Hi schnuffig
Du hast mich voll erwischt! Genau so ist es.
Und ich weiß nicht so ganz, wie ich das ändern soll.
Klar sind da auch total eiskalte Gedanken in mir:
Sie hat das Recht verloren, sich Mutter zu nennen. Und das gefühlte 1000 Mal und schon von dem Zeitpunkt an, seitdem ich mich an "uns" als Mutter und Tochter erinnern kann.
Ich habe sie auch angeschrien:
"Was willst DUU eigentlich von mir???" Du hast nichts mehr zu wollen. Nicht umsonst hat Dich Papa immer den Feldwebel genannt. Du bestimmtst schon mein ganzes Leben lang darüber was ich tun oder sein soll.
Und dann ist es wieder so wie in dem Lied
mit dem Fischlein am Haken. Ich habe das reingeschrieben, weil ich mir was vormachen würde, wenn ich behaupten würde, daß es nicht so ist.
Ich muß nicht beweisen, daß ich lieben kann... ich bin mir sogar nichtmal ganz sicher, ob das immer Liebe ist, was ich fühle.
Das ist ja in jeder meiner Beziehungen ein bißchen anders. Das was man dann Liebe nennt.
Aber bei ihr ist es tatsächlich so, daß ich völlig hin und hergerissen bin zwischen drei Dingen:
Ich habe begriffen, daß sie es nie verstehen kann und nie verstehen wird, was sie für ein Verbrechen begeht.
Sie ist Täterin und ich habe auch noch Mitleid, daß sie es selbst nicht begreift und die daraus resultierenden Konsequenzen nicht begreifen wird NIE!
Ich weiß nicht, warum ihr Schmerz mich erreicht, wenn sie doch meinen noch nie spüren konnte.
Ich weiß nicht, wie ich das abstellen soll, daß sie für mich ein Mensch ist, der eine Bedeutung hat - der mich anrührt in seiner ganzen Schwäche und
dann wieder der beinahe Hass, den ich spüre, wenn sie ihre hässliche Seite zeigt. Unvorhersehbar wie ein Monster.
Gleichgültigkeit fühlt sich bei mir an, als ob ich etwas amputieren müßte.
Bei XY war es (ist es zT heute noch) das selbe.
Ich schaffe es nicht gleichgültig zu sein.
In Ansätzen ja. Aber immer wieder ist so etwas wie ein riesiges Verzeihen, Verstehen und Erbarmen in mir.
Ich bin darauf nicht stolz oder so. Versteh mich nicht falsch. Es ist ja wie Du sagst, somit vorprogrammiert, daß ich mich immer wieder den Gefräßigen ausliefere.
Vielleicht ist es ein Überbleibsel meiner Überlebens-Strategie, die ich zuhause entwickeln mußte.
Das Schlimme waren ja nicht die Schläge. Sondern, die Einforderung, daß ich ihr teuerstes ihr heiß geliebtes Kind sein mußte und das obwohl sie mich am Abdend zuvor grün und blau geschlagen hatte.
Wahrscheinlich habe ich dann irgendwann gelernt schnell zu verzeihen, damit ich dieses perfide Spiel annähernd glaubhaft mitspielen konnte. Bei Wiedersetzen/Versagen gabs ja wieder Strafe.
Daß ich sie irgendwie auch brauch(t)e spielt sicher auch noch mit rein. Es ist ja nicht alles nur selbstlos, was man Liebe nennt. Ich suche doch immer noch so ein bißchen Halt. So einen Halt für alle Fälle. So einen Platz wo man hin kann, wenn alles den Bach runter geht. Sie war zumindest so was wie eine Krücke, die ich für mich in der Hinterhand behalten wollte. Von daher ist es gut, daß ich sie jetzt amputiert hab. Ich kann eigentlich ganz gut ohne Krücke gehen. Gestern war aber das Stimmchen im Hinterkopf schon sehr deutlich: Arme Sau, hast keine Familie, keinen Rückzugsort, außer Dich selbst ganz allein.
Du siehst, es ist vielschichtig.
Wie liebesfähig ich und wie beziehungsfähig ich bin, das würde ich auf einer Skala von 0 - 10 eher bei 3 einstufen.
Ich kann jemand lassen wie er ist.
Ich kann jemand lieb haben, unabhängig davon, ob er für mich da ist oder nicht
Ich kann mitfühlen und muß nicht immer was davon haben, daß ich für jemand da bin
Ich kann verzeihen und mich selbst lieben
Ich kann mich auch dann lieben, wenn es keiner sonst tut. Aber wenn es ein andere auch tut, fällt es mir leichter. Ist aber wohl auch menschlich oder?
Was ich nicht mit Liebe bezeichnen würde, ist die Tatsache, daß ich an jemand hängen kann. Das ist Abhängigkeit. Das ist Selbsterniedrigung. Das will ich nicht mehr. Und doch ist ein gewisses Quäntchen davon immer da, wenn ich mich auf jemanden einlasse.
Auf meine Mutter habe ich mich eingelassen, zwangsläufig. Wie abhängig ich von ihr bin, ist mir ja jetzt klar geworden und es hat mich erschreckt. Und erniedrigt.
Ich find es klasse, daß Du Deine Position so klar gefunden hast. Würde ich auch gern. Aber so, daß es nicht bedeutet mich selbst dabei zu verbiegen. Ich denke, es könnten kleine Schritte sein. Und ein Reinwachsen in die Unabhängigkeit. Gleichgültigkeit. Immer wieder denke ich darüber nach. Ich denke es bräuchte Gleichgültigkeit. Aber genau das bin ich nicht.. das kenne ich nicht... geht das, ohne innerlich ein Stück weit abzusterben?
Hass will ich nicht. Kostet Kraft und Energie. Sie ist Täter.
Sie ist krank. Ganz einfach. Aber wo hin mit ihr? Auf die Anklagebank? Wem hilft es? Ich habe von Müll geträumt.
Entsorgen, was krank macht, was faul ist.... aber ich nehme sie wahr als Menschen. Mehr als die anderen Täter. Wir sollten auf Seiten der Kinder stehen - unabhängig ob der Täter die eigene Mutter ist oder eine fremde. Da hast Du recht.
Liebe Grüße zurück