Hallo Ernest,
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Nach dem ersten Durchlesen kam mir der Gedanke, ob ich vor 39 Jahren aus der kath. Kirche austreten bin,
um jetzt in eine neue Religionsgemeinschaft einzutreten ("es führt nur ein Weg ins Himmelsreich")?
Ach Du meine Güte, komme ich wirklich so rüber ?
Ich habe es so gar nicht mit Religionsgemeinschaften. Mit denen habe ich eher arge Probleme.
Ernest, ich bin seit über 10 Jahren (mit Unterbrechungen) in diesem Forum.
Du kannst Dir vielleicht vorstellen, wie viele ich da kommen und auch gehen sah?
Wie viele Geschichten ich las... es waren sicher Hunderte, und noch mehr.
In diesem Zusammenhang las ich auch immer wieder von "individuellen Wegen" aus der Sucht,
zusammengestrickt von "Frischlingen", die möglichst wenig an ihrem Leben ändern wollten aus Bequemlichkeitsgründen und evtl. auch Scham.
Auf LZT wurde nicht gehört, sich vielleicht sogar noch drüber lustig gemacht.
So, und dann sind diese Leute von heute auf morgen weg. Schreiben hier nicht mehr.
Warum wohl nicht? Weil ihr "individueller Weg" so erfolgreich war?
Glaube ich nicht, bzw. weiß ich auch teilweise, das es nicht so war, denn einige kommen wieder, weil sie damit (wieder mal) gescheitert sind.
Und wollen es dann doch nochmal angehen und dieses Mal die Erfahrungen der Langzeittrockenen annehmen und auch umsetzen.
Also schließe ich daraus, das es eben nicht unendlich viele Wege aus der Sucht gibt.
Ich frage (mich) auch, was man denn zu verlieren hat, wenn man mal das tut, was sich längst bei sehr vielen Menschen als erfolgreich herausgestellt hat?
Ich erfinde ja auch das Rad nicht jeden Tag neu, weil es gar nicht notwendig ist.
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Erst beim mehrmaligen Durchlesen erkannte ich die guten Gedanken und die Hilfeleistung.
Es war auch als Hilfeleistung gemeint und nicht als "Predigt".
Ich möchte Dir auch nahelegen, hier mal die gesamten Grundbausteine durchzulesen, so viel ist es ja nicht.
Dann erkennst Du auch die Hintergründe, warum wir zu diesem und jenem raten oder eben auch abraten.
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Meine Tochter ist mir wichtiger als meine Gesundheit. Und ich schaffe das heute Abend.
Du wolltest diese Sache unbedingt durchziehen, da hätte Dich ja eh nix von abhalten können.
Nur ist es absolut kein Zeichen von Stärke, sich im Umfeld trinkender Menschen aufzuhalten, sondern in meinen Augen Leichtsinnigkeit bis Dummheit
und das ganz besonders am Beginn der Abstinenz.
Der Krug geht immer nur zum Brunnen, bis er bricht....
Was hat denn Deine Gesundheit mit dem Geburtstag Deiner Tochter zu tun?
Und meinst Du, Deine Tochter wäre glücklich mit dieser Aussage, das sie Dir wichtiger ist als Deine Gesundheit?
Meine Tochter (auch längst erwachsen) wäre eher entsetzt über solche Aussagen, sie würde mir dann wohl sagen,
das ich mich um meine Gesundheit zu kümmern habe, und sie kümmert sich um ihre.
Und wenn wir gegenseitige Hilfe brauchen, können wir ja drum bitten.
Diese Aussage von Dir hat mich gestern schon leicht schockiert, das muss ich gestehen.
Bist Du Dir selbst denn nichts mehr wert?
Möchtest Du denn kein schönes und zufriedenes Leben für Dich (ohne abhängige Sauferei)?
Hast Du kein schönes und lebenswertes Leben verdient, oder wie siehst Du das?
Wir schreiben hier öfters vom "gesunden Egoismus". Ich halte das für wichtig, den zu entwickeln, wenn man trocken leben will.
Und ich frage mich, wie wir denn noch für unsere Kinder da sein können, ihnen helfen können bei Bedarf, wenn es uns selbst nicht gut geht?
Ich denke, das unsere Kinder sehr viel glücklicher sind, wenn wir nicht mehr trinken müssen.
Und nüchtern kann man auch viel besser helfen, als halb angesoffen oder verkatert.
Ich selbst bin mittlerweile 3-fache Großmutter und habe oft die Enkelkinder bei mir.
Das wäre ja gar nicht möglich, wenn ich noch saufen würde. Erstens würde ich das gar nicht auf Reihe kriegen,
und zweitens würde meine Tochter mir sicher die Kinder dann nicht anvertrauen.
So aber kann sie sich auf mich verlassen und ich kann sie so unterstützen.
Das nur mal so als kleines Beispiel.
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Heute wird dies mein erster alkoholfreier Sonntag sein (hoffentlich). Vor SOLCHEN freien Tagen habe ich angst.
Herumtigern, unkonzentriert ein Buch lesen, gleichzeitig fern schauen, trotz Grippe raus gehen und spazieren.
Und immer wieder die teuflischen Gedanken an das wohlige Gefühl, besoffen auf dem Fernsehstuhl zu hocken und zu dösen.
Ja, ich verstehe Deine Ängste und Befürchtungen.
Aber in diesen Worten steckt ja auch schon die Erkenntnis, was Dich gefährdet.
Und wenn man das schonmal weiß, kann man gezielt und aktiv dagegen angehen.
Das alles gehört ja gerade zu der hier so oft genannten "Trockenheitsarbeit".
Veränderungen einleiten, um nicht wieder saufen zu müssen.
Und das alles macht man nicht so nebenbei, während man auf dem Sofa sitzt.
Es ist auch ARBEIT, nach und nach Veränderungen einzuleiten.
Trockenwerden ist kein Spaziergang, aber das verspricht hier auch niemand.
Es gibt aber einen tollen "Lohn", nämlich die Freiheit:
Keinen Alkohol mehr besorgen zu MÜSSEN, nicht mehr saufen zu MÜSSEN, nicht mehr Flaschen entsorgen zu MÜSSEN, nicht mehr lügen zu MÜSSEN.
Und meine größte Freiheit war, immer überall hinfahren oder hingehen zu können, ohne drüber nachdenken zu müssen,
ob ich überhaupt noch fahren darf?
Ich kann mich noch gut erinnern, das ich gerade das am Anfang meiner Trockenheit als die größte Freiheit empfand.
Ich bin oft Abends einfach nur so irgendwo rumgefahren, durch die Stadt, oder wohin auch immer, egal.
Einfach, weil ich es konnte und durfte 
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Und zudem hoffe ich, dass Cadda recht hat, dass die Schlafqualität mit der Zeit zunimmt.
Ich glaube fest daran.
Schau, es ist auch für den Körper eine große Umstellung, wenn der Alk nicht mehr nachfliesst. Der muss sich ja auch erstmal umstellen.
Dazu kommen die nötigen Veränderungen, die auch durchaus erstmal Angst machen können.
Und das Gefühl, NIE MEHR trinken zu können, so wie früher. Das kann durchaus Verlustgefühle und auch Ängste hervorrufen.
Von daher sollte man anfangs am besten gar nicht so an das "nie mehr" denken, sondern lieber im 24 Stunden-Takt denken und leben, so nach dem Motto:
HEUTE trinke ich nicht.
So kommen auch Tage, Wochen, Monate und letztendlich auch Jahre zusammen.
Ich habe anfangs, im Krankenhaus, sogar die Stunden gezählt 
Ja, und der Körper wird sich an die neue Situation gewöhnen, und Veränderungen dann auch wirklich anzugehen kann auch
zu einem sehr befriedigenden Gefühl führen, das ist ja nicht nur negativ zu sehen (bzw. überhaupt nicht).
Lebensveränderungen können doch auch sehr positive Gefühle hervorrufen, auch wenn es erst Angst machte.
So zumindest meine persönliche Erfahrung.
Und Du kannst hier jederzeit schreiben, nicht nur wenn es Dir gut geht, sondern ebenso wenn es Dir schlecht geht.
Wenn es sein muss, auch minütlich oder stündlich, kein Problem.
Denn alles (womit ich andere nicht schädige) ist besser als wieder saufen.
LG Sunshine