Guten Abend Bruce,
ich weiß es sehr zu schätzen, wenn mich jemand wie Du an seinen Gedanken teilhaben lässt. Du schreibst von "konsequenter, fast schon militanter Risikominimierung" etc.
Warum sollte sie übertrieben gewesen sein? Du hast es so für Dich entschieden und eineinhalb Jahre Abstinenz geben Dir recht.
Ich bin aus meiner Sicht auch konsequent. Auch ich betreibe Risikominimierung, soweit es mit meinem Alltag vereinbar ist.
Garcia/Frank hat es besser beschrieben, als ich es je könnte - genauso ist es. Sicher klingt Silvesterurlaub nicht unbedingt nach Risikominimierung, und wäre ich allein, hätte ich ihn vielleicht sogar bleiben lassen. Aber meine Kids z.B. haben seit Sommer für ihr Theater und ihre "Band" per Mail, Skype etc. geprobt. So etwas ist mir sehr wichtig. Ich bringe es dann nicht über's Herz zu sagen: "Kinder, ich hab Angst, dort wieder mit dem Trinken anzufangen, wir bleiben zu Hause." In dem Fall bin ich dann eben nicht "militant".
Gehe halt mit der Damenrunde wandern, wo es zum Mittag Tee gibt, setze mich Silvester an den Abstinenzler-Tisch (ja, den gibt es tatsächlich). Das ist MEINE Risikominimierung. Und die funktioniert seit bald drei Monaten.
Natürlich sind knapp drei Monate keine eineinhalb Jahre, aber ich habe das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein. Kein Saufdruck, oft tagelang nicht den geringsten Gedanken an Alkohol - da werde ich schon mal zum Schulterklopfer und freue mich mit mir darüber.
Und um nicht übermütig zu werden, gehe ich jede Woche zu meiner realen SHG, bin regelmäßig bei einem Psychotherapeuten und hab eine ambulante Suchttherapie beantragt - mehr geht nicht.
Zu Deinem zweiten Beitrag:
Zitat von Bruce
Ich würde mich jetzt gerne wie immer mit einem Gruß verabschieden, aber ich habe tatsächlich das Gefühl, als müsste ich mich bei Dir entschuldigen, wenn ich mal offen rede.
Schön, dass Du Dich dann doch noch mit einem Gruß verabschiedet hast :).
Deine offene Rede ist bei mir willkommen und regt mich auch zum drüber nachdenken an.
Womit ich hier nicht klar komme, ist, wenn man als Neuling für jeden eigenen Gedanken verbal verprügelt und als Besserwisser abgestempelt wird (damit meine ich nicht dich).
Weiter schreibst Du von der "Logik des schwerer/leichter..." Vielleicht haben wir uns da missverstanden. Ich sehe kein "schwerer/leichter", sondern ein "anders".
Wäre ich Single, würde ich durchaus Dinge anders machen - mehr Zeit für mich, mehr Literatur zum Thema lesen, vll. auch meditieren lernen etc. Nein, als schwerer empfinde ich die "Trockenheitsarbeit" nicht. Wenn ich in die Augen meiner Kinder schaue, weiß ich genau, dass ich nicht mehr trinken will, dass ich am nächsten Morgen wieder wissen will, was wir am Vorabend gesprochen haben. Dass ich nicht mehr Schnapsflaschen oder meine "Fahne" vor ihnen verstecken möchte. Dass ich nie mehr mit ihnen betrunken Auto fahren will. Das macht es für mich eher leichter, nicht schwerer. Aber es ist halt "anders".
Dass aus Sicht mancher Langzeittrockener bei mir "eine Bereitschaft für Kompromisse" sicher vorhanden ist, da gebe ich Dir recht.
Viele Grüße
Georg