heilt. Die eine Leere füllen und eine Traurigkeit beseitigen kann, die einen überwältigt, so dass man denkt, man wird ihrer niemals alleine Herr werden.

    Darin waren mein XY und ich uns so nah und haben uns so angenommen und verstanden gefühlt, wie ich das vorher mit keinem Menschen hatte: wir haben genau diese Sehn-Sucht nach absolutem Angenommensein und Geliebtwerden geteilt.

    Und wie es kommen musste, haben wir beide uns gegenseitig wegen dieser Sehn-Sucht verfehlt.
    Kein Mensch kann das leisten, es sei denn, er leistet es für sich selbst: sich annehmen. Sich selbst lieben.
    Leben wollen. Mit allem, was dazugehört. Der Angst vor Ablehnung. Der Angst vor Veränderung. Der Angst vor der Unberechenbarkeit des Lebens.
    Der Angst vor dem Tod.

    Ich. Will. Leben.

    Und ich möchte nie mehr in meinem Leben einen Menschen wegen meiner eigenen ungestillten Sehnsucht verfehlen. Und mich selbst auch nicht.
    Ich werde allein bleiben, bis ich sicher weiß, dass ich es kann. Für mich selbst.

    Zitat von Mäuki

    ich finde Alkoholismus ist eine Krankheit,
    und wenn ich meinen Partner liebe lasse ich ihn damit nicht im Stich.
    Wenn mein Partner Krebs hat und ich liebe ihn lasse ich ihn nicht in Stich.
    Wenn mein Partner dement wird ...wenn ich ihn liebe laß ich ihn nicht im Stich.
    Wenn mein Partner liebe laß ich ihn nicht im Stich.

    Liebe Mäuki,

    wenn mein Partner Krebs bekommt, wird er mir nicht sagen, ich sei Schuld an seiner Krankheit.

    Wenn mein Partner dement wird, wird er mir nicht sagen, wenn ich mich nur anders verhalte und versuche, ihn noch besser zu verstehen (was er aber ohnehin für unmöglich hält - siehe Kaleu), dann wird er wieder gesund.

    Das ist das Dilemma, in dem der CO steckt.

    Und: wenn mein Partner sich selbst und das Leben liebt, wird er sagen: ich möchte gesund werden. -

    Aber er tut es nicht. Und es tut weh, sehr weh, zu gehen und jemanden aufzugeben, dem die Verzweiflung aus jedem Knopfloch schaut.

    Ich habe es empfunden, wie Kaleu es beschrieben hat - es gibt keinen Weg dorthin. Weil es keinen Weg dorthin geben soll. Weil das Elend zu groß ist und vielleicht auch das Misstrauen.
    Nur Selbstliebe kann das heilen. Aber keine Liebe von außen.

    Zitat von schnuffig

    Denn wer bleibt denn schon bei einem Alkoholiker, sobald er ehrlich zu sich selbst ist?
    Außer dann, wenn er was dafür bekommt versteht sich. Sowas wie Geld, Anerkennung fürs ertragene Leid, Mitgefühl, Redenszeit....das Gefühl der die Gute zu sein...irgendwas halt, was gebraucht wird.
    Auch das fällt bei mir unter lügen.


    ich würde diese Liste gerne um einen oder zwei Punkte aus meiner Erfahrung ergänzen.
    Ich bin viel zu lange geblieben, weil ich meinen Prinzipien und meinem Selbstbild treu bleiben wollte: jemandem, der offensichtlich krank ist, (grenzenloses) Verständnis entgegenbringen; jemanden, der meine Hilfe braucht (und das wurde mir deutlichst mitgeteilt!) nicht im Stich lassen ... usw.
    Heute leiste ich nur noch Hilfe, wenn ich konkret um etwas gebeten werde; ein pauschales "Hilf mir" oder "Ich brauche dich" verfehlt seine Wirkung heute bei mir, ohne dass ich mich dafür selbst verachten muss.

    Zitat von Katharsis

    Ich würde niemals auf die Idee kommen, sämtliche Co.´s zu befragen, ob sie generell alle nicht genügend Rückgrat hatten, um auf eigenen Beinen zu stehen oder ob sie einfach nur immer zu feige waren im Zusammenhang mit dem versoffenen Partner im Gepäck.

    Warum solltest du diese Frage nicht stellen, wenn sie dich beschäftigt? Du wirst auch darauf sicherlich viele verschiedene Antworten von vielen verschiedenen Menschen bekommen. Und die einen werden dies aus deiner Antwort mitnehmen, die anderen das.

    So etwas aus Gründen der "Rücksicht" nicht zu fragen, grenzt ja schon an Selbstzensur. Für mich macht bei solchen Fragen der Ton die Musik.

    Etwas zwar zu denken (COs haben kein Rückgrat) aber es nicht auszusprechen, hat für mich auch eigentlich nichts mit Rücksicht zu tun.

    Ich finde es eher gut, wenn Wahrnehmungen thematisiert werden, denn um nicht mehr und um nicht weniger handelt es sich: um Wahrnehmungen.

    Es ist doch niemand verpflichtet zu antworten, oder habe ich da etwas missverstanden?

    Zitat von Kaleu


    Lügen? Was denn für Lügen? Ich lebe nur in meiner Welt. Und die funktioniert nach meinen Regeln. Das sind keine Lügen. Ich überleb hier nur. Irgendwie. Und wer mich nicht versteht, versteht sowieso nichts. Die da draussen verstehn doch alle nichts. Als würde ich lügen. Diese Unterstellungen ko... mich an. Ich lüge nicht - ihr versteht nur nicht. Dafür kann ich nichts!

    Genau daran hätte ich mir als CO fast das Hirn zerkrümelt.

    Danke für diesen Beitrag, Kaleu!

    Hallo Matthias,

    ich habe auch noch mehr Meinung :)
    Ich habe beim Lesen deines letzten Beitrages das Gefühl gehabt, dass du bei deiner Frage an eine konkrete Entscheidung gedacht hast, einen konkreten Rubikon.
    Ist das Gefühl richtig?
    Dann könnte es vielleicht helfen, wenn du das Dilemma noch etwas näher beschreibst.
    Und, ja: je mehr Verantwortung man für andere mit übernommen hat, desto schwerer können Entscheidungen sein. Was immer es ist und wer immer davon mitbetroffen ist: ich würde darüber reden.

    Viele liebe Grüße
    Lea

    Hallo Matthias,

    ich glaube, man kann es üben. Aber man braucht dazu ab und zu mal Zeit, richtig Zeit für sich allein, um sich zu fragen, was man eigentlich will. Ich zumindest muss mich ab und zu daran erinnern, mir diese Frage zu stellen. Im Alltag geht sie manchmal unter, und schwuppdiwupp ist wieder ein halbes Jahr um :shock:
    Das mit der Ungewissheit, ob das Neue nicht nur neu, sondern auch besser sein wird, stimmt natürlich. Aber - man muss sich ja nicht für ewig auf den neuen "Raum" verpflichten.
    Und vielleicht kommt man ja nach der großen Suche nach neuen Räumen auch einfach wieder dort an, wo man hergekommen ist (wie in den großen alten Erzählungen) und trotzdem war es wichtig, diese Reise zu machen, weil es um die Erfahrungen geht.

    Für mich ist wichtig, die "Wahl" zu haben - im beruflichen Bereich war ich immer auf zwei Standbeinen unterwegs, das ist eine unglaubliche Entlastung, denn ich musste nicht jeden Quark mitmachen.
    Das geht im privaten Bereich natürlich nicht - für mich jedenfalls nicht, aus ganz spießigen moralischen Gründen.
    Wie dieser neue private Raum aussehen könnte, habe ich derzeit nicht den blassesten Schimmer.
    Ich warte mal ab :wink: und versuche, mich an den klugen Rat zu halten, die Dinge anzunehmen, die ich nicht ändern kann, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann - und an der Weisheit, zwischen beidem zu unterscheiden, daran arbeite ich intensivst :lol:

    Viele liebe Grüße!
    Lea

    SpiegelImSpiegelImSpiegelImSpiegelImSpiegelImSpiegelImSpiegelImSpiegelImSpiegel

    Liebe Schnuffig!

    Ich glaube, wenn ich nicht endlich wäre, würde ich die Unendlichkeit nicht reizvoll finden - selbst wenn ich sie mir nur unzureichend vorstellen kann und nie erreichen werde, was mich eher beruhigt als beängstigt.

    Ich habe nichts gegen die Endlichkeit. Eigentlich auch nichts gegen meine allgemeine menschliche Beschränktheit, denn innerhalb dieser Grenzen lässt sich spielen.

    Ich habe ziemlich viel Vertrauen. Ich glaube, wenn niemand mehr weiß, wie das Klöppeln geht, wird es jemand neu erfinden - wenn die Zeit dafür reif ist. Vielleicht erfindet jemand auch das Gläffeln?

    Zitat von schnuffig

    Also wo ist abseits aller Regeln, wo ist abseits aller Norm?

    In der (Lebens-)"Kunst" jenseits der Hoffnung, dass ich ein außergewöhnlicher Künstler bin, nur weil ich das Gegenteil von dem tue, was vermeintlich "alle" tun oder von dem, vorher als "Kunst" (von wem auch immer) definiert worden ist.

    Kunstfertigkeit ist zeitlos.

    Jenseits aller Regeln heißt für mich ähnlich wie für dich: offen zu bleiben.
    Nichts für selbstverständlich nehmen. Vergessen, was ich gelernt habe. Und mich dann bruchstückhaft zu erinnern. Experimentieren. Kombinieren.

    Viele liebe Grüße
    Lea

    Hallo Zimttee,

    ich bin mir ganz sicher, dass du das schaffen kannst, du hast schon so viel Durchhaltevermögen und Kraft bewiesen, so viele innere und äußere Widerstände überwunden, du kannst stolz auf dich sein! Und du wirst eine große Bereicherung für viele Schüler sein, auch da bin ich mir ganz sicher.

    Die besten Jahre deines Lebens warten auf dich - ich wünsche dir viele, viele, viele davon! :arrow::!:

    Liebe Grüße
    Lea

    Hey Zimttee,

    bei mir läuft es auch gerade wie am Schnürchen ;) aber ich muss gestehen, das war bisher eigentlich immer so, wenn ich solo durch's Leben gegangen bin.
    Ich werde da auch vorerst nichts dran ändern. Ich schlafe jeden Abend gut gelaunt ein und wache gut gelaunt und voller Freude auf den Tag auf -- herrlich, wie habe ich das vermisst!

    Ich bin etwas älter als du und vielleicht hilft es dir, wenn ich sage: das mit dem Selbstwertgefühl wird mit zunehmendem Alter immer besser ;) Man weiß dann einfach, durch welche Reifen man nicht mehr springen will und dass auch nichts passiert, wenn man es nicht macht, im Gegenteil. Man wird unabhängiger vom Urteil anderer. Das ist toll.
    Ich möchte nie mehr 17 sein ... ;)

    Was man so hört, wird es wohl leider im Referendariat nicht wenige Situationen geben, in denen dein Selbstwertgefühl auf die Probe gestellt werden könnte. Zeig' notfalls die Zähne!

    Genieße die freie Zeit und lass' uns wissen, wie es dir weiter ergeht!

    Ganz liebe Grüße
    Lea

    Zitat von Mäuki

    Und heute werde ich wohl darüber sprechen.
    Und meine Angst ist groß das ich nicht verstanden werde,
    oder man nur vorgibt mich zu verstehen.

    Liebe Mäuki, selbst wenn deine Befürchtung eintritt und dein Gegenüber nicht (oder nur teilweise) versteht - du darfst trotzdem deiner eigenen Wahrnehmung trauen.

    Viele liebe Grüße
    Lea

    Zitat von Carpenter

    ...Menschen, die immer wieder ganz beharrlich betonen müssen, daß sie ganz anders sind als andere, sind meistens gar nicht so anders.

    Das Problem ist vor allem, dass aus meiner Erfahrung heraus ganz viele dieser Menschen an ihrem eigenen Anspruch scheitern (müssen), da sie ihre außergewöhnliche Außergewöhnlichkeit immer wieder unter Beweis stellen müssen - was nicht gehen kann, denn sie sind ja leider doch nur ganz gewöhnliche Menschen ... ich glaube, das ist der Stoff, aus dem "tragische Helden" gemacht sind - Scheitern am eigenen uneinlösbaren Anspruch auf fortdauernde Außergewöhnlichkeit.
    Ich kenne kaum unzufriedenere Menschen. Auch welche, die ich inzwischen eher meiden würde. Könnte Punkt 4 auf der Liste sein.

    Umhäkelte Laternenpfähle finde ich sympathisch. Aber das hätte ich vielleicht auch von einer umhäkelten Klopapierrolle auf der Hutablage gedacht, wenn ich der Mensch gewesen wäre, der das erste dieser Exemplare erblicken durfte - am besten in der Farbkombination Braun-Orange-Pink hinten in einer schwarzen Luxus-Limousine.

    Und heute - Sinnbild für Spießigkeit. Dabei muss man sich das mal geben: Ein umhäkeltes Ausführungsinstrument für das allermenschlichste aller Bedürfnisse - im Auto - geschmückt und für jeden sichtbar.

    So ist der Lauf der Welt. Heute in, morgen hin. :lol:

    Zitat von schnuffig

    ich werde, das ist der Schluss zu dem ich gekommen bin, nicht mehr meine Zeit damit verbringen zu erklären, warum ich keine Bedrohung bin.

    Das finde ich gut! Ich glaube, da fängt das "ich bin ich" an.

    Aber ich frage mich - braucht es immer etwas, von dem man sich abgrenzt?
    Also - kann nur ex-negativo Kreativität entstehen oder auch dadurch, dass ich einfach jenseits aller Regeln oder jenseits aller Norm frei kombiniere was für mich gerade richtig ist ohne mir zu überlegen, ob das nun schon unkonventionell oder sonstwas ist?

    Hallo Schnuffig, da bin ich froh, dass du dich nicht geärgert hast!

    Ich werde versuchen es zu erklären, wie genau ich das meine.

    Verantwortung gegenüber der Welt, uiuiui, das ist vielleicht eine Nummer zu groß.

    Nein, ich meine eigentlich wirklich ganz banal Verantwortung in der ganz konkreten Situation mit einem jeweiligen Gegenüber. Da empfinde ich die Verantwortung, ein bestimmtes Wissen, oder Intuition, oder Einsicht, oder was auch immer, die ich in Bezug auf dieses Gegenüber oder die Situation habe, nicht zur Manipulation einzusetzen (um zum Beispiel ein gewünschtes Ergebnis oder eine gewünschte Verhaltensweise zu erzielen).

    Ganz banal gesprochen und wirklich auf der "untersten" Ebene dieser Form von "Wissen" (es gibt noch viele weitere, die ich einfach nicht gut beschreiben kann): Wenn ich jemanden um einen Gefallen bitte, und derjenige sagt zwar ja, aber ich merke, dass er dafür gerade eigentlich keinen Nerv hat, aber aus irgendwelchen Gründen nicht ablehnen kann oder will, dann thematisiere ich das offen und ziehe z.B. meine Bitte zurück.
    Ich könnte auch hingehen und das ausnutzen - aber ich persönlich kann da nicht hinter mein Wissen zurück, also so tun, als hätte ich nicht gemerkt, dass der andere das eigentlich nicht will. Natürlich kommt es auch vor, dass ich den anderen dann doch meine Bitte ausführen lasse und es nicht thematisiere, ich bin ja keine Heilige. Aber ich weiß um die Tatsache.

    Oh je, das klingt irgendwie kompliziert und komisch. Ich kann es nicht besser beschreiben. Diese Art Wissen bewegt sich wirklich im Bereich der Intuition, vielleicht Menschenkenntnis, Psychologie ... keine Ahnung.

    Ich werde noch einmal nachdenken, vielleicht kann ich es dann besser formulieren.

    :roll:

    Ich wollte aber noch etwas zu der in den letzten Tagen oft bemühten "Norm" schreiben - ich persönlich finde, derjenige braucht die vermeintliche "Norm" am meisten, der ständig das Bedürfnis hat, sich von ihr abzugrenzen. Denn dieser Mensch würde ohne die Norm gar kein Selbstbild haben, da es nichts gäbe, wovon er sich abgrenzen könnte ...

    Sicher gibt es Häufungen bei bestimmten Phänomenen (Vanilleeis), aber die "Norm" ist ein Konstrukt, das vor allem zur eigenen Aufwertung als außergewöhnlich herangezogen wird. Sowas finde ich ermüdend.

    Mich interessieren Menschen, und ich habe noch keinen "normalen" gefunden, auch wenn ich viele kenne, die Vanilleeis mögen (aber die haben dann außerdem z.B. ein Piercing am kleinen Zeh oder einen Nobelpreis gewonnen oder häkeln Bezüge für Laternenpfähle).