Beiträge von Katharsis

    Liebe Nys,

    Du schleuderst ja ziemlich mit den Begriffen um Dich :) .
    Unter Risikominimierung verstehe ich tatsächlich etwas ganz Anderes.

    Ich war / bin Co. und Alkoholikerin. Ich sehe bei mir / für mich absolut keine Gemeinsamkeit zwischen beiden Abhängigkeiten.
    Bei Dir sehe ich nicht einmal mehr Co-Abhängigkeit, was nicht negativ gemeint ist, weißte ja.

    Ich darf Dir auch sagen, dass mich Dein Beitrag im offenen Bereich der Alkoholiker erschreckt hat.
    Der größte Teil von uns betreibt eben doch Risikominimierung und würde nicht in glühenden Farben schildern, wie himmlisch es sich anfühlt, sich mal wieder richtig wegzubeamen oder den Stoff einfach nur zu genießen.
    Bei mir hatte die Sucht auch nichts mit Sehnsucht, Liebe oder ähnlich netten Dingen zu tun.
    Ich habe mir aber darüber Gedanken gemacht, ob Dein Kommentar nicht andere Alkoholiker triggern könnte. Vielleicht bin ich da aber nur stellvertretend ängstlich für Andere, ich bin selbst kein ängstlicher Mensch (außer beim Autofahren im Schnee… *soifz).
    Ich maße mir hier also nicht an, für Andere zu sprechen, sondern sehe es als „globale Fürsorge“.
    Und wie immer gibt es für jedes Problem eine Lösung. Nachdenken, Entscheidungen treffen, umsetzen, (aus-)sortieren und hinterher nicht klingeln. Klingt auch einfacher, als es ist, aber eines geht nie: Alles haben zu wollen und behalten zu können. Ist natürlich wieder nur graue Theorie.

    LG
    Mitch

    Nun doch noch mal :)

    Ich sehe aus wie eine fettgemachte Fahrradspeiche, was sich offiziell Idealgewicht schimpft, aber drei meiner Freundinnen in Hamburg wogen 130 – 150 kg und ich habe selten etwas Schöneres gesehen als ihre pure Lebensfreude aus blitzenden Augen, wenn sie es auf der Tanzfläche richtig krachen ließen. Alle sind verheiratet und haben Kinder.
    Dein Freund ist kein Maßstab und die Wahrnehmung ist individuell.

    Im Übrigen haben nach Umfragen ein Viertel aller deutschen Männer ein Faible für übergewichtige Frauen, nur steht kaum jemand dazu.
    Ich werde jetzt meine Hanteln aufessen und plündere danach das Osternest ;-).

    Und hey: Ich verstehe Dich :D

    Hallo Maik,

    generell verstehe ich, dass Du Dich mit Deinem Übergewicht nicht wohlfühlst, aber Schnuffig hat doch recht: Jetzt ist Tango und Leben passiert jede Sekunde.

    Allerdings hat Deine Denke auch einen Vorteil: Wenn Du alle Deine Ziele erreicht hast, wirst Du zu alt sein, um Dir darüber Gedanken machen zu müssen: „Vielleicht gibts auch noch ne Runde ( was bei 35 ja sehr wahrscheinlich ist).“ ;)

    Weiterhin alles Gute.

    LG
    Mitch

    Hallo Maik,

    wenn man als nasser Alkoholiker in einer Therapieeinrichtung einfällt, wird man durch den Tag begleitet und beschäftigt. Es nennt sich auch „Entzug“ ;-).
    Für jede weitere Behandlung, die ans Eingemachte geht und uns weiterhelfen würde, wären wir aus offensichtlichen Gründen ja noch gar nicht erreichbar.

    Ich habe beim Lesen Deines Beitrags sofort ein Bild im Kopf: Ein riesiges Tor mit einem großen Schriftzug daran, auf dem „Alkoholiker“ steht.
    Und ich sehe Dich, wie Du um die Pfosten herumeimerst, Dich an ihnen festklammerst, aber nicht durch das Tor gehen magst.
    Ich habe gelesen, dass Du Ziele hast/hattest: Abnehmen, eine schöne Wohnung zusammen mit Deiner Freundin anmieten, einen Job besorgen, etc.. und Du die Vorstellung hattest, Dein früheres Leben nach Erreichen dieser Ziele wieder aufzunehmen, z.B. fröhlich ein Bierchen zischen mit den alten Kumpels beim jährlichen Angrillen.

    Ich war hunderte von Malen trocken.
    Drei Tage lang.
    Fünf Tage.
    Drei Wochen.
    Ein halbes Jahr.
    6,5 Jahre.
    Und jedes Mal war es ein unglaublicher Kampf.

    Und jedes Mal hat mich der erste Tropfen, also die Entscheidung, wieder zur Flasche zu greifen, genau an den Ausgangspunkt zurückgeworfen und ich musste wieder von vorn anfangen. Da wurde der neue Job zur Tortur und die Wohnung verkam. Nix neues.

    Du bist ein bisschen wie ein Kaleidoskop, alles wirbelt wild durcheinander. Vielleicht solltest Du den Teilchen Gelegenheit geben, sich in Ruhe zu setzen, damit ein Bild entstehen kann.
    Möglichst eins, was auch realistisch ist ;-).

    Tageskliniken machen fantastische Arbeit? Für wen hier schreibst Du das, wenn Du doch offensichtlich gar nicht dieser Meinung bist.
    Es ist nicht unmöglich, trocken zu werden, aber schier unmöglich, trocken zu bleiben, wenn man sich nicht wirklich entschieden hat, denn dann wird alles zu einem Zwang und einer Tortur und man kann die schönsten Dinge weder sehen noch genießen.

    Du hast tatsächlich Angst, jemanden zu treffen, den Du kennst, weil Du dich dann eventuell mit ihm wegen Deiner Krankheit auseinandersetzen müsstest? Normale Menschen interessieren sich in der Regel eher für ihre eigenen Belange – auch so ein Zeichen unserer Zeit, aber ich frage mich: Wie weit steht Deine Hintertür eigentlich auf?

    Die Sonne scheint übrigens nach wie vor Tag für Tag ;)

    Alles Gute für Dich
    Mitch

    Lieber Jürgen,

    Dich würde ich zu gern mal auf freier Wildbahn treffen, damit ich Dir kleine Zöpfchen flechten kann *fg.
    Danke für den überaus hilfreichen Tipp, Du erinnerst mich gerade ein bißchen an die Bronchitis, die mich wochenlang so überaus liebevoll begleitet hat :D

    LG
    Mitch

    Guten Morgen Maik,

    „Licht“ ist das Zauberwort in unseren langen Wintern, egal wie duster es tagsüber ist.
    Jeden Tag einmal aus der Tür fallen und sich eine Portion davon abholen (soweit möglich), während man durch die Botanik hopst, verhindert oft genug Depressionen.
    Und man kommt danach auch gern wieder nach Hause aus der Kälte, hat nicht das Gefühl, den ganzen Tag nur rumgefleezt zu haben. Struktur ist wichtig, gerade wenn man über einen längeren Zeitraum zu Hause ist, damit man nicht verschimmelt.
    Niemand kann das Wetter ändern, aber Viele sahen ja nicht mal mehr, wenn die Sonne schien, weil es noch keine 20°C hatte draußen. Hier strahlt sie übrigens gerade.

    Feste Zeiten für den Rechner halte ich für eine gute Idee. Es sind schnell mal ein paar Stunden vergangen, wenn man davor sitzt. Ich denke aber auch, dass für Dich gerade im Moment der Austausch wichtig wäre in diesem Forum, auch wenn der Frühling vor der Tür steht.
    Dann werden die Nächsten nämlich da stehen und verzweifeln, weil sich mit der lang ersehnten Jahreszeit nicht die komplette Veränderung von selbst eingestellt hat ;-). Alle rennen draußen Händchenhaltend und verliebt herum und haben tolle Pläne für die Freizeit und man selbst fällt in ein tiefes Loch beim Zuschauen und sitzt zu Hause und starrt die verwelkten Osterglocken an. Der Frühling ist auch eine gefährliche Jahreszeit…

    Abnehmen? Beziehung retten? Ich würde mir einen Ernährungsplan erstellen und mich vor, während und nach dem Essen um den „Vergnüger“ kümmern ;-), oder worauf wolltest Du warten? Täglich ein kleines Stückchen.
    Feste Termine hingegen setzen mich unter Druck. Ich wollte auch immer pünktlich zu meinem Geburtstag – dem D-Day :D – komplett ALLES „korrigiert“ haben. Hat nie geklappt, weil Erkenntnisse oder besondere Ereignisse, die Veränderungen möglich machen, auf meinen persönlichen „Zeitplan“ pfeifen.

    An einem heißen Sommerabend kam einmal ein Mann nach Hause, der den ganzen Tag schon gegrübelt hatte, wie er die Aufgaben bewältigen sollte, die nach Feierabend noch zu erledigen waren. Blumen gießen auf dem Grab seiner Eltern, das Bewässern der Pflanzen in seinem eigenen großen Garten und Klamotten auffixen, damit er am nächsten Tag wieder ordnungsgemäß gekleidet in seinem Job auflaufen konnte.
    Alles scheinbar wichtige Dinge, denn die Pflanzen würden an beiden Orten ohne Wasser eingehen bei der Hitze und die Kleider waren wichtig für sein eigenes Wohlbefinden und sein Auftreten in der Firma am nächsten Morgen bei einem wichtigen Kundentermin.
    Er grübelte und grübelte und konnte einfach keine Entscheidung treffen, verzweifelte total, weil der Druck zu groß wurde und plumpste dann auf den Bobbes und betrank sich, nachdem er Jahrelang trocken gewesen war und erledigte somit keine einzige der Aufgaben.

    Und immer wenn ich in die Versuchung komme, mir zuviel aufzuladen, weil ich ja auch immer einen „Plan“ habe, denke ich an die Verzweiflung dieses Mannes, der mir vor Jahren gegenüber saß. Ich liebe Pflanzen, aber in diesem Fall hätte ich sie eingehen lassen – zwar mit großem Bedauern, aber entschlossen – denn nichts ist für mich so wichtig wie Abstinenz. Ohne sie ist auch alles Andere nichts wert.
    Ich reflektiere immer noch täglich abends meinen Tag und mein Verhalten. Nicht immer schaffe ich das, was ich mir doch vorgenommen hatte. Nach dem Erlebnis mit diesem Mann kann ich mich heute abends zurücklehnen und lächeln und mir selbst sagen: „Für diesen Tag war es genug!“. Ich schlafe überwiegend ruhig und zufrieden.

    Jürgen , olle nordische Eiche :) : Ich habe immer gesagt: „Ich habe nur noch ein Laster und das wird gepflegt!“, wenn ich auf meine Qualmerei angesprochen wurde. Ich habe keine Lust, irgendwelche Mätzchen zu veranstalten, um mit dem Rauchen aufzuhören, aber ich werde wissen, wenn ich innerlich die Entscheidung getroffen habe, den Blödsinn zu lassen. Dann mache ich mich auch auf diesen Weg.

    LG
    Mitch

    „Ich selbst würde mich heute nicht in Kneipen begeben. Ich sehe das aber nicht als Verzicht, sondern, ich habe da einfach keine Gemeinsamkeiten mehr mit den Menschen.
    Früher gehörte ich dazu, weil ich trank.“ [Karsten]

    „Ja Karsten, aber Du machst das doch weil Dir da gar nichts anderes übrig bleibt als so zu handeln. Der Alkohol ist nicht der eigentliche Verzicht.
    Das normale Leben, so wie es ein nicht süchtiger Mensch führt, dass ist für mich schon ein Verzicht. Aber ich bin ein Alkoholiker und deshalb muss ich auf dieses "normale" Leben eben verzichten und einen anderen Weg gehen.
    Da gibts kein wenn und aber. Unter schön stell ich mir aber trotzdem was anderes vor.“ [Maik]


    Hallo Maik,

    neulich musste ich schon schmunzeln, als ich Deinen Kommentar las, denn im Prinzip hast Du recht: Abstinenz ist weder vergleichbar mit einer neuen Religion noch mit der Teilnahme an einem Klöppelkurs. Sie ist nichts, was man sich vollkommen unvorbelastet und aus freien Stücken einfach so aussucht, weil man vor Langeweile nicht in den Schlaf kommt oder generell auf der Suche nach neuen Interessen oder einem neuen Inhalt ist.

    Menschen verändern sich, ihr Leben und ihre Gewohnheiten doch ausschließlich, wenn die Notwendigkeit dazu besteht. Warum sollte ich auch etwas verändern wollen, wenn es für mich so passt wie es ist?!

    Abstinenz ist aber auch kein Zwang. Ich hatte auch hier die freie Wahl zwischen der Entscheidung, leben zu wollen oder weiterhin vor mich hinzuvegetieren bis zu einem ziemlich qualvollen Tod.

    Ich mache keinen Hype aus dem abstinenten Leben. Ich komme auch nie auf die Idee, es Nichtsüchtigen zu empfehlen oder es in den schönsten Farben zu schildern.
    Wie jeder unheilbar Kranke versuche ich, mich mit den Gegebenheiten abzufinden und das Beste aus der Situation zu machen.
    Alkoholismus mag eine unheilbare Krankheit sein, aber ich muss weder fiese Medikamente nehmen noch bin ich ans Haus gefesselt. Alle Begleiterscheinungen der meisten unheilbaren Krankheiten bleiben mir erspart. Ich bin in der Lage, immer soweit es die körperliche und psychische Verfassung erlaubt, all das zu tun, was Menschen ohne Suchtproblem Spaß und Freude macht.

    Ich muss „nur“ aufhören zu trinken und kann somit die Krankheit zwar nicht heilen, aber doch zum Stillstand bringen.
    Das macht mich dankbar.
    Es ist aber nur die Basis. Danach gilt es, dieses Leben mit Inhalt zu füllen, aber gilt dies nicht für jeden Menschen?!
    Als ich trocken wurde, war ich – wie bereits mal erwähnt – direkt persönlich beleidigt, dass die Probleme und negativen Stimmungen nicht weniger wurden.
    Ich lebte in dem Wahn, doch nun „belohnt“ werden zu müssen für die Mühen, die ich auf mich genommen hatte, um trocken zu werden und ich hab damals verdammt hart kämpfen müssen.

    Und niemand kam vorbei und servierte mir ein problemloses angenehmes Leben mit einem vorgefertigten Plan von netten Freizeitaktivitäten, einem sinnvollen, entspannten Job und einer Horde netter Mitmenschen für tiefschürfende Gespräche und Hobbies.
    Es hat gedauert bis ich mich mit dem Gedanken abfinden konnte, dass von mir erwartet wurde, dass ich mich selbst einrichte, übrigens wie jeder andere Mensch auch, mit oder ohne Suchtproblem ;-).
    Die Welt ist voll von Leuten, die vor sich hindümpeln, sinnlos, ewig gelangweilt, tottraurig, ohne Träume. Dafür muss man sich nicht vorher durch ein Suchtproblem „qualifizieren“, das geht auch ohne.
    Ich will zugestehen, dass ein Mensch ohne Alkoholproblem nicht unter Suchtdruck leidet, der trifft uns ja mehr oder weniger mit unvermittelter Härte.
    Ein Mitglied unserer Gruppe damals ging in den Garten und hackte Holz wie ein Berserker, wenn es ihn erwischte. Ich hatte leider keine hauseigenen Birken zur Verfügung und habe eine ganze Reihe abscheulicher ägyptischer Stickbilder hergestellt und die Rahmen dafür selbst gezimmert. Jedes Mittel war legitim, um da durch zu kommen.

    Und wenn die letzten Jahre, Jahrzehnte alles nur so irrsinnig toll war, weil wir dabei gesoffen haben, frage ich mich, was wir verkehrt gemacht haben…
    Kneipen waren früher toll. Viel früher! Als die Leute auf dem Dorf und in Stadtteilen noch zusammen kamen und sich unterhalten haben. Oft wurde sogar an Wochenenden getanzt, ich kenne das noch von meinen Eltern.
    Da ich heute das Gefühl habe, dass Leute grundsätzlich nur noch zum Trinken in Kneipen gehen und nebenbei oberflächlich geschwafelt wird, meide ich Kneipen. So einfach ist es. Ich kann mit dem Gesülze einfach nichts anfangen und lege keinen Wert darauf, von Jemandem angebaggert zu werden, der mit 1,7 im Turm zugange ist.

    Ich habe eine Menge Selbstversuche hinter mir in jeder Disziplin. Doch wenn ich mit 100 Leuten auf einer Klippe stehe, die alle gemeinschaftlich beschließen, sich in den Abgrund zu stürzen, dann trete ich gern lächelnd einen Schritt zurück in dem Bewusstsein, dass ich mich nicht der Masse anpassen und auch nicht alles selbst ausprobieren muss, um für mich den richtigen Weg zu finden.
    Normal ist relativ oder sollte es sein. Wenn nicht, müssen wir wieder von vorn anfangen ;-).

    Ausharren, durchhalten und aushalten ist nicht Jedem gegeben, wir sind alle unterschiedlich gestrickt. Ich habe irgendwann aufgehört, rumzuklingeln und angefangen, mich zu bewegen. Es geht mir besser damit.

    Ich wünsch Dir was.

    Gruß
    Mitch

    Hi Großer,

    es freut mich total, dass Du eine Wohnung gefunden hast und damit erst einmal auf Distanz gehen konntest, um zur Ruhe zu kommen.
    Es ist sicher nicht einfach für Dich, aber wir können erwachsenen Menschen keine Entscheidungen abnehmen.
    Offenbar hat der Verlust des Arbeitsplatzes für deine Mum als Tiefpunkt noch nicht ausgereicht, um ihr Leben zu überdenken und sich aus dem Sumpf zu befreien. Es ist oft ein langer Weg dahin.

    Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute auf Deinem Weg, Kraft und Mut und die nötige Energie dafür und natürlich auch Spaß und Freude trotz der Umstände, denn vermutlich haben wir nur ein Leben: Die Zeit sollte man also besser nutzen.
    Es hat mich schwer beeindruckt, wie schnell Du Deinen Weg gefunden hast, als gar nichts mehr ging bei Euch zu Hause und ich hoffe, es geht Dir besser jetzt.

    Viele Grüße
    Mitch

    Hallo Blossom,

    erst einmal herzlich willkommen hier.

    Diese Emotionslosigkeit kenne ich auch. Ich hatte bei mir allerdings eher den Eindruck, der Verlust sämtlicher Gefühle entstand durch eine übergroße Müdigkeit und dem gleichzeitigen Fehlen von Träumen, Wünschen und Plänen, also allem, was die Zukunft betrifft.
    Ich habe existiert, nicht mehr und nicht weniger, und gleichzeitig war das zunächst erst einmal das Wichtigste für mich auf der Suche nach einer Basis.
    Ich halte diese innere Leere auch für einen Schutzmechanismus, um nicht in dieselben Verhaltensmuster zu geraten, die zu einem Rückfall führen können.
    Hoffnung ist eine starke Antriebsfeder, die ich mir aus Furcht vor Enttäuschungen quasi unbewusst versagt habe.

    Nun kann ich Dir aber auch sagen, dass ich nach einigen Wochen bereits wieder enorm viel Freude empfinden konnte :D .

    Alles Gute für Dich.

    Gruß
    Mitch

    Hallo Karsten,

    das ist natürlich einzusehen. Ich gugge dann in 4 Jahren und 10 Monaten mal wieder vorbei ;-).

    Entschuldige DFR,
    es ist nicht so, dass ich Dein Thema nicht ernst nehme.

    Ich würde mich keinesfalls verpflichtet fühlen, bereits in meinem Profiltext anzugeben, dass ich Alkoholikerin bin, so wenig wie ich dort den Rest meiner Krankenakte veröffentlichen würde.
    Nach meiner Erfahrung hat man spätestens nach dem dritten Telefonat herausgefunden, ob sich weiterer Kontakt überhaupt lohnt. Oft lallt das Gegenüber bereits beim zweiten Mal abends durch die Leitung oder äußert Ansichten, die mir die Haare zu Berge stehen lassen oder erwähnt dann doch, dass da sehr wohl ein/e Partner/in existiert, mit dem man natürlich ausschließlich in einer „Bruder-Schwester-Gemeinschaft“ lebt, aber eine Affäre geht ja schließlich immer, gelle, wenn man die eigenen moralischen Grenzen etwas auflockert und sie dem Gegenüber anpasst…?! (*Ironie-Modus off*)
    Ich verschwende meine Energie nicht, um mich diesen Menschen zu erklären, die sich zu Hunderten im I-Net tummeln.
    Allerdings gab es danach, wenn ernsthaftes Interesse an einem Kennenlernen bestand, für mich stets nur einen Weg: Absolute Ehrlichkeit und Offenheit.

    Und Garantien gibt es für Toaster und Rasenmäher, aber nicht für zwischenmenschliche Beziehungen, nicht einmal für das eigene Verhalten. Das macht es ja so spannend ;-).

    Gruß
    Mitch

    Hallo Gina,

    meine Kinder waren Teenager, als ich mit dem Trinken aufgehört habe.
    Ein ganzes Jahr lang wurde ich zwar nicht kontrolliert, aber doch beobachtet.
    Sobald sie mich zu Hause sahen, kam ein vermeintlich „versteckter“ Blick (ich bin Mutter und habe natürlich auch Augen im Hinterkopf ;-)).

    Eine direkte Frage nach Alkoholkonsum kam von meinem Sohn nur ein einziges Mal. Ganz sachlich. Genauso sachlich habe ich ihm geantwortet. Er hat mir sofort geglaubt, da war kein Zögern. Wieder ein Schritt in eine gemeinsame Richtung.

    Wir sind natürlich alle verschieden, aber ich konnte es einfach so annehmen. Ich dachte nur: „Vertrauen bekommt man nicht hinterher geschmissen, das muss man sich (wieder) erarbeiten“.
    Ich habe darauf vertraut, dass diese „Kontrolle“ täglich abnehmen wird und genauso war es.
    Es sind Kinder, egal wie alt sie sind oder werden und ich denke, es hatte sie alles sehr verunsichert. Bei uns herrschte auch weniger Stolz vor als vielmehr Dankbarkeit, dass ich diesen Zustand beenden konnte. Andererseits hat niemand von mir erwartet, dass ich mich schämen müsste.

    Durchatmen zu können ist wichtig. Ich habe Dir geschrieben, um Dir zu sagen, dass Du kein Einzelfall bist. Jede/r von uns muss selbst entscheiden, wie er damit umgehen will oder kann.

    Ich wünsch Dir einen entspannten Sonntag.

    LG
    Mitch

    Hallo einzige Tochter,

    oft denke ich, wir haben nur nicht gelernt, mit den sogenannten „negativen“ Gefühlen umzugehen in dieser westlichen Hemisphäre.
    Angst und Trauer z.B. sind genauso starke Gefühle wie Liebe und Freude – man muss sie sich „nur“ (leichter gesagt als getan) zunutze machen können.

    Meine Ängste lassen mich wachsam und aufmerksam bleiben und schützen mich auf diese Art.
    Abstinenz verläuft bei jedem Menschen anders und ist nicht vergleichbar. Ich freue mich für Andere, denen es offenbar so leicht fällt, versuche aber, in diesem Punkt ausschließlich bei mir zu bleiben.
    Ich habe jahrelang Körper und Geist mit Alkohol vergiftet – ich werde mir jetzt auch die Zeit zugestehen, in Ruhe zu heilen, nötige Veränderungen vor- und anzunehmen und mich nicht auch weiterhin durchs Leben prügeln, um irgendwelchen obskuren Anforderungen gerecht zu werden, die ich noch gar nicht erfüllen kann. Ich widme mich jetzt meiner Krankheit, da ich ja auch nicht versuchen würde, mit einem gebrochenen Oberschenkel morgen schon die Vorbereitungen zu einem Marathon anzuleiern.

    Ein ganzes Leben abstinent? Ich habe vor Jahren auch jeden Menschen ohne Suchtkrankheit gebeten, sich in diesen Gedanken einmal hinein zu versetzen.
    Niemand konnte sich auch nur annähernd mit diesem Begriff „für immer und ewig“ abfinden.
    Das ist menschlich und völlig in Ordnung.
    Da ich diese Erfahrung gemacht habe, halte ich mich nun wieder an die für mich übersehbare Zeitspanne von 24 Stunden: Für diesen Moment, für die nächsten Stunden, für diesen Tag will ich für mich sorgen und alles tun, um nicht trinken zu müssen. Der Notfallkoffer hilft dabei, der sogenannte Plan B.
    Und so erarbeite ich mir Tag für Tag, bis ich die Frage nach der „Ewigkeit“ nach hinten stellen kann und sie auf diese Weise ihre Bedeutung verliert, weil :D ich in der Zwischenzeit doch längst bemerkt habe, wie intensiv ich wieder Freude empfinden kann und wie viel leichter es mir fällt, schwierige Situationen zu meistern, wenn ich mich nicht ständig selbst ins Abseits katapultiere und total wegbeame.

    Sei bitte nicht so streng mit Dir, denn es ist nicht nur gefährlich, immer nur für Andere zu springen und deren Bedürfnisse erfüllen zu wollen, sondern auch, sich selbst zu überfordern.

    Vielleicht kannst Du ja diesen Sonntag bereits nutzen, um Dein Notfallköfferchen zu packen und Dir zu überlegen, was Dir helfen würde, Dich leichter und besser zu fühlen, ohne trinken zu müssen.

    Gruß
    Mitch

    Hallo NNGNeo,

    mir zumindest geht es genauso. Es vergeht kaum eine kurze Zeitspanne, in der ich nicht esse.
    Allerdings stehe ich nicht so auf Chips und Süßigkeiten, sondern halte mich eher an Obst und Gemüse, weil es mir einfach besser schmeckt.

    Außerdem qualme ich noch mehr als vorher, das ist echt fatal und dagegen muss ich dringend etwas unternehmen.

    Ich habe diese "Suchtverlagerung" aber schon bei vielen Menschen beobachtet, die mit dem Trinken oder mit Drogen aufhörten. In der Regel hat sich das nach ein paar Monaten von selbst normalisiert.

    Ich hatte, als ich noch getrunken habe, kaum Lust, etwas zu essen. Der Alkohol war sättigend genug und anscheinend holt sich der Körper jetzt, was er so lange vermisst hat.

    Schönen Abend trotz der Völlerei ;-).

    Gruß
    Mitch

    Hallo Andreas,

    das Baumhaus-Projekt scheint mir eine superschöne Idee zu sein und ich wünsche Dir / Euch viel Spaß bei der Planung und Ausführung.

    Ich wünsche Dir allerdings auch ausreichend eigenen Grund und Boden zu der Verwirklichung und sei bitte nicht enttäuscht, wenn es nur das zweithöchste Baumhaus Europas werden kann: Das höchste über immerhin fünf Stockwerke haben meine Kinder vor Jahren - zunächst unbemerkt – ausgerechnet in eine Edeltannenschonung bei Hamburg geklopft *soifz.

    Sie erklärten die Wahl des Baugrunds mit dem erschütternden Mangel an Baumbestand auf dem Balkon unserer damaligen Mietswohnung. Es ist erstaunlich, wie rasch man als Mutter kleiner Hobbyhandwerker sämtliche Honoratioren der Stadt kennenlernen „darf“.

    Allen ein entspanntes Wochenende.

    Gruß
    Mitch

    Soeben denke ich noch: Übertreibung veranschaulicht :wink:

    Und überlege still, dass das Heer der Übersetzer der Beiträge Jonas´ zu einer stattlichen Zahl angewachsen ist.
    Und überlege weiter, ob das wohl nötig ist, denn kaum jemand kommentiert hier so außerordentlich präzise wie er.

    Ein höchst interessantes Thema, die Unterscheidung zwischen kommunem Liebeskummer in allen möglichen Varianten und Co-Abhängigkeit.
    Ich bin ganz sicher, dass Jede/r dies für sich herausfinden kann, sobald sie/er anfängt, ehrlich mit sich selbst umzugehen.
    Für mich selbst befürchte ich, dass ich mir hier fast jeden Schuh anziehen kann und deshalb für die nächsten 700 Jahre erst einmal genug Futter habe, um mich zu beschäftigen ;-).

    Allen ein entspanntes Wochenende.

    Gruß
    Mitch