Trocken werden. Trocken bleiben. Vater sucht Unterstützung

  • Ja und nein, Hartmut.

    Du schreibst: " Sucht kann nunmal nicht nur mit dem Verstand gestoppt werden. " Vollkommen richtig.

    Du schreibst: " Nun ist es ja gut gegangen und es war alles Easy. Also kann ich ja nun die Latte etwas höher stellen ?" -- Nein, auf keinen Fall. Die Latte liegt wo sie liegt. Wenn ich sie reiße reiße ich mein Leben in den Abgrund. Springen lohnt nicht - wozu sollte ich meine Trockenheit riskieren? Für was? Es ist gutgegangen aber das war im Vorfeld nicht klar. Da gebe ich dir recht.

    Bloß, ein "neues Leben aufbauen", das ist eben mit drei Kindern viel leichter gesagt als getan und nicht 100prozentig umzusetzen. Die Verantwortung bleibt. Es geht doch eher darum, in dem Leben das man hat, zu einer gesunden Neuorientierung zu kommen. Das ist das Schwere wenn man - beispielsweise als Vater - so eingebunden ist ins Leben. Da haben es Singles einfacher : sie können es rabiater machen...

    Ob dieser Urlaub nun richtig war oder falsch ist garnicht so mein Thema. Es ist eine zu individuelle Entscheidung... Ich kann jeden (dich) gut verstehen der darin ein unnötiges Risiko sieht. Aber auch Georg dems gutgetan hat und der es sich redlich verdient hat. Und der daraus Kraft schöpft für den weiteren Weg.

    Du hast mit deiner Betonung der Grundbausteine sehr recht. Ich lebe ja auch eher nach deinem "Muster". (Kunststück: meine Kids kommen nur am Wochenende und ich habs wirklich leichter als Georg). Aber Manchem mag das ein zu enges Korsett sein, etwas was so nicht lebbar ist, und dann? Wenn man doch trocken leben will und muß? Dann guckt man daß man es dem eignen Leben anpaßt.

    Und wenn man das tut kommen Warnungen von jemand wie dir: und das finde ich hilfreich und wertvoll so. Denn dieses "Anpassen" kann ja schnell zu weit gehen. Das merkt man selbst vielleicht garnicht. Du bist viel länger trocken als viele hier. Und wenn du warnst ist das immer ein Grund mal innezuhalten.

    Bloß mit ddm "neuen Leben" ist das eben manchmal nicht ganz so einfach...

    Dankbaren Gruß, ich hab jetzt viel nachzudenken und das ist gut so. Frank

  • Lieber Bruce -

    Zitat

    Worüber seid ihr euch eigentlich gerade so einig? Das gewisse Dinge halt einfach nicht gehen, wenn man soviel um die Ohren hat?

    Ich lese zwar jetzt, dass das trocken werden/bleiben für euch schwerer ist als für so schlurige Alleinstehende wie mich, aber gerade in diesem Thread bekomme ich öfters den Eindruck, als ob es doch eigentlich recht einfach ist.

    Ich hab nicht von mir gesprochen - meine Kids sind seit ca. 4 Jahren außer Haus und ich lebe alleine mit meinem Mann. Ich finds nicht schwieriger für mich, sondern ich kann mir gut vorstellen, dass es für Schorsch nicht gerade leicht ist!

    Ich habe übrigens auch das Gefühl, dass man sich hier oft für irgendwas entschuldigen muss
    :roll: .

    Grüße, Prinzessin?

    Fini

  • Hallo,

    Zitat

    Bloß, ein "neues Leben aufbauen", das ist eben mit drei Kindern viel leichter gesagt als getan und nicht 100prozentig umzusetzen.

    ich denke, wir sollten die Dinge nicht mischen.

    Meine Abstinenz hat Prio 1 im meinem Leben bekommen, seit ich nicht mehr trinke. Bei Abstinenz geht es immer nur darum: kein Suchtmittel konsumieren. Ich ordne ALLES im Zweifelsfall dem unter. Am Anfang geht es immer nur primär darum: abstinent bleiben. Ich - für mich - werde immer am Anfang stehen, deshalb werde ich auch nie "trocken werden", sondern immer abstinent bleiben.

    Georg, Du scheinst wirklich viel um die Ohren zu haben. Du leistest viel für Deine Familie und hast dafür meine höchste Anerkennung. Nur meine verbale Anerkennung allein wird Dir am Ende des Tages nichts nützen.

    Es klingt auch manchmal wie "falscher Stolz", daß Du das was Du da machst machst. Ich denke, Du solltest Dir dort auch Entlastung holen und wenn es z.B. durch Familie, soziale Einrichtungen, ehrenamtliche OPAs/Omas wäre, oder oder oder.
    Mich würde das, was Du da beschreibst definitiv überlasten und es würde meine Abstinenz gefährden, da ich ein Entlastungstrinker war und mich - allerdings beruflich - oft überlastet habe und meine eigenen Möglichkeiten klar überschätzt hatte.

    Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, daß Du - auch in anderen Bereichen - Hilfe annehmen kannst und liebe Mitmenschen findest, die Dir helfen.

    LG Jürgen

  • Hallo Garcia.

    Zitat

    Ja und nein, Hartmut.

    für mich gibt es entweder ein Ja oder es gibt ein Nein. Das sind eindeutige Aussagen. Dazwischen wäre ein Kompromiss der auf Kosten des Einzelnen geht . Dazu bin ich nicht bereit.

    Zitat

    Bloß mit ddm "neuen Leben" ist das eben manchmal nicht ganz so einfach...

    wer sagt denn das es einfach ist ? Es ist nun mal eine grundlegende Änderung.

    Georg du hast die größte Hochachtung von mir wie du alles versuchst unter einem Hut zu bringen . Aber wann bist du mal nur für dich da? Überall ein Posten ,immer für irgendjemand präsent . Brauchst du das gebraucht zu werden?

    Gruß Hartmut

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Guten Abend zusammen,

    da hat sich ja eine interessante Diskussion hier entwickelt. Leider kann ich momentan nicht jeden Beitrag mit der gebührenden Ausführlichkeit beantworten.
    Ich beginne einfach mal der Reihe nach... Sicher werde ich HIER etwas schreiben, was auch DORT hingehören könnte... Am besten, jeder fühlt sich angesprochen :).
    Neben dem alltäglichen "Wahnsinn" musste ich mich zunächst mal um meine Tochter kümmern, die mit dickem Fuß und gebrochenem Zeh von ihrer Skitour zurückkehrte - Prio 1. Deshalb ist es jetzt etwas später geworden als geplant...

    Georg

    Suche nach Erfolg, nicht nach Perfektion. Vergiss nie dein Recht, dich zu irren, weil du dann die Fähigkeit verlieren wirst, Neues zu lernen und in deinem Leben vorwärts zu gehen. Erinnere dich daran, dass sich hinter Perfektionismus immer Angst verbirgt.

  • Guten Abend Bruce,

    ich weiß es sehr zu schätzen, wenn mich jemand wie Du an seinen Gedanken teilhaben lässt. Du schreibst von "konsequenter, fast schon militanter Risikominimierung" etc.
    Warum sollte sie übertrieben gewesen sein? Du hast es so für Dich entschieden und eineinhalb Jahre Abstinenz geben Dir recht.
    Ich bin aus meiner Sicht auch konsequent. Auch ich betreibe Risikominimierung, soweit es mit meinem Alltag vereinbar ist.
    Garcia/Frank hat es besser beschrieben, als ich es je könnte - genauso ist es. Sicher klingt Silvesterurlaub nicht unbedingt nach Risikominimierung, und wäre ich allein, hätte ich ihn vielleicht sogar bleiben lassen. Aber meine Kids z.B. haben seit Sommer für ihr Theater und ihre "Band" per Mail, Skype etc. geprobt. So etwas ist mir sehr wichtig. Ich bringe es dann nicht über's Herz zu sagen: "Kinder, ich hab Angst, dort wieder mit dem Trinken anzufangen, wir bleiben zu Hause." In dem Fall bin ich dann eben nicht "militant".
    Gehe halt mit der Damenrunde wandern, wo es zum Mittag Tee gibt, setze mich Silvester an den Abstinenzler-Tisch (ja, den gibt es tatsächlich). Das ist MEINE Risikominimierung. Und die funktioniert seit bald drei Monaten.
    Natürlich sind knapp drei Monate keine eineinhalb Jahre, aber ich habe das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein. Kein Saufdruck, oft tagelang nicht den geringsten Gedanken an Alkohol - da werde ich schon mal zum Schulterklopfer und freue mich mit mir darüber.

    Und um nicht übermütig zu werden, gehe ich jede Woche zu meiner realen SHG, bin regelmäßig bei einem Psychotherapeuten und hab eine ambulante Suchttherapie beantragt - mehr geht nicht.

    Zu Deinem zweiten Beitrag:

    Zitat von Bruce

    Ich würde mich jetzt gerne wie immer mit einem Gruß verabschieden, aber ich habe tatsächlich das Gefühl, als müsste ich mich bei Dir entschuldigen, wenn ich mal offen rede.


    Schön, dass Du Dich dann doch noch mit einem Gruß verabschiedet hast :).
    Deine offene Rede ist bei mir willkommen und regt mich auch zum drüber nachdenken an.
    Womit ich hier nicht klar komme, ist, wenn man als Neuling für jeden eigenen Gedanken verbal verprügelt und als Besserwisser abgestempelt wird (damit meine ich nicht dich).

    Weiter schreibst Du von der "Logik des schwerer/leichter..." Vielleicht haben wir uns da missverstanden. Ich sehe kein "schwerer/leichter", sondern ein "anders".
    Wäre ich Single, würde ich durchaus Dinge anders machen - mehr Zeit für mich, mehr Literatur zum Thema lesen, vll. auch meditieren lernen etc. Nein, als schwerer empfinde ich die "Trockenheitsarbeit" nicht. Wenn ich in die Augen meiner Kinder schaue, weiß ich genau, dass ich nicht mehr trinken will, dass ich am nächsten Morgen wieder wissen will, was wir am Vorabend gesprochen haben. Dass ich nicht mehr Schnapsflaschen oder meine "Fahne" vor ihnen verstecken möchte. Dass ich nie mehr mit ihnen betrunken Auto fahren will. Das macht es für mich eher leichter, nicht schwerer. Aber es ist halt "anders".
    Dass aus Sicht mancher Langzeittrockener bei mir "eine Bereitschaft für Kompromisse" sicher vorhanden ist, da gebe ich Dir recht.

    Viele Grüße
    Georg

    Suche nach Erfolg, nicht nach Perfektion. Vergiss nie dein Recht, dich zu irren, weil du dann die Fähigkeit verlieren wirst, Neues zu lernen und in deinem Leben vorwärts zu gehen. Erinnere dich daran, dass sich hinter Perfektionismus immer Angst verbirgt.

  • Guten Abend Frank,

    ich schrieb es gerade bei Bruce: Du hast meine Gedanken und mein Befinden besser in die Tastatur gebracht als ich es vermag. Ich kann das Satz für Satz bestätigen.
    Du hast auch völlig recht mit der Mahnung, vorsichtig zu bleiben. Deshalb bin ich hier. Wäre ich der Meinung, schon alles zu wissen, würde ich mir nicht die Nacht um die Ohren schlagen, um hier zu schreiben, zu lesen und in dem oft zitierten "Selbstbedienungsladen" zu lernen.
    Ja, es gibt oft Situationen für ein "Ja" UND "Nein". Denn das Leben ist nun mal nicht nur schwarz-weiß (selbst ein Computer kann ja - glaub ich - 16,7 Millionen Farben haben :wink:).
    Es gibt nicht nur Gut oder Böse, 0 oder 1, Liebe oder Hass. Sondern viele Facetten dazwischen.
    Mir gefällt die Formulierung "gesunde Neuorientierung" und dass man die immer währende Arbeit an der Abstinenz dem eigenen Leben anpasst. Ich habe in nahezu allen Lebenssituationen getrunken. Diese sind größtenteils noch da. Ich muss einfach lernen, anders damit umgehen. Zum Beispiel:
    +++ Rückenschmerzen? Rückengymnastik und schlafen gehen statt Schnaps
    +++ Vom Alltag überfordert? Kürzer treten, 80-20-Regel gegen den Perfektionismus statt Schnaps
    +++ Ärger mit/Verzweiflung wegen meiner Frau? Aussprache, Suche nach kreativen Lösungsmöglichkeiten statt Schnaps
    Das lerne ich gerade. Und bin optimistisch und gut im Rennen :wink:.

    Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag (mit Kids? hast lange nix mehr von ihnen inkl. Film, Pizza etc. geschrieben)

    Georg

    Suche nach Erfolg, nicht nach Perfektion. Vergiss nie dein Recht, dich zu irren, weil du dann die Fähigkeit verlieren wirst, Neues zu lernen und in deinem Leben vorwärts zu gehen. Erinnere dich daran, dass sich hinter Perfektionismus immer Angst verbirgt.

  • Guten Abend Jürgen,

    nach anfänglichen "Startschwierigkeiten" mit Dir weiß ich inzwischen Deine Beiträge zu schätzen. Auch wenn ich Deine Meinung nicht immer teile, regen sie mich doch zum Nachdenken an.
    Was Du über "falschen Stolz" schreibst, könnte durchaus zutreffen. Ich bin jemand von der Sorte "hoho, ich krieg das alles hin, hab alles im Griff".
    Die Erkenntnis, das dem nicht so ist, setzt sich allmählich bei mir durch. Scheinbar im Griff hatte ich alles mit zwei Promille, dann ging noch was, wenn eigentlich nix mehr ging.
    Zu dem Zeitpunkt hatte der Alkohol MICH im Griff. Doch das weiß ich ja inzwischen und arbeite daran. Z.B. indem ich dabei bin, mir/uns eine Haushaltshilfe zu organisieren... Doch Hilfe annehmen, gar darum bitten, damit tue ich mich tatsächlich verdammt schwer. Und mit familiärer Unterstützung sieht es - zumindest im Alltag - schlecht aus (auch wenn das Verhältnis ein recht gutes ist), denn es liegen viele Hundert Kilometer zwischen uns...

    Viele Grüße, auch Dir einen schönen Sonntag
    Georg

    Suche nach Erfolg, nicht nach Perfektion. Vergiss nie dein Recht, dich zu irren, weil du dann die Fähigkeit verlieren wirst, Neues zu lernen und in deinem Leben vorwärts zu gehen. Erinnere dich daran, dass sich hinter Perfektionismus immer Angst verbirgt.

  • Hallo Prinzessin,

    auch Dir herzlichen Dank für Deine motivierenden Zeilen. Dir schreibe ich nochmal gesondert, allerdings wohl erst am Montag, da ich den ganzen Sonntag unterwegs bin. Jetzt fallen mir gleich die Augen zu...
    Das mit dem geschlossenen Bereich werde ich nochmal bedenken, aber da ich ja hier schon nicht so zum Schreiben komme, wie ich es möchte, überfordert mich das vermutlich. Außerdem will ich mich eigentlich nicht "verkriechen" (wobei das mit den PN's schon einen gewissen Charme hat...).
    Hat nix mit Geld zu tun, eine Spende gehörte sowieso zu meinen Vorhaben für's neue Jahr. Und bis vor kurzem hab ich ja den Jahresbeitrag innerhalb kürzester Zeit versoffen...

    Wünsche Dir einen entspannten, sonnigen und trockenen Sonntag
    Schorsch

    Suche nach Erfolg, nicht nach Perfektion. Vergiss nie dein Recht, dich zu irren, weil du dann die Fähigkeit verlieren wirst, Neues zu lernen und in deinem Leben vorwärts zu gehen. Erinnere dich daran, dass sich hinter Perfektionismus immer Angst verbirgt.

  • Schönen, guten morgen Schorsch!

    An meinem Tag 45.

    Ich weiß nicht genau wieso, aber ich kann sehr viel von dem, was du über dich schreibst sehr gut nachempfinden.
    Z.B. ist es auch für mich völlig ungewohnt (weil nie geübt), Hilfe anzunehmen, geschweige denn einzuholen.

    Es gibt Menschen, die wollen einfach wirklich helfen, ohne dann hinterher Ansprüche zu erheben.
    Und dann gibts solche (und ich bin wohl oft und oft auf diese Art von Helfern gestoßen), die sind dann regelrecht angefressen und mehr als verstimmt, wenn ihre Hilfe nicht eins zu eins angenommen wird.

    Mich erinnert das immer an eine Situation, die ich oft erlebte: bei uns in der Stadt gibt es einige Bettler, die am Boden sitzen (sehr unterschiedlich, mal mit einem Zettel, wo "ich habe Hunger" draufsteht, mal mit einem Hund,...). Und immer wieder habe ich Menschen erlebt, die ein paar Münzen geben wollten, allerdings dabei bestimmen wollten, was darum gekauft werden soll!!! Da könnt ich speiben.

    Was wird sich da herausgenommen? - frag ich mich dann? Glauben einige, sie haben das Recht darauf, Gottähnlich zu wirken?? Für mich ist das sehr scheinheilig.
    Und ich handhabe das so, entweder, ich gebe etwas, weil ich der Meinung bin, dass ich das große Glück habe, zur richtigen Zeit am richtigen Ort geboren worden zu sein (zu dem ich NULL beigetragen habe), dann tue ich es. Oder ich lass es bleiben.

    Alles andere finde ICH (und ich kann natürlich nur von mir reden) eben scheinheilig, hochmütig und zum Speiben.

    Es gibt im Leben viele Wege, die gegangen werden können. Ich würde mir nie herausnehmen (z.B bei einer Sache, die ich kann und in der ich gut bin und mich bewährt habe), meinen Weg als den einzig richtigen zu bezeichnen. Viele Wege können zum Ziel führen. Aber es muss schon jedem selbst überlassen bleiben dürfen, dass er dabei seinen individuellen Weg finden darf/kann. Dabei können Tipps und Empfehlungen sehr hilfreich sein. Nur, ob sie eins zu eins umgesetzt werden kann eben auch nur auf einer (von vielen) Empfehlungen basieren.

    Weiß jetzt nicht, ob ich mich verständlich ausdrücken konnte, glaube aber, du verstehst, was ich meine.

    Uns so wie du, schätze ich viele Beiträge hier sehr, weil sie für mich umsetzbar sind, oder ich zumindestens Denkanstöße finde.

    Aber in welcher Granularität - das nehme ich mir ganz selbstverständlich heraus - bestimme ICH für MICH!

    Und was noch - für mich kommt es auch ganz viel darauf an, ob ich zwischen den Zeilen so einen "Helfer" oder einen Helfer erkenne :wink: .

    Ich hätt da mal einen Buchtipp für dich, weiß aber jetzt nicht genau, ob ich das hier schreiben darf.

    Und.... Schwarz/Weiß - Denken ist sicherlich der einfachere Weg (weil man eben nur zwischen zwei Dingen entscheiden muss), lässt aber für ein Leben (für MICH - wohlgemerkt) viel zu wenig Spielraum zur Individualität. In allen Lebenslagen. Und der liebe Gott (nur symbolisch gemeint) hat mir ja ein Hirn und ein lymbisches System gegeben, damit ich nicht wie eine Marionette nur rechts und links, oben und unten, groß und klein, vorne und hinten, auf und ab (usw) zu unterscheiden vermag.


    In diesem Sinne, auch dir einen schönen Sonntag, im Kreise deiner Lieben!!
    Liebe Grüße, Prinzessin?

    Fini

  • Hallo Prinzessin

    Zitat

    Es gibt Menschen, die wollen einfach wirklich helfen, ohne dann hinterher Ansprüche zu erheben.
    Und dann gibts solche (und ich bin wohl oft und oft auf diese Art von Helfern gestoßen), die sind dann regelrecht angefressen und mehr als verstimmt, wenn ihre Hilfe nicht eins zu eins angenommen wird.

    und genau da trennt sich die Spreu vom Weizen . Ich bin hier zur Selbsthilfe und nicht zur Hilfe . Und das auf die Sucht bezogen . Alles was individuell ablauft ist um die Sucht herum.

    ich versteh auch manchmal nicht warum User angfressen sind wenn sachlich argumentiert wird .

    Gruß Hartmut

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo Georg,

    Zitat

    nach anfänglichen "Startschwierigkeiten" mit Dir weiß ich inzwischen Deine Beiträge zu schätzen. Auch wenn ich Deine Meinung nicht immer teile, regen sie mich doch zum Nachdenken an.
    Was Du über "falschen Stolz" schreibst, könnte durchaus zutreffen. Ich bin jemand von der Sorte "hoho, ich krieg das alles hin, hab alles im Griff".

    ich denke, darum gehts (mir ) auch .
    Und wenn ich schrieb, bei Kritik gerade nicht "wegrennen", dann deshalb weil genau das auch ein typisches Verhalten aus meiner aktiven Alkoholikerkarriere war.
    Weißt Du - ich bin auch nicht immer gut drauf - und wenn ich in einer solchen Phase hier schreibe, bin ich mit Sicherheit auch brüsker und verletzender zu anderen, als ich das in "meinem Selbstbild" gern möchte.

    Hallo Hartmut,

    ich habe ja im letzten Jahr in meiner AA-SHG "den Gruppenmoderator gegeben" und es hat mir lange sehr viel Freude gemacht. Es war von vornherein vereinbart, daß ich dies 1 Jahr mache und in diesem Jahr eine andere Betroffene "nachrückt". Ich merkte, daß ich ab Oktober selbst Probleme bekam, als es einige Rückfälle gab und als Menschen unehrlich und unzuverlässig mir gegenüber waren. Auch das war eine wichtige Erfahrung für mich, denn es hat mich ärgerlich gemacht und ich konnte es auch zeigen und ansprechen, daß Unehrlichkeit und Unzuverlässigkeit mich ärgerlich macht.

    Was ich Dir sagen möchte, ist daß eine Moderatorenrolle in einem solchen Forum automatisch auch neben der Selbsthilfe auch eine Verantwortung für andere Menschen mit sich bringt und ich es insoweit gut finde, daß Du eine gewisse "Wadenbeißerei" mitbringst, um der Verantwortung für jeden Neuling hier und der Linie des Forums gerecht zu werden.

    LG Jürgen

  • Hallo Georg,

    Danke auch Dir an dieser Stelle, dass Du uns an deinen Gedanken teilhaben lässt. Es wäre kein Dialog mehr vorhanden, wenn das auf einmal keiner mehr machen würde, und dann hätte ich nicht wieder soviel dazulernen können wie an diesem Wochenende.

    Du hast Dir die Zeit genommen, in Ruhe über alles nachzudenken, und das finde ich gut. Nur eins noch, Du schreibst „mehr geht nicht“, und das brauchst Du glaube ich nicht unbedingt so stehen zu lassen für dich, vor allem weil immer irgendwie noch was geht, was dieses Thema anbelangt.

    Ich wünsche Dir eine angenehme Woche.

    Gruß, Bruce

  • Mein erster Heimarbeitstag fließt gemächlich dahin.
    Unspektakulär. Normal. Und doch anders.
    Mittagessen mit Frau und Kindern. Schon mittags
    die Neuigkeiten, die Gedanken des Vormittags erfahren.
    Nach einem Espresso die Tür zum Arbeitszimmer wieder schließen.

    Musik tönt durch's Haus. What shall we do with a drunken sailer.
    Vivaldi. Dvorak. Musik meiner Kinder.
    Warum hab ich sie so oft nur benebelt gehört?

    Ich hätte heute Morgen bereits mit dem Trinken anfangen können.
    Wie meistens, wenn ich zu Hause war. Heimlich. Im Keller.
    Im Arbeitszimmer. Immer den Spiegel auf Niveau halten.

    Doch das ist mir grad eben erst eingefallen.
    Warum hätte ich es tun sollen?
    Keine Ahnung.
    Es scheint so fern und liegt doch erst wenige Wochen zurück.

    Heute Abend gönne ich mir einen Waldlauf.
    Um diese Uhrzeit war meist der nächste Schluck wichtiger.
    Oder die Flasche ging mit mir ins Fitnessstudio.
    Und wartete im Spind auf mich.

    Absurd...

    Muss ich verzichten, wenn ich nicht mehr trinke?
    Nein, Alkohol ist in meinem Leben - momentan - nicht präsent.
    Ich brauche ihn nicht mehr.

    Es ist absurd, dass es bis zu dieser Erkenntnis
    so lange gedauert hat.
    Doch wer ein "Wofür" hat, braucht kein "Warum".
    Das Leben kann noch lang sein... und meint es gerade gut mit mir.

    Georg

    Suche nach Erfolg, nicht nach Perfektion. Vergiss nie dein Recht, dich zu irren, weil du dann die Fähigkeit verlieren wirst, Neues zu lernen und in deinem Leben vorwärts zu gehen. Erinnere dich daran, dass sich hinter Perfektionismus immer Angst verbirgt.

  • Lieber Schorsch!

    Das liest sich für MICH urgut!

    So schön, dass du so gut ohne Alk willst und kannst!! :lol:

    Ja, es kann sich doch so manches ändern! :wink:

    Freu mich für dich, echt ganz viel!!!

    LG, Prinzessin? (die auch bereits quasi "schon" Tag 46 hinter sich hat)

    Fini

  • Guten Abend allerseits,

    ich bin Georg, 46 und Alkoholiker. Spiegeltrinker.

    Nach einem alkoholfreien Vierteljahr möchte ich eine kurze Bestandsaufnahme machen und die neue Zeit Revue passieren lassen.
    Ich vergleiche mein Trockenwerden gern mit einem Hausbau. Da wird man ja auch nie fertig. Inzwischen steht mein Haus auf einem guten Fundament, unter anderem bestehend aus

    +++ meiner realen SHG, die ich regelmäßig einmal wöchentlich besuche
    +++ diesem Forum
    +++ einer einjährigen ambulanten Suchttherapie
    +++ der Überzeugung, dass Alkohol niemals zur Lösung eines meiner Probleme beitragen kann
    +++ dem täglichen Streben, potenziellen Trinksituationen im Alltag dort aus dem Weg zu gehen, wo es mir möglich ist
    +++ dem täglichen Streben, mir inmitten meines turbulenten Lebens kleine Auszeiten zu gönnen
    +++ dem glücklichen Umstand, dass ich in diesen drei Monaten keinerlei Saufdruck verspürte, Alkohol nie eine Option war und ich auf ihn nicht verzichten muss, sondern ihn nicht brauche. Bis heute nicht. Was morgen sein wird, weiß ich nicht.

    Das Haus besitzt inzwischen Türen, Fenster und ein wetterfestes Dach. Denn manchmal wird es recht stürmisch, doch das hält es gut aus. Drinnen wird es langsam immer wohliger. Das sorgt für gute Stimmung, sollte jedoch keinesfalls mit Euphorie verwechselt werden.
    Es gibt noch viel zu werkeln am Haus, wofür auch künftig jede Menge Energie nötig ist. Ich muss meine Energie stark fokussieren. Deshalb kann ich zwar auf jedes Klopfen hin meine Tür öffnen, aber nicht mehr jeden Gast hereinbitten.

    Ich werde weiter fleißig bauen und wünsche allseits eine positive und aufbauende Woche
    Georg

    Suche nach Erfolg, nicht nach Perfektion. Vergiss nie dein Recht, dich zu irren, weil du dann die Fähigkeit verlieren wirst, Neues zu lernen und in deinem Leben vorwärts zu gehen. Erinnere dich daran, dass sich hinter Perfektionismus immer Angst verbirgt.

  • klopf, klopf...
    viel passiert in 3 Monaten und dennoch wird immernoch überall rumgewerkelt, aber das muss ja so sein. Es wird immer was zum renovieren, modernisieren und verschönern geben. Eventuell müssen auch manchmal einige Gedanken nachjustiert werden, damit sie nicht in die falsche Richtung gehen. (Ist zumindest bei mir so)

    So, dann bin ich mal wieder weg. Aber du weißt ja, ich werde immer mal wieder bei dir vorbei schauen und auch das ein oder andere bei dir abschauen.

    Viele Grüsse
    Zotti

  • Guten Morgen Gleichschritt-Zotti,

    danke für Deinen Besuch und für Deine netten Zeilen. Obwohl ich Dir gestern auch einen Besuch abstatten wollte, hat mein immer wieder recht turbulentes Leben mich davon abgehalten.
    Ich freue mich sehr, dass Du trotz gelegentlichem Auf & Ab weiter am Ball bleibst und Deinen Weg gehst.
    Ich habe in den vergangenen drei Monaten den Eindruck gewonnen, dass wir zwar recht verschiedene Menschen mit einem sehr unterschiedlichen Leben sind, dass uns aber das gleiche Ziel eint - nie wieder Alkohol. Und ja, gelegentliches Nachjustieren ist immer mal wieder nötig, das ist beim Thema Alkohol genauso sinnvoll wie bei allen anderen Themen des Lebens.

    Du bist in meinem Haus jederzeit willkommen und ich wünsche Dir weiterhin einen guten, abstinenten Weg.

    Herzliche Grüße vom Schorsch

    Suche nach Erfolg, nicht nach Perfektion. Vergiss nie dein Recht, dich zu irren, weil du dann die Fähigkeit verlieren wirst, Neues zu lernen und in deinem Leben vorwärts zu gehen. Erinnere dich daran, dass sich hinter Perfektionismus immer Angst verbirgt.

  • Guten Morgen allerseits,

    wieder neigt sich eine Woche dem Ende entgegen. Die ARBEITSwoche. Dann wartet das Wochenende und ich freue mich darauf.
    Das war nicht immer so. Etwa drei Flaschen Obstler gehörten in den letzten Trinkmonaten zu meiner Ration für's Wochenende, das doch auch der Erholung dienen sollte. Doch meine Erledigungslisten waren immer viel zu lang. Ruhephasen hab ich nie "eingeplant", dafür war kein Platz. Immer weiterhetzen im Hamsterrad. Permanent überforderte ich mich, stellte unerfüllbare Ansprüche an mich selbst. Und den Ärger über diese Unerfüllbarkeit, über Rückenschmerzen und schlechten Schlaf versuchte ich wegzutrinken. Wollte Erholung durch Alkohol finden.

    Was natürlich Nonsens ist. Ich wusste es lange Zeit und freute mich auch nicht mehr auf die Wochenenden. Ich sah, in welcher Abwärtsspirale ich mich bewegte, konnte es aber zu dem Zeitpunkt (noch) nicht ändern. Ich kam mir tatsächlich machtlos gegenüber dem Alkohol vor. Für mich, der ich doch immer alles im Griff hatte, mich als "Projektleiter" in unserer "etwas anderen Familie" fühlte, war dieses Gefühl manchmal unerträglich.

    Für heute ist meine Erledigungsliste kürzer (dennoch sportlich anspruchsvoll), aber auch Sport steht drauf. Und abends "Heimkino" mit den Kindern - mit Flips und Popcorn und gutem Gewissen.

    Habt einen guten, erkältungsfreien Freitag

    Georg

    Suche nach Erfolg, nicht nach Perfektion. Vergiss nie dein Recht, dich zu irren, weil du dann die Fähigkeit verlieren wirst, Neues zu lernen und in deinem Leben vorwärts zu gehen. Erinnere dich daran, dass sich hinter Perfektionismus immer Angst verbirgt.

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