moin juni
ich bin seit 21 jahren trocken und ich habe echt schon so gut wie alles mögliche an reaktionen erlebt. die vernünftigste ist am anfang wohl, "schauen wir mal" vor einem rückfall ist niemand gefeit, auch ich nicht. aber das ist jetzt nicht der punkt.
ich bin von anfang an sehr offensiv damit umgegangen. für mich hat sich das auch irgendwie als eine art sortieren bewährt. menschen die gleich nur die nase rümpfen, nen blöden spruch machen und sich umdrehen, sorry bornierte spinner die einem eher im weg rumstehen, brauch ich nicht. menschen die so nach dem motto , ja supi dann is ja jetzt alles gut, unterwegs sind sind irgendwie oberflächlich und haben keine ahnung von der krankheit. da muß man gucken ob sich ein vertiefen lohnt oder ob man sie in ihrer erdbeerwelt läßt. die, die mit "schauen wir mal" reagieren haben eine ahnung von unserer krankheit und sind bereit deinen weg anzusehen. menschen die alles irgendwie runter spielen sind gefährlich weil sie womöglich selbst gern einen heben, denen geht man besser aus dem weg, die stellen einem auch nen eierlikörkuchen hin, is ja alles nich so schlimm. das ist so grob umrissen.
wie gesagt, ich habe von anfang an keinen hehl aus meiner krankheit gemacht. es gab einige situationen wo mich menschen geschützt haben weil sie von meiner krankheit wußten, zb einmal sahen das mir jemand vodka in meinen kaffee gekippt hat. klar gibt es auch gründe es nicht zu erzählen, die doppelmoral in diesem punkt ist in unserer gesellschaft wirklich grandios. andere am tage verurteilen und sich abends dann 2 flaschen wein reinziehen. oder sektempfang am frühen morgen, aber wenn man dann krank wird mit dem finger auf einen zeigen. es ist schlicht schwierig da was konkretes zu raten. es kommt auf die persönlichkeit an ob man mit der ablehnung einiger klar kommt. denn die wird es geben, das ist so sicher wie das amen in der kirche. für mich war es, wie gesagt ein sortieren, ich habe solche leute gleich mit den saufkumpanen zusammen entsorgt.
es gibt am anfang dann auch erst mal so eine zeit der einsamkeit. weil halt alles auf links gedreht wird und altes weg ist neues noch nicht da. die zeit kann man recht gut fürs nachdenken nutzen. neue freunde kommen, weil man ja anders ist, weil man nüchtern ist, verabredungen auch einhält. mitten in der nacht noch fahrtüchtig ist. es braucht zeit aber es wird. vor allem kommen auch menschen die verstehen wie es einem geht und das respektieren. ich habe wirklich viele bekannte die alle wissen was mit mir ist, und wenn die stimmung abends am lagerfeuer mir zu weinseelig wird verschwinde ich und niemand ist beleidigt weil sie wissen warum. es hat halt alles seine 2 seiten und für mich hat diese einfach am besten funktioniert.