Beiträge von Kaddip

    Ja, Lillith, das hast du genau erkannt, die Zerrissenheit hat mich (wieder) am Hintern. Ich verabscheue mich schon selbst dafür. Ich bin dankbar, daß es das Forum hier gibt, denn ich könnte meine Freunde nicht mehr ewig belasten, eigentlich ist es jetzt schon zu spät für alles. Ich bin zu spät. Warum habe ich nicht vor einem Jahr oder länger schon so konsequent reagiert. Jetzt bin ich nur noch zerrissen, aber noch nicht konsequent genug.

    Hallo ihr Lieben,

    ich habe mich schon in anderen Beiträgen vorgestellt. Ich habe einige Fragen an euch...

    Seit 2,5 Jahren kämpfe ich gegen die Alkoholsucht so leidlich an, mit allen Fehlern, die eine liebende unwissende Frau macht, mit allem Drum und Dran. Jetzt habe ich einen Schlußstrich gezogen, nachdem er das xte Mal sein Vorhaben, einige Monate lang rein gar nichts zu trinken, gebrochen hat. Wir hatten natürlich Riesen-Streit mit allem. Selbstmord-Drohungen, drei Tage Durchtrinken, Vorwürfe, schwere Beleidigungen, Bitten und Flehen. Alles. Egal, ich will euch nicht mit Details quälen, ihr kennt das alle. Nun zum Punkt. Eine Therapie hat er immer vehement! abgelehnt. Jetzt sagt er, weil es ja aus ist, er zieht aus und wir wären für immer getrennte Leute. Wäre möglicherweise auch das Beste, sagt der Kopf. Der Bauch und das Herz sagen, ich will! daß er für immer, für sein Leeeben lang aufhört zu Trinken!
    Er sagt (jetzt), er würde eine Therapie machen. Ich habe ihm gesagt, ich kann ihm da durchhelfen, wenn er will, aber nur als Kumpel, denn ich kann momentan keine Beziehung mit ihm führen. Natürlich wohnen wir in einer Wohnung (meiner Wohnung). Ich habe aber das Gefühl, er würde die Therapie nur für mich machen, will sie nicht wirklich selbst. Ich habe versucht, ihm klarzumachen, daß ich das dann nicht will, dann soll er ausziehen. Er kapiert schwer, was diese Dinge angeht, so intelligent er auch sonst ist.
    Dazu kommt: er ist finanziell unmöglich! in der Lage, eine lange stationäre Therapie zu machen, denn er muss arbeiten. Ist sozusagen sein eigener Chef.
    Ich habe ihn gebeten, zunächst mit seinem Hausarzt zu reden. War das ok? Würde der merken, wenn er gar nicht wirklich will?
    Was soll ich machen? Ich weiß nicht, ob meine Kraft ausreicht, auf jeden Fall nicht für noch so einen Zoff.
    Ich hätte so gerne Vertrauen, aber es ist weg. Ich weiß, es gibt keine Garantie. Aber kann ich denn von ihm verlangen, jetzt alleine zu wohnen und! eine Therapie zu machen? Quasi ihn der Doppelbelastung aussetzen? Er wäre dann einsam und alleine und dann noch das? Was meint ihr? Ich bin absolut ratlos . Habe das Gefühl, ich bin wieder umgefallen und bin unglücklich darüber. Aber ich will auch nicht den Fehler meines Lebens machen und eine Chance verpaßen.
    Wie ist überhaupt der Weg zur Therapie? Wie sieht das aus? Geht das überhaupt ambulant?

    DANKE! Für eure Hilfe, daß ihr da seid. Ich fühle mich durch euch nicht ganz so alleine.

    Kaddip

    Liebe Lillith,

    das schmerzt, wenn du schreibst, in deinem Herzen wirst du ihn immer lieben. Genauso fühle ich auch. Und der Schmerz, ihn alleine zu lassen, das kann ich dir nachfühlen. Auch wenn er schrecklich aussieht und sich fürchterlich benimmt, dann weißt du doch, wie er sein könnte stimmts? Ich denke dasselbe, aber...ich frage mich auch...gibt es den Mann, den wir lieben wirklich? Oder glorifizieren wir da nicht etwas? Ich meine, man sagt ja auch, Betrunkene sagten die Wahrheit oder? Naja, das ist vermutlich nur ein blöder Spruch. Aber überlege doch einmal, alles, was er dir so an den Kopf geworfen hat, das hast DU in nüchternem Zustand, also bei ganz klarem Bewußtsein abbekommen!!! Das verletzt doch! Selbst wenn er jetzt absolut abstinent würde, da sind Wunden aufgerissen. Obwohl ich dir recht gebe, man sieht den "anderen" Menschen in ihm. Ach, es ist ein Hin und Her. Ich habe ja seinen Auszug gefordert, aber er akzeptiert das einfach nicht, sagt, er könne es nur mit mir! schaffen, aber das ist natürlich Quatsch, die ganzen Jahre ging es ja auch nicht mit mir. Im Gegenteil, er hat es nicht ernst genommen, daß ich sagte, das zerstört unsere Beziehung, genauso, wie er jetzt die Trennung nicht ernst nimmt!

    Liebe Bine123,
    ich hätte auch Sorge, wie du. Laß doch das Schloß austauschen. So teuer kann das nicht sein und ein ruhiger Schlaf ist einfach essentiell wichtig!!! Oder bring ein Zusatzschloss an, so eins mit einer Kette. Ich glaube aber, du brauchst ein neues Schloß, sonst kommst du nicht zur Ruhe, manchmal muss man einfach praktisch denken. Wenn er klingelt, oder einen Termin mit dir macht, kann er ja gerne seine Sachen holen. Oder du stellst sie ihm ins Treppenhaus. Laß dich nicht so ängstigen.

    Ich wünsche Euch viel Kraft!

    lg
    Kaddip

    Danke Lillith,
    du hast alle möglichen Nägel auf den Kopf getroffen.
    Dabei sagt er mir immer, ich sei egoistisch, vor allem jetzt, da ich seit einer Woche stur beim AUS der Beziehung und der gemeinsamen Wohnung bleibe. Ich möchte, daß er auszieht und mir dann beweist, daß er aufhören kann. Er sagt, Alkohol sei für ihn kein Thema mehr. Kannst dir sicherlich denken, daß ich das schon öfter gehört habe. Wir hatten einige Male den Fall, daß er sagte, er möchte weg vom Mißbrauch, aber weiter Alkohol als Genußmittel haben. Dann den Fall öfter, daß er eine Zeitspanne lang nichts trinken wollte. Das hat er dann meist in den letzten Monaten irgendwann revidiert, z.B. hätte er über meinen Geburtstag halt nichts trinken dürfen und wollte das dann plötzlich nicht mehr. Er wollte dann wieder "kontrolliert" trinken, was auch mal geklappt hat, aber nie längere Zeit. Jetzt habe ich ein sch.. Gefühl, weil er mir momentan wieder! hoch und heilig verspricht, daß er es jetzt verstanden hat und daß er nichts mehr trinkt. Ich bleibe bei dem "Nein" und komme mir selbst ganz blöd dabei vor. Und er checkt das natürlich und reitet dauernd weiter darauf herum, unwillig, die Entscheidung zu akzeptieren. Was Diskussionen betrifft, bin ich eindeutig das schwächere Glied. Ich habe aber das Gefühl, ich kann das nicht noch einmal aushalten. Es ist einfach ein Scherbenhaufen.

    Du hast ja ganz schön viele schreckliche Erfahrungen in Bezug auf Alkohol gemacht..mannmann. Nein, das hast du wirklich nicht verdient. Und du kennst dich ja sicherlich (leider) gut genug aus, um eine Kopf-Entscheidung zu treffen und die auch durchzuziehen.

    Ich wünsche Dir alle Kraft, die du brauchst.

    Ich danke euch sehr herzlich. Ich bin jetzt etwas beruhigter. Bis zum nächsten Mal... aber dann werde ich mir eure Antworten wieder durchlesen und versuchen, mich zu beruhigen. Heute lasse ich die Schlüssel auf jeden Fall im Kästchen hängen. Aber das ist heute leicht, denn er trinkt heute nichts und die nächsten Tage sicherlich auch nicht.
    Die Masken, das stimmt. Mein Problem ist, daß ich die beste davon für das wahre Gesicht halte und das ist natürlich das "Gesicht", was ich von Herzen liebe. Und genau die gibt es ab heute wieder. Es ist sehr schwer. Ich mach mir auch Sorgen, ob ich mir etwas einrede. Ich habe mir sehr oft in den schlimmen Zeiten vorgenommen, den Schlußstrich in einer "guten Zeit" zu ziehen, weil ich ja Angst hatte, ihn tiefer in die Depression zu stürzen, Angst, daß er sich etwas tut. Aber wenn dann wieder eine "gute Zeit" ist, naja, ihr wißt ja, wie das ist. Dann genießt man eben nur.

    Danke nochmal für die ehrlichen Worte!

    Ich habe noch eine Frage und hoffe, daß ich niemandem hier Angst mache. Wie geht man wohl mit Drohungen um? Er droht mir mit Selbstmord. Abwechselnd mit einem Autounfall und auch damit, daß er sich jetzt mit Alkohol absichtlich zugrunde richtet. Er sagt, sein Leben hätte ohne mich keinen Sinn. Alle vernünftigen Gespräche sind an ihm abgeprallt. Ich habe irre Angst und hüte ständig alle Autoschlüssel nachts. Aber ewig kann ich das nicht machen und tagsüber bin ich arbeiten! Ich habe große Angst um ihn. Er spielt auch mit meiner Angst, indem er absichtlich wegfährt und sein Handy hier liegen läßt.

    Liebe Svala,
    ich habe eben noch einmal alles gelesen und finde, daß DU viel weiter bist als ich. Ich beglückwünsche dich dazu. Sei froh, daß er auszieht. Ich wünsche dir viel viel Kraft. Wenn du ganz ganz traurig bist, dann denke an die schlimmen Zeiten, nicht an die glücklichen Momente. Lies die fiesen sms (wenn du welche hast, wovon ich ausgehe), nicht die lieben. Ich verstehe deine Sorge um den Hund, bin auch ein Tiernarr, aber das ist etwas, was du nicht ändern kannst. Und vielleicht gibt ihm der Hund auch Halt, schließlich muss! er sich kümmern. Freu dich auf dein neues Leben!

    Hallo Svala, du warst der Grund, warum ich seit über einem Jahr wieder hier gepostet habe. Mir kam es vor, als hätte ich deine Texte geschrieben. Ich fühle mit dir, glaube mir. Bei meinem Freund sind auch Kinder, drei! :) Ich hab alle drei gern und wir verstehen uns gut. Sie sind selten da, oft war nur die Kleine hier (6). All diese Sorgen, die man prophezeien würde, bei der Liebe zu einem Mann mit Kindern, hatten wir nicht. Auch seine Frau und ich verstehen uns gut, wir kämpfen beide gegen seine Sucht.
    Ich bin vielleicht einen klitzekleinen Schritt weiter. Ich habe eingesehen, naja, ich bin dabei, einzusehen, daß ich ihm kaum helfen kann, daß nur er sich helfen kann.
    Ich habe ihm jetzt gesagt, wenn er keine Therapie macht, ist es aus. Seit einer Woche beteuert er, er würde niemals eine Therapie machen, aber er liebt mich so sehr und brauche mich. Ich bin bisher bei dem Aus geblieben, aber es ist eine schlimme Zeit. Ich liebe ihn natürlich sehr. Sonst wäre ich nicht hier.

    Ich habe noch eine Frage und hoffe, daß ich niemandem hier Angst mache. Wie geht man wohl mit Drohungen um? Er droht mir mit Selbstmord. Abwechselnd mit einem Autounfall und auch damit, daß er sich jetzt mit Alkohol absichtlich zugrunde richtet. Er sagt, sein Leben hätte ohne mich keinen Sinn. Alle vernünftigen Gespräche sind an ihm abgeprallt. Ich habe irre Angst und hüte ständig alle Autoschlüssel nachts. Aber ewig kann ich das nicht machen und tagsüber bin ich arbeiten! Ich habe große Angst um ihn. Er spielt auch mit meiner Angst, indem er absichtlich wegfährt und sein Handy hier liegen läßt.

    Liebe Lillith,

    das tut mir sehr leid, was du erlebt hast. Sicherlich ist das Unverständnis noch viel größer, da ihr ja beide die Leidensgeschichte deiner Omi vor Augen habt!

    Ich habe meine Geschichte nicht noch einmal komplett aufgeschrieben, denn ich finde mich in so vielen Dingen wieder, was andere Frauen geschrieben haben.

    Bei dir möchte ich gerne antworten, denn ich frage mich, warum diese kleinen oder größeren "Schocks" so gar keine Wirkung zeigen. Aber ich frage es mich, akzeptiere es aber. Mein Freund hatte viele "Schocks", sein Vater ist Alkoholiker und er hatte ihn ab und zu am Telefon, nachdem sein Vater sich jahrelang nicht um ihn geschert hatte. Er hat auch mit der Ex-Freundin seines Vaters gesprochen, die ihn wegen des Alkohols verlassen hatte und er war traurig. Trank aber weiter. Seine Töchter wissen es mittlerweile und ich habe ihm erzählt, daß seine große Tochter ein schlimmes Schimpfwort über ihn gesagt hat, bezüglich seines Alkoholkonsums. Er trank weiter. Eine Bekannte von mir hat unheilbar Lungenkrebs als Diagnose bekommen. Er raucht und trinkt weiter. Sein Stiefvater, den er sehr schätzt, hat einen Gehirntumor. Er trinkt weiter. Ich habe es in den 2,5 Jahren Beziehung mit allem versucht, mit Liebe, mit Vorwürfen (Anfängerfehler), mit Verständnis, mit Strenge, mit Ultimaten, mit Bitten und Flehen, wenigstens nicht mehr zu lügen. Er trinkt weiter. Ich habe mich getrennt, aber momentan haben wir schlimme Tage hier in der Wohnung, da er die Trennung nicht akzeptiert. Er wechselt ständig zwischen Beleidigungen und Bitten, daß ich es noch einmal mit ihm versuchen soll, da er mich so sehr liebe. Ich liebe ihn auch sehr. Aber Liebe ist eben nicht alles! Dieser Lied-Text ist dumm und naiv. Liebe ist ein Verlierer gegen die Alkohol-Sucht! Die Sucht ist dann alles!
    Was denkst du, haben wir noch eine Chance, damit unsere Männer begreifen? Damit sie verstehen, daß der Alkohol der Feind ist?

    Hallo Hanne,

    zieh dir den Schuh nicht an, daß du schuld wärst, selbst an seinem möglichen Tod, den du dir ausmalst. Du quälst dich unnötig. denke auch daran, daß DU auch nur ein Leben hast, das kann er dir zerstören, wenn er so weitermacht.

    Aber nun mal ganz pragmatisch, weil ich denke, du bist noch nicht so weit. Fahre doch morgens zur Arbeit und dann nach 2-3 h schon heim, das kannst du sicherlich organisieren. Dann laß richtig die Fetzen fliegen zuhause. Zeig ihm, daß du es weißt.!!

    Und noch etwas: frage dich doch bitte, ob du das alles wirklich für ihn tust, oder ob du ein Helfer-Syndrom hast. Denkst du nicht, du suchst möglicherweise die Anerkennung bei Anderen für dein Helfer-Dasein? Ich sage das nicht, um dich zu verletzen, sondern weil ich damit 'Erfahrung habe. ;(

    anonym :
    Mein Freund hat auch "Erfahrung" mit Alkoholikern in seinem Leben gemacht und wenig gelernt. Ich habe von einem 'Telefonat mit einem Alkoholiker "am Ende" erzählt bekommen, eine Freundin von mir hat mit diesem Mann gesprochen, man muss sagen, er hatte Schmerzen, hat gelitten, hat davon gesprochen, daß er niemanden mehr habe, daß er ganz allein sei und Hilfe brauche...ich würde das mit dem Wort: Endstation bezeichnen, leider. Ich hoffe, du denkst nicht, ich sei herzlos, aber es ist auch brutal, andere unter der Sucht leiden zu sehen. Jedenfalls, sie hat diesen Mann gefragt, ob er den Alkohol denn hasse, der ihm doch so viel zerstört habe, sozusagen alles. Seine verwunderte Antwort: Nein, wieso? Das zeigt doch, daß die Sucht so tückisch ist, daß auch eine späte Einsicht oft ausgeschlossen scheint. Es gibt auch Raucher, die bekommen Beine amputiert und hören nicht auf zu rauchen. So ist Sucht.
    Du schreibst von einer "Ohrfeige"?? Laß dir dein Leben nicht zerstören und habe keine Angst vorm Alleinsein, du bist stärker, als du glaubst, wenn der Druck von dir genommen ist.
    Paß auf dich auf.

    Zuerst mal danke für die Antwort diandra.
    Klar, es ist ein ständiges Auf und Ab zwischen Hoffen, Resignieren, Wissen und Unwissen. Wir müssen uns entscheiden. Ich habe für mich folgende Entscheidung getroffen. Ich liebe ihn, das ist sicher. Nicht nur "aus dem Bauch raus", sondern weil ich weiß, daß ich nicht oft einen Mann treffen werde, der mir so viel geben kann und den ich so toll finde. Das gilt für den Mann, in den ich mich verliebt habe, der über allen Dingen steht, der in sich ruht und mit Ecken und Kanten liebenswert ist. Wenn er trinkt, dann ist es für mich, wie ein anderer Mensch! ER ist dann nicht da. Ich glaube, er möchte, daß ich mich dann einfach zurückziehe, ihn in Ruhe (trinken) lasse und dann kommt ER wieder und alles ist wieder toll (für ein paar Tage). Das ist mir unmöglich. Ich trete emotional gerade den Rückzug an, nämlich dahingehend (und das kann ich nur allen Co-Abhängigen raten), daß ich nicht mehr kontrolliere, hinterher schnüffele. Das ist nämlich erniedrigend und bringt nichts.
    Mein Freund hat immer bei depressiven Phasen angefangen, zu trinken, er hat gesagt, er will das nicht mehr machen. Das warte ich ab. Wenn mein Resturlaub vorbei ist und ich wieder arbeiten gehe, dann kann er wieder machen, was er will (rein praktisch gesehen jetzt). D.h. ich werde dann nicht mehr anfangen, ständig anzurufen, zu kontrollieren, abzuchecken. Wenn es weiterhin so ist, daß meine Gedanken sich ständig sorgenvoll um ihn drehen (müssen), dann ist es aus. Dann möchte ich mein Leben wieder selbst in die Hand nehmen, alleine.
    Lest doch mal die Geschichte von Rockabella, das spiegelt sicherlich viele Schicksale von uns wieder, auf und ab, bangen, hoffen, aufgeben...das öffnet die Augen. Ich bin froh, daß es dieses Forum gibt, danke euch allen, vor allem auch Karsten für nüchterne sachliche Beiräge und vor allem auch den Leuten mit eigener Trinker-Erfahrung. Ich bewundere den Mut und die Kraft, diesem Teufel Alkohol zu widerstehen. Ihr könnt sehr stolz sein. Ebenso auch die ehemaligen Co-Abhängigen, ich denke, es gehört viel dazu, endlich und endgülitg "ciao" zu sagen. Im letzten Streit hat mein Freund mit mir Schluß gemacht! Und anstatt es dankbar hinzunehmen bin ich wieder angekrochen. Unglaublich. Ich schäme mich vor mir selbst.

    Was mir auch aufgefallen ist, ist, daß anscheinend jedes erdenkliche Verhalten, was man sich überlegen kann, sowieso keinen Effekt hat. Ich habe "IHN" auch schon mit Liebesbekundungen überhäuft, mit Vorwürfen bombadiert bis hin zu gewollten Schocks, indem ich ihm gesagt habe, was seine Tochter schon über ihn gesagt hat!! Kaum Reaktion. Keine Einsicht. Und ich glaube auch, daß eine Reduktion nur darauf fußt, daß ich mich dann ja beruhige und er sein Problem nicht wirklich an der Wurzel fassen kann. Mir ist auch aufgefallen, daß er total blockt, wenn ich sage, ich erwarte, daß er gar nie mehr was trinkt, aber recht zugänglich ist, wenn wir "Regeln" festlegen über den Konsum von Alkohol, z.B. nicht tagsüber oder so etwas. Hat jemand einen Tip, außer ihn zu verlassen?? Ich fürchte, bei uns wird es eines Tages drauf rauslaufen, aber ich liebe ihn wirklich und ich glaube, er würde ohne mich total abstürzen.
    Wenn ich gehe, sagt er, er muss trinken, weil er enttäuscht von mir ist und ich ließe ihn alleine. Wenn ich bleibe sagt er, ich soll ihn doch mal in Ruhe lassen, er würde jetzt keine Umarmungen wollen..??????

    ...je mehr ich lese, desto verzweifelter werde ich, aber ich weiß , daß ich da jetzt durch muss, denn ich erkenne so viele Ähnlichkeiten/Parallelitäten. Mein Problem ist: Ich liebe ihn so sehr.
    Was kann ich tun? Er liegt jetzt im Bett, ich war vorhin wider aller guten Vorsätze tatsächlich im Schlafzimmer und habe ihn gefragt, wie lange das noch gehen soll, daß er mich so ignoriert, er antwortete nichts und dann, als ich ihn bat, wenigstens meine Frage zu beantworten, sagte er, er wolle schlafen. Wenn er nicht da ist, drehe ich durch, vor Sorge um ihn und wenn er nüchtern ist, dann bin ich so glücklich mit ihm. Ich habe ihm auch schon gesagt, daß ich froh sei, daß er "wieder da " ist dann..er wischt solche Bemerkungen einfach weg. Die einzige Einsicht zeigt er, wenn ich krank bin, ich hatte letztens echt Bauchschmerzen und dachte, das kommt von meiner Arbeit, er hat es dann ständig auf sich bezogen und gesagt, er mache mich krank und er hat mich dann getröstet und ich glaube, es war echt schlimm für ihn.
    Ich habe gehört, daß seine Tochter schon "versoffener Alter" über ihn gesagt hat, aber das weiß er nicht. Soll ich ihn mit solchen Dingen konfrontieren?? Soll ich ihn rauswerfen, obwohl ich weiß, daß er Haus und Frau und drei Kinder zu bezahlen hat und sich nichtmal die Kaution für eine Wohnung leisten kann??? Wie kann ich mich entlieben? Er hat mein Seelenheil in seinen Händen, er kann mich glücklich machen oder in einen Abgrund stürzen, ich fühle mich machtlos. Ich weiß, jeder ist für sich verantwortlich, ich auch, aber ich drehe durch bei dem Gedanken, nicht mehr mit ihm sprechen zu können, ihn nicht mehr an meiner Seite zu haben....manchmal möchte ich mit dem Kopf gegen die Wand rennen. Wie kann ich ihn aufwecken? Wie sein Gefühl für Schuld, für Gut und Böse wecken? ich habe ihm schon Briefe geschrieben, ihm gesagt, daß der Alkohol ein Teufel ist, der uns so sehr bedroht. Er liest und legt weg. Es ändert sich nichts. ..

    Ich habe noch nie etwas gepostet, nicht in diesem, nicht in anderen Foren. Ich fühle mich sehr berührt von dem, was Pauline schreibt. ich habe auch jetzt das Gefühl, meinen Freund zu verraten! Ich liebe ihn seit eineinhalb Jahren, weil er der schlauste, beste und zärtlichste Mann ist, aber wenn er trinkt, ist kaum mehr viel davon übrig. Er wechselte in der Zeit öfter die Taktik, anfangs war die große Liebe, die Trennung von seiner Frau und seinen Kindern (wir haben alle aber ein gutes Verhältnis, es gab keine Lügen, keine Betrügereien), dann ging es schon los, daß ich ihn öfter total betrunken in seiner Wohnung vorfand. Dann hat er eine Zeitlang abends getrunken, als wir deshalb immer wieder Streit hatten, fing er an, morgens nicht zu arbeiten, statt dessen zu trinken, er hoffte, er könne es verbergen, bis ich von der Arbeit komme (wir wohnen seit 6 Monaten zusammen). Wann immer ich ihm Vorwürfe mache, fühle ich mich schuldig, denn er hat große Geldsorgen, das weiß ich. Und er hat Probleme, über Probleme zu reden.
    Wenn er mal für mich nicht trinkt habe ich das Gefühl, er wird immer übellauniger, und er gibt mir dann die Schuld. Ich kann tun oder lassen was ich will, es wird immer schlimmer. Er ist meist unangreifbar, z.B. fragt er mich, was ich auszusetzen habe, denn er täte ja nichts Unrechtes, d.h. er greift mich ja nicht an, wenn er was getrunken hat. Sowieso ist er oft einfach so unfreundlich zu mir, aber immer so subtil, daß ich ihn nicht wirklich angreifen kann, bei mir löst das dann Wut aus, und Schmerz, bis hin zur Verzweiflung, ich raste dann aus und sage Dinge, für die ich mich dann entschuldige. Ich halte mich für eine selbstbewußte und intelligente Frau, aber er schafft es, daß ich nicht mehr weiß, was richtig und was falsch ist. Jetzt ignoriert er mich seit 20h und sitzt in seinem Büro und arbeitet, seine Freundin, die Bierflasche, nebendran.
    Bei uns ist alles hop oder top. Er ist der allerbeste Mann der Welt und kann so unerträglich sein. Alles, was ich für ihn tue, nimmt er für selbverständlich, z.B. daß ich mit den Kindern klarkomme, mir Mühe gebe, mit seiner Frau auch klar komme. Ist er nüchtern, dann stellt er mich auf ein ganz hohes Podest, ist er angetrunken, dann sagt er vorwurfsvoll, ich wolle ihm Vorschriften machen, alles wäre immer so, wie ich es wollen würde. Und er sagt, ich interessierte mich nicht dafür, was er wirklich wolle, natürlich frage ich ihn dann zum hundertsten Mal, aber bekomme wie immer keine Antwort. Er bringt mich dazu, daß ich jeden kleinen Streit vermeiden will, damit er nicht wieder trinkt. Er ist sehr integer, aber bezüglich Alkohol hat er mich auch schon angelogen, z.B. sagte er, er fahre arbeiten (er ist selbständig), dabei war er den ganzen Tag zuhause und hat getrunken. Es ist ein Teufelskreis, auch finanziell. Er tut mir leid mit diesen immensen Geldsorgen. Er arbeitet wirklich und ist sehr gut in seinem Fach.
    Er sieht ebenfalls (analog zu Paulines Mann) nichts ein, er sagt, ich übertreibe und er habe kein Problem. Er sieht ein, daß das "Tagsüber-Trinken" nicht gut ist, aber er sieht nicht ein, daß er die Finger ganz vom Alkohol lassen muss. Komischerweise kann man ganz locker eine Flasche Wein mit ihm trinken, nur bei Bier kann er nicht aufhören.
    Was kann ich tun?