Beiträge von Katharsis

    Moin Manu,

    habe gerade schmunzeln müssen, als ich Deinen letzten Kommentar gelesen habe: Er klingt so fröhlich und das hat mich gefreut. Du kannst ja auch total stolz sein auf eine ganze Woche Abstinenz. Ich erinnere mich gut, dass ich unzählige Versuche benötigt habe, um einmal sieben Tage ohne Alkohol zu überstehen.

    Das Schmunzeln ist mir dann vergangen, als ich las, was Du von Deinem Arbeitsalltag schreibst. Ich war früher in einer ähnlichen Situation, kurz bevor und kurz nachdem ich trocken werden konnte. Schuldgefühle wegen der Sauferei, die Angst, man könne mir den Restalkohol anmerken, die damit verbundene Unsicherheit dem Chef und den Kollegen gegenüber, Panik vor Fehlern, die mir eventuell unterlaufen würden, etc.

    Abgemagert, voll im Stress und nur am Rennen – auf Pausen habe ich natürlich auch verzichtet, ist mir mit klarem Kopf dann eines bewusst geworden:
    Wer sich rechtfertigt, klagt sich an.
    Essenspausen stehen mir zu und Niemand kann von mir erwarten, dass ich täglich 9-14 Stunden rumrockere, ohne eine Mahlzeit zu mir zu nehmen.
    Um aber nicht den Eindruck zu erwecken, ich würde ständig essen, habe ich mich von da ab streng an die Pausenzeiten gehalten und nicht weiterhin versucht, ein Brot zwischen die Zähne zu klemmen, damit ich weiter arbeiten konnte und die Hände frei hatte.
    Pausen habe ich nur noch verschoben, wenn alle Hecken brannten. Für die Einhaltung festgesetzter Pausenzeiten muss sich Niemand rechtfertigen oder erklären.

    Heute spielen diese Kinkerlitzchen in meinen Jobs überhaupt keine Rolle mehr und ich mache dann Pausen, wenn es nötig ist und weil es nötig ist. Fehlentscheidungen kann ich heute in zwei kurzen Sätzen zugeben und erläutern. Für Endlos-Rechtfertigungen hat doch kein Mensch Zeit. Je mehr sich ein Mensch rechtfertigt, erklärt und vielleicht noch die Gründe für sein eigenes Fehlverhalten bei Anderen sucht, desto unglaubwürdiger macht er sich.

    Wir alle machen Fehler. Das ist menschlich. Da hat man schon verloren, sobald man sich bewegt ;-). Ein nasser Alkoholiker ist sich seiner eigenen Fehler jedoch nicht ständig bewusst.
    Er wird im Dunklen in sein Auto einsteigen (mit Restalkohol oder auch psychisch total verwaggelt), sich anschnallen, den Blinker setzen, die vorgeschriebene Geschwindigkeit mit höchster Konzentration einhalten… aber dann vergessen, das Licht einzuschalten.
    So wie ich gewissenhaft und gründlich Prozessakten kopiert habe, nur um dann festzustellen, dass ich einen Berg von unbedrucktem Papier produziert hatte: Plöt, wenn man statt des Vorgangs die leeren Rückseiten kopiert… ;-).

    Nur Du selbst kannst einschätzen, ob Deine negative Erwartungshaltung gerechtfertigt ist, weil Du zu viele Fehler machst und den Anforderungen Deiner Arbeit nicht gewachsen bist, oder ob es sich vielleicht „einfach nur“ um eine Grundangst, Unsicherheit und das permanent schlechte Gewissen wegen Deiner bisherigen Sauferei handelt.
    Manchmal löst sich auch das (vermeintliche) Getuschel der Kollegen auf, manchmal müssen wir mit Beginn unserer Abstinenz an einem neuen Ort von vorn anfangen, weil um uns herum zuviel verbrannte Erde ist. Es freut mich auch total, dass Du die Flasche Whiskey nicht kaufen musstest. Ein klarer Kopf ist wichtiger als alles andere.

    Viele Grüße und ein entspanntes Wochenende
    Katha

    Guten Morgen Soni,

    Matthias und Sunshine haben Dir bereits geantwortet und ich sehe es genauso.

    Die Frage „Warum gerade Er“ kann Dir Niemand beantworten, weder Ärzte noch die Alkoholiker selbst. Bei vergleichbarem Alkoholkonsum wird ein Mensch süchtig, ein anderer aber nicht.
    Was wir aber teilen, als Betroffene, Co-Abhängige oder Angehörige, ist das Gefühl der Ohnmacht gegenüber dem Alkohol. Alkoholismus ist eine Krankheit, die nicht heilbar ist!
    Sie ist jedoch zu stoppen, allerdings nur, indem der Alkoholiker den Konsum komplett einstellt. Dies kann kein noch so fürsorglicher und besorgter Mensch dem Alkoholiker abnehmen.

    Du kannst ihn täglich nerven und kontrollieren, dann wird er vielleicht seinen Alkoholkonsum noch erhöhen, weil der Druck größer wird und er sich bedrängt fühlt.
    Du kannst schweigend abwarten, alles ertragen, Dich total verbiegen, Dein eigenes Leben und Deine Bedürfnisse komplett in die Tonne treten und dabei leiden wie ein Tier (die Magenschmerzen sind erst der Anfang…) und er wird eventuell ebenfalls mehr trinken, weil er nun das Gefühl hat, dass Du sein Verhalten tolerierst.
    Das kann Niemand voraussehen.
    Wenn er Alkoholabhängig ist, wird er in jedem Fall zukünftig mehr/oder häufiger trinken müssen, denn das ist der Krankheitsverlauf. Das kann Dir, denke ich, jeder Alkoholiker bestätigen.
    Nur eins ist völlig klar: Du hast absolut keine Verantwortung für seinen Alkoholkonsum und es gibt keine schöne Zukunft mit einem nassen Alkoholiker!

    Natürlich kannst Du weiterhin hoffen. Lass ihn mit Flyern herumwedeln und Pläne machen, aber vergiss alles, was er tut oder sagt vor dem Wort „aber“: „Ich wollte in der Suchtberatung anrufen, aber ich hatte keine Zeit / aber ich habe Niemanden erreicht / aber ich war noch nicht soweit / aber vielleicht kann ich es auch allein schaffen / aber ich habe den Konsum ja bereits eingeschränkt / aber diese Woche steigt eine Party, die ich noch mitnehmen wollte…“ etc.

    Sieh Dir einfach nur an, was er tatsächlich unternimmt und sorge vor allem gut für Dich selbst. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, aber es sind bereits zu viele Menschen zugrunde gegangen beim Jahrelangen Hoffen darauf, dass sich der/die Süchtige auf den Weg macht.

    Viele Grüße und alles Gute
    Katha

    Hallo Joschi,

    Du hast da ein Thema aufgegriffen, das wohl sehr viele Alkoholiker beschäftigt, zumindest zu Beginn des abstinenten Lebens.
    Als ich mich damals auf den Weg gemacht habe, habe ich wohl wirklich allen Menschen in meinem Dunstkreis aufs Auge gebunden, dass ich Alkoholikerin bin – ausgenommen meinem Arbeitgeber – weil ich so eifrig bemüht war, alle möglichen Sicherungen einzubauen, einen offenen Umgang mit der Krankheit zu leben und all das konsequent umzusetzen, was mir Langzeittrockene geraten hatten.

    Heute sehe ich es differenzierter und ähnlich wie Du. Meine Familie weiß natürlich Bescheid und ich erwähne meine Alkoholabhängigkeit auch heute noch stets gegenüber den Menschen, die mir nahe sind. Arbeitgebern werde ich diese Tatsache auch weiterhin nicht mitteilen. Wozu sollte ich mich dem Rest der Menschheit „erklären“?

    Zu Deinem Post: Diese „bekannte Person“, die einen solchen Vertrauensbruch begeht und einen Alkoholiker „outet“ – vielleicht sogar öffentlich - würde ich zunächst mal achtkantig aus meinem Leben dotzen. Der betroffene Langzeittrockene hat noch gar nicht verstanden, dass wir überhaupt keine Verpflichtung haben, anderen Menschen etwas zu „erklären“.
    Seltsamerweise glauben genau dies aber viele Suchtkranke, auch wenn sie abstinent, clean, etc. werden konnten. Sie fühlen sich schlecht und schuldig, vielleicht auch schwach und minderwertig.

    Da ihn dieser Vorfall aber so aus der Bahn schmeißen konnte, war es offensichtlich der falsche Weg, aus seiner Alkoholsucht ein solches Geheimnis zu machen, als hätte man eine Leiche im Keller. Wissen die Familie und die engsten Freunde aber darüber Bescheid, ignoriert man seine eigene Krankheit nicht, der Druck wird weniger und zusätzlich ist es eine Art Sicherung, denn von diesen Menschen kann man erwarten, dass sie uns weder Alkohol anbieten noch uns zum Mittrinken animieren wollen. Falls nicht, fliegen sie gleich besagter „bekannten Person“ hinterher.

    Ich habe noch nie erlebt, dass Jemand gefragt wurde, warum er z.B. nicht raucht.
    Sollte mich also tatsächlich Jemand mal (in der Öffentlichkeit) fragen, warum ich nicht trinke (die Frage an sich ist heutzutage in meinem Augen schon so hirnrissig, dass nur ich als Alkoholikerin auf die Idee kommen kann, ich müsste sie beantworten, mich rechtfertigen oder gar Erklärungen abliefern ;-)), würde ich heute nur noch freundlich lächelnd antworten: „Weil ich nicht will!“
    Ich kann ja schlecht erwidern: „Weil ich nicht darf“, denn niemand verbietet mir, Alkohol zu trinken. Ich bin wohl rigoroser geworden in dieser Beziehung, aber auch das hat seine Zeit gedauert.
    Aus einer Situation herauszugehen, die uns zu sehr belastet, halte ich auch für legitim und nicht für Feigheit. Ich benötige meine Energien und meine Kraft, um andere Dinge zu erledigen oder auszuhalten und verbrate sie nicht bei sinnlosen verbalen Scharmützeln, die mir überhaupt nicht weiterhelfen, mit Leuten, die mich niemals verstehen könnten, es sei denn, sie sind selbst Betroffene.

    Dir einen schönen Sonntag.

    Viele Grüße
    Katha

    Hallo Correns :)

    Du hast mich heute schon zum freudigen Schmunzeln gebracht,
    als ich sah, dass Du eine Sonderschicht eingelegt hast :-).
    Ich genieße Deine Art der Formulierung total und im
    Zusammenhang mit dem wertvollen Inhalt Deiner Kommentare
    denke ich stets: „Ein feiner Mensch“ (also feinsinnig, was ich sonst
    nur sehr selten über Menschen denke).

    Seltsam ist es, dass ich – die ich auf (ausgeprägten) Egoismus
    ja nicht besonders gut kann – Dich nie als egoistisch empfunden
    habe, obwohl Du dich selbst öfter so siehst.
    So wie Du Nutznießer von Samara´s Thread bist, bin ich Nutznießerin
    Deiner Gedanken.

    Wenn Du es zur Meisterschaft gebracht hat in der Disziplin „sich
    selbst im Weg zu stehen“, müsste es Dir andererseits ebenfalls
    gelingen, negative Glaubenssätze auch wieder aufzulösen. Es gibt
    im I-Net ein paar interessante Denkansätze dazu aus dem Business-Bereich,
    die jedoch im privaten Bereich ebenso Anwendung finden, wie z.B.:
    Wenn wir X tun, wird unweigerlich (negativ) Y eintreffen. Sagt uns
    oft unser Kopf, den ich nach wie vor für den gefährlichsten Ort der
    Welt halte.
    Als hätten wir alle eine Glaskugel und könnten übers Wasser
    laufen, meinen wir, das negative Ergebnis bereits im Voraus zu kennen.
    Nur um dann festzustellen, dass wir uns geirrt haben.
    Was macht diese Erkenntnis oft mit uns? Nichts!
    Beim nächsten Mal basteln wir uns dasselbe halbgare Gedanken-
    Konstrukt.

    Den Verein gründe ich gern. Die Zahl der Mitglieder würde sich aber
    wohl auf die halbe Weltbevölkerung belaufen ;) wegen der - vielen
    Menschen eigenen - negativen Erwartungshaltung und damit das
    Fassungsvermögen des Bürgerhauses meines Dörfchens sprengen :-).
    Das bedeutet, dass wir die Gründung des Vereins auf den Sommer
    verlegen müssen und es ein Sit-in auf den Wiesen hier werden wird :-).

    Vermutlich bin ich als Vereinsgründerin aber nicht wirklich geeignet,
    denn ich neige ja auch heute noch manchmal zu lächerlichen Trotz-
    reaktionen: Wenn´s richtig dicke kommt, setze ich entschlossen noch
    einen oben drauf. Das sind die seltenen Momente des Schwarz-Weiß-
    Denkens bei mir, die ich dann wohl benötige, um glasklare Fronten
    zu schaffen und mir die aktuelle Situation bewusst zu machen.
    Dass ich mir mit dieser Methode stets nur ins eigene Knie schieße,
    muss ich wohl nicht extra betonen ;-).

    Dir wünsche ich einen weiterhin entspannten und redlich verdienten
    Freitag und warte inzwischen Deinen nächsten Bericht darüber ab,
    ob Du in Sachen Lampenfieber noch fündig geworden bist ;-).

    Herzliche Grüße
    Katha

    Hallo Tian,

    nun wackele ich ja nur durchs Dörflein, um mir Brot und Brötchen oder eine Zeitung zu kaufen oder eben Kippen. Letzteres lasse ich mir nie von Anderen mitbringen, denn wenn ich schon rauchen muss, dann muss ich eben dafür auch selbst los schleichen. Eingebaute Schikanen müssen da sein ;-).
    Meine „Leckereien“ sind keine Süßigkeiten oder Kuchen und damit auch viel schwerer zu schleppen, aber die Quarkbällchen haben mich so freundlich angelächelt und ich wollte nicht unhöflich sein ;-).

    Ich könnte steinalt werden und würde immer noch auf die Barrikaden gehen, wenn ich Ungerechtigkeiten begegne, und da ist es wurscht, ob ich trinke oder nicht, denn es gehört einfach zu mir. Es gibt Dinge, die werden wir an (und in) uns selbst nicht ändern können und mittlerweile kann ich es akzeptieren. Abstinent habe ich allerdings in vielen Situationen die Ruhe und Geduld, eine Nacht darüber zu schlafen, mir zu überlegen, ob es an mir ist, etwas zu ändern (ich muss ja nicht überall mitmischeln) oder ob ich überhaupt die Möglichkeit habe, etwas zu ändern und wie ich das dann am besten erreichen kann.
    In Akutsituationen stürme ich allerdings nach wie vor los, da konnte mich auch das Mieder nicht aufhalten.

    Ob das nun gut ist oder schlecht, kann ich nicht beurteilen, Fakt ist jedoch, dass meine Kinder mich übereinstimmend für die Gerechtigkeit in Person halten. Ich kann kaum sagen, wie sehr mich das immer beruhigt hat und ich bin dankbar dafür, dass ich ihnen dieses Gefühl vermitteln konnte, auch wenn ich getrunken habe.
    Meine Kinder haben mir quasi Absolution erteilt, als ich aufhören konnte, zu trinken. Sie sagten beide: „Kümmere Dich jetzt nicht um verschüttete Milch, sondern guck nach vorn und tu endlich mal etwas für Dich selbst“. Das gelingt überwiegend, jedoch nicht immer, denn manchmal holt mich die Erinnerung ein. Dann denke ich, dass ich noch viel mehr hätte geben müssen, sollen, können und werde traurig wegen der verlorenen Zeit und der verpassten Gelegenheiten.

    Es macht für mich trotz allem keinen Sinn, nun den Rest des Lebens unter dem Teppich zu laufen und sich zu krümmen wegen einer Vergangenheit, die wir nicht ändern können.
    Es muss einen Punkt geben, an dem wir nach vorn gucken können, denn der Weg in ein abstinentes Leben erfordert eine Menge Kraft. „Nur“ nicht mehr zu trinken hat mir persönlich auch nicht gereicht, aber zurück zu blicken macht für mich nur Sinn, um sich bewusst zu machen, wie dreckig es uns ging, als wir noch getrunken haben oder auch um bestimmte Muster und Verhaltensweisen zu erkennen, damit wir sie eben ändern können, falls sie uns auf unserem Weg noch behindern.

    Dieses „Füttern“ der verschiedenen Seiten in Dir, von dem Du schreibst, erinnert mich an die Geschichte von dem Indianer, der seinem Sohn von dem Kampf zwischen zwei Wölfen erzählt - dem guten und dem bösen – der im Innern eines jeden Menschen tobt. Der Sohn fragt daraufhin, welcher der beiden Wölfe gewinnen würde, woraufhin der Vater sagt: „Der, den Du fütterst.“
    Das kann man jetzt als esoterischen Quark abtun oder mal darüber nachdenken ;-). Für mich ist es jedenfalls stimmig. Es bringt mich z.B. zum Loslassen, eine der schwierigsten Übungen überhaupt. Werde ich dauerhaft verletzt, beleidigt, respektlos behandelt, vorgeführt, belogen, benutzt oder ausgenutzt, entwickeln sich bei mir natürlich negative Gefühle. Entziehe ich mich dieser Situation nicht, halte ich diese negativen Gefühle am Leben. Selbstachtung, Selbstwertgefühl, der Respekt für die eigene Person gehen u.U. komplett flöten und machen Hass, Abneigung, Verzweiflung, Ohnmacht, Bedürftigkeit, falscher Hoffnung, Verbitterung, Enttäuschung etc. Platz. Das ist etwas, was auch auf andere Menschen ausstrahlt und wir müssen uns nicht wundern, wenn sie uns dann eher aus dem Weg gehen, bis wir dieses Gift aus uns herausschaffen konnten.

    Selbstliebe. Ich glaube fast, die muss ich richtiggehend lernen. Netter zu mir sein, mich nicht so durchzuprügeln durch Situationen. Nicht aushalten wollen, wenn´s gar nicht nötig ist.
    Mir bewusst machen, dass ich niemandem etwas wegnehme, wenn ich mich auch ganz allein an einem Sternenhimmel freue. Ich aste mir oft noch einen ab, während Andere selbstverständlich irgendwelche Hilfe annehmen. Bloß niemandem zur Last fallen, alle schonen wollen. Es gibt noch viel zu tun und aussitzen ist da keine Option :-).

    Es geht irgendwie immer weiter, auch wenn die Probleme sich manchmal Himmelhoch auftürmen. Wenn ich so richtig tief am Boden war, mich aber wieder aufrappeln konnte, habe ich mich jedes Mal hinterher gefragt, was zur Hölle ich dort unten eigentlich zu suchen hatte?!
    Kaleu´s Beispiele von dem Plumpsklo und dem Karussell halte ich da für überaus anschaulich und hilfreich :-), obwohl einer meiner damaligen Freunde immer grübelte: „Wenn mir die Shice nicht bis zum Hals steht, wird mir wohl irgendwie kalt“. Er ist nicht besonders alt geworden.

    Ich lese bei Dir ja auch immer mit und freue mich, dass Du auf einem so guten Weg bist.
    Schmunzeln musste ich aber doch, als Du den Alkohol als „eiskalten Sadistenfreund“ personalisiert hast. Mein Humor ist zugegebenermaßen etwas strange und so hatte ich sofort das Bild im Kopf, wie ein riesiger Flachmann an meine Tür klopft und sich heftig und auch im Namen all seinen kleinen Brüder darüber ausheult und mir bittere Vorwürfe macht, dass ich ihn Jahrelang nur benutzt habe ;-).

    Sei auch Du bitte nicht allzu streng mit Dir selbst.

    Herzliche Grüße
    Katha

    Guten Morgen Andreas,

    Du beschämst mich, obwohl ich mich natürlich auch über Deinen Kommentar sehr gefreut habe. Andere würden sagen: „Die Olle hat wohl nix Besseres zu tun als hier herumzuschwafeln!“ *g.
    Viel verblüffender ;) sind allerdings meine Träume, in denen ich im Detail volle Kanne erst letzte Nacht wieder einen vor den Latz geknallt bekam.
    Ich träume ja bunt und mit Geruch und habe bedauerlicherweise genügend Wachphasen, um mich konkret an jede Einzelheit, an jeden Satz und die damit verbundenen Gefühle zu erinnern. So brauche ich weder eine Glaskugel noch einen Therapeuten, sondern muss nur ernst nehmen, was mein Unterbewusstsein mir flüstert.

    Ich habe im Laufe der Zeit einfach festgestellt, dass die eine Hälfte der Menschheit immer oberflächlicher und egozentrischer und damit auch auf eine Art härter wird, während die Anderen vermehrt unter Einsamkeit und Störungen oder Süchten in jeglicher Form leiden.
    Der Gedanke, nicht (mehr) in diese Welt zu passen, Gleichgesinnte/Freunde zu finden, die Angst, bei vielem nicht mithalten zu können, der zunehmende Stress in dieser Zeit, lässt sie ein Mittel finden, um sich bei ihrem Rückzug zu trösten.

    Neulich las ich zu dem Thema Selbsthilfebücher (die in diesen Zeiten übrigens reißenden Absatz finden): „Wenn Sie Angst vor großen Hunden haben, gehen Sie ihnen doch einfach aus dem Weg!“ Da habe ich ordentlich lachen müssen :-).
    Natürlich ist es nicht ratsam, nun allen Dingen aus dem Weg zu gehen, denn leben bedeutet ja auch zu lernen, aber vielleicht hilft es, wenn man sich bewusst macht, dass derselbe Mann, der gerade mit seinem Moped von der Schanze aus durch brennende Reifen fliegt, über 30 Autos hinwegsetzt und währenddessen seine Memoiren schreibt, in Ohnmacht fällt, wenn er zum Blutabnehmen antreten soll.
    Jeder von uns hat Stärken und Schwächen und die lassen sich nun mal nicht in Schablonen pressen. Wir sollten uns bloß nicht von Bildern und eigenen (falschen) Vorstellungen ins Abseits drücken lassen.

    Ich denke auch, dass Du aus dem üblichen Rahmen fällst, schon immer gefallen bist. Glücklicherweise bist Du jetzt schon groß :) und vor allem abstinent und kannst es akzeptieren. Und Andere akzeptieren, die anders sind als Du, was genauso wichtig für mich ist. Ob es bei Dir eher eine Selbsterhöhung und Abgrenzung vom Normalbürger darstellen sollte, kannst nur Du selbst beurteilen. Vielleicht wolltest Du nur ein Ausrufezeichen hinter Dein „Anders sein“ setzen, Dir selbst bewusst machen, dass Du das Recht hast, anders zu sein.

    Fakt ist, dass ich ein liebes, nettes, höfliches, freundliches, friedliches, aufmerksames und hilfsbereites Mädchen war, das nie rumgezickt hat oder auffällig wurde. Das lag wohl zum größten Teil daran, dass ich mich mit 10 Jahren in die Welt der Bücher gerettet habe und die Schotten so gründlich dichtgemacht habe, dass mich niemand mehr erreichen konnte. Als wir bei Windstärke 10 auf einem kleinen Kutter nach Helgoland übersetzten und mein Vater als normaler Passagier das Steuer übernehmen musste, weil der Kapitän sturzbetrunken war, hat sich Jeder an Bord wegen des Sturms die Seele aus dem Leib gekotzt. Ich saß friedlich unter Deck und las und bekam von der ganzen Chose wieder mal nix mit, hatte mich komplett weggebeamt mit meinem Buch.

    Mit 16 Jahren stellte ich dann fest, dass ich anders war als Andere. Was für eine Überraschung :D. Ich hatte übrigens auch vorher bereits die ganze Zeit das Gefühl, dass ich nicht mal in meine eigene Familie passte. Meine Mutter hatte offensichtlich dasselbe Gefühl und es verstärkte sich im Laufe der Jahre. Eine „Erhöhung“ oder bewusste Abgrenzung war es bei mir also nicht, denn ich habe sehr darunter gelitten.

    Mit der mir (manchmal) eigenen Gründlichkeit ging ich dann aber brachial ans Werk, um mich umzuprogrammieren. Am meisten behinderte mich (und meine Geschwister natürlich ebenfalls) die anerzogene Einstellung zum eigenen Körper. Körper waren komplett tabu und alles, was damit zusammenhing außer essen, trinken und schlafen war bäh bäh.
    Waschen war erlaubt, allerdings nur mit Hilfsmitteln wie Waschlappen.
    Der Sport, vor allem meine Mitgliedschaft in zwei Schwimmvereinen (von meinem ahnungslosen Vater gefördert), wurde zu einem echten Eiertanz und ich war vorwiegend damit beschäftigt, einen einsamen Platz zum Umziehen zu finden, um den Vorgaben gerecht zu werden. Mein Vater war zu selten da, um diesem Schwachfug Einhalt zu gebieten.

    Ich trainierte also das Ausziehen. Ich schwänzte die Schule, schilderte Schulfreundinnen kurz und knapp mein Problem und lud mich bei ihnen und mit ihnen zusammen zum Baden ein, da ihre Mütter arbeiten gingen. Ich weiß noch, dass ich Kakao und Tee in die Wanne kippte und wir nach Apfelringen und Weintrauben tauchten, damit es nicht langweilig wurde, während ich mich an das Gefühl gewöhnte, vor Anderen keine Klamotten anzuhaben.

    Als ich das absolviert hatte, suchte ich Kneipen in der Umgebung auf und lud wildfremde Jungs zum Baden ein, denn die fehlten mir noch in meinem Programm.
    Es ging mir einzig und allein darum, mein Ziel zu erreichen und es war – obwohl es seltsam erscheinen mag – nie auch nur die kleinste Anzüglichkeit dabei. Es ging rein um Technik und ich bin heute noch froh, dass sie mich unterstützt haben (ich muss grad schmunzeln, denn vielleicht war das „Opfer“ dann doch nicht soooo groß :D).
    Danach war ich frei in der einfachsten und grundlegendsten Bedeutung des Wortes und fühlte mich wesentlich gesünder. Manchmal ist es halt ein langer Weg…

    Mich muss niemand fragen, ob ich anders bin, denn mir ist total bewusst, dass weder meine Erziehung noch mein geschildertes „Nothilfeprogramm“ der Norm entspricht.
    Ich war nur so verzweifelt, dass ich gezwungen war, unorthodoxe Wege zu beschreiten und so sage ich für mich aus eigener Erfahrung: „Ich bin so wie ich bin, aber ich muss ja nicht so bleiben!“
    Krass wurde es dann erst später, als ich lange Zeit völlig genervt war, weil mich jeder fragte, ob ich mein Haar gefärbt hätte (rot war damals grad „in“). Ich schnitt es ab und färbte es grün. Danach kamen keine Fragen mehr. So neige ich vielleicht zu Extremen, aber der Alkohol kam erst viel später. Er hat es mir aber erleichtert, diese Extreme auch zu leben.

    Im Gegensatz zu Dir werde ich mich wohl auch noch länger äußeren Zwängen beugen müssen, aber sie werden nur außen an mir herumperlen wie Wassertropfen auf einem Entenrücken. Privat allerdings und in meiner Freizeit bestehe ich nach wie vor auf das Beste: Auf Menschen mit (liebenswerten) Schwächen, Ecken und Kanten, die dazu stehen können.

    Für mich ist es übrigens auch völlig verständlich, dass man sich im nassen Zustand Menschen annähert, mit denen man sonst keine zwei Minuten zusammensitzen würde.
    Der gemeinsame Nenner ist der Alkohol und welche Erleichterung ist es, wenn Andere durch Ihr Mittun den Exzessen eine Legitimation verschaffen. Wir müssen uns nicht entschuldigen, nicht erklären, denn in diesem Dunstkreis säuft ja schließlich jeder und niemand ist besser als der andere, es ist alles völlig „normal“. So wundert es mich nicht, dass Abhängige in Beziehungen den Partner oft drängen, doch mitzutrinken: „Wenn Du das tust, ist es ja nur halb so schlimm, wenn ich es auch tue…!“

    Besonders spannend finde ich es, wenn der eigene Partner auch nach Jahren meine Gedanken nicht nachvollziehen kann. Früher – stets auf der Suche nach der verlorenen Einheit – hat mich das Unverständnis, die Differenzen in der Denkweise, bedrückt und belastet.
    Heute würde ich mich fragen, wie viele Überraschungen mir der Andere wohl noch bereiten wird, mir neue Ein-Sichten vermittelt, um mich zu bereichern.
    Das wird sich – vermute ich mal – erst ändern, wenn ich feststellen sollte, dass man die gleichen Trainingsanzüge oder Regenjacken trägt, die gleichen Fahrräder hat, sich schweigend durch einen 14-tägigen Urlaub schleppt, beim Essen nebeneinander sitzt und sich im Alter plötzlich immer ähnlicher sieht :-). Soviel also zu meinen eigenen Vorurteilen ;-).

    Vielleicht finde ich dann ja auch noch den Knopf bei Dir, der, wenn ich ihn drücke, alles heraussprudelt, was in Dir drin ist bezüglich Deiner Vorbehalte gegenüber Therapien und realen SHG´s ;-). Es passt irgendwie nicht ganz zu dem Bild, das ich über eine lange Zeit von Dir gewonnen habe, etwas gefühlsmäßig abzulehnen, was Du selbst noch nie mitgemacht hast.
    Ich finde es schön, dass DU hier bist, denn kaum Jemand hat hier in so kurzer Zeit eine solche Zufriedenheit und Ausgeglichenheit für sich schaffen können in seinem abstinenten Leben.
    Da bist Du ganz weit vorn, auch wenn das Leben manchmal zickt, und Du machst damit ganz sicher vielen Menschen auch Hoffnung. Man muss abstinent halt nicht als Tränentier in einer dusteren Ecke vor sich hinschimmeln, es geht auch anders.

    Schon wieder ein halber Roman *soifz. Viel Persönliches. Ich hatte eigentlich nicht die Absicht, hier so ausführlich zu werden. Eigentlich. Mein Lieblingswort. Pilze wachsen neuerdings in dem Topf mit den Ringelblumen. Sieht irgendwie dekorativ aus. Am besten gedeiht allerdings das Unkraut in dem Topf daneben. Ich hielt es für eine Pflanze und habe es liebevoll gepflegt. Da hat man über mich gelacht. Ich kann das aushalten ;-). Eine Nachbarin kam extra gestern Abend zu mir und fragte, wie es mir geht und ob ich Hilfe brauche. Das hat mich umgehauen, fand ich total süß von ihr. Sie hat mir versprochen, Morgen mit mir zum Einkaufen zu fahren. Obst und Gemüse ist höllisch schwer zu schleppen. Ein anderer Mensch hat mir auch etwas versprochen, nämlich dass er mir den Mors versohlt, wenn ich versuchen sollte, die Fenster zu putzen. Hm. Gut, dass ich alt genug bin, um zu wissen, was gesund ist für mich. Ich mach´ mich also wieder lang und lass die Fenster in Ruhe. Besser is… ;)

    Herzliche Grüße und Dir ein möglichst entspanntes Bergfest.
    Katha

    PS: Spanngurte…DAS will ich sehen :D

    Guten Morgen Eni,

    wenn ich Deine Erzählungen aus der Therapieeinrichtung las, dachte ich stets: Wärst Du eine meiner Freundinnen, würde ich Dich erst einmal dolle drücken wegen der Schmerzen in Deinem Knie. Wenn man sich gern bewegt und viel draußen herumtobt, ist eine Einschränkung hier nur schlecht zu ertragen.
    Und dann hätte ich Dich vorsichtig auf den Kopf gestellt und geschüttelt, damit einiges heraus fällt und Du dich daran erinnern kannst, dass ein schmerzendes Knie auch zu Hause rumzicken würde und die Rüsselseuche immer eine nervige Angelegenheit ist, egal wo man sich befindet.
    Am Wochenende hätte ich Dich durch die Botanik geschleppt und Dich notfalls irgendwo herumgerudert, damit Du dein Knie nicht belastest. Es hat mich traurig gemacht, dass Niemand da war, um Dich aufzufangen oder Dir einfach nur zuzuhören.
    In puncto Affairchen hätte ich Dich bestärkt: „Ich will Dein fester Boden sein, obwohl ich selber schwanke“ funktioniert selten bis nie und hält nur ab und auf.

    Hätten ham wa nich und so ist es vielleicht müßig, Dir dies zu schreiben. Ich habe aber die Hoffnung, dass es Dir bewusst machen kann, dass draußen in der Welt noch andere Menschen herumturnen, die ein wenig anders sind als die in Deiner Umgebung. Man benötigt nur etwas Geduld, um sie zu finden.

    Ich frage mich die ganze Zeit, wo Du da gelandet bist. Ich habe selbst nie eine Kombi- oder Langzeittherapie gemacht, aber viele Menschen gesprochen, denen sie enorm geholfen hat, so wie Frank es bereits erwähnt hat. Überall gab es spezielle Gruppen für depressive Menschen, Gruppengespräche und Einzeltherapie, auf den jeweiligen Klienten zugeschnitten. Vor allem die schwierige Zeit der Entwöhnung wurde den Klienten auf diese Weise erleichtert, die Programme zu durchbrechen.

    Neuzugänge gab es regelmäßig einmal in der Woche in der Kombitherapie (die 4-6 Wochen dauert) und bis zu zwei Mal in der Langzeittherapie. Wer rückfällig wurde, musste natürlich gehen, das ist ganz klar. Nur kann man sich dem ja nie entziehen, es sei denn, man lebt auf seiner eigenen Insel ohne I-Net, denn auch in einer Online-SHG kann jederzeit Jemand rückfällig werden.

    Ich habe oft gehört, dass Klienten in der LZT eher rückfällig wurden als in dieser Kombi-Therapie. Verstanden habe ich es erst, als man mir erklärt hat, dass die „Therapiekurzform“ in erster Linie von Menschen gewählt wird, die Familie und/oder eine Arbeit haben und schnellstmöglich zurückkehren möchten. Sie haben also ein kurzfristiges Ziel vor Augen.

    In der LZT sind eben auch Menschen zu finden, die bereits länger ohne feste Arbeit sind oder auch ohne Anhang und deshalb glauben, die Zeit wäre dann gut genutzt und sie könnten sich eine längere Abwesenheit leisten. Das trifft auch sicher für Viele zu.

    Da ich aber weiß, wie schwer es sein kann, als nasser Alki oder auf dem abstinenten Weg Struktur und sinnvolle Beschäftigung zu leben, sich selbst Freude zu bereiten, erahne ich dort bereits eine gewisse Hoffnungslosigkeit und Starre und die Frage nach dem Sinn eines abstinenten Lebens. Ich werde mich deshalb also gerade in dieser Zeit bemühen, vor allem auch das Positive zu sehen.

    Ich habe mich total gefreut, dass es Dir trotz Deiner schlimmen Verfassung gelungen ist, zu betonen, dass eine LZT für viele Menschen sehr hilfreich sein kann, bevor jetzt Jeder davor zurückscheut und diese Möglichkeit nicht nutzt.

    Depressionen sind ein so schwieriges Thema und ich hoffe, dass Du hier ganz schnell Hilfe erfährst. Depressionen und Alkoholismus treten ja immer häufiger in Kombination auf.
    Oft kann die Depression erst behandelt werden, wenn die Auswirkungen des Alkoholkonsums beseitigt sind, Andere werden depressiv vom Saufen.

    Ich wünsche Dir alle Kraft, damit Du deine Zuflucht im EZ wieder verlassen kannst und eventuell und hoffentlich doch noch etwas Positives und Hilfreiches erfahren wirst in der verbleibenden Zeit. Frank´s Tipp bezügl. der Nachsorge finde ich sehr wertvoll.

    Alles Gute und liebe Grüße
    Katha

    Ganz lieben Dank, Matthias (aka Sandmann) :)

    Ich habe nicht nur supergut geschlafen, sondern auch echt interessante Dinge geträumt :-).
    Der „typische Alkoholiker“, da sagst Du was.
    Es hat mir gefallen, dass Du geschrieben hast, was Du „zu wissen meintest“. Das trifft es verdammt gut und sicher ist es auch wichtig für die Menschen da draußen, die mit einer Jolle vor dem Monitor hocken und noch an den Illusionen über ihr eigenes Trinkverhalten basteln.

    Ich war selbst Co-Abhängig und das „fallen lassen“ war nicht als negative Kritik gemeint.
    Ob nun Jemand „in Liebe fallen lässt“ oder „einfach nur“ die Beine in die Hand nimmt und rennt, um seinen eigenen Mors in Sicherheit zu bringen, ist letztendlich für mich auch egal.
    Ich glaube nämlich nicht, dass ein Mensch verpflichtet sein könnte, sich für einen anderen komplett selbst aufzugeben.

    Die Kunst besteht für mich später darin, zu differenzieren zwischen Co-Abhängigkeit und ganz normaler (heute hab ich´s aber echt mit diesem Begriff :D) menschlicher Hilfeleistung.
    So frage ich mich immer wieder mal: Würde ich diesem Menschen in dieser Situation auch helfen, wenn er kein Suchtproblem hätte?

    Ich bekomme am WE Besuch von einem guten Freund. Eine Langzeittherapie hat er hinter sich gebracht und es danach versemmelt. So überlege ich gerade, wie wichtig es manchmal sein kann, offen zu bleiben und erst einmal anzunehmen, denn sortieren kann man später immer noch (frei nach Dieter Nuhr ;-)). Individualität macht zumindest mein Leben bunter, aber ich lege eine Notbremsung ein vor dem Gedanken, dass es Alkoholiker verschiedener Klassen gibt und man sich selbst aus der Sucht befreien kann, weil man anders ist als alle Anderen.

    Heute bin ich wieder im Schneckentempo aber Unfallfrei ins Dorf geeimert und habe jetzt Quarkbällchen vor der Nase stehen. Das riecht schon fast nach Glück :) oder doch zumindest mächtig nach guter Laune, weil die noch ins Mieder passen ;-).

    Dir wünsche ich ein schönes Wochenende.

    Liebe Grüße
    Katha

    Hallo Pellebär,

    ganz herzlichen Dank für Deine Antwort.
    Ich empfinde den Verlauf meiner zweifelhaften „Karriere“ ähnlich wie Du.
    Zwischendurch habe ich natürlich auch gestutzt – ich hätte auch total merkbefreit sein müssen, um nicht zu begreifen, dass der Flachmann morgens nun wirklich nicht mehr als normales Verhalten durchgehen konnte, aber trotz allem habe ich mir tatsächlich eingebildet, ich könne jederzeit wieder aufhören, es wäre nur eine Phase und was dergleichen krause Gedanken mehr waren.

    Was mich eventuell auch davon abgehalten hat, früher schon die Reißleine zu ziehen, war wohl die Tatsache, dass ich noch all meinen Pflichten nachkommen konnte (obwohl das Resultat zweifelsfrei nicht so ausfiel wie im nüchternen Zustand) und meine eigene Einstellung zum Alkohol: Ich betrachtete ihn wohl als eher harmlose Droge im Gegensatz zu allem Anderen, was man sich durch die Nase zieht, als Pille einklinkt oder durch die Venen jagt.
    Überall erhältlich war er auch stets zugegen, ob es Firmenfeste waren oder ein ganz normaler Besuch bei ganz „normalen“ Menschen. Es war Usus, Besuchern ein alkoholisches Getränk anzubieten und Jemand, der nicht mithalten mochte, wurde in allen Kreisen von Anderen bedrängt und als „Spaßbremse“ bezeichnet.
    Von Alkoholikern hatte ich meine ureigenste Vorstellung, für die ich mir heute noch an den Kopf fassen möchte. So kam ich quasi zur Welt, als ich das erste Mal eine reale Gruppe besuchte und mich ebenfalls ganz „normale“ Menschen empfingen.

    Deinen letzten Satz habe ICH genossen :-), klingt total schön.

    Viele Grüße und ein entspanntes Wochenende
    Katha

    Liebe Thalia,

    Du kannst Dir sicherlich vorstellen, wie gut mir Deine Worte getan haben und wie sehr ich mich über Deinen Besuch gefreut habe.

    Vor vielen Jahren hat mir Jemand mal den Unterschied erklärt zwischen Mitleid und Anteilnahme und so will ich auf keinen Fall, dass Andere mit mir mitleiden (reicht ja auch völlig, wenn mir das ständig noch trotz Erläuterung passiert ;-)). Was ich mir wünsche, ist eher Verständnis. Es ist nun mal grad so, wie es ist, und ich möchte sagen können, dass ich Telefonate unterbrechen muss, weil ich mich wieder in die Horizontale begeben muss oder meine Leute bitte, mich nicht anzurufen, sondern mich anrufen zu lassen, wenn ich fit bin, ohne dass ich mich unnötig absabbeln muss für eine weitere Erklärung. Das klappt ja auch nicht bei Allen *soifz*.

    Nachdem ich gelesen hatte, was Du mir geschrieben hast, habe ich überlegt, ob ich nicht doch immer schon ein bisschen seltsam war :-).
    Ich erinnerte mich z.B. wieder an die Geburten meiner Kinder. Ich habe für jedes jeweils 48 Stunden benötigt, bis meine Geschenke an die Welt fertig gestellt waren ;-).
    Beim zweiten Kind war ich jedenfalls mit meinem Köfferchen und mitten in den Wehen schon an der Tür. Der erstaunten Hebamme habe ich freundlich lächelnd erklärt, ich hätte jetzt wirklich keinen Bock mehr und würde wieder nach Hause fahren :D.
    Gegen ihre unbezwingbare Logik („Es ist noch kein Kind einfach drinnen geblieben“) gab es allerdings wenig Gegenargumente und so waggelte ich widerwillig zurück.

    Um mir die Sache zu erleichtern, schlug sie mir vor, ich könne doch nach Herzenslust schreien und weinen. Ich starrte sie daraufhin verblüfft an und fragte allen Ernstes, wozu das gut sein sollte. Irgendwie erschloss sich mir wohl der praktische Nutzen dabei nicht, denn an der Situation hätte es ja nicht das geringste geändert.
    Heute kann ich darüber nur lachen und den Kopf schütteln, aber Reste davon sind wohl immer noch vorhanden.

    Als ich allerdings nach Hause kam, dachte ich kurz an alles, was ich im Krankenhaus wieder bei Anderen gesehen und auch selbst erlebt hatte und mir stiegen die Tränen in die Augen.
    Mein Gegenüber sah sofort das Glitzern und sagte sachlich und etwas missbilligend: „Jetzt aber nicht in Selbstmitleid verfallen, das hilft ja nix!“
    Der Anflug war dann auch prompt vorbei. Also… wenn das „Auffangen“ war, dann habe ich die volle Packung bereits erhalten ;-).

    Das Buch. Meine Freunde haben mich Jahrelang gedrängt, doch endlich zu schreiben, doch ich hatte keine Lust auf Geschichten rein für die Kurzweil, davon gibt es genug.
    Erst, als ich mich selbst mit meiner Alkoholkrankheit beschäftigt habe und dazu einige Bücher und Biographien (Erfahrungsberichte) von Betroffenen las, die allesamt erschütternd deprimierend waren mit ausschließlich negativem Tenor, konnte ich mich endlich aufraffen.

    Ich habe es hier mal erwähnt – Andreas ging es offensichtlich ähnlich :-): Wenn die in diesen Büchern beschriebenen Erfahrungen die unausweichliche Konsequenz eines abstinenten Lebens darstellt, dann fang ich lieber das Saufen wieder an :D.
    Dann ist das nämlich das Leben in dem Moment vorbei, in dem wir abstinent werden können. Wir sind nicht mehr gesellschaftsfähig, passen in keine Gruppe hinein, finden nie wieder eine/n Partner/in oder einen Job, der Freude macht, oder auch Freunde oder Verständnis, laufen fortan depressiv unter dem Teppich und Spaß war gestern. Und natürlich krümmen wir uns ununterbrochen wegen unseres Verhaltens während der nassen Zeit, haben deshalb sämtliche Rechte verspielt und Achtung und Respekt gleich mit und können uns den Rest unseres Lebens mit Wiedergutmachung herumschlagen.
    Alkoholismus ist eine anerkannte Krankheit. Oder etwa doch nicht?

    Zufällig habe ich immer noch Spaß und vor allem Freude, auch wenn ich abstinent lebe. Zufällig empfinde ich es als völlig normal, dass ich manche Dinge mag und andere nicht. Und zufällig entspreche ich nicht unbedingt der Norm, habe aber herausfinden dürfen, dass irrsinnig viele Menschen für sich dasselbe empfinden, ohne jemals in irgendeiner Form abhängig gewesen zu sein und ohne psychische oder physische Schäden in der Kindheit oder später im Leben erlitten zu haben, etc.
    „Sei Du selbst, denn alle Anderen gibt es bereits“ – das gefällt mir und so möchte ich am liebsten Jedem sagen: „Hey, Du darfst!“ ;)
    Du musst nicht versuchen, so zu sein, wie Andere und auch wenn das Gros der Menschheit Dich vielleicht nicht versteht, es wird immer den ein oder anderen Menschen geben, der weiß, wovon Du sprichst… und natürlich massenweise Leute, die Dich für Deine Denke und Dein Verhalten verurteilen. Na und?! ;-). Ich möchte nicht zum Schluss in die Kiste hüpfen in dem Bewusstsein, dass ich in Wirklichkeit am Ende des Lebens anderer Menschen stehe, die mir vorgeschrieben haben, wie ich mein Dasein gestalten soll.

    Es gibt auch noch andere Aspekte: Ein abstinentes Leben bedeutet nicht, dass man von jetzt auf gleich ununterbrochen glücklich und euphorisch durch die Gegend hüpft und keinerlei Probleme mehr hat. Den Zahn kann man sich gleich mal ziehen lassen.
    Doch sich die Selbstachtung zurückzuerobern, die größtmögliche Unabhängigkeit, sich selbst wieder zu respektieren, der aufrechte Gang – das alles ist unbezahlbar.
    Mich muss man nicht unbedingt verstehen und/oder alles für gut befinden, was ich tue oder denke, aber man sollte meine Meinung und Haltung respektieren, weil ich ein Mensch bin. Und wieder klar im Kopf.
    Dies und vieles mehr möchte ich seit ewigen Zeiten sagen, wollte meinen Eltern aber immer ersparen, meinen Weg in der Rückschau verfolgen zu müssen.
    Es soll etwas werden, was eventuell Mut machen kann und Hoffnung. Ich nenne es jetzt noch „ein humoriges Pamphlet für Feiglinge und Vermeider“ ;-), aber nur im Stillen und bei mir, denn man muss schon eine ausgeprägte Fähigkeit haben, um über sich selbst, die eigenen Illusionen und Pläne, die ganzen grauen Theorien und eigenen Ein- und Ausfälle auch mal lachen zu können, mit denen man so im Laufe der Jahre gestolpert ist, denn sonst muss sich diese vorläufige Bezeichnung für Andere anfühlen wie eine Beleidigung und das soll es keinesfalls sein.

    Es geht mir nicht jeden Tag merklich besser, aber glücklicherweise habe ich mir bereits im Krankenhaus selbst eintrichtern können, dass ich mich damit werde abfinden müssen.
    Es gibt gute Tage und solche, an denen ich daran zweifle, dass sich mein Zustand jemals bessern wird, aber dadurch, dass ich mich mental im Voraus darauf einstellen konnte, kann ich es überwiegend besser akzeptieren.
    Der Gedanke an Alkohol kam zwischendurch tatsächlich auf. Ich bin trotz der Medis nie schmerzfrei und die Überlegung, mich komplett wegzubeamen, um tatsächlich wenigstens einmal nichts mehr zu spüren, schien für Sekundenbruchteile doch verlockend.
    Ich konnte allerdings den Gedanken, was es mit mir anstellen würde, wenn ich auf pfundweise Medikamente auch noch Alk kippen würde, nicht einmal wirklich zu Ende führen, da war er wegen der katastrophalen Folgen bereits wieder aus meinem Oberstübchen entfleucht.

    Im Moment beschäftigt mich allerdings ein ganz anderer Gedanke: Ich habe hier von Menschen gelesen, die Jahrelang unter Alkoholikern (oder doch eher ebenso wie diese?) gelitten haben als Co-Abhängige oder EKA´s. Dass Alkoholismus eine anerkannte Krankheit ist, müsste doch den Menschen, die sich gezwungenermaßen lange mit Alkoholkranken Familienangehörigen oder Partnern auseinandersetzen mussten (oder wollten), noch eher bewusst sein als allen anderen Menschen, die mit dieser Krankheit nie in Berührung gekommen sind.
    Trotzdem lese ich, dass einige der Ansicht sind, der Alkoholkranke hätte sich schließlich selbst für die Sucht „entschieden“ und müsse komplett fallengelassen werden.
    So versuche ich in den letzten Tagen so objektiv wie irgend möglich zu prüfen, ob ich mich jemals bewusst für die Sucht entschieden habe oder irgendwann an einem Punkt dazu überhaupt in der Lage war. Bislang war ich davon überzeugt, die plötzliche Erkenntnis, Alkoholabhängig zu sein, hätte mich mitten im Geschehen getroffen wie ein Blitzschlag, wohingegen die Entscheidung, ein abstinentes Leben führen zu wollen, eine ganz bewusste war und sein konnte, auch wenn ich unzählige Versuche dafür benötigte.

    Es interessiert mich sehr, wie andere Alkoholiker dies für sich sehen. Es geht mir nicht darum, auf der Opfer-Schiene zu reiten („Ich konnt ja nix dafür *hoil*“), sondern um die rein sachliche Überlegung.
    Mir kam nämlich gerade in den Sinn, dass meine Geschwister auch immer sehr viel getrunken haben, was für uns völlig normal war auf Feiern und wir anscheinend öfter Grund zum Feiern hatten als Andere ;-). Meiner Schwester fiel aber irgendwann selbst auf, dass der Kasten Bier, der am Wochenende besorgt wurde, „damit man mal was im Haus hat, wenn Gäste kommen“, am nächsten Samstag stets leer war, auch wenn gar keine Gäste zu Besuch gekommen waren. Es war ein Selbstläufer geworden und die Gewohnheit, mit ihrem Mann zusammen ein „Feierabend-Bier“ zu trinken, schlich sich total schnell ein, denn der Stoff war ja immer vorrätig.
    Sie strich den Kasten Bier also von der gewohnten Einkaufsliste und kaufte Alkohol nur noch dann ein, wenn tatsächlich Feiern geplant waren. Sie ist nie Alkoholabhängig geworden und war danach auch vollkommen weg vom massiven Alkoholmissbrauch. Das wirft bei mir gerade Fragen auf…
    Daran, dass Alkoholismus eine Krankheit ist, habe ich allerdings absolut keinen Zweifel.

    Oops, ich wollte gar keinen Roman schreiben (es ging alles ein bisschen durcheinander heute) und werde wohl jetzt den Rest des Tages liegend verbringen müssen ;-).

    Dir ganz liebe Grüße und noch einen entspannten Nachmittag.
    Katha

    Guten Morgen Andreas,

    von Größenwahn würde ich im Zusammenhang mit einer Nierenbeckenentzündung ja nun nicht ausgehen :D und ich kann mich auch nicht erinnern, herumgelegen und immer „hier!“ gebrüllt zu haben ;-), aber es kommt halt wie es kommen muss.

    Ich habe vor meiner Terrassentür ein großes Spinnennetz hängen und verteidige es mit allen Mitteln gegen jeden Ordnungsfanatiker, der bei mir einfällt.
    Es glitzert nämlich auch ohne Tautropfen immer wunderschön in der Sonne und hat eine faszinierende Form. Außerdem wohnt darin noch Jemand.
    Das erste Eichhörnchen ist auf meiner Terrasse aufgetaucht. Im letzten Jahr hing eines an der Stange unter einem der Gartenstühle. Es sah aus, als ob es Klimmzüge übt :D.
    Vor einigen Tagen wäre mir fast der Kaffeebecher aus der Hand gefallen als ich sah, dass gegenüber in der großen Tanne ein fetter Graureiher oben in der Spitze schaukelte. Ich bin so schnell gerannt wie seit Wochen nicht mehr, um ein Foto davon zu machen.
    Und dann denke ich, was für ein Glück ich habe, so wohnen zu können, dass ich das alles sehen kann.
    Den meisten Besuch erhalte ich von Vögeln. Die schieben ihre dicken Bäuche über die Stufe zu meinem Wohnzimmer und plieren mich entrüstet an, weil ich Futtertechnisch noch nichts vorbereitet habe. Sie werden sich gedulden müssen, bis der erste Schnee fällt oder alles gefroren ist, die kleinen Faulsäcke :-).

    Ich habe in meinem ganzen Leben noch kein Tierheim aufgesucht, weil ich ganz genau weiß, was das für Konsequenzen hätte. Ich würde es einfach nicht fertigbringen, ein Tier mit zu mir nach Hause zu nehmen und alle anderen zurückzulassen.
    Allerdings habe ich damals, als die Kinder noch klein waren, einen Terrier eingesammelt, der aussah wie eine verdreckte laufende Wurst, da er nur Abfälle aus einem Restaurant zu fressen bekam und keinen Auslauf. Den haben wir wieder hingebastelt und als Komplizen bekam er einen Golden Retriever zur Seite gestellt. Ich hatte immer den Verdacht, dass die beiden zusammen sich mehr amüsiert haben als das ganze übrige Volk ;-).

    Spannend, was Du über den Wuffel aus dem Tierheim schreibst. Vielleicht säge ich doch noch ein paar Löcher in meine Hecke, um den Weg frei zu machen, denn man soll die Hoffnung ja nie aufgeben :D. Da ich die Vorstellung Eurer Tiere verpasst habe, weiß ich natürlich jetzt nicht, welcher Gattung Mia entspringt, habe aber die leise Ahnung, dass sie auch in 20 kalten Wintern nicht schreiben lernen wird und somit auch weiterhin keine schriftlichen Beschwerden zu erwarten sind ;-).

    Mit meiner Genesung ist es ein rechter Eiertanz: Einerseits haben sie uns im Krankenhaus nach wenigen Tagen bereits gesagt, wir sollten nicht in eine Schonhaltung verfallen, andererseits haben sie mit Eigen- und Fremdmaterial herumgebastelt, was ja erst einmal zusammenwachsen muss. So höre ich jetzt einfach auf meinen Körper, der mir schon Bescheid sagen wird, wie seine Bedürfnisse jeweils aussehen.
    Der geplante Spaziergang am Sonntag ist jedenfalls ausgefallen. Ich fiel um und erwachte erst wieder nachmittags um 17 Uhr.
    Gestern war der erste Tag, an dem ich tagsüber nicht schlafen musste und über dieses Stück Normalität hab ich mich total gefreut. Alles in allem ist es aber leichter als gedacht, weil ich mich darauf einlassen konnte.

    Euch wünsche ich eine schöne Woche mit dem Zuwachs und auch den „alteingesessenen“ Familienmitgliedern.

    Herzliche Grüße
    Katha

    Hallo Susanne,

    als ich las, was Du geschrieben hast über Deine Verletzung, packte mich richtiggehender Hass und eine enorme Wut nach dem ersten Entsetzen.
    Es erinnerte mich an den Tag, als ich zum ersten Mal im Gesicht eines Menschen eine stille Freude entdeckte, als er gewalttätig wurde.

    Das einzige, was mir bei Deiner Erzählung Hoffnung macht für Alle in einer ähnlichen Lage, ist die Tatsache, dass Du dich nach diesem Erlebnis so verändern konntest, denn ich erlebe Dich hier vor allem klar, stark, mutig und konsequent, jederzeit bereit, Deine Meinung zu äußern. Diese Haltung würde ich mir für jeden Menschen wünschen, daran hat sich nie etwas geändert.

    Ich habe fast vergessen, auf wie viele verschiedene Arten Menschen sich gegenseitig ver@rschen können, denn ich habe kaum noch Kontakte.
    Einige Beziehungen zu Menschen, von denen ich mich aus unterschiedlichsten Gründen noch nicht trennen wollte, sind jetzt während meines Aufenthaltes im Krankenhaus den Bach hinuntergegangen. Ich ertrage dieses ewige und ausschließliche oberflächliche Kreiseln um die eigene Achse einiger meiner Mitmenschen nicht mehr, nicht das ewige Misstrauen und nicht die stumpfsinnige Verurteilung Anderer, die nicht in die Schablone passen, die sie sich von ihrem Leben zurechtgebastelt haben, nicht die leicht durchschaubaren Manipulationsversuche, nicht die Non-stop-Nölerei wegen Kinkerlitzchen. Auch liebe ich Tiere, aber mir kommt niemand mehr über die Schwelle, für den das eigene Tier wichtiger ist als alle Menschen.
    Da bleibt nicht mehr viel, aber mir wurden gerade die Prioritäten mal wieder neu sortiert ;-).

    Es tut mir so leid, dass Du jetzt so dermaßen enttäuscht worden bist. Es klang wirklich traumhaft, was Dir in Deiner neuen Wohnung in Aussicht gestellt wurde. Ich denke, dass das Zuhause für die meisten Menschen einen der wichtigsten Eckpfeiler im Leben darstellt, eine Art Basis, wo sie sich wohlfühlen können müssen und sicher, und sich erholen dürfen, um die Akkus wieder aufzuladen. Dein zerplatzter Traum ist in meinen Augen keineswegs eine Lappalie, auch wenn Du sicher recht hast: Schlimmer geht immer, das wissen wir wohl beide.

    Meine Neugier ist ja in vieler Hinsicht erstaunlich wenig ausgeprägt (auch wenn ich heute noch gern wissen würde, ob die Libelle, die sich im Sommer auf meinem Buch niedergelassen hatte und dann mit dem winzigen frechen Käfer im Gepäck wieder durchgestartet ist, der sich plötzlich auf ihrem Rücken niedergelassen hatte, wohl überhaupt bemerkt hat, dass sie einen Passagier hatte), aber bei Deiner Erzählung überlege ich immer noch, wie es anderen Menschen möglich war, das, was Dir in Aussicht gestellt wurde, so komplett über den Haufen zu schmeißen. Nichts davon erschien mir abwegig oder so außergewöhnlich/extravagant, dass es nicht umzusetzen gewesen wäre. Es klang einfach nach einer guten Gemeinschaft.
    Es müssen wirklich dreiste Lügen gewesen sein, um das zu erreichen und vermutlich kannst Du hier auch nicht ins Detail gehen, um mir das für mich kaum Nachvollziehbare zu erläutern.

    Es freut mich aber total, dass Du trotz dieses Rückschlags die Entscheidung treffen konntest, dort wieder auszuziehen anstatt zu resignieren und auszuhalten und vor allem, dass Du die schönen Dinge in Deinem Leben bei all dem Frust nicht aus den Augen verloren hast.

    Meine Versorgung läuft übrigens bestens. Ich hatte ja Vorräte angeschafft wie ein Eichhörnchen im Herbst und so benötige ich momentan nur sehr wenig.
    Alle paar Tage kommt ein Freund vorbei und versorgt mich mit frischen Sachen, die ich noch nicht allein schleppen kann. Ansonsten sehe ich zurzeit keinen Menschen. Ich kann mir noch keinen Besuch einladen, da ich nie im Voraus weiß, wann ich wieder umfalle wie ein komatöser Maikäfer. Das spielt momentan aber keine Rolle, denn die meisten Fragen, die ich habe, werden gerade im Inneren beantwortet und nicht im Außen ;-). So fühle ich mich wie eine Schneebedeckte Landschaft und es herrscht Ruhe und eine Stille, die mir längst keine Angst mehr macht und auch kein Kribbeln auf der Haut.

    Die einzige Nickligkeit grad ist der Umstand, dass ich meine „touch-me“-Stehlampe gekillt habe, die so ein gemütliches Licht gezaubert hat :-). Ich lag schon in der Horizontalen, was ja vor wenigen Tagen noch eine Ewigkeit dauerte, und stellte dann fest, dass meine Arme nicht lang genug waren, um die Lampe auszuschalten, als ich schlafen wollte. Ich habe dann kurzerhand mit der Fernsehbedienung drauflos gedroschen, weil auch meine Zange nicht in greifbarer Nähe war. Nun liege ich abends herum und werde von der grellen Deckenleuchte bestrahlt, gemütlich ist also anders. Auch ein Luxusproblem, denn schließlich muss ich hier wenigstens nicht im Dunklen herumtapern ;-).

    Über Deinen letzten Satz habe ich geschmunzelt :-). Es ist jedenfalls genügend Mut da, um zuzugeben, dass ich gerade das Gefühl habe, in der Mitte durchzubrechen und mich jetzt wieder hinlegen muss, um mich auszuruhen ;-).

    Ganz liebe Grüße und Dir einen schönen Sonntag.
    Katha

    PS: Und ja, vielleicht kannst Du einen eigenen Faden aufmachen. Ich würde so gern mehr von Dir lesen!

    Guten Morgen Matthias :)

    Die Sprechdose kann bei mir zwar nur abgeschaltet werden, wenn man mich ins Koma verfrachtet ;-), doch die Schreibdose (sprich Laptop) zickte jetzt herum und knipste mir erst einmal das Licht aus. Mein „external brain“ konnte es wieder richten und ich stelle erneut fest, wie wichtig diese Hotline sein kann, obwohl ich es vorziehen würde, auch in dieser Beziehung noch unabhängiger zu werden. Dafür hätte ich allerdings bereits in diesem Leben 27 Berufe lernen müssen und ich akzeptiere das jetzt einfach mal so.

    Deine Hilfsmittel, die Du mir gesendet hast, haben offensichtlich geholfen und ich mag Dich mal zurückdrücken dafür.
    Auch wenn die Schmerzen seltsamerweise nicht weniger werden und auch die Niere mir noch zu schaffen macht, kann ich mich doch täglich besser bewegen und benötige nicht mehr so irre viel Zeit, um aufzustehen oder mich auch nur zu drehen.

    Das Wetter war gestern wieder so herrlich, dass ich beschlossen hatte, zum Zentrum des Dorfes zu wackeln und mir frische Brötchen zu kaufen :-). Auch wenn die Leute mich etwas sparsam anstarrten, weil ich in dem doofen Mieder offensichtlich die Haltung einer Senkrechtstarterin habe (vielleicht dachten die, ich trage ein Subba-Görl-Kostüm unter meiner Jacke und hebe gleich ab :D), hat mir das Herumkriechen auf den Hügeln hier doch verdammt gut getan.
    Freundlicherweise haben sie hier auch an jeder Treppe ein Geländer angebracht, so dass ich mir die Erfahrung des freien Falls sparen konnte.
    Jeder Tag, an dem ich aufwache und die erste Morgendämmerung bereits durch die Fenster schimmert, ist ein guter Tag, denn dann habe ich mir nicht die Nacht um die Ohren schlagen müssen und krampfhaft versucht, mich wieder in den Schlaf zu drücken.

    Selbst regungslos Filme zu gucken fällt mir jetzt viel leichter. Ich kann mich dabei ausruhen und verpasse nicht mehr das geringste Zucken in der Mimik eines Edward Norton, was früher schwierig war, da ich TV-Filme immer nur als Hintergrundgeräusch benutzt habe, wenn ich Kommoden tiefer legen wollte oder andere Indoor-Aktivitäten plante.

    Heute soll es regnen. Es gibt also Wetter und das ist genau mein Ding. Mal sehen, wie weit ich komme auf dem Weg zu meinem kleinen See. Ich möchte gern wieder die Fische kichern hören, die sich immer in der Ecke bei „meiner“ Bank zusammenrotten, während sich die Angler an allen anderen Stellen des Teiches lahme Arme holen bei dem Versuch, sich ihre Nahrung aus der „freien“ Natur zu angeln :-).

    Dir wünsche ich einen wunderschönen Sonntag mit Deiner Gutesten :-).

    Liebe Grüße
    Katha

    Guten Morgen, Correns,

    ganz lieben Dank für Deine Worte.
    Das einzig Nervige momentan ist, dass ich hier ewig brauche, um Euch zu schreiben.
    Obwohl ich das Haus nur verlasse, um mich kurz in den Garten zu setzen, werden die Überraschungen hier nicht alle :-).
    Ich hatte ja nun genügend um die Ohren in den letzten Tagen und habe mich deshalb vorerst nicht weiter um meine Post gekümmert. So habe ich verpennt, dass ich bei meiner Krankenkasse vorstellig werden sollte. Der freundliche Sachbearbeiter rief mich an und ich konnte ihm meine Situation erklären. Mit den Worten: „Sie liegen, während Sie mit mir telefonieren?!“ fing dieser Hirsch tatsächlich an, mich telefonisch anzubaggern :D. Da war ich platt & sprachlos. Platt passiert mir ja ab und zu mal, aber sprachlos kommt nun doch eher selten vor ;-).
    Mein Ersatzarzt drängte mir diese Woche tatsächlich Krankengymnastik auf. Meine Bedenken schmetterte er ab mit der Bemerkung, dass das Rezept ja schließlich zwei Wochen gültig sei. Ich sehe mich also schon in irgendeiner dörflichen Praxis den „Staubsauger“ hinlegen, während mir meine neueste Ladung Titan um die Ohren fliegt :-).
    Da wäre dann diesmal die Überraschung jedenfalls nicht auf meiner Seite…

    Das Buch liegt momentan erst einmal wieder aus technischen Gründen ;) auf Eis, obwohl ich das Schreiben sehr wichtig finde.
    Davon konnte ich ja vor einiger Zeit auch andere Mitstreiter aus meiner realen Gruppe überzeugen. Leider fiel deren gute Absicht ausgerechnet in die Zeit, als die Diskussion um den öffentlichen Bereich hier gerade Wellen schlug und sie sind letztendlich abgewandert.

    Wenn ich im Krankenhaus tatsächlich mal für eine sehr kurze Zeit eine Internetverbindung hatte und mich hier einloggen konnte, habe ich Deine Urlaubsaktivitäten verfolgen können und bin vor Neid glatt erblasst :-). Ich erinnere mich gut an einen Urlaub an der Atlantikküste, in dem ich im kleinen Schwarzen von meinem Herzallerliebsten elegant zum Essen ausgeführt wurde, nur um dann später am Abend barfuss am Strand zu landen, bis zu den Ellenbogen hin fleißig Sand schaufelnd. Wir sahen aus wie kleine Ferkel, aber die Burg konnte sich sehen lassen :-).
    Kinder habe ich mir auch erst angeschafft, als die Piratenserie von L*go auf den Markt kam ;-).
    Deine Berichterstattung ließ mich jedenfalls wieder mal über Kompromisse nachdenken.
    Sie sind wohl in fast allen Bereichen oft möglich und auch nötig. Vor vielen Jahren fiel mir allerdings plötzlich auf, dass z.B. in Partnerschaften niemals Jemand das bekommt oder auch tun kann, was er sich wirklich wünscht, wenn beide so unterschiedlich gestrickt sind, dass ständig Kompromisse geschlossen werden müssen und sie nicht öfter mal getrennte Wege gehen. Das war der Moment, in dem ich aufgehört habe, mich der Illusion hinzugeben, draußen könne ein Mensch herumlaufen, der genau deckungsgleiche Interessen und Wünsche hat. Der wäre dann ja genau wie ich, ein furchtbarer Gedanke :D.

    Dir wünsche ich ein wunderschönes langes Wochenende mit einer lauen Brise, die die Wellen nicht so hoch schlagen lässt.

    Liebe Grüße
    Katha

    Liebe Viola,

    ganz herzlichen Dank für das Auseinanderklamüstern der Begrifflichkeiten, denn Dir glaube ich unbesehen und ohne den geringsten Zweifel.
    Offensichtlich möchte ich am liebsten immer noch alles besonders gründlich erledigen – also auch die Übung in Geduld – und habe mir deshalb noch eine Nierenbeckenentzündung zugezogen, damit sich die Chose auch wirklich lohnt ;-).
    Wenn ich allerdings noch mehr über Behinderungen und Krankheiten tippsle, drehe ich über kurz oder lang vom Teller, gibt ja schließlich noch anderes.

    Meine erste Fahrt in einem Taxi den Hügel hinauf war ziemlich spannend. Ein sonnengebräunter Arm des Fahrers hing lässig aus dem Fenster, den anderen benötigte er, um sein Handy zu halten und dort reinzuquasseln :-). Noch bevor ich angeschnallt war, gab er Gas und raste los. Wohngebiet, ich murmelte immer nur: „Rechts vor links, rechts vor links…!“, während er an allen Seitenstraßen vorbei donnerte und schließlich an der Hauptstraße abrupt auf die Bremsen latschte.
    Den Rückweg habe ich dann vorsichtshalber zu Fuß angetreten und segelte wie ein Kettenpanzer den Hügel wieder hinunter :-). Wenn man dabei ein nettes Gesicht macht, stehen die Chancen ziemlich gut, von einem freundlichen Nachbarn angesprochen zu werden, so dass man sich auf der Strecke während des Gesprächs unauffällig ausruhen kann, ohne sich dabei an einen Laternenpfahl klammern zu müssen ;-).
    Jedenfalls konnte ich bei meinem kleinen Ausflug feststellen, was für ein herrliches Wetter wir momentan haben und wie schön die Luft ist. Das macht Lust auf mehr und ich werde heute mal antesten, wie weit ich komme, auch wenn ich keine Qualifikation als hessische Bergziege habe ;-). Geduld ist jetzt meins!

    Ganz liebe Grüße Dir und einen schönen Feiertag.
    Katha

    Hallo Slowly,

    herzlichen Dank für die guten Wünsche.
    Ich denke, es gibt absolut keinen Grund, mich zu bewundern, denn ich habe mich im Krankenhaus volle zwei Wochen lang angehört wie eine Schallplatte mit Sprung, als ich ständig nach neuen Schmerzmitteln fragen musste, die evtl. helfen könnten.
    Ich ging mir schon selbst auf den Keks damit und habe mich dauernd bei den anderen Patienten dafür entschuldigt, dass ich leiere, hatte aber leider keine andere Wahl.

    Wenn Du ein Kerl hättest werden sollen, wärst Du einer geworden, glaub ma! :)
    Ich denke ja nicht, dass Männer bei Schmerzen ständig rumheulen und weniger aushalten können als Frauen, habe aber den Verdacht, dass es sich im Allgemeinen mit ihnen eher verhält wie bei den Naturvölkern früher: Fiese große, blutende Wunden, den Bruch oder gar Verlust von Gliedmaßen, etc… und die damit verbundenen Schmerzen ertragen sie tapfer mit bewundernswert wenig Klagen.
    Die Krankheiten aber, die sich innen im Körper abspielen und sei es nur eine läppische Erkältung, machen sie oft gereizt und ungeduldig, weil sie komplett lahmgelegt sind, ohne dass von außen etwas zu sehen ist, was diesen Zusammenbruch „rechtfertigen“ könnte.
    Vielleicht verbuchen sie diese Krankheiten einfach unter „weichgespültes Elend“ und sind genervt, weil es ein paar Tage dauert, bis der Körper sich wieder erholt hat.
    Meine Männer haben sich das Betüdeln in solchen Fällen gern gefallen lassen… für genau 24 Stunden ;-). Danach war Schluss mit lustig und ich hätte ihnen Grundgewichte an die Figur hängen müssen, um sie weiterhin pflegen zu können.

    Viele Grüße
    Katha

    Huhu Andreas :)

    Ich würde eher auf fifty-fifty tippen bei dem Krankenhauspersonal, das bei sich dachte: „Geh´ mit Gott, aber geh´!“ :-), denn ich bin eine überwiegend brave Patientin gewesen, die niemandem über Gebühr zur Last fallen wollte.
    Auch wenn der Oberarzt mich „die Frau mit den Sonderwünschen“ titulierte, bestanden diese doch nur darin, einen Wirbel aus praktischen Gründen gleich mit einfangen zu lassen und somit Zeit, Arbeit und Geld zu sparen und außerdem ein Medikament zu finden, dass es mir gestattete, länger als eine Stunde am Stück zu schlafen. Soooo dreist fand ich mich also gar nicht ;-).

    Gut, ich habe eine der Schwestern maßlos enttäuscht, als ich mich von einem anderen Patienten mitsamt dem Bett auf die Terrasse schieben ließ, um eine zu qualmen, aber zufällig fühlte ich mich nach der OP grad nicht für ihr Wohlbefinden zuständig und wenn man mich aufhalten will, sollte man mir die Rollen unter dem Bett abschrauben. Ich war ja bereits einige Tage vor der OP schon dort und denke, das hätten die doch wissen müssen…

    Durchgeknallt? ;) Spaß ist immer, was Du daraus machst und ich hatte trotz allem eine Menge davon mit Patienten, Schwestern & Pflegern und auch Krankengymnastinnen. Mit den Ärzten nich so *grummel, aber ich ziehe in diesem Fall ausgefeilte Technik und Können den paar Sympathiepunkten vor und so passt es wieder.

    Die Aussicht, ein paar Monate überstehen zu müssen, ohne Auto fahren zu können, hat mich schon belastet, weil es für mich ein Stück Freiheit bedeutet. Den Weg zum Bahnhof würde ich zumindest momentan noch nicht schaffen.
    Ich vermute auch, dass Du Menschen um Dich herum hattest, die Dich auf Wunsch herumgegurkt haben, wenn es nötig war. Da ich allein lebe, blinkt mich wieder eins meiner Mankos an, nämlich die unterentwickelte Fähigkeit, andere Menschen einfach mal so um Hilfe zu bitten. Immerhin trainiere ich die Vorstufe, nämlich das Annehmen eben dieser Hilfsleistungen.

    Geschenke habe ich bereits zur Genüge erhalten, nicht nur hier zu Hause, sondern auch durch Eure Anteilnahme, die Wünsche und Grüße. Das klingt so gefühlig und ist damit gar nicht mein Ding, aber es ist aufrichtig. Es war ernst gemeint, als ich schrieb, dass es mir mehr geholfen hat, als ich sagen kann.
    Für das Klopapier benötigte ich übrigens auch nur eine Hand zum Festhalten am Waschbecken, eine zweite, um die Zange zu bedienen, ein Bein zum Parken und ein paar Zehen, um den Deckel des Korbes zu lüpfen :-). Und natürlich weise Voraussicht, die mich bereits vor der OP die Klopapierrollen aus der Verpackung reißen und einzeln verstauen ließ, was ich allerdings längst wieder vergessen hatte, bevor ich mich an dieses Projekt schmiss :-). Mir hätte sonst alle verbliebene Gelenkigkeit nix genutzt.

    Ganz lieben Dank und Dir auch schöne Grüße
    Katha

    PS: Ich muss mich erstmal wieder auf die Seite schmeißen, denn sitzen ist überwiegend immer noch eine Tortur

    Susanne :)

    Ich muss hier zwar auf Raten tippseln, weil das Sitzen mir noch sehr schwer fällt, aber ansonsten bin ich tatsächlich noch die „Alte“ ;-). Wer nun alle Hoffnung darauf gesetzt hat, dass sie mir gleichzeitig eine neue Sprechdose eingebaut haben, kann diese prompt mal fahren lassen. Nach dieser letzten Erfahrung im Krankenhaus werde ich wohl auch weiterhin diskutieren, bis der Arzt kommt (und lange danach noch) ;-), solange ich das Gefühl habe, ein Thema ist noch nicht abgeschlossen.

    Mein Mieder ist Hautfarben *örgs, aber immerhin kann ich mich jetzt jederzeit wieder an meinen 1-5 Riemen reißen :-), alle anderen Korsetts in freundlichem schwarz liegen momentan auf Eis.

    Wirbelsäulenbruch liest sich fatal und ich beneide Dich nicht um diese Erfahrung. Mag ja sein, dass ich eine schwere OP hinter mir habe, doch konnte ich mich darauf vorbereiten und wurde ordnungsgemäß ins Koma versenkt, während Dein Bruch doch eher nach Unfall, Schock und fiesen Schmerzen bereits vor der OP klingt :-(.
    Um Hilfe bitten. Ich übe noch. Mein Waterloo war der Trockner, um den ich 1,5 Tage herumgekreiselt bin, weil ich ihn weder mit der Zange noch irgendwelchen anderen Hilfsmitteln oder mit den Füßen resp. Knien öffnen konnte.
    Das Ömi hat mir dann geholfen und erklärte mir nebenbei resolut, dass ich ab sofort meinen Briefkasten, der nur über Treppenstufen zu erreichen ist, selbst leeren darf.
    Die Schonfrist ist offensichtlich vorbei *g. Recht hat sie!

    Traurig war es für mich, zu lesen, dass Du dich wegen des zerplatzen Traumes in einer Krise befindest. Ich gehöre definitiv nicht zu den Menschen, die fest daran glauben, dass alles irgendwie auch für etwas gut ist. Das mag für viele Dinge zutreffen, andere kann ich für mich komplett ausschließen. Ich denke auch nicht, dass jeder Mensch nur soviel aufgebürdet bekommt, wie er tragen kann. Manche Erfahrungen hätte ich persönlich mir aber ersparen können, wenn ich anders gehandelt hätte oder anders hätte handeln können: Die kann ich zum größten Teil heute für mich ausschließen, aber es war ein verdammt langer Weg dahin.

    Ich glaube fast, es wird nie aufhören, die Verletzungen, die Unsicherheiten, die Unwägbarkeiten, die schwierigen Situationen, zerplatzte Träume und Wünsche, die nie in Erfüllung gehen werden. Das ist beunruhigend.
    Ich glaube aber auch, dass alles Andere nie aufhören wird: Liebe & das Verliebtsein, neue und andere Wünsche und Träume, Hoffnung, schöne Überraschungen, vertraute und neue Menschen, die uns positiv überraschen, das Staunen über kleine und große Dinge, neue Erfahrungen, die durchaus nicht immer negativ sein müssen, neue Kenntnisse oder Fähigkeiten. So gleicht es sich wieder aus und wird rund. Wir können das eine nicht haben, ohne die andere Seite zu akzeptieren.
    Nur wer sich nicht bewegt, hat verloren und so beneiden Dich vielleicht gerade ein paar Menschen darum, dass Du einen Traum hattest.

    Alles Liebe auch für Dich.
    Katha

    Guten Morgen Susanne :)

    Auch an Dich denke ich öfter.
    Ganz lieben Dank für Deine Anteilnahme und für die Frage nach meinem Befinden.
    Hier scheint die Sonne und der Wein schmeißt seine Blätter in hohem Bogen in die Gegend, während Hibiskus und Oleander verpennt haben, dass der Sommer vorbei ist und immer noch blühen, als würden sie dafür bezahlt bekommen :-).
    Die Sitzplatte unter meinem Bobbes ist nicht halb so bequem wie erhofft und es fühlt sich an, als würde ich auf einem Thron rumsitzen, da muss also noch eine andere Lösung her. Ich werde wiederum geduldig warten, bis Jemand vorbei schneit, der für mich ein paar Möbel herumschmeißt, um Platz zu schaffen für z.B. einen Gartenstuhl.

    Ansonsten läuft alles bereits sehr viel besser als noch vor wenigen Tagen.
    Nur in mein Bett traue ich mich noch nicht hinein: Es ist so niedrig und die Matratze so weich, dass ich Manschetten habe, dass ich mich da nie wieder herauswühlen kann, wenn ich erst einmal auf dem Rücken liege.
    Testlauf erfolgt nächste Woche: Handy ins Mieder stopfen für einen Notruf bei einem Nachbarn, Haustür offen stehen lassen und dann ins Bett plumpsen. Es wäre wirklich zu blöd, wenn ich Silberzwiebeln und Toilettenpapier in den Griff bekomme, nur um dann auf der Matratze zu verschimmeln, weil ich mich nicht zurückdrehen kann :-).

    Dir wünsche ich einen wunderschönen entspannten Sonntag.

    Ganz liebe Grüße
    Katha

    Hallo Eni,

    ganz herzlichen Dank.
    Ich musste ja nun wiederum öfter an Dich denken und habe mir überlegt: Wann macht die Nudel nun mal endlich die Schotten auf? ;-).
    Es ist ganz sicher nicht einfach, sich in der Verfassung, in der Du warst, auf fremdes Terrain zu begeben und sich mit anderen Menschen herumzuschlagen. Da pfeift man auch ganz gern auf gutgemeinte Ratschläge und Sprüche von Leuten, die sich nicht gerade in derselben Situation befinden.
    Ich wusste aber eines: Ein Zimmer ist nur ein Raum, den man zum Schlafen teilen muss, den man aber jederzeit verlassen kann (jedenfalls in einer LZT ;-)), um sich Punkte der Ruhe zu suchen, wenn man sie benötigt.
    Statistisch gesehen ist es auch ziemlich unwahrscheinlich, dass von den anderen Mitstreitern und Therapeuten ganze 100 % Nassnasen sind, mit denen man beim besten Willen nichts anfangen kann ;-). So habe ich darauf vertraut, dass Du Menschen begegnen wirst, die auf Deiner Welle funken, Dich bereichern und voranbringen auf Deinem Weg (was ja nicht zwangsweise dasselbe ist) oder mit denen Du dich einfach wohlfühlen kannst.

    Es klingt hart, aber ich persönlich würde für jede LZT eine strikte Trennung nach Geschlechtern einführen und die Kontaktsperre zum privaten Umfeld für die gesamte Dauer des Aufenthaltes verhängen.
    Das ist keineswegs fies und sadistisch gemeint, sondern entspringt meiner Auffassung, dass nur so gewährleistet ist, dass sich jeder Klient ausschließlich auf seine eigenen Belange konzentrieren kann, unbelastet von allen Probs, die zu Hause auf ihn warten (oder sonstigen Versuchungen im neuen Umfeld) und somit auch vorankommen kann.

    Dir wünsche ich weiterhin eine gute Zeit. Schön, dass Du den Schritt gemacht hast, Dich unter so viele Menschen zu begeben. Ich glaube, dass bereits dies Dir weiterhelfen wird, wenn Du feststellen kannst, dass es nicht halb so schlimm ist, wie Du befürchtet hast.

    Viele Grüße
    Katha