Hallo alk_örgs,
hm… nee, könnt ich für mich so nicht unterschreiben, die ganze Sache mit dem Ende, obwohl ich Deine Überlegungen durchaus nachvollziehen kann.
Wir sprechen ja nicht von einer gemütlichen Dauer-Sause, bei der man sich in Ruhe überlegen kann, ob es heute noch ein Gläschen mehr sein darf oder ob die Bauchspeicheldrüse quiekt und wir das Ganze besser auf morgen vertagen sollten.
Ob Koma- oder Quartalssäufer oder auch Spiegeltrinker, beim abhängigen Trinken gibt der Körper vor, was reingelitert werden muss. Da sehe ich weniger einen Gewinn als vielmehr eine üble Quälerei, denn Wunsch und Wille haben da keine Anteile dran. Oder ist es bei dir tatsächlich anders?
Ich weiß nicht, ob nun der Weg immer das Ziel ist und dergleichen schöne Sprüche mehr, ich bin da pragmatischer und denke, irgendwann muss auch mal was dabei rumkommen.
Vielleicht bin ich zu einfach gestrickt (*rofl*) oder zu naiv, für mich aber habe ich festgestellt, die Welt dreht sich weiter. Was mich gestern noch halb um den Verstand gebracht hat, ist morgen bereits obsolet oder es findet sich eine Lösung oder läuft nebenher und erhält eine andere Wertigkeit. Stück für Stück habe ich Berge abgetragen und glücklicherweise ist mir heute bewusst, dass ich nicht alles gleichzeitig erledigen kann, aber ich mache mich irgendwo ans Werk. Aus einem einfachen Grund: Saufen ist für mich keine Option, kenn´ich ja bereits.
Dieses Dahinvegetieren ist mir zu öde, grauer Einheitsbrei und ich bin nicht mehr in der Lage, diese Nebel zu durchdringen (die Ausführungen über nackte Verzweiflung, Panikattacken, gefühlter Sinnlosigkeit, etc. erspare ich mir jetzt an dieser Stelle). Ich bin mir oft selbst genug, kann mit mir wunderbar lachen, aber für ein Entertainment 24/365 reicht es eben doch noch nicht und so kann ich auf vieles gern verzichten, aber nicht auf alles.
Wenn ich trinke, funktioniert der (Energie-)kreislauf nicht mehr. Es gehen Energien flöten, aber nichts kann von außen in mich einfließen, mich erreicht ja nichts mehr. Was also sollte mich noch aufhalten, wenn ich mich richtiggehend in Depression und Hoffnungslosigkeit ertränke. Da kann doch der Selbstmord als Absichtserklärung aus freiem Willen und klarem Bewusstsein gar nicht mehr erfolgen, obwohl ich weiß, wie müde ein Mensch werden kann oder wie verzweifelt. Schwieriges Thema für mich.
Abbitte leisten in mancher Form, das ist wohl notwendig, doch bei der Bezeichnung „ vorbildlich sozial integriert“ sträubt sich mir bereits das Nackenfell, da ich das Gefühl habe, es geht der Menschheit damit anderweitig Wertvolles verloren. Warum das Umfeld ver@rschen? Selbst ohne diese Erfahrung bin ich in meinem abstinenten Leben so entschlossen aufrichtig unterwegs, dass ich für Andere durchaus eine Prüfung darstellen mag, da ich ihnen von mir oft nicht servieren kann, was sie gern hören würden, weil es gefälliger klingen würde.
Deine Negativmotivation würde mich bestenfalls an den Start hieven, dann würden mir schon wieder die wunderbaren Erlebnisse, Eindrücke und Bilder, die ja nicht alle werden, die Absicht verhageln und statt mit kriegerisch vorgeschobenem Kinn entschlossen, kühl und sachlich meine to-do-Liste abzuhandeln, wäre ich wieder abgelenkt durch gute Laune, Staunen, Dankbarkeit, Überraschung, Freude oder gar Rührseligkeit. Klingt albern, macht mir aber auch nichts mehr aus *g*.
Und wieder liest es sich, als würde ich mir selbst ständig widersprechen und deshalb formuliere ich jetzt mal vorsichtig: Mein eigener Mangel an Außenorientiertheit ist für viele Menschen sicherlich befremdlich, andererseits bin ich auf Empfang geschaltet und mir entgehen auch die schönen Dinge nicht, die Menschen sich so einfallen lassen.
Über Deine Anmerkungen zum Verliebtsein habe ich geschmunzelt, besonders gut gefallen hat mir die Formulierung: „… wenn da der andere irgendwie immer WIEDER „toll“ ist“. Wer so vernünftig denken kann, kann sich meiner Meinung nach auch Hals über Kopf wieder hinein stürzen :-).
Deine zwischenmenschlichen Kontakte hatte ich mir so oder so ähnlich vorgestellt, wobei die erwähnte Aufforderung: „Du musst jetzt Interesse heucheln“ selbst meine Vorstellungskraft in puncto Möglichkeiten überstieg. Ich glaube ganz sicher, dass es für jeden Menschen auch passende Gegenstücke gibt – also Freunde und Bekannte - nur sitzen die meist nicht geballt ganz praktisch im Nachbarkaff herum.
Die Fristen, die Du dir gesetzt hast, würde ich für mich persönlich als eher technisch einstufen, aber für den Anfang mag es reichen ;-). Euphorie kann man Dir ja nun wirklich nicht vorwerfen und ich wünsche Dir ein Gefühl zu den Möglichkeiten nach Ablauf Deiner selbstgesetzten Fristen.
Herzliche Grüße
Katha