Zitat von Nys
Hallo Andreas,
Dein zweiter Beitrag erzählt maches, was auch schon in anderen Beiträgen von Dir "zwischen den Zeilen" stand.
Sowohl über Deine Kindheit und auch über Beziehungsarbeit.
Na ja- ich schätze mal, daß das auch den gewissen Reiz einer Person ausmacht. Es ist dann zumindest authentisch. Ziemlich reizlos wird es dann, wenn man in einer Partnerschaft keine Erwartungen mehr haben darf. Wenn das JA zum anderen und dessen Bedürfnissen in einem NEIN zu mir selbst und meinen Bedürfnissen endet.
Ich denke, daß sich eine Persönlichkeit (ohne Alkohol) nur bedingt verändert. Der Blickwinkel und der Zugang zu bestimmten Dingen ändert sich. Der Kern meiner Persönlichkeit wird wohl der selbe bleiben, bis ins hohe Alter. Nicht selten habe ich sehr alte Menschen erlebt, die innerlich noch ganz jung geblieben sind. Trotz Schicksalsschlägen und Not.
Es gibt auch Persönlichkeits-Entwicklung, die man bewußt anstreben kann. Entweder um trocken zu bleiben - oder um Dinge an sich zu entdecken, die bislang verschütt waren. ABER Was nicht aus einem Menschen selbst heraus angestrebt wird, kann man von ihm auch nicht erwarten.
Ich denke schon, daß man sich in einer Partnerschaft gegenseitig eine Unterstützung in der Eigenwahrnehmung und positiven Weiterentwicklung geben kann. (Das fällt natürlich in nassen Zeiten komplett weg und die Weiterentwicklung findet - wie von Dir beschrieben- ohne den anderen statt.) Es ist alles in allem die Frage in wie weit beide bereit sind, sich auf den anderen einzulassen und auf die Dinge, die die Partnerschaft stärken. Auch die Dinge, die einen bereichern. An Punkten an denen man vom anderen die Gelegenheit bekommt, seinen eigenen Blickwinkel zu erweitern. Darauf kann man sich einlassen und viel neues erleben. Das ist aber nur möglich, wenn
man tatsächlich das, was der andere ist und was der andere leben möchte
auch teilen will. Mit "Danke kein Bedarf" kann man vllt. Kinofilme, Konzertaufführungen oder Skatabende ablehnen. Meinetwegen auch
Hobbys, die nicht zu einem passen. Aber wenn es um Beziehungsgestaltung im Bereich von persönlichen Bedürfnissen in einer Partnerschaft geht, dann hilft nur eine gegenseitige Übereinstimmung - die entweder schon von Natur aus da ist - oder gemeinsam angestrebt wird. Daß jeder auch seinen Freiraum braucht ist klar. Der sollte nur nicht so groß sein, daß der gemeinsame Raum auf ein planungs-notwendiges Event zusammenschrumpft.
Hat man sich mal so weit entfernt, daß man sich nichtmehr wirklich darüber freut, den anderen um sich zu haben - dann kann man (glaube ich) an der Beziehung arbeiten wie blöd - es wird nur auf ein gegenseitiges Leben und Leben lassen hinauslaufen. Das ist mir persönlich zu wenig. Da hilft es auch nicht, daß man etwas gemeinsam unternimmt oder gemeinsam das macht, was Erwachsene halt so tun

Ich möchte in einer Partnerschaft das Gefühl haben, daß der Partner glücklich darüber ist, mich zu sehen, bzw. mit mir zu leben. Kein Gefühls-Überschwang aber eine stille gemeinsame Zufriedenheit, sobald man beieinander ist. Vllt. ist das zu viel verlangt. Aber das bin ich - und
das werde ich künftig nicht mehr verbiegen und wenn es bedeutet allein zu bleiben.
LG Nys
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Hi Nys,
diese Zeilen haben mir schon klar gemacht, was bei Dir ansteht. Und Du hast mit fast allen Dingen recht, die Du da so schreibst.
Als ich noch gesoffen habe, hatte ich oft den Eindruck, nicht mehr "nach Hause" zu kommen. Ich fühlte mich fremd in meinem eigenen Haus, es war nicht der Ort, an den ich zurückkommen wollte...meine Frau war nicht die Person, mit der ich meine Zeit verbringen wollte...ständige, allerdings gerechtfertigte Vorwürfe wegen Alkohol und anderen Dingen, die ich nicht hören wollte...ich hatte das Gefühl, bevormundet zu werden und die einzige Person, die mir die Wahrheit ins Gesicht sagte, wurde von mir gemieden. Dann schon lieber in die Werkstatt und alleine zusaufen, um dann so schnell wie möglich wieder auf die Arbeit zu gehen...
Ich habe, wie Du, alles auf den Prüfstand gestellt, war ne ganze Woche von zuhause ausgezogen...allerdings immer unter Alkohol. Ich hatte das Gefühl, daß ich mein Leben so nicht mehr leben wollte und konnte. Ich wollte allein sein, wollte alle Verantwortung abgeben...und hab dann doch relativ schnell gemerkt, daß mir was fehlt, obwohl ich nun machen konnte, was ich wollte...
Letztendlich bin ich wieder zuhause eingezogen und es hat sich mit meiner Trockenheit viel verändert. Mein Zuhause ist auch wirklich wieder mein Zuhause, mein Interesse galt inzwischen wieder den Menschen, die mir wirklich wichtig sind. Auch dieses Gefühl, sich zu freuen, wenn man den Partner sieht, ist wieder da. Ich rede viel mit meinen Jungs, die beide noch im Haus wohnen, ich bin wieder ein Teil ihres Lebens und sie sind ein Teil meines Lebens...sie wissen wieder, daß sie auf mich zählen können.
Dazu kamen ganz klare Aussprachen mit meiner Frau, schonungslose Aufklärungsarbeit von beiden Seiten, bei denen es oft zum Streit kam...eine schwierige Zeit für mich, da ich ja erst frisch trocken war und für meine Frau, weil sie natürlich auch Angst hatte, daß ich rückfällig werde (in jeder Beziehung) und alles von vorne losgeht. Aber es hat sich gelohnt. Es hat sich definitiv was verändert...zum Positiven.
Wir sind dabei, uns so zu akzeptieren, wie wir sind...ohne Versuche, den anderen ändern zu wollen. Klar, das heißt natürlich nicht, daß man jetzt nur noch macht, was man will - ein gewisser Konsenz gehört immer zu einer Partnerschaft dazu.
Wir sagen unsere Meinung, ohne die des anderen ändern zu wollen...egal, wie abwegig wir die auch finden.
Nur ein Beispiel:
Ich will im nächsten Jahr zusammen mit meinem jüngsten Sohn ein kleines Open-Air mit drei Bands der härteren Gangart auf meinem Grundstück veranstalten. Vor zwei Jahren hätte meine Frau noch unter Hinweis auf die Midlife-Crisis gefragt, ob ich nicht ganz dicht bin. Mir erkärt, daß das doch eh nicht zu realisieren wäre. Inzwischen sagt sie: Ich find die Idee zwar nicht so toll, aber wenn Du meinst...dann mach halt.
Und das tut der Beziehung gut...die Tatsache, daß sich beide Schritt für Schritt auf den anderen zubewegen.
Was nun Deine Beziehung angeht, kann ich aus der Ferne wenig sagen...aber ich denke, Dir fehlt genau das, was Dein XY hatte...Emotionalität, spürbare Zuneigung, Aufmerksamkeit...die Dinge halt, die im Laufe der Jahre in einer Beziehung oft verloren gehen. Männern fällt das mMn. weniger auf als Frauen und auch ich bekomme das ab und zu noch zu hören.
Ich weiß nicht, ob Ihr zwei noch bereit seit, an Eurer Beziehung zu arbeiten. Du schreibst selten über Deinen Mann und kann ihn daher nicht beurteilen. Mir ist nur aufgefallen, daß Du schreibst, Du hättest alles gegeben...Du hast ihm allerdings durch die Beziehung zu XY auch sehr viel genommen - genau wie ich meiner Frau...nämlich ein Stück Sicherheit. Ich könnte mir vorstellen, daß er sich emotional bewußt etwas rausgenommen hat, um bei einem zweiten XY nicht so verletzt zu werden. Wie gesagt, reine Hypothese meinerseits...viel läßt sich ja im Offenen nicht schreiben. Ich würde es vermutlich so machen...einfach Gefühle rausnehmen, um dann später nicht mehr so verletzt zu sein. Männer können das, sind da rationaler...was ihnen ja auch oft genug vorgeworfen wird 
Ich wünsche Dir, daß Du die richtige Entscheidung triffst. Ich kann Dich verstehen und mußte gestern schon ab und zu an Dich denken, weil ich wußte, daß es ein entscheidender Tag für Dich sein kann.
Aber ich schätze Dich inzwischen so ein, daß Du die Entscheidung, die für Dich selbst am Besten ist, klar erkennst und dann triffst...mit allen Konsequenzen. Und vielleicht solltest Du das mit dem Rauchen aufhören vielleicht doch noch ein paar Wochen verschieben...pack Dir kein ZU großes Päckchen auf den Rücken...
Ich bin im Gedanken bei Dir, wenn man das so sagen kann, ohne als Co zu gelten...
Liebe Grüße
Andreas