Das Leben ist kein „Schlotzer“

  • Hallo Ihr Lieben,

    lange habe ich mir überlegt ob ich nun meinen eigenen Thread öffnen soll. Meine Geschichte/n ähneln den anderen sehr und doch hat jeder seine eigene Geschichte. Jetzt bin ich tatsächlich schon seit über 3 Monaten in diesem Forum, habe viel gelesen, gelitten und manchmal auch geweint.
    Und aus dem weinen komme ich seit einigen Tagen gar nicht mehr raus, ich bin aber auch ne alte Heulsuse.
    Versuche mich jetzt etwas kürzer zu halten:
    Bin mit meinem Freund knapp ein Jahr zusammen, in dieser Zeit hat er 2 mal entgiftet (scheint ein Hobby von ihm zu werden) die letzte Entgiftung ist 2 ½ Monate her. Ich entwickelte mich zur perfekten Co. Ist eigentlich gar nicht lustig, denn die Psyche spielt dermassen verrückt, das kennen bestimmt alle Co`s hier. Üble Symptome wie Nervenzucken und eine Nesselsucht begleiten mich seitdem.
    Die letzte Entgiftung hat er mit Sicherheit mir zuliebe gemacht, auch wenn er es nicht zugibt. Ich staunte nicht schlecht, als er tatsächlich 8 Wochen trocken war. Mein Vertrauen wuchs wieder, meine Symptome verabschiedeten sich langsam. Ich fuhr mit ihm durch 700 km zu meiner Großmutter, um ihn ihr vorzustellen und den Umzug ins betreute Wohnen für sie über die Bühne zu bringen. Als ich dann vor meiner Oma stand, war ich so erschrocken, sie brachte noch 42 kg auf die Waage, war in einem sehr schlechten Zustand, trotzdem der Pflegedienst täglich zu ihr kam. Also ab ins Krankenhaus mit ihr. Ich tippte auf Ösophagusvarizen, da sie beschwerden beim schlucken hatte und einen jahrenlangen Alkoholmißbrauch hinter sich (ich weiß nicht genau seit wann sie nicht mehr trinkt). Jedenfalls weit gefehlt, Ösophaguskarzinom-Endstadium, von der fortgeschrittenen Leberzirrhose ganz abgesehen. Folgen des Alkoholmissbrauchs, sie wird nächstes Jahr daran sterben.
    Und was macht mein Freund, meine große Liebe?
    Wir fahren nach 10 Tagen zurück und er fängt wieder zum saufen an.
    Ende der Geschichte, ein Loch machte sich auf, ich Dumpfbacke fiel rein und seit dem versuche ich da die ganze Zeit raus zu krabbeln.
    Letzte Woche wurde ich 40 Jahre und kein bischen gescheiter.
    Das Leben ist wirklich kein Schlotzer...

    Eure Dumpfbacke Lillith

  • Liebe Lillith,

    das tut mir sehr leid, was du erlebt hast. Sicherlich ist das Unverständnis noch viel größer, da ihr ja beide die Leidensgeschichte deiner Omi vor Augen habt!

    Ich habe meine Geschichte nicht noch einmal komplett aufgeschrieben, denn ich finde mich in so vielen Dingen wieder, was andere Frauen geschrieben haben.

    Bei dir möchte ich gerne antworten, denn ich frage mich, warum diese kleinen oder größeren "Schocks" so gar keine Wirkung zeigen. Aber ich frage es mich, akzeptiere es aber. Mein Freund hatte viele "Schocks", sein Vater ist Alkoholiker und er hatte ihn ab und zu am Telefon, nachdem sein Vater sich jahrelang nicht um ihn geschert hatte. Er hat auch mit der Ex-Freundin seines Vaters gesprochen, die ihn wegen des Alkohols verlassen hatte und er war traurig. Trank aber weiter. Seine Töchter wissen es mittlerweile und ich habe ihm erzählt, daß seine große Tochter ein schlimmes Schimpfwort über ihn gesagt hat, bezüglich seines Alkoholkonsums. Er trank weiter. Eine Bekannte von mir hat unheilbar Lungenkrebs als Diagnose bekommen. Er raucht und trinkt weiter. Sein Stiefvater, den er sehr schätzt, hat einen Gehirntumor. Er trinkt weiter. Ich habe es in den 2,5 Jahren Beziehung mit allem versucht, mit Liebe, mit Vorwürfen (Anfängerfehler), mit Verständnis, mit Strenge, mit Ultimaten, mit Bitten und Flehen, wenigstens nicht mehr zu lügen. Er trinkt weiter. Ich habe mich getrennt, aber momentan haben wir schlimme Tage hier in der Wohnung, da er die Trennung nicht akzeptiert. Er wechselt ständig zwischen Beleidigungen und Bitten, daß ich es noch einmal mit ihm versuchen soll, da er mich so sehr liebe. Ich liebe ihn auch sehr. Aber Liebe ist eben nicht alles! Dieser Lied-Text ist dumm und naiv. Liebe ist ein Verlierer gegen die Alkohol-Sucht! Die Sucht ist dann alles!
    Was denkst du, haben wir noch eine Chance, damit unsere Männer begreifen? Damit sie verstehen, daß der Alkohol der Feind ist?

  • Liebe Kaddip,

    danke für Deine Reaktion und Antwort.
    Auch die Eltern meines Freundes waren Alkoholiker, mein Vater verstarb vor 4 Jahren an den folgen seines übermässigen Alkoholsmissbrauchs, mein Ex-Mann vor 5 Jahren nach einer S...-Tour vor meinem damals 16 jährigen Sohn. All das schockt einen Alkoholiker nicht. Das Suchtgedächtnis muß so ausgeprägt sein, daß können wir uns wohl kaum in unseren kühnsten Träumen ausmalen.

    Am Samstag beobachtete ich folgende Situation beim Einkaufen:
    Vor mir an der Kasse eine Mutter mit ihrer ca. 2 jährigen Tochter. Die Mutter gibt ihrer Tochter die Ware in die Hand, damit diese die Ware auf das Kassenband legen kann und sagt zu ihrer Tochter: Ich bin so froh das Du mir hilfst! Die Kleine grinste stolz nach dem Lob ihrer Mama.

    Wir werden erzogen zu helfen und bekommen Lob dafür. Ein sehr gutes gefühl. So versuchen wir das natürlich auch bei unseren Partnern ,Angehörigen, Freunden und Kindern. Aber bei einem Alkoholiker beißt man da absolut auf Granit. Er nimmt das nur zu seinem Vorteil an und wenn es dann an die Substanz geht werden sie wie Du schon erwähnt hast beleidigend, ausfallend und unterstellen Dir böses. Und wir stehen da und begreifen die Welt nicht mehr, wir wollen doch nur helfen?! Haben wir Co`s alle ein Helfersyndrom?

    Mir sagte gestern ein trockener Alkoholiker: Weißt du das schlimmste ist, sich endgültig und für IMMER von dem Alkohol zu trennen. Nie mehr Alkohol trinken zu dürfen/müssen ist wohl eine unvorstellbare Sache.

    Liebe Kadipp, ich weiß nicht wann unsere Männer begreifen das der Alkohol sovieles zerstört. Vielleicht wissen sie es auch und kommen einfach nicht gegen an. Der Kampf jeden Tag ohne Alkohol zu leben muß ja die Hölle sein und dafür sind unsere Männer nicht stark genug, glaube ich zumindest. Ich bin mit meinem Latein wirklich am Ende. Warum, Wieso, Weshalb... Fragen auf die ich so langsam keine Antworten mehr habe. Auch ich habe mich letzte Woche von ihm getrennt, ich möchte nicht mehr neben einen zitternden, schwitzenden Mann aufwachen der „nur“ nach seinem nächsten Schluck jankert, der einen beleidigt, bittet, unterstellt. Das hat kein Mensch auf dieser Welt verdient und Kaddip, wir schon gar nicht.

    Liebe Grüße
    Lillith

  • Danke Lillith,
    du hast alle möglichen Nägel auf den Kopf getroffen.
    Dabei sagt er mir immer, ich sei egoistisch, vor allem jetzt, da ich seit einer Woche stur beim AUS der Beziehung und der gemeinsamen Wohnung bleibe. Ich möchte, daß er auszieht und mir dann beweist, daß er aufhören kann. Er sagt, Alkohol sei für ihn kein Thema mehr. Kannst dir sicherlich denken, daß ich das schon öfter gehört habe. Wir hatten einige Male den Fall, daß er sagte, er möchte weg vom Mißbrauch, aber weiter Alkohol als Genußmittel haben. Dann den Fall öfter, daß er eine Zeitspanne lang nichts trinken wollte. Das hat er dann meist in den letzten Monaten irgendwann revidiert, z.B. hätte er über meinen Geburtstag halt nichts trinken dürfen und wollte das dann plötzlich nicht mehr. Er wollte dann wieder "kontrolliert" trinken, was auch mal geklappt hat, aber nie längere Zeit. Jetzt habe ich ein sch.. Gefühl, weil er mir momentan wieder! hoch und heilig verspricht, daß er es jetzt verstanden hat und daß er nichts mehr trinkt. Ich bleibe bei dem "Nein" und komme mir selbst ganz blöd dabei vor. Und er checkt das natürlich und reitet dauernd weiter darauf herum, unwillig, die Entscheidung zu akzeptieren. Was Diskussionen betrifft, bin ich eindeutig das schwächere Glied. Ich habe aber das Gefühl, ich kann das nicht noch einmal aushalten. Es ist einfach ein Scherbenhaufen.

    Du hast ja ganz schön viele schreckliche Erfahrungen in Bezug auf Alkohol gemacht..mannmann. Nein, das hast du wirklich nicht verdient. Und du kennst dich ja sicherlich (leider) gut genug aus, um eine Kopf-Entscheidung zu treffen und die auch durchzuziehen.

    Ich wünsche Dir alle Kraft, die du brauchst.

  • Jetzt ist es soweit, die Trauer und Wut wechseln sich ab. Er ruft mich stinke, stinke zu an und will seine paar Sachen die noch hier sind, obwohl ich ihn gestern gebeten habe mal etwas ruhe einkehren zu lassen und dann tauschen wir die letzten Sachen aus. Ok, mir bleibt nicht anderes übrig als darauf einzugehen, denn sonst habe ich keine Ruhe. Morgen bringe ich ihm sein zeug. Mir grauts davor ihn zu sehen, zu sehen wie kaputt er sich macht. Aber wenn ich eins endlich begriffen habe, ich kann ihm nicht helfen, aus basta.
    Habe das Handy ausgemacht, sonst bekomme ich kein Auge zu. Muste es noch mal an machen, da ich eine Tel-Nr daraus brauchte, hat er auf meine Mailbox gesprochen, gelallt, ich habe es kaum verstanden, so wie er sich anhört kann er nur noch auf allen vieren krabbeln. Unterstellungen, ich habe natürlich einen anderen bla bla bla. Wie oft habe ich mir das schon angehört, wie oft habe ich das hier bei Euch gelesen, der Punkt ist erreicht wo es mich nicht mehr trifft. Ich muß gestehen, ich bin froh das er es mir so leicht macht. In meinem Herzen werde ich ihn immer lieben, er ist nicht schlecht, nur krank, ganz furchtbar krank. Und das macht den Schmerz aus.

    Ich begreife erst jetzt das ich nie eine Chance mit ihm hatte.

    Lillith

  • Hallo Lillith,

    es freut mich zu lesen das du einen innerlichen Abstand aufgebaut hast. Und seine ganzen Versuche nicht an dich heran läßt.

    Super, bleib so Konsquent.

    LG
    Elocin

  • Hallo, hab grad gelesen das du auch in der wohnung bleibst und er gegangen ist. Mir gehts ähnlich bloß weiß ich nicht wie ichs anstellen soll das er mir den schlüssel gibt. Jetzt hab ich dauernd angst dass er hier reinplatzt und radau macht. BEi uns ist es auch aus aber er hat noch alles hier und ich find den zustand schlimm nicht zu wissen was gleich passiert.

    Liebe Grüße bine

  • Elocin : Ich danke Dir für Deinen Zuspruch. Ohne die Hilfe dieses Forums, also Euch wäre ich wohl nicht so
    Konsequent. Auch der Beitrag auf „Arte“ heute hat mich bestätigt. Ich habe genug am Alkohol
    Sterben sehen.

    Bine : Ich habe auch Deinen Thread gelesen. Ich habe den Vorteil einen 22 jährigen Sohn zu Hause zu haben,
    der 2,05m groß ist und ein Kampfgewicht von 140kg auf die Waage bringt. Mit meinem Bodyguard
    legt sich keiner an.

    Gruß
    Lillith

  • hallo,
    da braucht mein kleiner wohl noch ein paar Jahre.
    Aber so ein Bodygard wär jetzt echt meine Lösung. Weil meiner ist bloß bei mir stark und bei schwächeren.

    Liebe Grüße und gute Nacht.

  • Liebe Lillith,

    das schmerzt, wenn du schreibst, in deinem Herzen wirst du ihn immer lieben. Genauso fühle ich auch. Und der Schmerz, ihn alleine zu lassen, das kann ich dir nachfühlen. Auch wenn er schrecklich aussieht und sich fürchterlich benimmt, dann weißt du doch, wie er sein könnte stimmts? Ich denke dasselbe, aber...ich frage mich auch...gibt es den Mann, den wir lieben wirklich? Oder glorifizieren wir da nicht etwas? Ich meine, man sagt ja auch, Betrunkene sagten die Wahrheit oder? Naja, das ist vermutlich nur ein blöder Spruch. Aber überlege doch einmal, alles, was er dir so an den Kopf geworfen hat, das hast DU in nüchternem Zustand, also bei ganz klarem Bewußtsein abbekommen!!! Das verletzt doch! Selbst wenn er jetzt absolut abstinent würde, da sind Wunden aufgerissen. Obwohl ich dir recht gebe, man sieht den "anderen" Menschen in ihm. Ach, es ist ein Hin und Her. Ich habe ja seinen Auszug gefordert, aber er akzeptiert das einfach nicht, sagt, er könne es nur mit mir! schaffen, aber das ist natürlich Quatsch, die ganzen Jahre ging es ja auch nicht mit mir. Im Gegenteil, er hat es nicht ernst genommen, daß ich sagte, das zerstört unsere Beziehung, genauso, wie er jetzt die Trennung nicht ernst nimmt!

    Liebe Bine123,
    ich hätte auch Sorge, wie du. Laß doch das Schloß austauschen. So teuer kann das nicht sein und ein ruhiger Schlaf ist einfach essentiell wichtig!!! Oder bring ein Zusatzschloss an, so eins mit einer Kette. Ich glaube aber, du brauchst ein neues Schloß, sonst kommst du nicht zur Ruhe, manchmal muss man einfach praktisch denken. Wenn er klingelt, oder einen Termin mit dir macht, kann er ja gerne seine Sachen holen. Oder du stellst sie ihm ins Treppenhaus. Laß dich nicht so ängstigen.

    Ich wünsche Euch viel Kraft!

    lg
    Kaddip

  • Diese Zerissenheit, die soviele hier spüren, macht auch mich ganz mürbe heute. Mein Verstand und mein Herz kämpfen ein Kampf aus, jeder Boxkampf ist ein Sch... dagegen. „And the Winner is..... wir werden es sehen.
    Die Übergabe der letzten Sachen ging leider nicht so sauber ab wie ich es mir vorgestellt habe. Überhaupt läuft es seit einigen Monaten nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Aber wir haben ja schon als Kind zu hören bekommen: Du kannst nicht alles haben was Du siehst und willst! Könnte grad mit den Füßen aufstampfen und plärrend Fragen: Warum nicht, ich bin doch lieb gewesen?

    Meinen Wohnungsschlüssel habe ich noch nicht zurück bekommen, obwohl er meinte sie liegen bei meinen Sachen dabei. Die Fernbedienungen meiner Elektrogeräte hat er aus dem Fenster geschmissen, die sind natürlich hin. Ein bischen grinsen muß ich trotzdem, hat er doch in seinem kaputten Kopf seine Fernsehbedienung mit raus geschmissen. Tja mein lieber, das war die Strafe dafür.
    Ich habe kein Ton gesagt, wollte nur schnell weg, denn er sieht erbähmlich aus. Habe ihm keine Gefühlsregung gezeigt, soll er doch denken ich sei aus Eis. Erst nach 10 Minuten kam das großen heulen. Wenn das so weiter geht, fressen sich die Falten rein und ich ähnel demnächst einer Schildkröte.
    Also gut, kämpfen wir weiter....

    Liebe Grüße
    Lillith

  • Hallo es ist immer wieder krass zu sehen dass andere die gleichen sorgen haben wahnsinn ich dachte immer ich bin mit diesen gedanken allein. Hier her zu finden war das beste was mir passieren konnte.
    Ich versuch auch vor ihm stark zu sein und keine gefühle zu zeigen. Ist aber wie alles momentan schwierig.
    Liebe Grüße Bine

  • Hi ihr Zwei,
    wenn Lillith schreibt ist es immer schön, und bißchen witzig. Klar, man kriegt Falten von dem Streß. Na und? Ich heule auch vor ihm, wieso nicht? Die Jungs können ruhig wissen, was los ist. Aber ich zeige mich nicht mehr so hilflos und megaschwach. Ich versuche auch, das Heulen zu unterdrücken, aber eigentlich denke ich, das bin eben ich. Es darf sich nicht immer alles darum drehen, wie wirkt es auf ihn, fühlt er sich durch unser Weinen wieder unter Druck gesetzt und trinkt deshalb? Ich fragte mich das echt. Was ein Blödsinn. Wer weinen möchte, soll es einfach tun. Und Fernbedienungen kann man ersetzen. Der erste Schritt ist gemacht!
    lg
    Kaddip

  • Hallo Ihr Lieben,
    Liebe Kaddip,

    es ist einiges passiert...
    Er rief mich an, fragte ob ich ihn bei einem Problem helfen könnte. Ich sagte zu. Auf dem Weg zu ihm ging mir immer wieder etwas durch den Kopf: Leidensweg verlängern und ich wuste es war falsch was ich hier machte.
    Nüchtern war er schon seit Tagen nicht mehr, die Folgen sah, spürte und hörte ich. Ich machte auf dem Absatz kehrt und ging. Nein, ich will und werde diesen Leidensweg nicht verlängern.
    Als ich ihn kennenlernte wollte er zurück ins „normale“ Leben.
    Die Jahre zuvor entsprachen nicht mehr ganz der „Norm“, ich denke das kennen einige Alkoholiker hier. Sie waren geprägt von jahrerlanger Obdachlosigkeit, Alkohol, Entgiftungen, Therapie, abstinentes Wohnen.
    Als ich ihn kennen lernte war er schon wieder nass. Ich reagierte mit Verständniss, Besorgniss, ich wollte diejenige sein, die ihm halt gab.
    Er war bemüht etwas zu ändern, 2 Entgiftungen folgten in unser kurzen zeit.
    30 Jahre Alkohol und die Folgen (unter anderem gesundheitliche Folgen) gehen nicht spurlos an einem vorbei. Er ist zurück gekehrt in seine Welt. Er will nicht mehr lieb sein und ist jetzt wieder Mann (ich zitiere seine Worte).
    Es hat ne ganze Weile gedauert, aber jetzt habe ich es begriffen. Er will trinken und er wird weiter trinken. Er ist todunglücklich wenn er nicht trinken darf. Er hat versucht in das „normale“ Leben zurück zu kehren und ist gescheitert. Er weiß das er sterben wird wenn er weiter trinkt, aber auch das hält ihn nicht ab.
    Und ich habe viele Fehler gemacht, weil ich es nicht besser wuste.
    Ich bleibe in dieser Welt, weil ich weiß , das ich auf dem richtigen Weg bin.
    Ich konnte ihn nicht retten, denn er will nicht gerettet werden. Jetzt ist er wieder Mann.

    Lillith

  • Hallo Lillith,

    oft werden Alkoholiker viel älter als die Angehörigen und dann wird gestaunt, wie abgelaufene Schuhe auf dem Müll landen, aber die Socken eigentlich noch ganz gut sind.

    Sieh mal, ich habe immer noch eine ganz liebe und von mir sehr begehrte Frau. Sie hat viele Entwicklungen mitgemacht, ich auch. Wäre sie nicht gewesen, wäre ich anders, wäre ich nicht gewesen, wäre sie anders. Wir beide leben z. Zt. sehr gesund und mit guten Aussichten, aber ob da nochmals ein „Haben“ sein wird, das weiß keiner, weil uns genau das unter gewissen Umständen dahin bringen könnte, wo wir sicher nicht hin wollen. Du hast genau das Richtige getan.

    Du und ich, wir wissen, dass wir auf einem guten Weg sind und nur so haben wir eine Chance unseren „Mann“ zu stehen oder „Frau“ sagt man das? In Anbetracht der Tatsache, dass Frauen eigentlich das stärkere Geschlecht sind, möchte ich heute meine „Frau“ stehen.

    LG Kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Oh Mann, Lillith,
    ich kann mir ungefähr vorstellen, wie fertig du warst, als du das! geschrieben hast. Und was hast du dann gemacht? Dich verkrochen? Konntest du dich ablenken?

    Du hast das richtige gemacht!!! Nicht zweifeln. Und jetzt überlege mal, das Schlimmste hast du hinter dir, Lillith. Willst du nochmal zurück zum Anfang und alles nochmal durchstehen? Nein!!! Bleib stark!

    Ich kann nur sagen: Du hast es erkannt! wie es ist. Und: HUT AB!!!


    Drück dich aus der Ferne einfach mal gedanklich.

    Kaddip

  • Hallo Ihr Lieben,

    Bin heute völlig quer. Die Gedanken nehmen ihren lauf, meine gesamte Vergangenheit geht mir durch den Kopf. Versuche ständig mich abzulenken, war heute morgen arbeiten, 2 stunden im regen spazieren , gekocht, gebacken, gewaschen, geputzt aber es gibt keinen Knopf wo man das Hirn mal abschalten könnte. Bin verärgert über mich selber. Mein Sohn sagt ich sehe müde aus, ja mein Körper ist erschöpft, nur dieses Hirn hört nicht auf zu arbeiten. Hier im Schwabenländle heißt es: Mit 40 wird der Schwob g´scheit. Ich lebe jetzt seit 24 Jahren hier. Darf ich mich dazu zählen? Werde ich endlich g´scheit?
    Alles hat seine 2 Seiten...
    Ich hoffe dieser „Hirnbrei“ ergibt einen Sinn und ich lerne etwas daraus.
    Fortsetzung folgt.

    Schönen Abend wünscht Euch
    Lillith

  • Hallo Lillith,

    hab auch mal bei Dir hier reingelesen...
    und ich möchte einmal hierzu was sagen.:

    Zitat von Lillith67


    Der Kampf jeden Tag ohne Alkohol zu leben muß ja die Hölle sein und dafür sind unsere Männer nicht stark genug, glaube ich zumindest.

    Das ist sicher SO nicht richtig. Solange man trockensein oder werden als Kampf empfindet, hat man schon verloren. Absolute Kapitulation ist da angesagt. Wir Alkies könen mit Alk nicht umgehen. Wenn man vor seinem "Feind" kapituliert und das so akzeptiert hat, ist es kein Kampf mehr.
    Und das Leben ist wunderschön ohne Alkohol, wir können alles wieder ohne die alles betäubende Droge genießen. Für mich war es wie eine Befreiung, nicht mehr trinken zu müssen, denn ich mußte es, kam sonst auf Entzug und das war furchtbar. Davor haben alle Alkies große Angst, da "hilft" dann nur weitertrinken. Das Gift muss einfach aus dem Körper, in einer professionellen Entgiftung.

    Und doch, wir sind stark genug, aber erst, wenn das Gift aus dem Körper ist und wir trocken werden WOLLEN. Wir verändern uns dann aber sehr, können alles wieder allein, damit kommt ein CO dann oft nicht klar. Wir werden wieder selbstständige Persönlichkeiten.

    Das wollt ich nur mal gern von meiner Seite als Alkie aus dazu sagen. :wink:

    LG an Dich
    Lilly

  • Hallo Lilly,

    ein Teil meiner Geschichte fehlt Dir:
    https://beispiel.rocks/beispiel.rocks…ftopic8518.html
    Obwohl ich über ein Jahr täglich viel und reichlich Alkohol konsumierte, "muste" ich es keinen Tag. Mein Körper schrie nicht einen Tag nach ihm, meine Psyche wollte nur noch betäubt werden. Für MICH ein zeichen von Schwäche, sich den Problemen den Alltags nicht stellen zu müssen. Und genauso wie ich irgendwann mal angefangen bin zum trinken genauso habe ich auch wieder aufgehört. Heute schmeckt mir Alkohol nicht und ich kann diesem betäubten Zustand nichts abgewinnen. In meinen kühnsten Träumen hätte ich nicht gedacht jemals ein Co zu werden.

    "Wenn man vor seinem "Feind" kapituliert und das so akzeptiert hat, ist es kein Kampf mehr.

    WENN man kapituliert, ja wenn, dann ist es kein Kampf mehr. Aber wenn nicht, dann ist es wohl doch einer, oder was ist es sonst?

    Danke für einen neuen Denkanstoss

    LG
    Lillith

  • @Lilith67
    Du bist ja auch noch wach. Jetzt aber flott ins Bett *lach* Ich hau mich auch mal auf's Ohr... Gute Nacht...

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