Hallo Thalia,
ich bin seit 15 Jahren trocken und habe ganz und gar nicht das Gefühl, auf einem Pulverfass zu sitzen.
Ich vertraue darauf, das ich mir in der Zeit eine stabile Trockenheit aufgebaut habe.
Und die hat ihre Festigkeit schon einige Male bewiesen, als mich nicht einfach zu verdauende Schicksalsschläge trafen.
Ich habe in diesen Situationen nicht mehr zur Flasche greifen müssen, es kamen nicht mal Gedanken daran.
Wieder zu saufen ist keine Option für mich und ich hoffe und denke, das es auch so bleibt.
Ich habe mir mein trockenes Leben selbst und auch mit Hilfe aufgebaut und ich habe keinen Bock, alles wieder kaputt zu machen.
Meine Entgiftung war außerdem sehr hart und ich möchte sowas nie wieder erleben müssen.
Ich könnte es mir auch gar nicht vorstellen, wie ich das hinbekommen sollte, wenn ich mich dauernd wie auf einem Pulverfass fühlen würde?
Das wäre für mich kein erstrebenswertes Leben gewesen, das wäre ja innerlicher Stress pur.
Nein, so habe ich das glücklicherweise noch nie empfunden.
Zwischen meinem damaligen Partner und heutigen Ehemann gabe es natürlich Gespräche über meine Alkoholkrankheit nach der Entgiftung.
Ich habe ihn auch unter anderen gefragt, ob er mir denn überhaupt verzeihen kann, denn ich war im Suff mehrmals verbal sehr aggressiv geworden.
Er sagte mir daraufhin "ich habe Dir an dem Tag schon alles verziehen, als Du in die Entgiftung gingst"
Diese Worte werde ich wohl nie vergessen.
Und es war dann auch wirklich so, es wurde von seiner Seite aus nie wieder über Vorfälle aus Saufzeiten gesprochen.
Er war aber immer ansprechbar, wenn ich darüber sprechen wollte.
Wir haben einige Jahre nach der Entgiftung dann geheiratet.
Ich denke nicht, das mein Mann das getan hätte, wenn er das Gefühl gehabt hätte, das er sich damit auf ein Pulverfass begibt.
Neee... war echt nich so, mein Mann hat mir im Grunde schon gleich nach der Entgiftung wieder zu einem großen Teil vertraut.
Vielleicht war er damit blauäugig, aber es war nun mal so.
Ich war natürlich froh darüber.
Und mit der Zeit hatte ich auch wieder sein vollstes Vertrauen.
Ich habe ihn mal gefragt, ob er denn nie Angst hatte, das ich wieder trinke?
Er verneinte das und meinte auch, das er nicht denke, das ich nochmal so eine Entgiftung haben möchte.
(Es stand damals auf Messers Schneide, ob ich die Entgiftung überhaupt überlebe).
Ich muss noch ergänzend dazu erwähnen, weder meinem Mann noch mir war zum damaligen Zeitpunkt die hohe Rückfallquote bekannt.
Und vielleicht war das für uns auch ganz gut so.
ZitatMein Vertrauen zu mir selbst ist zutiefst erschüttert gewesen, aber langsam baue ich wieder welches auf.
Ist das blauäugig? Verkenne ich damit das Wesen der Sucht?
Oder geht es nur so, durch Wiederaufbau von Vertrauen.
Ich persönlich halte das nicht für blauäugig, sondern für notwendig.
Wie soll ich ein trockenes Leben führen, wenn ich mir selbst nicht mal übern Weg traue?
Ich erlaube mir, mir selbst wieder ganz zu vertrauen.
Ich WEISS, das ich alkoholkrank bin und das auch immer bleiben werde.
(Und um 15 Jahre lang ein zufriedenes, trockenes Leben führen zu können, kann ich wohl nicht alles ganz verkehrt gemacht haben
)
Ich bin alkoholkrank, aber ich bin auch noch ein ganz normaler MENSCH !
Ich definiere mich nicht über meine Krankheit. Sie ist "nur" ein Teil von mir.
LG Sunshine