Hallo Thomas,
das schriebst Du bei rowi:
Diese absolute Offenheit, die seit nunmehr 1 1/2 Monaten zwischen uns herrscht, ist essentiell für den Fortbestand oder besser für die Erneuerung unserer Beziehung.
Erstmal auch von meiner Seite ein ganz dickes Lob an Deine Freundin, sie hat alles richtig gemacht. Kann ich jedenfalls nicht anders sagen.
Zum oben zitierten: Du hast das richtig erkannt. Die Beziehung wird sich verändern.
Und manche Beziehung hält es auch nicht aus, wenn der Alkoholiker trocken wird. Gründe lasse ich grad mal außen vor.
Es gibt aber auch die Chance zur "Erneuerung", wie Du es so schön nennst.
Und diese Erneuerung kann doch klasse sein, wenn man sich auch selbst und gegenseitig die Chance zur Erneuerung gibt.
Man darf den Partner nochmal ganz neu erleben, von einer anderen Seite.
Denn die Alkoholkrankheit verändert nun mal immer mehr das Wesen.
Es gibt aber auch Menschen, die Angst vor Veränderungen haben.
Und die werden dann wohl nicht das Glück haben, eine Beziehungserneuerung zu erleben, weil sie die eigene Angst einschränkt.
Zum anderen:
Zitat
Wenn man die Angebote, die vorhanden sind, nutzt, bekommt man auch eine Wohnung etc. Dies erfordert aber ein Mindestmaß an Mitarbeit und Eigenleistung, dies können und wollen Leute, die jahrelang auf der Straße leben, jedoch nicht mehr leisten. Lösung? Hab ich keine... Die Frage für die ist eben: Wofür der ganze Sch...???
Ich sehe diese Problematik auch so... das meinte ich, das oft auch keine Kraft mehr da ist.
Ich weiß für vieles auch keine Lösung. Und für einiges gibt es vielleicht auch gar keine, ich weiß es nicht.
ZitatIn jedem Fall (und hier lag der Hase im Pfeffer) war von jedem irre Eigeninitiative gefragt. Für mich kein Problem, Gehirn war ja wieder im An-Modus und da oder dort und dann auch noch hier anrufen konnte ich, zur Not hätte ich ja auch noch meine Freundin gehabt. Viele andere haben aber niemanden und sind entweder intellektuell noch nie in der Lage gewesen, sich um eine solche Sache selber zu kümmern oder aber der jahrelange Alkohol hat dafür gesorgt, dass diese Sache nicht zu bewältigen war.
Ja, es gibt Menschen, die denken, das sie in eine Entgiftung oder Therapie gehen, und dort werden sie wieder "heile gemacht".
Auch hier lese ich manchmal "ich hatte eine Therapie aber sie hat nichts geholfen"
Tja, automatisch wird das auch nix, ohne Eigeninitiative läuft bei unserer Krankheit gar nix.
Und ohne Veränderungen ebenfalls nicht.
Ja, und wenn dann der Alk schon richtig oben im Oberstübchen gewütet hat, dann verliert man auch die Fähigkeit, sich um sich selbst zu kümmern.
Und nennen wir es dochmal beim Namen, man kann sich regelrecht blöd saufen, die Birne wegsaufen, die Gehirnzellen zerballern,
Alkohol ist nun mal ein Zellgift, was sehr viel Unheil anrichten kann.
Zitat4) Der "Bewährungshelfer" würde dann auch bei einem einziehen. Wenn die Bude verwahrlost war oder ist, wird sie eben vorher auf Staatskosten sauber gemacht, meine ich ernst! Dann wohnen B-helfer und Alki einen Monat zusammen und der B-helfer zeigt dem Alki, wie er seinen Alltag meistert, wie er Krisensituationen ohne Alk hinbekommt. Er geht mit dem Aki zu den Ämtern, falls dies erforderlich ist, geht mit ihm einkaufen. Zahlt wieder keiner. Aber 10 Langzeittherapien, davon 5 an der Nordsee und 5 in den Alpen, jede 10 Wochen lang, werden bezahlt...
Oh, es gibt derartige Hilfe, aber der "Bewährungshelfer" nennt sich Therapeut ![]()
![]()
Hier bei uns gibt es beispielsweise eine Tagesklinik für Burn-Out und Depressive Patienten, die genau diese Art Hilfe in der Therapie anbieten.
Zwar wohnt der Therapeut nicht mit bei einem Zuhause, aber man lernt in der Klinik wieder Tagesstrukturen.
Und auf Gängen zu Ämtern wird man auf Wunsch begleitet, oder es wird einem geholfen, Formulare auszufüllen etc.pp.
Es ist sozusagen eine Wiedereingliederung in einen "normalen" Alltag.
Es gibt auch Rollenspiele, wo Krisensituationen bewältigt werden sollen.
Ich persönlich halte das für eine sehr gute Sache, denn das Wegsperren unter ner Käseglocke bereitet ja evtl. nicht gerade gut auf das Leben "da draussen" vor.
Aber ich kenne mich damit nicht so wirklich aus, ich hatte keine Therapie. Muss von daher mit meinem normalen Menschenverstand arbeiten ![]()
Ich finde, oben beschriebenes Angebot der Tagesklinik könnte auch, angepasst auf die Alkoholkrankheit, für "uns" ne gute Sache sein.
Da müssten wir alle laut schreien, das wir das AUCH HABEN WOLLEN !
(Ich meine nicht nur dieses Angebot, sondern überhaupt sollten auch trockene Alkoholiker als Ratgeber herbeigezogen werden,
wenn es um die Ausgestaltung von Therapieangeboten geht.
Denn wir sind auch Fachleute für unsere Krankheit ! Wir haben sie ja selbst erlebt und uns nicht nur Wissen angelesen)
Tja, aber da wir ja an einer "Schmuddelkrankheit leiden"
, zu der viele nicht mal stehen wollen,
gibt es auch nur wenige, die dann auch noch in der Öffentlichkeit den Mund aufmachen wollen.
Das liest man ja auch hier im Forum öfters, das versucht wird, die Krankheit geheim zu halten, manche wollen sogar "heimlich und unbemerkt" von anderen trocken werden.
Da kommen dann die Sachen wie "ich habe für mein Leben schon genug gesoffen" und blabla als Erklärung für die neue
Abstinenz...um ja nur nicht das Wort Alkoholiker/Alkoholikerin in den Mund zu nehmen.
Aber dann bitte auch nicht jammern, wenn weiterhin fette Vorurteile in der Gesellschaft herrschen.
Dazu trägt man dann mit seinem Verhalten auch noch selbst zu bei.
So, damit habe ich mich nun hier wieder bei einigen in die Nesseln gesetzt
, ist aber nun mal meine Meinung !
LG Sunshine