Da ich schon wieder hier sitze und zweifle das richtige getan zu haben, schreibe ich ein paar Zeilen die mich dran errinnern sollen, das es nicht anders ging.
Mir ist schon vor sehr langer Zeit aufgefallen das mein Mann zuviel trinkt, doch ich wollte es nie wahrhaben, dass er ein Alkoholiker ist, da in meiner Familie fast jeder trinkt. Es gibt kein Fest ohne Alkohol, und da ich viel Verwandschaft habe, gab und gibt es auch viele Gelegenheiten dazu. In meiner Familie gibt es auch ein paar Alkoholiker, ein paar davon sind schon sehr lange trocken und die anderen sehen das als nicht so schlimm, wenn man sich ab und zu ( täglich ) was gönnt. Mir war das auch nie so bewusst, weil es mich ja nicht anging, und ich bin ja quasi damit aufgewachsen, bis vor ca. 4-5 Jahren. Mich hat es extrem angekotzt das mein Mann öffters von der Arbeit betrunken nach Hause kam. Meine Kinder waren klein und ich konnte nicht arbeiten gehen, weil ich es ihm nicht zugetraut hatte sich um die Kinder zu kümmern, wenn ich nicht da bin. Ich habe dann doch eine Arbeit gefunden, wo ich nachts arbeiten konnte, die Kinder schliefen in dieser Zeit.
Dann musste ich aber an einem Sonntag bis 11Uhr morgens arbeiten, hab mir dabei nichts gedacht, bis die Kinder und mein Mann aufstehen und und frühstücken, bin ich schon längst wieder zu hause. Ich kam um halb 12, mein Mann saß da mit meinem Bruder, die beiden waren so voll, das sie kaum sprechen konnten. Das andere Mal als ich an einem Sonntag um 4Uhr morgens arbeiten sollte, meinte mein Mann garnicht über Nacht nach Hause kommen zu müssen. Ich habe den Job aufgeben müssen. Mir wurden Vorwürfe gemacht das ich zu faul zum Arbeiten bin. Habe sehr schnell eine andere Arbeit gefunden. ( nicht weil ich mich schuldig fühlte, ich wollte was für mich tun) Die Arbeitszeiten waren ok. 4 mal die Woche vormittags, als meine Kinder im Kindergarten und Schule waren. Ich konnte mich schon damals gar kein Stück auf meinen Mann verlassen. Nach ca. einem halben Jahr fragte mich eine Kollegin, ob es mir gut geht, und das ich sehr schlecht aussehe, ( keiner wusste da von meinen Problemmen). Ich habe die Aussage sehr ernst genommen und bin sofort zu meinem Hausarzt gerannt und ihm alles erzählt. Er hat mich auch zu einem Psychotherapeuten überwiesen. Bis ich einen Termin bekommen haben, habe ich mich sehr viel im Internet über diese Krankheit informiert. Ich bin damals schon in diesem Forum gelandet und habe um Hilfe gebeten. (Weiß das Login von damals nicht mehr) Meiner damaliegen Meinung nach wollte mir hier aber keiner helfen, jeder hat mir nur dazu geratten den Mann zu verlassen. Das wollte ich aber nicht hören und hab mich auch nicht wieder eingelogt. Dann kam der erste Termin bei der Therapeutin. Endlich habe ich gedacht, die wird mir ein paar tipps geben wie ich meinen Mann trocken legen kann. Sehr schnell hat sie mir aber gesagt das sie mich behandeln muss und nicht meinen Mann und das es keine Pille gegen die Krankheit gibt. Gut hab ich mir gedacht. Ich kann ihn nicht verlassen, also muss ich lernen damit zu leben. Mit der Hoffnung das irgendwann, irgendwas passiert und er von selber aufhört. Es haben doch auch die anderen geschafft, sogar in meinem nähreren Umfeld.
Ich war stur, und habe nach einer Pille im Internet gesucht. Hab irgendwo gelesen das man so eine Person fallen lassen muss, in aus dem Schlafzimmer ausquatieren, für ihn nicht mehr kochen und waschen. Hmm hab ich mir gedacht, wenn das hilft, versuchst du es doch mal.
Ihm war das egal, war sogar froh, das er keine Rechenschaft ablegen musste und erst Recht einen guten Grund zum trinken hatte. Auf meiner Seite war der Schmerz und die Schuldgefühle, das ich keine gute Ehefrau für ihn bin. Ich habe zwar halb gelernt damit zu leben, ich habe teilweise mein Ding durchgezogen und er seins. Es gab nur sehr selten ein Wir. Immer wenn ich ein Wir wollte, habe ich mich dazu gesetzt und habe auch den einen oder anderen getrunken, damit wir uns nicht so ganz auseinander leben.
Gottseidank habe ich schnell gemerkt, dass das keine Lösung ist. Also weiterhin, er sein Ding und ich meins. Ich konnte mich mit der Zeit auf garnichts mehr verlassen. Früher dachte ich nur drüber nach in welchem Zustand er nach Hause kommt, und dann wann, oder ob er überhaupt nach Hause kommt. Wir haben nichts mehr miteinader unternommen. Wenn er mal nüchtern war, hat er getan als ob nie was geschehen wäre, und da ich auch keinen Streit haben wollte, habe ich auch so getan. Dann fing er langsam an wieder zu trinken und ich habe weiter nichts gesagt, wollte keinen Streit, bis mir der Kragen geplatzt ist und ich doch was gesagt habe. Ihm kam es wieder ganz gelegen, wieder ein paar Wochen ruhe und Grund zum trinken. Dieser Zustand ging die letzten 2Jahre ohne Unterbrechung. Immer als ich ihn auf sein Trinkverhalten angesprochen habe, kam die gleiche Ausrede. Viel Arbeit, viel Stress, ohne Alkohol hält er das nicht aus. Wenn ich mich trennen will, soll ich das tun, ihm ist das egal. Mir ging es immer schlechter, körperlich und psychisch, bis ich irgendwann wegen Panikkatacken im Krankenhaus gelandet bin. Erst jetzt habe ich meinen persönlichen Tiefpunkt erreicht. Erst jetzt weiß ich das ich wirklich an mir und nur an mir arbeiten muss. Ich will nicht mehr damit leben müssen. Ich muss für meine Kinder und für mich ein neues Leben beginnen. Ohne Alkohol.