Beiträge von Katharsis

    Hallo alk_örgs,

    hm… nee, könnt ich für mich so nicht unterschreiben, die ganze Sache mit dem Ende, obwohl ich Deine Überlegungen durchaus nachvollziehen kann.
    Wir sprechen ja nicht von einer gemütlichen Dauer-Sause, bei der man sich in Ruhe überlegen kann, ob es heute noch ein Gläschen mehr sein darf oder ob die Bauchspeicheldrüse quiekt und wir das Ganze besser auf morgen vertagen sollten.
    Ob Koma- oder Quartalssäufer oder auch Spiegeltrinker, beim abhängigen Trinken gibt der Körper vor, was reingelitert werden muss. Da sehe ich weniger einen Gewinn als vielmehr eine üble Quälerei, denn Wunsch und Wille haben da keine Anteile dran. Oder ist es bei dir tatsächlich anders?

    Ich weiß nicht, ob nun der Weg immer das Ziel ist und dergleichen schöne Sprüche mehr, ich bin da pragmatischer und denke, irgendwann muss auch mal was dabei rumkommen.
    Vielleicht bin ich zu einfach gestrickt (*rofl*) oder zu naiv, für mich aber habe ich festgestellt, die Welt dreht sich weiter. Was mich gestern noch halb um den Verstand gebracht hat, ist morgen bereits obsolet oder es findet sich eine Lösung oder läuft nebenher und erhält eine andere Wertigkeit. Stück für Stück habe ich Berge abgetragen und glücklicherweise ist mir heute bewusst, dass ich nicht alles gleichzeitig erledigen kann, aber ich mache mich irgendwo ans Werk. Aus einem einfachen Grund: Saufen ist für mich keine Option, kenn´ich ja bereits.

    Dieses Dahinvegetieren ist mir zu öde, grauer Einheitsbrei und ich bin nicht mehr in der Lage, diese Nebel zu durchdringen (die Ausführungen über nackte Verzweiflung, Panikattacken, gefühlter Sinnlosigkeit, etc. erspare ich mir jetzt an dieser Stelle). Ich bin mir oft selbst genug, kann mit mir wunderbar lachen, aber für ein Entertainment 24/365 reicht es eben doch noch nicht und so kann ich auf vieles gern verzichten, aber nicht auf alles.

    Wenn ich trinke, funktioniert der (Energie-)kreislauf nicht mehr. Es gehen Energien flöten, aber nichts kann von außen in mich einfließen, mich erreicht ja nichts mehr. Was also sollte mich noch aufhalten, wenn ich mich richtiggehend in Depression und Hoffnungslosigkeit ertränke. Da kann doch der Selbstmord als Absichtserklärung aus freiem Willen und klarem Bewusstsein gar nicht mehr erfolgen, obwohl ich weiß, wie müde ein Mensch werden kann oder wie verzweifelt. Schwieriges Thema für mich.

    Abbitte leisten in mancher Form, das ist wohl notwendig, doch bei der Bezeichnung „ vorbildlich sozial integriert“ sträubt sich mir bereits das Nackenfell, da ich das Gefühl habe, es geht der Menschheit damit anderweitig Wertvolles verloren. Warum das Umfeld ver@rschen? Selbst ohne diese Erfahrung bin ich in meinem abstinenten Leben so entschlossen aufrichtig unterwegs, dass ich für Andere durchaus eine Prüfung darstellen mag, da ich ihnen von mir oft nicht servieren kann, was sie gern hören würden, weil es gefälliger klingen würde.

    Deine Negativmotivation würde mich bestenfalls an den Start hieven, dann würden mir schon wieder die wunderbaren Erlebnisse, Eindrücke und Bilder, die ja nicht alle werden, die Absicht verhageln und statt mit kriegerisch vorgeschobenem Kinn entschlossen, kühl und sachlich meine to-do-Liste abzuhandeln, wäre ich wieder abgelenkt durch gute Laune, Staunen, Dankbarkeit, Überraschung, Freude oder gar Rührseligkeit. Klingt albern, macht mir aber auch nichts mehr aus *g*.
    Und wieder liest es sich, als würde ich mir selbst ständig widersprechen und deshalb formuliere ich jetzt mal vorsichtig: Mein eigener Mangel an Außenorientiertheit ist für viele Menschen sicherlich befremdlich, andererseits bin ich auf Empfang geschaltet und mir entgehen auch die schönen Dinge nicht, die Menschen sich so einfallen lassen.

    Über Deine Anmerkungen zum Verliebtsein habe ich geschmunzelt, besonders gut gefallen hat mir die Formulierung: „… wenn da der andere irgendwie immer WIEDER „toll“ ist“. Wer so vernünftig denken kann, kann sich meiner Meinung nach auch Hals über Kopf wieder hinein stürzen :-).
    Deine zwischenmenschlichen Kontakte hatte ich mir so oder so ähnlich vorgestellt, wobei die erwähnte Aufforderung: „Du musst jetzt Interesse heucheln“ selbst meine Vorstellungskraft in puncto Möglichkeiten überstieg. Ich glaube ganz sicher, dass es für jeden Menschen auch passende Gegenstücke gibt – also Freunde und Bekannte - nur sitzen die meist nicht geballt ganz praktisch im Nachbarkaff herum.

    Die Fristen, die Du dir gesetzt hast, würde ich für mich persönlich als eher technisch einstufen, aber für den Anfang mag es reichen ;-). Euphorie kann man Dir ja nun wirklich nicht vorwerfen und ich wünsche Dir ein Gefühl zu den Möglichkeiten nach Ablauf Deiner selbstgesetzten Fristen.

    Herzliche Grüße
    Katha

    Moin Eni,

    natürlich schaffst Du das Leben!
    Ich glaube fast, Du bist immer noch zuviel allein und dann ist es schwieriger, als wenn ständig eine Horde Menschen um uns herumspringt. Schwieriger, aber nicht unmöglich.
    Es gibt Momente oder auch Phasen, da zerrt etwas an unserer Jacke und alles erscheint so sinnlos. Wenn mir dann die Energie und Kraft fehlte, mich zu erinnern, wo ich hin will und daran zu arbeiten, habe ich vorübergehend alles gen Null geschraubt und mich darauf beschränkt, mir wieder klarzumachen, wo ich nie wieder hin will. Das hat mich erst einmal durch die dunklen Wolken geschoben, bis es mir besser ging.

    Dein Sohn kam vorbei, weil wir Alle manchmal etwas Unterstützung benötigen und nicht, weil Du allem hilflos ausgeliefert bist und nicht genügend Kraft für Deinen Weg hättest.
    Mein Sohn fleezte sich manchmal wortlos neben mir auf die Couch, als hätte er gefühlt, dass es mir gerade schlecht ging. Er war einfach da und das hat mir geholfen. Das andere Kind rief an, „einfach nur mal so…“, ein guter Freund meldete sich oder es passierte irgendetwas Schönes – gar nichts besonders Großartiges – nur soviel, dass es reichte, um mich daran zu erinnern, dass diese Dinge nach wie vor existieren und möglich sind.
    Keine Zufälle ;-).

    Wenn Du unter Depressionen leidest, ist vielleicht jetzt nach fast sechs trockenen Monaten die Zeit gekommen, Dir ärztliche Hilfe zu holen, bis es Dir besser geht. Ein nasser Alkoholiker kann wegen Depressionen nicht behandelt werden.
    Vielleicht kannst Du dir doch noch eine reale SHG suchen. Da hast Du Ansprache, Verständnis, menschliche Kontakte und sicherlich vergeht dann das Gefühl, dass Du allein bist, denn es gibt so viele Betroffene. Tödlich ist es nur, wenn wir uns wieder total isolieren und in Starre verfallen. Saufend allein vor uns hinzuvegetieren ist doch nun echt keine Lösung mehr für uns.

    Ich wünsche Dir ebenfalls ganz viel Kraft für den nächsten Schritt und eine frische Brise unter den Flügeln.

    Viele Grüße
    Katha

    Hi alk_örgs,

    ich denke, dass Du eine Menge zu sagen hast und ich lese Dir gern zu, erinnert mich an Vieles aus meinen früheren Leben.

    Herr K. scheint öfter mal erbleicht zu sein, ich kann es ihm nachfühlen ;-).
    Im Suff bist Du also auch nicht glücklich, aber das ist nach meiner Erfahrung auch Niemand, der abhängig trinken muss. Und nüchtern? Dulden, verdrängen, aushalten, durchhalten, weitermachen? Nie zufrieden? Oder wenigstens mal entspannt? Dauerhaftes Glück muss es ja nicht sein, das macht bekloppt im Kopf, so ähnlich, wie mehr als 6 Monate durchgehend verliebt zu sein. Dafür sind Menschen gemeinhin nicht ausgestattet.

    Du hast es nicht leicht mit Dir. Irgendetwas muss da aber sein, sonst hättest Du nach Deinen Erfahrungen ja auch einfach durchsaufen können bis zum Ende. Haste aber nicht, Du bist jetzt wieder 5 Monate clean. Wenn es für Deine Stimmung keine Rolle spielt, ob Du nüchtern oder halbbesoffen bist, was ist es dann, das Dich noch (oder wieder) treibt oder zieht. Und wohin?

    Niemand kann ja nun nach Deinen Erzählungen behaupten, dass Du dich so gar nicht bemüht hast. Falls Du nicht nur herumgekaspert hast (entschuldige, ich z.B. bemale Menschen nach wie vor mit Fingerfarben, ohne auch nur einen halbwegs vernünftigen Grund dafür nennen zu können), hast Du doch einiges aufgeboten auf der Suche nach Deinem Ich. Nun blieb nur ein zerbröseltes, buntes Puzzle, was eventuell daran liegt, dass Du dich von außen nach innen durcharbeiten wolltest.
    Bunt-fröhlich kommt meiner Meinung nach aber eher von innen, was in diesem Fall in der Praxis nicht umsetzbar ist, falls man sich danach noch an seinen Erkenntnissen erfreuen können möchte. Was mich gefreut und beruhigt hat, war, dass Du dich nach diesem Experiment gefühlt hast wie Max ODER Moritz. Ich hätte mich eventuell gefühlt wie Max UND Moritz und das ist keineswegs scherzhaft gemeint.
    Klingt für mich jedenfalls alles danach, als wärst Du dir selbst auch in dieser Zeit nicht wirklich näher gekommen.

    Und natürlich hast Du recht: Entgiftungen sind keineswegs lustig. Der rote Ball, die eingeschlossenen Putzmittel, die Hallus, etc… ich erinnere mich jetzt. Nur bin ich erst nach meinem kalten Entzug (den ich nie wieder erleben will!) direkt in die Klinik marschiert. Ich hatte in dieser Hinsicht aus reiner Notwehr alles verdrängt und weggepackt, was mich nur zusätzlich belastet hätte, weil da zwei Kinder auf mich gewartet haben.
    Ein furchtbarer Gedanke, dass da auch auf meine Rückkehr bereits Fähnchen schwenkend Schwestern hätten warten können, die mich begrüßt hätten, wie einen gerngesehenen Gast. In „meiner“ Klinik wurden in erster Linie pünktlich zum ersten Frost die Menschen erwartet, die sich für einen gewissen Zeitraum in die Wärme retten mussten.

    Trotz der Ernsthaftigkeit des Themas habe ich über den Vergleich mit den Schildern „Warnung vor dem Elch“ laut gelacht. Befremdlich für Andere? Mag sein. Miregal (ein Wort). Bestürzt bin ich innen und Lachen – auch und vor allem über mich selbst – ist nur eine andere Form der Manifestation. So fand ich es auch nie befremdlich, Menschen lesend in Kneipen oder auch Tanzlokalen vorzufinden. Es ist Leben oder zumindest menschliche Bewegung um sie herum und sie bereichern sich auf ihre eigene Weise. So sehr ich Bücher liebe, so wenig konnte ich angesoffen lesen. Blieb die Glotze, die ich nur im Ausnahmezustand ertragen kann. So erledigen sich manche Dinge ganz von selbst.
    Schade reden kenn ich auch, obwohl ich Diskussionen im angesäuselten Zustand immer genossen habe. Da kam bei den Menschen mal ein bisschen Leidenschaft in die Figur und sie gingen mehr aus sich heraus. Ein Zustand, der sich mit fortgesetztem Konsum allerdings ziemlich schnell wieder erledigt hatte.

    Über die berufliche Seite meines Lebens habe ich damals oft nachgegrübelt und wäre darüber fast verzweifelt. So habe ich letzten Endes eine Auszeit genutzt – Abfindung nach Schließung der Zweigniederlassung – um mich in die Klinik zu begeben. Die „Ausfallzeit“ wollte ich so kurz wie möglich halten und dann sofort wieder im nächsten Job ranrauschen.
    Heute sehe ich das Ganze mit anderen Augen. Es ging um meine Gesundheit, mein Leben. Der beste Job nutzt mir nichts, wenn ich nicht absolut klar bin im Kopf. Nichts ist mehr wertvoll, wenn ich trinke, denn dann wird mir alles gleichgültig.
    Wenn ich mich dann also für´s Leben entscheide, kann es nichts mehr geben, was wichtiger wäre, als alles dafür zu tun, damit es möglich ist. Da wäre mir der Job, der Chef, die Personalabteilung im Moment mal völlig egal, bis ich wieder sicher auf den Beinen stehe.

    Hast Du Menschen, mit denen Du reden und Dich austauschen kannst?

    Herzliche Grüße
    Katha

    Moin alk_örgs,

    vielleicht müssen wir selbst einfach nur akzeptieren, wie wir nun mal sind, statt herumkreiseln und zu versuchen, uns innerlich und äußerlich zu verändern oder auch nur so zu geben, dass wir besser in den allgemeinen Pott passen. Meine Bestimmung ist es auch nicht, Therapeuten, Psychologen oder Ärzte glücklich zu machen und schon gar nicht den gesamten Rest der Menschheit. Ich „arbeite“ an mir, damit ich sein kann, wie ich bin oder auch sein muss, ohne mir selbst Schaden zuzufügen oder Andere zu verletzen. Das reicht mir als Ziel für dieses Leben mittlerweile völlig ;-).

    Vielleicht bist Du von Haus aus einfach der Melancholiker, der Zyniker, der Pessimist oder auch depressiv, nicht gerade der Sohn der Sonne, doch deshalb nicht weniger wertvoll.
    Ich habe Anwandlungen von unbändiger oder auch stiller Freude, von Dankbarkeit und dann kann ich mir wegen jedes Kinkerlitzchens ein Loch in den Bauch freuen, andererseits bin ich zynisch, skeptisch und sarkastisch bis hin zur Unhöflichkeit. Ich bin die Frau, die in der Hölle schmoren wird, weil sie den Kettenbriefquatsch noch nie weiter geschickt hat.

    Ich habe mir die Zähne ausgebissen an einem Freund, der depressiv veranlagt ist und wollte ihm unbedingt ein bisschen Lebensfreude einhauchen. Ständig hatte ich das Gefühl, er zieht mich runter mit seiner überwiegend negativen Grundhaltung.
    Nun stelle ich nach Deinem Kommentar fest, dass ich damit einen Fehler gemacht habe.
    Loslassen, sein lassen. Ihm das zugestehen, was ich auch für mich selbst in Anspruch nehme. Genießen, was das sonst noch so ist, nämlich ein absolut hilfsbereiter, liebevoller, aufmerksamer und verständnisvoller Mensch, mit dem ich herrlich lachen kann über die dunklen Seiten der Menschen und des Lebens. Das sollte doch wohl vollkommen reichen, ohne dass ich weiterhin versuche, aus ihm noch einen fröhlichen Kasper zu machen.
    Danke dafür.

    Ich habe doch oft genug hinter die Fassaden von Menschen sehen können, um zu wissen, dass Niemand vollkommen ist. Wie oft verbirgt sich denn hinter der Liebenswürdigkeit und Höflichkeit nur Unaufrichtigkeit oder auch Feigheit, manche legen täglich 18 Stunden richtiggehende Auftritte hin in Sachen „Menschenfreundlichkeit“. Vielleicht hätten Internisten weniger um die Ohren, wenn Jeder einfach mal ehrlicher wäre, weniger höflich.

    Vielleicht stellt sich auch die Frage nach dem Sinn gar nicht und es geht nur darum, das Beste draus zu machen, wenn wir sowieso schon mal existieren.

    Bist Du denn nie unbeschwert oder hast Freude, wenn Du nüchtern bist?
    Die Anzahl Deiner Ehen und der Aufbau einer eigenen Firma lässt zumindest darauf schließen, dass da Hoffnung ist oder war.
    So albern wie es klingen mag: Wenn ich in Deinen Stiefeln laufen würde, wäre jetzt der Zeitpunkt für mich gekommen, mal eine Aufstellung zu machen von den Menschen, Dingen oder Unternehmungen, die mir jetzt noch Spaß oder auch Freude bereiten, mich bereichern und auch umsetzbar sind. So ganz ohne Freude oder auch reinem Wohlfühlen oder genießen können, wird’s schwierig.

    Für mich persönlich ist vollkommen klar, dass ein Abstinenzgedächtnis existiert und der Gedanke an eine Co-Abstinenz überrascht mich nicht. Den habe ich offensichtlich längst hingenommen. Beides war für mich hilfreich auf meinem holprigen Weg als Teilzeit-Optimistin.

    Dir wünsche ich ein Zimmer mit Aussicht.

    Herzliche Grüße
    Katha

    Hallo alk_örgs,

    danke für Dein aufrichtiges Mitgefühl, meine Aufmerksamkeit hast Du.
    Hard stuff, aber offensichtlich bist Du ein Fighter. Klingt, als wäre trotz all Deiner Bemühungen der letzte Berg dann doch zu hoch, als dass Du drüberkraxeln könntest, um mal zum Horizont zu plieren. Reicht nur fürs Jammertal. Kann ich nachvollziehen.

    Einiges verstehe ich aber nicht. Bislang war ich der Meinung, dass die Sinnfrage eher mal hinter dem „Abstinenzteufel“ (oder auch dem Saufsatan) hervorlinst, nicht umgekehrt.
    Unwichtig jetzt. Ich verstehe aber auch Deine Überlegung(?) nicht ganz: Trocken sein allein reicht nicht.
    Davon bin ich z.B. überzeugt, aber Du hast eine Monatelange stationäre Entgiftung (also eher Entwöhnung) gemacht und warst in einer Tagesklinik. Das ist doch ein ganz anderer Schnack hinsichtlich therapeutischer Unterstützung, Einzel- und Gruppengesprächen und dem ganzen Zinnober im Gegensatz zu meinem dreiwöchigen Aufenthalt in einer reinen Entzugsklinik, von der ich sagen kann, ich konnte Tischtennis und Badminton spielen und das Essen war super. Da wurde entzogen und gut, mehr war ja gar nicht vorgesehen.
    Hast Du dir von dieser Zeit denn auch nichts mitnehmen können, außer der reinen Technik, nicht zu trinken?
    Glaube ist für mich das, was bleibt, wenn ich nicht sicher bin ;-). Ich glaube, dass Weihnachten nur 2,5 freie Tage sind, wenn mir gerade nicht danach ist. Wenn´s vorüber war, fragte ich mich ständig, warum ich mir deshalb überhaupt Gedanken gemacht habe. So ähnlich isses mit dieser regelrechten Panik, die Monate vor Sylvester bei Vielen ausbricht bei der Frage: Wo und mit wem kann anständig gefeiert werden. Erst wenn es vorbei ist, können sie sich wieder entspannt zurücklehnen. Bis zum nächsten Jahreswechsel.

    Dir noch einen netten Abend.

    Viele Grüße
    Katha

    Liebe Thalia,

    ich wollte Dich nicht zum Weinen bringen und drück´Dich einfach mal, wenn ich darf.
    Wenn ich mich nicht gerade in Ironie flüchte, geht manchmal der Gaul mit mir durch, denn da ist immer noch diese Liebe zu Menschen in mir.
    Entgegen anderslautender Meinungen mag ich keine „Opfer“ mehr sehen und ich sehe öfter als mir lieb ist, dass Menschen sich selbst total unterschätzen.
    Das einzig Positive an der Tatsache, dass ich aus der Co-Abhängigkeit direkt in die Alkoholsucht gestolpert bin, ist, dass ich beide Seiten kenne und nachvollziehen kann.

    Ich würde mir wünschen, dass jeder Alkoholiker versteht, dass er krank ist, aber kein Opfer, und er die Möglichkeit hat, diese Krankheit zum Stillstand zu bringen, egal wie verzweifelt er gerade sein mag. Es gibt Hilfe und auch Verständnis!
    Ich spüre oft noch soviel Bitterkeit, Verachtung und teilweise auch Hass bei manchen Co´s, dass ich mir für sie wünschen würde, sie könnten tatsächlich verstehen, dass es sich um eine Krankheit handelt. Es liegt nie daran, dass sie nicht liebenswert sind, menschlich nicht wertvoll, zu dick, zu dünn, zu hässlich, zu fordernd, zu egoistisch oder zu sehr bemüht, nur be- und ausgenutzt werden sollten, etc.
    Es gibt Eltern, die ihre Kinder nicht lieben können, ob sie nun ein Suchtproblem haben oder nicht. Es gibt keinen „Elternführerschein“ und so sind auch Eltern nur Menschen und machen Fehler, die z.T. fatale Folgen haben können. So würde ich mir auch wünschen, dass Kinder verstehen könnten, dass es nicht an ihnen liegt, dass sie nicht „schuld“ sind daran, dass an ihnen nichts Verkehrtes ist.
    So sehr wie ich Familie schätze, kann ich einigen Menschen tatsächlich nur dazu raten, sich auch von Eltern oder auch Geschwistern zu distanzieren, wenn sie ständig unter der lieblosen Behandlung leiden müssen.

    Kein Mensch sollte unter schlechter Behandlung leiden müssen, nicht im Job und schon gar nicht in der Familie oder gar in der Partnerschaft.
    Was geschieht denn letztendlich oftmals in der Beziehung zu einem aktiven Süchtigen?
    Ich hinterfrage oder mache berechtigte Vorwürfe, wenn der Andere seine Zusagen nicht einhält. Mir fällt der Konsum auf. Ich frage wieder und werde belogen. Pure Entrüstung schlägt mir entgegen und der Partner ist total gekränkt ob meiner Verdächtigungen.
    Na, das will ich ja nun auch nicht. Ich bin ja kein Unmensch und will ihn doch nicht zu Unrecht beschuldigen und ihn damit verletzen. Ich fühle mich schuldig. Kurze Zeit später fällt er (vielleicht) ins Koma.
    Ich bin stinksauer und denke: Ich hatte doch recht! Nur geht es in diesem Fall nicht ums „recht haben“ und damit ist nichts gewonnen. Oft ist der Alkoholiker in diesem Stadium ja noch in dem Wahn verfangen, er hätte gar kein Problem und könne jederzeit wieder aufhören.
    Dies ist kein fieses „Spielchen“, für den nassen Alkoholiker ist es die reine Notwendigkeit, denn der Druck wird immer größer.
    Ich habe von der Krankheit überhaupt keinen Plan. Was bei mir ankommt, ist nur eines: Ich werde belogen, hintergangen und vielleicht auch manipuliert.
    Mein Misstrauen wird immer größer und ich fange an, ihn zu kontrollieren.
    Ich muss mir irgendwie beweisen, dass ich meiner eigenen Wahrnehmung trauen kann und will mich nicht veräppeln lassen. Je öfter ich ihn bei irgendwelchen Lügen ertappe, desto haariger werden seine Ausreden. Hat er seinen Pegel erreicht oder ausreichend Gelegenheit gehabt, sich mal so richtig volllaufen zu lassen, ist er lieb, friedlich und handzahm.
    Bedränge ich ihn zu sehr, bricht er u.U. mit absolut lächerlichen Argumenten einen Streit vom Zaun, um sich verpieseln zu können, damit er in Ruhe trinken kann, weil er muss. In diesem Stadium sollte sich Niemand wundern, wenn er es überraschenderweise dann doch ablehnt, wie geplant zusammen zu ziehen oder sich zum … äh.. „Basteln“ in den Keller verzieht.

    Ich bin dauer-enttäuscht, misstrauisch, hilflos, Kontrollsüchtig, verbittert und nörgle ständig herum, nichts macht mehr wirklich Spaß oder Freude. In seinen „klaren Momenten“ macht er mir Hoffnung, nur um sie dann prompt wieder zunichte zu machen. Ein Wechselbad der Gefühle, das kaum ein Mensch unbeschadet überstehen kann. Eventuell ist er jetzt bereits so genervt von mir – ich bin ja irgendwie „schuld“ daran, dass er nicht trinken kann wie er muss – dass er sich eine verständnisvollere und vor allem entspannte Frau sucht (oft auch nur platonisch, denn alles Andere kostet wieder Energie, die er kaum noch hat), mit der er herumblödeln kann. Nur weil ich richtiggehend zum Biest mutiere, heißt das ja noch lange nicht, dass er zwischenzeitlich überhaupt keinen Spaß mehr hat. Eifersucht verstärkt jetzt mein Misstrauen. Ich bin maßlos enttäuscht, denn während ich versuche, ihm zu helfen und ihn zu unterstützen, zu retten was zu retten ist, ist er als Eintänzer unterwegs. Ich bin wie ich bin und so zweifle ich plötzlich an mir selbst, nicht an ihm. Irgendwie idiotisch, passiert aber häufiger als man glauben mag.

    Hänge ich lange genug in dieser Endlosschleife aus Hoffnung und Enttäuschung mit immer wieder neuen Lügen, Ausreden, Versprechungen oder gar Bitten um Hilfe und Verständnis, weil ich nicht loslassen kann, zweifle ich irgendwann dann tatsächlich an meiner eigenen Wahrnehmung. Ich sehe und kann doch nicht glauben, ich erinnere mich und muss mich doch noch einmal vergewissern. So kann es passieren, dass ich drei Mal hintereinander in meiner Tasche nachsehen muss, ob ich den Schlüssel tatsächlich auch eingesteckt habe, bevor ich die Tür zuziehe.
    Von mir bleibt nichts übrig als eine verunsicherte, verbitterte, deprimierte und misstrauische Frau, die kaum noch Freude empfinden kann und sich für wenig wertvoll hält. Von ihm heißt es nach wie vor: „Was für ein netter, freundlicher und hilfsbereiter Kerl, und wie lustig der immer ist. Was will er bloß mit dieser Ziege?“ ;-).
    Das kann so passieren, muss aber nicht. Für Sucht und menschliches Verhalten gibt es keine Gesetze, oder vielleicht nur eines: Sowenig wie man den Alkoholiker dazu „bringen“ kann, mit dem Trinken aufzuhören, sowenig kann man den Co aus der Abhängigkeit schubsen. Es sind meiner Meinung nach Erkenntnisse, die im Innern eines jeden Menschen entstehen und heranreifen, bis er sich selbst aus der Situation lösen kann. Ein Prozess, der unterschiedlich lang dauern kann.

    Gut finde ich, was Rhein angemerkt hat: Wenn man sich Dinge notiert – es müssen ja keine täglichen Romane sein – verliert man sich selbst nicht aus dem Auge und kommt weniger ins Grübeln oder gar ins Zweifeln. Der Mensch verdrängt ja gern mal – ein Überlebensmechanismus - aber in bestimmten Situationen eben auch verheerend.

    Ich weiß gar nicht, warum mich plötzlich diese Schreibwut gepackt hat. Vielleicht liegt´s am Winter, Zeit, das Oberstübchen auszumisten :-). Jedenfalls gibt es Dümmeres, das ich an diesem grauen Samstag anzetteln könnte, als hier zu tippseln.

    Dir ganz liebe Grüße und ein schönes Wochenende.
    Katha

    Selbsthilfe, oft Eiertanz und Minenfeld. Kenne ich einen Süchtigen, kenne ich nicht alle. So verschieden die Menschen und auch ihre Situationen sind, so verschieden äußert sich Verhalten in der Sucht.
    Nach einem kürzlich erfolgten Gespräch möchte ich festhalten, dass ich seit langem Menschen kenne, die völlig auf sich selbst gestellt mit dem Trinken aufhören konnten.
    Das geht, keine Frage. Auch wenn es ein heikles Thema ist, kann ich Tatsachen nicht einfach ignorieren. Ich möchte aber hineinsehen in den Rucksack, mir den Ballast angucken, den diese Mit-Betroffenen mitschleppen.

    Ich bin also verzweifelt. Das lässt sich locker schreiben. Verzweiflung ist aber ein eiskaltes Gefühl, das mir die Luft abschnürt und mein Herz versteinert, mein Hirni und die Knochen lähmt, mich innerlich fast erfrieren lässt. Hoffnungslosigkeit macht sich breit. Dann ist mir die Eiseskälte fast schon gleichgültig. Fast, denn irgendetwas in mir sagt, dass dieser Selbstmord auf Raten nicht der Weg sein kann und ich frage mich: Zuviel Angst vorm Sterben oder ist da vielleicht doch noch ein Ziel oder Wünsche, take it or leave it, Sekt oder Selters, Hopp oder Top, the more I see, the more I know, the more I like to let it go – letztendlich alles nur die Frage nach: Leben oder sterben?!
    Als Zynikerin behalte ich persönlich im Hinterkopf, dass jedes Leben zwangsläufig mit dem Tod endet, doch als Alkoholikerin weiß ich, dass ich elendig verrecken würde vor der Zeit: Niemand kann Organe zusammen flicken, die im Begriff der Auflösung sind. Da gibt es kein Zurück.

    Nach dieser langen Tortur, behaftet mit Zweifeln jedweder Art, mache ich mich dann doch auf den Weg, denn ich will mich befreien. Die Gründe hierfür sind individuell.
    Nun fällt mir plötzlich ein: Verdammt peinlich das Ganze.
    Ich bin zwar höchstpersönlich durch die Hölle gegangen, habe mir vielleicht sogar weismachen können, dass Niemand mitbekommen hat, wie ich „geschwächelt“ habe, doch nun riskiere ich alles.
    Ich setzte alles, was ich gerade noch retten wollte, nämlich mein Leben, aufs Spiel und entziehe ganz allein vor mich hin, damit bloß Niemand von meiner „Schwäche“ erfährt.
    Vielleicht gibt es Betroffene, die genauso wenig informiert sind wie ich z.B. damals: Bei einem Alkoholentzug ohne ärztliche Betreuung kann Deine Atmung einfach aussetzen und Du stirbst.
    Sollte ich den kalten Entzug überlebt haben, geht’s weiter.
    Hilfe und Unterstützung kann ich mir nicht holen, denn nach wie vor soll ja Niemand erfahren, dass ich Alkoholsüchtig bin.
    Macht einsam und kostet eine Menge Kraft.
    Ich stelle fest, wie anstrengend das Leben sein kann.

    Alkohol ist überall, aber da ich kein Statement abliefern will oder kann, muss ich ständig Ausreden erfinden. Familie, Freunde, Firma. „Ich trinke nicht, weil ich noch fahren muss!“. „Mein Antibiotikum verträgt sich nicht mit Alkohol!“. „Ich habe Hepatitis aufgrund einer Bluttransfusion“ [Liste lässt sich beliebig fortsetzen…]
    Wenn ich ein bisschen Alkoholkonsum zugeben kann, versteige ich mich noch in einem völlig anders gelagerten Forum zu der Aussage, man hätte mich in einem Alkoholikerforum nicht ernst genommen, weil ich „zu wenig“ getrunken habe.
    Mein Kopf sagt dazu nichts, aber mein Bauch schreit, dass da Jemand die erste Hürde – Offenlegung beim Arztbesuch, bei nahestehenden Menschen – nicht nehmen konnte. Das ist natürlich nur ein subjektiver Eindruck.
    Was bleibt also?
    Nach dem, was ich oft gesehen habe, ein Leben voller Lügen und Ausreden.
    Stehe ich dann nicht genau an dem Punkt, von dem aus ich gestartet bin, als ich mit letzter Kraft versucht habe, das Ruder herum zu reißen?!

    Vielleicht unterscheide ich mich von manchen anderen Alkoholkranken, weil ich nie lügen oder Ausreden erfinden musste, ich habe immer getan, was ich gerade tun musste. Ich musste Niemanden bestehlen, weil ich immer mein eigenes Geld verdient habe. Wenn ich sagte: „Ich liebe Dich!“ war das Gefühl da und echt.
    Ich habe Niemanden benutzt oder ausgenutzt und fühle mich deshalb nicht als Täterin, wie es von anderen Co-Abhängigen zu oft gern gesehen wird.
    Ich habe vor allem niemals getrunken, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich habe getrunken, weil ich süchtig bin.
    Als meine kleine Tochter mir damals den Flachmann, den sie versteckt hatte, wiederbrachte, mit einem Zettel darauf: „Bitte nicht trinken!“ – konnte ich nicht aufhören mit dem Alkohol – obwohl es ein Gefühl war wie sterben.
    Sie und ich, wir wissen, dass sie niemals unter meinen Ausfällen zu leiden hatte – in der Praxis, im täglichen Leben. Gefühlt hatte sie das Empfinden, dass ich mich quasi verflüchtige und geistig nicht mehr erreichbar bin. Sie hatte Angst um mich und das sollte niemals passieren.
    Dieses Gefühl hat mich erreicht und auch ich hörte kurz danach von einem auf den andern Tag auf, zu trinken. Ohne jedwede Unterstützung. Ich hätte es nicht ertragen, meine Kinder in dem Glauben zu lassen, irgendetwas auf der Welt wäre wichtiger als sie.
    Ein halbes Jahr lebte ich, als hätte es Sucht in meinem Leben nie gegeben.
    Bis mein nächster Lebensgefährte ebenfalls starb.
    Drei Wochen hielt ich noch nüchtern durch, aber ständig riefen mich Freunde an, leicht besäuselt, denn sie mussten sich Mut antrinken – was soll man Jemandem auch erzählen, der einen solchen zweiten Verlust nacheinander erlitten hat – und ich fing wieder an mit der Trinkerei.
    Du hast mich gefragt und so antworte ich Dir hier, mit Deiner Erlaubnis: Es nutzt gar nichts, rein technisch und mit einem Kraftakt mit der Sauferei aufzuhören, wir müssen die Leere auch mit Inhalt füllen.
    Ich schäme mich nicht, zu sagen, dass ich Alkoholikerin bin.
    Ich bin frei, es zu äußern, wo ich will und wann ich will.
    Manchmal zweifle ich daran, dass ich krank bin, weil ich versucht bin zu glauben, ich hätte meine Energien anders einsetzen können, aber wenn selbst Krankenkassen nicht zweifeln, nehme ich es mal so hin.
    Ich vermeide die Erwähnung dieser Krankheit in meinen Jobs – ich möchte nicht zum Pausengesprächsstoff irgendwelcher Hühnchen werden – das hält mich nur auf.
    Jederzeit aber habe ich die gefühlte Freiheit in mir, Personen meines Vertrauens zu sagen: „Ich bin Alkoholikerin“!
    Das kann ich nur, weil ICH dazu stehe. Das macht mich frei. Wie frei bist Du?

    Kuss
    Katha

    Huhu Susanne,

    nee :D, es sei denn, Jemand würde mir vier Hecken dafür zur Verfügung stellen ;-).
    Ich bin seit einiger Zeit voll gedanklich besetzt mit allen Aspekten der Co-Abhängigkeit und rotiere da so vor mich hin.
    Ich weiß natürlich, dass ich Niemandem Sucht erklären kann, der nicht selbst davon betroffen ist, aber manchmal wünschte ich, Andere würden es nachvollziehen können, dann wäre ein anderer Umgang miteinander möglich.
    Ansonsten habe ich eine Menge Termine angezettelt und renne tagtäglich die Hügel hoch und runter. Ich bin in die Hände eines Riesen geraten, der sich als Physiotherapeut ausgibt, allerdings habe ich sowohl ihn als auch meinen neuen Hausarzt im Verdacht, dass sie beide Mitglied im „Sadismus im Alltag“ e.V. sind und sich mit Leuten wie mir während der Woche königlich amüsieren.
    Der Mann klappt mich zusammen wie eine Stulle und freut sich dann, dass ich trotz Mieder so überaus beweglich bin :D. Na subba.
    Die Pflanzen müssen in den Keller und die Weihnachtsdeko muss hinaus, die Autobatterie muss ausgebaut werden und nix davon kann ich allein schleppen. Das ist deprimierend und so muss ich warten, denn die Unterstützung ist gerade mit wehenden Haaren auf dem Weg zu mir.
    So schicke ich dies jetzt schnell ab, bevor wieder etwas dazwischen kommt und es auf meinem Desktop vor sich hinschimmelt wie meine Antwort an Dich vom 17.11. :-).
    Ich freue mich jetzt schon aufs Wochenende *uffz*.

    Ganz liebe Grüße an Dich und Dir ebenfalls ein wunderschönes & puscheliges Wochenende.
    Katha

    Hallo Sunflower,

    eine mögliche Erklärung für das Verhalten Deines Partners ist, dass er wie viele Andere einen Streit provoziert, wenn der Suchtdruck zu stark wird (falls er bereits abhängig sein sollte).
    Er (er-)findet somit einen Grund, um sich entfernen und unbeobachtet/ungehindert trinken zu können.
    Letztendlich kann aber nur er persönlich Dir die Erklärung dafür geben und wie die Anderen hier denke ich, dass Dir Antworten auf diese Fragen nicht wirklich weiterhelfen werden.

    Alles Gute

    Katha

    Moin Rattenschwanz

    Geht´s Dir besser jetzt? ;)
    Vermutungen, Spekulationen, Interpretationen, Unterstellungen, Beleidigungen.
    Bedaure, aber ich lehne es ab, meine Energien damit zu verschleudern, auf Deine Art des Kommentars detailliert einzugehen.
    Gern kannst Du auch aus meinem etwas wehen, selbstironischen Lächeln angesichts der Irrtümer der Vergangenheit – meiner eigenen und der anderer Betroffener – eine „unvergleichbare Arroganz“ ableiten, aber solange nach all diesen Jahren nicht doch noch Jemand auftaucht, der das „kontrollierte Trinken“ als Suchtkranker „beherrscht“, würde ich mich meinem Gefühl nach der fahrlässigen Körperverletzung schuldig machen, wenn ich einen Alkoholiker in dieser Hoffnung bestärken würde. Angst? Nein! Gewissheit!

    Mich kannste gern beleidigen, aber es ist ziemlich dicke Post, dass Du meine Kommentare dazu benutzt, gleich den Großteil der Mitglieder hier nieder zu machen, die sich fast alle bemühen, von ihren eigenen Erfahrungen zu berichten, um Andere zu unterstützen. Da frage ich mich doch, ob bei Dir denn immer Jemand zu Hause ist…

    Dir wünsche ich einen entspannten Tag.

    Viele Grüße
    Katha

    Guten Morgen Girasole,

    jetzt bin ich .überhaupt nicht. gar nicht. mehr beunruhigt und freue mich für Dich, dass es Dir soviel besser geht und Du Freunde gefunden hast. Ich halte es sowieso immer für fatal, seine Freunde zu vernachlässigen wegen einer Beziehung, egal wie diese sich nun gestaltet.
    Den vernünftigen Menschen benötige ich, um täglich zu leben und mich nicht nur durchzuschleppen, Erkenntnisse drängen sich mir ungebeten nebenbei auf ;-).

    Dir weiterhin alles Gute und einen schönen Start in die Woche.

    Viele Grüße
    Katha

    Hallo Girasole,

    Dein letzter Bericht hat mich ein bisschen erschreckt, denn Du klingst darin genauso bitter, wie ich lange geklungen haben muss, als man(n) mich noch durchgehend zutiefst verletzt hat und ich völlig konfus war, weil ich gleichzeitig flüchten und mich in Sicherheit bringen wollte, andererseits aber nicht loslassen konnte und ständig auf Zeichen gewartet habe resp. jeden noch so bekloppten Vorwand dazu benutzt habe, um den Kontakt wieder herzustellen – genauso wie er.
    Genau wie Du habe ich betont, dass ICH mich getrennt habe – ich schiebe das in die Lade mit der Aufschrift „verletzte Eitelkeit“ und die Erkenntnis hat mich ganz schön gekostet ;-), denn letztlich ist es unerheblich, wer sich nun von wem getrennt hat.

    Dein Ex-Mann hatte einen Rückfall während des Zeitraums der Scheidung. Schwierige Zeit für Euch beide und dann tut oft jeder das, was er in solchen Situationen immer tut. Es war seine Entscheidung, seine Verantwortung. Deine Anmerkung, dass er damit noch einmal voll auf Deine Co-Knöpfe gedrückt hat, klingt passiv und ein wenig nach Opferhaltung. Es liegt nicht in Deiner Verantwortung, denn Du hast nur das getan, was Du tun musstest und das nach reiflicher Überlegung.

    Sporadischer Kontakt? So bekommen wir den Stachel nicht aus dem Fleisch, denn wir werden weiterhin verletzt – auch völlig unbeabsichtigt vom Anderen.
    Er hat sich nicht geändert? „Platonische“ Freundin? Die Grübeleien deshalb werden Dich vermutlich über kurz oder lang um den Schlaf bringen.

    So wie der nasse Alkoholiker häufig den Rest der Welt für seinen Zustand verantwortlich macht, ist der Co so dermaßen fixiert, dass er alles und jedes nur auf den (Ex-)Partner bezieht und ständig auf der Suche nach erneuter Bestätigung für alle bislang gemachten negativen Erfahrungen ist.
    Bettwäsche, ein gutes Beispiel dafür. Mann geht hin und kauft sich Bettwäsche im Angebot: Fühlt sich nicht an wie Stahlwolle, ergo weich, passt! Fleece oder Flausch, Biber oder Säbelzahntiger ist ihm im Allgemeinen völlig wurscht und entsprechende Fragen nach Details tut er häufig mit dem allseits beliebten und bequemen (weil für ihn unwichtigen) „ja“ ab ;-). Und vielleicht hätte ich mich früher genau wie Du draufgestürzt und wäre zu dem Ergebnis gekommen, dass der Mann auch weiterhin selbst bei Banalitäten „lügt“, ohne zu bemerken, in welchen Banalitäten ich mich selbst gerade verheddere. Wilde Interpretationen und Spekulationen – ebenfalls Fachgebiete von mir ;-), alles wurde herangezogen, um beweisen zu können, dass ich irgendwie und irgendwo recht hatte. Eine Art fast masochistischer Bestätigung, denn der Schmerz wird dadurch lebendig gehalten, die latent vorhandene Hoffnung auf Änderung gewaltsam in Schach gehalten und niedergedrückt. Ziemlich ungesund das Ganze.

    Das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann, ist, wenn ein anderer Mensch in meinem Umfeld es durch fortgesetztes Lügen fertig bringt, dass ich an meiner eigenen Wahrnehmung zweifeln muss, denn dann bin ich nur noch eine leere Hülle. So vertraue ich jetzt meinem Kopf, meinem Herzen und vor allem meinem Bauch. Mein Bauch sagt mir, wo es lang geht und wem ich vertrauen kann, mein Kopf hat gelernt, Interpretationen meinerseits sachlich zu hinterfragen und noch einmal zu durchleuchten und mein Herz sorgt weiterhin für Kapriolen.

    Als Unterstützung dafür benötige ich nur einen einzigen vernünftigen Menschen, mit dem ich reden und dem ich vertrauen kann, der quasi als Resonanzboden fungiert, so dass ich jederzeit auch mit seiner Hilfe die Verhältnisse gerade rücken kann. Alles Bewusstsein hat mir persönlich nämlich überhaupt nichts genutzt, da es mit der Umsetzung haperte und so lebe ich die Praxis jetzt einfach täglich, ohne (übermäßig) zu grübeln und zu theoretisieren, mit jedem Menschen aufs Neue.

    Wichtig ist für mich auch, dass ich nicht allgemein gültiges Verhalten zwangsläufig immer nur „dem Süchtigen“ oder „dem Co“ zuordne, ein Fehler, den wir häufig machen, wenn wir noch so fixiert sind. Wenn mich Jemand permanent belügt, ist es völlig schnurz, ob er nun ein Suchtproblem hat oder nicht, das Ergebnis bleibt immer dasselbe und ein kompletter Kontaktabbruch ist da für mich die einzige Lösung. Leichter gesagt als getan. Mein Ex – komplett ohne Suchtproblem – lächelte mich kürzlich über den Haufen und durchbrach die Barrikaden, bewaffnet mit einem Nikolauskalender. Ich habe mich gefreut… und tschüß. Es hat keinerlei Auswirkungen mehr auf mich, aber auch das war ein langer Weg.

    Einen entspannten Sonntag.

    Viele Grüße
    Katha

    Hallo Poster,

    aller Unkenrufe zum Trotz hast Du deinen Weg unbeirrt fortgesetzt und strahlst nach wie vor die pure Lebensfreude aus.
    Ich gestehe, ich habe oft schmunzeln müssen, als ich mir Deinen Thread im letzten Jahr komplett durchgelesen habe, denn da wurde ja wirklich nichts ausgelassen und Du warst mächtig unter Beschuss. Eventuell hast Du ja auch nur gepostet resp. geantwortet, wenn es Dir/Euch gerade besonders gut ging, doch diesen Eindruck habe ich persönlich nicht.

    Ich weiß nun gar nicht, ob ich Dir gratulieren soll zu Deinen vier Jahren zufriedener Abstinenz, denn für Dich schien es vom ersten Moment an ein so unumstößlicher Entschluss zu sein, dass Du ein Scheitern von vornherein ausgeschlossen hast, eher eine Selbstverständlichkeit, die Du am Rande in Jahreszahlen registrierst.
    So sage ich nur: Ich freue mich für Dich und wünsche Euch noch viele zufriedene bis glückliche Jahre.

    Viele Grüße
    Katha

    Glaub´s ruhig, liebe Lena :)

    Danke für Deinen Bericht, mir macht er gute Laune und so stürze ich mich jetzt fröhlich entschlossen auf den längst fälligen Arzttermin, von dem ich noch gar nicht weiß, ob ich ihn „technisch“ überhaupt bewältigen kann ;-). Spannend :-).

    Ich freu´mich für Dich!

    Liebe Grüße
    Katha

    Hi Kenneth,

    „kontrolliertes Trinken und schrittweise Reduzierung des Alkoholkonsums“ – jetzt verstehe ich Deine Überlegungen.
    Siehst Du dich selbst als Alkoholiker? Trinkst Du abhängig? Ich frage das jetzt nur der Gründlichkeit halber, denn nach dem, was Du beschreibst, verhält es sich so.
    Ich persönlich kenne keinen einzigen abhängigen Trinker, der es geschafft hat, kontrolliert zu trinken, sie sind nach kurzer Zeit alle wieder voll drauf gewesen.
    Das sind Erfahrungen, die man entweder selbst macht und damit Jahre verschleudert, u.U. auch sein Leben riskiert oder Anderen zuhört, die diese Erfahrungen bereits gemacht haben.
    Du selbst hast es bislang nicht allein geschafft, Deinen Alkoholkonsum beizubehalten resp. zu reduzieren.
    Mir ist nicht ganz klar, was Deine Fallmanagerin, die sich um ihren Job kümmern sollte und nicht um Dinge, von denen sie augenscheinlich keinen Plan hat und die nicht in ihr Ressort fallen (kommt mir alles plötzlich grad so bekannt vor :D), mit „Härtefällen“ meint: Entweder bin ich Alkoholikerin oder nicht, Klassifizierungen jedweder Art sind mir da nicht bekannt.
    Ich würde an Deiner Stelle deshalb diese SHG in Deinem Ort aufsuchen und mich außerdem hier austauschen. Zu verlieren hast Du dabei nichts.

    Die Sozialarbeiterin, mit der Du ein Vorgespräch hattest, leidet offensichtlich unter demselben Wahn (was ist eigentlich bei Euch los da in der Gegend? ;-)). Ich würde sie umgehen, weil es nötig ist, und mir einen geeigneten/übergeordneten Ansprechpartner bei Deinem Amt suchen. Alkoholismus ist eine Krankheit und Du kannst Unterstützung erhalten, vorausgesetzt, Du willst tatsächlich mit dem Trinken aufhören. Das allerdings solltest Du in Ruhe mal für Dich überdenken, danach kann man die Möglichkeiten besprechen.
    Hier wird Dich – sage ich jetzt einfach mal – Niemand bei dem Versuch unterstützen, kontrolliert zu trinken, denn die meisten von uns haben die Erfahrung bereits gemacht, dass es nicht funktioniert, sobald man abhängig trinken muss. Der Rest der Mitstreiter kam erst gar nicht auf die blöde Idee, damit seine Energie zu verschleudern ;-).

    Dir noch einen entspannten Sonntag.
    Viele Grüße
    Katha

    … er starb auch, liebe Thalia, neben mir im Schlaf an einem Herzinfarkt mit Anfang 40.

    Ich schreibe ja auch oft, um mich zu erinnern: An die Zeiten im Suff, in denen ich vor mich hinvegetiert habe, an die Dinge, die mich nach vorn gebracht haben, an Menschen, die mich unterstützt haben und Menschen, die mir nur geschadet haben, an meine Träume und Ziele, an hoffnungslose Beziehungen oder auch daran, dass ich manchmal eine unbändige Lebensfreude in mir habe, die wie aus dem Nichts kommt, denn dafür brauche ich nicht viel.

    So sitze ich hier manchmal „angeklettet“ wie Mrs. Regungslos in meinem Gartenstuhl, lasse die Gedanken einfach fließen und kann – je nach Thema in meinem Kopf – überschäumend fröhlich, übermütig, traurig, nachdenklich, dankbar oder auch so wunderschön zufrieden und ruhig werden. Und ich habe wiederholt feststellen dürfen, wie neue Ziele mich beflügeln.

    Mein Aktionsradius ist sehr beschränkt und so kann ich kaum sagen, wie sehr es mich freut, wenn Menschen wie Susanne, Correns, Andreas, Matthias und Du mir schreiben, dass ich Andere auch auf diese Art erreichen kann. Das macht vielleicht auch den Menschen Mut, die ebenfalls nicht aus der Tür fallen können. Mich haltet Ihr auf jeden Fall in der Welt und das tut mir irrsinnig gut.

    Vielen Dank für alle Genesungswünsche. Ich bemühe mich weiterhin nach Kräften, mich nicht zu bemühen ;-). Ich danke Euch ganz herzlich.

    Liebe Grüße
    Katha, die glatt den Start in Istanbul verschnorchelt hat, weil sie sanft und selig schlummern konnte :)

    Moin Kenneth,

    meine Frage wäre eher: Willst Du überhaupt mit dem Trinken aufhören und/oder warum bist Du hier?
    Der Super-GAU war für Dich, als Deine beiden Einnahmequellen den Bach runter gingen und Du nicht mehr friedlich vor Dich hin trinken konntest.
    Nervig ist die Fallmanagerin Deines Jobcenters, die Dir ständig mit denselben Fragen und Vorwürfen auf die Ketten geht. Leider musst Du dich mit ihr herumschlagen, weil sie dafür sorgt, dass Du ein Dach über dem Kopf hast und Deine Lebensmittel bezahlen kannst.
    Positiv siehst Du es, dass Du eine neue Wohnung gefunden hast, weil´s eben auch Asche ist, dass Jeder auf dem Dorf mitbekommen hat, dass Du aus der alten rausgeflogen bist.
    Ganz unbequem ist es für Dich, dass Deine Schwester Dir zwar geholfen und Dich aufgenommen hat, blöderweise aber dadurch mitbekommen hat, wie viel Du wirklich trinkst.

    Du schreibst von Neuanfang und Veränderung Deines Alkoholbewusstseins, um Dich danach wieder über die Dame vom Jobcenter aufzuregen, die Deine Trinkerei bemängelt, sodass Du quasi dazu gedrängt wirst, weiterhin (nicht wieder!) zur Flasche zu greifen.
    Ich halte im Übrigen auch nix davon, immer alles auf den Alkohol zu schieben. Ich habe z.B. das Wetter niemals für meine Sauferei verantwortlich gemacht…

    Versteh´mich nicht falsch, ich will Dir nicht gegen´s Knie treten, aber das ist das, was bei mir angekommen ist.
    Mir ging es ähnlich wie Du. Ich arbeite gern in kleinen Firmen, die in schlechten Zeiten zuerst die Pforten schließen müssen und ich hatte keine Anteile daran, dass ich durch Insolvenz oder notwendige Senkung der Personalkosten meine Jobs verloren habe.
    Dann kann man entweder auf den Mors plumpsen und sich am Existenzminimum mit seiner Sauferei einrichten oder man geht einen anderen Weg: Umzug aus der Wohnung, die einen monatlich über Tarif belastet, diesen Wohnungswechsel in die Nähe einer Stadt organisieren, wo die Aussichten auf Jobs größer sind, eine Umschulung/Weiterbildung anleiern, seinen Papierkram ordnen und den Briefkasten wieder auf Betrieb stellen, etc.
    Dazu benötigt man aber einen klaren Kopf und die nötigen Energien, um sich diese Ziele erst einmal zu setzen und dann auch darauf hin zu arbeiten.
    Und das ist – das sage ich aus meiner Erfahrung und der vieler anderer Betroffener heraus – mit einem besoffenen Kopp einfach nicht möglich. Der legt Dich lahm und macht Dich müde, antriebslos, schwach und raubt Dir alle Hoffnung, die Ideen bleiben aus.
    Wozu soll man sich auch bewegen, wenn man kein Ziel hat oder keine Hoffnung?!

    Vielleicht kannst Du ja mal einen neuen Weg versuchen – SHG, Therapie, die Sucht stoppen, Dich austauschen, abstinent leben und damit Kraft schöpfen und Dir deine Energien zurückholen und damit Dein Leben – denn den alten kennst Du doch bereits.
    Doch vielleicht tue ich Dir auch unrecht, denn Du schreibst zum Schluss: „Das reicht für heute“ und in der Fortsetzung von Deinem Bericht wirst Du dann auflisten, was Du bereits alles für ein Leben ohne Alkohol in die Wege geleitet hast. Immerhin bist Du hier aufgeschlagen, das ist ja oft der erste Schritt.

    Alles Gute
    Katha

    Hallo Whitecat,

    was Du schreibst, kommt mir sehr bekannt vor. Es gibt halt Menschen, die stets nur nach dem materiellen Wert fragen und für die alle anderen menschlichen Werte im Miteinander nicht wirklich von Bedeutung sind. Ist der finanzielle Aspekt gesichert, sind sie ganz weit vorn, im umgekehrten Fall bleibt ihnen nichts, was sie füllt.

    Ich glaube allerdings, dass viele Mütter wie Deine sehr wohl Liebe zu geben haben und sich auch danach sehnen, nur überwiegt bei ihnen das Gefühl der Verantwortung den Kindern gegenüber. Kinder fordern, wünschen und müssen rund um die Uhr versorgt und unterstützt werden. Einschränkungen gibt es in den Partnerschaften genügend, weil die Bedürfnisse der Kinder an erster Stelle stehen.
    So entwickelt sich im Unterbewusstsein der Mutter wohl oft das Bild, dass sie nur gibt und die Kinder nur nehmen und Liebesbekundungen der Kinder werden oft gar nicht mehr wahrgenommen, Hilfsangebote wie selbstverständlich abgetan. Um (in ihren Augen) selbst geliebt, umsorgt und gestärkt zu werden und sich natürlich auch attraktiv und begehrt zu fühlen, legt sie den Focus dann auf ihren Partner. Hilft Dir natürlich jetzt nicht weiter, aber ich habe oft gesehen, wie Kinder unter diesem Verhalten gelitten haben. Es bedeutet nicht zwingend, dass man als Kind nicht geliebt wird.

    Du fühlst Dich zerrissen, hast aber auch festgestellt, dass Dir die Distanz zu Deiner Mutter gut getan hat. Du hast ja nun wirklich alles unternommen, was möglich war und kannst sie nicht erreichen. Es kann Dir wohl jeder hier bestätigen, dass sich der Zustand des nassen Alkoholikers nur weiterhin verschlechtern wird, wenn er nicht die Notbremse zieht.
    Ich würde mir an diesem Punkt wirklich Hilfe für mich selbst suchen und mich mit anderen Betroffenen austauschen. Du hast erwähnt, dass es Dinge gibt, die Du bereits erkannt hast und die Du für Dich verändern möchtest. Das ist doch ein lohnendes Ziel für mehr Freude in Deinem Leben. Loslassen können gehört auch dazu.

    Liebe Grüße zurück
    Katha

    Hallo Lena,

    es ist schon was dran: Das Feuer der Leidenschaft, die zündende Idee, der glühende Wunsch – scheinbar stehen wir geradezu in Flammen, wenn wir tatsächlich etwas erreichen und/oder verändern wollen ;) – können sofort mit dem ersten Glas abgelöscht werden.
    Was bleibt ist dann nur ein wenig Qualm und heiße Luft.

    Für mich ist es keine Frage des Glaubens, dass Du jetzt – abstinent, trocken oder wie auch immer – eine ganz andere, gesündere Ausstrahlung besitzt.

    Dir ein entspanntes Wochenende :-).

    Liebe Grüße
    Katha

    Liebe Lena,

    meine Daumen sind natürlich auch gedrückt, nur komme ich damit grad nicht aus ;-).
    Liebend gern würde ich jetzt einigen Leuten in Deinem Umfeld mal den Mors versohlen, die Dich im Vorfeld schon mal kräftig verunsichert haben.
    Ich denke fast, Du hast Bilder im Kopf, wie man zu sein hat, wenn man etwas erreichen will oder muss.
    Du bist davon überzeugt, dass diese Umschulung eine reelle Chance wäre für einen beruflichen Neuanfang in einem Bereich, der Dich interessiert und Dir viel Freude bereiten würde. Das ist doch bereits das schlagende Argument.
    Du darfst Angst haben vor dem Gespräch, weil Du nicht weißt, was auf Dich zukommt, Du darfst unsicher sein. Ich glaube fast, Du ahnst nicht einmal Ansatzweise, wie vielen Menschen vor so einem Gespräch der Mors auf Grundeis geht – sie überdeckeln es nur ;-). Guck mal hinter die Fassaden und Du kommst ins Staunen :-).
    Du benötigst Hilfe und Unterstützung und es ist nie leicht, darum zu bitten oder auch eventuelle Ansprüche geltend zu machen.

    Manches erreicht man auch nicht durch Kampfgeist oder Durchsetzungsvermögen, sondern allein durch schlichte Schilderung der Fakten und der Bekundung des eigenen Willens, die momentane Situation zu verbessern, der eigenen Hoffnung Ausdruck zu verleihen, mithilfe der notwendigen Unterstützung durch das Gegenüber eine Chance zu erhalten, dies auch umsetzen zu können.

    Wie einer meiner verstorbenen Freunde immer sagte: „Ein „nein“ hast Du in der Tasche, ein „ja“ kannst Du dir abholen“. Runterkühlen, durchatmen.

    Ich hatte mal ein ähnlich wichtiges Gespräch. Ich war mit meinen Kindern umgezogen in ein anderes Bundesland, in dem die Anforderungen in der Schule wesentlich höher geschraubt waren. Meine Tochter verpasste den Anschluss und sollte vor dem Realschulabschluss ausgeschult werden.
    Ich bin emotional, aber nicht berechnend, und dies war der Tag, die Hosen herunter zu lassen. Ich hatte einen Termin mit dem Rektor dieser Schule. Ich bin da ins Büro marschiert und habe dem Rektor erklärt, dass ich nasse Alkoholikerin bin und meinen Kindern momentan nicht die Unterstützung bieten kann, die nötig wäre und in meiner Verantwortung liegt als Mutter.
    Ich könne aber leider nicht zulassen, dass meine Kinder unter meiner Sucht leiden müssen und würde ihn deshalb bitten, meiner Tochter eine zweite Chance zu geben, während ich mich umgehend um meine Alkoholsucht kümmern würde.
    Der Mann war erst sprachlos, erklärte, so etwas hätte er noch nie zu hören bekommen und meine Tochter könne auf der Schule bleiben. Ich ging nach Hause und wurde trocken.

    Überzeugungskraft hat man nicht nur, wenn man im Vertrieb darauf geschult wurde, einem Eskimo Eiswürfel zu verkaufen, sondern auch, wenn man aus dem Herzen heraus handelt.
    Ich habe die Situation geschildert, war überzeugt von meinem Anliegen und habe eher den Menschen erreicht als den Mann mit seinen Auflagen. Es kam rein instinktiv aus meinem Bauch heraus und meine Tochter hat heute zwei Berufe und könnte sich jederzeit selbstständig machen ;-).
    Wovon bist Du also nicht überzeugt? Davon, dass es für Dich eine bessere Zukunft gibt? ;)
    Windmühlen kannst Du nicht erreichen, denn sie sind nicht menschlich. Du aber wirst es mit einem Menschen zu tun haben :)

    Viel Glück, vertrau´Dir selbst.

    Liebe Grüße
    Katha