Zitat von RenateO
Sein Saufen und die damit verbundenen ,,merkwürigen,, Verhaltensweisen erstmal als ,,Krankheit,, zu sehen /begreifen puh das war ein Durchbruch.
......
Sicher bringt jeder Alkoholiker seine eigene Pesönlicheit mit ,aber es gibt ja auch viele Paralelen durch den Krankheitsverlauf, wie bei Masern,das kennt jede Mutter und kann entsprechend handeln.
LG R..
Moin,
dieser Vergleich legt bei mir eher die Vermutung nahe, daß Du noch nicht allzuviel über Alkoholiker gelernt hast.
Zum Thema:
Alleine die Tatsache, daß die Definitionen vom "typischen" Alkoholiker sogar bei den abstinenten Alkoholikern hier im Forum z.T. erheblich differieren, zeigt doch per se, daß es den "typischen" Alkoholiker nicht gibt. Und der Meinung bin ich selbst auch.
Alleine schon der Zeitpunkt des Absprungs ist doch grundverschieden. Der Eine braucht den absoluten Tiefpunkt, quasi ne Nahtoderfahrung, die ihn wachrüttelt, der Andere merkt irgendwann, daß sein Konsum über das normale Maß hinausgeht und steuert vorher gegen, sucht sich Hilfe.
Der Eine wird beim Saufen agressiv, geht auf Konfrontationskurs, der Andere zieht sich zurück, will seine Ruhe und niemand um sich rumhaben.
Der Eine säuft ausnahmslos in Gesellschaft anderer Trinker, der Andere zieht sich zurück ins stille Kämmerlein und säuft sich dort alleine die Hucke voll.
Der Eine säuft nur am WE, der Andere täglich, wieder ein Anderer immer nur Abends.
Manche Trinker saufen täglich eine relativ geringe Summe Alkohol, andere Trinker saufen wochen- oder monatelang gar nicht, um sich dann für vier, fünf Tage regelrecht jeden Tag abzuschießen.
Sehr interessant finde ich den Ansatz zur Willenskraft. Ich finde, trotz Krankheit hat es schon sehr viel mit Willlenskraft zu tun, ob man das Saufen aufhört oder nicht...weiter denke ich, daß es ebenfalls auch mit Willenskraft zu tun hat, ob man nach dem Entzug trockenbleibt oder wieder mit dem Saufen anfängt. Erst später kann man das anders sehen, wenn man irgendwann kapiert hat, daß man nicht auf Alkohol verzichten muß, sondern darf...sprich, wenn man, wie Hartmut es immer so schön treffend ausdrückt, nicht mehr mit der Faust in der Tasche rumläuft, sondern sich bewußt ist, daß das Leben ohne Alkohol für einen selbst besser und alternativlos ist (damit Muttis Lieblingswort auch mal in einem vernünftigen Kontext verwendet wird :-)).
Gefährlich wird diese Ansicht nur, wenn man seine eigene Willenskraft überschätzt, also denkt, man könne allein über Willenskraft trockenbleiben. Das ist mEn. nicht der Fall. Willenskraft ist lediglich eine Komponente von vielen...ein Notfallkoffer ist aber auch nur dann von Nutzen, wenn man auch Willens ist, ihn im Notfall zu öffnen.
Bzgl. der Aussage von Sunshine würde ich gerne nochmal klarstellen, daß Willenskraft keinesfalls mit Intelligenz zu vergleichen ist. Nicht jeder intelligente Mensch ist zwangsläufig willensstark, nicht jeder willensstarke Mensch ist zwangsläufig intelligent.
Diese Kategorisierungen wie z.B. "alle Säufer sind dumm und willensschwach" sind natürlich plumpe Vorurteile, das muß man wohl nicht extra erwähnen. Ebenso plump wie noch einige andere Vorurteile, die man hier ab und an zu lesen bekommt.
Wünsche allen eine schöne Woche und eine gute Zeit
LG Andreas