Zitat von garciaHallo Jonas,
ich glaube aber doch daß die "gesunde Mitte" nicht bloß Ideologie ist, sondern - ebenso wie das Bedürfnis nach Rausch - ein dem Menschen eingegebenes tiefes (archetypisches?!) Ideal darstellt. (...)
Ich meine mit einer gesunden Mitte keinesfalls eine rauschfrei/abstinenzlerhaft rigide Lösung. Sondern eine Vorstellung in der das Rauschhafte und das Versagende in eine gesunde Mitte gebracht werden kann - eine Ordnung in der beide Pole menschlichen Erlebens ihren Raum finden...Kann es dies für Alkoholiker geben? Oder sind wir aus dieser Mitte für immer vertrieben? Das war mein Gedanke -- eine Antwort hab ich aber nicht.
LG
Du hast natürlich Recht. Das Bedürfnis nach Sicherheit, nach Geborgenheit (du weißt sehr gut, was ein zerstörtes Urvertrauen anrichten kann...) steht dem später (Enstehung des historischen Bewusstseins, Bewusstwerden der eigenen Endlichkeit) einsetzenden Bedürfnis nach dem Außersich-Sein (Ek-Stase), nach Grenzüberschreitung polar gegenüber. Kunst ist sozusagen die Schnittmenge: Im Künstler vereinigen sich Intellekt und Ekstase. Eine "Mitte", ein syntoner Zustand der Ausgeglichenheit wird allgemein angestrebt, das nehme ich auch an. Verlängert man die Linien, kommt man wohl zur (utopischen) Definition von Gesundheit durch die WHO.
Das "lebe gefährlich" bezieht sich auch nicht auf dummen Drogenkonsum oder nicht weniger dumme Waghalsigkeiten à la Extremsport, sondern auf das radikale Denken und die Kunst. Eine Anekdote berichtet, man habe Freud gefragt, ob Van Gogh durch eine Psychoanalyse hätte geheilt werden können. Ja, soll Freud geantwortet haben, aber dann hätte der Mann nicht mehr malen können...
Deine letzte Frage veruche ich so zu beantworten: ich glaube, auch dem Alkoholkranken stehen Wege zum Außersich-Sein, zur Ekstase zur Verfügung, nur eben nicht der Drogenweg. Denn dieser Weg ist für uns Kranke - sine qua non - ein verhängnisvoller Weg ohne Wiederkehr.
LG Jonas