Beiträge von c2h5oh

    Zitat von liv

    Hallo Jonas,

    Zu viel Theoretisieren empfinde ich zu Beginn einer Abstinenz als gefährlich, weil es mir geradezu anbietet,
    mich hinter Theorien und ausweichenden Antworten zu verstecken.

    Hallo liv,

    danke für deinen Kommentar. Ich weiche ja nicht aus, sondern versuche, für mich und interessierte Andere meine Vorgehensweise so präzise wie möglich zu formulieren und zu begründen, um dann das Problem zu lösen. Was sich mir nicht erschließt: obwohl du selbst nicht "theoretisierst", hälst du es für gefährlich und leitest sogar mögliche negative Folgen aus dem "Theoretisieren" ab. Analog: obwohl ich Kirschkuchen überhaupt nicht kenne, bevorzuge ich Pfirsichkuchen, denn ich halte Kirschkuchen für gefährlich, weil er sich hinter Apfelstrudel versteckt.
    Es freut mich für dich, dass du einen zu dir passenden Weg gefunden hast.

    LG, Jonas

    Zitat von Karsten

    Hallo Jonas,

    ich habe genau das Gegenteil von dem gemeint, was du rausgelesen hast :lol:

    Sinngemäß: Unter Gleichen spielt die Alkoholkrankheit keine Rolle und man kann sich in diesem Kreis auf andere Dinge konzemtrieren.

    Vielleicht ist das verständlicher?

    Gruß
    Karsten

    Hallo Karsten,

    vielen Dank für diesen Kommentar. Mir leuchtet dieser Gedanke ein. Ich habe immer ein sehr ungehagliches Gefühl bei Ausdrücken wie "Wirgefühl" (in meinem Kopf marschieren dann Horden im Stechschritt). Aber in diesem Kontext ist der Ausdruck angemessen.

    Eine andere Frage: eine Regel hier besagt, dass Foristen "bei Inaktiviät" gesperrt werden, das Konto gelöscht wird. Leider ist keine Mindest-Frequenz angegeben. Wieviele Beiträge müssen mindestens und innerhalb welcher Zeit verfasst werden?
    Danke und Gruß, Jonas

    Zitat von Karsten

    Hallo c2h5oh,

    ich halte dieses sich bekennen und Wirdenken für sehr wichtig.
    Es stärkt uns auch im Umgang mit schwierigen Situationen und Menschen, die uns nicht verstehen können oder wollen.
    Gruß
    Karsten

    Hallo Karsten,
    bis zu einem gewissen Grad kann ich dem zustimmen. Natürlich verbindet uns eine Erkrankung, so wie alle Krebskranken ihre Krankheit verbindet. Wenn sich Alkoholkranke allerdings nur noch über ihre Sucht definierten und dabei ihre Individualität vollkommen aufgeben müssten, wäre die Abstinenz eine alkoholfreie Leichenstarre. Wir sind zwar alle krank, keine Frage, aber wir sind auch alle Individuen, unterschiedlich sozialisiert, unterschiedlich gebildet, mit unterschiedlichen Begabungen, Neigungen und Arbeitsmethoden. Das muss m.E. respektiert werden.

    Gruß, Jonas

    Zitat von Carl57

    aber Frau Mutig ... wer wird denn ...

    Du weisst wieviele 'begnadete' Säufer es in der Geschichte gab: Goethe, Nietsche, Hemingway usw. usf.

    Warum nicht auch hier?

    Hallo Carl57,

    von Hemingway ist bekannt, dass er übermäßig Alkohol trank. Nietzsche vertrug überhaupt keinen Alkohol, auch ein Grund, warum er die Burschenschaft verließ. Goethe hat in Maßen getrunken, liebte aber vor allem heiße Schokolade. Besonders gerne genoss er ein Tässchen vor dem Beischlaf.
    Ich unterziehe hier niemanden einer Gesinnungsprüfung und zwinge niemanden, meine Ausführungen zu lesen, freue mich aber über sachdienliche und anregende Kommentare, die ich ja dankenswerter Weise auch erhalte. Befremdliche, latent feindselige Bemerkungen decken sich mit der "Rancune", die auch Theodor W. Adorno erfahren hat.

    LG, Jonas

    Zitat von c2h5oh

    Hallo,
    wenn du das jetzt so liest, könntest du dann akzeptieren, dass du ein ganz normaler Alkoholiker, der sich zu einem ganz normalen, geheimen Säufer entwickelt hat, akzeptieren ?

    Ich bin so normal wie alle Alkoholiker und habe mich ganz normal, wie alle Alkoholiker, zum geheimen Säufer entwickelt.

    Zitat von mutig

    Dass es keinen Unterschied zwischen dir und anderen alkoholabhängigen Menschen gibt ?
    beste Grüße
    mutig

    Die Gleichheit aller alkoholkranken Menschen scheint dir wichtig zu sein. Also, es gibt keinen Unterschied zwischen mir und anderen alkoholabhängigen Menschen. Wir sind alle gleich. Der Alkohol hat aus uns ehemaligen Individuen Huxley'sche Epsilons gemacht. Wir sind alle gleich.

    Habe ich deine Prüfung bestanden?
    LG, Jonas

    Zitat von Tocco54

    Hallo zusammen
    Was mich noch interessieren würde ,lieber c2h5:falls du deine Aversionsstrategie automatisiert hast,arbeitest du auch an einer Ichstaerkeentwicklung.
    LG T.

    Das könnte eine interessante Folge-Aufgabe sein. Ich werde das in den nächsten Monaten überdenken. Danke für die Anregung.

    LG, Jonas

    Zitat von Hartmut

    Hallo c2h5oh

    nun sind wir ein Forum das eine lebenslange Abstinenz anstrebt . Das was du vor hast nenne ich mal eine "Trinkpause" die unserem Ziel nicht entspricht. Oder meinst du es als Etappenziel?


    Gruß Hartmut

    Hallo Hartmut.
    mein Fehler. Etappenziel meine ich natürlich, nicht Primärziel.

    Gruß, Jonas

    Zitat von garcia

    Hallo,


    Wie hälst du es mit Jazz (improvisierter Musik), in der die strukturelle Ebene eine weniger wichtige Rolle spielt als die emotionale? (Jazz liebe ich auch sehr wegen der Intensität)...

    Hallo Frank,
    solange der Jazz sich nicht als Avantgarde aufplustert (eher eine europäische Albernheit), kann ich dieser raffinierten Unterhaltungsmusik viel abgewinnen. Bebop, Hardbop, Lennie Tristano Sextett, aber auch Tristanos Soloeinspielungen (Sein C-Minor Complex ist hörenswert) unterhalten mich gut. Improvisiert wurde auch in der Großen Musik, zumindest bis Beethoven, der seine Kadenzen ausschrieb. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal des Jazz. Haydn ist Mozart durchaus ebenbürtig, beide hatten großen Respekt voreinander. Es ist bezeichnend, dass Mozart nach der Kenntnis der Haydn'schen Streichquartette kaum noch Quartette schrieb und Haydn im Gegenzug keine Opern mehr schrieb. Es ist bedauerlich, dass Haydn in Deutschland in Mozarts Schatten steht. In England werden beide gleichermaßen verehrt.

    LG, Jonas

    Zitat von Hartmut

    Hallo c2h5oh,


    Was mir aufgefallen ist und ich es nicht ganz einordnen kann, wollte ich mal wissen ob das Versprechen deine Grundlage ist um trocken zu werden ? (habe auch noch nicht alles gelesen :) )

    Hallo Hartmut,

    ich nenne es Primärziel. Ich muss dieses Versprechen in 4 Jahren und 9 Monaten einlösen. Ich werde meinen Enkel unterrichten, denn das habe ich meiner Tochter versprochen. Wenn ich eine Mindeststudiendauer von 5 Jahren zugrunde lege, wären das 9 Jahre und 9 Monate, die ich abstinent sein muss. Dann wäre ich 66 Jahre alt.

    LG, Jonas

    Zitat von consuela

    Lieber ?
    Ich hab jetzt alle Fremdwörter nachgeschlagen, ich verstehe ein bisschen besser aber ich kann Dich nicht erkennen..ich finde Dich nicht hinter den vielen Theorien,Lösungsansätzen, Worten und sicher hochintellektuellen Sätzen. Das tut mir irgendwie leid. Wer bist Du?

    Hallo Consuela,

    ich weiß nicht, wer ich bin. Ich empfinde meine Existenz als absurd und "verfluche die Stunde meiner Geburt" (Salomon). Wenn ich wie Ödipus das Delphische Orakel befragte, bekäme ich auch nur Gnothi seauton (griech.: Erkenne dich selbst) zu hören. Aber es gibt auch für mich Zeiträume, in denen Intellekt und Ekstase zu vollkommener Ergriffenheit zusammenschießen: beim Anhören oder Spielen von Musik. Das Versenken in eine Bach'sche Fuge, Mozarts spätes Streichquintett KV 516, Mahlers Kindertotenlieder u.v.m. Ich habe als Kind nie mit anderen Kindern gespielt, konnte mit ihren Spielen nichts anfangen, so meine Mutter. Ich stand aber stundenlang still neben dem Klavier, wenn Vater spielte und vor allem, wenn er Schubertlieder sang. Ich mochte wohl 4 Jahre alt gewesen sein, als mir beim "Wegweiser" aus Schuberts Winterreise die Tränen aus den Augen schossen. Ich kann wenig mit den heutigen Schubertsängern anfangen, auch Fischer-Dieskau war mir in der Winterreise unerträglich mit seinem Hang zur Überdeklamation. Hans Hotter ist schon lange tot. Was mir bleibt, ist das tränenlose Weinen über der Partitur.
    Ich trinke keinen Alkohol mehr, weil ich sonst mein Versprechen nicht halten könnte.

    LG

    Zitat von uwe.rothaemel


    Auch habe ich die Frage: „Wie will ich weiterleben?“ nicht an einen schwerstkranken Krebspatienten, sondern an dich gestellt.
    Genauso war die Frage nicht, wie irgendjemand reagiert, wenn ihm sein Lieblinsfilm zerpflücket wird.
    Mir geht es darum: wie gehst du konkret damit um? Uwe

    Es tut mir leid, dich missverstanden zu haben. Wie ich konkret damit umgehe, ist meinen Ausführungen zu entnehmen. Genau so gehe ich damit um.

    LG

    Zitat von schnuffig

    Hi c2h05!


    Wie geht's dir denn mit dem nicht trinken?

    LG

    Hallo schnuffig,

    vielen Dank für die Nachfrage. Mir geht es gut. Die Arbeit an meinem Fall ist sehr spannend. Nota bene: bei einer Schädigung der motorischen Hirnzentren könntest du nicht mehr Fahrrad fahren. Aber schließlich ist das Gehirn Teil des Körpers.

    LG

    Hallo Frank!

    Zitat von garcia


    Mich würde dennoch sehr interessieren wie Du diese beiden (je für sich ja an sich wertvollen) Ansätze für deine eigene Problematik zusammenbringst - im Sinne einer selbststeuernden Handlungsalternative.

    LG

    Die Problematik, Vp und Vl in Personalunion zu sein, ist mir bewusst. Und wir brauchen wohl nicht Gödel zu bemühen, um zu erkennen, dass Vollständigkeit nicht möglich ist.
    Zur Methodik: weil ich weiß, dass tiefenpsychologische Mechanismen (triebökonomische) Ergebnisse, die "an der Oberfläche", hier zunächst die Konditionierung einer Aversion gegen Alkohol, verfälschen können, folge ich radikal Poppers Forderung nach Falsifikation. Beispiel: durch die schon von mir vorgestellte Technik scheint die Konditionierung erfolgreich zu sein. Ich denke an ein alkoholisches Getränk, es stellt sich ein Ekelgefühl ein. Diese Verifikation stelle ich in Frage aus oben genannten Gründen und versuche, das Ergebnis zu falsifizieren. Akribische Selbstbeobachtung und Introspektion sollen das Ergebnis widerlegen. Nehmen wir an, Vorzeichen eines "Saufdrucks" (hier genannt wurden Alkoholblitz, unerklärliche innere Unruhe. Nochmals danke für die wertvollen Auskünfte!) würden sich zeitnah einstellen. Dann wäre die Falsifikation gelungen, was bedeutet, dass die Konditionierung noch nicht abgeschlossen ist oder ein reinforcement indiziert ist. So entsteht ein permanentes dialektisches Spannungsfeld zwischen tiefenpsychologischen Konzepten und Methoden der Verhaltensforschung. Und so würde ich konsequent weiter verfahren.

    LG

    Guten Morgen, Uwe!


    Zitat von uwe.rothaemel

    (...) jedoch stellen alle eine gemeinsame Frage.
    Wie will ich (weiter)-leben (oder sterben)?

    Ja, das ist die existentielle Frage, die sich die meisten Schwerstkranken wohl stellen. Auch der z.B. an Krebs Erkrankte.

    Zitat von uwe.rothaemel

    Was ich feststellen musste war, dass ich es alleine über den Verstand nicht wirklich auf die Reihe gebracht hätte.

    Das ist ein Topos, den man häufig lesen kann. Aber welche Instanz hat das festgestellt? Der Satz "das hätte ich mit dem Verstand alleine nicht geschafft" ist nur mithilfe eben des Verstandes denk- und formulierbar. Ganz analog verhält es sich mit der Frage, ob "ich Gefühle zulasse oder nicht". Gefühle und Affekte sind da. Sobald ich versuche, diese vorsprachlichen Phänomene zu versprachlichen, objektiviere ich sie, mache sie zum Gegenstand meiner Untersuchung. Überspitzt formuliert, werden die Gefühle und Affekte durch die Reflexion kontaminiert. Sie sind nicht mehr dieselben. Viele, die sich die Illusion der "reinen Gefühle" nicht nehmen lassen wollen, reagieren aggressiv, wenn man z.B. ihren Lieblingsfilm "zerredet". Ohne diese Möglichkeit, Gefühle und Affekte zu objektivieren und zu versprachlichen (wenn auch niemals vollständig, es bleibt immer ein nur schwer zugänglicher Rest) wären Gesprächstherapie oder Seelsorge nicht möglich. Wenn wir uns etwa "Kummer von der Seele reden" und dann Erleichterung verspüren, haben wir das unangenehme Gefühl verändert, "kontaminiert". Gesellschaftliche Konventionen, aber auch das Gesetz verlangen von uns ohnehin eine gewisse Kontrolle über unsere Gefühle und Affekte.


    Zitat von uwe.rothaemel

    Leider haben sich die Empfindungen jeglicher klassischen Analyse widersetzt – sie sind einfach nur da und ich habe nunmehr Übung darin mit ihnen angemessen umzugehen.

    Eben. Du "gehst mit ihnen angemessen um". Dieses "Du" haust aber nicht in der Milz. Um nicht missverstanden zu werden: das Gehirn ist kein "perfekter, fehlerfreier Ratgeber", im Gegenteil, nicht selten täuscht es uns, gaukelt vor, gibt uns falsche Ratschläge ("komm, trink doch einen, das geht schon"). Gleichwohl ist es der einzige Ratgeber, den wir haben.

    LG

    Zitat von garcia

    Hallo,

    Du schreibst einerseits daß deine Umgehensweise mit der Sucht (das was du mit deinem Bekannten per email beredest) sehr stark auf Verhaltenskonditionierung basiert.

    Andererseits hast du ein großes Interesse und Wissen um tiefenpsychologische Hintergründe, Wirkungsweisen und Zusammenhänge der Sucht.

    Bringst du diese beiden Ebenen zusammen? Wenn ja wie? Ich komme immer noch aus einer Zeit in der diese beiden Schulen sich eher gegnerhaft gegenübergestanden haben

    Ich habe dogmatische Schulenbildungen (nicht nur in dieser Disziplin, man denke u.a. an den "Positivismusstreit in der deutschen Soziologie" oder die armselige Wittgenstein-Rezeption der Frankfurter Schule) immer bedauert. Folgen wir André Glucksmann, haben "die Meisterdenker", allen voran Hegel (meine Wertung), ihren gewichtigen Anteil an dieser, ja, deutschen Spezialität. Erfreulicher Weise entwickelt sich seit einiger Zeit auch in Deutschland ein reges interdisziplinäres Forschen. Um auf deine konkrete Frage kurz und eher aphoristisch einzugehen (muss noch arbeiten): Tiefenpsychologie profitiert von der methodisch-empirischen Strenge der Verhaltensforschung, und vice versa ermöglichen Erkenntnisse der Tiefenpsychologie die Sensibilisierung der Verhaltensforschung für den immer individuellen Einzelfall. Soweit meine hier stark verkürzte und sicher unzureichende Antwort.

    Viele Grüße und gute Nacht

    Zitat von mutig

    oh, wirklich?
    Das solltest du ändern

    Grüße

    Hallo mutig,

    das kann ich nicht ändern. "Hobbies", also der eher spielerische, verspielte Umgang mit einem Gegenstand, empfände ich als verschwendete Zeit. Ich habe einige wenige Spezialinteressen und -gebiete. Diese beanspruchen mich vollkommen. Aber ich weiß, wie du es meinst und dass du es gut meinst. Danke.

    LG

    Zitat von Carl57

    ja, ja ... die Fernsehwerbung ist Mitschuld am Alkoholismus.

    Haben sich die Hobby-Psychologen mal mit dem Alkoholismus in früheren Vor-Fernsehzeiten beschäftigt?

    Hallo Carl57,

    ich habe weder Hobbies, noch bin ich Hobby-Psychologe. Eine Korrelation zwischen den von mir skizzierten Sehgewohnheiten (Fernsehen ist nur eines der manipulativen Medien) und vor allem den besonders traurigen Entwicklungen wie dem zunnehmenden Jugendalkoholismus (v.a. binge drinking) möchte ich schon postulieren. Damit ist keinesfalls eine simple Kausalität gemeint!

    LG

    Zitat von Karsten

    Hallo,

    für mich immer auffällig, dass gerade die gerade trocken gewordenen Alkoholiker sich mit solchen Themen beschäftigen unf die Welt retten wollen.

    Gruß
    Karsten

    Hallo Karsten,

    ich beschäftige mich damit schon recht lange. Als Weltretter eigne ich mich nicht.

    Gruß