Beiträge von Carpenter

    Moin Jonas,

    erstmal herzlich willkommen hier.

    Ob Du hier Hilfe findest, liegt zuallererst an Dir selber, denn Du entscheidest, was Du Dir hier aus den Antworten und den ganzen Threads rausziehst und wie Du, zusammen mit den neuen Infos, auf Deine Situation reagierst.

    Erstmal ist der erste Schritt, hier die Hosen runterzulassen, verdammt wichtig...nicht wegen des Forums, sondern wegen einem selbst, weil man sich definitiv damit eingesteht, ein Problem zu haben, bei dem man Hilfe braucht.

    Der zweite Schritt wäre der Gang zum Arzt Deines Vertrauens, denn das Forum hier kann einen persönlichen Ansprechpartner vor Ort nicht ersetzen. Außerdem ist kalter Entzug gefährlich, das wirst Du hier immer wieder lesen können.

    Momentan, so entnehme ich es zumindest Deinem Post, bist Du ja noch am Trinken und so blöd das auch klingen mag, wäre es nicht ratsam, jetzt von einer Sekunde auf die andere damit aufzuhören, zumindest ohne ärztliche Unterstützung.

    Was mir sehr positiv auffällt ist Deine Reflektiertheit. Du analysierst Deine Situation ziemlich genau, suchst nach Auslösern der Sucht (was manchmal durchaus hilfreich sein kann, aber nicht zwangsläufig sein muß)...das sind gute Voraussetzungen für den Anfang, wie ich finde.

    Komm hier erstmal in Ruhe an, lies Dir die Antworten auf Deinen Post durch, laß sie auf Dich wirken und bleib am Ball, laß Dich auch von der ein oder anderen unangenehmen Antwort nicht schocken oder abschrecken.

    Du hast es ja selbst schon geschrieben - Du stehst an einem Wendepunkt in Deinem Leben und in jeder Lebenskrise steckt auch eine Chance...klingt ziemlich esoterisch, isses aber gar nicht...

    Schönen Gruß und schöne Zeit Dir

    Andreas

    Zitat von ambrosia


    ich habe gestern mein Enkelkind gesittet.....in einer Wohnung wo mindesten 10 offene flaschen schnaps stehen, nix da ich hab es mir vorgenommen und das zieh ich durch (hoffentlich)
    .

    Hallo ambrosia,

    eine Wohnung, in der mindestens 10 offene Flaschen Schnaps rumstehen...?

    Das scheint mir der geeignete Ort zu sein, um seine Abstinenz zu stabilisieren...

    Sorry für den Sarkasmus, aber so wird das nix...

    Du mußt Dich mit der Thematik deutlich intensiver beschäftigen...es gibt genug Alkoholiker, die notfalls Rasierwasser saufen würden, um ihren Saufdruck zu befriedigen...denen ist es schnuppe, ob die dann besoffen fahren oder den Alk des Sohnes wegsaufen. Sucht bedeutet ein Wegfallen jeglicher Hemmschwellen, auch wenn es bei Dir momentan noch nicht der Fall ist...das kann noch kommen.

    Du schreibst, Du hast Dir das vorgenommen und ziehst das durch, nur um es im selben Moment mit einem "hoffentlich" selbst in Frage zu stellen.

    Das ist echt nicht böse gemeint, aber was denkst Du, wie oft solche Sätze hier schon gefallen sind.

    Es ist nicht so einfach, sich einzugestehen, daß man Alkoholiker ist...dabei spielt die Menge nur eine untergeordnete Rolle...sobald Du nicht von selbst auf den Alkohol verzichten kannst, bist Du dabei - egal ob es sich um 10 Bier handelt oder um eines...

    Karsten hat schon die richtige Frage gestellt...mir übrigens vor knapp drei Jahren ebenfalls...und ich hab ähnlich rumgeeiert wie Du es derzeit tust, von daher kann ich das sehr gut nachvollziehen.

    Mir persönlich hat es sehr geholfen, mir einfach einzugestehen, daß ich kein Problem mit Alkohol habe, sondern schlicht und ergreifend Alkoholiker bin...es hat es einfacher gemacht. Auch mein Outing gegenüber dem Arzt hat mir eine zentnerschwere Last genommen.

    Also, warte nicht bis zum Jänner, sondern schwing gleich die Hufe...:-)

    Nimm mir meine direkten Zeilen nicht böse...ich meine es wirklich nur gut.

    Schönen Gruß und schöne Zeit

    Andreas

    Hi Eni,

    siehste, man muß Dich nur ein bißchen kitzeln :)

    Freu mich ganz arg für Dich, daß Du weiterhin "clean" bist, wie Du aus ausdrückst...den Begriff nehm ich auch ganz gerne. Früher dachte ich immer "Besser Saufen als Koksen", heute weiß ich, daß dem nicht so ist. Jede Sucht ist auf scheiße...

    Soso, da schleicht die schwarze Dame also noch bei Dir ums Haus ? Vermutlich schleicht sie da schon wesentlich länger rum, aber der Alk hat sie dann und wann verschwinden lassen...

    Wenn man hier mal querbeet liest, wird einem klar, daß Alk fast immer dafür hergehalten hat, andere Emotionen zu unterdrücken oder zu verstärken, insofern haben wir mit der Trockenheit erst einen Schritt gemacht...der zweite Schritt ist vermutlich der, die Gefühle ohne Alk auszuhalten bzw. die Ursache für diese Gefühle herauszufinden.

    Da biste grade drüber, oder ? Da drück ich Dir ganz fest die Daumen. Vielleicht täte es Dir doch ganz gut, Dich öfter mal hier zu melden, einfach, um auch mal ne Rückmeldung zu bekommen, einfach um mal mitzubekommen, daß da draußen noch so ein paar Figuren rumtanzen, die sich dafür interessieren, wie es Dir geht.

    Ich freu mich jedenfalls unheimlich darüber, daß Du wie Phönix aus der Asche aus der Versenkung aufgetaucht bist...

    Lieben Gruß und schöne Zeit Dir

    Andreas

    Hi Katha,

    wie schön, wieder mal was von Dir zu hören. Ich dachte schon, mit meiner Brammelaktion neulich hätte ich Dich dauerhaft verscheucht :(

    Du klingst ziemlich ausgeglichen und reflektiert...

    Deine Sackkarre aus dem Baumarkt war bestimmt neidisch auf Deinen Titankern, weil sie selber bloß aus billigem Chinesenblech besteht :)

    Mit den Infos zu Deinem Manuskript gehst Du recht sparsam um, dabei dachte ich, das würde Dich voll und ganz in Anspruch nehmen und den ganzen Tag beschäftigen. War es so, wie Du es Dir erhofft hattest ?

    Dein Mitbewohner macht auf mich auch nicht grade den Eindruck, als könne man mit ihm über Glühwürmchen und Sternschnuppen fachsimpeln...ich hoffe, der Eindruck täuscht :)

    Schmunzeln mußte ich über Deine Aussage bzgl. Weihnachten...ich bin ja in diesem Jahr aussergewöhnlich weihnachtlich eingestimmt, allerdings ändert das nix dran, daß ich nen Kropf kriege, wenn ich irgendeine Beleuchtung aufhängen muß und meine bessere Hälfte meint, mir wertvolle Tipps geben zu müssen, wie genau das noch besser funktioniert als bisher...was nicht sonderlich schwer ist, denn mein Talent bzgl. solcher Filigranarbeiten bewegt sich im Nanobereich und ich nehme an, die Beleuchtung hat den Eindruck, als würde jemand mit dem Bagger die Waschmaschine füllen wollen.

    Meine ursprüngliche Taktik, die Beleuchtung einfach nach wenigen Sekunden mutwillig zu zerstören, hat sich als wenig zielführend herausgestellt...dafür sind diese Asiatenkerzen einfach zu günstig und ehe ich die neue Beleuchtung ins Jenseits befördert hatte, wurde aus irgendeiner Kiste schon die nächste hervorgezaubert...

    Nun bin ich ja etwas ruhiger geworden und bemühe mich redlich, diese Aufgabe zumindest so zu erfüllen, daß Scheidungsgespräche ausbleiben...aber gern mach ich das immer noch nicht und wer mich kennt, kann an meiner Mimik ablesen, daß der Schnellkochtopf kurz vor der Explosion steht, ehe er grad noch rechtzeitig etwas Dampf abläst...

    Waren das noch Zeiten, als man einfach 20 Kerzen angezünden konnte, auch wenn die Brandversicherung im Jahr teuerer war als eine Kreuzfahrt in die Karibik...

    Schön, daß Du Dich wieder mal gemeldet hast...laß es Dir gut gehen.

    Lieben Gruß und schöne Zeit

    Andreas

    Moin step,

    ich freu mich erstmal, daß Du noch so gut und sicher unterwegs bist...wenn Du nicht gerade Deine Stöcke hinter Dir herschleifst :)

    Ich kann mich noch gut dran erinnern, als Du hier fast zeitgleich mit Eni angekommen bist. Zwei lebenslustige Damen, die sich gegenseitig ermutigt und gestützt haben. Das hab ich so in der Form noch nicht erlebt hier.

    Nun hab ich grade mal nachgesehen...Enis letzter Eintrag war irgendwann im Juli und ich fürchte, daß man davon ausgehen muß, daß sie der Alk wieder am Wickel hat.

    Umso mehr freut es mich, wie straight Du das seit Deiner Ankunft hier durchziehst, Dich immer mal wieder meldest, nen Lagebericht abgibst...das klingt alles sehr gut.

    Ich schick Dir mal nen schönen Gruß und wünsche Dir ne schöne Zeit

    Andreas

    Moin Calida,

    das klingt ziemlich verbittert bei Dir. Ich denke, so machst Du es Dir selber noch schwerer, als es eh schon ist.

    Schuld ist im Zusammenhang mit Alkoholkrankheit ein ziemlich unpassendes Wort, auch wenn ich es selbst öfter mal in diesem Zusammenhang verwende.

    Schuld impliziert irgendwie, man wäre ganz bewußt alkoholkrank geworden. Das ist natürlich Blödsinn, auch wenn es sicher Menschen gibt, die sich ganz bewußt zu Tode saufen wollten.

    Alleine die Tatsache, daß wir User hier aus den unterschiedlichsten Gründen mit dem Saufen angefangen haben, zeigt doch, daß es wenig Sinn macht, Verantwortlichkeiten zu verteilen...weder an uns noch an die Gesellschaft.

    Mir gefällt der Gedanke, für mein eigenen Leben verantwortlich zu sein, es beeinflußen zu können, sowohl positiv als auch negativ, insofern muß ich mir natürlich auch den Hut aufsetzen und sagen: Tja, als Alkoholiker bist Du sicher nicht auf die Welt gekommen, da mußt Du schon einige falsche Entscheidungen in Deinem Leben getroffen haben, daß es soweit kommen konnte.

    Und ich denke, das ist es, was Rattenschwanz ausdrücken will. Ein gewisses Maß an Selbstverschulden an unserer Krankheit können wir nicht leugnen (puh, Selbstverschulden klingt schon wieder irgendwie nach Schuld).

    Witzigerweise ist genau das die Lösung. Wir selbst hatten unseren Anteil dran, daß wir zum Alkoholiker wurden, genausogut können wir jetzt unseren Anteil daran haben, mit dieser Wahrheit zu leben, auf diese Wahrheit zu reagieren und zukünftig ein selbstbestimmtes Leben ohne Alkohol zu leben.

    Wir sind nicht gänzlich fremdbestimmt, wir haben immer noch die Wahl, unser Leben in eine positive Richtung zu lenken...und viele hier haben das auch wirklich realisieren können.

    Deine Einschätzung der Gesellschaft könnte glatt von mir stammen...in meiner Zeit, als ich noch gesoffen habe und bevor ich irgendwann kapiert habe, daß mir die Gesellschaft gar nix kann, wenn ich selbst es nicht zulasse.

    Natürlich haben es reiche Menschen in mancher Hinsicht leichter als arme Menschen. Aber diese Tatsache verhindert nicht, daß auch reiche Menschen saufen und koksen und ihr Leben wegwerfen...wenn auch aus anderen Gründen.

    Ich hoffe, ich trete Dir nicht zunahe, wenn ich Dir aus eigener Erfahrung sage, daß Wut und Zorn auf eine undefinierbare Gesellschaft einen nicht weiterbringen. Es gibt Dinge, die wir nicht ändern können und der Versuch, sie trotzdem ändern zu wollen, kann ziemlich frustrierend sein.

    Aber Deine eigene Situation kannst Du ändern...und niemand sonst. Was zunächst wie eine ziemliche Bürde klingt, ist gleichzeitig beruhigend...es liegt in Deiner Hand, was nicht zwangsläufig bedeutet, daß Du es ganz alleine schaffen mußt...aber Du kannst entscheiden, was und wer Dir helfen kann. Wenn das Deiner Meinung nach eine Therapie ist, dann zieh die Therapie durch, egal, was andere dazu sagen.

    Es macht absolut Sinn, sich Ratschläge und Tipps erstmal anzuhören und wirken zu lassen...aber dann müssen wir selbst entscheiden, was wir daraus mitnehmen und wie wir aus diesem Wissen heraus handeln...niemand sonst.

    Schönen Gruß und schöne Zeit Dir

    Andreas

    Hallo Frei,

    auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum.

    Ich habe in einem anderen Thread gelesen, daß Du noch etwas Bedenken hast, was genau Du schreiben darfst/kannst und was nicht.

    Ich halte es grundsätzlich grad am Anfang der Abstinenz für extrem wichtig, sich alles von der Seele zu schreiben. Erfahrungsgemäß ist es auch so, daß der frisch Abstinente am Anfang viele Fragen stellt, viel schreibt und dann mit zunehmender Stabilität dann immer weniger.

    Nicht wundern, wenn ab und zu kaum bis keine Antworten kommen. Das liegt im Normalfall nicht daran, daß Dich keiner liest, sondern weil ähnliche Fragen grade in einem anderen Thread behandelt werden oder erst vor kurzem behandelt wurden. Daher ist es ganz wichtig und sinnvoll, auch in den Threads der anderen User immer mal wieder etwas querzulesen. Schon alleine beim Lesen der anderen Threads wird sich die ein oder andere Frage beantworten.

    Also ja nicht schüchtern sein...es gibt hier weder blöde noch unwichtige Fragen...die meisten von uns können sich noch gut dran erinnern, wie es ihnen am Anfang hier gegangen ist...es sind dieselben Unsicherheiten, die aber völlig unnötig sind.

    Schönen Gruß und schöne Zeit Dir

    Andreas

    Moin,

    das ist ja mal ne nette Diskussionsvorlage...

    Es ist ja doch nun auch ein Märchen, daß der nasse Alkoholiker per se nervig bis schädlich für die Gesellschaft ist und der trockene Alkoholiker angenehm und nützlich für die Gesellschaft.

    Mal davon abgesehen - was und wer genau ist denn die Gesellschaft überhaupt ? Und was sollte uns dazu anspornen, für die Gesellschaft "nützlich" zu sein ?

    Ich persönlich kenne einige ruhige, zurückgezogen lebende Alkoholiker, die nun wirklich niemanden schaden...außer sich selbst natürlich. Sie "nützen" zunächst mal in allerersten Linie der Wirtschaft...sie sind ein willkommenen Konsument von in Deutschland hergestellten Waren. Nun gut, etwas zu sarkastisch, das gebe ich zu...

    Parallel dazu kann ich dieses "Wir können nix dafür, wir sind ja krank" eigentlich auch nicht mehr hören. Wir wurden nicht von einer bösen Macht dazu gezwungen, den ganzen Alkohol in uns reinzusaufen...es gab durchaus auch bei jedem hier eine Phase vor der Abhängigkeit, in der man hätte reagieren und gegensteuern können.

    Klar, wir sind alkoholkrank, aber wir haben ordentlich dazu beigetragen, daß diese Krankheit zum Ausbruch kommt. Es ist eine Mär, daß wir unvermeidlich in die Katastrophe stolpern bzw. torkeln mußten.

    Das machte uns weder zu Versagern, als wir noch nass waren, noch macht es uns zu Helden, seid wir trocken sind.

    Wir haben irgendwann endlich Verantwortung für unser eigenes Leben übernommen...nicht mehr, aber auch nicht weniger...

    So, sorry Andi 74, daß ich hier in Deinem Thread so ausschweifend zu der Thematik Stellung nehme...

    Von mir aus auch erstmal herzlich Willkommen hier im Forum. Ich wünsche Dir alles Gute auf Deinem Weg aus der Sauferei. Dieses Forum kann Dir sicher ein wichtiger Mosaikstein sein...auch im Offenen...

    Schönen Gruß und schöne Zeit

    Andreas

    Moin Visionär,

    einen ziemlich innovativen Threadtitel hast Du Dir da ausgesucht..:-)

    Soviel gleich mal zu fränkischem Humor...

    Ich finde Deine Motivation, hier mitzuschreiben, bemerkenswert. Meistens kommen die User hier an, um erstmal mit ihrem Alkoholproblem klarzukommen...oft geht es sogar erstmal darum, sich vollends einzugestehen, daß man überhaupt Alkoholiker ist (so war es auch bei mir).

    Das hast Du alles schon hinter Dir.

    Ich meine Deiner Vorstellung entnehmen zu können, daß Du der Meinung bist, daß die Abstinenz kein Selbstläufer ist, sondern immer wieder thematisiert werden muß...auch extern, wie hier oder eben einer richtigen SHG. Der Meinung bin ich ebenfalls. Ich beschäftige mich nicht tagtäglich mit meiner Alkoholkrankheit, aber ich verliere sie nie aus den Augen...auch dazu hilft mir dieses Forum hier.

    Also herzlich Willkommen von meiner Seite...besonders gefallen hat mir Deine Aussage, daß Du eigene Erfahrungen weitergeben, aber auch von anderen Erfahrungen profitieren willst. Das, so finde ich, ist ein prima Ansatz.

    Und nochmal ganz kurz zum Humor - der kommt hier mMn. ab und zu schon etwas kurz...also immer her damit :)

    Schönen Gruß und schöne Zeit

    Andreas

    Zitat von likeafeather

    Gerade geht es mir nicht so gut. Morgen wird unsere Tochter 3 Jahre. Gerade in solchen Momenten lässt man die Vergangenheit Revue passieren und an manche Dinge erinnere ich mich nicht gerne zurück, z.B. dass ich viele Momente mit ihr gar nicht bewusst genießen konnte, weil ich benebelt war. Das macht mich so traurig. :( LG, Ina

    Hallo Ina,

    herzlich Willkommen hier.

    Dieser Satz hat mich beschäftigt...ich selber habe sehr viele Momente in der Kindheit und Jugend meiner Söhne verpasst, weil ich entweder gearbeitet habe oder betrunken war - jetzt bin ich da.

    Du hast jetzt die große Chance, diese Zeit auf drei Jahre zu begrenzen, indem Du Dein Ding durchziehst und trocken bleibst. Wenn man so will, ist das ne zusätzliche Motivation.

    Dreh den Spieß doch einfach rum...sei nicht traurig, daß Du in den letzten drei Jahren einiges verpasst hast, sondern freu Dich drüber, daß sich das ändern wird und Du die nächsten Jahre immer für Deine Tochter dasein kannst.

    Schönen Gruß und schöne Zeit

    Andreas

    Zitat von Ferra

    Das mit der Def. Rückfall, Grundbausteine, trocken bleiben etc. ist nicht der Punkt an dem ich mich "störe", sondern das ich transparent eine Situation bespreche - und mir dann Dinge unterstellt werden und ich mir quasi sagen lassen muss ich bin zu besch**ert um zu kapieren was Alkoholismus ist.
    Gut vllt hätte ich es auch auf der Sachebene hören sollen: Achtung, solche Situationen sind zu gefährlich.

    Manchmal gehts mit mir durch.

    Moin Ferra,

    es kommen hier regelmäßig viele Neue ins Offene, die ähnlich reagieren...und dann nach vier, fünf Posts wieder verschwunden sind.

    Es ist, grad am Anfang der Abstinenz, enorm wichtig, auch mal über seinen Schatten zu springen und sich Dinge anzuhören, bei denen man vorher immer weggehört hat.

    Ich kann Dir diese Zeilen ohne Vorbehalte so schreiben, weil ich am Anfang meiner Abstinenz ähnlich reagiert habe...Unverständnis, ne Portion Trotz, das Gefühl, hier nicht richtig ernst genommen zu werden.

    Das alles sind Begleiterscheinungen der Sucht, die man Stück für Stück abbauen muß, um eine echte Chance auf ein trockenes Leben zu haben.

    Und auch wenn es für Dich jetzt vielleicht nach einer Platitüde klingen mag, aber Du wirst, wenn Du ein paar Monate abstinent bist, erkennen, daß auch die etwas direkten Posts durchaus gut gemeint sind und weiterhelfen können.

    Du mußt Dir überlegen, daß man sich durch die Sucht jahrelang Muster aufgebaut hat, die es jetzt zu durchbrechen gilt. Manche Muster lassen sich relativ rasch auflösen, manche dauern Jahre, manche bleiben möglicherweise für immer Teil unserer Persönlichkeit.

    Ich kann Deine Gemütslage sehr gut nachvollziehen, denn soo lange bin ich nun auch noch nicht trocken...aber lange genug, um erkannt zu haben, daß mir direkte Ansprachen letztendlich genauso weitergeholfen haben wie aufbauende Kopfstreichelposts.

    Man muß sicher nicht jeden Rat hier 1:1 umsetzen und sich gleich zu eigen machen, aber es lohnt sich immer, über das, was andere an Erfahrung hier einbringen, nachzudenken und seine eigenen Schlüsse zu ziehen...und diese dann auch umzusetzen.

    Bleib am Ball, laß Posts ruhig auch mal ein, zwei Tage sacken, bevor Du Dich dazu äußerst, dann dann hat sich das erste Unverständnis oft schon relativiert.

    Letztendlich sind wir alle hier gelandet, weil wir es alleine nicht gepackt haben, der Sucht zu entkommen...und alle, die hier regelmäßig schreiben, haben es mithilfe dieses Forums geschafft, über Monate und Jahre trocken zu bleiben...auf teils unterschiedlichen Wegen, aber fast immer im Dialog mit dem Rest der Truppe hier.

    Man kann es drehen und wenden wie man will...diesen Pool an individuellen Erfahrungen und Erkenntnissen kann Dir kein Buch, kein Psychologe und auch kein Arzt liefern. Du mußt den Pool nur nutzen...

    Ich wünsche Dir alles Gute auf Deinem Weg in die Trockenheit, in der Hoffnung, daß mein Post von Dir nicht als Kritik aufgenommen wird...das ist er mitnichten...

    Schönen Gruß und schöne Zeit

    Andreas

    Hey Katha,

    das ist ja toll mit dem Buch. Klar kenn ich die Story mit Marty Feldmann noch und freu mich unheimlich, daß es doch noch geklappt hat. Meine literarischen Ambitionen köcheln auf absoluter Sparflamme, nicht mal mehr zum Dichten hab ich derzeit Muse. Aber ich bin inzwischen geduldig genug, darauf zu warten, daß mich die Muse wieder küsst :)

    Eine WG ? In dem Alter ? *lachundwechduck*...warum eigentlich nicht ? Ich persönlich kann mir das kaum vorstellen, denn ich bin, denk ich zumindest, nicht ganz so pflegeleicht im Umgang und umgekehrt aber ziemlich anspruchsvoll, was meine Umgebung angeht. Eine Dysbalance, die kaum aufzulösen ist. Ich denke, es gibt nicht viele Menschen, die es auf Dauer mit mir aushalten würden...meine bessere Hälfte scheint da eine absolute Ausnahme zu sein :)
    Aber Dich kann ich mir gut in einer WG vorstellen...so als Bindeglied zwischen dem Alt68er und dem inzwischen zum Buddismus konvertierten Deutschlehrer *hehe*

    Nee, ohne Witz, ich denke, Du hast in so eine WG sehr viel einzubringen, während ich froh bin, wenn ich mal nix einbringen muß und meine Ruhe habe.

    Daß es Dir gesundheitlich noch nicht wirklich besser geht, meine ich zwischen den Zeilen herauszulesen. Das tut mir leid, gleichzeitig finde ich es prima, daß Dein Freund (vermutlich der Glühwürmchen-Mann) so ein toller Halt ist.

    Verwaggelt hab ich nur geschrieben, weil es so ein typischer Katha-Ausdruck ist und ich freue mich unheimlich, daß Du endlich mal wieder etwas Sermon abgelassen hast :)

    Correns wird sich sicher wieder hier melden, wenn er etwas mehr Klarheit hat. Er ist grad am Sortieren und ich denke, er braucht momentan etwas Anderes als hier stur vor sich hinzuschreiben und anderen damit zu helfen. Momentan denke ich, daß er selber etwas Hilfe benötigt, die er hier nicht finden kann. Das klingt jetzt schlimmer, als es mMn. ist. Er setzt grad andere Prioritäten, wie viele es von Zeit zu Zeit tun. Aber er ist mit dem Forum, so glaube ich, viel zu sehr verwachsen, als daß er so sang-und klanglos abtauchen würde.

    Ich bin sicher, daß er hier ab und zu mitliest und sich über Deinen "Sermon" genauso gefreut hat wie ich.

    Nen lieben Gruß und schöne Zeit Dir

    Andreas

    Moin Carl-Friedrich,

    Du siehst schon, hier herrscht Zuckerbrot und Peitsche...ein altbewährtes Konzept...:-)

    Es gibt hier verschiedene Sichtweisen, was das Trockenwerden anbelangt. Einig sind sich die User hier aber v.a. in einem Punkt: Ein "weiter so, nur ohne Alkohol" führt früher oder später zum Rückfall.

    Mal ein Beispiel:

    Wenn Du nen Bandscheibenvorfall hast, dann können Schmerztabletten ziemlich schnell dafür sorgen, daß die Schmerzen verschwinden und das Leben wieder "normal" laufen kann. Gegen den Bandscheibenvorfall selbst ist dadurch allerdings noch nix gewonnen - da brauchts dann Physiotherapie und ein verändertes Verhalten, damit sich die Bandscheibe erholen kann...ganz heil wird die dadurch auch nicht und wird immer ein Schwachpunkt im Körper bleiben...es gibt aber Möglichkeiten, einem erneuten Bandscheibenvorfall vorzusorgen.

    Vielleicht nicht ganz treffend, dieses Beispiel, aber man sollte die Macht des Alkohols nicht unterschätzen...

    Nun bist Du ja auch einer der Fraktion (der ich auch angehöre), die sich jahrelang von Trinkpause zu Trinkpause geschaukelt haben ohne nennenswerten Erfolg. Nicht saufen hat also nicht gereicht...das könnte logischerweise zu der Schlußfolgerung führen, daß es da mehr braucht als nur nicht mehr Saufen wollen.

    Ich denke, das wollten meine Vorredner damit ansprechen.

    Sich ein alkfreies Umfeld schaffen hat oberste Priorität...man tappt leicht in die "hat mir gestern gar nix ausgemacht"-Falle, fühlt sich stark, sicher und hat dann trotzdem urplötzlich Saufdruck, quasi aus dem Nichts heraus...

    Plötzlich zum Asketen wurde ich z.B. auch nicht. Meinen Fußball wollte ich mir durch das Trockenwerden nicht nehmen lassen, aber ich hab halt grad am Anfang dafür gesorgt, daß ich Fußball in alkoholfreier Umgebung gesehen habe...z.B. zuhause.

    Trotzdem steht man vor der Entscheidung: Was ist mir wichtig und läßt sich mit meiner Trockenheit vereinbaren und von was muß ich mich trennen, um Trocken bleiben zu können...zu Letzterem gehören z.B. Gewohnheiten, bei denen man vermehrt gesoffen hat.

    Jeder Weg ist individuell, jeder hat seinen eigenen Weg vor sich...aber aus meiner Sicht sind viele der Bausteine schon sehr hilfreich.

    Was die Sache mit Frau und Sohn betrifft:

    Die Verantwortung für seine Trockenheit kann man ganz sicher nicht auf andere Menschen übertragen...aber so hab ich Dich ehrlich gesagt auch nicht verstanden. Deine Frau und Dein Sohn sind ja eingeweiht in Deine Krankheit, also sind sie letztendlich die Einzigen, die Dich im Notfall vom Alkohol abhalten können, wenn urplötzlich Saufdruck aufkommen sollte...ich halte so eine Sicherung durchaus für sinnvoll und das zeigt mir eher, daß Du verstanden hast, Hilfe anzunehmen.

    Und Hilfe angenommen haben meines Wissens sogar diejenigen hier, die schon 13 Jahre trocken sind...:-)
    Und letztendlich sind wir alle deshalb hier gelandet, weil wir erkannt haben, daß wir es alleine nicht packen...schon das war ein wichtiger Schritt.

    Laß Dich von etwas direkter formulierten Antworten nicht schrecken...später, wenn Du ein, zwei Jahre trocken bist, wirst Du erkennen, daß oft grade diese Aussagen weitergeholfen haben.

    Schönen Gruß und schöne Zeit

    Andreas

    Zitat von Carl Friedrich

    Ich habe mir schon was ausgeguckt, ist eine Sportsbar. Die haben eine Menge von TVs rumhängen und übertragen alles Mögliche, was mit Sport zu tun hat. Der Alkoholkonsum ist dort deutlich geringer, als in herkömmlichen Kneipen. Ich werde sie zu Saisonbeginn mal ausprobieren und nehme sicherheitshalber den volljährigen Sohn, der demselben Verein wie ich die Daumen drückt, als Aufpasser mit. Sollte es mir dennoch nicht zusagen und der Alk-Konsum auf mich irritierend wirken, werde ich wohl sky abonnieren.

    Hallo Carl-Friedrich,

    herzlich Willkommen hier...

    sag mir jetzt bitte, daß Du von Beruf kein Pathologe bist...:-)

    Gut, daß sich bei Dir die Einsicht durchgesetzt hat, daß kontrolliertes Trinken nicht wirklich hilft und ganz hervorragend finde ich die Aussage, daß es viel anstrengender ist, kontrolliert zu trinken, als die Finger ganz von dem Zeugs zu lassen...letztendlich weiß man im Hinterkopf ja doch, daß man alle paar Tage die nächste Niederlage einstecken muß, wenn man es mit Trinkpausen und ähnlichen Späßken versucht.

    Was den Fuppes betrifft - bin selbst leidenschaftlicher Fan und habe meine Präsenz in den Fußballkneipen dieser Welt extrem reduziert. Ich habe mir seit ein paar Jahren Sk* zugelegt, weil ich mir die Spiele gerne in Ruhe ansehe, ohne dämliche Zwischenkommentare und hanebüchenen Unsinn.

    Ein paarmal im Jahr gehe ich ins Stadion und ab und zu begleite ich meine Mannschaft auch auf Europa-Tour...im Fanbus fahre ich da allerdings nicht mehr mit, da wird mir dann doch zu viel gesoffen...

    Insgesamt funktioniert "trockener Fußballfan" aber wirklich sehr gut...anstatt meinem früher obligatorischen Spieltagsbier gibts inzwischen halt Kaffee oder Eis...

    Ich wünsch Dir alles Gute für die Zukunft.

    Schönen Gruß und schöne Zeit

    Andreas

    Hallo Frank,

    schreiende Säuglinge in der Nacht kenne ich noch sehr gut...nicht selten hat auch mich das an den Rand des Nervenzusammenbruchs gebracht und wenn ich mir überlege, wieviel Nerven eine Mutter da aufbringen muß, wird mir ganz schwindelig.

    Aber die kleinen Zwerge haben natürlich auch ganz viel zurückgegeben. Wenn ich heute ab und zu noch einen Schnuller in irgendeiner Kiste finde oder den ersten ausgefallenen Zahn, dann berührt mich das wie sonst überhaupt nix...da ist plötzlich eine Mischung aus Wärme und Trauer...Wärme aufgrund der Erinnerung an die kleinen Zwerge, Trauer darüber, daß es eben nur noch Erinnerungen sind.

    Diese Zeit mit dem Kleinen bewußt geniesen zu können, das wünsch ich mir für Dich...ich selber hab das z.T. verbockt, weil ich mit mir selbst zu tun hatte. Ich war kein schlechter Vater, aber ich habe falsche Prioritäten gesetzt...und dadurch viel verloren, was unwiederbringlich weg ist...für alle Zeit.

    Es ist ganz wichtig, daß man sich ab und zu bewußt macht, daß man eine ganz besonders schöne Zeit im Leben durchläuft, wenn man die Würmer auf dem Arm hält oder sie die ersten Schritte machen...wenn sie einem mit einem einzigen, ehrlichen, unschuldigen Lächeln die Last von 500 Tonnen pulverisieren...

    Ich bin sehr zuversichtlich, daß Du die Zeit mit Deinem Zwerg besser nutzt als ich es damals mit meinen Zwergen getan habe.

    Schönen Gruß und schöne Zeit Dir

    Andreas

    Hi Eni,

    trinkst Du wieder, damit die schwarze Dame nicht so schnell wiederkommt ?

    Du mußt Dich jetzt auch nicht in die schmuddelige "Ich bin rückfällig"-Ecke zurückziehen...bleib einfach da und fang wieder von vorne an.

    Lies Dir den Thread von Frank mal durch, sammel neue Energie und dann ab mit den Flaschen in den Müllcontainer.

    Du weißt ja, wo Du uns findest...ich kann nur für mich sprechen, aber ich würde weiterhin gerne wieder mehr von Dir lesen.

    Schönen Gruß und schöne Zeit

    Andreas

    Zitat von Frank P.

    Danke, das ich hier sein darf :D

    Gruss

    Frank

    Hallo Frank,

    warum so bescheiden ? Ich würde eher sagen, danke daß Du hier bist. Wenn es ein Beispiel dafür gibt, daß es sich lohnt, immer wieder aufzustehen, auch wenn man bereits mehrmals hingefallen ist, dann würde ich Dich bedenkenlos unter die Top 3 wählen :)

    Es macht mir richtig Freude, Deinen neuen Weg zu verfolgen. Du klingst klar, fokusiert und so ein klitzekleines bißchen Selbstkritik kann letztendlich auch nix schaden, wenn es nicht in Selbstvorwürfen endet.

    Analysieren, was schiefgelaufen ist, darauf entsprechend reagieren - das alles hast Du inzwischen drauf. Du selbst hast Dir ein passendes Umfeld geschaffen mit Deiner kleinen Familie und bist inzwischen bereit, Verantwortung für Dich und Deine Familie zu übernehmen.

    Meinen Respekt dafür !

    Schönen Gruß und schöne Zeit

    Andreas