Hallo Epic,
an dieser Stelle noch ein Herzliches Willkommen von mir 
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Ja, es wäre echt schön, wenn ich genau so respektvoll wie jemand mit einem gebrochenen Bein behandelt werden würde. Da das aber meistens nicht so ist, bleibe ich lieber still. Da überwiegen echt die Nachteile zu sehr, um offen damit umzugehen.
Hast Du diese Erfahrung persönlich so gemacht?
Oder ist es nur ne reine Mutmaßung, die aufgrund Deiner Fantasie oder Deiner eigenen Vorurteile entstand?
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Als erstes sage ich, dass ich nichts trinken möchte. Auf die Frage warum antworte ich, dass ich es nicht vertrage.
Je nachdem, wer dann immer noch weiterfragt, antworte ich entweder mit der Wahrheit oder ich sage, dass ich darüber nicht sprechen mag.
Hm, das wäre absolut kein Weg für mich gewesen.
Gelogen habe ich im nassen Stadium meiner Sucht genug.
Und das hat mir auch mit am meissten zu schaffen gemacht.
Denn ich bin ohne Alkohol ein sehr geradliniger Mensch, so würde ich mich zumindest einstufen.
Von daher ist mir jegliche Lügerei und auch Rumlaviererei zuwider.
Wenn ich jemanden antworte, das ich keinen Alkohol vertrage und deshalb nicht trinke, käme ich mir wieder verlogen vor.
Ich trinke keinen Alkohol, weil ich nicht mit Alkohol umgehen kann, weil ich alkoholkrank geworden bin und fertig !
Ich laufe aber deshalb auch nicht mit einem Schild auf der Stirn herum.
Fragt mich jemand, sage ich, das ich keinen Alkohol trinke, denn soweit ist das ja korrekt.
Fragt jemand weiter, bekommt er von mir die schlichte Antwort:
"Ich bin trockene Alkoholikerin."
Danach erübrigen sich entweder weitere Fragen, weil der andere nun weiß, warum ich nicht trinke.
Oder es ergeben sich weitere Fragen, aus Interesse für die Krankheit und/oder meine Person.
Ich kann damit sehr gut umgehen.
Lügen möchte ich nicht mehr, und ich möchte auch nicht belogen werden.
Von daher kam es auch nie für mich in Frage, meine Freunde über meine Krankheit im Unklaren zu lassen.
Ich erhoffe mir doch von meinen Freunden auch Ehrlichkeit.
Und ich bin bereit, das gleiche zu bieten. Alles andere ist für mich keine Basis.
Hier geht es ja darum, von EIGENEN Erfahrungen zu berichten und nicht davon, was sein könnte, wenn Fall A,B oder C eintrifft.
Also erzähle ich mal von mir:
Als ich in die Entgiftung kam, landete ich erstmal auf der Intensiv, weil ich körperlich am Ende war.
Ich erzählte dort das erste Mal ungeschönt die ganze Wahrheit über meine Sauferei, ungeschönt.
Und ich bekam sofortige Hilfe, ohne dumme Blicke oder Vorwürfe oder sonstwas.
Ich konnte/durfte während der Entgiftung nicht allein essen, konnte nicht mehr laufen (durch langes Liegen) und durfte nicht mal allein auf Toilette.
Also mußte ich alle Hilfe im KH annehmen, ich wurde gewaschen, lernte wieder laufen, allein essen etc.pp.
Die ganze Zeit wurde ich sehr liebevoll von den Schwestern und einem Pfleger betreut.
Obwohl ich mch anfangs unter aller Sau dort benommen hatte
, aber das lag an den Medikamenten, die kannten das da also und es wurde als Nebenwirkung der Entgiftung abgehakt und fertig.
Am Ende der Entgiftung nahm mich eine Schwester in den Arm und sagte mir:
"Wir haben jetzt alles für Sie getan, was wir konnten. Machen sie was draus!"
Dieser Satz begleitet mich übrigens bis heute.
Anschließend wurde ich von meiner neuen Hausärztin begleitet, die sich sehr gut mit Suchterkrankungen auskennt.
Darum hatte ich auch explizit diese Ärztin gewählt.
Sie wurde mir in den ersten Wochen nach dem KH zu meiner wichtigsten Begleitperson und Vertrauten.
Aber nicht nur das, ich wurde auch von restlichen Praxispersonal sehr freundlich, geradezu liebevoll betreut !
Da gab es keinen einzigen schiefen Blick und auch kein dummes Gelaber.
Ich verdanke diesen Leuten viel. Sie hielten zu mir und freuten sich mit mir über jeden gesundheitlichen Fortschritt und auch sonst.
Nun zum beruflichen:
Mein Chef ahnte längst, was mit mir los ist, weil er selbst einen alkoholkranken Bruder hat.
Unsere Krankheit bleibt nicht unbemerkt ! Wer sowas denkt, is echt blauäugig.
Als ich nach Monaten wieder zur Arbeit durfte, wurde ich auch dort freundlich empfangen.
In meiner Firma gibt es auch gut ausgebildete Suchtberater, die immer ansprechbar und auch vor Ort sind.
Es gab einige Grespräche mit meinen beiden Chefs. Das war aber okay so.
So, und nach ca. einem knappen Jahr wurde ich befördert !
Weil ich wieder zuverlässsig sein konnte, meine Aufgaben nüchtern sehr gut bewältigte und so bekam ich ein eigenes Sachgebiet.
Tut mir leid, auch hier kann ich keine Beeinträchtigung meiner beruflichen Laufbahn aufgrund meiner Krankheit sehen.
Später arbeitete ich noch in einer anderen Firma. Auch hier war meine Krankheit nie ein Problem.
Es ergaben sich auch dort Freundschaften mit Kollegen und auch da habe ich nie dumme Bemerkungen hören müssen.
Auch meine Freunde (also die wirklichen) hielten und halten zu mir und haben kein Problem mit meiner Krankheit.
Kurzum, bei mir traf nichts von dem zu, was Du befürchtest !
Und ich finde es auch äußerst unfair, einfach so zu behaupten, das alle Menschen schlecht über einen reden, nur weil man eine Suchterkrankung hat.
Paar Idioten gibt trotzdem immer, auch klar.
Aber nicht alle Menschen haben Vorurteile ! Das wird aber von Dir beinahe per se so unterstellt. Finde ich persönlich echt nicht okay.
Und Mutmaßungen finde ich auch nicht okay.
Mich interesseiren nur persönliche Erfahrungen anderer und nicht ein stochern im Ungewissen, was sein könnte, wenn...
Ich übertrage im übigen niemanden Verantwortung für meine Krankheit.
Dafür bin ich erstens nicht der Typ und zweitens BIN ich selbst verantwortlich.
Das reine Wissen über meine Erkrankung überträgt KEINE Verantwortung. Wieso sollte es?
LG Sunshine