Hallo Gerhard und Willkommen im Forum.
Danke für Deine ausführliche Vorstellung, so kann man sich schon gut ein Bild machen vom Ist-Zustand.
Und Glückwunsch zu den abstinenten Tagen und dem Entschluss, mit der Sauferei endgültig Schluss machen zu wollen.
Es lohnt sich nämlich sehr.
Du hast ja nun schon so einiges negatives erlebt, was den Alkoholmissbrauch betrifft.
Und das wird nicht besser, sondern nur schlimmer, der Suchtaufzug fährt nicht mehr hoch, nur noch runter.
Da "wächst sich nichts aus", aber das ist Dir sicher mittlerweile auch klar.
Zitat
Mein Umfeld meinte, das die Trinkerei früher sicher nur Jugendsünden waren, das sich das vielleicht rausgewachsen hat, ich sollte es doch versuchen und wenns geht ist gut und wenn nicht soll ichs eben wieder lassen.
Wenn man das so liest als trockener Alkoholiker oder auch nur als Nichttrinker, sträuben sich einem schon irgendwie die Nackenhaare, oder?
Wie dumm das ist und es hat NULL Sinn und Verstand.
Wieso sollte es denn "gut" sein, wenn Du wieder trinken kannst?
Was daran sollte denn genau "gut" sein?
Es gibt nicht mal eine sinnvolle Antwort darauf
Die einzige Antwort wäre "damit Du wieder in die Saufgesellschaft passt und nicht weiter auffällst".
Aber auch diese Antwort ist bekloppt.
Gerhard, sollten solche Leute noch zu Deinem Umfeld gehören, dann kann ich Dir nur dringend raten, dich konsequent ab jetzt von
ihnen fernzuhalten.
Denen geht es nämlich nicht um Dich, sondern eher darum, ne Saufgesellschaft zu haben und Du dienst ihnen sogar noch als Beschwichtigung
in Sachen "andere saufen ja noch viel schlimmer".
Solche Menschen im eigenen Umfeld sind brandgefährlich für einen ganz frisch abstinenten Menschen und sie tun einem auch keinesfalls gut.
Gerade am Anfang ist man doch noch wackelig auf den Beinen in Sachen Abstinenz und dann kann man sowas rein gar nicht gebrauchen.
Lass mal einen schlechten Tag kommen und dann noch solche Leute an Deiner Seite, was meinst Du wohl, wie weit dann das nächste Glas noch entfernt ist?
Tja, und später will man diese Menschen auch gar nicht mehr in eigenen Leben haben, weil sich das verändert hat.
Dann werden andere Dinge wichtiger sein, weil man sich selbst auch verändert hat und so eine Gesellschaft meist als verbrannte Zeit empfindet.
Man hat halt dann mittlerweile selbst besseres zu tun 
Zitat
Naja ich glaube das wird alles kritischer wenn dann wieder die Anlässe zum trinken kommen oder ich alleine zu hause rumhänge. Da muss ich mir noch was einfallen lassen.
Ja, da musst Du Dir was einfallen lassen. Auch um die Zeit nun sinnvoll zu nutzen, die Du früher versoffen hast.
"Anlässe zum Trinken" solltest Du für die nächsten, ich sach mal ca. 1,5- 2 Jahre, konsequent meiden, um mal ne Zahl zu nennen, da lehne ich mich jetzt einfach mal so weit zum Fenster raus
Man muss dabei nicht teilnehmen, es gibt IMMER Möglichkeiten, da einfach gar nicht erst hinzugehen.
Entweder man sagt die Wahrheit oder erzählt irgendwas, wenn man noch nicht offen mit seiner Krankheit umgehen kann, oder man sagt einfach auch ohne Begründung ab.
Es geht hier um Dein LEBEN, Gerhard, mache Dir das bitte ganz bewußt !
Denn wenn Du den Absprung nicht schaffst, entgleitet Dir Dein Leben immer mehr, Du weißt es ja selbst.
Und am Ende verreckt man ganz elend am Alk, ich kenne leider einige Beispiele dafür, wo ich das selbst, wenn auch aus sicherer Entfernung, miterlebt habe.
Und das ist ganz furchtbar 
Natürlich wäre es bequemer, sein Leben so zu belassen, und nur den Alk wegzulassen.
Nur ist meine Erfahrung (und auch die vieler anderer), das das nicht reichen wird.
Trocken zu sein ist ne andere Nummer als nur nicht mehr zu trinken.
Aber das sollte bitte niemanden Angst machen !
Zum trockenen Leben gehören so einige Veränderungen, und nicht alle davon werden angenehm sein.
Beispielsweise, so nicht mehr am sozialen Leben teilnehmen zu könnnen, wenn im eigenen Verwandten, Freundes-und Bekanntenkreis Alkohol
eine große Rolle spielt.
Das bedeutet aber keinesfalls, das man trocken isoliert und vereinsamt leben muss, um Gottes Willen.
Ganz im Gegenteil, man sollte sich einen Freundeskreis aufbauen, in dem Alkohol keine Rolle spielt und das kann unheimlich bereichernd sein,
sich dann mit diesen Leuten zu treffen.
Und oftmals gibt es auch im vorhandenen Freundeskreis Menschen, die nicht trinken, die muss man dann ja gar nicht "aussortieren".
Kurzum, zum trockenen Leben gehört auch oft der Aufbau eines neuen Freundeskreises.
Und das geht nun mal auch nicht von heute auf morgen, auch klar.
Aber die Richtung dahin sollte stimmen...
So mal meine Tipps in Kürze.
Du wirst hier Hilfe bekommen können, auch Tipps, wie Du Deine früher versoffene Zeit nun besser nutzen kannst.
Denn das ist auch wichtig.
Ich finde es außerdem gut, das Du nicht gleich rumjammerst, weil Du nun nicht gleich einen Beratungstermin bekommen hast.
Sondern Dich mit dem zufrieden gibst, was gerade ist.
Geduld wird nämlich auch eine Rolle spielen im weiteren trockenen Leben, auch Geduld mit sich selbst und sicher auch mit anderen.
LG und alles Gute für Deinen weiteren Weg, ich lese Dich
...und viele andere natürlich auch.
Sunshine